In den kommenden Jahren rechnen die Stadtwerke mit einem Mindestbedarf von allein 100 Elektroingenieuren, davon rund 90 mit Fachhochschulabschluß. An der Aufgabenstellung kann es nicht liegen, daß die Münchener Stadtwerke vor immer größer werdenden personellen Schwierigkeiten stehen. Planung, Bau, Modernisierung, Instandhaltung und Betrieb der technischen Anlagen stellen hohe, reizvolle Ansprüche an das fachliche Wissen und Können der technischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ob es sich dabei um den Betrieb der U-Bahn oder um die beiden voraussichtlich 1991 fertiggestellten Heizkraftwerksblöcke in Unterföhrung handelt, überall sind moderne Technologien im Einsatz. Übrigens auch bei der Gasversorgung mit prozeßgesteuerten Regler- und Leitzentralen und bei der Wasserversorgung, die nur mit Einsatz besten Ingenieurwissens langfristig in der jetzigen hohen Qualität gesichert werden kann. Hinzu kommt die flexible Arbeitssituation, nämlich innerhalb des jeweiligen Versorgungsbetriebs verschiedenen Tätigkeiten nachgehen zu können, die Nähe zum Bürger und die Vorbildfunktion im Umweltschutz und Energiesparbereich eines öffentlichen Unternehmens. Bei den Stadtwerken München sorgt zudem eine innovative Unternehmensphilosophie für modernes technisches Projektmanagement und rationelle Terminplanung. So bestätigt auch der 30jährige Maschinenbauingenieur Michael Schirmer: Während meiner Praktika habe ich Einsicht in die Arbeitssituation verschiedener großer Unternehmen gewonnen. Es gab aber dort keinen Arbeitsbereich, wo so viele Techniken und vielfältige Tätigkeiten zusammenkamen wie bei den Stadtwerken. Einen hohen Stellenwert messen die Stadtwerke München dem Umweltschutz bei. Sie erfüllen nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern gehen, soweit das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich ist, darüber hinaus. Sei es beim Einsatz moderner Kraftwärme-Kopplung bei der Strom- und Fernwärmeerzeugung, bei der Verwendung neuester wirkungsvoller Abgasreinigungsanlagen in den Kraftwerken oder beim erweiterten Angebot umweltfreundlicher Energien wie Fernwärme und Erdgas, um nur einige Beispiele zu nennen. Stefan Bader, Diplomingenieur FH, Fachrichtung Physikalische Chemie, ist seit zwei Jahren beim zentralen Umweltschutz der Stadtwerke beschäftigt. Bader: Ich sehe meine Arbeit auch als gesellschaftspolitische Aufgabe. Meine Bestätigung finde ich vor allem darin, daß ich innerhalb meines Tätigkeitsrahmens relativ frei entscheiden kann. Er ist gerade damit beschäftigt, aus den zusammengestellten Meßwerten der verschiedenen Kraft- und Heizwerksanlagen an seinem Personal-Computer die monatliche Emissionsgrafik für die Presseveröffentlichung zu erstellen. Bei der derzeitigen Hochkonjunktur spielt das für den Öffentlichen Dienst sprechende Argument der Arbeitsplatzsicherheit bei den Bewerbern eine nachgeordnete Rolle. Heute verdient ein 31jähriger verheirateter Fachhochschulingenieur mit einem Kind monatlich rund 4800 DM brutto. Dazu kommt- unabhängig von tariflichen Gehaltserhöhungen- alle zwei Jahre eine Erhöhung des monatlichen Einkommens um durchschnittlich 100 DM netto. Um die Versorgung Münchens und Teilen des Umlands auch in Zukunft sicherstellen zu können, gehen die Stadtwerke in ihrer Personalpolitik auch neue Wege. Sie versuchen möglichst frühzeitig geeignete Nachwuchskräfte an sich zu binden. So werden derzeit zwei Studentinnen und sieben Studenten technischer Studienfächer mit Stipendien unterstützt. Eine zweistellige Zahl an Praktikantenstellen mit Praktikumsbeihilfen soll außerdem künftigen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, in verschiedene Arbeitsbereiche hineinzuschnuppern. Noch liegt der Frauenanteil bei den Ingenieuren der Stadtwerke nur bei 2,2 Prozent. Um mehr Frauen für technische Berufe zu interessieren, haben sich die Stadtwerke am München-Mädchen-Technik-Tag beteiligt. Neben der Darstellung der von ihnen angewandten Technologien ging es den Stadtwerken dabei auch darum, den jungen Frauen ihre sozialen Leistungen nahezubringen. So besteht bei gleicher Qualifikation und Ausbildung bei der Besetzung von freien Positionen Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können zur Betreuung ihrer Kinder bis zu zwölf Jahre unbezahlt beurlaubt werden. Nach ihrer Rückkehr haben sie einen Anspruch auf die Übertragung einer gleichwertigen Position wie vor der Beurlaubung. Juliane Gött, 33 Jahre alt, Diplomingenieurin FH, Fachbereich Versorgungstechnik, war für die Stadtwerke beim Mädchen-Technik-Tag. Seit der Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren arbeitet sie halbtags. Nach vielen Absagen von privaten Unternehmen hat sich Juliane Gött vor fünf Jahren bei der Gasversorgung der Stadtwerke beworben und wurde nach eigenen Aussagen liberal und offen aufgenommen. Neben ihrer Nachwuchsförderung bieten die Stadtwerke München den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine umfassende berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Ein jährlich erscheinendes, umfangreiches Fortbildungsprogramm listet eine Vielzahl von Schulungen und Trainingsmöglichkeiten auf. Trotz des relativ engen Gehaltsraums im Öffentlichen Dienst ist sich der Personalchef der Münchener Stadtwerke, Reiner Weber, sicher, daß für die Absolventen der Fachhochschule bei der Berufswahl Geld nicht mehr an allererster Stelle steht. Braucht unsere vollelektronische Gesellschaft noch den älteren Arbeitnehmer? Eine Frage, die Doktor Ulrich Kloubert, Chef der Abteilung Personal- und Rechtswesen beim Berliner Elektrounternehmen De Te We, eindeutig mit Ja beantwortet. Kaum berufliche Leistungsdefizite, aber eine ganze Reihe von Qualifikationen, die mit zunehmendem Alter noch anwachsen, attestiert er der reiferen Jugend. Mit den modernen Mitteln der Informations- und Kommunikationstechnik versuchen immer mehr Hersteller, die Anwender für die elektronische Arbeitswelt der Zukunft zu begeistern. Eine der sensibleren Fragen, die uns alle angeht, ist dabei: Braucht unsere vollelektronisch funktionierende Wirtschaft noch den älteren Mitarbeiter? Ist er den Anforderungen der modernen elektronischen Technologie überhaupt gewachsen? Dieses Thema wird parteipolitisch, ideologisch oder sentimental behandelt; es wird tendenziös, sogar polemisch ausgetragen. Im allgemeinen gilt auch: beim Stichwort Ältere Mitarbeiter wird in erster Linie an gesetzliche beziehungsweise tarifliche Schutzbestimmungen, Beschäftigungsprogramme und Vorruhestand gedacht. An den Arbeitsplätzen von morgen wird in der Elektroindustrie jeder Mitarbeiter mit den Anforderungen der Elektronik konfrontiert werden, die unmittelbare Auswirkungen auf seine Arbeitsweise haben. Die Anpassungszwänge werden in allen Bereichen, besonders aber in der Verwaltung, einschneidend sein. Denn man wird in den Büros der Zukunft mehrere unabhängig voneinander arbeitende Systeme integrieren müssen- nicht nur die herkömmliche Datenverarbeitung, sondern auch die internen und externen Kommunikations-Systeme. Hilfsmittel sind die digitalen Nebenstellenanlagen und die sogenannten In-Haus-Netze, zu denen die verschiedenen computergestützten Arbeitsplätze über Kabelsysteme verbunden werden. Haben in dieser Wunderwelt der elektronischen Systeme etwa nur jüngere Mitarbeiter noch eine Chance? Diese Formulierung provoziert sofort die Gegenfrage, was denn eigentlich ein älterer Mitarbeiter sei. Eine genaue Abgrenzung zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern ist gar nicht möglich. Personalpolitische Erkenntnisse gehen davon aus, daß schon mit einem Alter von 40 Jahren der einzelne Mitarbeiter als ein sogenannter älterer Mitarbeiter klassifiziert ist. Diese Auffassung vertritt z. B. Die Bundesanstalt für Arbeit. Teilweise wird die Schwelle noch tiefer gelegt, wenn das Niveau der schulischen und beruflichen Ausbildung gering ist. Daraus resultiert dann die für viele erschreckende Erkenntnis, daß man eigentlich auch schon mit 30 zum Kreis der Älteren gehören kann. Nach einer Reihe von Jahren der Computerfaszination ist mittlerweile wieder Normalität eingezogen. Trotz der weiterhin bestehenden Attraktivität ist der Einsatz moderner und modernster PC-Technologie so richtig noch nicht zum Durchbruch gekommen. Die Invasion der Elektronik hat sich verlangsamt. In den meisten Unternehmensbereichen hat das elektronische Handwerkszeug immer noch Seltenheitswert. Viel zu häufig findet man Relikte aus der Vor-Computer-Ära. Die vielen Konzepte, die zeitweilig als seligmachend angepriesen und verordnet wurden, sind oft auf der Strecke geblieben und wurden nicht realisiert. Die Gründe dafür, daß der mittlerweile überall vorzufindende PC mit seinem erstaunlich umfangreichen Rechnerpotential heutzutage vielfach nur als elektronischer Radiergummi benutzt wird, liegen auch darin, daß die Einführung der elektronischen Informationstechnik von vielen Betroffenen nicht wirklich mitgetragen, sondern eher gebremst oder behindert wird. An diese Erkenntnis knüpft sich dann meist eine Schuldzuweisung an: die Komplikation sei auf angeblich mangelnde Flexibilität und Bereitschaft der Mitarbeiter zurückzuführen, insbesondere der älteren unter ihnen. Zu unrecht. Viele EDV-Abteilungen haben über Jahre hinweg versagt. Unter dem Mangel an qualifizierter, bedarfsspezifischer Anwendungssoftware, wegen endloser Applikationsstaus, wachsender Schnittstellenprobleme und zähflüssiger Datenzufuhr haben die betroffenen Mitarbeiter resigniert und zu altgewohnten Techniken zurückgefunden. Man ist mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, daß der zurückhaltende Nutzungs- und der ausbleibende Rationalisierungseffekt primär durch mangelnde Anpassung des Systems an menschliche Arbeitsweisen verursacht wird. Der größte Teil der Installationen ist in zeitbedingter Euphorie zustande gekommen. Man hat sich in erster Linie auf die vordergründig popularisierten Innovationen gestützt und ohne Rücksicht auf die betroffenen Arbeitsplätze mit Radikalkuren neue Systeme installiert. Der Bremseffekt beruht auf veralteten Aufgabenstrukturen, Arbeitsabläufen und Ausrüstungen. Schwachstelle ist nicht der Mitarbeiter, schon gar nicht der ältere Mitarbeiter, sondern es sind die überholten und nicht angepaßten Strukturen. Die Einführung der Mikroprozessortechnik scheitert also nicht am Alter des Mitarbeiters, sondern am mangelnden Weitblick der Hersteller und Systemexperten. Auch bei älteren Arbeitnehmern kann man davon ausgehen, daß berufliche Leistungsdefizite normalerweise nicht vorhanden sind. Im Gegenteil. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind beispielsweise vom Alter unabhängig:- Sprachliche Kenntnisse. Darüber hinaus verfügen die älteren Mitarbeiter über eine Reihe von Qualifikationen, die gerade mit zunehmendem Alter anwachsen:- Fähigkeit, private Schwierigkeiten von der Berufsarbeit zu trennen. Eigenschaften wie Berufserfahrung, Urteilsfähigkeit und Selbständigkeit prädestinieren den älteren Mitarbeiter dazu, der vordergründigen Computerfaszination der Chip-Generation nicht zu erliegen. Solche Fähigkeiten setzen ihn in den Stand, die erforderliche organisatorische Anpassung glaubwürdig und sozialverträglich zu propagieren und zu realisieren. Damit kann er ein offeneres, lockeres, d. H. Innovativeres Klima im Unternehmen fördern. Weil die Informationstechnik zunehmend Voraussetzung für die Mobilisierung strategischer Erfolgspotentiale wird, gewinnt gerade der ältere und erfahrene Mitarbeiter eine neue Rolle als Motor, Coach, Trainer, Inspirator: Funktionen, bei denen er die ihm eigenen berufserfahrungsbezogenen Fähigkeiten einsetzen kann, um Vielfalt zu organisieren, Hierarchie zu überwinden, Bürokratie abzubauen, Selbstbewußtsein zu fördern, unbequeme Mitarbeiter zu schützen, Wettbewerb zu schaffen, Kontrolle zu verbessern und aus Mißerfolgen zu lernen. Man sollte nicht verkrampft an Studienordnungen und Dozenten kleben. Die Bereitschaft zur Flexibilität ist ganz wichtig: Dieses Fazit zieht Doktor Franz-Josef Paefgen, Leiter Entwicklung, Ausstattung, Klimatisierung bei der Audi AG in Ingolstadt, in diesem sehr persönlichen Artikel. Als ich mit 14 Jahren in der Autowerkstatt meines Vaters zum ersten Mal knietief im Öl gestanden hatte, war die Entscheidung bereits gefallen: Ich werde einmal Automobilingenieur. So naiv diese Berufsentscheidung auch klingen mag, sie entspricht der Wahrheit. Doch bis ich mit meinen heute 44 Jahren bei der Audi AG in Ingolstadt vor drei Jahren zum verantwortlichen Entwickler für Ausstattung und Klimatisierung wurde, bis dahin gab es in 14 Berufsjahren allerhand an Erfahrungen zu sammeln. Diesen Berufsweg möchte ich schildern- weniger als beispielhaftes Vorbild, sondern vielmehr zur Orientierung, für die, die eine ähnliche Laufbahn ins Auge gefaßt haben. Trotz häufiger Aufenthalte im Betrieb meines Vaters erreichte ich nach neun Jahren am staatlichen Quirinus-Gymnasium in Neuss das Abitur, dies gab mir eine gründliche humanistische Bildung mit auf den Weg. Ferienjobs und Praktikum brachten mir erste Einblicke in die Berufswelt, zunächst aus der Perspektive einer Ameise gewissermaßen. Früh aufstehen, Schichtarbeit, Gießereidreck und -hitze, Monotonie der Bandarbeit waren für mich schon bald keine Fremdworte mehr. Gleichzeitig erwarb ich eine Menge praktischer Erfahrungen, die mir während des Studiums oft nützlich waren. Ein paar Gedanken zum Studium: Ich glaube, man sollte nicht veran Studienordnungen und Dozenten kleben. Die Bereitschaft zur Flexibilität ist bereits im Studium ganz wichtig. Bei meinem Studium an der Technischen Universität in Karlsruhe und an der Technischen Hochschule Aachen habe ich genau dies gelernt. Wichtig war mir dabei auch stets der Blick über den Tellerrand hinaus. So bildete ich mich neben meinem Maschinenbaustudium unter anderem im Patentrecht und technischen Englisch und absolvierte später neben meiner Lehrstuhltätigkeit ein wirtschaftswissenschaftliches Aufbaustudium. Nach meinem Examen in der Fachrichtung Wärme-Kraft und Arbeitsmaschinen im Jahre 1972 hatte ich als Stipendiat keine Mühe, eine geeignete Promotionsstelle zu finden. Angesichts der düsteren Prognosen für das Automobil im Zeichen der sogenannten Ölkrise entschied ich mich zwar für eine Promotion am Institut für Kraftfahrwesen, jedoch forderte die gewählte Thematik erneut die Beschäftigung mit neuen Wissensgebieten: Ich beschäftigte mich in einer Forschungsgruppe Individualverkehr/ Öffentlicher Personennahverkehr mit neuartigen Transportsystemen und schrieb eine Doktorarbeit über Disposition eines rechnergestützten Bussystems. 1976 begann dann für mich die Berufstätigkeit. Mit großer Begeisterung begann ich bei Ford in Köln in der Produktentwicklung als Graduate Trainee. Wichtig war dabei die gute persönliche Begleitung durch meinen Paten Doktor Dieter Stojek, dem damaligen Leiter der Motorenentwicklung, der mich im Anschluß an die Trainee-Zeit in die Motorenentwicklung übernahm. Dort galt es, trotz vielfacher universitärer Qualifikationen, von der Pike auf zu zeigen, was man zu bieten hat. Neben einem Blick fürs Praktische wurde nun auch zunehmend persönliches Feingefühl im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen ein bedeutender Faktor für erfolgreiches Arbeiten. Bedingt durch die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Automobilindustrie boten sich jedoch keine konkreten Perspektiven in der Motorenentwicklung. Erneut war Flexibilität angesagt. Ich entschied mich für eine Tätigkeit im Bereich Zentrales Qualitätswesen und übernahm den Aufbau einer Abteilung Qualitätsplanung in der Produktentwicklung. Hierbei machte ich erneut wichtige neue Erfahrungen: Eine Tätigkeit mit Verantwortung im deutschen und im englischen Entwicklungsstandort sowie erste Kontakte mit der Systematik der Failure Mode and Effect Analyses( FMEA). Nach dem Aufbau dieser Abteilung folgte ich einem Wink des Schicksals. Durch die Familie meiner Frau, sie hatte ich zwischenzeitlich in Köln kennengelernt, bot sich die Möglichkeit, als geschäftsführender Gesellschafter in einem Handelsunternehmen tätig zu sein. Wenn auch die Selbständigkeit von großem Reiz für mich war und immer noch ist, habe ich doch während dieser gut einjährigen Tätigkeit erfahren, daß die emotionale Bindung an das Produkt, mit dem man täglich umgeht, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Kurz gesagt, eine stille Sehnsucht zurück in die Automobilindustrie überkam mich. Zum Jahresbeginn 1980 las ich die Annonce für einen Posten in der Fahrzeugentwicklung im süddeutschen Raum. Das war Audi in Neckarsulm. Nun ist es nicht so einfach, einen Rheinländer mit Frau ins Schwäbische zu verpflanzen und noch dazu mit einem Job zu betrauen, der, wie sich herausstellte, wieder ein neues Aufgabengebiet betraf. Doch diesmal spielte die Überzeugungskraft des damaligen Stelleninhabers eine alles entscheidende Rolle: Otto Erlewein suchte seinen Nachfolger als Leiter der Konstruktion, Ausstattung und Elektrik. Höchstpersönlich arbeitete mich Erlewein zehn Monate lang ein, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedete. Ein Glücksfall, denn mir ist kein weiterer Fall einer so perfekten Einarbeitung bekanntgeworden. In Neckarsulm traf ich auf eine kleine harmonische Mannschaft, die mit ihrer günstigen persönlichen Basis vieles erleichterte. Unter diesen Bedingungen entwickelten wir den Audi 200 und als Folgeauftrag den V8. 1987 bat man mich an den Audi-Hauptsitz nach Ingolstadt als Leiter für die Entwicklung, Ausstattung und Klimatisierung. Der brave Rheinländer siedelte abermals die Familie um; zwei schwäbische Kinder waren mit von der Partie, zu denen sich inzwischen noch ein bayerisches gesellt hat. Rückblickend ist für meine Laufbahn vor allem die Bereitschaft zur Flexibilität ganz entscheidend gewesen. Manchmal ist es sicher hart, andernorts mit etwas Neuem von vorne anzufangen, Liebgewordenes hinter sich lassen zu müssen. Dies alles aber bringt einen, so glaube ich, persönlich weiter, erweitert den Horizont und macht einen letztlich an Lebenserfahrung reicher. Die Familie, besonders die Ehefrau, ist dabei sehr wichtig. Durch ihre Unterstützung ermöglicht sie vieles erst und stärkt auch dem noch so und entscheidungsfreudigen Manager den Rücken. Steigende Pensionierungszahlen und schwache Studentenjahrgänge aus den vergangenen lassen einen Mangel an Bauingenieuren befürchten. Und das, obwohl gerade diesem Berufszweig eine breite Palette an Einsatzmöglichkeiten geboten wird. Manfred Hermann, Direktor der Hochtief AG in Hamburg, zählt in seinem Artikel auf, welche Anforderungen ein Ingenieur bei der Instandsetzung des Kanalisationsnetzes, bei der Altlastensanierung oder beim Bau neuer Verkehrswege zu erfüllen hat. Das IFO-Institut für Wirtschaftsforschung hat 1988 eine Studie Baubedarf-Perspektiven bis 2000 vorgelegt. Damals, ehe an eine baldige Wiedervereinigung Deutschlands zu denken war, wurde für die Bundesrepublik im Zeitraum bis zum Jahr 2000 die Nachfrage an Bauleistungen mit 3,7 Billionen DM prognostiziert. 1988 stand die Bauwirtschaft noch im Schatten einer schlechten Auftragslage. Deshalb stellte das IFO-Institut die tatsächliche Produktion der kommenden Jahre unter einen Finanzierungsvorbehalt. Inzwischen hat die gute Konjunktur den Wirtschaftsbau erheblich belebt( Auftragseingänge 1989 plus 18 Prozent, 1. Halbjahr 1990 weitere 16 Prozent). Die öffentliche Hand verfügt gleichzeitig über größere Steuereinnahmen, die zum Beispiel den Gemeinden Investitionen erlauben. Der Wohnungsbau hat hohe Steigerungsraten. Schließlich erweitert der katastrophale Zustand der Bausubstanz in Ostdeutschland- in Quantität und Qualität- den Baubedarf in noch nicht absehbarem Umfang. Insgesamt steht die deutsche Bauwirtschaft vor einer enormen Aufgabe, die etwa mit der Situation in der Bundesrepublik in den 50er Jahren vergleichbar ist. Aus der, vor allem durch die Verhältnisse in der DDR, unübersichtlich gewordenen Struktur der Nachfrage, sollen im Folgenden einige interessante Teilaspekte herausgegriffen werden. Große Probleme bereitet die Abfallbeseitigung. Die Deponiekapazität ist nahezu erschöpft. Alte Deponien sind sanierungsbedürftig, weil sie das Grundwasser gefährden. An neue Deponien werden umweltbedingt große technische Anforderungen gestellt. Sie machen erhebliche Baumaßnahmen notwendig, ebenso Recycling und Müllverbrennung. Insgesamt schätzte IFO allein für die Bauten zur Abfallbeseitigung ein Kostenvolumen von 50 Milliarden DM. Dringende Projekte in der DDR kämen hinzu. Eine noch größere Zeitbombe tickt bei der Abwasserbeseitigung. Die Verbesserung der Klärwerke zur Erzielung immer höherer Reinheitsgrade ist ein öffentliches Thema. Eher unbekannt ist dagegen der Zustand des Kanalisationsnetzes( davon 285000 Kilometer in kommunaler Hand). Ein Teil der Leitungen stammt aus dem vergangenen Jahrhundert, 25 Prozent aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Inzwischen ist nicht nur die Abwassermenge gestiegen, sondern auch deren chemische Zusammensetzung aggressiver geworden. Die Schäden am Kanalnetz sieht man nicht, das austretende Abwasser( nach Schätzung der Abwassertechnischen Vereinigung etwa 400 Millionen m3 jährlich) bleibt zunächst unbemerkt. So war es scheinbar einfach, die notwendigen Etatmittel für die Instandhaltung zu kürzen oder gar zu streichen. Der Sanierungsbedarf ist jetzt unaufschiebbar. Die IFO-Schätzung lautet auf 165 Milliarden DM und ist eher knapp, allein schon für die Bundesrepublik. Ein weiteres dunkles Kapitel im Boden ist die Altlastensanierung. Die Zahl der belasteten Standorte, die erforderlichen Sanierungsverfahren und der Kostenaufwand sind noch nicht bestimmbar. Ein großes Arbeitsfeld für Bauingenieure bietet der Verkehr. Trotz der Differenzen zwischen politischen Vorstellungen und praktischem Bedarf gibt es viele unabweisbare Vorhaben. Der Straßenbau verlagerte sich allmählich auf Ausbau und Unterhaltung. Zum Neubau stehen nun wieder Ost-West-Verbindungen, aber auch Ortsumgehungen, Brücken und Tunnel an. Das Schienennetz bedarf bei expandierendem Verkehrsmarkt neuer Schnellstrecken. Im Regionalbereich ist der Nahverkehr weiter ausbaubedürftig. Auch der zukünftige Luftverkehr kommt ohne umfangreiche Baumaßnahmen nicht zurecht. Der Flughafen Frankfurt investiert bis 19757 Milliarden DM. Hamburg baut seinen Flugplatz in der Hoffnung aus, ohne einen völlig neuen Großflughafen Verkehrskreuz des Nordens werden zu können. Berlin wird sicherlich in großen Dimensionen planen müssen. Nicht neu, aber erst in den letzten Jahren als Ingenieuraufgabe richtig bewußt geworden, ist die Kontrolle und Sanierung der vorhandenen Bausubstanz. Bei technisch hochwertigen Bauten geht es über die laufende Unterhaltung hinaus darum, ein stilles Gefahrenpotential unter Kontrolle zu halten und ggf. Rechtzeitig einzugreifen. Schließlich sei noch auf die Energieversorgung hingewiesen. In der Bundesrepublik zeichnen sich bei der Stromerzeugung Ersatzinvestitionen ab, in der Ex-DDR praktisch ein völliger Neuaufbau. Damit stellt sich die Frage nach der vorhandenen und zu erwartenden Ingenieur-Kapazität. Man muß bedenken, daß die Bauingenieure ein sehr großes Aufgabenfeld abdecken. Hoch- und Tiefbau sind nur die gängige Eingrenzung. Der Beruf ist vielseitig wie wenige andere. Bauingenieure arbeiten in Behörden, bei Bundesbahn und Bundespost, in Unternehmungen, in Ingenieur- und Planungsbüros und in der Forschung. Das Baugeschehen hat einen Anteil von 13 Prozent am Bruttosozialprodukt, mehr als jeder andere produzierende Bereich. Die Bauproduktion betrug 1989 in der Bundesrepublik 289 Milliarden DM, die- statistisch schwer vergleichbare- Summe in der ehemaligen DDR 48 Milliarden Mark. Die Bauaufträge aus dem Ausland unterlagen seit jeher starken Schwankungen. Nach einigen Rekordjahren, die 1982 endeten, mit einem Volumen von je 10 bis 12 Milliarden DM ist mittlerweile eine jährliche Größenordnung von etwa 2 Milliarden DM normal, mit steigender Tendenz. Die Zahl der tätigen Bauingenieure in der Bundesrepublik ist mit 100000 nur angenähert feststellbar( die Statistik erfaßt Bauingenieure und Architekten als gemeinsame Gruppe). Der unterschiedliche Hochschulabschluß- Fachhochschule oder Technische Universität- wird mit 2: 1 geschätzt. Altersbedingt werden pro Jahr etwa 3000 Arbeitsplätze frei. Zusammen mit dem Zusatzbedarf- aus Konjunktur, erweiterten Aufgaben und höheren technischen Anforderungen- decken die z. Zt. 3300 jährlichen Diplomanden gerade den Bedarf. Über die ganze Bundesrepublik gesehen, ist der Arbeitsmarkt derzeit ausgeglichen. Steigende Pensionierungszahlen und schwache Studentenjahrgänge aus vergangenen Jahren lassen einen Mangel befürchten. Zum Studium stehen 12 Universitäten, drei Gesamthochschulen und 40 Fachhochschulen zur Verfügung. Studentenzahlen aus Ostdeutschland liegen noch nicht vor. Das Studium war dort stärker auf spezielle Tätigkeiten ausgerichtet. Wasserbau wurde z. B. Nur in Dresden gelehrt. Für Verkehrsbau gab es eine eigene Hochschule. Der Fertigteilbau nahm einen bedeutenden Platz im Studium ein. Die Hochschulen der ehemaligen DDR sind bemüht, die breiter angelegten bundesdeutschen Lehrpläne einzuführen. Aber hierzu bedarf es auch fachkundiger Dozenten an jedem Standort. Planung und Bauausführung in der DDR deckten sich nicht mit westdeutschen Maßstäben. Bauwerke sind Repräsentanten des Zeitgeistes, aber sie sind auch die Umgebung von morgen. Sie entstehen unter Abwägung vieler Interessen und Rücksichten. Planung ist mehr denn je interdisziplinär. Die Bauingenieure haben dabei eine wichtige Stellung in der Befriedigung der Bedürfnisse der Gegenwart und für die Lebensqualität der Zukunft. Der deutsche Maschinenbau ist im hohen Maße exportorientiert. Wie die meisten Unternehmen dieser Branche, so muß sich auch der Krupp-Konzern, wie Doktor Bernd Schönwald, Direktor des Zentralbereichs Technik der Fried. Krupp GmbH in Essen, beschreibt, täglich mit seinen Produkten internationalem Wettbewerb stellen. Um erfolgreich tätig zu sein, bedarf es daher besonderer Aufmerksamkeit bei Auswahl und Weiterbildung der Mitarbeiter. Wettbewerb findet auf verschiedenen Ebenen statt. Ein relevanter Vorteilsfaktor ist dabei die Technologie eines Produktes, die, unterstützt durch landesspezifische Vertriebskonzepte, Kundenwünsche befriedigen soll. Ein entscheidender Faktor ist der Kostenwettbewerb, der letztendlich dazu führt, ob ein Produkt noch im eigenen Lande gefertigt werden kann oder eine Fertigungsverlagerung stattfinden muß; natürlich mit der Maßgabe einer kostenoptimalen Konstruktion. Ein Produkt muß technologisch wettbewerbsfähig sein. Das bedeutet, daß es alle die technischen Funktionen aufweisen muß, die der Kunde fordert. Für die Unternehmen des Krupp-Konzerns heißt das, daß Mitarbeiter in der Entwicklung immer auf dem höchsten Stand technischen Kow-hows gehalten werden müssen. Damit verbindet sich die Notwendigkeit, fachliche Schulung sowie technische Kenntnisse kontinuierlich weiter zu vertiefen. Da Kundenwünsche sehr häufig auch nationale Besonderheiten beinhalten, wie zum Beispiel bei elektronischer Steuerungstechnik, wo man sehr oft auf übliche Hoflieferanten beziehungsweise Betriebsnormen zurückgreifen muß, sollen Mitarbeiter Kenntnisse über den aktuellen Technologiestand und nationale Besonderheiten haben. Natürlich gehören dazu im gleichen Maße auch Softwareentwicklungen. Voraussetzung ist demnach, daß man den Entwicklungsstand der wesentlichen Wettbewerber verfolgt und technische Entwicklungslinien im Auge behält. Technik ist jedoch nur ein Teil internationalen Wettbewerbs und allgemeine technische Trends oder Entwicklungen werden relativ schnell bekannt. Differenzierung in der Technik und Wettbewerbsschutz erfolgt jedoch auch international über Patentanmeldungen, dieses nur als Beispiel. Hier bedeutet Vorbereitung, daß man Mitarbeitern nicht nur die Möglichkeiten sondern sogar die Aufgabe gibt, alle wesentlichen Patentanmeldungen, die ihr Produkt betreffen, zu verfolgen, um hier auf Trends des internationalen Wettbewerbes aber auch von Entwicklungs- und Forschungszentren zu achten. Wettbewerb findet überwiegend vor Ort statt, somit im Blickfeld des Kunden. Das bedeutet, daß dem Vertrieb ein Hauptaugenmerk zugewandt sein muß. Mitarbeiter müssen daher im Ausland lernen, und landestypische Vertriebskonzeptionen sind wesentlicher Bestandteil der Vertriebsorganisation. Hier verlangt jedes Land seine Besonderheiten, und ein zusätzlicher Pluspunkt eines Verkäufers ist neben seinem fachlichen Wissen insbesondere die Sprachkompetenz. Daher ist der Krupp-Konzern stets bereit, der Sprachfähigkeit seiner Mitarbeiter im Ausland eine gute Grundlage zu geben und diese auch entsprechend weiterzubilden oder man stellt direkt Mitarbeiter aus dem jeweiligen Lande ein. Personaldelegationen auf Zeit ins Ausland im Rahmen von Ausbildungsprogrammen können wesentliche Meilensteine sein, um Mitarbeiter international auszurichten. Ein Produkt lebt in seiner Wettbewerbsfähigkeit natürlich auch von der Preisgestaltung. Folglich muß ein Unternehmen seine Mitarbeiter anhalten, die Kostenvorteile wahrzunehmen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Produktes garantieren. Internationalität bedeutet hier zum einen, für die Unternehmen die Unterlieferanten zu finden, die bei guter Qualität die Kostenvorteile bringen, die für das eigene Produkt von Nutzen sind. Dazu muß man ständig die eigene Kostenstruktur mit der des Wettbewerbers vergleichen, um über diesen Vergleich Ansatzpunkte für Vorteilsfaktoren zu finden. Kostenvorteile sind häufig auch eine Frage des Fertigungsstandortes. Internationale Ausrichtung der Mitarbeiter bedeutet in diesem Falle, Kenntnisse über Kosten und Fertigungsqualität beziehungsweise Fertigungs-Know-how unterschiedlicher Länder zu haben und geht von einer Vor-Ort-Präsenz bis zur Leitung ganzer Unternehmenseinheiten. Ähnliches gilt bei den Anlagenbauern für den Bereich des Projektmanagements. Diese Triade von Produkttechnologie, Vertrieb und Kosten steht immer im Wechselspiel. Internationale Ausrichtung bedeutet, auf allen drei Klavieren gut spielen zu können. Für die Mitarbeiter heißt das, daß sie ein Gefühl für alle drei Faktoren mitbringen müssen und dieses sehr häufig sehr spezifisch für das jeweilige Land. Dieses Gefühl kann man nur bedingt im eigenen Hause durch Schulung und Weiterbildung erzeugen. Es gehört einfach dazu, daß Mitarbeiter über Zeit in verschiedenen Ländern und in den verschiedenen Funktionen tätig sein müssen. Nur so läßt sich aus Führungsnachwuchs qualifiziertes Führungspersonal aufbauen. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit, Kenntnisse über das jeweilige Steuer- oder auch Vertragsrecht zu besitzen. Für den Krupp-Konzern ist es daher eine Verpflichtung, daß sich z. B. In der Konzernleitung Mitarbeiter für bestimmte Länder auf Schwerpunkte zusätzlich spezialisieren. Internationale Wettbewerbsfähigkeit bedeutet bei Mitarbeitern Kompetenzen aufzubauen, die internationales Niveau bedeuten, um allen Besonderheiten der jeweiligen Kunden beziehungsweise Märkte nachkommen zu können. Diese Beziehung zur Wettbewerbsfähigkeit muß bereits im eigenen Hause beginnen, durch Selektion bestimmter Qualifikationen bei den einzustellenden Mitarbeitern, wie z. B. In den Sprachfähigkeiten. Entsprechend positiv sind auch Studien im Ausland zu bewerten. Dazu kommen neben den fachlichen Besonderheiten allgemeine Ansätze wie Motivationsschulung, Verkaufstraining, Rhetorik usw. Eine gute, international ausgerichtete Organisation kann all diese Fähigkeiten wirkungsvoll einsetzen und unterstützen. Dieser Bedarf wird in den nächsten Jahren zunehmen, da sich der internationale Wettbewerb noch verstärken wird. Das gilt insbesondere im Rahmen der europäischen Gemeinschaft, wo im Übergang 1992/ 93 viele Schranken wegfallen und internationale Verbindungen gefragt sind. Der Krupp-Konzern stellt jährlich etwa 150 Millionen DM für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Ein Teil davon dient der Weiterbildung von Mitarbeitern, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Ingenieure sind im Journalismus bislang kaum vertreten. Sie sind- statistisch gesehen- in diesem Berufsstand mindestens ebenso unterrepräsentiert wie in Parlamenten und politischen Gremien, wenngleich Journalismus und Politik die öffentliche Diskussion über die Technik und damit die Arbeit von Ingenieuren federführend gestalten. Der Bedarf an Ingenieuren als Journalisten ist daher in jeder Hinsicht groß. Bislang gibt es jedoch nur wenige Ausbildungsprogramme. Eine Ausnahme schildert Prof. Doktor Claudia Mast, die an der Universität Stuttgart-Hohenheim Redakteure im Studiengang Journalistik/ Kommunikationswissenschaft ausbildet. Technische Neuerungen werden längst nicht mehr selbstverständlich akzeptiert. Journalisten haben Schlüsselpositionen inne, wenn es um die Gestaltung der öffentlichen Meinungsbildung über Themen wie Umweltschutz, Rüstungstechnik, Automatisierung oder Energietechnik geht. Sie entscheiden letztlich, welche Themen in welcher Aufmachung und Interpretation auf die Tagesordnung der öffentlichen Aufmerksamkeit gesetzt werden. Sie liefern täglich Medienwirklichkeiten aus Wirtschaft, Technik und Arbeitswelt, manchmal auch recht freie Wirklichkeiten. Gründe hierfür sind sicher die Nachrichtenwerte als journalistische Auswahlkriterien, die vom vermuteten Publikumsinteresse ausgehen, aber auch die Tatsache, daß Naturwissenschaftler und insbesondere Ingenieure in der Berufsstatistik Journalismus kaum auftauchen, obgleich sie von der Themenlage in den Medien dringend benötigt werden. Auch die Personalplanungen von Zeitungs-, Zeitschriften- und Rundfunkredaktionen belegen eindeutig eine zunehmende Nachfrage nach natur- und wirtschaftswissenschaftlich ausgebildeten Journalisten. Ingenieure werden nicht nur von entsprechenden Fachredaktionen sowie ausgewiesenen Fachmedien( zum Beispiel Fachzeitschriften) dringend gesucht; sie werden auch in den übrigen Ressorts der Medien, z. B. Im Lokalen, in der Politik oder der Wirtschaft einer Tageszeitung benötigt. Die Auswirkungen der Technik beschäftigen inzwischen beinahe alle Ressorts der Massenmedien. Sie müssen unter den verschiedenen politischen, wirtschaftlichen oder lokalen Aspekten sachkundig behandelt und kommentiert werden, zum Beispiel im Bericht über Technologieförderung in Europa, die Auswirkungen von Automatisierungstechnik auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder das örtliche Müllverbrennungskonzept. Zwar haben Medienkritik und Journalistenschelte Konjunktur, wenn es um technische Entwicklungen und deren öffentliche Darstellung geht. Wer aber einen besseren Journalismus will, muß in Aus- und Weiterbildungskapazitäten investieren und über Förderprogramme beziehungsweise Anreizsysteme für Studierende der Ingenieurwissenschaft nachdenken, die sich vom Berufsbild Journalist angezogen fühlen. Viele Wege führen zum Journalismus, nicht alle sind jedoch für Ingenieure leicht zu gehen. Die Zugangschancen für Naturwissenschaftler sind unterschiedlich verteilt. Zum einen strömen vor allem Geisteswissenschaftler- auch wegen der ungünstigen Berufsaussichten dieser Disziplinen- in den Beruf Journalismus. Sie stellen die überwältigende Mehrheit unter den Bewerbern um Hospitanzen und Volontariate, Studienplätze in Journalistenschulen und universitären Ausbildungsgängen. Für Naturwissenschaftler scheint das Berufsfeld Journalismus eher fremd und ungewohnt zu sein. Jedenfalls sind sie in den Bewerberstatistiken von Ausbildungsinstituten und Stellenangeboten auf den hinteren Rängen zu finden. Aufklärungsarbeit über das Berufsfeld Journalismus für Ingenieure in den Schulen und Universitäten, in den Unternehmen und Verbänden tut not, um auch diese Berufsperspektive im Bewußtsein junger Naturwissenschaftler zu verankern. Journalismus ist kein Verlegenheitsberuf für arbeitslose Akademiker oder ein Parkberuf für Unentschlossene und Studienabbrecher. Eine leistungsfähige Industriegesellschaft ist auf einen Qualitätsjournalismus angewiesen, der solide Fachkenntnisse über den Gegenstand seiner Berichterstattung mit den Anforderungen der jeweiligen Medien verbindet. Eine High-Tech-Gesellschaft kann also auf eine solide und breite Ausstattung des Journalismus mit naturwissenschaftlichen Qualifikationen nicht verzichten. Wie läßt sich das Fachstudium eines Ingenieurs mit dem Erwerb journalistischer Fähigkeiten verbinden? Zunächst eröffnet die Kombination Ingenieurstudium und Volontariat( vor oder nach dem Studium) den Zugang zu dem jeweiligen Medium, bei dem diese Form betrieblicher Ausbildung absolviert wird. Medienspezifische journalistische Fertigkeiten, zum Beispiel in Zeitungs- oder Hörfunkredaktionen, stehen im Zentrum dieses Ausbildungsweges. Verlagsgebundene oder allgemeine Journalistenschulen( zum Beispiel Deutsche Journalistenschule, Henri-Nannen-Schule, Axel-Springer-Schule) bilden Absolventen aller Studiengänge auf die Praxis im Journalismus vor. Nach einem Auswahlverfahren werden die Teilnehmer unabhängig von ihrer Fachqualifikation auf das Handwerk des Journalisten vorbereitet. Journalistikstudiengänge hingegen, als Haupt- oder Aufbaustudium an Universitäten angeboten, versuchen, das Fachstudium mit der wissenschaftlichen und zugleich praktischen Journalistenausbildung zu verbinden. Hierbei können die Hauptstudiengänge Journalistik meist wegen ihrer Zulassungsvoraussetzungen als Magister- oder Diplomstudiengänge, aber auch aufgrund der Studienorganisation nur unter großen Schwierigkeiten und zeitlichen Belastungen mit einem Studium der Naturwissenschaften verbunden werden. Wird eine naturwissenschaftliche Disziplin als Neben- oder Zweitfach zur Journalistik gewählt( sofern es überhaupt an der jeweiligen Universität zulässig ist), muß mit enormen Arbeits- und Zeitbelastungen gerechnet werden. Die Kombination naturwissenschaftliches Fachstudium mit Journalistik als Nebenfach wäre hingegen aussichtsreich und wünschenswert, ist aber bislang an keiner deutschen Universität als Berufsausbildung zum Technik-Journalismus verwirklicht. Eine stärkere Integration von Naturwissenschaften und Journalistik ist unter hochschul- und arbeitsmarktpolitischen Aspekten erstrebenswert, zumal dadurch nicht nur zum Beispiel Ingenieuren das Berufsfeld Journalismus geöffnet würde, sondern auch Naturwissenschaftler auf Kommunikations- und Medienaufgaben in ihren technischen Berufen vorbereitet werden könnten. Die Übergänge zwischen dem Journalismus in Presse und Rundfunk und den angrenzenden Kommunikationsberufen und -aufgaben sind fließend. Bleiben die Journalistik-Aufbaustudiengänge( zum Beispiel in Hannover, Stuttgart-Hohenheim, Mainz), die eine Berufsausbildung zum Journalismus ergänzend zum abgeschlossenen Studium und zur eventuell bereits vorhandenen Berufsausbildung vermitteln wollen. Unter diesen Studiengängen bieten lediglich Hannover und Stuttgart-Hohenheim in ihrem Ausbildungsangebot Vertiefungsbereiche Naturwissenschaft und Recht( Hannover) und Technik und Umwelt( Stuttgart-Hohenheim) an, in denen Fachwissen und journalistisches Können gleichermaßen gefördert werden und die sich vor allem an Naturwissenschaftler richten. Die Aufbaustudiengänge wollen zum Beispiel Ingenieure befähigen, ihr Fachwissen unter den Bedingungen eines Journalismus einzusetzen, der um die Aufmerksamkeit des Publikums ringt, sich im Wettbewerb konkurrierender Angebote durchsetzt und technische Probleme sachgerecht und glaubwürdig, gleichzeitig aber auch attraktiv und spannend für Laien aufbereitet. Der Aufbaustudiengang Journalistik an der Universität Stuttgart-Hohenheim ist zudem der einzige Ausbildungsweg für Journalisten in der Bundesrepublik Deutschland, der Natur- und Wirtschaftswissenschaftlern den Vorrang vor anderen Bewerbern gibt. Ingenieure haben dort besonders gute Chancen, im jährlichen Auswahlverfahren einen der 30 Studienplätze zu bekommen, da für sie aufgrund der Zulassungssatzung Plätze reserviert sind. Neben Veranstaltungen und praktischen Übungen zum Technik-Journalismus werden in der Hohenheimer Ausbildung unter anderem Zeitungsbeilagen zum Beispiel über Müllprobleme, Zeitschriftenhefte zum Umweltschutz oder Rundfunksendungen zu aktuellen Themen in Lehrredaktionen produziert. Die Studierenden des Aufbaustudienganges können ihre Fertigkeiten in den Wahlschwerpunkten Technik und Umwelt sowie Wirtschaft und Soziales vertiefen. Für Journalisten, die bereits im Beruf stehen, werden spezielle Weiterbildungskurse zum Beispiel zu Redaktionstechnologien oder Umwelt und Technik angeboten. Von August bis Oktober finden speziell für Journalisten aus der DDR jeweils vierwöchige Weiterbildungskurse statt, die ebenfalls technische Probleme in ihren gesellschaftlichen Auswirkungen behandeln. Die Dozenten in der Aus- und Weiterbildung von Journalisten nach dem Hohenheimer Modell kommen aus der Journalistikwissenschaft und Unternehmenspraxis, aus den Redaktionen von Zeitung, Zeitschrift, Hörfunk und Fernsehen sowie aus dem Bereich Public Relations, der im übrigen ein elementarer Bestandteil der Journalistenausbildung in Hohenheim ist. Journalisten müssen die Mechanismen der PR ebenso kennen wie PR-Fachleute die Regeln des Journalismus. Die Fachkompetenz von Ingenieuren ist auf beiden Seiten gefragt. Qualitätssicherung auf hohem Niveau ist mittlerweile für alle Unternehmen zur Pflichtaufgabe geworden. So ohne weiteres läßt sie sich allerdings nicht verordnen. Die Mitarbeiter müssen auf diese Entwicklung vorbereitet werden. Wie sich eine aktuelle Qualitätspolitik, nicht zuletzt in Anlehnung an die historische Entwicklung, in einem Unternehmen umsetzen läßt, beschreibt Wolfgang Junghans, Berater für Qualitätsmanagement in Hamburg. Die Sorge um Qualität ist nicht etwa eine Errungenschaft der Neuzeit: Schon im Altertum fragte man sich mit dem Wort qualis nach der Beschaffenheit von Gütern. Qualität spielt von dem Zeitpunkt an eine Rolle, zu dem sich Menschen der Arbeitsteilung zu bedienen begannen, seit Hersteller von Sachen und ihre Benutzer nicht mehr identisch waren, seit es Lieferanten und Kunden gibt. Damit können wir unmittelbar in die aktuelle Situation eintreten: Die wichtigsten Stellkräfte für die Qualität sind nämlich weiterhin das Lieferanten-Kundenverhältnis und Interessenskonflikte. Technischer Fortschritt und Innovationen sind die Antwort auf Forderungen der Gesellschaft. Innovationen beschränken sich nicht auf die Herstellung und Weiterentwicklung von Technologien und von Produkten. Auch die Weiterentwicklung des Qualitätswesens ist als Innovation zu begreifen. Qualitätsinspektionen im engeren Sinne gibt es bereits seit 1920 und statistische Verfahren seit etwa 1930. Aber ihre Verbreitung war nicht groß. Aus der Rückschau können wir vier Schärfegrade für die Erfüllung der Qualitätsforderung erkennen und zugleich aktuellen Bezug auf heutige Verhältnisse gewinnen: Bei dieser Fertigung kommt es konsequenterweise sehr leicht zu einer Kostenoptimierung zu Lasten der Qualität. Wir finden noch heute in der Literatur den Begriff der Qualitätskostenoptimierung. Diese einseitige Betrachtungsweise ist nicht mehr vertretbar. Natürlich müssen wir ökonomisch produzieren, aber ein Streben nach Kostenoptimierung steht der Qualität nicht entgegen, ganz im Gegenteil, es läuft parallel.- Das Stadium 2 ist durch die trügerische Erfahrung gekennzeichnet, Fehler seien naturgegeben und somit unvermeidbar. Zu allem Unglück wurden statistische Verfahren völlig mißverstanden und in ihrer praktischen Anwendung zur Manifestierung des Mißverständnisses mißbraucht. Wir haben uns weitgehend mit kommerziellen Lösungen technischer Probleme zufriedengegeben, bis uns die Japaner gezeigt haben, daß es auch anders geht, daß man sich nicht mit festgelegten Fehlermengen abzufinden braucht. Das sogenannte ppm-Konzept( Stadium 3) setzt diesen geschlossenen Regelkreis voraus. Seine wichtigsten Elemente sind konsequente Fehleranalysen und vor allem eine darauf aufbauende, vorbehaltlose Kommunikation der Partner. Erst unter diesen Umständen konnte sich die Kundenorientierung bei der Festlegung von Produktspezifikationen entwickeln.- Kürzere Lagerreichweiten bis zu fast null insbesondere bei Serienlieferungen, zum Beispiel Just-in-Time, bergen für den Materialfluß große Risiken in sich. Damit wird die Forderung nach Null-Fehler( Stadium 4) in jeder Beziehung, also nunmehr auch für die Logistik, unabwendbar. Unsere Kunden müssen sich auch dann weit mehr dafür interessieren, unter welchen Bedingungen wir unsere Produkte herstellen und anschließend handhaben, anstatt sich auf am Fertigprodukt gewonnene Angaben zur Risikoabschätzung zu stützen- es könnte dann zu spät sein. Es steht also fest, daß traditionelle Qualitätskriterien, die sich im wesentlichen auf die technische Funktion einer Sache beziehen, nicht mehr ausreichen. Die Qualitätspolitik hat unverzichtbarer Teil dieser Unternehmensstrategie zu sein, verstanden als begründete, konsequente und zielbewußte Anleitung zur Gestaltung innerbetrieblicher und marktgerichteter Vorgehensweisen. Sie enthält zwingend vorgeschriebene, nachvollziehbare, überprüfbare und regelmäßig überprüfte Mittel und Grundregeln. Die Qualitätspolitik kann daher nur vom Management-Team ausgehen. Sie muß durch das Vorbild aller Führungskräfte und durch alle Mitarbeiter getragen werden. Auch der Betriebsrat ist für die Qualitätspolitik zu gewinnen. Sie wird nicht automatisch wirksam, zumal auch mit entgegenwirkenden Kräften gerechnet werden muß. Gerade deshalb ist sicherzustellen, daß sie nicht zu einer eigenwillig zu interpretierenden unverbindlichen Empfehlung degradiert wird. Wenn die Qualitätspolitik ein Mittel zur Durchsetzung der vom Vorstand getragenen Unternehmensstrategie ist, so besteht aller Anlaß, diese Politik in das Qualitätssicherungshandbuch aufzunehmen und die Wirksamkeit dieser Politik durch den Vorstand selbst laufend zu verfolgen. Eine Auditierung der Wirksamkeit der Qualitätspolitik sollte vom Vorstand angeordnet, als Internes Qualitätsaudit organisiert und von einer Personengruppe durchgeführt werden, die das besondere Vertrauen der Unternehmensleitung und auch der nachgeordneten Ebenen besitzt. Ein übergreifendes Qualitätsbewußtsein läßt sich mit Sicherheit nicht von heute auf morgen durchsetzen. Umsicht und Geduld sind erforderlich. Es zeigt sich immer wieder, daß ein aufgeschlossenes Qualitätsverhalten dort am selbstverständlichsten ist, wo die Folgen des Tuns sofort und unmittelbar sichtbar werden, bildlich gesprochen am Schraubstock. Probleme gibt es, wo der eigene Anteil am Gesamtergebnis nicht sofort und nicht unmittelbar erkennbar ist: in der Forschung, in der Verwaltung. In der Qualitätssicherung( QS) wird mit dem Begriff Qualitätsaudit die Beurteilung der Wirksamkeit des QS-Systems oder von Elementen daraus aufgrund einer unabhängigen systematischen Untersuchung verstanden. Diese Beurteilung umfaßt die Prüfung, inwieweit die üblichen Verfahrensanweisungen befolgt werden und vor allem, ob sie zweckmäßig sind. Nun steht dabei das Qualitätsaudit aber nicht allein. Es setzt sich vielmehr aus drei Begriffen zusammen. Zunächst einmal das Systemaudit, bei dem die Beurteilung einzelner Elemente des QS-Systems auf ihre Existenz und ihre Anwendung im Vordergrund stehen. Beim Verfahrensaudit werden bestimmte Verfahren und Arbeitsabläufe auf Einhaltung und Zweckmäßigkeit überprüft. Und schließlich gibt es noch das Produktaudit. Hier kommt es vor allem auf die Untersuchung einer kleinen Zahl von Produkten und ihrer Übereinstimmung mit den vorgegebenen Qualitätsmerkmalen an. Während in der Vergangenheit der hochspezialisierte Absolvent bevorzugt wurde, haben heute Bewerber mit qualifiziertem Grundwissen und einem deutlichen fachlichen und persönlichen Entwicklungspotential die größten Chancen. Die Spezialisierung erfolgt im Beruf. Die Forschungs- und Entwicklungsbereiche der Automobilindustrie stehen vor einer der größten Herausforderungen in der gut hundertjährigen Geschichte dieses Verkehrsmittels: Die Sicherstellung der von immer mehr Menschen angestrebten Mobilität bei möglichst geringem Ressourcenaufwand und Minimierung von Umweltbeeinflussungen. Um diese Herausforderung erfolgreich zu bewältigen, stellen sich heute Anforderungen an jeden einzelnen Entwicklungsingenieur, die weit über traditionelles Fach-Know-How hinausgehen. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Natürlich wird auch in Zukunft ingenieurwissenschaftliches Fachwissen unverzichtbar sein, aber weniger in Form fragmentierten Spezialwissens, wie es heute noch überwiegend an den Hochschulen vermittelt wird. Die Fachkompetenz eines Ingenieurs ist bereits heute neu zu definieren und sollte nicht ausschließlich das studierte Fachgebiet im engen Sinne abdecken. Deutlich wird dies am Beispiel des Elektronik-Einsatzes im Automobilbau. Schon heute beträgt der Anteil elektronischer Bauteile im Automobil durchschnittlich 10 Prozent und wird sich in absehbarer Zeit verdoppeln. Entwicklungsingenieure, die ausschließlich in den traditionellen Feldern des Maschinen- und Fahrzeugbaues kompetent sind und kein grundlegendes Elektronik-Wissen besitzen, geraten zwangsläufig in Gefahr, von dieser stürmischen Entwicklung förmlich überrollt zu werden. Natürlich ist eine technische Spezialforschung auch im weltweiten Wettbewerb weiterhin notwendig, ja geradezu überlebenswichtig. Gefordert hierfür ist jedoch weniger der hochspezialisiert ausgebildete Ingenieur, sondern Mitarbeiter, die sich in einem Thema vertiefte Erfahrungen angeeignet haben, jedoch auch in der Lage sind, Wissen aus anderen Themenbereichen- eventuell auch auf einer höheren Abstraktionsebene- zu integrieren. Hieraus sollte nicht abgeleitet werden, daß in Zukunft Absolventen der technischen Universitäten generell erheblich bessere Einstiegschancen als Fachhochschul-Ingenieure besitzen. Von den zirka 5000 Ingenieuren bei BMW haben etwa die Hälfte ihr Diplom an einer Fachhochschule erworben. Diese Verteilung gilt annähernd auch für unsere Entwicklungsbereiche, in denen der überwiegende Teil unserer Ingenieure tätig ist. Wir berücksichtigen bei der Auswahl von Entwicklungsingenieuren natürlich sehr wohl die eigenständigen Qualifikationsprofile der Hochschularten und ihre Relevanz für die spezifischen Einsatzgebiete. Der Universitäts-Ingenieur ist aufgrund seiner theoretisch wissenschaftlichen Grundlagen beispielsweise für Aufgaben in der angewandten Forschung eher geeignet, der Fachhochschul-Ingenieur besitzt in der Regel eine bessere Ausgangsbasis für praktische Entwicklungsaufgaben wie Versuchsfahrzeugbau und Fahrzeugversuch. Entscheidend für die weitere berufliche Perspektive sind dann ohnehin die erbrachte Leistung sowie über die Fachkompetenz hinausreichende Qualifikationsmerkmale. Einen besonderen Stellenwert nimmt in diesem Zusammenhang Systemwissen ein. Gerade der Entwicklungsingenieur muß das Denken in Systemketten beherrschen und die Folgewirkungen seines Handelns erkennen und berücksichtigen. Hierzu sind beispielsweise Kenntnisse über unternehmerische Zusammenhänge, Umwelt- und Energiethemen, Value Engineering und Kostendenken, Fertigung und Logistik eine wichtige Basis. Forschung und Entwicklung ist mehr denn je Teamarbeit, daher gewinnen Persönlichkeitsmerkmale, die unter dem Begriff Sozialkompetenz zusammengefaßt werden können, weiterhin an Bedeutung. Wir verstehen darunter die Fähigkeit von Einzelpersonen aber auch von Gruppen, das eigene Handeln sowie das Kommunikationsverhalten immer wieder zu reflektieren. Insbesondere für den Ingenieur mit Karriereambitionen ist soziale Integrationsfähigkeit unentbehrlich. Ohne diese wird es kaum gelingen, in einem Team einer Projektgruppe persönliche Akzeptanz zu finden beziehungsweise ein Team zielorientiert unter Berücksichtigung der Individualität jedes Teammitgliedes zum gemeinsamen Erfolg zu führen. Da Entwicklungsvorhaben verstärkt im Rahmen internationaler Kooperationen( zum Beispiel mit der Zulieferindustrie) erfolgen, ist eine internationale Ausrichtung auch für Ingenieure zunehmend wichtiger. Erstklassige Sprachkenntnisse allein genügen hierfür nicht. Angehende Manager müssen die Mentalitäten anderer Länder verstehen und bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Für qualifizierte Ingenieure werden sich auch in der Zukunft gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Allerdings ist der Begriff Karriere heute schon neu zu definieren. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit und die Notwendigkeit zu einem schnellen, reibungslosen Informationsfluß bedingt zwangsläufig den Abbau flexibilitätshemmender hierarchischer Strukturen, d. H. Die Zahl klassischer Führungspositionen wird eher zurückgehen. Gleichzeitig eröffnen Fachlaufbahnen den Aufstieg in Positionen, die bezüglich Handlungsfreiräumen sowie Status der Führungslaufbahn gleichwertig sind und durchaus auch zeitlich begrenzte Führungsaufgaben wie Projekt- oder Teamleitung beinhalten können. Parallele Fach- und Führungslaufbahnen bieten auch neue Wege zur persönlichen Weiterentwicklung, sofern- wie bei BMW vorgesehen- ein Wechsel in die jeweils andere Laufbahn auf jeder Ebene möglich ist. Hierzu ein Beispiel: Ein Entwicklungsingenieur könnte in der Fachlaufbahn bis zum Abteilungsreferenten aufsteigen und dann auf eine gleichwertige Führungsposition( Abteilungsleiter) im gleichen Fachbereich oder beispielsweise auch in den Technischen Kundendienst wechseln. Dieses Beispiel verdeutlicht auch die verstärkte Notwendigkeit der permanenten Wissenserneuerung und -verbreiterung besonders für aufstiegsorientierte Mitarbeiter. Die Maxime des lebenslangen Lernens erhält allerdings nicht nur für diese Mitarbeiter einen neuen Stellenwert. Die Halbwertzeit des Wissens wird vor allem für Ingenieure immer kürzer. Aber nicht nur unser Wissen, sondern auch unsere Technologien veralten immer schneller; damit verbunden ergibt sich ein immer schnellerer Wandel der Anforderungen im Beruf. Das bedeutet, daß sich alle Mitarbeiter im Laufe ihres beruflichen Lebens permanent weiterqualifizieren müssen. Die Süddeutsche Zeitung wies kürzlich darauf hin, daß schon jetzt nach etwa vier Jahren die Hälfte der Ausbildung eines Elektroingenieurs wertlos geworden sei und er bis zum Rentenalter seinen Beruf drei- bis viermal völlig neu lernen müsse. BMW hat die aufgezeigten Herausforderungen aktiv aufgegriffen. Wir geben jährlich zirka 100 Millionen DM für die Qualifizierung unserer Mitarbeiter aus. Auf der Basis von hierarchieübergreifenden Gesprächsrunden werden für jeden Mitarbeiter Förderpläne erarbeitet, die etwa individuelles Training oder Förderversetzungen beinhalten. In vielen Bereichen wurde die starre hierarchische Struktur bereits durch flexible projektorientierte Organisationsformen ersetzt. Ausgehend von den Kernbereichen der Entwicklung wird die Fachlaufbahn sukzessive ausgebaut und in andere geeignete Bereiche übertragen. Auch für die Auswahl und Einarbeitung neuer Mitarbeiter, insbesondere Hochschulabsolventen, ergeben sich Konsequenzen. War in der Vergangenheit der hochspezialisierte Absolvent bevorzugt, so räumen wir heute den Nachwuchskräften mit qualifiziertem Grundlagenwissen und deutlichem fachlich/ persönlichem Entwicklungspotential eher Chancen ein. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Diskussion über zu lange Studiendauern und zu hohes Lebensalter der Absolventen deutscher Hochschulen eine neue Dimension. Wir meinen, daß die fachliche Spezialisierung in der Industrie erfolgen sollte und daher überdurchschnittlich lange Studienzeiten kritisch zu sehen sind. Um es deutlich zu sagen: Das Alter beziehungsweise die Studiendauer eines Hochschulabsolventen ist für uns heute schon ein wesentliches Auswahlkriterium und im Rang zumindest einer wichtigen Fachnote gleichzusetzen. Hier sind auch unsere Hochschulen gefordert, neue Wege aufzuzeigen, bei allem Respekt vor dem anerkannt hohen Standard der deutschen Ingenieurausbildung. Aber auch jeder einzelne Ingenieur ist gefordert, das Seine zu tun, damit wir gemeinsam im internationalen Wettbewerb erfolgreich bestehen werden. Fehlende Einsicht in natürliche Kreisläufe, nicht selten auch persönlicher Egoismus und eine explosionsartig ansteigende Weltbevölkerung verschärfen Umweltprobleme. Ein Umdenken in allen Bereichen der Gesellschaft ist gefragt. Kritische Ingenieure sind bei der Verwirklichung von Umweltschutztechniken in der Pflicht. Udo Boin, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Berzelius Umwelt-Service AG( B. U. S.), Fordert deshalb, daß Ingenieure ihre Arbeit im Hinblick auf diese Problematik mehr noch als bislang in Frage stellen sollten. Als These stelle ich gleich an den Anfang: Mehr als irgendwo sonst ist im Bereich des Umweltschutzes ein selbstkritischer Ingenieur gefordert, der sein Tun und seine Haltung laufend selbst in Frage stellt. Im folgenden werde ich versuchen, diese aus Erfahrung geborene Einsicht zu begründen. Wenn ich dabei vom Ingenieur spreche, so meine ich Ingenieure und Naturwissenschaftler, die im Bereich des praktizierten Umweltschutzes tätig sind- und zwar unter Einsatz von Techniken, sei es beispielsweise zur Abfallverminderung, zur Rohstoffrückgewinnung aus Abfällen oder in der Entwicklung zunehmend abfallärmerer Produktionsverfahren. Ich bin mir bewußt, daß die Forderung nach dem selbstkritischen Ingenieur zuerst einmal höchst simpel klingt, denn die meisten Ingenieure dürfen sich mit einem hohen Maß an Berechtigung als selbstkritisch einstufen- vom inneren Widerspruch dieser Aussage einmal abgesehen. Es ist unstrittig, daß Umweltschutz not tut, denn die Zeit, bis zu der das Lebewesen Mensch sich biologisch an eine völlig geänderte Umwelt anpassen kann, ist erheblich länger als es zur Zeit dauert, diese drastische Umweltänderung durch die Abfallproduktion der sich explosionsartig vermehrenden Menschheit herbeizuführen. Abfallverwertung ist also nicht nur ein politischer Slogan sondern eine schnellstens umzusetzende Notwendigkeit. Schnellstens heißt aber, entsprechende Anlagen zur Abfallverwertung sofort zu bauen und zu betreiben; dabei schließe ich Abfallverbrennungsanlagen bewußt ein, da ich sie als die bessere Alternative zum Vergraben, Verfüllen und Vergessen halte. Solche Abfallverwertungsanlagen müssen wirtschaftlich sein, sonst werden sie nicht gebaut. Wirtschaftlich sind Anlagen aber erst ab einer bestimmten Mindestgröße; dies führt dazu, daß Abfälle von mehreren Produzenten in einer zentralen Anlage behandelt werden- sei es in einer Hausmüllverbrennungsanlage für 250000 Einwohner oder in einer Schlackenaufbereitungsanlage für 7 Schmelzwerke. Spätestens zu diesem Zeitpunkt der Einsicht ist der selbstkritische Ingenieur gefragt, denn schon bei der Auswahl des geeigneten Standortes sieht sich das investitionswillige Unternehmen einem massiven Protest der Bevölkerung der betroffenen Kommune ausgesetzt. Warum ist der selbstkritische Ingenieur hierbei hilfreich? Er weiß um die Tatsache, daß er als Naturwissenschaftler eine objektive Risikoabschätzung vornimmt, während der einzelne Bürger einer subjektiven Risikoempfindung unterliegt, die beide zu durchaus unterschiedlichen Resultaten kommen können. Der Ingenieur muß selbstkritisch genug sein, um sich darüber hinaus einzugestehen, daß er selbst jederzeit ein Risiko als akzeptabler hinnimmt, wenn er glaubt, es selbst mitbeeinflussen zu können- wie etwa bei einer Autofahrt-, als eine andere Personen, die sich als Beifahrer dem gleichen Risiko untätig ausgesetzt sieht. Dieser Ingenieur versteht und akzeptiert die Ängste und Sorgen der Bevölkerung; er tritt nicht unnahbar, arrogant und in seine Fachsprache gehüllt vor die Bevölkerung, um ihr sein Umweltschutzvorhaben verständlich zu machen. Der selbstkritische Ingenieur sucht sich systematisch eine einfache, aber bildhafte Sprache. Denn vor ihm sitzen stets Bürger und nicht Ingenieurkollegen. Die meisten Bürger verfügen nun einmal nicht über das Wissen des Ingenieurs. Sie verstehen daher das Funktionieren dieser komplizierten technikdurchdrungenen Welt nicht, sie fühlen sich ihr ohnmächtig ausgeliefert. Wenn der Ingenieur sein Tun dem Bürger nicht in einfacher Sprache verständlich machen kann, verstärkt er sogar noch die Entfremdung zwischen Bürgern und der sie umgebenden Welt der Technik. Der selbstkritische Ingenieur ist auch erzogen worden, in Kreisläufen zu denken. Er erachtet seine Tätigkeit nicht damit als abgeschlossen, wenn das geforderte Produkt in gewünschter Qualität und Menge anfällt, sondern er geht dem Aufarbeiten von dabei anfallenden Reststoffen nach, und dann dem Aufarbeiten der dabei anfallenden Reststoffen nach. Der im Umweltschutz tätige Ingenieur lebt selbst vor, was er sagt, wofür er eintritt und was er von anderen verlangt: Er leert beispielsweise seinen Aschenbecher eben nicht unter das Auto, während er vor einer Ampel hält, nur weil es Nacht ist und ihn keiner sieht. Wer bildet diese Ingenieure aus? Die Hochschulen? Leider noch viel zu wenig. Die Mehrzahl der Studenten lernt noch immer, einen simplen Sachverhalt in eine akademisch anspruchsvollen, von Fachausdrücken gespickten Satz zu kleiden. Ich wünsche mir daher für die Ausbildung insbesondere der künftigen Umwelt-Ingenieure an den Hochschulen wengstens die Ausrichtung eines zum Staatsexamen gehörenden speziellen Seminars. In diesem werden die Studenten von erfahrenen Praktikern erzogen, eine komplizierte technische Problemlösung in einfacher Sprache einem Bürger, z. B. Einem Friseur oder eine Kindergärtnerin, verständlich zu machen. Wenn dies gelingt, wird der Bürger dem Ingenieur vielleicht genau soviel Vertrauen entgegenbringen, wie er ihm an Problemlösungsverstand bereits zutraut. Der Umweltschutz braucht Ingenieure, denen die Bürger vertrauen. Die Aufgaben des Vertriebsingenieurs sind mittlerweile auf mehr als nur auf den Absatz fixiert. Er hat inzwischen die Funktion eines Marketing-Ingenieurs, weil er für das Auftreten seines Unternehmens auf dem Markt verantwortlich ist und sich gleichzeitig als Anwalt seines Kunden verstehen muß. Wie diese Entwicklung in den Augen eines Praktikers aussieht, beschreibt Claus Dihlmann, Direktor der Fichtel und Sachs AG in Schweinfurt. Stillstand heißt Rückschritt. Dieser bekannte Ausspruch gilt mit besonderer Bedeutung für die Abläufe im Vertrieb technologisch hochwertiger Produkte im Investitionsgüterbereich. Im Vertrieb gibt es nichts, was feststeht, sagte im September Joachim von Schnakenburg, Produktbereichsleiter bei Mannesmann Demag, Jünkerath, auf einer Veranstaltung des VDI-Bildungswerks seinen Zuhörern. Das macht die Aufgabe eines Vertriebs-Ingenieurs so reizvoll fügte er hinzu. Jeder Vorgang im Vertrieb läuft anders. Hier unterscheidet sich der technische Vorgang eindeutig von vielen anderen Abläufen in der Entwicklung, Konstruktion oder Produktion, den klassischen Disziplinen des Ingenieurs. Dennoch, oder gerade deshalb, liegt in der Dynamik und Vielfältigkeit des Geschehens im Vertrieb der Reiz und die Spannung. Erfolg und Ergebnis sind nur selten vorher bestimmbar. Im Wettstreit um den umkämpften Auftrag gewinnt in der Regel nur einer. Eine Silbermedaille gibt es nicht. Worin liegt diese Dynamik im Vertrieb? Sie liegt in den sachbezogenen Problemen und deren Lösungsmöglichkeiten, ebenso wie in den Verhaltensweisen von Menschen, egal ob als Einzelperson oder in Gruppen. Diese Einflüsse aus rationalen und emotionalen Elementen umfassen nicht nur den einzelnen Vertriebsvorgang mit seinen vielen Verästelungen. Sie wirken aus dem Umfeld des aktuellen Geschehens in starker Wechselbeziehung zwischen den beteiligten Unternehmen und Personen. Dabei geht es ausnahmslos um multilaterale Beziehungen; denn kein Geschäft wird nur durch den Käufer und Verkäufer beeinflußt. Der unmittelbare, aber auch der mittelbare Wettbewerb, der mit einem Bedarfsfall nicht direkt in Verbindung stehende, bestimmen heute die Entscheidungen- und das auf internationaler, globaler Ebene. Wir hören immer wieder und fordern auch, daß der Vertriebs-Ingenieur, mit interdisziplinären Kenntnissen ausgestattet, sich durch Flexibilität, Intuition, neue Ideen und viele andere Eigenschaften auszeichnen muß, die ihm Zugang zum Kunden ermöglichen und gleichzeitig nach innen und außen Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit sichern. Seine Forderungen sind im Gegenzug dazu die persönlichen Freiheiten für sein Wirken, die sich nicht in ein Schema pressen lassen. Dabei aber übersehen er und seine Kollegen und zu oft auch seine Vorgesetzten, daß der Vertrieb sich in sachlogischen Zusammenhängen bewegt. Diese zu kennen, sie abzuarbeiten und sie zu dokumentieren, führt erst zu einer effizienten Vertriebstätigkeit. Und diese Effizienz mit ihrer Wirkung zum Kunden und in das eigene Unternehmen ist die aktuelle Forderung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Effizienz heißt das Richtige richtig tun. Dazu bedarf es umfangreicher Kenntnisse, Erfahrung, positiv kritisches Verhalten sich selbst und seiner Umgebung gegenüber, Sensibilität für Fakten und Personen und dem Willen, Nutzen zu erzeugen für seinen Kunden, ebenso wie für sein eigenes Unternehmen. Systematik im Vertrieb steht nicht im Widerspruch zur Kreativität. Sie ist die Forderung zu einer vertriebswirtschaftlichen Vorgehensweise, bei der sowohl die interne wie auch die externe Wertung des Kosten-/ Nutzen-Verhältnisses im Vordergrund steht. Vertrieb auf der einen Seite und Beschaffung auf der anderen sind Partner. Sie sind nicht Gegner. Schon gar nicht sind sie sich feindlich gesonnen, was oft fälschlicherweise angenommen wird( Front-Denken). Das Wissen um diese Zusammenhänge, das Wollen, sie zu pflegen, und das Können, die Vorgehensweisen zu optimieren, ist das Geheimnis eines erfolgreichen Verkäufers. Der Vertriebs-Ingenieur, der Verkäufer überhaupt, ist heute weit mehr als nur auf das Verkaufen, den Absatz fixiert. Er ist mittlerweile viel eher schon Marketing-Ingenieur. Denn er ist Verantwortlicher für das Auftreten seines Unternehmens auf dem Markt und gleichzeitig Anwalt seines Kunden im eigenen Hause. Diese Doppelrolle bringt ihm oft viel Ärger ein- es ist aber seine Aufgabe, und er hat sie zu lösen. Dabei muß er nicht alles, was erforderlich ist, selbst machen. Das wäre ein Grundfehler und würde ihn überfordern. Er muß wissen, was er tun kann und was andere besser können. Daraus bildet sich der Geist, der klar macht, daß alle Mitarbeiter eines Unternehmens dem Kunden verpflichtet sind. Nur dann kann eine Partnerschaft zwischen Lieferant und Abnehmer von Dauer sein, was gerade im Investitionsgüterbereich eine hohe Bedeutung hat. Der Marketing-Ingenieur bewegt sich nicht nur im operativen Bereich. Sein Horizont reicht in die Zukunft. Er muß dazu beitragen, daß sein Unternehmen seine Position ausbauen, zumindest aber halten kann. Er muß das Wissen über Markt-Potentiale und Wettbewerb in das Unternehmen hineintragen. Der Marketing-Ingenieur verhält sich wie ein Unternehmer, der die unmittelbaren, operativen Ergebnisse erwirkt und die Ziele für die Zukunft mittel- und langfristig darstellt sowie dazu beiträgt, sie abzusichern. Sind unsere Mitarbeiter auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet? Überfordern wir sie nicht? Ich meine, eine Überforderung wird dann nicht eintreten, wenn Ausbildung und Weiterbildung ernst genommen werden. Die Weiterbildung in den Unternehmen ist teilweise beispielhaft. Wie sonst könnten die deutschen Unternehmen international so erfolgreich sein, was ja nicht zuletzt auch ein Zeichen des fachkundigen und engagierten Vertriebs ist. Bei der Ausbildung an den Fach- und Hochschulen ist der Mangel meiner Ansicht nach jedoch noch erheblich. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wird für die vertriebliche Ausbildung der Ingenieure nichts getan. Warum gibt es nicht endlich eine Ausbildung zum Marketing-Ingenieur? Die Zeit ist reif- hier darf nichts mehr versäumt werden. Erfolg im Studium bedeutet noch lange nicht, daß auch die berufliche Karriere erfolgreich sein wird. Speziell beim Aufstieg in Führungspositionen wird in den Unternehmen mit einem Maßstab gemessen, der ganz anders ist als der von Professoren und Prüfungsämtern. Was und wie die Manager von morgen lernen können, beschreibt Doktor Manfred zur Nieden, Geschäftsführer der Düsseldorfer PA Consulting Group. Harald E. Und Michael K. Waren während der Zeit ihres Ingenieurstudiums fast unzertrennlich. Sie lernten gemeinsam und verbrachten den größten Teil ihrer Freizeit zusammen. Als Harald sich mit seiner Diplom-Arbeit etwas schwer tat, wurde er von Michael kräftig unterstützt. Die beiden verloren sich aus den Augen, als Harald nach dem Studium eine Stelle als Assistent der Produktionsleitung in einer anderen Stadt annahm, während Michael an der Technischen Hochschule blieb, um zu promovieren. Nach Jahren treffen sie sich wieder: Michael ist Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung eines großen Maschinenbauunternehmens. Er wird von seiner Firma wegen seiner hohen fachlichen Kompetenz sehr geschätzt, hat sich aber in seiner Karriere nicht wesentlich über seine Anfangsposition hinaus entwickeln können. Harald hingegen ist kürzlich zum Leiter eines großen Werkes befördert worden, wo er umfassende unternehmerische Verantwortung trägt. Was sind also die besonderen Qualitäten, die einen erfolgreichen Manager ausmachen? Gibt es bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die ihn von anderen unterscheiden? Die Sozialwissenschaftler haben Jahrzehnte lang nach den Eigenschaften gefahndet, die den geborenen Führer unterscheiden vom geborenen Folger. Diese Suche war nicht sehr erfolgreich. Heute bestimmen die Wissenschaftler darin überein, daß es nicht eine bestimmte Eigenschaftskombination gibt, die die typische Führungspersönlichkeit ausmacht. In unterschiedlichen Situationen sind unterschiedliche Arten von Führungsverhalten erforderlich. Sieht man sich beispielsweise die Einsatzgebiete von Ingenieuren an, so erscheint das sehr plausibel: Der Leiter einer Produktionseinheit wird in der Regel einen anderen Führungsstil praktizieren als der Leiter einer Gruppe von Vertriebsingenieuren oder der Chef der Forschung und Entwicklung. Kommt es für den Entwicklungsleiter vor allem darauf an, die Kreativität seiner Mitarbeiter zu stimulieren und zu einem Gesamtergebnis zusammenzuführen, werden für den Produktionsleiter die Gesichtspunkte Effizienz und Disziplin im Vordergrund stehen. Beim Vertriebschef wiederum wird es vor allem darum gehen, die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zu aktivieren und auf die richtigen Ziele zu lenken. Ein anderer Trugschluß der Eigenschaftstheorie der Führung war, daß die für die Führung wichtigen Eigenschaften angeboren seien. Diese Annahme berücksichtigt nicht, daß der Mensch sich sein ganzes Leben lang entwickelt und verändert. Viele Verhaltensweisen sind erlernbar und formbar. Von Führungskraften werden heute Initiative, Leistungsbereitschaft und Einsatzfreude gefordert. Gerade diese Eigenschaften sind nicht angeboren, sondern sehr stark davon abhängig, wie die jeweilige Situation den Menschen motivieren kann. Es gibt viele faule Schüler, die sich im Berufsleben als sehr leistungsbereit erweisen- und viele Klassenbeste, die im Beruf versagen. Natürlich gibt es Menschen, die für Führungspositionen weniger gut gerüstet sind als andere. Wer es nicht versteht, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, sie für gemeinsame Ziele in Anspruch zu nehmen und sich durchzusetzen, dürfte in der Führungsverantwortung Probleme bekommen. Deswegen ist auch die vielfach geübte Praxis nicht immer richtig, den jeweils besten Fachmann in eine Leitungsfunktion zu befördern. Viele Unternehmen haben daraus Konsequenzen gezogen: Sie bieten neben dem Aufstieg in Führungspositionen auch die Weiterentwicklung in sehr qualifizierte und von Status und Dotierung her gut ausgestattete Spezialistenpositionen an. Dadurch können sie exzellente Fachleuten ohne Führungsbegabung fördern, motivieren und sich gleichzeitig ihr Know-how erhalten. An erfolgreiche Führungskräfte werden heute Anforderungen gestellt, die nur selten an der Hochschule vermittelt werden: Entscheidungsprozesse organisieren, Mitarbeiter auswählen, richtig einsetzen und entwickeln, eine Atmosphäre schaffen, in der Mitarbeiter sich wohlfühlen und leistungsbereit sind, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern fördern. Alle diese Tätigkeiten setzen keine magischen Fähigkeiten voraus, sondern sind erlernbar. Hochschulabsolventen haben bewiesen, daß sie über ausreichende intellektuelle Fähigkeiten verfügen, um solchen Aufgaben gewachsen zu sein. Sie sind geschult worden im logischen Denken und im systematischen Arbeiten. Sie können Aufgaben konsequent zu Ende führen. Was jedoch an der Technischen Hochschule nicht vermittelt wird, sind die speziellen Führungstechniken. Führungsverhalten muß also gelernt und geübt werden. Dazu gibt es zwar Seminare, doch das wichtigste Trainingsfeld ist die Praxis. Deswegen sollten Unternehmen Aufsteigern Verantwortung, zum Beispiel für eine kleine Gruppe, geben. Von Führungskräften werden zusätzliche Kenntnisse erwartet, die im Studium oft zu kurz kommen. Wer in das Management strebt, sollte sich rechtzeitig um gute Fremdsprachenkenntnisse, betriebswirtschaftliches Wissen und EDV-Kenntnisse bemühen. Vielfach gebraucht in Führungsfunktionen werden auch Methoden des Projektmanagements und des Controllings. Je höher Ingenieure in der betrieblichen Hierarchie steigen, um so weniger haben sie mit Fachfragen eines Spezialgebietes zu tun. Um so mehr werden sie sich mit komplexen Fragestellungen beschäftigen, die mehrere Unternehmensteile oder das ganze Unternehmen umfassen. Ein Unternehmen kann nur erfolgreich sein, wenn sich die Abteilungsleiter abstimmen und dabei ständig die Erfordernisse einer rationellen Fertigung im Auge behielten. Das setzt voraus, daß sie sich über ihre eigentlichen Fachkenntnisse hinaus mit Fragen der anderen Unternehmensbereiche auseinandersetzt. Auch hier kann man wieder am besten durch Übung lernen. Job-Rotation sollte deshalb auch in Deutschland stärker eingesetzt werden. Was in den USA an der Tagesordnung ist, scheitert bei uns allerdings oft noch an einem engen Kästchendenken. Gefordert sind Flexibilität und Lernfähigkeit. Angesichts durchweg rosiger Berufsaussichten mag einem angehenden Ingenieur die Jacke der gesicherten Festanstellung vielleicht näher sein als die Hose einer ungewissen Selbständigkeit. Wer allerdings den Drang verspürt, sein eigener Herr zu sein, der wird diesem Drang irgendwann nachgeben. Und dann hängt der Erfolg oft von der richtigen Planung ab. Für Peter Matthias Boder kam die Initialzündung im Frühjahr 1987. Da nahm er als Student der Betriebswirtschaftslehre im zweiten Semester an einem Unternehmensplanspiel teil. Auf dem Papier führten Boder und sechs seiner Kommilitonen ein fiktives Unternehmen durch die Untiefen der Selbständigkeit. Mit Erfolg, denn am Ende des Planspiels dokumentierte der Computer-Ausdruck einen Gewinn von 60000 DM. Da hat's bei uns geklingelt, umschreibt der 25jährige den Moment, in dem sich die sieben Studenten zur Selbständigkeit entschlossen. Das Produkt war uns damals egal, wir waren nur fasziniert von der Idee, ein theoretisches Planspiel unternehmerische Praxis werden zu lassen. Heute hängt der Himmel für Boder und seine drei übriggebliebene Kollegen voller Schleifen. Denn die Duke GmbH, das von den Studenten im Jahr 1987 gegründete Unternehmen, produzierte und vertrieb in den drei Jahren seiner Existenz rund 150000 modische Herrenschleifen. Das Sortiment der Dukes weist mehr als 200 verschiedene Modelle auf, wurde zwischenzeitlich um Krawatten, Tücher und Schals ergänzt- firmeneigener Slogan: Alles für den Männerhals- und sorgte zuletzt für einen Jahresumsatz von rund einer Million DM. Die Propeller aus Münster zieren prominente Hälse von Justus Frantz über Heinz Riesenhuber bis hin zu Boris Becker. Und nach drei Jahren der Selbständigkeit zieht Boder, der ebenso wie seine drei Mitgesellschafter das Studium mittlerweile beendet hat, ein unmißverständliches Fazit: Ich würde es jederzeit wieder so machen. Der Weg der Dukes in die Selbständigkeit ist nicht gerade ein typischer Weg. Denn wer nimmt schon unternehmerisches Risiko auf sich, ohne zu wissen, welches Produkt er verkaufen will? Wer startet die eigene Karriere noch vom Hörsaal aus und betritt diesen schließlich wieder, um- als inzwischen voll ausgelasteter Geschäftsführer mit 12-Stunden-Tag- sein Examen abzulegen? Kein typischer Weg, und doch weist er ein wesentliches, geradezu unverzichtbares Merkmal für den Charakter des- erfolgreichen- Selbständigen auf: Die Überzeugung, eine ausgefallene Idee nicht nur entwickelt zu haben, sondern sie auch realisieren zu können. Diese Überzeugung entsteht nicht immer aus der Intuition heraus, denn häufiger als auf den vielzitierten Gedankenblitz, verlassen sich Selbständige auf ihre Erfahrungen. So wie Ulrich Sendler, der sich mit seiner Sendler CAD EDV Consulting auf die CAD-Beratung mittelständischer Unternehmen konzentriert hat. Der 39jährige gab der eigenen Unternehmung eine ausreichende Vorlaufzeit: Lehre als Werkzeugmacher, Berufstätigkeit als NC-Programmierer und Dreher, FH-Studium der Feinwerktechnik, Berufspraxis bei einem CAD-Entwickler und schließlich rund zwei Jahre als Mitarbeiter der Fachzeitschrift CAD/ CAM-Report. Spätestens nach dieser Zeit hatte ich alle wesentlichen Systeme selbst getestet und kannte den Markt, so erinnert er sich. Trotz dieser Kenntnisse und Erfahrungen baute sich Sendler auf dem Weg in die Selbständigkeit einen Haltebügel: Er schloß einen Minimalvertrag mit einem Softwarehaus ab, für das er seit gut einem Jahr im Bereich Marketing tätig ist. So hält und vertieft er die Kontakte zur Branche und hat in der übrigen Zeit Gelegenheit, an der eigenen Firma zu basteln. In der Beraterszene kommt es wesentlich darauf an, einen guten Namen zu haben. Und den erwirbt man sich nicht von heute auf morgen. Deshalb wählte Sendler- trotz aller Überzeugung von den Zukunftsaussichten seiner Beratungs-Dienstleistung- den schrittweisen Weg in die Unabhängigkeit. Alles andere schien mir doch zu gewagt, resümiert er. Außer einem gehörigen Schuß Optimismus und einem gerüttet Maß eigener Erfahrung kommt es wesentlich auf die Planungen im Vorfeld der Selbständigkeit an. Für den Essener Hans Barnick, der in der Ruhrgebietsmetropole demnächst eine anspruchsvolle Brasserie eröffnen wird, verging von der ersten Idee bis zum Beginn der Bauarbeiten ein ganzes Jahr. In dieser Zeit ließ Barnick- schon vorher 12 Jahre in der Gastronomie tätig- Marktforschungsinstitute die Besonderheiten von Standort und Publikum untersuchen und Rentabilitätsrechnung aufstellen. Auf den gewissen Pfiff, den Alleinstellungsanspruch eines Restaurants im Bezug auf Einrichtung, Speisenangebot oder Mitarbeiterqualifikation, kam Barnick nicht zuletzt aufgrund dieser Analysen. Die Hals über Kopf entwickelte Idee, der geistige Schnellschuß, ist zumindest in meiner Branche oft tödlich. Da baue ich lieber auf solide Planung. Von den Diensten professioneller Marktforscher oder spezialisierter Berater halten mit der Selbständigkeit liebäugelnde Ingenieure indes wenig. So weiß es zumindest Jörg Lennardt, innerhalb des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater( BDU) Vorsitzender der Fachgruppe Unternehmensgründung, zu berichten. Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Ingenieure, die ein eigenes Unternehmen gründen, konsultieren vorher einen Berater. Dabei täten viele gut daran, sich vorher über die Komplexität einer eigenen Unternehmung, besonders über den Umfang der kaufmännischen Arbeiten zu informieren. Daß viele Jung-Unternehmen schon nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden oder nie die Gefilde wirtschaftlicher Rentabilität erreichen, liegt nach Lennardts Erfahrung denn auch in den meisten Fällen an den kaufmännischen Defiziten selbständiger Ingenieure. Gerade in der Planungsphase können Beratungsunternehmen, wie die von Lennardt geführte ExperTeam GmbH Wachstums-, Innovations- und Gründungsberatung wertvolle Hilfestellung leisten. So deckt ein vom Berater erstelltes und auf drei bis fünf Jahre ausgerichtetes Unternehmenskonzept Planungen zu Umsatz, Kosten- und Finanzstruktur, Organisation, Rechnungswesen und Management ab. Im weiten Umfeld der Informationstechnologien sowie aus den Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbau sind selbständige Ingenieure besonders häufig anzutreffen. In letzter Zeit mehren sich aber auch aus dem Wirkungskreis der Technologiezentren- gedacht ist an Bereiche wie neue Werkstoffe, Qualitätssicherung oder Meß- und Lasertechnik- die Existenz-Neugründungen: Potentielle Risikogruppen, denn gerade hier ist die Verlockung groß, mit nicht viel mehr als einer gut ausgetüftelten Idee den Weg in die Selbständigkeit zu beschreiten- und möglicherweise zu scheitern. Jörg Lennardts Empfehlung an junge Existenzgründer ist deshalb ebenso simpel wie notwendig: Man sollte nicht erst das Produkt entwickeln und dann den Markt dafür suchen. Der Mangel an qualifizierten Nachwuchsingenieuren ist spürbarer denn je, und er wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Während sich Großunternehmen mit ihren personalen Marketing-Konzepten auf den Elitenachwuchs konzentrieren, fischen kleine und mittelständische Unternehmen im Trüben. Eine Chance für manchen Studenten, unter vielen Angeboten das richtige zu finden. Dramatisches Zahlenwerk legte die Kultusministerkonferenz vor einigen Monaten vor: Bis zur Mitte der neunziger Jahre werde sich die Zahl der Studienanfänger von derzeit 220000 im Jahr auf gerade 180000 reduzieren; die absolute Studentenzahl falle bis zum Jahr 2000 von heute 1,5 Millionen auf rund 1,1 Millionen. Dementsprechend, so errechneten die für die Bildung verantwortlichen Minister, sinke die Zahl der Absolventen in manchen Studiengängen um bis zu 20 Prozent. Spitzenwerte, die insbesondere auf die einzelnen Fakultäten der Ingenieurwissenschaften zutreffen werden: Zu wenig Elektroingenieure, zu wenig Maschinenbauer, zu wenig Bauingenieure, zu wenig Informatiker. Dieses sichere Gefühl, gebraucht zu werden, sollte Ingenieur-Studenten eigentlich ruhiger schlafen lassen. Denn wer nicht gerade eine astronomisch hohe Semesteranzahl vorweist, oder einen Notendurchschnitt, der mit einer 4 beginnt, der sollte nach Beendigung seines Studiums unter vielen das scheinbar beste Angebot auswählen können. Doch wie oft stellt sich das scheinbar beste Angebot nach wenigen Monaten als doch nicht so geeignet heraus? Probleme mit dem übertragenen Aufgabenbereich; zu wenig oder auch zu viel Eigenverantwortung; Schwierigkeiten bei der Eingliederung in die Abteilungshierarchie; fehlende Indentifikation mit den Unternehmenszielen- für das Scheitern, gerade bei der ersten Anstellung, gibt es viele Gründe. Einer der häufigsten ist die fehlende Kenntnis von der betrieblichen Praxis. Denn anders als ihre Kollegen aus den Wirtschaftswissenschaften haben frisch diplomierte Ingenieure vom Betriebsalltag zumeist recht wenig Ahnung. Jörg Engelbrecht, Personal- und Unternehmensberater in Niederzier: Viele Jungingenieure wissen doch gar nicht, ob sie in die Arbeitsvorbereitung oder in die Konstruktion wollen, geschweige denn, was sie dort erwartet. Eine Einschätzung, die nicht verwundert. Denn immer kompliziertere Technik, kürzere Entwicklungszeiten und steigender Innovationsdruck, dazu die auf allen Märkten spürbare Konkurrenz- das alles führt zu einer Vielzahl unterschiedlicher Berufsbilder, von deren Innenleben die universitäre Ausbildung allenfalls Fragmente vermitteln kann. Für den kurz vor Ende seines Studiums stehenden Studenten ergibt sich also eine Art Holschuld, zumindest die Bereitschaft zur Eigeninitiative. Gerade Ingenieurstudenten müssen sich frühzeitiger mit den Anforderungen der verschiedenen Berufsbilder vertraut machen und ihre persönlichen Präferenzen festlegen, so Engelbrecht, denn nur wer weiß was er will, kann das in einem Bewerbungsgespräch auch zum Ausdruck bringen. Doch nicht nur für das Bewerbungsgespräch, sondern vor allem für die ersten Monate im Unternehmen ist die möglichst detaillierte Kenntnis von den zu erwartenden Aufgaben und Tätigkeiten wichtig. Roland Schatz, Gründer des Verlags Innovatio und Mitherausgeber der gleichnamigen Zeitschrift, die sich auf den Ideenaustausch zwischen Wirtschaft und Hochschule spezialisiert hat: Viele Berufseinsteiger scheitern an der fehlenden Resistenz gegenüber kritischen oder oft einfach nur ungewohnten Situationen. Nun bieten gerade die großen Firmen unter dem Schlagwort Personal Marketing eine Reihe von Maßnahmen an, die das Arbeiten in einem richtigen Unternehmen transparenter machen können. Sie leisten Informations- und vor allem Imagearbeit und haben die Holschuld des Studenten längst zu einer Bringschuld des Unternehmens gemacht. So gehören Betriebspraktika und Werksstudentenplätze, Informationsmessen und unternehmensgeführte Seminarveranstaltungen, das Sponsoring von Lehrstühlen oder die Unterstützung von Diplom- und Seminararbeiten sowie eine Vielzahl von Trainee- oder On-the-job-Programmen zum Konzept jedes größeren Unternehmens, und entsprechende Angebote finden sich ja auch in ausreichender Zahl an den schwarzen Brettern von Universitäten und Fachhochschulen. Man muß sich allerdings darüber im klaren sein, daß Unternehmen wie Siemens, IBM, BMW, Daimler-Benz oder die Deutsche Bank solche Studentenprogramme aus klaren marktwirtschaftlichen Überlegungen heraus initiieren. Denn auf dem Personalsektor gilt wie nirgendwo sonst das Gorbatschow-Wort Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Unternehmen dieser Größenordnung, noch dazu aus Branchen, die von einer sich schnell wandelnden Technologisierung gekennzeichnet sind, haben nicht nur einen enormen Bedarf an Jungingenieuren, sondern auch den Anspruch, die jeweils Besten eines Jahrgangs zu bekommen. So sind die Hochschulen längst zum Markt für die vorgelagerte Personalakquisition geworden, und die Qualität eines Personal-Marketing-Konzeptes beweist sich heute nicht mehr durch die Hochschulpräsenz allein, sondern an den begleitenden Maßnahmen der Personalpflege und -entwicklung. Dementsprechend hat die Unternehmenspräsenz in Hörsälen und Universitätsaulen den Reiz des Besonderen verloren. So weiß Roland Schatz zu berichten, daß Hochschulmessen und Firmenpräsentationen oft nicht über das Verteilen aufwendig gestylter, aber wenig aussagekräftiger Broschüren hinausgehen. Außerdem sind direkt an den Hochschulen vorrangig große Unternehmen präsent. Betriebliche Praxis, so Schatz, bekommt man aber am ehesten in kleinen und mittelständischen Unternehmen mit. Dort ist Verantwortung erkennbar, und da lernt man auch die Schattenseiten kennen. Nach seiner Erfahrung kommt man mit dieser Spezies Unternehmen am ehesten auf Ausstellungen und Messen ins Gespräch, indem man Klinken putzt und eben nicht zum Stand von Siemens rennt. Aber auch das eigenständige Herantreten an Unternehmen abseits von Messen kann sich lohnen. Dazu gibt Schatz ein Beispiel: Jedes Unternehmen braucht Studien. Studien zu Absatz, Vertrieb oder neuen technischen Entwicklungen. Wenn man sich vorher entsprechend informiert hat, dann bietet eine Studie eine hervorragende Gelegenheit, das Innenleben eines Unternehmens kennenzulernen. Wenngleich Berater Engelbrecht vor dem Herantreten ans Unternehmen ein Gespräch empfiehlt- damit man die Bedarfslage im Unternehmen auch kennt- scheinen solche Projekte zur Kontaktaufnahme erfolgversprechend, in denen auch die Interessen oder der Nutzen des Unternehmens beachtet werden. In der Praxis, so weiß Engelbrecht, geschieht das allerdings so gut wie nie. Der unkonventionelle Weg der Kontaktaufnehme führt also oft zum Unternehmen- und zur eigenen Qualifikation. So ist es zwar einerseits erstrebenswert, so viele Industriepraktika wie möglich zu absolvieren. Andererseits erwirbt man sich gerade durch außerbetriebliche Hospitationen und Praktika die Persönlichkeitsmerkmale, die bei den Personalverantwortlichen heute unter dem Begriff Sozialkompetenz hoch gehandelt werden: Kommunikationsbereitschaft, Fähigkeit zur Teamarbeit, Führungsvermögen oder vernetztes Denken. Während Berater Engelbrecht berichtet, daß diese Fähigkeiten fast noch wichtiger sind als die fachliche Kompetenz, weiß Roland Schatz, wo man sie sich holen kann: Bei einem Aufenthalt als Animateur in einem Ferienclub, durch die Arbeit in einem Sportverein oder indem man sich aktiv für ein Entwicklungshilfeprojekt engagiert. Kaum eine Situation bereitet im Leben eines Ingenieurs soviel Kopfzerbrechen wie das Anfertigen einer Bewerbung, obwohl einschlägige Literatur im Übermaß vorhanden ist. Doch gerade die Vielzahl der Tips- und nicht selten ihre widersprüchlichen Aussagen- sorgen eher für Verwirrung denn für Aufhellung. So nimmt der nachstehende Artikel von Wolfgang Krieg, Fachvermittlungsdienst Düsseldorf, auch nicht für sich in Anspruch, weitere Neuheiten zu liefern, sondern will versuchen, die Vorgehensweise beim Bewerbungsverfahren zu strukturieren. Die Ausgangssituation des Bewerbers ist von bestimmender Bedeutung; was der Absolvent vielleicht noch darf, ist dem Berufserfahrenen längst nicht mehr erlaubt. So kann der Anfänger die Nennung seiner Gehaltswünsche bis zum Vorstellungsgespräch vertagen- und dieses auch zum Ausdruck bringen. Für den erfahrenen Ingenieur ist es dagegen das Einkommen, das u. A. Auch die Eignung für die neue Stelle mitbestimmt- 15 Prozent bis 20 Prozent Zuwachs gelten in der Gehaltsentwicklung als ideal. Eine Art Mischform zwischen den beiden Bewerbertypen stellt die recht große Gruppe derjenigen Ingenieure dar, die zwar über Berufserfahrung verfügen, diese aber nicht in der Bundesrepublik Deutschland gesammelt hat, sondern im osteuropäischen Ausland einschließlich der ehemaligen DDR. Hier gilt es, dem potentiellen Arbeitgeber deutlich zu machen, daß sowohl Schlüsselqualifikationen als auch Fachkompetenz einen Vergleich mit bundesdeutschen Anforderungen erlauben; wo nicht, sind plausible Hinweise auf raschen Angleich erforderlich. Zurück zum Absolventen; ein halbes Jahr vor Studienende ist der Zeitpunkt für ein verstärktes Engagement im Bewerbungsgeschäft- verbunden mit konkreten Bemühungen- gekommen, spätestens dann, wenn der komplette Notenspiegel vorliegt. Daß die noch ausstehende Diplomarbeit einen Stolperstein darstellen könnte, glaubt niemand ernsthaft. Neben einem Beratungsgespräch beim Fachvermittlungsdienst der Bundesanstalt für Arbeit, das nicht nur konkrete Vermittlungsvorschläge erbringt, sondern bei dem auch eine abgestimmte Bewerbungsstrategie erarbeitet wird, stehen die Eigenbemühungen im Vordergrund. Informationsquellen sind dabei noch nicht einmal so sehr die üblichen Stellenangebote in den diversen Fach- und Tageszeitungen- diese richten sich in der Mehrheit aufgrund der hohen Kosten an den erfahrenen Fachmann, sondern eine Palette weiterer Möglichkeiten wie z. B. Initiativbewerbungen bietet sich noch stärker an. Dabei kann jeder fachliche Bezug als Aufhänger dienen, gleichgültig ob es sich um Informationen von Freunden und Bekannten handelt oder andere Hinweise genutzt werden, wie Messebesuche oder auch das Studium des Wirtschaftsteils einer Zeitung. Doch nicht nur der fachliche Aspekt ist zu berücksichtigen. Ein paar Gedanken über Karriereverläufe und die prägende Wirkung der ersten Berufstätigkeit nach dem Studium sind angebracht; Großbetriebe versus Kleinunternehmen, mittelfristig angestrebte Führungsaufgaben in Linienfunktionen oder vertiefte Fachkompetenz im Stabsbereich. Hier stehen Entscheidungen schon beim Berufsstart an. Faustregel: die erste Stelle sollte mindestens zwei bis drei Jahre halten, erst dann gilt man als vollwertiger Ingenieur! Diese Freiheit der unbekümmerten Nachfrage hat der berufserfahrene Ingenieur leider nicht mehr. Berufserfahrung bedeutet auch immer Einengung der möglichen Perspektiven. Es geht nicht mehr um die Breite, sondern um die Tiefe. Will man sich ontinuierlich fortentwickeln, sind angebotene Stellen gezielt anzugehen. Initiativbewerbungen wie beim Absolventen üblich verbieten sich in aller Regel. Konkrete Hinweise bieten die zahlreichen Stellenangebote der diversen Fach- und Tageszeitungen. Auch ein Gang zu den Fachdiensten der Bundesanstalt für Arbeit lohnt sich, da hier die Stellenangebote kontinuierlich erfaßt werden und der Interessent zudem die Möglichkeit hat, seine Eignung im Karrieregespräch mit Fachleuten zu erörtern. Für den sehr Erfolgreichen eher eine lästige Plage, für den, bei dem es zum ersten Mal passiert, erzeugt es ein aufgeregtes Kribbeln: der Anruf des Headhunters. Hält man sich jedoch vor Augen, daß es sich um nichts anderes handelt als um ein verbalisiertes Stellenangebot, so kehrt hoffentlich schnell die notwendige Nüchternheit zurück. Welche Firma mit welchem konkreten Angebot steckt dahinter, für welche Personalberatung mit welchem Leumund arbeitet der Kopfjäger und nicht zuletzt, will ich überhaupt wechseln, oder redet man mir nur ein, ich müsse, um nicht zum alten Eisen zu zählen, unbedingt auf diesem Stellenkarussell mitfahren. Alles Fragen, die nicht nur legitim, sondern unbedingt notwendig sind, will man sich nicht der Gefahr eines unüberlegten Wechsels aussetzen. Wurden die vorangestellten Grundüberlegungen mit einem wohlüberlegten Strategiekonzept abgeschlossen, sind sie nunmehr in die erforderliche Form zu bringen. Das ist nach wie vor die Schriftform. Gerade Ingenieure, die ihre erste Stelle ohne großen Bewerbungsaufwand- vielleicht über ein Praktikum oder die betrieblich gefertigte Diplomarbeit erhalten haben sind verwundert, daß es beim weiteren Karriereweg ohne schriftliche Bewerbung nicht geht. Nach Feststellung renommierter deutscher Personalberatungen sind dreiviertel aller eingehenden Bewerbungen fehlerhaft; das muß nicht sein, daher nachstehend einige Tips zu diesem Thema:- Ein Anschreiben sollte erkennbar individuell- allerdings mit Schreibmaschine- unter Bezugnahme der anfangs geschilderten Bewerbungsgründe verfaßt werden. Es wäre jedoch blauäugig, wollte man die gerade bei Ingenieuren stark verbreiteten PC's mit entsprechenden Textprogrammen ignorieren- werden sie eingesetzt, wird allerdings absolute Perfektion erwartet; ein grammatischer Fehler ist dann nicht mehr erlaubt.- Ähnliches gilt auch für den Lebenslauf. Tabellarisch verfaßt, kann er dennoch nicht für alle anstehenden Bewerbungen gleich geartet sein; je nach Anforderungsprofil sind Variationen notwendig. Gliederungen nach Schule, Berufspraxis, Studium u. Ä. Sind erwünscht.- Bei den Zeugnissen ersetzt der Notenspiegel( durchaus auch selbst verfaßt) bis zur Diplomerteilung selbiges. Für den erfahrenen Ingenieur sind natürlich die Firmenzeugnisse von größerer Bedeutung. Zwischenzeugnisse können nur in Ausnahmefällen beigefügt werden, und auch nur dann, wenn sie sich( lobend) über eine im Unternehmen abgeschlossene Tätigkeit( Anlaß kann auch ein Vorgesetztenwechsel gewesen sein) äußern- niemals, wenn der Laufpaß schon zu erkennen ist.- Last but not least will der Leser der Bewerbung auch tatsächlich sehen, mit wem er es zu tun hat- per Bild. Ein Fotografenfoto muß es schon sein( weiß ist inzwischen ohne Bedeutung), Anzug und Krawatte werden auch beim Absolventen erwartet. In einem letzten Durchgang ist noch einmal die Fülle von Papier zu sichten; Praktikumsbestätigungen, Berufsschulzeugnisse, Teilnahmebescheinigung von Tagesseminaren und andere Dinge gehören dort nicht hinein, eine kurze Erwähnung im Lebenslauf reicht. Der Extrakt Ihres bisherigen Berufs- und Studienlebens kann nun endlich in einen üblichen Plastikhefter gepackt und versandt werden. Haben Sie nicht vergessen, den Umschlag ausreichend zu frankieren, so dürfen Sie jetzt frohen Mutes der Antwort des Adressaten harren. Erfahrungsaustausch zwischen Fachleuten der Stahlindustrie. Umfassendes Weiterbildungsangebot für Ingenieure im Stahlbereich. Der VBI ist kein technisch-wissenschaftlicher Verein, sondern ein berufsständischer Verband, der die Interessen der unabhängigen Ingenieurunternehmen vertritt, z. B. In der nichttechnischen Weiterbildung, durch Beratungen im Honorar- und Vertragsrecht sowie Versicherungsberatung. Adressen für die ehemalige DDR: Karriereberatung durch die Auskunftsstelle für Studium und Beruf, Vortragsveranstaltungen zum Arbeitsmarkt für Elektroingenieure, Seminare zum Beispiel über Rhetorik, Dialektik, Fachtagungen, Exkursionen. Seminare und Trainingsveranstaltungen in den Bereichen Strategie/ Führung/ Organisation, persönliche Weiterentwicklung Personal, Marketing, Verkauf, Betriebswirtschaft/ Logistik/ Technik, Recht. Zielgruppe: Führungskräfte der oberen und mittleren Ebenen, Vorstände, Geschäftsführer aus allen Bereichen der Wirtschaft, darunter auch Ingenieure und Techniker. Berufs- und Studienberatung: Fragen der Studienwahl, der Berufsfindung und der Karriereplanung, Gehaltsanalysen, Veranstaltung von Kongressen, Arbeitskreise für Studenten und Jungingenieure. Der Wettbewerb hat auf allen nationalen und internationalen Märkten spürbar zugenommen. Um hier den richtigen Grundstein zu legen, ist es für die Firmen von erheblicher Bedeutung, die Personalauswahl besonders sorgsam vorzunehmen. Es hat sich allmählich herumgesprochen, daß Investitionen in Mitarbeiter Priorität haben sollten vor den Investitionen in Maschinen. Im folgenden Beitrag beleuchtet Renate Nicolai vom Düsseldorfer Managementberatungsunternehmen Nicolai und Partner punktuell Einstellungs- und Auswahlmethoden, um Ingenieuren Hilfestellungen für ihre Bewerbungen und die Karriereplanung zu geben. In den Unternehmen hat sich inzwischen immer mehr die Erkenntnis durchgesetzt, daß im Rahmen der Personalarbeit eine professionelle Bewerberauswahl vorzunehmen ist. Dies gewinnt vor allem für mittelständische Firmen mehr an Bedeutung, um mit den Großen des Marktes mithalten zu können. Auch Bewerber achten inzwischen verstärkt darauf, wie sie angesprochen werden, wie sie behandelt werden und welche Zukunftsperspektiven Ihnen aufgezeigt werden. Im ersten Kontakt wird oft die Basis dafür gelegt, ob das anwerbende Unternehmen Erfolg haben wird. Gerade technisch ausgebildete Bewerber tun sich häufig schwer mit dem Papierkram. In der täglichen Praxis erlebt man kuriose bis peinliche Vorgänge. Unterlagen werden in den falschen Adressatenumschlag gesteckt, der Absender geht aus dem Schreiben nicht hervor, die Unterlagen sind so mit der Hand geschrieben, daß sie kaum lesbar sind, der Lebenslauf ist nur in Fragmenten nachvollziehbar beziehungsweise mit einem Datum versehen, das schon geraume Zeit zurückliegt. Damit Sie es besser machen als andere, achten Sie darauf, daß Ihre Unterlagen komplett sind, d. H. Mit allen verfügbaren Zeugnissen, mit einem Lichtbild, mit einem Anschreiben, aus dem das Motiv Ihrer Bewerbung hervorgehen sollte, mit der Angabe Ihres Gehaltswunsches- und für die Kommunikation wichtig: möglichst mit Angabe einer Telefonnummer. Sie machen es dem Leser Ihrer Bewerbung leichter, wenn Sie den tabellarischen Lebenslauf zeitchronologisch abfassen. Seien Sie darauf gefaßt, daß Sie in einem späteren Gespräch auf Lücken im Lebenslauf oder fehlende Informationen angesprochn werden. Deswegen scheuen Sie es nicht, von sich aus zu sagen, daß Sie z. B. Eine Weltreise gemacht haben, in einem gewissen Zeitraum arbeitslos gewesen sind, an einer Umschulung teilgenommen haben etcetera. Es wird erwartet, daß Sie Ihre Unterlagen ohne Fehler abfassen. Die Chancen z. B. Einer Sekretärin wären von vornherein Null, wenn sie im Anschreiben schon drei Fehler macht. Die Bewerbung, also Brief und Lebenslauf, per Computerausdruck ist höchstens von einem Informatiker akzeptabel. Bewerber sollten wissen, daß auch bei diesem Vorgang das Auge mitwirkt- weswegen auch der zu kräftige Einsatz von Plastikhüllen keineswegs zu empfehlen ist. Obwohl Einzelinterviews mit vielen subjektiven Mängeln behaftet sind, ist es immer noch die Auswahlform, die am meisten verwendet wird. Der Arbeitgeber möchte neben der Gewinnung eines persönlichen Eindrucks und dem Vergleich der schriftlichen Informationen mit den im Gespräch gegebenen mündlichen Aussagen auch folgende Fragen beantwortet bekommen: inwieweit kann sich der Bewerber in die ihm zugedachte Arbeitsgruppe einordnen, welche Erwartungen und Zielvorstellungen verbindet der Bewerber mit dem Eintritt in die Firma, was für Karriereabsichten hat der Kandidat, was möchte er z. B. In fünf Jahren tun, und ist er weiterhin mobil? Geben Sie sich im Gespräch so wie Sie sind. Versuchen Sie keine Rolle zu spielen, die Erfahrung zeigt, daß Sie dies nicht durchhalten. Konzentrieren Sie sich bei Ihren Antworten, schweifen Sie nicht in langatmige Darstellungen aus. Aber stellen Sie selber auch Fragen- und versuchen Sie, sich vorzubereiten, sich zu informieren. Kommen Sie nicht auf den letzten Drücker zum Vorstellungstermin. Falls Sie auf der Autobahn liegen bleiben, rufen Sie Ihren Gesprächspartner an. Falls Sie gar nicht können, lassen Sie Ihren Gesprächspartner nicht warten, sondern vereinbaren rechtzeitig vorher einen neuen Termin. Es ist immer wieder festzustellen, daß viele Bewerber Assessment-Center nicht kennen, beziehungsweise mit Bauchschmerzen in dieses Auswahlverfahren gehen. Um es gleich vorweg zu sagen, diese Scheu oder Skepsis ist nicht angebracht. Was ist eigentlich ein Assessment-Center? Man versteht hierunter ein standardisiertes, wissenschaftlich unterlegtes Verfahren, das aus situativen Einzel- und Gruppenübungen, Planspielen und Interviews besteht. Assessment-Center können je nach Ausprägung ein bis fünf Tage dauern. Eine Gruppe von acht bis zwölf Bewerbern wird von vier bis sechs trainierten Führungskräften beobachtet und in speziellen Beurteilungslisten bewertet. Das Assessment-Center hat den Vorteil, daß mehrere Kandidaten gleichzeitig durch mehrere geschulte Beobachter beobachtet und beurteilt werden. Es kommt somit zu einer Vielzahl von Einzelbeurteilungen, aus denen ein vollständiges Bild über einen Teilnehmer entsteht. Der Kandidat sitzt in den Übungen jeweils zwei Beobachtern gegenüber und wird wie mit einem Stundenplan durch die verschiedenen Übungen geführt. Ausgehend vom Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle ist es Ziel der Beobachtungen, alle positionsrelevanten Verhaltensweisen und Fähigkeiten des Bewerbers zu erkennen. Fachliche Anforderungen an eine zu besetzende Stelle spielen keine Rolle. Die fachlichen Kenntnisse werden bei der Vorauswahl der Bewerber berücksichtigt beziehungsweise in einem weiteren Fachgespräch nach dem Assessment-Center exakt besprochen. Schlagwortartig zusammengefaßt spielen Kriterien wie Arbeitsstil, Persönlichkeit, Intellekt und Sozialverhalten die entscheidende Rolle. Auch hier gilt: Gehen Sie unverkrampft, aber konzentriert in die Übungen. Falls Sie in einer großen Firma arbeiten und dort Karriere machen wollen, wird es Ihnen( vielleicht) leicht gemacht. Bei entsprechend positiven Leistungen sorgen ausgeprägte Personalentwicklungsmaßnahmen dafür, daß Sie Unternehmen von verschiedenen Seiten kennenlernen und somit einen guten Grundstock bekommen, um in der Hierarchieleiter aufzusteigen. In Klein- und Mittelbetrieben sieht die Situation ganz anders aus. Hier müssen Sie Ihre Karriere selbst gestalten, ggf. Auch durch einen Firmenwechsel. Egal, ob Sie im Groß- oder Kleinbetrieb arbeiten, passen Sie auf, daß Sie sich nicht zum Job-Hopper entwickeln. Abteilungswechsel oder Firmenwechsel im Ein- bis Zweijahresrhythmus machen Sie zum unbeliebten Mitarbeiter. Ihre Karrierechancen nehmen rapide ab. Je nach Aufgabenstellung sind Sie gut beraten, Berufserfahrungen zwischen zwei und fünf Jahren zu sammeln. Da in der heutigen Wirtschaft wieder mehr der Generalist gefragt wird, achten Sie darauf, daß Sie verschiedene Segmente einer Firma kennenlernen oder auch verschiedene Branchen. Gehen Sie zum Beispiel von der Entwicklung in die Produktion, vom Marketing in den Vertrieb, vom Vertrieb in die Werbung, von der Logistik in die Produktion, von einem produktionsorientierten Betrieb in einen dienstleistungsorientierten Betrieb. Versuchen Sie Sprachen anzuwenden- Englisch ist heute sozusagen Standard. Lernen Sie mit einem PC umzugehen. Scheuen Sie sich nicht, Vorträge zu halten. Sind Sie aktiv, machen Sie Ihrem Chef Verbesserungsvorschläge, und nutzen Sie Weiterbildungsmöglichkeiten. Planen Sie optimistisch und aktiv Ihre Zukunft. Nach der Öffnung der Grenze hat auch der VDI seine Aktivitäten auf das Gebiet der ehemaligen DDR ausgedehnt. Doktor Dieter Rischka, Vorsitzender der nur noch kurz bestehenden VDI-Gliederung DDR, zieht in diesem Bericht Bilanz über sechs Monate VDI-Arbeit in diesem Teil Deutschlands. Das Hauptaugenmerk der Gliederung DDR des VDI war in den letzten Wochen und Monaten in ihrer ehrenamtlichen Arbeit vor allem auf zwei Schwerpunkte gerichtet:- Organisieren von Bildungsangeboten. Darüber hinaus erreichte uns eine Flut von Anfragen, die vor allem den Aufbau des VDI, seine Organisation und sein umfangreiches Dienstleistungsangebot betrafen. Beim Aufbau der Bezirksgruppen konnte sich der Vorstand der noch bestehenden VDI- Gliederung DDR auf die Bereitschaft von Gründungsmitgliedern aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt stützen, sowie auf Interessenten, die ihre Mitarbeit angeboten haben. Bezirksgruppen sind bisher entstanden oder werden jetzt gegründet in Leipzig, Halle, Dessau, Magdeburg, Rostock, Weimar, Erfurt, Chemnitz, Dresden und Pirna. In anderen Städten sind erste Schritte zur Gründung von VDI-Organisationsformen zu erkennen. Damit sind Anlaufstellen entstanden, die vor Ort Auskünfte und Beratungen in VDI-Angelegenheiten geben können. Wir Ingenieure in der bisherigen DDR gehen davon aus, daß es auf dem hiesigen Territorium ausreichend große Bezirksvereine geben sollte, um die vielfältigen Interessen der Ingenieure besser vertreten zu können. Günstig wären Bezirksvereine entsprechend den neuen Bundesländern. Auf diese Weise können die besten Voraussetzungen geschaffen werden, um die Kompetenz des VDI im Interesse der Ingenieure günstig umsetzen zu können. Die gegenwärtig durch den VDI-Verlag gemeinsam mit der Hauptgeschäftsstelle durchgeführte Informationsrundfahrt mit dem VDI-Bus durch die frühere DDR unterstützt dieses Konzept. Der zweite Schwerpunkt ist die Bildungs- und Weiterbildungsarbeit. Hier erwartet der Ingenieur im Osten ein breites, aber auch spezielles Angebot, um sich in der Marktwirtschaft zurechtzufinden, sowie die neuen Normen und das notwendige internationale Know-how zu erfahren und sich aneignen zu können. Dabei geht es sowohl um Informationen als auch um Wissen und Können bis hin zur praktischen Umsetzung dieser Kenntnisse. Die ersten Schritte und Vereinbarungen dazu sind mit dem VDI-Bildungswerk konzipiert und in zwei Fällen bereits realisiert worden. Dabei wurden wir von ehrenamtlichen Mitarbeitern aus dem West-Berliner Bezirksverein unterstützt. Weitere Veranstaltungen in Dresden, Chemnitz, Leipzig und anderen Orten sind für die nächsten Monate geplant. Erschwerend und behindernd wirken auf die Durchführung von VDI-Bildungsveranstaltungen zur Zeit die wirtschaftlichen Probleme der Betriebe und der ostdeutschen Ingenieure. Ihre finanzielle Lage steht den Aufwendungen für die Seminare kontrovers gegenüber. Hier sollte versucht werden, neue Wege- zumindest für 1991- zu gehen. Darüber hinaus kann der VDI den Ingenieuren auf unserem Gebiet dadurch Orientierungshilfen geben, indem die Fachgliederungen durch Präsentationen und Mithilfe bei der Gründung von Arbeitskreisen aktiv werden. Die VDI-Gesellschaft Energietechnik führte z. B. Am 12. 9. 1990 ihre Tagung Kraftwerke für die Zukunft in Leipzig-Markkleeberg durch. Der Status Gliederung DDR wird durch die Wiedervereinigung Deutschlands nicht mehr lange Bestand haben. Sie wird übergehen in Bezirksvereine und -gruppen in den fünf neuen Bundesländern. Durch einen raschen Aufbau eines solchen Netzes wird der VDI im gesamten Deutschland aktiv werden. Eine Verbesserung um 10000 DM pro Jahr erzielen Berufsstarter im Vergleich zu den Einstiegsgehältern vor fünf Jahren. Doch ausschlaggebend sollte der vorgezeichnete Karriereweg sein. Die Chancen junger Ingenieure, als Anfänger ein hohes Einstiegsgehalt durchzusetzen, war noch nie so groß wie heute, meint Hans Bernd Graupner von der Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach. Er gibt jedoch jedem, der es hören will, zu bedenken: Ein hohes Jahresgehalt allein darf nicht das entscheidende Kriterium für einen jungen Mann oder eine junge Frau sein. Der Karriereweg sollte vorgezeichnet sein. Nach seinen Erfahrungen muß heutzutage niemand wie auf einem orientalischen Basar um ein paar Hunderter mehr im Monat feilschen. Das regelt sich nach Angebot und Nachfrage, meint Graupner. Die jungen Leute kommen zum x-ten Vorstellungsgespräch und haben dabei schon prima Angebote in der Tasche. So sei es nicht verwunderlich, daß die Einstiegsgehälter dieses Jahres um mindestens 10000 DM per anno höher liegen als 1984. Bei einem sehr hohen Einstiegsgehalt sind die finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten für den einzelnen langfristig aufgrund der kleiner werdenden Spielräume natürlich geringer, gibt er zu bedenken. Das dürfte sich dann negativ auf die Motivation der Betroffenen auswirken. Den heiß umworbenen Jungingenieuren rechnet er diesen Trend aber nicht an. Viele Unternehmen sind selbst schuld an dieser für sie eher negativen Entwicklung, so Graupner. Denn die verzweifelt suchenden Fachabteilungen, so hat er oft in der letzten Zeit beobachtet, drängen die Personalleiter immer wieder, finanziell noch einen Schritt nach oben zu gehen. Diesem massiven Druck könnten die dann kaum standhalten. Und wie beurteilen die betroffenen Unternehmen die momentane Situation? Gibt es unbotmäßige Forderungen? Die allermeisten Berufsanfänger haben durchaus realistische Gehaltsvorstellungen, manche sind sogar von den angebotenen Leistungen positiv überrascht, meint Johann Will, Referatsleiter im Personalwesen bei der Audi AG in Ingolstadt. Beim Automobilbauer gibt es ein relativ festes Gehaltsgefüge, das jedes Jahr auf seine Aktualität und Marktgerechtigkeit überprüft wird. Nach dem ersten Jahr sind etwas mehr als 14 Gehälter üblich. Im ersten Jahr gibt's zum Grundsalär Pauschalen. Schließlich setzt sich das Einkommen aus drei Bestandteilen zusammen:- eine übertarifliche Zulage. Letztere dient auch dazu, ein einheitliches Konzern-Gehaltsgefüge zu gewährleisten. Der Hintergrund hierfür: Das Werk Neckarsulm liegt im Tarifgebiet Nord-Württemberg/ Nordbaden. Dort rangieren die Abschlüsse in manchen Gruppen wesentlich über denen im Gebiet Nordbayern, in dem Ingolstadt beheimatet ist. Die übertariflichen Zuschläge sichern ein gleich hohes Gehalt für die gleiche Leistung im Gesamtunternehmen. Bei uns zählen bei den Berufseinsteigern neben dem Gehalt natürlich noch andere Dinge, meint Will. So beispielsweise die Rabattregelungen für die Produkte des Unternehmens, sprich Personenkraftwagen, und- wie der Experte betont, die ausgefeilten Karrierechancen einer profunden Personalpolitik und Nachwuchsförderung. Dieser letzte Punkt sollte mehr als das Anfangsgehalt von jungen Absolventen bei der Entscheidung für oder gegen Unternehmen beachtet werden, meint Doktor Werner Fröhlich, Boss der Manage PI84 ing Unternehmensberatung und Chefredakteur der Zeitschrift Personalwirtschaft. Eindringlich warnt er jüngere Leute vor zu hoch geschraubten finanziellen Erwartungen. Die Perspektive der Funktion muß stimmen, rät er. Denn wenn die Position keine Aufstiegschancen erwarten lasse, dann bringt das hohe Einstiegsgehalt letztlich auch nichts. Fröhlich hat zwei Bandbreiten ausgemacht, in denen sich die Anfänger tummeln sollten. Je nach Qualifikation bewegt sich die untere Grenze zwischen 4500 DM bis 4700 DM, die oberen zwischen 4900 DM und 5200 DM Bruttomonatseinkommen. Bei diesen Empfehlungen weiß er natürlich so gut wie alle anderen Unternehmens- oder Personalberater, daß die 5000 DM häufig überschritten werden, als so manchem Betrieb lieb sein dürfte. Fröhlich hat jedenfalls schon so manchen Berufsanfänger kennengelernt, der mit 5500 DM und mehr geködert wurde. Der dann aber nach einigen, verlorenen` Monaten feststellen mußte: Diese Beschäftigung ist nichts für mich. Läßt sich ein Bewerber auch beim zweiten mal von einem hohen Gehalt blenden, ohne daß die Berufsperspektive stimmt, dann kann das unangenehme Folgen für die weitere Karriere haben: Der dritte Personalchef wird sich über die Sprunghaftigkeit des Kandidaten so seine Gedanken machen. Denn die Unzufriedenheit kann ja nicht jedesmal nur auf Seiten des Mitarbeiters liegen. Unrealistische Forderungen hat Thomas Sattelberger, Leiter des Zentralen Bildungswesens bei der Deutsche Aerosphase AG( Dasa), bisweilen angetroffen. In summa waren sie aber doch wirklichkeitsnah, meint er. Die im Großen und Ganzen moderaten Gehaltsvorstellungen führt er darauf zurück, daß es sich unter den jungen Absolventen wohl herumgesprochen hat: Danach sind nur noch sehr geringe Zuwachsraten zu erwarten. Außerdem wüßten die High-flyer, 15 bis 20 Absolventen jährlich, die für die zentrale Nachwuchsgruppe geworben werden, daß eine große Zukunft auf sie wartet. Denn diese Leute sind für Projekteinsätze in den vier Dasa-Unternehmen( MBB, TST, Dornier, MTU) vorgesehen. Sie lernen also nicht nur einen Teilbereich der Gruppe kennen, sondern die ganze Daimler-Raumfahrttochter. Dies eröffnet, nach Einschätzungen Sattelbergers, hervorragende Karrierechancen. Die meisten Einsteiger beginnen auch bei der Dasa unter 100000 DM im Jahr. Wer allerdings zusätzlich noch MBA, Doktortitel und Praxiserfahrung mitbringt, für den sind die 100000 DM kein Tabu mehr. Wie lange diese Situation noch anhalten wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Kienbaum-Experte Graupner sieht ein Ende dieses Booms aus zwei Richtungen nahen. Zum einen sind viele Personalleiter zur Zeit auf dem Gebiet der DDR unterwegs, um die Personallücken- auch bei den Ingenieuren- zu schließen. Zum anderen vergleichen momentan sehr viele Personalabteilungen die Abschlüsse in den europäischen Nachbarländern mit den hiesigen. Im Zuge des Binnenmarktes könnten dann englische, französische oder italienische Ingenieure einen Teil des Bedarfs auffangen. Und ein weiteres Ansteigen der Anfangsgehälter abbremsen.- Gehaltsfindung wird für Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer komplizierter. Es geht längst nicht mehr um die Bezahlung von Arbeit. Es geht vielmehr um die Vergütung von zahlreichen erbrachten Leistungen. Das Medium heißt nicht einfach Geld, sondern Entgelt. Und das wird über Vergütungssysteme unterschiedlicher Bauart geregelt. Wenn das Unternehmen auf der Höhe der Zeit ist, mit einem flexiblen Vergütungssystem. Flexibilität bedeutet das Eingehen auf die individuellen Wünsche des Vergütungsempfängers. Das Neueste: ein Cafeteria-System. Dabei wählt man aus einem Angebot mehrerer Vergütungsarten ein seiner persönlichen Situation am besten entsprechendes Menü. Daher der Name Cafeteria-System. Basis ist zunächst ein Geldbetrag, das normale Gehalt. Das sollte für die Grundbedürfnisse des Lebens reichen. Hinzu kommen dann andere Vergütungen aus zusätzlichen Bezügen- Tantiemen und Sachleistungen. Dahinter steht gedanklich natürlich weiter Geldwert, sowohl für den Arbeitgeber, der die Kosten aufbringen muß, als auch für den Arbeitnehmer, der den geldwerten Vorteil in irgendeiner Form versteuern muß. Typisches Beispiel für die Möglichkeiten der individuellen Menüwahl bei Cafeteria-Systemen ist der Firmenwagen. Im Rahmen eines vorgegebenen Fahrzeugbudgets kann der Mitarbeiter ein Auto ganz nach seinem Geschmack als Dienstwagen fahren. Da steht dann auf dem Betriebsparkplatz das flotte Sportcoupe von Abteilungsleiter A.( Single) neben der geräumigen Familienlimousine von Abteilungsleiter B.( Vier Kinder). A. Hat wahrscheinlich aus seiner Garantie-Tantieme noch etwas drauflegen müssen, denn sein Auto ist nicht nur schick, sondern auch ganz schön teuer. Andere oft anzutreffende Menübestandteile sind zusätzliche Altersversorgung und Arbeitgeberdarlehen. Direktversicherungen sind schon so verbreitet, daß sie zwar inhaltlich ins Menü passen, dort aber nicht mehr angesiedelt werden sollten. Denn in den meisten Fällen- vor allem bei Großbetrieben- ist der Abschluß einer Direktversicherung obligatorisch. Mit ihr kann man ja ganz legal Steuern sparen. Auf diese angenehme Vergütungsform läuft auch die in Deutschland noch wenig praktizierte Deferred Compensation heraus. Gemeint ist damit eine herausgeschobene Vergütung. Man spart ein bestimmtes Quantum Entgelt bis zur Pensionierung an, weil dann- durch das ingesamt geringere Einkommen- die Steuerbelastung niedriger wird. Für junge Führungskräfte ist auch das Sabbatical interessant. Allerdings wird diese Vergütungsform- via Geldverzicht längeren Urlaub nehmen zu können- bisher nur selten angeboten. Die in der Bundesrepublik tätigen amerikanischen Firmen sind aber schon Vorreiter. Wer sich intensiv weiterbilden, ein Buch schreiben oder eine Frachterreise rund um die Welt machen möchte, kann sich dafür bei Hewlett Packard Urlaub kaufen. Er muß es nur ein halbes Jahr vorher anmelden und mit seinem Vorgesetzten klar kommen. In der amerikanischen Muttergesellschaft ist es auch möglich, Tantiemen in verkürzte Wochen-, Jahres- oder Lebensarbeitszeit zu tauschen. Mehr und mehr Firmen schnüren solche Vergütungspakete im Zeichen des Wertewandels in unserer Arbeitswelt. Zwar kann man mit Geld- fast- alles kaufen, es ist aber doch etwas anderes, wenn der Dienstwagen ein Porsche ist. Ganz abgesehen davon ist die Besteuerung des geldwerten Vorteils im allgemeinen niedriger als die des reinen Mammons. Motivation heißt denn auch die Devise. Für Führungskräfte sind Überstunden ja normalerweise mit dem Gehalt abgegolten. Fortschrittliche Unternehmen denken aber schon darüber nach, wie die unabdingbar anfallenden Überstunden der Führungsmannschaft in ein gerechtes Verhältnis zur 37- und später anstehenden 35-Stunden-Woche der übrigen Mitarbeiter gebracht werden können. Der Frankfurter Bremsenhersteller Alfred Teves AG praktiziert bereits ein Modell, das Schule machen könnte: Es gibt Arbeitszeitäquivalente für die einzelnen Führungskreise. Das beginnt bei 2400 DM im Jahr und endet bei 6000 DM. Sobald die 35-Stunden-Woche gilt, erhöhen sich diese Beträge auf 5600 DM beziehungsweise 14000 DM jährlich. Flexible Vergütungssysteme finden sich überwiegend bei sehr großen und bei sehr kleinen Unternehmen. In der breiten Mitte dominieren( noch) die starren Formen, die- wenn sie breit genug angelegt sind- nicht schlecht sein müssen. Einsteigern rät Christian Näser, Leiter Vergütungsberatung bei der Kienbaum Personalberatung in Gummersbach, sich zunächst einmal um ein marktgerechtes Gehalt zu bemühen. Es ist sinnvoll, sich darüber zu informieren, wo im Unternehmen die Gehaltsgrößen der einzelnen Positionsgruppen angesiedelt sind. Das Basisgehalt sollte bereits leistungsbezogen ausgerichtet sein. Und es sollte Optionen geben für den flexiblen Teil der Gesamtvergütung. In den siebziger Jahren waren Incentives ein Schlager der Vergütungsformen. Bis in die achtziger hinein wurden sie dann immer aufwendiger. Während einst das Nerzjäckchen für die Frau Gemahlin mit Prämienpunkten für besondere Arbeitsergebnisse erworben wurde, spornte später der in Aussicht gestellte Segeltörn in der Karibik zu gesteigerten Leistungen an. Seit Jahresbeginn müssen auch solche Prämien versteuert werden. Ihre Beliebtheit ist deshalb dramatisch gesunken. Einige Reisebüros, die sich auf Incentivereisen spezialisiert hatten, klagen über Existenzsorgen. Prämien bleiben zwar weiter ein wirksames Instrument für die Belohnung herausragender Leistungen, sie treten aber fast nur noch als Geldprämien auf. Kann man sie bei einer flexiblen Vergütungsform in steuergünstigere Arten umtauschen- umso besser. Daß es, insgesamt betrachtet, das ideale Vergütungssystem nicht geben kann, weiß Günter Krenn, Leiter Vergütung und Bewertung bei BMW in München. Jedes Unternehmen benötigt sein eigenes Vergütungssystem. Es muß als Medium für die Leistungskommunikation verstanden werden. Wir bei BMW betrachten unser Vergütungskonzept als Öl im Getriebe. Es ist noch gar nicht so lange her, daß Führungskräfte sich mehr für ihre Entfaltungsmöglichkeiten im Betrieb interessierten als für ihre Altersversorgung. Geld ist nicht alles, war die Devise. Inzwischen weiß man, daß ohne Geld oft alles nichts ist. Und das besonders im Alter Geld sehr viel mehr wert sein kann, als in der Jugend. Pensionszusagen ihrer Firma haben heute über 80 Prozent aller Arbeitnehmer in den Führungsetagen. Trotzdem sind Vergütungsmodelle interessant, die darüber hinaus Mittel für eine verbesserte Altersversorgung bieten. Das kann eine zusätzliche Witwenpension sein, eine Lebensversicherung oder- neuester Vorschlag- eine Alterspflege-Versicherung. Ulrich Weber, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln, empfiehlt, seinen Pensionsanspruch gegen den möglichen Konkurs des Dienstherrn abzusichern. Durch Abschluß einer Rückversicherung oder durch die Fixierung einer unwiderruflichen Bezugsberechtigung. Weber rät auch: Versuchen Sie, eine möglichst kurze Wartezeit bis zur Unverfallbarkeit der Pensionszusage zu erreichen. Lassen Sie sich Arbeitszeiten bei anderen Arbeitgebern auf den Pensionsanspruch anrechnen und das Recht einräumen, Ihren Versorgungsanspruch bei Arbeitgeberwechsel mitzunehmen. Vergütungen, die man heute in den Bereich der Sozialleistung verweist, haben uralte Vorgänger in der feudalistischen Gesellschaft. Erntedankfest auf dem Gutshof- das ist unser Betriebsausflug. Unser Weihnachtsgeld- das ist die Gesindebescherung von damals. Mit dem Unterschied zur guten alten Zeit, daß die Bescherten für die Bescherung keine Steuern zu zahlen brauchten. Unternehmenskultur ist mehr als das äußerliche Corporate Design. Sie muß alle Ebenen durchziehen und von allen Mitarbeitern verinnerlicht werden. Unternehmenskultur ist das implizite Bewußtsein, das alle im Unternehmen Tätigen, die Mitarbeiter und die Führung, verbindet, hat die Literaturwissenschaftlerin Prof. Doktor Gertrud Höhler formuliert. Die Kultur lebe, so die Beraterin der Deutschen Bank AG, Frankfurt, aus den Erfahrungen, Erfolgsmustern und Wertvorstellungen, die das gemeinsame Handeln bestimmen. In ihr sammelten sich Normen, Ziele, Vorbilder und Leitlinien sowie die Grundannahmen, die das Verhalten der Mitglieder im Unternehmen prägen. Die Summe all dieser Größen steuert das Verhalten und ist zugleich Verhaltenskodex. Und nur wenn alle Mitarbeiter nehmen und zugleich geben, lebt eine Unternehmenskultur. Sie ist dann mehr als ein paar Unternehmensleitlinien, die zwar gefällig formuliert sind, nach denen sich aber im Grunde niemand richtet. Sie muß gelebt werden, hat Roland Berger in einem Interview mit den VDI-Nachrichten gesagt. Und zwar durch alle Ebenen hindurch und nicht nur von ein paar Vordenkern. Für einen Außenstehenden, also für neu eintretende Mitarbeiter oder für neutrale Beobachter, ist so eine Kultur eines Unternehmens nur sehr schwer auszumachen. Was sichtbar ist, wenn überhaupt, ist ein wichtiges Teilstück, das Coporate Design. Dieses Äußerliche präsentiert sich in der Kleidung, dem Firmenlogo, das sich überall durchzieht, in der Gestaltung des Firmengebäudes und in den Wiedererkennungs-Signalen, die ein Unternehmen nach außen sendet. Oder in der Farbe, für die sich eine Institution in der Kommunikation nach außen entschieden hat. Ob das Grüne Band der Sympathie( der Dresdner-Bank-Slogan) aber auch nach innen wirkt, ob die Kommunikation im Unternehmen also offen ist, darüber sagen die äußeren Insignien natürlich erst einmal gar nichts aus. Zu den leicht erkennbaren Äußerlichkeiten gesellen sich eher versteckte Merkmale einer Firmenkultur wie bestimmte Rituale oder Mythen. Auch Zeremonien gehören dazu. So gibt's in vielen Unternehmen, vor allem den mittelständischen, den Mythos der offenen Tür. Der Chef ist jederzeit für alle Mitarbeiter bis hin zum Produktionsarbeiter zu sprechen. Das hat in der Praxis nicht viel Relevanz, weil es bei der zeitlichen Belastung der oberen Ebenen undurchführbar ist. Aber als Signal an die Mitarbeiter verfehlt ein solcher Mythos natürlich nicht seine positive Wirkung. Zu den Zeremonien gehören auch die Hauptversammlungen. Der große Vorsitzende legt den Anteilseignern die Ergebnisse vor. In strahlendes Scheinwerferlicht gehüllt, wird sein Konterfei auf eine Leinwand projiziert, die auch die kleinsten Schweißperlen auf der zerfurchten Stirn in der hintersten Ecke des Saales erkennen läßt. Das signalisiert: Dieser Firmenhäuptling hat sich energisch für unsere Claims eingesetzt und Angriffe in der feindlichen Unternehmenswelt abgewehrt. Bei ihm ist unser Bares in guten und erfahrenen Händen. Über diese Ebene hinaus entwickelt sich eine Unternehmenskultur auf zwei weiteren Ebenen. Nach dem Corporate Design geht es hin zu den unternehmenstypischen Wertvorstellungen bis hin zu den ethischen Standards, in die sich der Betrieb einbinden läßt. Diese Werte mögen genau ausformuliert sein oder auch nur unausgesprochen gelten. Oder anders gesagt: Jedes Unternehmen hat eine bestimmte Kultur, auch wenn sich die Führungskräfte oder der Inhaber darüber nie Gedanken gemacht haben. Da gibt es gerade bei den kleineren High-Tech-Betrieben, zumal in der Softwarebranche, sehr offene Gebilde, in denen fast alle Mitarbeiter an den Entscheidungen Anteil haben und die Kultur auf diese Weise mitleben. Auch autokratisch regierte Häuser haben ihre Kultur: Der ältere Chef dient seinen Mitarbeitern als Vorbild und läßt keine anderen Werte als die seinen gelten. Diese überkommenen Muster kollidieren natürlich enorm mit den Werten der heutigen Gesellschaft. Ein solches Unternehmen kann auf Dauer keinen Erfolg haben. Denn die Diskrepanz zwischen den außerbetrieblich gelebten Werten und jenen innerbetrieblichen wird zwangsläufig bei den Mitarbeitern zu Desinteresse, zurückgehender Motivation und sinkender Leistungsbereitschaft führen. Die jeweilige Unternehmenskultur soll als kreative Kraft wirken. Organisation und Strukturen müssen durchschaubar sein, damit das Fragmentarische der Arbeitserlebnisse zurücktritt, Gesamtzusammenhänge transparent werden und die einzelnen ihre Verantwortung für das Ganze der Unternehmung spüren, erkennen und ihr Handeln danach ausrichten. Eine positiv gelebte Kultur hat einige wichtige Merkmale, die die Außenstehenden, interessieren sie sich für eine ausgeschriebene Position, abklopfen können. Über die Unternehmensrichtlinien hinaus- sofern es derartiges gibt- sollten sie nach folgenden Dingen fragen:- Wie steht es um die Karrierevorsorge? Gibt es regelmäßig Mitarbeitergespräche, ein Assessment-Center?- Wie ist es um Teamwork, Eigeninitiative und Dezentralisation bestellt?- Wieviel Freiräume gibt es? Regiert die Stechuhr oder existieren flexible Arbeitszeitmodelle?- Wie steht es um Projektarbeit, in der die einzelnen im Team ihr Können zum Wohle des Ganzen einbringen?- Werden Zielvereinbarungen flexibel gehandhabt?- Wird Kundennähe der Mitarbeiter stimuliert und kümmern sich auch die oberen Ebenen um dieses Feld?- Wie steht's um die Informationskultur im Hause?- Schließlich: Wie werden die Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligt? Es ließen sich noch viel mehr Kriterien für eine gute Kultur und damit für ein erfolgreich agierendes Unternehmen formulieren. Eine tragfähige Kultur ist, wie Gertrud Höhler sagt, ein Strategiefaktor für den Unternehmenserfolg. Aber nur, wenn alle Ebenen zusammenarbeiten. Denn das sichert der Firma überzeugende Auftritte nach außen und hohe Akzeptanz bei den Kunden. Und natürlich nach innen, zu den eigenen Mitarbeitern. Daher muß die gelebte Unternehmensverfassung demokratisch, offen und flexibel sein. Denn ist sie starr, droht Erstarrung. Sie hält nicht mit der einzigen Konstante Schritt, die es in der heutigen Zeit gibt: den gesellschaftlichen Wandel. Insofern besteht kein Zweifel: Eine Unternehmenskultur vernichtet Traditionen. Zumindest die, die sich überlebt haben. So steht sie nicht selten im Widerspruch und im Widerstreit zu den Menschen, die sich lieber an Gewohntes festhalten, weil ihnen das sicheren Halt gibt. So kommt es immer wieder, wie Gertrud Höhler meint, zu Irritationen. Sie können die Strategie, die Führung und alle Mitarbeiter erfassen. Der Konzept-Euphorie folge nicht selten die Umsetzungsfrustration. In diesem Stadium droht eine sehr große Gefahr, die in vielen Unternehmen zu beobachten ist, die selber ins Strudeln geraten sind: Ein Rückfall in autoritäre Strukturen. Da kommen sogenannte Sanierer zum Zug, in einigen Wirtschaftsgazetten als trouble-shooter gefeiert, die das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen wollen, in dem alles auf ein einziges Kommando hört. Sie sind in manchen Fällen sogar sehr erfolgreich. Müssen dann aber die Kapitänsmütze an den Nagel hängen, sobald wieder sicheres Fahrwasser erreicht ist. Denn mit dieser Führungsstrategie können sie auf Dauer keinen Erfolg haben. Ein modernes, effektives Management kommt auf lange Sicht ohne offene, sich ständig ändernde Strukturen nicht aus. Nur auf diese Weise reagiert es schnell auf die technischen Neuerungen, die praktisch Tag für Tag stattfinden.- Wer den ersten Beitrag für eine Versicherung bezahlt hat, erhält im Schadenfall vollen Ersatz. Gerade für Berufsanfänger ist die Frage wichtig, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen tatsächlich umfassenden Schutz bieten? Wer seinen Beruf erst kürzlich aufgenommen hat, ist meist recht gut darüber informiert, daß gegen wechselvolle Schicksalsschläge des Lebens Versicherungen bestehen. Teils sorgt der Staat mit gesetzlicher Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung dafür, teils bieten private Unternehmen Schutz gegen nahezu alle Fährnisse. Da Versicherungsvertreter ihr Einkommen überwiegend aus den Abschlußprovisionen bestreiten, liegt ihnen daran, interessierten Jugendlichen nach der Beratung den Abschluß einer privaten Versicherung schmackhaft zu machen. Ein seriöser Vertreter weiß, daß dieses Geschäft nur langfristig zu betreiben ist. Er wird daher einen Interessenten nicht zum raschen Abschluß um jeden Preis drängen, sondern auch einmal davon abraten. Zumal dann, wenn er weiß, daß er später mit anderen Angeboten seines Hauses den Kunden besser bedienen kann. Doch sind nicht nur die festen oder freien Vertreter der Unternehmen darauf aus, Abschlüsse vor allem mit unerfahrenen Berufsanfängern zu schreiben. Es gibt spezielle Vertriebsorganisationen, deren Mitarbeiter jahrelang nichts anderes im Sinn hatten, als eine schnelle Mark mit dem Abschluß von Versicherungsverträgen zu machen. Diese Drückerkolonnen wurden von ihren Auftraggebern brutal auf den Verkauf gedrillt, so daß ihnen das Wohl der Kunden ziemlich egal war. Was zur Folge hatte, daß entsprechend abgeschlossene Verträge hohe Stornoquoten hatten. Es stellte sich also bei nachträglicher Betrachtung der allzu eilfertig abgeschlossenen Verträge heraus, daß die jugendlichen Kunden eigentlich gar keine so hohe Lebensversicherung haben wollten, wie ihnen verkauft worden war. Bis heute sind die Details eines Versicherungsvertrages vor allem für unerfahrene Jugendliche eher ein Buch mit sieben Siegeln als eine verständliche Angelegenheit. Das hat seinen Grund darin, daß ein Versicherungsvertrag wie andere Verträge von Juristen entworfen wird, um alle denkbaren Eventualitäten abzufangen. Das führt zu Bedingungen, die selten auf Anhieb verständlich sind und deshalb von erfahrenen Vertretern der Assekuranz oder von Versicherungs-Maklern geduldig und ausführlich erklärt werden, bevor ein Abschluß ins Auge gefaßt wird. Deshalb eine goldene Regel nicht nur für jugendliche Versicherungsinteressenten: Lassen Sie sich nicht nur den Vertreter eines Anbieters nach Hause kommen, um sein Angebot zu unterbreiten. Fragen Sie diese Fachleute so lange aus, bis verstanden wurde, worum es geht- und wie die Verpflichtungen beider Seiten aussehen. Wer als Versicherungsverkäufer dazu nicht bereit ist, setzt sich dem Verdacht aus, er habe etwas zu verschweigen- oder verstehe sein Gewerbe nicht ausreichend, um die gewünschten Auskünfte zu erteilen. Kein Vertreter kann alles wissen. Wenn er also mit einem Kollegen wiederkommt, der spezielle Details noch genauer weiß oder wenn beide sich vor einem Abschluß erneut beim Kunden mit weiteren Informationen melden, die inzwischen bei ihrer Zentrale abgefragt wurden, spricht das eher für eine qualitätsvolle Beratung als für einen unsicheren Vertreter. Natürlich unterschreibt man einen solchen Vertrag nicht gleich nach dem Informationsgespräch, sondern erbittet sich Bedenkzeit. Außerdem gibt es ein gesetzliches Rücktrittsrecht, das von seriösen Vertretern stets erwähnt wird. Welche Versicherungen sind es eigentlich, die junge Leute bei den ersten Schritten in das Leben unter eigener Verantwortung haben sollten? Der Schutz gegen Krankheit und Berufsunfähigkeit steht obenan. Eine Lebensversicherung bei einem privaten Unternehmen kann später dazu kommen. Berufsanfänger sind gesetzlich krankenversichert, solange ihr Gehalt die Jahresarbeitsverdienstgrenze nicht überschreitet. Was selten schon zum Berufsstart der Fall ist. Wer freilich beim Arzt als Privatpatient behandelt werden möchte, falls er krank wird, oder im Krankenhaus bei stationärer Behandlung ein 2- oder 1-Bettzimmer vorzieht, kann dies mit einer privaten Zusatzversicherung erledigen. Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung, etwa einer Berufsgenossenschaft( BG), gibt es nur für Berufskrankheiten, also Unfälle am Arbeitsplatz einschließlich des direkten Hin- und Rückweges ohne Umweg. In der Freizeit, wo sich 70 Prozent aller Unfälle ereignen, besteht aus der gesetzlichen Versicherung kein Schutz. Den bietet eine private Unfallversicherung, die weltweit und rund um die Uhr gültig ist. So kann auch das Risiko abgedeckt werden, nicht einmal eine finanzielle Entschädigung zu erhalten, wenn nach einem privaten Unfall die Arbeitskraft gefährdet ist. Versorgungsprobleme im Fall einer vorzeitigen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit- sie entstehen durch die vorgeschriebenen 60monatige Wartezeit( also 5 Jahre!)- Lassen sich durch eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit lösen. So kann als eigene Versicherung, etwa für diese fünf Jahre, aber auch in Kombination mit einer Kapitallebensversicherung abgeschlossen werden. Auch diese private Lebensversicherung bietet dem Berufsanfänger einen sofortigen Versicherungsschutz, falls ihm etwas passiert. Wobei gerade bei niedrigen Einkommen von Berufsanfängern der steuerliche Effekt mitgenommen werden kann: Beiträge für Vorsorgeaufwendungen, also für private Versicherungen dieser und anderer Art, können im Rahmen gesetzlicher Höchstbeträge steuermindernd wirken. Das sind Sätze, die später meist überschritten werden und deshalb kein zusätzlicher Anreiz für einen Versicherungsabschluß mehr sind. Wer sein 18. Lebensjahr vollendet, hat ein Ziel: Den Führerschein- und möglichst bald danach ein eigener fahrbarer Untersatz. Der Gesetzgeber hat, um den einzelnen Verkehrsteilnehmer von unerwartet hohen Ansprüchen eines möglichen Geschädigten freizustellen, für alle Kraftfahrer eine gesetzliche Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Sie kommt bei einem verschuldeten Unfall des Versicherten für die berechtigten Ansprüche des Unfallgegners auf. Wer als Skateboardfahrer, Surfer, Fußgänger oder Radfahrer jemanden verletzt, haftet selbst. Dagegen kann man sich durch eine private Haftpflichtversicherung schützen. Eine eigene Privathaftpflichtversicherung kostet 100-120 DM im Jahr- bietet also für 10 DM Monatsprämie den nötigen Schutz. Wer Verkehrsteilnehmer ist, sich als Mieter mit seinem Vermieter rumärgert oder sonst gerichtliche Hilfe beansprucht, wird meist einen Anwalt mit der Vertretung seiner Interessen beauftragen. Weder Anwälte noch Gerichte arbeiten kostenlos. Vielmehr können schon nach einem kleinen Verkehrsunfall solche Kosten in die tausende von Mark gehen. Dagegen schützt eine Rechtsschutzversicherung, die etwas teurer als eine private Haftpflichtversicherung ist. Dafür bietet sie den anwaltlichen Schutz bei Verkehrs-, Familien-, Arbeitsrechts- und anderen Streitigkeiten. Viele Berufsanfänger haben schon erhebliche Werte in ihre Einrichtung gesteckt: Neben Möbeln sind es vor allem elektronische Geräte für Audio und Video, die mitunter erhebliche Summen kosten. Eine Hausratsversicherung schützt hier gegen Feuer-, Einbruchdiebstahl-, Raub-, Leitungswasser- und Sturmschäden.- Die Umwandlung der Plan- in eine Marktwirtschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wird auch vielen Ingenieuren den Job kosten. Wer seine Arbeitsmarktchancen verbessern will, hat nur eine Alternative: sich frühzeitig mit neuen Techniken und modernen Führungsmethoden vertraut zu machen, behauptet Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum und Partner in Gummersbach. VDI-Nachrichten: Mit welchen persönlichen Defiziten haben die Ingenieure in der früheren DDR vor allem zu kämpfen? Kienbaum: Ingenieure in der ehemaligen DDR waren an ein lineares Abarbeiten von Schritten innerhalb vorgeschriebener Wege gewohnt. Kreativitätstechniken, Motivation und Begeisterung sind bisher zu kurz gekommen. Weitere persönliche Defizite sind im Bereich der Menschenführung nach modernen Maßstäben, der Führung mit Zielen sowie in der Entscheidungsfreude von verantwortlichen Ingenieuren zu sehen. VDI-Nachrichten: Welche fachlichen Lücken müssen in den nächsten Monaten und Jahren bei den Angehörigen der Technischen Intelligenz geschlossen werden? Kienbaum: Im Vordergrund steht das Aufholen eines Technologierückstandes, der im Durchschnitt zehn Jahre und mehr beträgt. Das Erleben der Selbstverständlichkeit des Einsatzes moderner Technik, zum Beispiel der CNC-Technik, ist Voraussetzung für die Planung und Produktion wettbewerbsfähiger Produkte. Nach unserer Schätzung hat lediglich die Hälfte der derzeitigen Ingenieure die Chance, in gleicher Form wieder eingesetzt zu werden. Durch ihre praktische Qualifikation werden viele Ingenieure in Aufgaben von Meistern und Techniker ihren neuen Einsatz finden. VDI-Nachrichten: Was kann jeder Ingenieur für sich selbst tun, um sich auf die Marktwirtschaft vorzubereiten? Kienbaum: In der Bundesrepublik gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Zusatzausbildung in Betriebswirtschaft für Ingenieure. Neben Industrie- und Handelskammern, Volkshochschulen und REFA bieten auch Hochschulen und Fachhochschulen maßgeschneiderte Weiterbildungsmaßnahmen an. Im Vordergrund muß das Bestreben stehen, sich kaufmännische Grundfakten, vergleichbar des Stoffes bei der IHK-Prüfung zum Industriekaufmann anzueignen. VDI-Nachrichten: Wie sinnvoll sind überhaupt eigene Weiterbildungsaktivitäten, zum Beispiel der Besuch von Sprachkursen und EDV-Qualifikationen? Kienbaum: Sprachkurse sollten mit einer geringeren Priorität belegt werden und können später folgen. Qualifikationen im Einsatz von Personal Computern sind nicht als Allheilmittel zu betrachten. Je nach Einsatzbereich sollte sich beispielsweise ein Konstrukteur gezielt mit CAD/ CAM innerhalb moderner CIM-Konzepte vertraut machen und ein Ingenieur in der Fertigungsorganisation mit den Einsatzmöglichkeiten moderner Produktionsplanungs- und Steuerungssystemen. Das Erlebnis ist alltäglich: Beruf und Freizeit in den Griff zu bekommen, ist für die meisten ein ungelöstes Problem. Auch wenn es irgendwie doch immer klappt. Im folgenden Artikel geht der Düsseldorfer Unternehmensberater und Managementtrainer Ulrich Nikol dem Problem der Zeitverschwendung nach. Gleichzeitig gibt er praxisnahe Tips, wie die Zeit professioneller eingeteilt werden kann. Wer seine Zeit nicht managen kann, der kann gar nichts managen. Dieser weitbekannte Satz von Peter Drucker hat sicherlich unter anderem dazu beigetragen, daß nicht nur Manager, sondern auch z. B. Studenten, Frauen mit der Mehrfachbelastung Beruf, Haushalt und Kind, Selbständige, Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes und Mitarbeiter aus allen Branchen und Funktionsbereichen sich intensiv mit der Effektivität ihrer Arbeit, aber auch mit der sinnvollen Gestaltung ihrer Frei-Zeit auseinandersetzen. Zeitdruck, Arbeitsüberlastung, Streß, spontane Unterbrechungen der Arbeit, Leerlauf bei Besprechungen und Konferenzen, Papierflut, Überstunden können nur dann abgebaut werden, wenn jede Person nicht nur Zeit, Geld und Energie in die zweifellos notwendige fachliche Aus- und Weiterbildung, sondern auch in die Verbesserung des eigenen arbeitsmethodischen Verhaltens investiert. Zeitmanagement ist deshalb für alle diejenigen ein Gebot der Stunde, die zumindest einen Teil ihrer Zeit selbständig planen können und wollen. Beispiele für gutes Zeitmanagement sind: zielgerichtetes Studium mit Praxisbezug und rechtzeitigem Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern, relativ kurze Bewerbungsaktion, schnelle Einarbeitung innerhalb einer neuen Arbeitsstelle oder in eine neues Thema, reibungslos verlaufende Projektarbeit, Meetings mit klaren Ergebnissen, eine an den persönlichen Karrierevorstellungen und Entwicklungsmöglichkeiten orientierte Weiterbildungsplanung, mittelfristig private Projekte wie der gut geplante Kauf oder Bau eines Hauses. Spätestens an dieser Stelle wird jedoch klar, daß erfolgreiches Zeitmanagement an eine Reihe von Voraussetzungen gekoppelt ist, die in der Praxis oft übersehen werden. Zeitmanagement betrifft sowohl den einzelnen wie auch seine Beziehungen zu Chef, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden usw. Zunächst sollte die einzelne Person step by step ihre persönliche Arbeitsmethodik verbessern( am besten wirkt der Vorgesetzte an der Spitze als arbeitsmethodisches Beispiel). Dann können im Rahmen eines Vereinbarungssystems Spielregeln für die Zusammenarbeit definiert werden( Beispiele: Meetingregeln, firmenintern störungsfreie Zeit, Absprachen und Abstimmungen am Morgen mit Mitarbeitern usw. Arbeitsmethodiker wandern auf einem schmalen Grat. Sie müssen zum Beispiel immer die goldene Mitte zwischen zu viel und zu wenig Kommunikation bei ihrer täglichen Arbeit zu Kollegen oder Kunden finden. Eine zu lang geratene Stille Stunde ist wahrscheinlich auf Dauer ebenso schädlich wie die übermäßige zeitliche Ausdehnung von Gesprächen. Geistig Tätige verbringen den größten Teil ihrer Zeit mit Aktivitäten wie Lesen, Schreiben, Besprechungen und ähnliches Gutes Zeitmanagement setzt voraus, daß jeder Mitarbeiter die Regeln der Kommunikation, Information und Teamarbeit kennt und bereit ist, sie auch anzuwenden. Auch das Umfeld( Beispiel: Moderne Medienausstattung) ist dabei zu beachten. Vor allem schnell wachsende Unternehmungen sollten rechtzeitig ihr Augenmerk parallel auf die Personalbeschaffung und -entwicklung werfen( einschließlich der Zeit für die arbeitsmethodische Einarbeitung). Die Probleme beim praktischen Zeitmanagement betreffen vor allem die menschliche Psychologie: Ohne eine gewisse Konsequenz bei der Anwendung einiger weniger Regeln, ohne Motivation oder ohne die Fähigkeit, begründet und im richtigen Tonfall auch einmal Nein, jetzt nicht( mit Alternativtermin) zu sagen, wird das persönliche Zeitmanagement scheitern. Auf diesem Gebiet muß jeder über einen längeren Zeitraum an seiner Persönlichkeit arbeiten( zum Beispiel mit mentalen Techniken). Vordenklich sein ist besser als nachdenklich werden müssen! Dieser banal klingende Satz steht stellvertretend für die Tatsache, daß sich die in einige ruhige Vorüberlegungen investierte Zeit mehr als auszahlt. Das gilt nicht nur für die Tagesrahmenplanung am Vorabend des Folgetages, sondern auch für die Planung längerer Zeitabschnitte. Ein Beispiel, das vor allem für diejenigen gedacht ist, die den Stellenmarkt in Deutschland und die Bewerbungschancen noch nicht so gut kennen, möge dies verdeutlichen. Obwohl die Chancen für qualifizierte Ingenieure zur Zeit insgesamt als gut bis sehr gut bezeichnet werden, lohnt es sich für einen Bewerber immer, sich selbst gut einzuschätzen und zum Beispiel im Vorstellungsgespräch Stärken, Schwächen und Zielvorstellungen nennen zu können. Dieser Bewerber kann durch Weiterbildungsbemühungen seine Stärke gezielt ausbauen( insbesondere den Bewerbern gegenüber, die das gleiche oder ein ähnliches Studienfach studiert haben) und versuchen, seine Schwächen zu reduzieren. Wie kann nun praktisches Zeitmanagement und Zeitplanung im Alltag aussehen? Das oberste Grundprinzip der Zeitplanung ist die Schriftlichkeit, am besten in einem guten Zeitplanbuch. Der Anwender tut jedoch gut daran, sich dabei nicht zum Sklaven seines Zeitplanbuches zu machen, sondern Zeitpläne als Mittel zur eigenen Zielerreichung zu sehen. Schriftlichkeit sorgt für Gedächtnisentlastung und Übersichtlichkeit, motiviert, ist gleichzeitig Dokumentation und ermöglicht eine Kontrolle mit der von Zeit zu Zeit der Tagesablauf und die vielen Zeitdiebe mit den folgenden einfachen Fragen nach kleinen oder größeren arbeitsmethodischen Verbesserungen für die Zukunft analysiert werden kann: 1. Überhaupt? Ist diese Arbeit wirklich grundsätzlich notwendig gewesen? Muß sie wirklich erledigt werden? 2. Ich? Gehört diese Aufgabe zu meinem Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich? Kann sie an Mitarbeiter delegiert werden? Können die Aufgaben im Team besser verteilt oder besser koordiniert werden? 3. Jetzt? Muß die Arbeit sofort erledigt werden? Kann sie terminiert werden? Wer macht was bis wann warum und wie? 4. Wie ist die Arbeit zu erledigen? Kann die Durchführung rationalisiert werden? Wer zum Beispiel das viele Papier beklagt, das täglich auf den Schreibtisch wandert und gelesen werden muß, könnte folgende Anregungen erhalten: Überhaupt? Bestimmte Zeitungen oder Zeitschriften abbestellen, von bestimmten Verteilern firmenintern streichen lassen, Papierkorb verstärkt einsetzen. Ich? Postvorsortierung, Ablage oder Wiedervorlage an Mitarbeiter delegieren. Jetzt? Wann und wie lange komme ich während der Arbeitszeit zum Lesen? In der folgenden Checkliste sind die wichtigsten Zeitplanregeln zusammengefaßt: 1. Konkrete schriftliche Ziele setzen( Tagesziele, Wochenziele, Monatsziele, Jahresziele). Wer genau weiß, was er will, findet auch schneller aus verschiedenen Alternativen die richtigen Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen. 2. Aufgaben und Termine vorbereiten: Durch eine gute Vorbereitung verkürzen Sie Telefonate, Besprechungen, Dienstreisen usw. 3. Prioritäten setzen: Vergeben Sie ein A für die wichtigsten, ein B für wichtige und C für weniger wichtige oder Routineaufgaben. Die Erledigung der wichtigsten Aufgabe sollte Ihr Tagesziel sein. 4. Teilschritte mit Zeitvorgabe definieren: Es fällt leichter, eine große Aufgabe anzugehen, wenn sie in kleinere Abschnitte aufgeteilt und ein Zeitrahmen dafür vorgesehen ist. 5. Pufferzeiten berücksichtigen: Eine Aufgabe dauert oft länger als geplant. Viele Aufgaben und Termine kommen unerwartet oder sind zum Zeitpunkt der Tagesplanung noch nicht bekannt. Die Länge des Zeitpuffers( unverplante Zeit) hängt von der Art der zu erledigenden Aufgaben ab. 6. Richtige Erledigungszeitpunkte wählen: Beachtung der persönlichen Leistungskurve, rechtzeitig an Pausen denken, Häufigkeiten von Störungen im Tagesverlauf und die Erreichbarkeit von Ansprechpartnern berücksichtigen. 7. Eine Stille Stunde reservieren: Das ist die Zeit, in der Sie sich möglichst abschirmen( lassen) sollten, um A-Aufgaben weitgehend ungestört erledigen zu können. 8. Kleine Aufgaben bündeln: Kleine ähnliche Aktivitäten, zum Beispiel Telefonate, zu einem Block zusammenfassen und für kleine Routinearbeiten möglichst wenig, für wichtige Aufgaben entsprechend viel Zeit reservieren. 9. Durch Delegation führen: Ist der Mitarbeiter für die delegierte Aufgabe qualifiziert? Wann und wie stimme ich mich mit meinen Mitarbeitern ab? Können sie die Aufgaben gut innerhalb ihrer eigenen Zeitplanung bewältigen. Wie oft und wie sollen sie kontrolliert werden? 10. Ganzheitliches Zeitmanagement und positive Grundeinstellung pflegen: Genügend Zeit für den Ausgleich zur Arbeit reservieren( Familie, sonstige Kontakte, Sport, Hobby, Kultur usw.), Positiv den Tag beginnen und beenden. Größere Unternehmen haben sich mit Traineeprogrammen darauf eingestellt, daß Hochschulabsolventen meist nur eine vage Vorstellung von ihrer späteren Berufspraxis haben. Bei den Jungingenieuren kommen die Kurse gut an. Doch im Rückblick sind sie der Auffassung, die Fachhochschule hätte sie auf die Anforderungen aus der Praxis besser vorbereiten müssen. Mit der Suche nach einem Arbeitsplatz mußten sich die drei jungen Männer keine besonders große Mühe geben. Vor rund eineinhalb Jahren haben sie nach erfolgreicher Prüfung die Fachhochschule für Technik in Reutlingen verlassen und sich, wie es im Volksmund so schön heißt, dem Ernst des Lebens zugewandt. Arbeit und Beruf, Verantwortung übernehmen, sich den Herausforderungen der Praxis stellen- jeder der Drei hat auf Anhieb eine Stelle als Betriebsingenieur gefunden. Klaus Rösch( 29) arbeitet im Werkzeugbau eines großen Automobilherstellers, der ein Jahr ältere Thomas Schmidt ist in der Qualitätssicherung eines mittelständischen Elektrogeräteanbieters tätig und nur Ralf Windhösel( 28) hat es vorgezogen, zunächst in der Nähe des Akademischen Betriebs zu bleiben: in der Transferstelle der Steinbeis-Stiftung, die speziell Klein- und Mittelbetriebe beim Einsatz moderner Produktionstechniken unterstützt. Wie sie finden die meisten Absolventen technischer Studiengänge problemlos eine Stelle. Der Grund dafür liegt in der unverändert hohen Nachfrage nach Ingenieuren, der ein zu geringes Angebot gegenübersteht. Doch einen Anstellungsvertrag zu unterschreiben ist das eine, die richtige Tätigkeit zu finden, oft etwas anderes. Bereits in den zwei kurzen Praxissemestern machten die Ingenieurstudenten der Fachrichtung Maschinenbau die Erfahrung, daß ihnen längst nicht jede Tätigkeit ihres späteren Berufs zusagt. Klaus beispielsweise warf bei seinem Praktikum einen Blick in ein Konstruktionsbüro und wandte sich eher enttäuscht von diesem ursprünglichen Berufsziel ab: Den ganzen Tag am Brett stehen und zeichnen- das wollte ich später auf keinen Fall. Also bewarb er sich nach Studienabschluß bei seinem jetzigen Arbeitgeber für einen Bereich, der mehr Action und mehr Produktionsnähe versprach: Planung von künftigen Betriebsmitteln. Zu seinem Glück schickt der Konzern, bei dem Klaus arbeiten wollte, seine qualifizierten Nachwuchsleute erst mal in eine Art Traineeprogramm. Rund achtzehn Monate lang können die Newcomer dabei den gesamten Bereich mit seinen einzelnen Fachgebieten und Abteilungen hautnah erleben, um einen Überblick zu erhalten. Gleichzeitig bietet die Tour d'Horizon den Berufseinsteigern Gelegenheit, sich für die eine oder andere Tätigkeit näher zu interessieren. Nicht so bei Klaus. Nach einem Jahr stand sein Urteil über das künftige Arbeitsgebiet fest: zu trocken! Prompt ging er zur Personalabteilung, bat um seine Entlassung aus der Traineegruppe und um den Wechsel in den Werkzeugbau. Seit knapp einem Jahr ist er nun dort beschäftigt und kümmert sich um die Qualitätssicherung bei den Werkzeugen, die im Automobilbau eingesetzt werden. Die Arbeit macht ihm Spaß, vor allem weil er viel mit Menschen zu tun hat, immer mal wieder in die Werkstatt rüber muß. Doch heute steht für Klaus auch fest: Man lernt erst im Beruf. Nur ein Drittel dessen, was im Studium gelehrt wird, so schätzt er, kann man in der beruflichen Alltagspraxis gebrauchen. Vieles, was vermittelt wird, ist reines Grundlagenwissen, und vieles, zu vieles fehlt einfach. Da ist zunächst das überaus breite Betätigungsfeld für Maschinenbau-Ingenieure. Auch Thomas war heilfroh, daß seine Berufslaufbahn mit einer zwölfmonatigen Schnuppertour durch die wichtigsten Abteilungen begann- Arbeitsvorbereitung, Konstruktion, Produktion, Labor und Qualitätssicherung. Er landete dort, wo er anfangs überhaupt nicht hin wollte: im technischen Büro, wo Produkte auf die Qualitätsnorm ISO 9000 überprüft werden. Ralf schließlich wollte sich aufgrund des geringen Einblicks in die Praxis, den er während des Studiums gewinnen konnte, noch gar nicht auf eine bestimmte Stelle in der Industrie bewerben. In der Transferstelle, meint er, treffe ich auf mehrere Unternehmen mit spezifischen Betriebsproblemen und kann in den einzelnen Projekten die Ingenieurtätigkeit erst mal ganzheitlich erfahren. Kritisch sehen die Drei zudem, daß bestimmte Fähigkeiten, die in der Industrie über jegliches Fortkommen entscheiden, schlicht nicht auf dem Lehrplan der Fachhochschule stehen: Präsentation von Arbeitsergebnissen, fundiertes Fach-Englisch, Verhandlungsführung, Gesprächstechnik, soziale Kompetenz. Als größtes Manko freilich kreiden die Drei der Fachhochschule unisono an, daß sie keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse vermittelt. Man kann nur machen, was sich wirtschaftlich rechnet, lautet die Devise. Dafür müßten sie wissen, wie man Maschinenstunden berechnet, Durchlaufzeiten ermittelt, Marktanalysen erstellt. Alles Dinge, die im Studium zu kurz kamen, abgehoben oder überhaupt nicht behandelt wurden. Hier müßte der Lehrstoff praxisnäher gestaltet werden. Thomas gar meint, die Fachhochschul-Professoren müßte man alle zehn Jahre in die Praxis schicken. Was gegenüber den Fachhochschulen an Kritik geäußert wird, haben die Berufsakademien als Pluspunkte ihres alternativen Konzepts herausgehoben. In acht Städten Baden-Würtembergs gibt es mittlerweile dieses Bildungsangebot für Abiturienten, das sich durch die enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis von Hochschulen abhebt. Sechs Semester lang, ohne große Ferienzeiten, wechseln sich im zwölfwöchigen Rhythmus theoretische und berufspraktische Ausbildungsphasen ab. Letztere finden gegen ein Praktikumsentgelt in einem Unternehmen statt; einen entsprechenden Ausbildungsvertrag muß der Akademiestudent bereits vor Studienbeginn in der Tasche haben. Für Abiturienten, die einen technischen, wirtschaftlichen oder auch sozialen Berufsweg einschlagen wollen, scheint die Berufsakademie eine interessante Alternative zur Hochschule zu sein; mehr als zehntausend Studenten haben sich vergangenes Jahr eingeschrieben, was einer Steigerungsrate von rund 10 Prozent entspricht. Neben dem Berufspraktikum, wo ausgesprochen viel Wert auf betriebswirtschaftliche Zusammenhänge gelegt wird, will die Berufsakademie die Studierenden in einem Bereich fördern, der für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben von ausschlaggebender Bedeutung sein kann: soziale Kompetenz. Hier findet sich das, was die Drei aus Reutlingen in ihrer Ausbildung vermißt haben. Kommunikation und Umgang mit Konflikten in der Gruppe, Gesprächstechnik, Präsentation von Arbeitsergebnissen. Obgleich dieses duale Modell von den Studenten offensichtlich gerne angenommen wird, hat es bislang bundesweit keine Nachahmer gefunden. Ein Grund dafür könnte darin liegen, daß der Staat sein Bildungsmonopol auf keinen Fall mit anderen Gesellschaftsgruppen teilen möchte. Denn bei der Berufsakademie ist die Wirtschaft gleichberechtigt beteiligt. 1991 steht vor der Tür und damit das Jahr, in dem vieles, was in den ereignisreichen vergangenen zwölf Monaten eingeleitet wurde, in die Tat umgesetzt werden soll. Entsprechend groß sind- das ergab die jüngst durchgeführte Herbst-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages( DIHT), Bonn- die Erwartungen in West- und Ostdeutschland. Erstmalig nahmen an der Aktion des DIHT zusätzlich zu den 69 Industrie- und Handelskammern( IHK) in den alten Bundesländern die 15 Kammern der neuen Länder, und damit insgesamt 17000 Unternehmen, teil. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen richten sich die Erwartungen für das neue Jahr vor allem auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Zwar rechnen die im Osten ansässigen Unternehmen in den nächsten Monaten mit einer kritischen Übergangsphase, dann aber- etwa ab der zweiten Jahreshälfte- mit spürbaren Verbesserungen. Doktor Franz Schoser, Hauptgeschäftsführer des DIHT: Die dortigen Kammern sind sich einig: Der gegenwärtige Zustand der Wirtschaft ist zwar alles in allem desolat, aber bereits jetzt gibt es durchaus auch Lichtblicke. Große Chancen räumen die IHK der neuen Bundesländer der Bauwirtschaft, dem Handel und der Dienstleistungsbranche ein. Furcht wegen verschlechterter Wettbewerbsfähigkeit, rückläufiger Produktion und Betriebsstillegungen macht sich ihrer Meinung nach dagegen in der Industrie breit. Weitere Entlassungen werden nicht ausgeschlossen. Ganz anders sieht es nach der Befragung dagegen bei den westdeutschen Unternehmen aus, die aus zwei Gründen- so Schoser- ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein an den Tag legen: Zum einen habe der Aufschwung 1990 nochmals an Kraft gewonnen, und zum anderen habe sich das Konjunkturklima im Laufe des Jahres spürbar verbessert. Trotz massiver Kostensteigerungen bei Energie sowie Löhnen und Gehältern, die zu einem Inflationsschub führen könnten, seien die Voraussetzungen für ein kräftiges Wachstum im neuen Jahr gut. Viele Unternehmer werden sich zu Neueinstellungen veranlaßt sehen. Auch dem Exportgeschäft räumt Schoser, wenn auch deutliche Zeichen einer Abschwächung da sind, durchaus gute Möglichkeiten ein. Zwar rechnen westdeutsche Unternehmer damit, daß die Ausfuhren in die Dollar- und Yen-Regionen durch die Aufwertung der DM erschwert werden; für die immer noch guten Aussichten spreche jedoch die Tatsache, daß über 70 Prozent des Exportes in westeuropäische Länder gehe. Für 1991 setzen westdeutsche Unternehmen deshalb große Hoffnungen auf den EG-Binnenmarkt, aber auch auf die Erschließung neuer Märkte im Osten, und da speziell in den neuen Bundesländern. Die Planungen hinsichtlich des finanziellen Engagements laufen dementsprechend auf Hochtouren. Schoser: Die Investitionsdynamik bleibt weiterhin ungebrochen. Die Zahl der Unternehmen, die im Vergleich zum Vorjahr höhere oder gleich hohe Investitionen planen, erreiche mit 85 Prozent den Höchststand aller Herbstumfragen. Mit ihren Investitionen in Ostdeutschland haben Westdeutsche, vorneweg Unternehmen der Industrie, der Bauwirtschaft und der Dienstleistungsbranche, vor allem ein Ziel vor Augen: Sie wollen auf dem dortigen Markt präsent sein. Allerdings gibt es auch Gründe, die viele von einem Engagement in den neuen Bundesländern abhalten. So nannten die Befragten zum einen die nach wie vor unsicheren Rechtsverhältnisse, zum anderen aber auch ihre bereits vorhandenen Kapazitäten außerhalb Ostdeutschlands, mit denen der neue Markt ohne zusätzliche Investitionen beliefert werden könne. Sie sammeln alte Plastiktüten und verkaufen sie. Sie sitzen in der glühenden Sonne und schieben Stoffe unter ihre ratternden Nähmaschinen. Sie schreinern im Hinterhof Stühle. Oder sie werben auf Pappschildern am Straßenrand für ihr Geschick beim Reparieren und Warten von Elektromotoren. Wer in der Dritten Welt in der offiziellen Industrie keine Arbeit findet oder von seinem dürftigen Lohn die Familie nicht satt bekommt, wird sein eigener Kleinstunternehmer und werkelt im Schatten: und Steuern zu zahlen. Dieser sogenannte informelle Sektor, in dem immer mehr Menschen aus Not ihre Ärmel hochkrempeln, ist heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und hat die Aufmerksamkeit von Entwicklungshelfern und Weltbank gefunden. In dieser Hinterhofökonomie, wo es an Eigenkapital, Produktivität und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen mangelt, sehen sie eine Chance für Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Kleinkredite vergeben und Schulungen anbieten. Und hoffen, daß mit der Zeit der geduldeten Illegalität die staatliche Anerkennung folgt. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie mit Ihrem Einkommen richtig liegen, dann füllen Sie den Fragebogen zur Einkommensanalyse 1991 aus. Sie beteiligen sich damit an einer Datensammlung, deren Auswertung in Form des VDI-Reports Ingenieur-Gehälter 91 veröffentlicht wird. Dieser Report, den die VDI-Nachrichten zusammen mit dem Verein Deutscher Ingenieure herausgeben, soll das Gehaltsgefüge in den bundesdeutschen Unternehmen transparenter gestalten. Er erleichtert Berufseinsteigern und wechselbereiten Ingenieuren den Überblick über Branchen und Funktionsbereiche. Dazu kommt eine konkrete Gegenüberstellung der Bruttoeinkommen von Absolventen der Technischen Hochschulen, der Universitäten und der Fachhochschulen. Den Werkzeugmaschinenbauern in den neuen fünf Bundesländern stehen schwere Zeiten bevor. Denn der Ostmarkt, früher vorrangiges Exportziel, droht zusammenzubrechen- die Devisenkassen der einstigen sozialistischen Bruderländer sind leer. Schon jetzt muß sich jeder Dritte der 80000 Beschäftigten mit Kurzarbeit zufriedengeben. Massive Kooperationen mit westdeutschen Firmen könnten den Weg in die Marktwirtschaft erleichtern, doch die halten sich im Zeichen einer abflauenden Konjunktur eher zurück. So sieht Hans-Ulrich Kokoska, Sprecher des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinen( VDW) in Frankfurt, eine zweijährige Durststrecke auf die Unternehmen in der Ex-DDR zukommen. Ob die ostdeutschen Werkzeugmaschinenbauer so lange durchhalten, ist mehr als fraglich. Abel Farnioux, Präsident der Pariser Electronics International Corp.( EIC), ging diplomatisch vor. Seinen kürzlich vorgelegten Bericht über die Elektronik-Industrie der Welt leitete er mit dem Hinweis ein, daß sich der Weltmarkt für Elektronik seit 1984 mehr als verdoppelt habe und nach einem Gesamtumfang von 904 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 1368 Milliarden Dollar im Jahre 1995 steigen werde. Doch das dicke Ende kam gleich nach: Europas Anteil daran werde immer geringer: Die Situation der Branche sei katastrophal, sie werde in fünf Jahren einen Anstieg des Handelsbilanzdefizits von 34,2 auf 50,8 Milliarden Dollar zu verzeichnen haben. Hauptproblem sei, daß sich die Europäer nur mangelhaft der Todesgefahr ihrer Elektronikindustrie bewußt seien. Zwar hätten vergangenes Jahr weltweit alle Bereiche dieser Branche positive Wachstumsraten aufzuweisen gehabt, in Europa wären aber nur die Hersteller elektronischer Meßgeräte, von Medizinelektronik und Industrieelektronik in die schwarzen Zahlen gekommen. Als Ausweg bietet sich nach Ansicht der EIC ein verstärktes Engagement der europäischen Unternehmen dort an, wo sie auf weltweiter Ebene in technischer und industrieller Hinsicht führende Positionen erreichen können. Dies seien vor allem die Bereiche Telekommunikation, Software, Produktionsautomation und Medizinelektronik. Die neuen Märkte des ehemaligen Ostblocks seien insbesondere in diesen Bereichen Chance und Verpflichtung erster Ordnung für die europäischen Unternehmen. Deren strategische Weiterentwicklung müßten die Märkte des Ostens miteinbeziehen. Wachsend, teurer und politisch umstritten, so sieht Prof. Wilhelm Leutzbach die Zukunft des Verkehrs. Einerseits erwarte der Leiter des Instituts für Verkehrswesen der Universität Karlsruhe eine Zunahme der Transportleistungen bis zum Jahr 2010 um 50 Prozent, wobei eine Sättigungsgrenze des Pkw-Bestandes nicht auszumachen sei, andererseits könne die Infrastruktur nicht mehr wachsen, erklärte der Wissenschaftler anläßlich der Tagung Neue Konzepte für den fließenden und ruhenden Verkehr, die in der vergangenen Woche in Wolfsburg stattfand. Doch was tun? Ansätze, den Verkehr mit Leitsystemen in Fluß zu halten und Gesamtkonzepte zu entwerfen, um besonders die Städte zu entlasten, schießen wie Pilze aus dem Boden. Mercedes-Benz stellte beispielsweise für Berlin eine Studie vor, BMW erarbeitet in München ein Kooperatives Verkehrsmanagement. Für Hannover will VW ein Verkehrssystem entwerfen, damit die Weltausstellung Expo 2000 nicht wegen unbewältigtem Besucherandrang ausfallen muß. Doch jedes Konzept ist nur so gut, wie die Praxis, die daraus erwächst. Und die läßt hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten. Prof. Ulrich Seiffert, Vorstandsmitglied bei VW, schlägt in diese Kerbe, wenn er sagt, daß nun genug diskutiert worden sei. Jetzt müßten Taten folgen. Selbstverständlich arbeitet auch die Verkehrswirtschaft an der Optimierung ihrer Produkte, um dem Infarkt vorzubeugen. Die Bahn wird ab nächstem Jahr mit dem Intercity Express( ICE) sukzessive den Hochgeschwindigkeitsverkehr( HGV) mit Tempo 250 Kilometer/ h aufnehmen. Die Autos können, wie der Öko-Golf von VW mit einem Verbrauch von unter 5l/ 100km im Stadtverkehr beweist, noch erheblich sparsamer werden. Ebenso dürften Stadtautos mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber vor allem muß der öffentliche Personennahverkehr( ÖPNV)- hier sind sich alle Fachleute einig- drastisch zulegen. Seiffert bekundet selbstkritisch, daß weder VW noch die Automobilindustrie durch ihren Verband, den VDA, dies in der Vergangenheit energisch genug gefordert habe. Gleichzeitig verdeutlicht der Forschungs- und Entwicklungschef von VW die gewaltige Perspektive: sollen nur 10 Prozent der Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen, muß das Angebot verdoppelt werden. Das Geld dafür soll über eine Erhöhung der Mineralölsteuer hereingeholt werden. Mit bis zu 50 Pf/ l, die zweckgebunden in den ÖPNV eingesetzt würden, so erklärten Doktor-Ingenieur Hans-Hermann Braess von BMW und Seiffert unisono, könne sich die Automobilindustrie anfreunden. Eine bessere Verkehrs- und Parkorganisation unter dem Motto Parken mit Vernunft soll die Stadt ebenso lebenswert, wie mit dem Auto befahrbar erhalten. Aufschläge aber, die dem Pkw-Benutzer das Autofahren vermiesen und so sein Verhalten ändern sollen, lehnen die beiden Ingenieure strikt ab. Leutzbach jedoch warnt vor der Hoffnung, mit verbesserter Technologie und Infrastruktur den Verkehrsfluß- wo er dennnoch besteht- bewahren und die zunehmende Nachfrage aufnehmen zu können. Die Ingenieurkunst sei beim Thema Verkehr an ihrem Ende, so Leutzbach. Hätten Sie's gewußt? Mehr als 500000 Leser nehmen Woche für Woche die VDI-Nachrichten in die Hand, um sich über Fortschritte in Technik und Wissenschaft, wirtschaftliche Zusammenhänge technologischer Entwicklungen und ökologische Auswirkungen neuer Techniken auf Umwelt und Gesellschaft zu informieren. Die Neugestaltung der Zeitung ist eine gute Gelegenheit, einige interessante Zahlen zu präsentieren und damit zu dokumentieren, daß sich unsere Leser auf die Berichterstattung ihrer VDI-Nachrichten verlassen. So hat unter anderem eine Untersuchung des Leseverhaltens bundesdeutscher Manager durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Köln gezeigt, daß diese Manager zwar am liebsten ihre lokale Tageszeitung( 81 Prozent) lesen, aber die zweithöchste Nennung waren bei dieser Untersuchung mit 38 Prozent schon die VDI-Nachrichten. Der nächste Titel brachte es dann nur noch auf 30 Prozent. Das heißt für uns, die Redaktion, daß Sie- die Leser- ein großes Vertrauen in unsere Arbeit setzen. Die Leserschaft der VDI-Nachrichten gehört zur obersten Zielgruppe der bundesdeutschen Zeitungslandschaft. Nachrichten-Leser sind von ihrer Ausbildung her überdurchschnittlich qualifiziert, arbeiten in allen Bereichen der Industrie an entscheidenden Stellen und interessieren sich vor allem für neue Technologien im Zusammenhang mit ihren Märkten. Konsequenterweise nimmt die Berichterstattung über wirtschaftliche Themen heute mehr Raum in der Zeitung ein als noch vor wenigen Jahren. Die VDI-Nachrichten haben sich in aller Stille, aber mit Beharrlichkeit, in den Kreis der Entscheider-Presse vorgeschoben und gehören jetzt zu den großen Wochenpublikationen. Die VDI-Nachrichten sind die größte deutschsprachige Wochenzeitung für Technik und Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in Europa und sind, bei aller Bescheidenheit, für die Industrie sicherlich eine der wichtigsten Publikationen. Die Umstellung in Format und Gestaltung soll die innere Wandlung der letzten Jahre nachvollziehen und ein äußeres Zeichen setzen: Die VDI-Nachrichten gehören eindeutig zum Kreis der wichtigen europäischen Zeitungen für Entscheider. Der Wandel folgte dem Auftrag unserer Leser. Über die fachliche Information hinaus sind es die Zusammenhänge unserer technisierten Welt, die ihnen in ihrem beruflichen Umfeld wichtig sind. Sie wollen in ihren VDI-Nachrichten frühzeitig lesen, wie die Probleme von morgen aussehen und welche Lösungen angeboten werden. Aus Befragungen unserer Leser und darüber hinausgehender Kreise wissen wir, daß der Zusammenklang fachlich fundierter Berichterstattung mit ergänzender Einordnung in wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge heute wichtiger ist als die reine Meldung über eine technische Innovation. Daß die VDI-Nachrichten die erste Zeitung der Welt wurde, die Woche für Woche landesweit die Werte der Luftverschmutzung ermitteln läßt und in einem eigenen Umwelt-Index veröffentlicht, ist nur die konsequente Umsetzung eine der Forderungen unserer Leser. Unsere technisierte Welt mit neuen Entwicklungen voranzutreiben und mitzugestalten, gehört für VDI-Nachrichten-Leser heute untrennbar zusammen mit der Abschätzung möglicher ökologischer und gesellschaftlicher Auswirkungen ihrer Arbeit. Ebenso exklusiv ist der eigene Aktien-Index im Wirtschaftsteil. Er enthält ausschließlich Werte technisch-wissenschaftlicher Unternehmen. Seit fast drei Jahren zeigt er, daß High-Tech an der Börse überdurchschnittlich bewertet wird. Damit schließt sich der Kreis: Von den ersten Ergebnissen am Labortisch bis zum Gang an die Börse begleiten wir mit Meldung, Reportage und Kommentar die Entwicklungen in unserer Welt. Die Liste der Alleinstellungsmerkmale, das sind die redaktionellen Leistungen, die Ihnen ausschließlich die VDI-Nachrichten bieten, ließe sich erweitern. Und natürlich werden neue Aktivitäten dazukommen. Für die gesamte Berichterstattung in den VDI-Nachrichten gilt: Wir zeigen unseren Lesern die wichtigen Trends auf- vom Forschungslabor bis in die internationalen Märkte. Und an diesem Format wird sich nichts ändern. Ein Überraschungscoup von Bundesfinanzminister Theo Waigel( CSU) vom Frühjahr diesen Jahres zeigt jetzt Wirkung. Mit den 2,5 Milliarden DM aus dem Verkauf der Salzgitter AG werden keine Haushaltslöcher gestopft, sondern sie werden in den jetzt gegründeten Fond Bundesstiftung Umwelt einbezahlt. Selbst bei den Grünen im Bundestag stieß die Einrichtung eines solchen Fonds auf Zustimmung. Die Alternativen fanden zunächst dennoch ein Haar in der Suppe: Vertretern von Umweltverbänden und Gewerkschaften- so ihre Befürchtung- sollte das Kuratorium verschlossen bleiben. Mit der Benennung der Kuratoriumsmitglieder verblüffte Waigel vergangene Woche erneut seine Kritiker. Neben den Staatssekretären aus den Ressorts Finanzen, Bildung, Forschung und Umwelt berief er mit Professor Wolfgang Engelhard, Präsident des Deutschen Naturschutzringes, und Ulf Fink( CDU), stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Gewekschaftsbunds, zwei Querdenker in dieses Gremium. In der konstituierenden Sitzung- noch im Dezember- bleibt zu klären, wer den Vorsitz erhält. Beste Chancen werden dem ehemaligen Finanz-Staatssekretär Hans Tietmeyer eingeräumt: Das Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank genießt das besondere Vertrauen von Bundeskanzler Helmut Kohl. Klar umrissen dagegen sind die Aufgaben der Stiftung. Ähnlich wie die Volkswagen-Stiftung in Wissenschaft und Technik Innovationen fördert, soll Waigels Umweltstiftung vor allem kleine und mittlere Unternehmen mobilisieren, nach Lösungen für aktuelle Umweltprobleme zu suchen. Ob Klimaveränderungen, Waldsterben oder Wasserverschmutzung- für die Industrie ist hier noch viel zu tun. Über die staatliche Grundlagenforschung hinaus kommt der Bundesstiftung die Aufgabe zu, umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte auf den Weg zu bringen. Hierfür stehen der staatlichen Umweltstiftung aus dem Privatisierungserlös von 2,5 Milliarden DM jährlich Erträge von rund 200 Millionen DM zur Verfügung. Die Millionen werden zunächst in die Ex-DDR fließen. Waigel machte in Bonn die Marschrichtung klar: Die Stiftung wird in den ersten Jahren einen wesentlichen Beitrag zu der notwendigen Umweltsanierung in den neuen Bundesländern leisten. Hierbei sollen auch Modellvorhaben zur Sicherung wertvoller Kulturgüter, die durch Umwelteinflüsse bedroht sind, auf die Beine gestellt werden. Dem Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wirtschaft und Wissenschaft kommt ebenfalls Vorrang zu. Wir streben eine ausgewogene Vertretung von Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden an, hatte Finanzstaatssekretär Horst Köhler dem Naturschutzring-Präsidenten Engelhard im Sommer schriftlich mitgeteilt. In der Tat: Obwohl der federführende Haushaltsausschuß einen Beschluß gegen die Einbeziehung der Umweltverbände gefaßt hatte, gab das Finanzministerium dem Druck der aufgebrachten Umwelt-Lobby nach. Dem Wunsch der Grünen, die Zahl der Politikvertreter von drei auf vier zu erhöhen, um selbst im Kuratorium präsent zu sein, schmetterte die Bundesregierung allerdings ab. Mit dem Haushaltsausschuß-Vorsitzenden Rudi Walther( SPD), dem Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses, Karl Deres( CDU), und dem FDP-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Weng kommt lediglich den Altparteien Sitz und Stimme in der Bundesstiftung zu. Mit dem ostdeutschen Pfarrer Hans-Peter Gensichen, der Geschäftsführerin des Bundes für Lebensmittelkunde, Susanne Langguth, und dem Geschäftsführer der Salzgitter-Tochtergesellschaft Noell GmbH, Sigurd Lehmann-Tolkmit, ist die Liste der Kuratoren allerdings noch nicht komplett. Obwohl die Bundesländer keine müde Mark in die Bundesstiftung einbringen, hat Finanzminister Theo Waigel angeboten, bevorzugt einen qualifizierten Wissenschaftler als Ländervorschlag zu akzeptieren. Dies ist weniger ein Entgegenkommen des Finanzministers gegenüber den Landesregierungen, sondern entspricht den zwischen Bund und Ländern aufgeteilten Zuständigkeiten in der Umweltgesetzgebung. Daß der Ländervertreter im Kuratorium ausdrücklich nicht aus dem Finanzressort kommen soll, ist für Heide Simonis( SPD) nicht akzeptabel. Wie die schleswig-holsteinische Finanziministerin gegenüber den VDI-Nachrichten erklärte, halte sie, gestützt auf das Votum der Länderfinanzkollegen, ausdrücklich an ihrer Bewerbung für das Kuratorium fest. Die Ministerpräsidenten der Länder wollen am 20. Dezember ihre Haltung gegenüber dem Bundeskanzleramt in der Stiftungsfrage deutlich machen. Für CSU-Bundesminister Waigel steht heute schon fest, daß mit der Verwendung der Salzgitter-Milliarden der Bund Familiensilber vergoldet hat. Die Stiftung muß mit der Aufnahme ihrer Arbeit zu Beginn des kommenden Jahres beweisen, daß sie hält, was das runde Konzept bisher verspricht. In den Vereinigten Staaten werden demnächst Datenbankanbieter zwei Versionen ihrer Informationspools erstellen: Eine Variante für den europäischen Markt, die andere für den US-Markt. Dies fürchtet Robert Symons, Rechtsbeistand von Dialog, dem weltgrößten Anbieter wissenschaftlicher Datenbanken. Der Grund für Symons Visionen ist in einer Empfehlung der EG-Kommission zur Harmonisierung des Datenschutzes zu finden. Die Richtlinie, die bis Ende nächsten Jahres zum europaweiten Datenschutzgesetz avancieren soll und erstmalig die Bestimmungen in zwölf europäischen Ländern vereinheitlicht, widerspricht den derzeitigen US-Gesetzen. Unruhe in der amerikanischen Informationsindustrie, attestierte denn auch letzte Woche die Außenstelle der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung( gmd) in Washington. Und Steven Metalitz, Vizepräsident der Information Industry Association, drückt es noch dramatischer aus: Es herrscht große Betroffenheit. Die Richtlinie schränkt das Informationsgeschäft ein. Kritisiert werden dabei vor allem zwei Aspekte der Empfehlung. Danach sollen Privatunternehmen, die Individualdaten sammeln und verarbeiten, dies nur unter ausdrücklicher Zustimmung der Befragten tun dürfen. Außerdem sollen Individualdaten in digitalen Telekommunikationsnetzen geschützt werden. Der Schutz der persönlichen Daten soll einklagbares Recht werden, betont der Vizepräsident der EG-Kommission, Martin Bangemann. Doch eine kürzlich veröffentlichte US-Studie über den internationalen Informationsmarkt verstärkt noch die Befürchtungen der amerikanischen Informationsindustrie, die annähernd die Hälfte des Weltmarktes hält. Das Rechtsprinzip der EG-Richtlinie, der Schutz gegen die Verarbeitung persönlicher Daten, urteilt der Co-Autor der Studie, Paige Amidon, ist grundsätzlich verschieden zu der Gesetzgebung in den USA. In der EG-Empfehlung tragen die Betreiber von Datenbanken die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten. In den USA hingegen muß das Individuum selbst seine Daten überprüfen. Durch die neue Richtlinie werden die Praktiken amerikanischer Informationsanbieter erheblich eingeschränkt. So ist zum Beispiel die in den Vereinigten Staaten übliche Auswertung von Videotext-Diensten zur Ermittlung von Konsumenten-Profilen oder die Verarbeitung von Individuldaten, die bei der Benutzung des öffentlichen Telefonnetzes anfallen, in Europa schlichtweg verboten- sobald die Richtlinie Gesetzeskraft erhält. Wir halten das für überzogen, klagt Robert Symons. Vor allem jedoch träfe, nach Meinung des Experten, die Richtlinie die europäische Informationsindustrie, die unter Restriktionen operieren muß. Betroffene sind Datenbankanbieter, Marketing-Organisationen, Medienkonzerne und Marktforscher. Doch auch in der EG-Richtlinie selbst manifestieren sich industrielle Interessen. Mangelnder Datenschutz, so wird nicht zuletzt im Zuge der Diskussionen um das integrierte digitale Fernmeldenetz( ISDN) deutlich, trifft vor allem die Kommunikationsindustrie. Ein möglichst breites Sicherheitsnetz soll daher den EG-Bürgern ISDN und den digitalen Mobilfunk näherbringen. Damit die Dienste von Europas Bürgern akzeptiert werden, unterstreicht Fillippo Pandolfi, federführender Kommissar, ist ein hohes Schutzniveau personenbezogener Daten nötig. Die Richtlinie, das ist erklärtes Ziel der EG-Kommission, soll auch Innovationsschranken abbauen. Bleibt also abzuwarten, welche Interessen der Rat der Europäischen Gemeinschaft höher bewertet. Oder welche Lobby bei den dafür zuständigen Innenministern mehr Gehör findet. Es ist nichts Neues, daß Autos in der Bundesrepublik besonders beliebt sind. Davon kann sich jeder tagtäglich auf der Straße überzeugen. Aber sollte Ihre Zeitung, die schließlich auch die Grenzen der Technik, Wissenschaft und Wirtschaft zum Beispiel anhand von Umweltproblemen aufzeigt, nicht doch etwas kritischer die Diskrepanz zwischen dringend notwendiger CO2-Reduzierung und anderen Schadstoffen einerseits und der andauernden PS-Rangelei andererseits betrachten? So kann die Vierventil- und Turboladertechnik, wie Sie in Ausgabe 37( Honda NSX) schreiben, zur besseren Brennraumfüllung und im ersten Fall zusätzlich zur Erhöhung der Verdichtung dienen, was wiederum den Wirkungsgrad erhöht, also die Wirtschaftlichkeit. Statt dessen wird die Technik von den Autoherstellern nahezu ausnahmslos zur Leistungssteigerung genutzt, was den Verbrauch erhöht und letztlich den Vorteil zum Nachteil kippt. Der Audi 100 TDI ist ein Beispiel für genügsame Treibstoffverwertung und durch Ihren Bericht entsprechend bewertet. Doch sind Fastkleinwagen mit Durchschnittsverbräuchen von über 10 l/ 100 Kilometer und über 130 PS Leistung( Mazda 323 GT 16 V, Mitsubishi Colt GTI 16 V) zeitgemäß und in ihrem Fall eine Gegenüberstellung wert? Das Umdenken, hin zu Fahrzeugen, die Dich und mich von A nach B bringen und das möglichst ökonomisch, sollte man langsam beginnen! Ein Eisenbahnverkehrskonzept, das wie bisher fast ausschließlich auf die drastische Heraufsetzung der Durchschnittsgeschwindigkeiten auf wenigen Hauptverkehrsachsen setzt, ist keineswegs geeignet, die deutlichen Wettbewerbsnachteile der Bahn auszugleichen. Vielmehr müßte es zugleich um die Verringerung der Fahrzeiten( auf das Gesamtnetz bezogen), auf die Verbesserung der Umsteigebedingungen und des Reisekomforts und darum gehen, wirtschaftlich attraktive Beförderungspreise anzubieten. Der Versuch, die Fahrzeiten auf bestimmten Hauptstrecken möglichst drastisch zu reduzieren, erscheint mir nicht einmal sehr sinnvoll. Um möglichst hohe Fahrgeschwindigkeiten zu realisieren, müssen die Strecken möglichst geradlinig verlaufen und dürfen möglichst wenig Steigungen haben, womit sich auch die Landschaftsschäden und Kosten potenzieren. Zugleich darf man auch nur wenige Haltepunkte einrichten, da sie die erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten senken würden. Es ist leicht erkennbar, daß die letztgenannte Bedingung sich für einen gewöhnlichen Reisenden, der nicht zwischen zwei Haltepunkten an der Schnellverkehrsstrecke hin- und herfährt, negativ auswirken muß, da er, einmal von der Hauptstrecke herunter, auf die herkömmlichen Dienste der Bahn angewiesen ist, die ihn mit beschränkter Geschwindigkeit letztlich dann an sein Ziel befördern wird, möglicherweise an Orte, die er im schnellen Tempo schon passiert hatte, ohne daß man ihn freilich aussteigen ließ. Das heißt, nicht die Reisegeschwindigkeit zwischen zwei Punkten auf der Schnellverkehrsstrecke ist zu erhöhen, sondern es sind die Fahrzeiten im Netz insgesamt abzukürzen. Denkt man in dieser Richtung, sollte die Beseitigung von sog. Flaschenhälsen( wie zum Beispiel um den historischen Kopfbahnhof Frankfurt am Main) und Zeitverlusten sowie die Schaffung möglichst optimaler Fahrpläne und Anschlußbedingungen vor anderem Vorrang haben. Weiterhin sollte man solche Preise schaffen, daß es für eine vierköpfige Familie wieder attraktiv wird, ihre Urlaubsreise in einem Zug zu machen. Die bisherigen Schnellbahnkonzepte sind von bedauerlichen Gedankenfehlern geprägt. Es geht nicht um schnelle Linienverbindungen, sondern um die Knüpfung eines leistungsfähigen Netzes. Der Bericht über den Test einer realen Straßenbrücke in Verbundbauweise enthält eine Behauptung, die nicht unwidersprochen hingenommen werden kann. Der 20 m lange Versuchskörper, der in der Mitte aufgelagert und an einem Ende verankert war, wurde am freien Ende mit einer Presse belastet. Am Pressenangriffspunkt stellte sich im Versagenszustand eine Durchbiegung von 0,4 m ein. Die Behauptung, daß damit das Verbundbauwerk bei einem Versagenszustand wesentlich größere Verformungen zeige als eine Spannbetonbrücke, ist nicht zutreffend. Entsprechend konstruierte Spannbetonbrücken können bei einer Steigerung der Belastung bis zum Versagen Verformungen der gleichen Größenordnung aufweisen. Bei der Reussbrücke Wassen( Gotthard-Autobahn), einem durchlaufenden Kastenträger, war es infolge eines außerordentlichen Hochwassers zur Erosion eines Talhanges gekommen. Das Schachtfundament eines Brückenpfeilers sank dabei rund 1,2 m ab und verschob sich zudem etwa 0,6 m quer zur Brückenachse. Die beiden Nachbarfelder wiesen Spannweiten von jeweils 48 m auf. Der durchlaufende Brückenbalken vermochte der riesigen Absenkung zu folgen und stürzte nicht ein. Das Bauwerk konnte wieder instandgesetzt werden. An der ETH Zürich wurden Versuche an einem Großmodell im Maßstab 1: 3 einer unterspannten Spannbetonplattenbrücke durchgeführt. Das Modell bestand aus einem Zweifeldträger von 2 x 10 m Spannweite. Beim Erreichen der Traglast unter einseitiger Belastung trat in Feldmitte eine Durchbiegung von rund 0,2 m auf. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Lagerungsbedingungen, ergibt sich, daß der Züricher Versuchskörper in Spannbetonbauweise die gleiche Verformungsfähigkeit aufweist wie der Bochumer Versuchskörper in Verbundbauweise. Prof. Doktor-Ingenieur Gert König Dipl. Solche Beiträge sind doch Wasser auf die Mühle derer, die den Deutschen Vereinsmeierei vorwerfen. Entweder ist eine im Rheinland durchgeführte TÜV-Prüfung beziehungsweise -Zulassung auch in anderen Bereichen gültig oder sie führt sich selbst ad absurdum. Das gleiche gilt für die Dekra, deren Existenz-Berechtigung mit ihrem kommerziellen Denken ohnehin in Frage zu stellen ist. Hoffentlich passieren nach der erfolgten Wiedervereinigung nicht noch mehr solcher Hase und Igel-Spiele! Der Lkw ist dem Güterzug davongefahren; die Bahn muß nun Boden gutmachen. Prognosen für den Gütertransport sprechen eine einheitliche Sprache. Hohe Zuwächse werden durch die Öffnung Osteuorpas, die Vereinigung Deutschlands und den EG-Binnenmarkt erwartet. Bis zu 40 Prozent soll der Güterverkehr europaweit zunehmen. Wilhelm Pällmanns Strategie ist, die Vernetzung von Lkw und Güterzug voranzutreiben. Die Richtigkeit dieses Konzepts belege das Wachstum des kombinierten Verkehrs, der als ein neues, innovatives Angebot in den letzten Jahren die größten Steigerungsraten gehabt hätte, betonte das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbahn( DB). Auf diesem Weg, nicht mehr auf isolierte Verkehrsträger setzend, müsse die Bahn weitergehen. 400 Millionen t transportierten die schweren Lkw letztes Jahr über Deutschlands Straßen. Da im Nahbereich unter 200 Kilometer kein kombinierter Verkehr attraktiv sei, blieben die 200 Millionen t, die darüber gefahren werden, als potentieller Markt. Hier müssen wir ansetzen, fordert der Eisenbahner. 50 Millionen t werden bereits mit der Bahn abgewickelt. Doch Pällmann hat Ehrgeiz: Wenn wir 100 Millionen t, also 25 Prozent des Straßenaufkommens in den kombinierten Verkehr holen, wäre das ein gutes normatives Ziel, was sich Straße, Schiene und Straße setzen müssen. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen ist das Wachstum des Kombiverkehrs begrüßenswert. Einerseits beginnt die Bahn damit, endlich in den Transport hochwertiger Produkte stärker einzusteigen. Die Beförderung klassischer Massenfrachten, wie Kohle, ist nicht gerade der Zukunftsmarkt. Qualitätsware ist jedoch vielfach Stückgut, das bislang dem Lkw vorbehalten war. Andererseits ist dieser Markt europäisch organisiert. Wir fahren im Kombiverkehr mehr international als national, sagt Pällmann. Er sieht die Bahn für das Wachstum in diesem Segment gerüstet. Damit die Speditionen sich auf den Kombiverkehr einlassen, investiere die Bahn und bringt neue Produkte auf den Markt. 3 Milliarden DM jährlich für Neu- und Ausbaustrecken, so der DB-Vorstand, sei das anvisierte Ziel. 1 Milliarden DM sollen in den 90er Jahren in den Bau von Umschlagterminals fließen. Durch diese Maßnahmen soll der Schienentransport wesentlich beschleunigt werden. Die Losung heißt hier, wie auch bei Reisezügen: Hochgeschwindigkeitsverkehr mit dem Intercargo-Express( ICE). Schon nächstes Jahr, so Pällmann, werden zwei Temp-Cargo-Linien von Hamburg nach München und von Bremen nach Stuttgart in Betrieb gehen, auf denen die Güterzüge 160 Kilometer/ h fahren. Bis 20 Uhr könne die Ware aufgenommen werden, wenn sie bis 6 Uhr morgens am Bestimmungsort sein soll. Um dieses Angebot an rationeller Infrastruktur zum Tragen zu bringen, wünscht sich Pällmann eine stärkere Einbindung der Transportunternehmen. Die Spediteure müssen stärker als bisher begeistert werden. Denn der schnelle Transport könne nur dort gewinnbringend organisiert werden, wo sich ganze Züge für eine Strecke zusammenstellen lassen. Da behaupten wir nun, das geht sehr viel besser, wenn das Dritte machen. Das heißt, daß die Bahnen die Wege bereitstellen und Dritte, zum Beispiel die Kombiwaggon-Gesellschaft oder überhaupt Spediteure, sich des Marktes bemächtigen. Dashalten wir für den erfolgversprechenden Weg. Jeder soll das machen, was er am besten kann, ist Pällmanns Devise. Das bedeute nicht, daß die Bahn sich von ihren Kunden zurückziehe und keine logistischen Angebote mehr wahrnehme. Doch die Aufgabe der Bahn sei es, dafür zu sorgen, daß mit der Bahn gefahren werde. Und auch als Carrier könne sie einkömmliche Beträge erwirtschaften, wenn sie komparative Vorteile aufweise. Deshalb investiert die DB nicht mehr in den Betrieb von Fahrzeugen. Die Teilprivatisierung der Bahn geht also weiter. Hier müßten sich private Geldgeber engagieren, weil der Verkehr jetzt schon lukrativ sei. Nur Strecken und Terminals werden weiterhin von der Bundesbahn betrieben und finanziert. Wobei das leidige Geld nicht das eigentliche Problem sei. Natürlich bleibe die Finanzierung von Neu- und Ausbaustrecken umstritten, gerade im Gegensatz zu anderen Verkehrsträgern. Doch sehr viel hinderlicher sei das deutsche Baurecht. Es ist heute ungeheuer schwierig, in den großen Wirtschaftsräumen noch Plätze zu finden, die gut an Schiene und Straße angeschlossen sind und dann dafür das Baurecht zu erhalten. Als Beispiel führt Pällmann die Realisierung der Neubaustrecke Köln-Frankfurt an. Die sei politisch längst akzeptiert. Jetzt machen wir Raumordnungsverfahren, dann ein Planfeststellungsverfahren, und dann dauert das erstmal fünf bis sieben Jahre, bis die Bauarbeiten beginnen können, klagt der Eisenbahner. Doch gerade für den Verkehr Richtung Osten sind schnelle Maßnahmen notwendig. Die großen Magistralen müssen für das Auto und die Bahn gleichzeitig gebaut werden, fordert Pällmann. Wenn das realisiert werde, könne die Bahn sowohl dem Flugzeug als auch dem Auto Paroli bieten. Die Tariflandschaft in den neuen Bundesländern nimmt Gestalt an. Im Frühjahr werden die Lohn- und Gehaltsstrukturen von Schleswig-Holstein und Hamburg auf Mecklenburg-Vorpommern übertragen. Schwierigkeiten bereitet die Eingruppierung der Angestellten. Sie sind zudem am stärksten von Arbeitslosigkeit bedroht. Absoluten Blödsinn nannte Gerhard Müller, Vorsitzender von Nordmetall, dem Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die Forderungen des IG-Metall-Tarifexperten Klaus Zwickel, zur Finanzierung höherer Löhne auf dem Gebiet der ehmaligen DDR Geld aus dem Staatssäckel zuzuschießen. Während die IG Metall davon ausgeht, daß ein Lohnzuwachs von 50 Prozent aufgrund der zu erwartenden Preissteigerungen notwendig und infolge des absehbaren Produktivitätsschubs der Unternehmen in der alten DDR auch bezahlbar sein werden, halten sich die norddeutschen Metallarbeitgeber in dieser Frage noch bedeckt. Bevor sich die Tarifpolitiker von Nordmetall über Gehaltsangebote öffentlich äußern, wollen sie erst einmal die Lohnsysteme in den alten und neuen Bundesländern vergleichbar machen. Zum 1. April nächsten Jahres, so sieht es eine Vereinbarung mit der IG Metall vor, werden dann die Tarifstrukturen von Schleswig-Holstein und Hamburg auf Mecklenburg-Vorpommern übertragen. Dabei steht Nordmetall vor einem schwierigen Problem, denn alle rund 80000 Arbeitsplätze der 80 neuen Mitgliedsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern müssen neu bewertet werden. Das Ziel des Verbandes: die überkommene Lohnnivellierung aus den Zeiten der SED-Herrschaft aufzubrechen. So waren zum Beispiel bei der RFT Nachrichtentechnik im mecklenburgischen Neustadt rund die Hälfte aller gewerblichen Arbeitnehmer in nur zwei Lohngruppen eingruppiert. Wenn die von Nordmetall anvisierte Differenzierung von sechs auf neun Gehaltsstufen greift, werden, so der Verband, die Arbeitnehmer auf jeden Fall davon profitieren. Selbst wer, was in den Niedriglohngruppen häufiger der Fall sein wird, mit einer Abstufung rechnen muß, braucht bei seinem Effektivlohn dennoch keine Einbußen hinzunehmen. Besitzstandswahrung nennt es Nordmetall-Geschäftsührer Harald Dethlefsen, der sich darüber im klaren ist, daß die Unternehmen auch aus politischen Gründen an den sowieso schon geringen DDR-Einkommen nicht noch kratzen dürfen. Und in den oberen Lohngruppen, so Dethlefsen weiter, wird was draufgelegt. Wieviel Geld aber letztlich in den einzelnen Gehaltsstufen gezahlt wird, darüber entscheidet erst die nächste Tarifrunde im kommenden Jahr. Obwohl es in vielen Fällen zu einer niedrigeren Einstufung bei den gewerblichen Arbeitnehmern kommen wird, tragen die Betriebsräte die von Nordmetall geforderte personelle Eröffnungsbilanz in Form einer Neubewertung aller Arbeitsplätze mit. Bei der RFT Nachrichtentechnik, so Geschäftsführer Hubert Matloh, ist sie von seiten der Unternehmensleitung bereits abgeschlossen und wird dem Betriebsrat jetzt vorgelegt. Im Schweriner Kabelwerk jedoch dauern sie noch an. Dort haben Arbeitnehmervertretung und Unternehmensleitung gleichzeitig eine Stellenbeschreibung vorgenommen, die Ergebnisse werden im neuen Jahr abgeglichen. Bei der Bewertung der gewerblichen Arbeitnehmer sieht die Betriebsratsvorsitzende Ingrid Hausschulz auch keine Probleme, weder mit den Kollegen noch mit der Geschäftsführung. Ist ein Mitarbeiter mit der Zuordnung zu einer neuen Lohngruppe nicht einverstanden, muß er innerhalb von drei Wochen eine aus Arbeitgebern und Betriebsrat paritätisch besetzte Kommission anrufen. Kommt es auch hier zu keinem Kompromiß, spricht dann die Einigungsstelle das letzte Wort. Ungewiß ist das Schicksal der Angestellten, besonders jener mit einem Hochschulabschluß. Sie bildeten den bürokratischen Wasserkopf, der die DDR-Unternehmen so schwerfällig machte und der für die politische Kontrolle der Betriebe sorgte. In einer Marktwirtschaft sind die meisten von ihnen überflüssig. Rund 600 Angestellte sind im Schweriner Kabelwerk tätig. Viele werden, so viel steht jetzt schon fest, im nächsten Jahr kurzarbeiten. Ob sie nach dem Besuch von Qualifikationsmaßnahmen, um die sich Unternehmensleitung und Gewerkschaft bemühen, wieder einen qualifizierten Job finden werden, bleibt fraglich. Ähnlich sieht es auch bei der RFT Nachrichtentechnik aus. Dort wurden, so Geschäftsführer Hubert Matloh, jahrelang 50 Führungskader zuviel mitgeschleppt. Von den derzeit noch insgesamt 770 Beschäftigten werden im neuen Jahr rund 270 auf der Straße sitzen. Die meisten Entlassungen wird es nach Auffassung von Matloh auch hier im Angestelltenbereich geben. Kurzfristig müssen die Unternehmen aber auch bei den gewerblichen Mitarbeitern abspecken. Das Schweriner Kabelwerk will in den nächsten Jahren durch natürliche Fluktuation zwischen 500 und 600 Beschäftigte entlassen. Doch ab 1995 könnten wieder bis zu 200 Facharbeiter fehlen- das zumindest prognostiziert Geschäftsführer Dietrich Stölmacker. Überhaupt sieht es für die Metall- und Elektroindustrie im Norden günstiger aus als in anderen Ländern der ehemaligen DDR. In Mecklenburg-Vorpommern stimmen wenigstens noch die Produkte, nur der Preis nicht immer, faßt Dethlefsen die Situation der Unternehmen zusammen und denkt dabei vor allem an den Maschinenbau. Probleme sieht er allerdings für einige wehrtechnische Betriebe im Raum Neubrandenburg sowie für den Schiffbau. Hier hofft der Verband, die Erfahrungen einzubringen, die er beim Strukturwandel der westdeutschen Werftindustrie gesammelt hat. Auf die Beschäftigten an der Ostseeküste kommen dennoch harte Zeiten zu, denn kaum ein Unternehmen wird alle Mitarbeiter halten können. Allein die Mitgliedsfirmenm von Nordmetall, in denen derzeit noch 80 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, werden in den nächsten Jahren ihren Personalbestand auf 60000 bis 70000 reduzieren. Hoffnungslos überlastet ist das museumsreife Telefonnetz der Ex-DDR. Das soll sich bald ändern, verspricht Bundespostminister Schwarz-Schilling, der aus dem einigen Deutschland ein Musterland der Kommunikation machen möchte. Dennoch gibt es Unmut: Kritikern geht es mit dem Ausbau der Telefonverbindungen zu langsam voran. Kritik an seiner Strategie mußte sich der oberste Postpolitiker in den letzten Tagen häufig gefallen lassen. Engpässe beim Telefonieren sind das größte Hemmnis für Investitionen und den Aufschwung in den neuen Bundesländern, klagte etwa der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages( DIHT), Hans Peter Stihl letzte Woche während einer Wirtschaftskonferenz beim Bundeskanzler. Stihl forderte Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling dazu auf, die private Wirtschaft am Aufbau der Infrastruktur stärker als bisher zu beteiligen und auch mit Tabus zu brechen. Privaten Unternehmen solle die Post die Befugnis verleihen, Fernmeldenetze und Richtfunkstrecken zu errichten oder zu betreiben. Stihl: Das Denken im Postministerium und bei Telekom muß sich wandeln. Deutliche Kritik übte der DIHT-Präsident auch an der Lizenzvergabe an private Satellitenbetreiber: Die Bundespost hat private Anbieter bislang systematisch abgeschreckt. Zu restriktiv würden die Beamten vorgehen und die Lizenzanträge zu langsam bearbeiten. Telekom-Chef Helmut Ricke will indessen das Problem erkannt haben. Jetzt sei schnelles Handeln gefragt, ohne den bisherigen Perfektionsgrad, den sich die Telekom jetzt nicht mehr leisten könne. Um die Telefonverbindungen mit den neuen Bundesländern schnellstens auszubauen, wolle die Telekom auch die Fachleute des Telekom-Tochterunternehmens Deutsche Telepost Consulting GmbH( Detecon) hinzuziehen. Absolute Priorität bei den Neuanschlüssen hätten die Geschäftskunden. Die Bürger müßten vorerst noch warten. Die Zahl der Telefonanschlüsse auf dem Gebiet der Ex-DDR belegen, wie abgeschnitten der einstige Arbeiter- und Bauernstaat vom Rest der Welt war. Während in der alten Bundesrepublik bei einer Sättigung von nahezu 98 Prozent so gut wie alle Wohnungen über einen Telefonanschluß verfügen, genießen in den neuen Ländern gerade mal 15 Prozent der Haushalte dieses Privileg. Insgesamt gibt es rund 1,8 Millionen Telefonanschlüsse östlich der Elbe, etwa zwei Drittel davon werden privat genutzt. Es fehlt nicht nur an Anschlüssen. Das, was sich in der Ex-DDR an Fernmeldetechnik vorfindet, würde im Westen höchstens im Museum seinen Platz finden. Bis zu 60 Jahre alt ist die alte Hebdrehwählertechnik und damit auch höchst unwirtschaftlich, denn Ersatzteile sind dafür kaum zu bekommen. Besonders schlimm steht es um die Verbindungen zwischen den alten und neuen Bundesländern. Noch zu Beginn diesen Jahres führten lediglich 1300 Leitungen von West nach Ost, in umgekehrter Richtung sogar nur 215. Berücksichtigt man dann noch die Tatsache, daß die Hälfte der Leitungen nach oder aus West-Berlin führen, so wird das wahre Ausmaß dieses Notstands deutlich. Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling will jetzt handeln und verkündete letzte Woche überraschend sein Zusatzprogramm Turn-Key '91 in Höhe von 1,8 Milliarden DM für den Ausbau der Telekommunikation. Das bedeutet, daß die Investitionen für das nächste Jahr von ursprünglich 4,5 über zunächst 5,5 auf schließlich 7,3 Milliarden DM erhöht worden sind. Der Schwerpunkt dieses Crash-Programms liegt bei der Vergabe von Turn-Key-Projekten an Privatunternehmen. Die 87 schlüsselfertigen Bauprojekte sind zu 29 Großprojekten zusammengefaßt. Damit sollen noch in der ersten Jahreshälfte 1991 etwa 100000 Beschaltungsheinheiten zusätzlich aufgebaut werden, verkündete der Minister in Bonn. Weitere 130000 Einheiten sollen in der zweiten Jahreshälfte folgen. Diese insgesamt 230000 Beschaltungsmöglichkeiten in Vermittlungszentralen mit entsprechenden Telefonanschlüssen sollen nach dem Willen des Postministers vor allem Geschäftskunden zugute kommen. Privatverbrauchern verspricht Schwarz-Schilling dennoch ein forciertes Regelausbauprogramm mit 400000 neuen Anschlüssen im nächsten Jahr. Insgesamt, so zog der Minister sein Fazit, werde das Jahr 1991 also einen Zuwachs von etwa 630000 Beschaltungseinheiten und damit von mehr als 500000 Telefonanschlüssen bringen. Vor allem die an sich veraltete Analogtechnik wird im Rahmen des Zusatzprogrammes beim Ausbau des Telefonnetzes ihre Renaissance finden. Diese Technik könne in Betrieben der Ex-DDR produziert werden, hofft Schwarz-Schilling. Um den kurzfristigen Bedarf zu decken, sieht der Postminister neben dem Einsatz der Bundeswehr auch die Fernschaltung von Telefonanschlüssen und Mietleitungen an das West-Netz vor. Gegenwärtig seien 730 ferngeschaltete Hauptanschlüsse aus dem Ortsnetz West-Berlins sowie 132 Mietleitungen für Unternehmen, Banken, Parteien und andere Institutionen, die ihren Sitz in Ost-Berlin haben, beschaltet. Seit Ende August sei zwischen beiden Teilen Berlins ein achthundertpaariges Kabel geschaltet. Noch in diesem Jahr würden 7 weitere Kabel, davon eines mit 500 Doppeladern und 6 mit je 200 Doppeladern in Betrieb genommen. Gegen die Kritik von Seiten der Wirtschaft entgegnete der oberste Postpolitiker: Die geforderte Aufhebung des Netzmonopols würde die Telekommunikationsversorgung in den fünf neuen Bundesländern nicht beschleunigen. Doch private Initiativen seien erwünscht und willkommen. Als Beispiele nannte Schwarz-Schilling die Satellitenkommunikation, den Mobilfunk und die Turn-Key-Projekte. Die Forschung in der ehemaligen DDR muß zurück an die Universitäten. Mit diesem Appell forderte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft( MPG), Professor Hans F. 30 Millionen DM zur Verfügung zu stellen. Die MPG will mit diesem Geld auf fünf Jahre befristete wissenschaftliche Arbeitsgruppen an den Hochschulen der neuen Bundesländer aufbauen. Die Initiative soll von den existierenden Max-Planck-Instituten ausgehen. Dabei müsse herausragende Forschung möglichst auf neuen Gebieten betrieben werden, so der MPG-Präsident vergangene Woche während der MPG-Jahrespressekonferenz. Den jeweiligen Leiter der Gruppen will das betreuende MPI vorschlagen. Voraussetzung soll sein, daß der wissenschaftliche Leiter bereits in der DDR gearbeitet hat. Die MPG denkt ab 1991 an die Einrichtung von 15 bis 20 Arbeitsgruppen. Dabei stellt Professor Zacher klar, daß die Arbeitsgruppen jedoch in keinem Fall als Keime für eine spätere Institutsgründung zu verstehen seien. Neue Institutsgründungen schließt er dennoch nicht aus. MPG-Generalsekretär Wolfgang Hasenclever rechnete vor, daß der Bund mindestens 250 Millionen DM zusätzlich zur Verfügung stellen müsse, um in den nächsten zehn Jahren zehn bis 15 Institute in den neuen Bundesländern gründen zu können. Die MPG verfügt derzeit über einen Jahresetat von 1,3 Milliarden DM. Die Forschung in der ehemaligen DDR braucht neue Impulse. Der wissenschaftliche Nachwuchs muß an den internationalen Standard herangeführt werden, plädierte Zacher in Bonn für eine Forschungslandschaft gleicher Güte in Ost und West. Dabei ließ er die Bereitschaft erkennen, neue MPG-Institutsgründungen vorrangig in den neuen Bundesländern anzusiedeln unter der Voraussetzung, daß die Forschung dort den internationalen Anforderungen entspreche. Den zusätzlichen MPG-Finanzbedarf für 1200 neue Planstellen, weitere 150 Doktorandenstellen und Betriebsausgaben bezifferte Hasenclever auf jährlich 150 Millionen DM. Hinzu komme ein Finanzbedarf für die apparative Erstausstattung der neuen Einrichtungen in einer Größenordnung von 110 Millionen DM und außerdem für Um- und Neubauten Mittel in Höhe von 200 bis 250 Millionen DM. Von 1991 an kommt die Max-Planck-Gesellschaft ebenso wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den Genuß des Grundsatzbeschlusses von Bund und Ländern aus Dezember 1989, die Grundfinanzierung um je 5 Prozent für fünf Jahre anzuheben. Doch allein damit könnten die finanziellen Sorgen in den neuen Bundesländern nicht behoben werden, betonte der MPG-Präsident. Entgegen aller Ost-Euphorie, der europäische Binnenmarkt wird viele Westkontakte erfordern. Für die mittelständischen Unternehmen lautete das Rezept fast einhellig, neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen. Grenzüberschreitende Kooperationen rücken damit auf der Prioritätenliste ganz nach oben. Damit diese Kooperationen in der Praxis aber nicht zum Flop werden, müssen sie ebenso solide wie diskret angebahnt werden. Langfristig denken, pragmatisch vorgehen: Nach dieser Maxime löst eine größer werdende Anzahl von Unternehmen komplexe Innovationsvorhaben. Ein vielzitierter Ansatz sind Joint-Ventures. Spektakuläre Beispiele finden sich auf der Ebene der Großkonzerne- etwa in der Automobilindustrie, wo milliardenteure Modellentwicklungen auf mehrere Schultern verteilt werden. Nicht minder kooperationsfreudig zeigen sich aber auch mittelständische Unternehmen. Nur ist es ungleich weniger schlagzeilenträchtig, wenn ein 50-Personen-Maschinenbaubetrieb in Kooperation mit einem italienischen Partner ein neues Produkt fertigt. Gerade im Mittelstand muß aber der Kooperationsgedanke noch weiter mit Inhalten gefüllt werden. Es geht darum, Synergieeffekte durch das gezielte Hinzuziehen von kompetenten Partnern zu erreichen, empfiehlt Sharon Hester von der EG-Beratungsstelle für Unternehmen bei der bundesdeutschen Zenit GmbH in Mülheim/ Ruhr. Die hier auf grenzüberschreitende Kooperationsvermittlung spezialisierte Engländerin hat bereits 100 mittelständischen Firmen einen Auslandspartner vermitteln können- quer durch alle Branchen. Allerdings bildet die metallverarbeitende Industrie aufgrund ihrer starken Position einen gewissen Schwerpunkt bei den Kooperationswünschen. Inhaltlich standen bei weit mehr als der Hälfte der Fälle Vertriebsvereinbarungen auf der Wunschliste ganz oben, gefolgt von gemeinsamen Produktionsmöglichkeiten. Und eine zweite Forderung stand parallel ganz oben: Diskretion. Der Wettbewerb soll von den geplanten Kooperationsaktivitäten so spät wie möglich Wind bekommen. Frühzeitige Preisgabe des Namens ist deshalb unerwünscht. Ob Entwicklung, Produktion oder Marketing: In welchen Bereichen kooperiert werden soll und welche Eigenschaften der potentielle Partner aufweisen soll, ist Aufgabe einer Stärken-Schwächen-Analyse des eigenen Unternehmens. Darauf aufbauend entsteht der Steckbrief des potentiellen Partners. Drei Aspekte sind nach Aussage von Sharon Hester zu beachten. Erstens sollen sich die Partner in ihren Fähigkeiten ergänzen, um nicht zuletzt die Gefahr von Konkurrenzstreitigkeiten zu bannen. Dies erklärt, warum etwa 60 Prozent aller kooperationswilligen Unternehmen zunächst nur eine Vertriebsvereinbarung anstreben. Dieses Bündnis ist klar definierbar, es bedarf keiner großen finanziellen Investition, und der persönliche Einsatz einschließlich Vertrauensvorschuß hält sich in Grenzen. Zweitens sollen potentielle Kooperationspartner von der Unternehmensgröße und vom Management-Denken ähnlich strukturiert sein. Und die menschliche Ebene muß stimmen. Drittens ist das Maß an Energie und Ressourcen zu definieren, das von den Partnern in die Zusammenarbeit gesteckt werden soll. Dies schließt umgekehrt auch das erforderliche Maß an Rücksicht auf die Interessen des Partners mit ein. In diesen Rahmen gehört die Notwendigkeit eines lückenlosen, beide Parteien befriedigenden Vertrags, wo sowohl Rechte, zum Beispiel auf Know-how oder Patente festgehalten werden, sowie die Pflichten, zum Beispiel für den Notfall( sollte etwa einer der Partner in finanzielle Schwierigkeiten geraten). Die wichtigsten Komponenten der Kooperationsvermittlung sind die Netzwerke BC-Net( die zentrale Datenbank Business Cooperation Network bei der Kommission in Brüssel), das EIC-Netz( der Verbund aller offiziellen EG-Beratungsstellen) und ein Sprint -Netz( ein Zusammenschluß ausgewählter Beratungsorganisationen). An das BC-Net sind derzeit europaweit rund 450 Vermittler angeschlossen, die Kooperationswünsche datenbankgerecht aufbereiten und dann ihre Speicherung für einen Zeitraum von maximal sechs Monaten veranlassen. Den Abgleich dieser standardisierten Kooperationsprofile führt BC-Net automatisch durch. Diese Datenbank wird ständig aktualisiert, so daß nur Firmen gespeichert sind, die noch keinen Kooperationspartner gefunden haben. Derzeit sind es rund 6000 Angebote und Gesuche. Die Arbeitsweise von BC-Net ermöglicht es außerdem, einen Kooperationspartner nicht nur gezielt in einem bestimmten Land, sondern auch in einer Region oder einer Stadt zu suchen. Mindestangaben sind angestrebte Kooperationsart, eigenes Leistungsangebot und die Region, wo der Partner gesucht wird. Zur Feinsteuerung ist es außerdem ratsam, weitere Unternehmensmerkmale und -beschreibungen zur Verfügung zu stellen. Der BC-Net-Korrespondent verschlüsselt diese Daten über einen speziellen Code und gibt sie in die Datenbank ein. Im Zentralcomputer findet dann der Abgleich zwischen dem Bestand an Firmenprofilen und dem neueingegebenen statt. Im Erfolgsfall werden die jeweiligen Korrespondenten über die Treffer informiert, indem sie eine entsprechende Mitteilung und das( anonyme) Profil der Firma beziehungsweise der Firmen erhalten, die die jeweiligen Suchkriterien erfüllen. Sie prüfen anhand der Freitexte, ob eine Weiterverfolgung dieses matching sinnvoll ist. In diesem Fall werden in der Regel zusätzliche Firmeninformationen über die beteiligten Unternehmen ausgetauscht. Erst wenn diese darauf hindeuten, daß die Produktpalette stimmt und auch die Kooperationswünsche zusammenpassen, wird die Anonymität aufgehoben und den beteiligten Firmen die Adresse des potentiellen Partners mitgeteilt. Ein effizienter Vermittlungsweg ist auch der Verbund der inzwischen rund 180 EG-Beratungsstellen. Sie sind über ein eigenes elektronisches Mailsystem, Eurokom, miteinander verbunden. Wird beispielsweise ein Kooperationswunsch aus der Bundesrepublik von Zenit über Eurokom gezielt in Spanien bekannt gegeben, ermitteln die dortigen EG-Beratungsstellen alle in Frage kommenden Partner. Hinter der Abkürzung Sprint, die für Strategic Programme for Innovation and Technology Transfer steht, verbirgt sich ein drittes Netz, und zwar von Beratungsfirmen mit Bezug zum Technologietransfer. Europaweit bestehen rund 50 Sprint-Gruppen, die vor allem Lizenzverträge und Know-how-Vereinbarungen vermitteln. Außerdem: Alle Partner befassen sich in erster Linie mit der Beratung kleiner und mittlerer Firmen. Wettbewerbsrechtlich gesehen werden grenzüberschreitende Kooperationen nicht beanstandet, solange der Marktanteil für das betreffende Produkt weniger als 5 Prozent des Gemeinschaftsmarktes beträgt und der Jahresumsatz der beteiligten Firmen unter 200 Millionen Ecu liegt( umgerechnet zirka 480 Millionen DM). Es wird auch versucht, durch die Schaffung einer neuen gemeinschaftlichen Rechtsform die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erleichtern. Das Instrument dafür ist die EWIV, die Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung, die seit Mitte 1989 zur Verfügung steht und sich an dem deutschen OHG-Gesetz anlehnt. Unternehmen müssen sich mit zwei Grundsätzen abfinden: Erstens kann weder die Bundesregierung noch eine Landesregierung ohne Mitwirkung der EG-Kommission Unternehmen mit einem geldwerten Vorteil bedenken, und zweitens kann kein Unternehmen sorglos eine wohlgemeinte Beihilfe annehmen, ohne sich vorab mit dem EG-Recht auseinandergesetzt zu haben. Die kürzlich von der EG-Kommission beschlossene großzügige Förderung deutscher Beihilfemaßnahmen in den fünf neuen Bundesländern sollte nicht den Blick dafür verstellen, daß grundsätzlich staatliche Beihilfen an bestimmte Unternehmen oder Regionen erhebliche Wettbewerbsverzerrungen mit sich bringen können. Es ist auf den ersten Blick einsichtig, daß ein mit staatlichen Zuschüssen begünstigtes Unternehmen im Verhältnis zu seinen nicht begünstigten Konkurrenten einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil erhält. Dies kann sich über den nationalen Rahmen hinaus- je nach Marktbedeutung- in der gesamten Europäischen Gemeinschaft oder sogar auf Weltmärkten für Wettbewerber schmerzlich auswirken. Angesichts der wachstumsfördernden und wirtschaftsintegrierenden Rolle, die der Wettbewerb im gemeinsamen Markt spielt, kommt deshalb der Verfolgung unzulässiger Beihilfen in der Gemeinschaft ein herausragender Stellenwert zu. Die Väter der Römischen Verträge haben bereits in weiser Voraussicht in Art. 92 EWG-Vertrag ein breit angelegtes Verbot der Gewährung staatlicher Beihilfen vorgesehen und den Ausnahmenkatalog relativ eng gefaßt. Im Verfahren nach Art. 93 Abs. 2 EWG-Vertrag kann die Kommission Beihilfen als mit dem gemeinsamen Markt unvereinbar feststellen und entscheiden, daß der betreffende Staat sie binnen einer von ihr gesetzten Frist aufzuheben oder umzugestalten hat. Für die Kommission ist allerdings seit langem ein Ärgernis, daß viele Mitgliedstaaten die an ihre Unternehmen gewährten Beihilfen, unabhängig davon, ob sie nach Art. 92 EWGV zulässig sind oder nicht, der Kommission erst gar nicht zur Kenntnis bringen. Erfährt die Kommission durch die Presse oder auf andere Weise von einer solchen Beihilfe und bittet sie den jeweiligen Mitgliedstaat um nähere Auskünfte, vergehen bisweilen Jahre, bis die gewünschten Informationen zögerlich in Brüssel eingehen. Da auf diese Weise eine vernünftige und sachlich angemessene Verfolgung nicht möglich ist, hat sich die Kommission nunmehr zu einer straffen abgestuften Verfahrensregelung durchgerungen. Die Regierungen der EG-Mitgliedstaaten werden es demnach in Zukunft weit schwerer haben, eine unzulässige Beihilfegewährung durch Verschleppung des Verfahrens ungebührlich lange aufrechtzuerhalten. Erfährt zukünftig die Kommission von einer ihr nicht gemeldeten Beihilfe, wird sie den Mitgliedstaat mit einer Frist von nur 15 Arbeitstagen zur Auskunft auffordern. Geht bis zum Ablauf keine oder nur unvollständige Antwort ein, gewährt die Kommission nochmals 15 Tage zur Beantwortung eines detaillierten Fragebogens. Im Falle einer fristgemäßen und vollständigen Antwort wird der zuständige Wettbewerbskommissar, gegenwärtig Sir Leon Brittan, der Kommission innerhalb von zwei Monaten einen Entscheidungsvorschlag unterbreiten. Erfolgt jedoch wiederum keine oder nur ungenügende Auskunft, schlägt der Wettbewerbskommissar der Kommission vor, den Mitgliedstaat mit einer offiziellen Benachrichtigung mit einer Frist von einem Monat erneut zur Auskunft aufzufordern. Gegebenenfalls wird die Kommission eine vorläufige Entscheidung fällen, die den Mitgliedstaat zur sofortigen Einstellung des zugrunde liegenden Beihilfeprogramms zwingen soll. Reagiert der betroffene Mitgliedstaat auch jetzt noch nicht, wird die Komission innerhalb eines weiteren Monats eine endgültige Entscheidung treffen, die die Unvereinbarkeit dieser Beihilfe mit dem gemeinsamen Markt feststellt. Folgt schließlich der Mitgliedstaat auch dieser formalen Entscheidung nicht, wird der Wettbewerbskommissar der Kommission vorschlagen, innerhalb eines weiteren Monats den Fall vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Obgleich dieses formalisierte Verfahren auf den ersten Blick schwerfällig erscheint, stellt es doch gegenüber der bisherigen Praxis bisweilen jahrelangen Schweigens der Mitgliedstaaten auf Anfragen der Kommission einen großen Fortschritt dar. Aber auch die durch staatliche Beihilfen begünstigten Unternehmen müssen in Zukunft als Folge neuerer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs erhöhte Mitwirkungspflichten bei der Sachaufklärung leisten. Anderenfalls können sie noch nach Jahren Überraschungen erleben, wenn sie sich bei Empfang staatlicher Beihilfen nicht vergewissert haben, ob europäisches Recht beachtet wurde. Die Frauen in der Europäischen Gemeinschaft haben noch immer schlechte Chancen. Zwar stellen sie 38 Prozent der Erwerbstätigen, aber gleichzeitig ist auch mehr als die Hälfte der Arbeitslosen weiblich. Deshalb bemüht sich die EG mit eigenen Richtlinien, die Chancengleichheit zu verbessern. Inzwischen liegt das dritte Programm vor. Der Schwerpunkt des neuen EG-Programms liegt auf Arbeitsmarktpolitik. Damit schließen sich die Vorschläge der Brüsseler Beamten an die beiden inzwischen abgelaufenen Programme an. Mit der Neuauflage des EG-weiten Anti-Diskriminierungsprogrammes kamen allerdings auch kritische Töne aus Brüssel.- Nicht nur, daß die einzelnen Mitgliedsländer die Richtlinien höchst unterschiedlich interpretiert und in manchen Fällen recht langsam umgesetzt hätten, bemängelte die Kommission Frauenpolitik. Die neue Richtlinie fordert spezifische Maßnahmen, um die Beschäftigung von Frauen, insbesondere von Unternehmerinnen, zu fördern. Gezielte Bildungsmaßnahmen, vor allem im Bereich der Ausbildung, sollen die Qualifikation der Frauen verbessern. Damit soll ihnen vor allem der Zugang zu den technischen und den Ingenieursberufen erleichtert werden. Schließlich sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Wieviel noch zu tun ist und wie wenig erreicht wurde, darüber kann man sich bei den EG-Statistikern Auskunft holen. In der ganzen EG sind noch heute nur 38,2 Prozent der Frauen ständig erwerbstätig. An der Spitze steht Dänemark mit 46 Prozent, gefolgt von Frankreich mit 42 Prozent, Portugal mit 41 Prozent und England mit 40 Prozent. Die Bundesrepublik steht mit einer Frauenerwerbsquote von 38 Prozent erst auf dem fünften Platz. In 20 Jahren, seit 1969, ist die Erwerbsquote der Frauen in der EG nur um 2 Prozent gestiegen, am deutlichsten noch in Belgien und den Niederlanden, weniger ausgeprägt in der Bundesrepublik, Großbritannien und Italien. In der Altersgruppe von 50 bis 64 Jahren sind nur 31 Prozent der Frauen, aber 69 Prozent der Männer erwerbstätig. Betrachtet man die Vertretung der Frauen in den einzelnen Tätigkeitsbereichen, dann zeigt sich- nicht überraschend- daß der Dienstleistungsbereich der klassische Bereich der Frauenarbeit ist: 75 Prozent aller berufstätigen Frauen arbeiten in Serviceberufen. Wie langsam sich- auch trotz aller EG-Programme- tief eingewurzelte Strukturen verändern, das läßt sich am besten am Abstand der Frauenlöhne von denen der Männer erkennen. Die Frauen haben in den fünfzehn Jahren von 1972-1987 zwar aufgeholt, aber sie erhalten im Durchschnitt immer noch nur 70 Prozent von dem, was Männer verdienen. Am besten stehen sich Arbeitnehmerinnen wieder in Dänemark- dort verdienen sie 86 Prozent des Männerlohnes- und in Frankreich 81 Prozent. Die Position des wirtschaftsstärksten Landes, der Bundesrepublik Deutschland, ist mit einem Abstand von 73 Prozent nicht gerade eindrucksvoll. Neben vielen Absichtserklärungen und frauenpolitischen Programmsätzen wird die EG in ihrem dritten Aktionsprogramm auch einige Male konkret, besonders, wenn es sich um ein Haupthindernis ersten Ranges für die Frauenbeschäftigung in nahezu allen Berufen handelt: die fehlenden Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. Zur Verbesserung der Kinderbetreuung wird die Kommission eine Empfehlung erlassen und als Ergänzung hierzu einen Leitfaden für die wirksame Praxis zusammenstellen. Sie wird das soziale Netz Kinderbetreuung weiterhin unterstützen, entsprechende Initiativen festigen sowie Qualitätskriterien für die Kinderbetreuungsdienste festlegen. Doch vor die weitreichenden politischen Ansprüche sind die finanziellen Realitäten gesetzt. Für die Initiativen zur Verbesserung der Kinderbetreuung beispielsweise stehen der EG ganze 150000 ECU, das sind 300000 DM, zur Verfügung. Damit ist der Rahmen äußerst eng gesteckt. Nach dem Durchstich des Eurotunnels unter der Nordsee gibt es für Banken und Betreibergesellschaft kein Zurück mehr. Das Jahrhundertprojekt zwischen Frankreich und Großbritannien wird Realität. Und das, obwohl die Baukosten von 13 Milliarden DM jetzt schon auf fast 24 Milliarden DM geklettert sind. Woran viele bis vor kurzem noch nicht so recht geglaubt haben, tritt jetzt ein. Es wird ernst mit der Vollendung der Landverbindung zwischen Frankreich und Großbritannien. Der Durchbruch des ersten Stollens des Drei-Röhren-Tunnels läutet nämlich eine Projekt-Phase ein, bei der es keinen Weg mehr zurück gibt. Und noch mehr: Von einigen Details einmal abgesehen, wird der Tunnel so vollendet werden, wie ihn die Betreibergesellschaft auch projektiert hat. Das ist ein wesentliches Faktum, denn einige der Skeptiker hatten zumindest das Beispiel einer Projektabspeckung aus Japan vor Augen, wo ebenfalls ein mit großen Hoffnungen begleiteter Meerestunnel für die Bahn gebaut wurde und nach 17jähriger Bauzeit im Frühjahr 1988 als bescheidene Touristenattraktion endete. Es handelte sich um den fast 54 Kilometer langen, als Doppelröhren-Konstruktion für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den Inseln Hokkaido und Honshu geplanten Saikantunnel, der als Einröhrenbauwerk jetzt aber nur einem besseren Bummelzugverkehr dient. Zwar mußte auch im Eurotunnel die Ausbaugeschwindigkeit für den Zugverkehr von 180 Kilometer/ h auf 130 Kilometer/ h gedrosselt werden, doch befahren wird das Dreiröhren-Bauwerk immerhin von der Schnellbahn, die in Europa bereits als das Verkehrsmittel der Zukunft gehandelt wird. In einem aber verbinden den Saikan-Tunnel und den Eurotunnel eine Schicksalsgemeinschaft: die Kostenlawine. Während der Bauendpreis des japanischen Jahrhundertbauwerks von anfänglich 2,5 Milliarden DM auf letztendlich 12 Milliarden DM gestiegen war, wuchsen auch die Kosten beim europäischen Meerestunnelprojekt von anfänglich 13 Milliarden DM auf letztlich doch 24 Milliarden DM. Dies entspricht zwar nicht der horrenden Entwicklung beim Saikan-Tunnel, aber das Werk der Briten und Franzosen liegt ja auch erst noch in der Halbzeit, wenn auch der Stollenvortrieb zu 75 Prozent fertig ist. Noch im Vorjahr kam es wegen des galoppierenden Endpreises für den Eurotunnel zum Fiasko. Als das Baukonsortium Transmanche Linke( TML) die jetzt akzeptierte Summe warnend vorausgesagt hatte, geriet die Betreibergesellschaft Eurotunnel bis an den Rand des Konkurs. Die Banken erwägten nämlich, angesichts der Tatsache, daß im November 1987 noch von einer Bausumme von 13 Milliarden DM die Rede gewesen war, einen Kreditstop zu verhängen. Mittlerweile konnte TML jedoch Eurotunnel und nicht zuletzt das Bankenkonsortium davon überzeugen, daß Bauprojekte, die einen Prototypcharakter haben, kostenmäßig nur ungenau zu kalkulieren sind, wofür viele andere Jahrhundertprojekte Pate stehen. Der Eurotunnel mache da keine Ausnahme, heißt es in Kreisen der Bauleitung von TML. Diesem Argument konnte sich auch der Eurotunnel-Präsident, Alastair Morton, nicht verschließen. Sicherheitshalber haben wir 25,5 Milliarden DM eingeplant, räumt der Bauherr ein. Dieser Einigung gingen jedoch harte Verhandlungen voraus. Der Eurotunnel-Chef, der hartnäckig am Eröffnungstermin im Juni 1993 festhält, mußte sich von der TML-Bauleitung sagen lassen, daß die von ihm bestellte Bauaufsicht die nötige Einsicht in die Realität bei der Umsetzung von der Theorie in die Praxis vermissen ließe. Ein Sprecher des Baukonsortiums: Die Bauleitung von Eurotunnel stört mehr, als sie nutzt. Und die guten Ratschläge kosteten auch noch Geld. Erstens sei die Bauaufsicht überbesetzt, und zweitens resultiere aus dieser Tatsache ein Übereifer an Kontrollaktivitäten, daß ein Teil der Kostensteigerungen hierauf zurückzuführen sei, beschwerten sich die Ingenieure des Baukonsortiums. Dies sah Morton schließlich ein und reduzierte den Aufwand bei der Projektüberwachung um 25 Prozent. Ferner kamen beide Parteien überein, sich soweit wie möglich gemeinsam um Kosteneinsparungen zu bemühen. So beschlossen sie, die geplante Höchstgeschwindigkeit des Zugverkehrs auf die besagten 130 km/ h zu senken, was Einsparungen bei der Konstruktion des Belüftungssystems im Tunnel und der Waggons( Druckausgleich) zur Folge hat. Nach Beilegung des Streits und leichter Modifizierung des Projekts- einschließlich der Veränderungen einzelner Bauweisen- konnte der Arbeitsfortschritt dann tatsächlich derart erhöht werden, daß jetzt der erste Durchstich auf dem Schloß von Dover gefeiert wurde. Immer noch Probleme bereitet indes ein Bereich außerhalb des Jahrhundertbauwerks, was gar an den anfänglich erwähnten Saikan-Tunnel erinnert: British Rail sieht finanzielle Schwierigkeiten hinsichtlich des geplanten Baus einer neuen Trasse für die Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen London und dem Eurotunnel. Nach neuesten Schätzungen sind die Kosten für die rund 100 Kilometer lange Verbindung durch Südengland noch vor Baubeginn von 3,6 Milliarden DM auf 9 Milliarden DM gestiegen. Laut Financial Times könnten die endgültigen Kosten gar bei 18 Milliarden DM liegen. Sollte nun diese spezielle Kostenlawine den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen London und dem Ärmelkanal verhindern, dürfte der Sinn des Tunnelbaus ernsthaft geschmälert sein. Viele britische Geschäftsleute glauben jedoch, daß der britische Staat hier irgendwann noch finanziell eingreift. Margret Thatcher verharrte aber noch bis zuletzt: Keine staatlichen Mittel für den Eurotunnel. Und das gelte auch für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke London-Ärmelkanal. Indes: Ohne Hochgeschwindigkeitstrasse in Südengland, Nordfrankreich, Belgien und Westdeutschland bleibt das Eurotunnelprojekt ein Torso. Bleibt also zu hoffen, daß der neue Premierminister John Major von der starren Haltung der Eiseren Lady vielleicht abweicht. Nachdem Ende Oktober mit einer 100 m langen Sonde die erste Verbindung zwischen Briten und Franzosen unter dem Ärmelkanal hergestellt werden konnte, glückte jetzt ein mannsgroßer, wenn auch provisorischer Durchstich. Erst Ende Januar ist der Durchbruch komplett. Anfang nächsten Jahres blickt die Welt auf die Nahtstelle zwischen Frankreich und Großbritannien. Der Durchbruch des Eurotunnels wird durch Händedruck des britischen Premierministers John Major und des französischen Präsidenten Francois Mitterand feierlich begangen. Doch zuvor gilt es, 60 m tief unter der Nordsee die technischen Voraussetzungen für dieses Ereignis zu schaffen. Genauer gesagt: Der Durchstich findet im Servicestollen des aus drei Röhren bestehenden Jahrhundertbauwerks statt, dem in der Bauphase eine Art Pilotfunktion zukommt. Die von britischer und französischer Seite aus auf der Gradiente dieses Teils des Eurotunnels aufeinander zugefahrenen Vortriebsmaschinen haben also ihr Ziel erreicht, das heißt, fast erreicht. Denn kurz vor dem Durchstich bog die Maschine der Briten in einer scharfen Rechtskurve seitlich ab, um den eigentlichen Durchstich einer kleineren Streckenvortriebsmaschine zu überlassen. Ein aus dem Bereich der Rechtskurve zur französischen Ortsbrust erfolgreich vorgetriebener, 2 m hoher und 1 m breiter Zugangsstollen dürfte für die Nachwelt allerdings der eigentliche Durchbruch sein, denn erstmals nach der Eiszeit ist über diese provisorische Röhre nun Frankreich von England aus zu Fuß zu erreichen. Sachlicher indes bewertet der Bauherr Eurotunnel den ersten Durchstich. Von dieser vorläufigen Verbindung aus müssen wir hinsichtlich des korrekten Aufeinandertreffens weitere Untersuchungen durchführen, nachdem die 100 m lange Sonde, die Ende Oktober die allererste Verbindung hergestellt hatte, eine Abweichung von nur 50 cm auswies, kommentiert Colin Kirkland, technischer Direktor der Betreibergesellschaft, das Ereignis. Keine Frage, im Kreise der Bauleitung denkt man bereits an die nächsten Durchbrüche, und zwar an die der Fahrröhren. Das Konzept, wie hier das Aufeinandertreffen der Bohrtrupps technisch gelöst werden soll, liegt nämlich noch nicht fest. Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl, doch vor der endgültigen Entscheidung müssen wir die beim Durchbruch des Servicetunnels gewonnenen Erfahrungen nutzen, gibt Kirkland zu bedenken. Auf jeden Fall sei der Durchbruch in den beiden Fahrtunneln im Juli und August nächsten Jahres zu erwarten. Einen wichtigen Teil der Ausbrucharbeiten bilden übrigens auch die beiden großen Unterwasser-Kreuzungsanlagen, die erforderlich sind, um für Unterhaltungsarbeiten- oder in Notfällen- streckenweise eingleisigen Zugbetrieb zu gestatten. Der Bau der Querröhre auf britischer Seite mit einer Länge von 156 m und einem Ausbruchquerschnitt von 256 m2 war im September dieses Jahres bereits abgeschlossen worden, teilt Shani Wallis in der Londoner Zeitschrift Tunnel und Tunneling mit. Sie wurde 8 Kilometer von der englischen Küste entfernt aufgefahren. Im Bereich des französischen Bauloses liegt die andere Verbindungsröhre. Die Franzosen sind hier jedoch noch nicht so weit, weiß Wallis. An diesem wichtigen Kreuzungsbauwerk arbeiteten immer noch die Bohrtrupps. Mitte nächsten Jahres dürften jedoch pünktlich alle Vortriebsarbeiten am Eurotunnelprojekt abgeschlossen sein. Dies läßt den Schluß zu, daß Alastair Morton, Präsident der Betreibergesellschaft Eurotunnel, mit seiner Prognose, das Jahrhundertbauwerk ginge Juni 1993 in Betrieb, tatsächlich Recht zu behalten scheint. Der Eurotunnel ist ein privatwirtschaftlich zu realisierendes Bauprojekt. Verantwortlich hierfür zeichnet die britisch-französische Gesellschaft Eurotunnel. Bauunternehmer ist die Gruppe Transmanche Link( TML), ein Gemeinschaftsunternehmen von zehn Baufirmen aus Großbritannien und Frankreich. Beide Seiten haben insgesamt 13000 Arbeiter im Einsatz. Das 1987 begonnene Projekt besteht aus zwei eingleisigen Eisenbahntunneln mit einem weiteren Versorgungstunnel zwischen Folkestone und Calais. Die reine Tunnelstrecke beträgt 49,4 Kilometer, von der 38 Kilometer durchschnittlich in 40 m Tiefe unter dem Wasser des Ärmelkanals verlaufen. Nach dem jetzigen Durchstich im Servicetunnel wird mit dem Durchbruch der beiden anderen Tunnel im Sommer kommenden Jahres gerechnet. Mitte 1993 soll das Jahrhundertbauwerk in Betrieb gehen. Die unter dem Ärmelkanal eingesetzten Bohrmaschinen werden mit der Laser- und Computertechnologie und durch Zuhilfenahme von Satellitenmessungen gesteuert. Bisher sind neun Beschäftigte bei den Bauarbeiten ums Leben gekommen, sieben auf britischer und zwei auf französischer Seite. Nach dem Durchbruch des Eurotunnels gibt es in Großbritannien nicht nur begeisterte Zustimmung. Vor allem Umweltschützer sehen in dem Bauwerk die Gefahr eines sprunghaft anwachsenden Verkehrs. Eine 8000 Jahre währende Isolierung des britischen Inselstaates ist beendet. Die Reaktion der Politiker und Bevölkerung auf dieses Jahrhundertprojekt in Großbritannien bleibt indes weitgehend kritisch beziehungsweise zurückhaltend. Als typisches Beispiel dafür darf vielleicht die Tatsache gelten, daß von den rund 560000 kleineren Aktionären von Eurotunnel 430000 in Frankreich zu Hause sind. Die unausweichliche und unaufhaltsame Annäherung Großbritanniens an Europa, symbolisiert durch den Wegfall einer der wirkungsvollsten physischen und psychologischen Barrieren, trifft im Vereinigten Königreich also nach wie vor auf großen Widerstand und erzeugt ungeheure Ängste. Die Äußerung dieser Gefühle zeigt sich unter anderem in den verbissenen Kämpfen um die finanzielle und politische Autonomie von Großbritannien, die letztendlich auch den Sturz Margaret Thatchers ausgelöst hat. Abgesehen von emotionalen Ausbrüchen, die von Vorurteilen und der Antipathie eines kleinen Teils der Bevölkerung gegen die Franzosen bestimmt sind und in der Regenbogenpresse in den letzten Wochen regen Ausdruck fanden, gibt es auch viele ernstzunehmende Kritiken, die sich vor allem mit den ungeheuren Kosten des Eurotunnels, der drohenden Belastung der Umwelt beziehungsweise der Zerstörung der idyllischen Landschaft in Kent und dem bisher ungelösten Problem der verkehrstechnischen Anbindung des Tunnels an den Rest des Landes auseinandersetzen. Eines der größten Probleme ist der Widerstand von Bürgerinitiativen und Umweltgruppen, der sich gegen die gefürchtete Zerstörung der landschaftlichen Schönheit Kents, des Garten Englands, durch den Bau des Terminals in Folkestone, von Autobahnen und neuer Zugstreckennetze richtet. Außerdem protestieren die Anwohner gegen die Umweltverschmutzung durch die daraus resultierende Verkehrsmehrbelastung. Nach vorsichtigen Schätzungen werden im ersten Jahr etwa 640000 Lastwagen, 172000 Reisebusse und 2,5 Millionen Pkw huckepack den Tunnel passieren. Zu Beginn des nächsten Jahrhunderts sollen etwa 44,6 Millionen Menschen und 26,8 Millionen t Fracht je Jahr die 35minütige Reise durch den Tunnel antreten. Die Einstellung der Briten und Franzosen zu den durch den Tunnel bedingten Bauprojekten und Anforderungen an die Umwelt ist deutlich unterschiedlich. In Frankreich ist der Bau des Terminals, der Zufahrtsstraße und die Ausweitung des Schienennetzes für TGV eine willkommene Investition in das wirtschaftlich unterentwickelte Gebiet der Pas de Calais Region, und man ist für die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze dankbar. Vergleichsweise betrachtet die relativ wohlhabende Bevölkerung in Kent die Störung der ländlichen Idylle durch massiv verstärkten Verkehr und den Bau des Terminals in Folkestone, der in der Größenordnung dem Londoner Flughafen Heathrow entsprechen wird, als eine unzumutbare und unerwünschte Belästigung. Ein anderes schwerwiegendes Argument ist die bislang immer noch offene Frage der Weiterbeförderung der Passagiere ab Folkestone. Es gibt zur Zeit keinen definitiven Plan für den Bau einer Hochgeschwindigkeitszugverbindung, die mit dem französischen TGV System vergleichbar wäre. Eines der Konzepte für eine solche geplante Zugverbindung zwischen London und dem Channel Tunnel ist ebenfalls am Widerstand der Umweltschützer gescheitert. Während das französische TGV Zugnetz bis Anfang des nächsten Jahrhunderts auf 19000 km erweitert werden und den Tunnel mit Paris, Brüssel, Amsterdam, Frankfurt und Köln verbinden soll, werden die Passagiere bei ihrer Ankunft in England möglicherweise von einem Schnell- auf einen Bummelzug umsteigen müssen. Auch die Frage eines kapazitätsgerechten Umsteigebahnhofs in London ist im Moment noch ungeklärt. Es bestehen zwar Pläne, den Waterloo-Bahnhof in London zu vergrößern und als Anlaufbahnhof für internationale Zugverbindungen zu benutzen, aber es gibt ernstzunehmende Bedenken, ob eine solche nachträgliche Umrüstung wirklich den Ansprüchen gerecht werden kann. Die Verfechter des Tunnels in Großbritannien sind hauptsächlich Geschäftsleute und Vertreter der Industrie, die erkannt haben, daß sie langfristig nur konkurrenzfähig sind, wenn sie sich vermehrt nach Europa orientieren. Die Geschäftsführungen von Firmen in Mittel- und Nordengland sind daher verständlicherweise besorgt, daß eine unvollständige und zu späte Anbindung an den Tunnel, also an den Kontinent ihre Marktchancen im neuen Europa eher noch schwieriger machen. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Frage der Sicherheit im Tunnel, auf den Straßen und Zugverbindungen. Hier schneiden die Briten bisher auch schlechter ab als die Franzosen. Von den insgesamt neun tödlich verlaufenen Unfällen im Zusammenhang des Tunnelbaus ereigneten sich sieben auf britischer Seite. Ein veraltetes und überlastetes Streckennetz und halbherzige Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen wären schon aus diesem Grunde nicht zu empfehlen. Als ein bisher relativ unbekanntes und recht ungewöhnliches Phänomen ist der Einfluß des Tunnels auf die Sprachentwicklung zu werten. Der Tunnel soll sorgfältig überwacht werden, und das nicht nur, um die Einfuhr der seit 1902 in Großbritannen unbekannten Tollwut weiterhin zu vermeiden. Französische und britische Polizeieinheiten wollen den Tunnel streng überwachen, um Drogenhandel, illegale Einwanderungen und terroristische Aktivitäten weitgehend zu verhindern. Die gemeinsamen Bewachungsmaßnahmen erfordern neue Kommunikationsmethoden. Der britische Linguist Edward Wolfson, der unter anderem auch einen Teil des internationalen Vokabulars für Fluglotsen festgelegt hat, entwickelt zur Zeit unter Mithilfe von Kollegen und Polizisten beider Nationen eine sogenannte Polizeisprache. Ziel dieses bisher mit mehr als 100000 DM geförderten Projektes ist die Erstellung eines Wörterbuches zum Zwecke der Festlegung von allgemein verständlichen Fachausdrücken( zur Zeit etwa 50000 Begriffe), damit die Arbeit der Polizei reibungslos und ohne Verständnisschwierigkeiten vonstatten gehen wird. Die Schaffung einer Landverbindung zwischen Frankreich und Großbritannien setzt ein unübersehbares Zeichen. Prof. Doktor-Ingenieur Günter Girnau, Vorstandsvorsitzender der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen( STUVA), sieht in dem Bau des Ärmelkanaltunnels den Trend zu ähnlichen Aktivitäten, die speziall dem Schienenverkehr zugute kommen werden. VDI-Nachrichten: Herr Prof. Girnau, mit dem Durchbruch des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal erlebt das unterirdische Bauen in Europa wohl den bedeutendsten Tag in der gesamten Nachkriegsgeschichte dieses Jahrhunderts. Fühlen Sie sich mit diesem Ereignis bestätigt, als Sie Ende der 50er Jahre dem Bauen unter der Erde eine große Zukunft vorausgesagt haben, und 1960 die STUVA gegründet wurde? Girnau: Die innerstädtischen Verkehrsprobleme wurden in ihrer bevorstehenden Zuspitzung recht früh erkannt- immerhin schon Ende der 50er Jahre-, und ihre Lösungen wurden bereits damals vorwiegend im Tunnelbau gesehen. Weiterhin sah man die Entsorgungsproblematik voraus, die in einem gewaltigen Volumen an Erneuerungsarbeiten zum Beispiel für Abwasserkanäle mündet. Eine Aufgabe, die in ihrem größten Ausmaß erst noch vor uns liegt. Man wollte mit der STUVA eine Gesellschaft gründen, die sich dieser Probleme praktisch-wissenschaftlich annehmen sollte. VDI-Nachrichten: Und wie sieht die STUVA den Fernverkehr? Girnau: Hier reichen die Pläne der Ingenieure zur Unterquerung von Gebirgen und Meeresengen zum Teil über 100 Jahre zurück. Große Eisenbahntunnel in den Alpen wurden schon im vorigen Jahrhundert realisiert. Insgesamt ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund zu sehen, daß zu leistungsfähigen Verkehrswegen unabdingbar Tunnel gehören- dort, wo sie erforderlich und gerechtfertigt sind: In dicht bebauten Ballungsgebieten zur Entzerrung der Verkehrsströme und aus Gesichtspunkten des Umweltschutzes sowie zur Überwindung geografischer Hindernisse wie Gebirgen und Gewässern. VDI-Nachrichten: Könnte der Eurotunnel eine direkte Signalwirkung auf Bauvorhaben ähnlichen Charakters ausüben, die derzeit noch in der Schublade liegen? Girnau: Andere Großprojekte wie der bereits im Bau befindliche Belt-Tunnel, die Alpentransversalen oder die Querung der Straße von Gibraltar- wobei hier zur Zeit noch die Brückenlösung mit der Tunnelvariante konkurriert- erhalten unzweifelhaft Auftrieb durch die Fertigstellung des Kanaltunnels. Wir werden die nächste STUVA-Tagung, die vom 25. Bis 28. November 1991 in Düsseldorf stattfindet, unter das Motto Tunnelbau- Neue Chancen aus europäischen Impulsen stellen. Wir hoffen, Beiträge präsentieren zu können, die Ihre Frage im Detail beantworten. VDI-Nachrichten: Ein wichtiger verkehrspolitischer Aspekt des Eurotunnels liegt ja auch in dem Entschluß, die Landverbindung zwischen Frankreich und Großbritannien der Schiene, genauer gesagt dem Hochgeschwindigkeitsverkehr anheim zu stellen. War diese Entscheidung richtig? Girnau: Das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz ist einerseits unumgänglich notwendig, wenn wir an die schon bestehenden Probleme im Luftraum und auf den Straßen denken. Es ist andererseits bereits zum Teil Realität. Denken Sie zum Beispiel an das TGV-Netz in Frankreich, an die ab 1991 in Betrieb gehenden ICE-Strecken in Deutschland, an die Neubaustrecken in Richtung Eurotunnel sowie an den Beschluß der Spanier über die Einführung der Normalspur für Hochgeschwindigkeitsstrecken. VDI-Nachrichten: Wie reagieren denn die Planer der Deutschen Bundesbahn auf den Eurotunnel? Girnau: Die bereits in der Planung befindliche Magistrale Paris/ London- Brüssel- Köln- Frankfurt ist mit ein Resultat des Tunnelbaus unter dem Ärmelkanal. VDI-Nachrichten: Der Eurotunnel wird ja privat finanziert. Könnte sich hieraus ein Modellcharakter für Jahrhundertprojekte ähnlichen Ausmaßes entwickeln? Girnau: Die private Finanzierung von Verkehrsprojekten hat in der Tat in jüngster Zeit hohe Aktualität erlangt, die diesen Gedanken weiter fördern wird. Girnau: Private Finanzierungs- oder zumindest Teilfinanzierungsmöglichkeiten sehe ich zum Beispiel bei einigen Alpentransversalen, deren reine Tunnellänge jeweils etwa 50 Kilometer umfaßt. Es kommt dabei natürlich für die privaten Investoren auf die mögliche Rentabilität an. Dabei spielt der Güterverkehr eine sehr wichtige Rolle. Denken Sie etwa an den Brenner-Basis-Tunnel. Das Dilemma auf der derzeitigen Brenner-Autobahn ist offensichtlich; eine Lösung ist dringend notwendig; so gesehen müßte sofort begonnen werden. VDI-Nachrichten: Könnten sich interessierte Kreise nicht die Kosten teilen? Girnau: Wegen der Bedeutung des Tunnels für den Umweltschutz, die Raum- und Energienutzung, die Sicherheit sowie die Entlastung der Straßen und Autobahnen könnte tatsächlich ein Teil aus nationalen oder EG-Mitteln finanziert werden; der andere Teil würde privat finanziert, soweit er eine Rentabilität verspricht. Ich will damit nichts erfinden, aber andeuten, daß wohl eine gemischte Finanzierungsform der beste Weg wäre. Im Gegensatz zu den Briten sehen die Franzosen dem Tunnelbau unter dem Ärmelkanal gelassen zu. Protestierende Umweltschützer, wie es sie in Südengland gibt, traten in Frankreich bisher nicht auf den Plan. Eher genießt man den Glanz der Faszination, der von diesem Jahrhundertbauwerk ausgeht. Frankreichs Hang zur feinen Küche brach sich selbst beim Eurotunnel Bahn. Der erste Sondierungs-Durchstoß im Gestein unter dem Ärmelkanal wurde von britischen wie französischen Bauarbeiten mit kulinarischen Anzüglichkeiten kommentiert: So groß wie ein Crottin de Chavignol, ein kleiner Ziegenkäse von eben 6 cm Durchmesser, sei das von britischer Seite aus vorgetriebene erste Bohrloch gewesen, urteilten die Franzosen. Und ihre britischen Kollegen verkündeten lauthals, zum Ende ihres Inseldaseins einen ersten kontinentalen Hauch von Knoblauch durch die winzige Öffnung erschnuppert zu haben. Die französischen Zeitungen berichteten Anfang November ganze Titelseiten lang über den vom gastronomischen Geplänkel begleiteten Durchbruch, Fernsehsender schickten Schutzhelm-bewehrte Reporter zur Live-Berichterstattung in den Tunnel. John Major war kaum zum neuen Premierminister bestimmt worden, als die Pariser Abendnachrichten es zu einer seiner dringlichsten Aufgabe deklarierten, vielleicht gar beim ersten Händedruck zwischen französischen und britischen Bauarbeitern präsent zu sein. Soviel aber auch öffentlich gefeiert wird, für Frankreich hat der Durchbruch einfach eine ganz andere, sprich: sehr viel geringere, Bedeutung als für den Inselstaat. Ein psychologischer Schock wird wohl den Briten zugestanden, deren splendid Isolation nunmehr buchstäblich unterwandert werden kann, für die Franzosen ist der Tunnel eher eine europäisch ausgerichtete Verlängerung des TGV-Netzes. Viel wichtiger als der weiterführende Anschluß an Großbritannien war in der öffentlichen Debatte die Trassenführung durch den Norden des Landes, der zu den wirtschaftlich von der Krise in der Stahlindustrie und Schiffbau des vergangenen Jahrzehnts am stärksten betroffenen Regionen gehört. Britische Besorgnisse über die Massenwanderungen kontinentaler Besucher werden von verständnisvollen Spöttern in Paris mit dem Hinweis bedacht, daß die französischen Eroberer bei ihrer ersten Invasion vor gut 900 Jahren noch mit primitiven Booten nach England kamen, aus Sicht der Insulaner aber diesmal mit Hochgeschwindigkeitszügen anrücken. Groß angelegte und oft phantasievolle Bauprojekte sind in Frankreich sehr beliebt und bewundert. Man schätzt moderne Architektur und technische Errungenschaften, die bislang wie beispielsweise Kernkraftwerke oder auch das oft mitten durch die Weinberge führende TGV-Netz widerstandslos akzeptiert wurden. Hinzu kommt, daß gerade der Transportbereich eine Spezialität der französischen Industrie ist: Metro, TGV, Airbus, Concorde sind nur einige weltweit bekannte Stichworte. Hinzu kommt aber auch ein politischer Aspekt, der sich für die Franzosen anders darstellt als für die Briten: Frankreich genießt seine Rolle als Land in der Mitte Europas. Im Norden, Osten und Süden ist es umgeben von den wirtschaftlich stärksten EG-Mitgliedern. Eine der größten Befürchtungen nach dem Sturz der Berliner Mauer war für Paris, daß Deutschland seinen westlichen Nachbarn mehr oder weniger fallen lasse und mit seinen östlichen Anrainern anbendeln könnte. Die Furcht vor Mitteleuropa ging um, dessen Kern ein großer deutscher Einflußbereich wäre. Insofern ist die Anbindung an Großbritannien auch eine aus französischer Sicht begrüßenswerte symbolische Kräftigung des europäischen Gedankens. Für die Briten hingegen bedeutet der Anschluß ans Festland den Verlust einer Jahrhunderte aufrechterhaltenen politischen Orientierung. Von Mitte 1993 an werden also jährlich rund 30 Millionen Menschen den Briten auf die Pelle rücken oder von Großbritannien aus nach Frankreich reisen. Die Unterquerung des Kanals dauert ganze 35 Minuten, Züge fahren je nach Tageszeit im 20-Minuten-Rhythmus oder 1-Stunden-Takt: Eingefleischte Inselbewohner erwarten es mit Grausen. Bei einer Umfrage äußerten sich kürzlich 54 Prozent der befragten Briten negativ zum Eurotunnel, die meisten aus Angst vor der Invasion von Reisenden. Die negative Einstellung der vergleichbaren 47 Prozent Franzosen hingegen bezieht sich auf technische Details; sie fürchten, im Tunnel zu ersticken. Psychologische Tricks bei der Gestaltung des technischen Materials sollen solchen Besorgnissen entgegenwirken. Außen weiß und blau gestrichen, sollen die 750 m langen Züge von einer gelbnasigen Lok gezogen werden: Das Gelb der Sonne werde positive Assoziationen für die nebelgewöhnten Briten haben, kalkuliert man bei der für's Design zuständigen französischen Agentur ADSA. Um dann allerdings noch einzuräumen, daß Gelb Vorschrift der britischen Sicherheitsbestimmungen ist. Von größter Konsequenz waren die Besorgnisse für die Gestaltung des Innenraums der Züge. Nach Klimatisierung, Druckausgleich und vollständiger Isolierung von der Außenwelt blieb immer noch das Problem der Beleuchtung. Gerade dabei wurde in die Trickkiste gegriffen, um der Klaustrophobie der Reisenden entgegenzuwirken. So sollen die Züge nicht nur durch die üblichen Deckenlampen erhellt werden, sondern auch von oberhalb der Fenster versteckten Röhrenleuchten, deren Licht von draußen zu kommen scheint und den Eindruck von Tageslicht erweckt. Um Unterschiede in der Lichtempfindung auszugleichen, bleiben diese Leuchten auch bei der Fahrt über Land in Betrieb. Dem Komfort und vor allem der Entspannung der Passagiere sollen aber auch die ergonomisch günstige Raumverteilung innerhalb der Waggons und vor allem ihre Ausstattung mit Textilien in ruhigen Tönen dienen. Scheinbar an die Reise-Softies gerichtete Details dieser Art haben in Realität knallharte finanzielle Hintergründe. Der Zug-Betrieb ist knapp kalkuliert, wie sich erst kürzlich anläßlich der Einweihung des TGV Paris-Atlantikküste wieder zeigte. Die auf dieser Strecke eingesetzten Züge sind im Prinzip Vorläufer für das rollende Material für die Verbindung Paris-London. Bei ihrer Inbetriebnahme wurde beispielsweise vorgerechnet, daß beim TGV Atlantique ein ganzer zusätzlicher Zug zum Stückpreis von fast 30 Millionen DM eingesetzt werden muß, um den Ausgleich für die Bequemlichkeit der Reisenden zu bringen: Die Einsparung von einigen Sitzen je Wagen schlug sich deutlich negativ auf die Platzkapazität nieder. Mit dem Traum von denkenden, redenden Rechnern begann in den 50er Jahren in den USA die Forschung in Sachen Künstliche Intelligenz( KI). Heute sind- zumindest die deutschen- Wissenschaftler vorsichtiger geworden. Sie sprechen nur noch von der Simulation kognitiver menschlicher Fähigkeiten auf dem Computer. Doch auch dieser reduzierte Anspruch wirft die Frage auf: Was ist menschliche Intelligenz? Wo steht der Tisch? Unter dem Apfelsaft. Wie bitte? So können nur Maschinen reden. Diese sprachlich korrekte, aber völlig sinnlose Antwort beweist: Auch wenn Wissenschaftler heutzutage in der Lage sind, sogenannte intelligente Systeme zu entwickeln, die den Menschen gleichen, sie imitieren oder auch nur simulieren, so haben diese doch ihre Grenzen. Und die liegen genau da, wo das Wissen über die Menschen und ihre Intelligenz aufhört. Anders gesagt: Erst die Unfähigkeit intelligenter Systeme zeigt, wie vielschichtig menschliche Intelligenz tatsächlich ist. Das Scheitern der Computer macht nicht nur die Grenzen des Wissens sichtbar. Diesen Mangel zu beheben, wäre möglicherweise nur eine Frage der Zeit. Viel entscheidender ist: Das Scheitern der Computer stellt eine jahrhundertalte Tradition in Frage: die des abendländischen, Denkens im dualen System, das Körper und Geist streng voneinander trennt. Haben wir den Schritt erst vollzogen, dann können wir gleich den ganz großen Sprung wagen. Charles Darwin möge uns verzeihen- aber es geht um nichts Geringeres als die Evolution. Sie könnte durch intelligente Systeme, Computer mithin, beflügelt werden. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse einer interdisziplinären Diskussion von Wissenschaftlern im VDI-Ausschuß Künstliche Intelligenz. Wer hätte es gedacht? Plädieren die deutschen Wissenschaftler also doch für den Homunculus, jene Schattengestalt des menschlichen Forschungsdrangs, die durch die KI neue Nahrung erhielt? Hoffen sie insgeheim auf eine starke KI? Und das, wo sie öffentlich nicht müde werden zu beteuern, mitnichten wollten sie eine solche KI nach US-Vorbild. Stattdessen strebe man hier die sogenannte schwache KI an, die nur einzelne menschliche Fähigkeiten simuliere. Was so widersprüchlich erscheint, hat seine Ursache im mangelnden philosophischen Konzepten einerseits und dem Gestaltungsdrang der Forscher andererseits. Einig sind sich die Wissenschaftler, daß weder Natur- noch Gesellschaftswissenschaften noch gar die Philosophie sagen könne, was der Mensch denn nun eigentlich ist. Und auch darüber besteht Konsens: Die KI ist- trotz ihres Anspruchs, die Menschen zu imitieren- ohne ein Konzept vom Menschen angetreten. Hätte die KI auch so funktioniert, wie man es in den 50er Jahren glaubte, hätte sich nie jemand darüber Gedanken machen müssen, welches anthropologische Vorbild denn nun eigentlich hinter dem neuen Forschungszweig steht. Doch gerade das Scheitern der Systeme brachte es klar an den Tag: Das Menschenbild, das implizit in der KI vorhanden ist, ist zunächst einmal von der rationalistischen Tradition geprägt. Sie setzt den Dualismus eines Descartes voraus. Danach, so die Essener Philosophin Barbara Becker, ist die Basis für den Wissensbegriff die Annahme, daß das Denken vom Körperlichen völlig unabhängig ist und auch als solches beschrieben werden kann. Bewußtsein ist dann ein rein mentaler Vorgang, der von sinnlichen Erfahrungen oder gar Gefühlen völlig unbeeinflußt bleibt. Denken ist nichts anderes als das Manipulieren von Symbolen- und das kann eine Maschine mindestens ebenso gut wie ein Mensch, wenn nicht sogar schneller, perfekter, präziser. Nichts anderes hat eben jener Computer getan, der da behauptete, der Tisch stehe unter dem Apfelsaft. Er hat sowohl die räumlichen Relationen, die im Rechner modelliert waren, wie auch die syntaktischen Regeln, mit denen er gefüttert word war, fehlerfrei angewandt. An diesem Un-Sinn wird die große Falle der KI sichtbar: Sie geht von einem mechanistischen Weltbild aus. Das bedeutet: Alles- ob Informationsverarbeitung oder menschliche Intelligenz- verläuft nach klar definiern mathematischen Regeln. Stimmen die Eingaben, dann können die Ergebnisse auch nicht falsch sein. Demnach wäre auch der Mensch eine Maschine? Eine Frage, die Prof. Rolf Eckmiller ohne Zögern mit ja beantwortet. Nur, so schränkt der Ingenieur und Biokybernetiker seine kühne Behauptung gleich wieder ein, wir sind noch weit entfernt davon, die Prozesse, die im zentralen Nervensystem und im Gehirn ablaufen, zu beschreiben. Aber daß sie nach den Gesetzen der Physik erfolgen, da ist sich Eckmiller sicher. Eine einfache Erklärung für ein hochkompliziertes Konstrukt- wer möchte diesen Gedanken nicht gerne stehen lassen? Wie wohltuend erscheint doch eine solche These, zumal, wenn sie in den Kontext einer Theorie der Schöpfung integriert wird, wie es der Düsseldorfer Professor fordert. Damit ist dem Bild von der Menschen-Maschine allerlei Schrecken genommen; denn die Menschen, insbesondere Wissenschaftler, sind auf den ihnen gebührenden Platz der kleinen Würmchen verwiesen. Von einer möglicherweise bedrohlichen Entwicklung der Technik, von einer überheblichen menschlichen Intelligenz, die den Anspruch vertritt, die Evolution zu beflügeln, kann dann keine Rede mehr sein. Und von dem Konzert, das den Menschen ausmacht, auch nicht. Doch gerade das ist das wesentliche Element der Intelligenz, hat Prof. Ipke Wachsmuth erkannt. Mit der Metapher des Konzertes beschreibt der Bielefelder Informatiker und KI-Experte das simultane Erleben verschiedener Sinneseindrükke, das Verarbeiten von Gefühlen, das Zusammenspiel von Körper und Geist. Das spiegelt sich nicht zuletzt in der Vielschichtigkeit der Sprache. Wenn es überhaupt eine Lehre aus der bisherigen KI-Forschung zu ziehen gibt, dann diese: Die Definition von Intelligenz kann sich nicht an einer Homo-Faber-Vision orientieren. Dem Menschen allein zielorientiertes Handeln und Produktivität zu unterstellen, reicht nicht aus. Diese Eigenschaften können auch, so Prof. Armin Cremers, den sogenannten intelligenten Systemen der Technik zugewiesen werden. Und gerade durch diesen verkürzten Intelligenzbegriff, so macht der Bonner Informatiker klar, entstehen auch die Ängste der Menschen vor dem Schreckgespenst der KI. Deshalb müsse ein Menschenbild entwikkelt werden, in dem der menschlichen Kreativität, der Sprache und der Verantwortung eine entscheidende Rolle eingeräumt wird. Cremers: Wir müssen uns als Menschen begreifen, die eine Wissenschaft wie die KI betreiben. Mit anderen Worten: Die Definition des Menschen kann nicht bei einer vollständigen Beschreibung der physikalischen Gesetze, so sie denn eines Tages möglich ist, stehenbleiben. Für Jürgen Seetzen, Ingenieur und Informationswissenschaftler, heißt das, die Bedeutung der Sprache zu erkennen. Sie ist Basis für das Denken, für das Bewußtsein vom Ich und von der Gemeinschaft. Durch sie erleben wir uns als Handelnde und entwickeln Verantwortung. Keine Frage, hier pocht einer auf der homo-sapiens-Version. Und was ist nun mit der Menschen-Maschine? Der Mensch ist eben doch ein Rätsel. Mit dem Test des Mathematikers Alan Turing fing es in den 30er Jahren an. Dabei kommuniziert eine Testperson mit zwei unsichtbaren Gesprächspartnern, von denen eine eine Maschine ist. Bemerkt der Proband nicht, daß er mit einem Computer spricht, hat die Maschine den Test gewonnen. Die Idee der Artificial Intelligence, zu deutsch Künstliche Intelligenz, war geboren. Diesen Namen allerdings erhielt der junge Forschungszweig erst in den 50er Jahren. Der Optimismus amerikanischer Wissenschaftler, menschliche Intelligenz mithilfe von Computern zu imitieren, wenn nicht gar ersetzen zu können, hielt sich zwei Jahrzehnte. Gefördert er wurde nicht zuletzt mit Geldern aus dem Washingtoner Militärhaushalt. Erst Mitte der 70er Jahre kamen auch die harten KI-Forscher zu der Erkenntnis, daß der Traum vom denkenden Rechner eine Vision bleiben wird. Deshalb beschränken sich deutsche Forscher auf den Anspruch kognitive Fähigkeiten des Menschen auf dem Computer zu simulieren. Offen ist immer noch die Frage, wie denn nun die menschliche Intelligenz und damit die Informationsverarbeitung funktioniert. Licht in dieses Dunkel will auch der VDI-Ausschuß Künstliche Intelligenz bringen. In diesem Gremium haben sich namhafte Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammengefunden. Ihre Arbeit wird Bundesforschungsministerium unterstützt. Für die westdeutsche Wirtschaft werden für das kommende Jahr ebenso deutliche Impulse aus den fünf neuen Bundesländern erwartet wie für die europäische Konjunktur. Das ist das Ergebnis eines Konjunkturtests des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, München, auf dem Gebiet der Ex-DDR sowie einer weltweiten Konjunkturanalyse von fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten. Zum zweiten Mal hat jetzt das Ifo-Institut in Zusammenarbeit mit dem IAW in Berlin einen Konjunkturtest bei 564 Betrieben in den neuen Bundesländern vorgenommen und ist dabei in den Unternehmen auf eine fast durchweg positivere Einschätzung gestoßen. So registrierten die Wirtschaftsforscher einen vorsichtigen Optimismus bei den Produktionserwartungen( plus 2 Prozent) für die nächsten drei Monate sowie für die Geschäftserwartungen für das nächste halbe Jahr( plus 6 Prozent). Ihre positiven Erwartungen begründen die Unternehmen mit dem Anziehen der Nachfrage, wenngleich die Auftragsbestände zur Zeit noch zu klein angesehen werden. Dieser Auffassung sind 76 Prozent der Betriebe beim Inlandsgeschäft und 43 Prozent beim Auslandsgeschäft. Nach wie vor stehen die Unternehmen vor dem Problem, daß ihre Produkte weder preislich noch qualitativ wettbewerbsfähig sind. Dieser Auffassung sind immerhin noch drei Viertel der befragten Industriebetriebe. Hatte beim ersten Konjunkturtest in der Ex-DDR( Juli 1990) noch jedes zweite Unternehmen über Liquiditätsengpässe geklagt, geben nun nur noch 30 Prozent derartige Produktionsbehinderungen an. Durchaus positiv sehen vor allem auch die Baubetriebe in die Zukunft, zumal in diesem Bereich erste Anzeichen einer Nachfragebelebung sichtbar werden, obwohl zur Zeit noch sowohl Auftragsbestand wie auch Produktion weiterhin rückläufig sind. Für die nächsten Monate glaubt lediglich ein Drittel der Betriebe an keine deutliche Besserung dieser aktuellen Situation- beim ersten Konjunkturtest des Ifo-Instituts hatte noch jedes zweite Unternehmen der Baubranche für die Zukunft schwarz gesehen. Daß das Baugewerbe nun positiver gestimmt ist, wird auch auf die finanzielle Entkrampfung zurückgeführt: Noch im Juli hatten 87 Prozent der befragten Bauunternehmen über Finanzierungsengpässe geklagt, heute sind es noch 59 Prozent. Nach Auffassung der Wirtschaftswissenschaftler wird sich die Talfahrt der Wirtschaft in Ostdeutschland als Folge des strukturellen Anpassungsprozesses noch bis weit in das kommende Jahr fortsetzen, während in Westdeutschland die kräftige Aufwärtsentwicklung von Produktion und Nachfrage auch 1991 Bestand haben wird. Und die wird deutlich durch die Mehrnachfrage aus Ostdeutschland angefacht. Damit steht die westdeutsche Wirtschaft als relativ einsamer Pfeiler im Umfeld einer sich abschwächenden Weltkonjunktur. Vor allem die Golfkrise und die damit verbundene Preissteigerung des Erdöls forciert die Abflachung, die für die westdeutschen Unternehmen wesentlich fühlbarer ausfallen würde, wäre die Nachfrage aus den fünf neuen Bundesländern nicht da. Unterstützt wird diese These auch von der Deutschen Bundesbank, die von einer starken ostdeutschen Nachfrage nach westdeutschen Produkten berichtet. Probleme um die Haushaltsfinanzierung haben neben der Ölpreisproblematik die wirtschaftlichen Antriebskräfte in den USA weitgehend erlahmen lassen. In der Gesamtheit Westeuropas haben sich Nachfrage und Produktion insgesamt verlangsamt, allein in Japan setzt sich der Aufschwung zügig fort, fassen die Institute ihre weltweite Konjunkturanalyse zusammen. Für Japan sagen sie für das kommende Jahr allerdings eine durch hohe Zinsen bedingte zurückgehende Investitionsbereitschaft voraus. Deutliche Differenzierungen gibt es in Europa, wo Abflachung( wie in Frankreich und Italien) und Aufschwung( wie in Deutschland) parallel verlaufen. Aufgrund der allgemein hohen Staatsverschuldungen erwarten die Wissenschaftler seitens der Finanzpolitik der westeuropäischen Regierungen keine nennenswerten Impulse. Bedingt durch hohe Zinsen sowie weniger günstige Ertragsaussichten- als Folge der Ölpreissteigerungen, die nicht in voller Höhe durch die günstigen Wechselkurse gegenüber dem Dollar ausgeglichen werden- kalkulieren die Institute mit einer geringeren Ausweitung der Unternehmensinvestitionen als bisher. Gemeinsam sind in den Industrieländern zudem nach der Analyse eine weiterhin hohe Auslastung der Kapazitäten sowie- mit Ausnahme der USA- eine merkliche Zunahme der Beschäftigung, wobei die Reallöhne allerdings schwächer steigen werden und die Konsumeignung durch die hohen Zinsen bedingt gedämpft werden wird. Belastend für alle Volkswirtschaften wirkt sich allerdings die Golfkrise und die Verteuerung des Öls aus. Zunächst noch zögernd, dann mit zunehmender Vehemenz begann die in Oxford ausgebildete Chemikerin und Juristin Margaret Hilda Thatcher ihr Land umzukrempeln- zunächst wurden den Gewerkschaften die Flügel gestutzt. Zur großen Auseinandersetzung kam es 1984/ 85, als die Eiserne Lady auf den inzwischen umstrittenen Bergarbeiterführer Arthur Scargill traf. Ein von Frau Thatcher eingesetzter, umstrittener Manager, Ian McGregor aus den USA, machte sich daran, den britischen Kohlebergbau zu rationalisieren und Zechen zu schließen. In teilweise brutalen Kämpfen mit der National Union of Mineworkers( NUM) setzten sich Regierung und Zechen-Management schließlich durch, und das Ende der jahrelangen Auseinandersetzungen läutete dann den Ausklang der traditionellen Gewerkschaftszaren in Großbritannien ein. Nachdem die wichtigsten Feinde aus dem Weg geräumt waren, kam Frau Thatcher erst richtig zur konservativen Sache: ein Gesetz wurde verabschiedet, nachdem die Bewohner der landesweit üblichen, gemeindeeigenen Council Houses das Recht erhielten, ihre Häuser und Wohnungen zum Vorzugspreis zu erwerben, wohl aus der zutreffenden Überlegung, daß der, der etwas zu verlieren hat, politisch gefügiger ist. Gleichzeitig kam das Privatisierungsprogramm der Regierung in schwung: ein strahlender Erfolg war British Telecom. Aus dem Verbund mit der britischen Post herausgelöst, schuf die Privatisierung des Telekommunikationsbereiches einen neuen Wachstumsmarkt. Unklar ist derzeit, wie sich auf der Insel die Zinsen entwickeln werden. Beraten von dogmatischen Finanzexperten wie dem US-Monetaristen Alan Walters, erlebte die Chefin mit ihrem reinen Monetarismus ernsten Schiffbruch. Zinsen galten ihr als das allein seligmachende Mittel zur Kontrolle der Wirtschaft und diese Fehleinschätzung geriet ihr zur Katastrophe. Einerseits versperrte ihr der Monetarismus den rechtzeitigen Zugang zum Europäischen Währungssystem, weil sie dadurch ihre souveränen Rechte an der Währungspolitik gefährdet sah, und andererseits vergraulte sie sich durch die extrem hohen Zinsen von bis zu 17,5 Prozent auf erste Hypotheken ihre Stammwählerschaft- gerade die Leute, die dank Maggie vor ein paar Jahren ihr Häuschen billig erworben hatten, konnten nun die Zinsen nicht mehr aufbringen. Auch die Inflation, von Frau Thatcher schon immer als Staatsfeind Nummer eins gebrandmarkt und einst bis auf 6 Prozent gebannt, kam wieder in Schwung, erreichte im Sommer 1990 mit 10,9 Prozent das Niveau zur Zeit ihrer Amtsübernahme, und wieder traf es die Wähler am unteren Ende der Mittelstandsskala am härtesten. Parallel dazu verlegte sie das Schwergewicht ihrer Wirtschaftspolitik auf den Dritten Sektor und vernachlässigte die herstellende Industrie- Arbeitsplätze und internationale Handelspositionen gingen auf breiter Ebene verloren. Bilanz nach elfeinhalb Jahren Amtszeit: nach begeisternden und unbestreitbaren Erfolgen in den ersten sechs Jahren, durch missionarischen Eifer verursachte Rückschläge und ein bis dahin ungekannter Verschleiß an Kabinettsmitgliedern. Internationale Peinlichkeiten wie die Ridley-Affäre, aber auch bleibende, respektierte Veränderungen der Gesellschaft- selbst wenn bei den nächsten Wahlen eine Labour-Regierung gewinnen sollte, wird diese viele der Neuerungen nicht rückgängig machen wollen, die Frau Thatcher mit viel Mühe durchgesetzt hat und die inzwischen in den sozialen Besitzstand übergegangen sind. Die viel diskutierte Kopfsteuer( Poll Tax), die heute mitunter als Hauptgrund für den Abstieg der Premierministerin angesehen wird, dürfte in diesem Zusammenhang wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen- sie war nicht mehr als der berühmte letzte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Bei niedrigen Zinsen und einer geringen Inflation wäre die Poll Tax mit einigen kosmetischen Änderungen nicht zum Problem verkommen. Letztlich dürfte sich die Lösung in Richtung einer lokalen Einkommensteuer und einer Service-Gebühr bewegen. Trotz aller Revolutionen gelang es der eisernen Lady auch nicht, alle ihre Wahlversprechungen zu realisieren- Das Bildungswesen liegt nach wie vor im Argen, mit miserablen Aussichten für die unteren Bevölkerungsschichten und riesigen Lücken in der Allgemeinbildung selbst bei Abiturienten. Wenig Erfolg hatte auch ihre Reform des Gesundheitswesens. Unter dem Protestgeschrei der Ärzte wurde das Honorarsystem geändert und für den durchschnittlichen, berufstätigen Erwachsenen sind die Rezeptgebühren mittlerweile so hoch, daß es mitunter lohnt, Medikamente ohne Rezept zu kaufen; auch für Zahnbehandlung und Brillen sind, außer bei Kindern und Rentnern, saftige Zuzahlungen fällig. All dies führte zu einem enormen Wachstum im privaten Gesundheitsbereich- da ein Kombinationsangebot( staatlicher Gesundheitsdienst plus Aufwertung durch Zusatzversicherung) zwar im Gespräch, aber noch nicht möglich ist, finanziert die mittel- und Oberschicht der Bevölkerung über zusätzlich abgeschlossene private Versicherungen nach wie vor hervorragend ausgestattete private Kliniken, in denen die Wartezeiten der öffentlichen Krankenhäuser praktisch unbekannt sind. Ergebnis: die Patienten bezahlen doppelt und ein enormes Potential wird vergeudet. Die Hindernisse für eine wirkliche Korrektur in diesem Bereich haben allerdings Dimensionen wie der Falklandkrieg: träge, oft inkompetente Verwaltungen, statusbewußte Gemeinderäte und militante Gewerkschaften arbeiten Hand in Hand zum Nachteil von Patienten und Pflegepersonal. Premierminister kommen und Premierminister gehen, aber für eines werden ihr die Briten noch lange dankbar sein- nur ihrer unbeirrbaren Durchsetzungskraft ist es zu verdanken, daß der Tunnel unter dem Ärmelkanal Wirklichkeit wurde- der Durchstich erfolgte noch pünktlich zum Ende ihrer Amtszeit. Nebel im Ärmelkanal- der ganze Kontinent von Großbritannien abgeschnitten ist damit Schnee von gestern. John Major, der neue Parteivorsitzende der britischen Konservativen und gleichzeitig neuer Regierungschef in 10, Downing Street, besitzt nicht nur ökonomischen Sachverstand, sondern auch ein gutes politisches Gespür. Diese Begabung bewies er mit seiner Entscheidung, das Pfund Sterling endlich am europäischen Wechselkursmechanismus teilnehmen zu lassen. Als London Anfang Oktober überraschend den beharrlichen Widerstand gegen die Teilnahme der Landeswährung am europäischen Wechselkurssystem( EWS) aufgab, hofften viele Briten auf fallende Zinsen. Und dieses Signal war auch dringend nötig, da sich in der britischen Wirtschaft ein Stimmungstief breit machte und Millionen Eigenheimbesitzer unter der Hypothekenlast stöhnten. Dieser Unmut hatte der gegnerischen Labour-Partei viel Auftrieb gegeben. Wahltaktische Überlegungen im Hinblick auf die nächsten Unterhaus-Wahlen gelten daher als wichtiges Motiv. Dies stellen auch die Volkswirte des HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hamburg, in ihrem neuesten Wirtschaftsdienst heraus. Ob der 47jährige Major dem Land mit dem EWS-Beitritt aus ökonomischer Sicht nicht einen Bärendienst erwiesen hat, fragen sich allerdings nach wie vor die Kritiker. Sie fürchten, daß die Anpassungslasten für die Wirtschaft, die sich in einer Talfahrt befindet, sehr schädlich sind. Der festgesetzte Leitkurs von 2,95 DM für ein Pfund sei viel zu hoch und raube der Exportwirtschaft den Atem. Andere Experten bezeichnen einen Kurs von 3,10 DM bis 3,30 DM als angemessen, wenn man die Kaufkraft als Vergleichsmaß heranzieht. So würden jetzt nur Kapitalanleger angelockt, die die hohen Zinsen mitnehmen wollten. Durch diese Spekulationsgelder, die ins Land fließen, würde die Steuerung der Geldpolitik erschwert. Dies laufe jedoch dem Ziel zuwider, die Inflation von derzeit fast 11 Prozent zurückzudrängen. John Major, den Frau Thatcher erst vor gut einem Jahr aus der Ministerialstube ins Rampenlicht zog, als sie ihn zum Schatzkanzler machte, gehört wohl zu den Optimisten. Das EWS hat sich in den zehn Jahren seines Bestehens als erstaunlich robust erwiesen, auch wenn Länder beitraten, die mit hohen Inflationsraten und hohen Zinsen, wie jetzt Großbritannien, zu kämpfen hatten. Langfristig ist jedoch eine disziplinierende Wirkung zu beobachten. Die wirtschaftspolitischen Entwicklungen in den EG-Ländern konvergierten, statt zu differieren. Allerdings nur unter schmerzlichen Anpassungen und mit viel politischem guten Willen, korrigiert die Untersuchung des HWWA-Instituts die Optimisten. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kann das Institut den Vorteil der Briten aus dem Pfund-Beitritt nicht klar erkennen. Erst wenn die rein ökonomische Analyse um politische Aspekte erweitert werde, zeichne sich ein klares Nutzen-Kalkül ab. Drei wesentliche Gründe sehen die Hamburger Volkswirte, warum London den jahrelangen, erbitterten Widerstand gegen eine Teilnahme am Wechselkursmechanismus jetzt aufgab. Neben das bereits erwähnte Motiv der Wahltaktik tritt der noch wichtigere Wunsch, die britische Position innerhalb der EG und des sich neu formierenden Europa unbedingt zu stärken. Mit der Öffnung Osteuropas und der deutschen Vereinigung zeichnet sich eine Verschiebung der Machtstrukturen ab. Die EG gewinnt immer mehr an Gewicht. Die geographische Randlage Großbritanniens soll jedoch keine politische Isolation bedeuten. Schließlich halten die HWWA-Forscher auch den sinkenden Einfluß Großbritanniens in der Weltpolitik für einen wichtigen Beweggrund, mit dem EWS-Beitritt ein politisches Signal zu setzen. Die wachsende Aufmerksamkeit der Amerikaner gegenüber Frankreich und Deutschland erregt britische Eifersucht. In dieser politischen Konstellation mag sich als neuer Weg eröffnen, den Weg über Europa zu gehen, um auf Sicht dann auch weltpolitisch wieder mehr Geltung zu erlangen. Gerade der EG ist nach Angaben ihres Vizepräsidenten Martin Bangemann an einem Erfolg der Uruguay-Runde gelegen. Mit einem Welthandelsanteil von 20 Prozent wäre die EG am härtesten von einem Scheitern der Verhandlungen betroffen. Im GATT gehe es um vitale Elemente für die Industrie, so der Kommissar. Es müsse dafür gesorgt werden, daß am Ende ein klares und strenges multilaterales Regelwerk herauskomme, das auch funktioniere. Zuviel Bilateralismus sei ein Rückschritt und könne nicht im Interesse der EG sein, sagte Bangemann. Ein Offenhalten der Europäischen Währungsunion für neue Entwicklungen angesicht der Veränderungen in den Ländern Ost- und Südosteuropas hat Karl Thomas, Mitglied des Zentralbankrats der Deutschen Bundesbank, gefordert. In einer Rede vor der Irving-Fisher-Gesellschaft sagte er, dem hiesigen DM-Finanzmarkt werde vorerst eine wichtige Rolle zufallen, weil sich die hinzutretenden Länder konkrete regulierte Währungen nutzbar zu machen suchten, zuvorderst die D-Mark. Die Erwartungen hinsichtlich Kapitalinvestitionen richteten sich im hohem Maße an Deutschland. Die Zahl der Arbeitslosen in den fünf neuen Bundesländern wird nach Ansicht des Präsidenten der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit( BfA), Heinrich Franke, weiter steigen und im kommenden Jahr bei durchschnittlich 1,1 Mio liegen. Die Zahl der Kurzarbeiter werde etwa 1,4 Millionen betragen. Im Oktober dieses Jahres waren auf dem Gebiet der ehemaligen DDR 537800 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, die Zahl der Kurzarbeiter betrug zuletzt knapp 1,8 Millionen. Das durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den neuen Ländern entstehende Defizit für die BfA bezifferte Franke auf rund 26 Milliarden DM. Durch hohe Auftragsreserven und insgesamt positive Erwartungen drohen die Produktionsmöglichkeiten der westdeutschen Industrie in den kommenden zwölf Monaten zunehmend zu klein zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung nach einer Befragung des verarbeitenden Gewerbes. Danach waren die Produktionsanlagen saisonbereinigt zu 89,9 Prozent ausgelastet. Die Auftragsbestände sicherten im Schnitt eine Produktion von 3,3 Monaten. Die Produktionspläne für die kommenden drei Monate ließen eine kräftige Ausweitung der Produktion erwarten. Kapazitätsengpässe zeichneten sich vor allem bei Konsumgütern ab, wo im September eine Kapazitätsausnutzung von 92,8 Prozent( Juni 1990: 91,1 Prozent) erreicht wurde, sowie bei Gebrauchsgütern mit 93,0 Prozent( Juni: 91,2 Prozent). Das japanische Elektrounternehmen Matsushita hat den amerikanischen Film- und Musikkonzern MCA Inc. Übernommen. Mit einem Volumen von 6,6 Milliarden Dollar ist dies die bisher größte Übernahme eines amerikanischen Unternehmens. Durch den Kauf ist bereits das vierte der acht großen Hollywood-Studios an einen ausländischen Käufer gegangen. Auf einen neuen Höchststand von 499000 Einheiten ist die Automobilproduktion der Bundesrepublik im Oktober geklettert. Sie lag damit um 11 Prozent höher als im Oktober 1989, als 451188 Kraftwagen aller Art von den Bändern liefen. Die Pkw/ Kombi-Produktion lag nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie e. V.( VDA), Frankfurt, mit 467000( 425101) Stück um 10 Prozent höher als vor einem Jahr. Einen neuen Rekord meldet die größte Spielwarenfachmesse der Welt, die Internationale Spielwarenmesse mit Fachmesse Modellbau, Hobby und Basteln, die am 31. Januar bis 6. Februar 1991 in Nürnberg stattfindet. Angemeldet haben sich 2010( Vorjahr: 1999) Aussteller, teilte die Spielwarenmesse eG Nürnberg mit. Von den 107 Spielwarenherstellern der neuen Bundesländer seien voraussichtlich 80 vertreten. In der deutschen Bauwirtschaft sind nach der Wiedervereinigung ein Drittel mehr Personen beschäftigt als in der bisherigen Bundesrepublik. Größter Bauarbeitgeber unter den einzelnen Bundesländern ist Nordrhein-Westfalen. Dort arbeiten 17,8 Prozent beziehungsweise 432000 der Beschäftigten in Baubetrieben. Größter Arbeitgeber in den fünf neuen Bundesländern ist die sächsische Bauwirtschaft mit rund 160000 Beschäftigten. Das entspricht einem Anteil von 6,7 Prozent. Während die Bauinvestitionen in den alten Ländern der Bundesrepublik 1990 voraussichtlich um 5 Prozent bis 6 Prozent wachsen werden, rechnet der Verband für die neuen Bundesländer mit einem Rückgang um 10 Prozent. Ursachen seien Liquiditätsengpässe der Wohnungsunternehmen, Planungsvorläufe bei Investitionsvorhaben der Wirtschaft, administrative Hemmnisse und eine unzureichend funktionierende Verwaltung. Durch den Binnenmarkt 1992 und die Öffnung der Ost-Märkte wird der internationale Warenaustausch intensiviert. Nach einer Studie des Münchener Ifo-Instituts stehen die 90er Jahre ganz im Zeichen eines innovativen Marketings. Während die vergangene Dekade von der deutschen Industrie dazu genutzt wurde, die Innovationsausgaben für Forschung und Entwicklung, Konstruktion und Design zu intensivieren, stehen die 90er Jahre ganz im Zeichen neuer Strategien der Absatzförderung. Allein die sich wandelnden Umfeldfaktoren für die Unternehmen machen in vielen Bereichen ein Umdenken notwendig. Das Münchner Ifo-Institut hat in einer umfangreichen Studie untersucht, wie deutsche Unternehmen Marketingstrategien allgemein beurteilen und welche Faktoren für den Einsatz beziehungsweise Nicht-Einsatz eine Rolle spielen. Insgesamt wurden 3500 deutsche Unternehmer befragt. Aufgrund der Eckdaten einer sich wandelnden Gesellschaftsstruktur, den politischen Entwicklungen und den sich bereits jetzt abzeichnenden Veränderungen der Märkte, kommen die Experten zu dem Schluß, daß Marketing in den neunziger Jahren zunehmend wichtig für den Unternehmenserfolg wird. Den Binnenmarkt Bundesrepublik Deutschland betrachtend, ist es vor allem die Veränderung der demographischen Struktur der Bevölkerung, die nachhaltige Wirkungen auf die Wirtschaft haben wird. Der Konsumgüterbereich im allgemeinen und die Nahrungs- und Genußmittelindustrie im besonderen sind davon betroffen. 40 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, in den 90er Jahren spürbar von dieser Entwicklung beeinflußt zu werden. Auch technologische Innovationen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Markt. Akzeptanzprobleme auf der Konsumentenseite, neue Anwendungen und der generelle technologische Wandel werden sich weiter verstärken. Vor allem aber das höhere Anspruchsniveau im Bereich des Umweltschutzes birgt für die Industrie eine Fülle von Risiken, wenn sich der Wandel nicht im Produkt-Mix niederschlägt. Wichtigster Umfeldfaktor für die Unternehmensentwicklung in den 90er Jahren aber bleibt der sich verändernde Markt. Der europäische Binnenmarkt, aber auch die Öffnung Osteuropas werden bis weit in die kommende Dekade nachhaltige Wachstumsimpulse auf die deutsche Wirtschaft ausüben. Neben den positiven Erwartungen birgt die Öffnung und Erschließung neuer Märkte aber auch ein nicht zu vernachlässigendes Risikopotential. Vor allem ost- und südostasiatische Unternehmen versuchen in die neuen Märkte zu drängen, so daß Konkurrenzdruck und Wettbewerb stark zunehmen werden. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Unternehmensstrategie neu zu definieren. An welchen Fronten zeichnen sich neue Wettbewerber ab? Welche neue Technologien können dem Markt zugemutet werden, ohne daß es zu Akzeptanzproblemen kommt? Die Theorie gibt folgenden Ratschlag: Das Innovationsangebot muß der Innovationsnachfrage entsprechen. Es kommt also auf die Dosis an, ob neue Technologien Gift oder Medizin für die Unternehmen sind. Ohne Zweifel kann das Innovationsmanagement kaum noch ohne eine marktorientierte Marketingstrategie erfolgreich sein. Dazu kommt, daß sich in zahlreichen Branchen, wie der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie in einigen Bereichen der Konsumgüterproduktion, mittelfristig Sättigungstendenzen abzeichnen, die durch den Nachholbedarf der osteuropäischen Märkte allenfalls um einige Jahre nach hinten revidiert werden müssen. Fast 40 Prozent der deutschen Industrieunternehmen müssen in den kommenden Jahren neue Geschäftsfelder erschließen. Verblüffend ist in diesem Zusammenhang, daß immerhin noch die Mehrzahl deutscher Industrieunternehmen Entscheidungen nach dem Trial-and-Error-Prinzip trifft. Nur 17 Prozent erstellen Pläne mit Reichweiten bis zu fünf Jahren für den Bereich Absatz/ Vertrieb. Der aufgrund der aufgezeigten Einflußfaktoren sich abzeichnende Wandel des Marktgeschehens sollte bei den meisten Unternehmen eine Änderung der Marketingstrategien auslösen. Aber 46 Prozent der befragten Industrieunternehmen halten diese Maßnahmen für nicht erforderlich. Mit steigender Konsumnähe allerdings, wie zum Beispiel in der Konsummittelindustrie, werden neue Marketingstrategien bei 40 Prozent für notwendig erachtet. Schwerpunkte der Neuorientierung sind vor allem Werbung, Verkaufsförderung sowie die Definition neuer Vertriebswege. Die Preispolitik bleibt weiterhin unangetastet, so daß nur vereinzelt Unternehmen versuchen, eine Preisanpassungsstrategie zu verfolgen, sondern eher auf die Differenzierung des Qualitätswettbewerbs abzielen. Dieser Maßnahmenkatalog ist eng damit in Verbindung zu sehen, daß bisher nur 6 Prozent der Industrieunternehmen Marketing überhaupt für wichtig erachten, und bei 40 Prozent nur eine geringe Bedeutung hat; also nach der Maxime Bei uns verkauft der Chef persönlich, wir brauchen kein Marketing handeln. Insofern liegen also hier eine Fülle von Potentialen brach, Marketing-Attentismus nennen das die Experten des Ifo-Instituts, die zunächst noch verstärkt genutzt werden können. Neben innerbetrieblichen Intensivierungsstrategien( Kostensenkung, Zeitmanagement, Reorganisation und Personalmanagement) verfolgen nicht wenige Industrieunternehmen auch Extensivierungsstrategien, die im wesentlichen auf das Erscheinungsbild der Unternehmen nach außen zielen. Programmbereinigung, Produktinnovation und Marktkommunikation zählen hier zu den ersten Maßnahmen. Erstaunlich ist, daß 70 Prozent der befragten Unternehmen angaben, über ein Leitbild zu verfügen. Die Autoren der Studie weisen nachdrücklich darauf hin, daß mit der Umstrukturierung der Märkte dieses Leitbild in zahlreichen Fällen revidiert werden muß. Wichtig sei, nicht zu versuchen, warme Diffusität und Harmonie darzustellen, sondern im Rahmen eines eindeutigen Firmenimages auf Differenzierung und Konfliktbereitschaft zu setzen. Anlagenbau: Wir haben langjährige Erfahrungen bei der durchgängigen Bearbeitung von Automatisierungsanlagen, insbesondere bei der Umsetzung verfahrenstechnischer Bedingungen, und bieten Ausarbeitung von Studien und Analysen, Erstellung Ihrer Ausschreibungsunterlagen, Basic-Engineeringsleistungen und Koordinierungsleistungen für alle Planungsphasen an. IAB GmbH: Geschäftsbereich II, Frau Gradehand, Georgiring 1-3, O-7010 Leipzig, Tel. 7982164, Telefax 3741294288. Deutsche Reichsbahn: Das Reichsbahnausbesserungswerk Potsdam sucht dringend: Freie Kapazität für die Batterieladung, Wartung und Pflege von Bleiakkumulatoren sowie NC-Sammlern. Deutsche Reichsbahn, Reichsbahnausbesserungswerk Potsdam, Abt. Hauptmechanik, Friedrich-Engels-Straße 70, O-1561 Potsdam, Tel. 322311, Telex: 158451-312. Elektrotechnische Anlagen: Selbständig arbeitendes Elektro-Ingenieurteam mit langjähriger Erfahrung in der Planung und Realisierung größerer elektrotechnischer Anlagen sucht Kooperationspartner im Bereich Beratung, Planung oder Firmenvertretung- E. Kitschke, Tiefer Grund 21, O-4505 Dessau. Entwurfs- und Fertigungskapazitäten: Das Technikum Mikroelektronik bearbeitet 4 -Si-Wafer bis zur Messung( Kleinserie, cSGT- und mikromechanische Standardlinie im 2- PI352 -Niveau, Ausbildung von besonders belastungsresistenten Leitbahnen in Polycid- beziehungsweise Salicidtechnik und als Schwermetallvariante) bei Nutzung angeschlossener Entwurfskapazität für mikrosystemtechnische Komponenten. Der Kooperationspartner definiert das Erzeugnis, übernimmt seine Komplettierung und beteiligt sich am Entwicklungsaufwand. Ansprechpartner: Doktor Geßner( Tel.: 0371/ 5613130). TU Chemnitz, Technikum Mikroelektronik, Postfach 964, DDR-9010 Chemnitz. Prozeßautomatisierung: Programmierung von SPS und Projektierung von Niederspannungsschaltanlagen gehören seit über zehn Jahren zu den Aufgaben des Ingenieurteams, das jetzt seine Leistung Kooperationspartnern anbietet und für Hersteller elektrotechnischer Erzeugnisse arbeiten möchte. EKO Stahl AG, Bereich Projektierung/ Konstrukion, Abt. Prozeßautomatisierung I, Dipl.-Ingenieur Eckhard Wilberg, Werkstr. 1, O-1220 Eisenhüttenstadt. Meßtechnik: Ingenieurbüro für Meßtechnik möchte den Vertrieb und Service von Meßgeräten übernehmen, die im östlichen Teil Deutschlands keine eigene Vertretung aufbauen wollen. Weitere Informationen über Herrn Heinz Raddatz, Reiherhorst 23a/ PF 41-08- O-1272 Neuenhagen bei Berlin. Maschinenbau: Ingenieur-Büro bearbeitet Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben in den Bereichen Landtechnik, Fördertechnik und allg. Maschinenbau. Wir suchen Kooperationspartner und Auftraggeber. Doktor W. Richter, Söbrigener Straße 3c, PF 55-16, O-8054 Dresden. Ingenieurbüro: Neugegründetes Ingenieurbüro, bestehend aus drei Diplom-Ingenieuren, Patentinhaber, bietet Zusammenarbeit in folgenden Bereichen an: Konstruktionen für Maschinenbau, hydraulische und pneumatische Anlagen; Elektrotechnische Anlagen; SPS, Ingenieurtechnische Beratung, Beratung bei Innovationsproblemen und Kreativitätstraining. Dipl.-Ingenieur Armin Reiche, Bärentalstraße 25, O-7300 Döbeln. Metallbearbeitung: 1960 als eine Genossenschaft des Maschinenschlosserhandwerks gebildet, wurde die Delta Metallwaren auf Beschluß des Ministerrates der DDR 1972 in einen VEB umgewandelt. In dem Betrieb sind z. Z. 40 Mitarbeiter tätig, gut ausgebildete Werkzeugmacher und Schweißer. Der Betrieb verfügt über Blechscheren bis 6 mm, Stanzen von 16 bis 160 t, C02- und Punktschweißtechnik und eine Farbpulverbeschichtung. Das Produktionssortiment umfaßt Blechbearbeitung, Möbelgestelle, Möbelbeschläge, Werkzeugbau. Mohr, Delta Metallwaren GmbH, O-6821 Köditz/ Thüringen, Unterköditz Nr. 36. Die wachsende politische Instabilität von Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien läßt den Investitionsstrom dorthin versiegen. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der UdSSR, aus Polen und vor allem aus Ungarn bietet dagegen viele positive Perspektiven. Die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen ist eine von vielen Gestaltungsformen der internationalen Kooperationen. In Ungarn, wo die Regierung Antal die 100-Tage-Schonfrist überschritten hat, werden die Rahmenbedingungen für Investitionen aus dem Ausland verbessert. Der Reform bedürfen noch die Tätigkeit der Notenbank sowie das gesamte Kreditwesen. Besonders langwierig und restriktiv gehandhabt wird der Erwerb von Immobilien- und Grundeigentum. Weichenstellungen für den leichteren Zugang zum Erwerb von Grund und Boden sind aber bereits erfolgt. Das kürzlich eingeführte vereinfachte Genehmigungsverfahren sieht vor, daß bei Übernahmen unter 50 Prozent, keine behördliche Genehmigung mehr nötig ist. Übersteigt der Anteil 50 Prozent muß eine Genehmigung eingeholt werden. Alle Joint-ventures, deren Tätigkeit sich auf der Prioritätenliste des Gesetzes Nr. 24 aus dem Jahre 1988 befinden, sind in den ersten fünf Jahren von der Steuer befreit. Danach ist die Gewinnsteuer um 60 Prozent reduziert. Bislang wurde diese Vergünstigung ohne Einschränkungen gewährt. Die Erwartung der ungarischen Regierung, daß die in Joint-ventures produzierten Waren westlichen Qualitätsstandards entsprechen sollten, wurde jedoch überwiegend nicht erfüllt. Daher ist mit selektiverer Vergabe von Steuervergünstigungen zu rechnen. In diesen Tagen hat die staatliche Vermögensverwaltung Ungarns ihr erstes, 20 Betriebe umfassendes Privatisierungsprogramm vorgelegt. Es werden vornehmlich Anleger gesucht, die neue Technologien und Absatzmärkte einbringen. Engagements ausländischer Banken spielen bei diesen Joint-ventures vielfach eine wichtige Rolle. Dabei wird die Bereitschaft der Institute, sich an solchen Geschäften zu betätigen, nicht selten hart geprüft. Alte wie neue ungarische Währungs- und Wirtschaftshüter haben westlichen Kreditgebern in der Vergangenheit durch geschönte und in günstigen Farben gezeichnete Zahlen den einen oder anderen Vertrauensschock beschert. Gegenwärtig werden westliche Banker durch die Eckdaten des ersten Halbjahres 1990 wieder zu neuem Vertrauen ermuntert. In diesem Zeitraum stiegen die Exporte im Dollarraum um kräftige 17 Prozent auf fast 3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig waren während dieser Zeit trotz Liberalisierung die Importe rückläufig, so daß sich ein Handelsüberschuß von voraussichtlich 700 Millionen Dollar errechnen läßt. Der Bedarf an Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Partnern ist in Ungarn also unvermindert groß. Die bereits bestehenden Kooperationen, Insider sprechen von zirka 1800, stellen ein Auslandskapital von etwa 1 Milliarden Dollar dar. Jozsef Antal und seine Regierungsmannschaft möchten im nächsten Jahr mindestens die gleiche, wenn möglich gar die doppelte Anzahl von Joint-ventures ins Land bringen. Keine leichte Aufgabe vor dem Hintergrund der massiven Ausfälle aus dem Handel mit den RWG-Ländern, den Auswirkungen der Irak-Krise und den Dürreschäden in dem für Ungarn sehr wichtigen Agrarsektor. Als Folge des von 48 Prozent auf 29 Prozent fallenden Umsatzes mit den RWG-Ländern hat eine Neuorientierung stattgefunden, die in bemerkenswertem Tempo abläuft. Der notwendige Umbau der Außenwirtschaft wird mit hoher Priorität vorangetrieben. In dem hierfür zuständigen Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde mit großer Eile ein Gesetzesentwurf erarbeitet, welcher dem Parlament mittlerweile vorgelegt worden ist. Er enthält neue Regelungen für ausländische Kapitalanlagen. Hiervon erhofft man sich in Budapest eine wesentliche Steigerung und Beschleunigung des Kapitalimportes. Der ungarische Markt ist selbst dem in der ehemaligen DDR in den meisten Beziehungen um einige Jahre voraus. Die rechtlichen Strukturen entsprechen heute bereits weitgehend den Anforderungen einer freien Marktwirtschaft und erlauben den freien Kapitalverkehr. Westliche Joint-ventures-Partner haben bereits festgestellt, daß auch Jahrzehnte dauernder Kommunismus den gesunden kaufmännischen Geist und die freiheitliche Mentalität der ungarischen Geschäftspartner nicht beeinträchtigen konnten. Jozsef Antal und seine Architekten der freien Marktwirtschaft gehen einen richtigen Weg. Um anzukommen, brauchen sie allerdings die Partnerschaft der westlichen Industrienationen. Ob die Bundesregierung in der kommenden Legislaturperiode Steuern erhöhen, Abgaben verlangen oder die Staatsverschuldung in die Höhe treiben wird, hängt im wesentlichen vom Verlauf des Umstellungsprozeßes in Ostdeutschland ab. Die Kosten der Einheit, so jedenfalls der Vizepräsident des Instituts für Wirtschaftsforschung( HWWA), Hamburg, Hans-Jürgen Schmahl, seien derzeit nicht festzulegen. Wer der Bundesregierung unterstelle, so Schmahl weiter, sie würde die Kosten der Einheit kennen, unterstelle ihr hellseherische Fähigkeiten. Denn alle bisher veröffentlichten Zahlen würden sich nur auf Schätzungen der Transferzahlungen öffentlicher Gelder beziehen, die zur Abdeckung des Defizits zwischen den krisenbedingten niedrigen Einnanhmen und den hohen Ausgaben in Ostdeutschland entstehen. Die wahren Kosten der Vereinigung würden ganz wesentlich von der künftigen Wirtschaftsentwicklung in den fünf neuen Bundesländern abhängen, und allein deshalb seien sie augenblicklich nicht zu quantifizieren. Aus diesem Grunde könne derzeit auch niemand ernsthaft behaupten, das Steuererhöhungen zur Finanzierung der Einheit unvermeidbar sind. Die Frage der weiteren Finanzierung könne nur im Zusammenhang der Entwicklung des gesamten Staatsfinanzen gestellt werden. Die durch die Einheit versursachten Kosten hätten das Staatsdefizit schubartig erhöht und sei über eine Kreditaufnahme finanziert worden. Für das kommende Jahr rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer Belastung des Staatshaushaltes von 90 Milliarden DM, die über Kredite am Kapitalmarkt finanziert wird. Welche Folgen dies letztendlich für Konjunktur und Zins haben wird, darüber seien noch keine zuverlässigen Prognosen möglich. Eines sei aber schon jetzt sicher, das Einsparungen der wesentlich bessere Weg seien, als durch Steuererhöhungen Konjunktur und Wachstumsbedingungen zu beeinträchtigen. Letztendlich seien auch die Preise und das Lohnklima in Gefahr, so daß das gemeinsame Urteil der Institute lautet: Steuererhöhungen sind keinesfalls ein naheliegender Weg für die Finanzierung für die deutsche Einheit. Vor einer Abschottung der EG gegenüber Importautos aus Japan hat der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages( DIHT), Hans Peter Stihl, gewarnt. Europrotektionismus zeuge von wenig Vertrauen in die eigene langfristige Wettbewerbsfähigkeit, wenn gerade deutsche Autofirmen, die zu den Paradepferden der deutschen Wirtschaft zählten, nach Schutz vor Wettbewerb riefen. Kritik übte Stihl an der europäischen Verkehrspolitik. Den Politikern aller Farben und Ebenen wird der Verkehr offenbar immer lästiger, sagte der DIHT-Präsident vor der Industrie- und Handelskammer Regensburg. Dabei müßten die europäischen Staaten angesichts der wirtschaftlichen Verflechtungen über die Grenzen hinweg längst zu einem europäischen Verkehrsraum mit gemeinsamer Infrastrukturpolitik zusammengeschlossen sein. Denn das sei Voraussetzung für einen einheitlichen europäischen Wirtschaftsraum. Doch davon sind wir heute weiter entfernt als je zuvor, erklärte Stihl. Der innerdeutsche Warenverkehr erlebt derzeit eine Phase der Hochkonjunktur. Nach den Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, lieferten westdeutsche Unternehmen allein im September Waren im Gesamtwert von 2,4 Milliarden DM in die neuen Bundesländer. Dies entspricht gegenüber dem Wert vom September 1989 einen Zuwachs von 277 Prozent. Aber auch der Warenstrom aus Ostdeutschland konnte kräftige Zuwächse verbuchen. Im September lieferten ostdeutsche Unternehmen Waren im Wert von 800 Millionen DM in die Alt-Bundesrepublik. Vor allem Grundstoffe und Produktionsgüter, 375 Millionen DM( plus 31 Prozent) und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, 108 Millionen DM( plus 340 Prozent) wurden von westdeutschen Unternehmen nachgefragt. Die Monate Januar bis September 1990 zusammengerechnet, ergeben sich eindrucksvolle Zahlen. Der Gesamtwert westdeutscher Lieferungen beträgt 14 Milliarden DM, die Bezüge aus den neuen fünf Bundesländern machen dagegen rund 6 Milliarden DM aus. Dies ergibt eine durchschnittliche Steigerung des Warenverkehrs von 151 Prozent von West nach Ost und ein Plus von 11 Prozent bei Ost-Westlieferungen gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr. Der Geschäftsführer des erst 1987 gegründeten Medical Park in Hannover, Doktor Ernst Lange, ist sehr zuversichtlich, was die Entwicklung des Forschungsparks für Biotechnologie und Mikrobiologie angeht. Potentiellen Investoren aus Japan und USA soll der Standort Bundesrepublik schmackhaft gemacht werden. Schon im kommenden Jahr sind die ersten Gebäude mit zusammen 6000 m2 Fläche fertig zum Bezug. VDI-Nachrichten: Herr Doktor Lange, Sie haben mit dem Medical Park in Hannover ein ambitioniertes Projekt angepackt und Sie sind offensichtlich guter Hoffnung, innerhalb weniger Jahre eines der größten Zentren für biotechnische Forschung und Molekularbiologie in Europa- vielleicht sogar weltweit- zu schaffen. Was berechtigt Sie zu der Hoffnung, diese weitgesteckten Ziele innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu erreichen? Lange: Wir haben hier in Hannover mit der Medizinischen Hochschule exzellente Voraussetzungen, wir haben hier ein Max-Planck-Institut, ein Fraunhofer-Institut und mit dem Zentrum für Naturwissenschaften und Medizin in Göttingen und dem Zentrum für Biotechnologie in Braunschweig ein hervorragendes wissenschaftliches Umfeld. Dieses biomedizinische Dreieck bildet die wissenschaftliche Basis für Unternehmen, um hier schneller und effizienter ihre Produkte zu entwickeln. Zum zweiten haben wir hier jetzt die baulichen Voraussetzungen geschaffen, d. H. Wir können ab August 1991 Mietflächen anbieten. Unternehmen können sich zum Beispiel eine Etage mieten und hier in ihren eigenen Forschungslabors die Entwicklung ihrer präferierten Projekte voranbringen. VDI-Nachrichten: Sie bieten insbesondere potentiellen Investoren aus Japan und den USA den Standort Europa an. Was soll die Unternehmen veranlassen, hier nach Hannover zu kommen, anstatt zum Beispiel nach Schottland zu gehen, wo erhebliche Steuergeschenke winken, und im Bereich der Biotechnologie die Unternehmensdichte die kritische Masse längst überschritten hat? Lange: Zum ersten bieten wir mit dem Standort Hannover eine zentrale Lage. Innerhalb Europas hat sich mit dem Fall der Mauer und der allgemeinen Öffnung des Ostens das Zentrum nach Deutschland verlagert. Wir in der Wissenschaft haben in der Frage der medizinischen Wissenschaft in Deutschland sehr sehr viel zu bieten, was nicht jedes andere europäische Land zu bieten hat und zum dritten, von hier aus sind die Wege überall hin sehr kurz, und das ist doch entscheidend für Unternehmen, die in Europa vorankommen wollen. VDI-Nachrichten: Wollen Sie neben der Forschung im Medical Park auch Produktionsstätten ansiedeln? Lange: Ja, das ist nicht nur möglich, es ist sogar gewünscht. Insbesondere wenn die Produktion eng mit Forschung und Entwicklung zusammenhängt, soll auch die nachfolgende Produktion hier angesiedelt werden können. VDI-Nachrichten: Das ganze Projekt wird ja zunächst noch mit erheblichen Mitteln von Stadt und Land getragen und bezuschußt. Soll sich der Medical Park eines Tages als eigenständiges Unternehmen selbst tragen? Lange: Das ist vorstellbar. Vielleicht nach einer Anlaufzeit von etwa 10 Jahren. Dann werden die Investitionen gegriffen haben, die jetzt zum Beispiel auch aus Bundesmitteln der Strukturhilfe für die Baulichkeiten zur Verfügung gestellt worden sind. Zum Beispiel auch für das Institut für Peptid-Forschung. VDI-Nachrichten: Können Sie Projekte nennen, die hier schon bearbeitet werden? Lange: Ja, die Peptid-Forschung ist ein großes Thema in Hannover. Vor einem Jahr wurde hier in Hannover das neue niedersächsische Institut zu diesem Thema gegründet. Das ist derzeit im Aufbau. Zum zweiten arbeiten bereits zwei Unternehmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen im Medical Park, und drittens ist das Thema für das Transplantationszentrum Hannover von großer Bedeutung- wird also in der Medizin bereits angewendet. VDI-Nachrichten: Was können Sie außer dem richtigen wissenschaftlichen Umfeld einem ansiedlungswilligen Unternehmen bieten? Gibt es steuerliche Vorteile, billigen Raum oder sonstige finanzielle Attraktionen? Lange: Die wesentlichen finanziellen Anreize sind die Vorteile, die die Stadt Hannover beim Kauf von Grund und Boden bietet. Der Preis wird je nach der Art des Projektes mehr oder weniger günstig gestaltet. Der zweite zu erwähnende Punkt ist, daß das Land Niedersachsen ein Technologieprogramm eingerichtet hat, das interessante Projekte zusätzlich bezuschußt. VDI-Nachrichten: Wo kommen zur Zeit ihre Hauptinteressenten her? Und sind die potentiellen Anleger in erster Linie am Standort Europa interessiert, oder ist es der Standort Bundesrepublik, der lockt? Lange: Größtes Interesse zeigen Unternehmen aus den USA, Kanada und aus Japan, die ihren Forschungs-Standort in Europa ausbauen wollen. VDI-Nachrichten: Herr Lange, wo wollen Sie in zehn Jahren mit dem Medical Park stehen? Soll der Medical Park zum Nukleus für biomedizinische und molekularbiologische Forschung weltweit werden? Lange: Das ist richtig und zwar im globalen Verbund. Wir werden nicht weltweit an der Spitze stehen können. Solche Maßstäbe muß man realistisch sehen. Wir werden jedoch im weltweiten Verbund sicherlich ein ganz wichtiges Zentrum sein. Die Entwicklung einer Unternehmung wird durch ihre volkswirtschaftliche Umwelt entscheidend mitbestimmt. Diese Umwelt, als Summe aller Kräfte verstanden, die von außen her auf eine Unternehmung einwirken, untersteht einem tiefgreifenden Wandel, und dies in weltweitem Maßstab. Die Führungskräfte der Wirtschaft kommen nicht darum herum, auch mehr als bisher über diese volkswirtschaftliche Umwelt zu wissen. Die meisten volkswirtschaftlichen Lehrbücher sind zu wenig auf die Bedürfnisse dieser Führungskräfte zugeschnitten. Das vorliegende Buch weicht daher bewußt von der traditionellen Form und Ausrichtung nationalökonomischer Lehrbücher ab; es geht nicht von der Theorie in ihren vielfältigen Ausprägungen aus, sondern wählt die konkreten, aus der Sicht der Unternehmungen entscheidenden volkswirtschaftlichen Gegenwartsfragen als Ausgangspunkt der Betrachtung. Damit will es einen Beitrag zu einem integrierten Managementkonzept leisten, in dem nicht nur die unternehmungsinternen Probleme ganzheitlich erfaßt und verstanden werden, sondern auch die Beziehungen der Unternehmung zu ihrer Außenwelt, die mehr denn je ihr Schicksal prägen. Diese Fachwörterbücher sind das Ergebnis jahrelanger EDV-gestützter Auswertung der Literatur aus allen wichtigen Gebieten der Wirtschaftspraxis und der Wirtschaftswissenschaft. Die jeweils über 40000 Stichwörter enthalten den kompletten Wirtschaftswortschatz- ohne Füllmaterial aus der Umgangssprache. Die allgemeine Sprache der Wirtschaft und die Terminologie des wirtschaftlich relevanten Rechts sind jedoch angemessen berücksichtigt. Beherrschender Gesichtspunkt ist der rasche und direkte Zugriff: alle Wörter und Ausdrücke sind nach ihren Anfangsbuchstaben geordnet. Komplizierte Verweisungssysteme oder Benutzungshinweise erübrigen sich. Das Nachschlagewerk ist ein ideales Arbeitsmittel für jeden, der in der Ausbildung und in der täglichen Arbeit mit der englischen Wirtschaftssprache befaßt ist. Aktienbaisse an den Weltbörsen, steigende Zinsen rund um den Globus, Dollar-Desaster an den Devisenmärkten. In dieser Zeit der Trostlosigkeit für den privaten Anleger erwacht in den Profis an den Terminbörsen der Profit-Instinkt. Auch der risikofreudige Kleinanleger kann über Futures-Funds hiervon profitieren. Das eigene Geld gewinnbringend anzulegen ist nicht einfach. Doch das Geld anderer Leute zu vermehren ist eine sehr schwierige Sache, wissen seriöse Vermögensverwalter zu berichten. Statistiken beweisen, daß rund 95 Prozent der Spekulanten an den Terminbörsen zu den Verlierern zählen. Dem Anleger muß klar sein: an den Terminbörsen geht er das Risiko des Totalverlusts seines Kapitals ein. Bei wohl keiner anderen Art der Kapitalanlage klafft das Risiko/ Chance-Verhältnis so weit auseinander wie bei Terminbörsen-Engagements. Wer glaubt, daß die geschulten und jahrelang in diesem recht schwierigen Geschäft aktiven Profis vor Verlusten gefeit sind, der irrt. Zahlreiche der in den vergangenen Jahren aktiven Futures-Funds existieren heute nicht mehr, weil die Gelder verspekuliert worden sind. Der Markt für Futures-Funds( im angelsächsischen Raum auch als Commodity-Funds bezeichnet) wartete in den USA während der vergangenen Jahrzehnte mit markanten Wachstumsraten auf. Die rund um den Globus aufblühenden neuen Terminbörsen lassen den Schluß zu, daß diese reizvolle, aber riskante Form der Kapitalanlage auch außerhalb der USA in den kommenden Jahren eine ähnliche Beliebtheit erlangen dürfte, zumal sich die Anlegergemeinde weltweit stärker mit den innovativen Finanzinstrumenten Futures und Optionen beschäftigt. In der Terminbörsen-Branche werden die insgesamt verwalteten Futures-Anlagegelder derzeit auf 11 Milliarden Dollar geschätzt. Dieses Volumen wird in den kommenden Jahren weiter steigen, so sind sich jedenfalls internationale Terminmarkt-Experten sicher. Ihren Optimismus begründen die Fachleute damit, daß die in den USA existierenden Futures-Funds ihre Anlagestrategie angesichts des Aufblühens neuer Terminbörsen rund um den Globus stärker international ausrichten. Der an Investments in Futures-Funds interessierte Anleger sollte sich davor hüten, die Ergebnisse einzelner Fonds als Meßlatte für die durchschnittlichen Resultate des Gesamtmarktes zu nehmen. Was in diesem Kontext auch nicht zählt, sind Anlage-Ergebnisse, die ein Fonds über einen, zwei oder drei Monate erzielt hat. Wer nach dem Motto The trend is your friend einen ausgeprägten Trend an den Terminbörsen erwischt, der kann innerhalb von nur wenigen Monaten durchaus zwei- bis dreistellige Verzinsungen erzielen. Drei Dinge zählen bei der Bewertung der Anlage-Ergebnisse eines Futures-Funds: Stetigkeit, Stetigkeit, Stetigkeit, so die Aussage eines führenden amerikanischen Fonds-Managers. Für das deutsche Finanzwesen kann es kein Trost sein, daß nicht nur die Bundesrepublik Deutschland, sondern ganz Europa( mit Ausnahme Großbritanniens) diesen Trend in den vergangenen Jahren verschlafen hat. Die Wertpapier-Investmentfonds hierzulande beginnen gerade erst in diesen Wochen sehr zaghaft damit, Futures und Optionen in ihre Anlagestrategie einzubauen. Die zahlreichen in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Töchter amerikanischer Brokerhäuser waren in der Vergangenheit bei der Vermarktung solcher Futures-Funds recht erfolgreich, wenn man berücksichtigt, daß für diese Investmentart nach den Bestimmungen der Berliner Aufsichtsbehörden öffentlich keine Werbetrommel gerührt werden darf. Die in München ansässige BVT hat deutschen Anlegern zudem über eine eigens in den USA neu gegründete Tochter Anteile an einem geschlossenen Fonds mit dem Namen BVT Guaranteed Futures Funds LP mit einer Mindestbeteiligung von 5000 Dollar angeboten. Diese Futures-Funds mit Sicherheitsnetz erfreuen sich seit längerer Zeit in den USA und in Großbritannien sehr starker Beliebtheit, weil die Fondsmanager nur einen Teil des Fondsvermögens an den Terminbörsen investieren und den Rest des Fondsvermögens in Geldmarkttiteln anlegen. Nach einem gewissen Zeitraum hat sich aufgrund der aufgelaufenen Zinseinnahmen zumindest das eingesetzte Kapital amortisiert. In der Branche hofft man, daß mit dem geplanten EG-Binnenmarkt von den Brüsseler Behörden auch entsprechende einheitliche Richtlinien für den Einsatz von Futures und Optionen durch die in den Ländern der Gemeinschaft tätigen Wertpapier-Investmentfonds erlassen werden. Ähnliches gilt auch für die europäischen Länder, die nicht der EG angeschlossen sind. Acht von zehn Fondsgesellschaften Großbritanniens wollen in nächster Zeit nach Schaffung einer entsprechenden gesetzlichen Basis Futures-Funds gründen. Dabei kann davon ausgegangen werden, daß sich die Fondsmanager dabei zunächst auf die sogennanten 90: 10-Fonds konzentrieren, die sich in den USA unter der Bezeichnung guaranteed funds recht großer Beliebtheit erfreuen. Bei solchen Fonds wird 90 Prozent des Anlagekapitals in festverzinsliche Wertpapiere( Anleihen oder Geldmarktinstrumente) investiert. Die restlichen 10 Prozent werden an den Terminbörsen eingesetzt. Großbritanniens Brokerhäuser haben sich unter Führung von E. D. And F. Man seit längerem mit Futures-Funds beschäftigt und zahlreiche solcher Fonds offshore emittiert. Die auf die Fondsmanager zukommenden Probleme hinsichtlich der Aufsicht, der gesetzlichen und steuerlichen Bestimmungen in einem Europa ohne Grenzen war Anlaß dafür, daß sich die Finanzhäuser im September dieses Jahres zur Gründung der European Managed Futures Association mit Sitz in London entschlossen haben. Durch mehr Gemeinsamkeit hoffen die aus zahlreichen europäischen Ländern stammenden Mitglieder der Vereinigung darauf, in Zukunft ihre Interessen in Brüssel und bei den nationalen Stellen besser vertreten zu können. Angesichts der dem Terminhandel innewohnenden immensen Risiken auf der einen Seite und der bei fachlicher Handhabung allerdings ebenso großen Chancen stellen Futures-Funds eine der spekulativsten und reizvollsten Kapitalanlagen dar. Anteile an solchen Terminbörsen-Fonds können überwiegend in der Form von Limited Partnerships- vergleichbar etwa mit Anteilen an deutschen Kommanditgesellschaften- erworben werden. Als General-Partner( Komplementär mit voller Haftung) fungiert meist das den Fonds auflegende Finanzhaus. Bei Futures-Funds handelt es sich meist um geschlossene Fonds mit begrenztem Fondsvermögen und oftmals auch mit begrenzter Laufzeit. Da die Anteile dieser Fonds nicht täglich an der Börse gehandelt werden, wie etwa Aktien oder Anleihen, besteht für den Normalanleger in den meisten der heute existierenden öffentlichen Fonds keine Investmentmöglichkeit mehr. Das Risiko des Kapitalanlegers in Futures-Funds beschränkt sich auf das eingesetzte Kapital. Der Mindestanteil bei den meisten Fonds beträgt 5000 Dollar. Dadurch, daß keine Börsennotiz der Fonds existiert, hat der Anleger Schwierigkeiten, die Wertentwicklung seiner Anteile laufend zu verfolgen. Nicht zuletzt sind die Fonds nicht gerade die liquideste Anlageform; denn die Rückgabe der Anteile ist meist nur mit vorheriger Kündigung zum Monatsende möglich. Für Kapitalbesitzer gibt es eine ganze Reihe von Anlageformen, die sich dadurch gleichen, daß das Risiko mit der Höhe der Verzinsung ansteigt. Zero-Bonds bilden da keine Ausnahme, bieten dem Anleger aber den Vorteil einer Steuerverlagerung. Zero-Bonds, auch Null-Kupon-Anleihen genannt, sind festverzinsliche Wertpapiere, bei denen die Zinsen nicht wie bei anderen Anleihen zum garantierten Zinssatz alljährlich gegen Hergabe eines Zinskupons kassiert werden. Vielmehr werden solche Papiere von vorneherein zu einem abgezinsten Betrag ausgegeben, wie Sparbriefe und Bundesschatzbriefe zum Fälligkeitstermin wird dann der zugesagte Betrag einschließlich der aufgelaufenen Zinsen ausgezahlt. Für eine Null-Kupon-Anleihe der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank waren im November 19904450 DM zu bezahlen. Aufgedruckt auf das Papier ist jedoch eine Summe von 10000 DM, die zum Fälligkeitstermin- 9. November des Jahres 2000- ausgezahlt wird. Kupontermine sind nicht wahrzunehmen( und können so auch nicht vergessen werden); jedenfalls soweit keine vorzeitige Kündigung vorgesehen ist. Steuern für den Gewinn zwischen Ausgabe- und Einlösungskurs sind erst zu zahlen, wenn das Papier eingelöst wird. Das bedeutet, daß auch für Zero-Bonds Ertragsteuern fällig werden. Nach geltendem Einkommenssteuerrecht ist der Kapitalertrag aus der Zero-Anleihe im Jahr der Einlösung oder Veräußerung zu veranlagen und erst im darauffolgenden Jahr zu versteuern. So kann der Besitzer solcher Papiere die Steuerzahlung in eine Zeit verlagern, zu der er- etwa, weil er bis dahin einen Altersfreibetrag beanspruchen kann- eine niedrigere Progressionsstufe erwartet als beim Erwerb der Papiere. Damit können zu versteuernde Zinserträge ganz legal gezielt in einkommensschwache Jahre verlagert werden. Ein Beispiel für eine aktuelle deutsche Null-Kupon-Anleihe zeigt, worum es geht. Das erwähnte Papier der bayerischen Bank kostete im November 1990 bei der Emission 4330 DM; zurückgezahlt werden dafür nach zehn Jahren 10000 DM. Das ist ein Plus von 5570 DM; was einer Rendite von 9,09 Prozent entspricht. Gerade in Zeiten hoher Zinsen ist diese über die ganze Laufzeit gleichbleibende Rendite ein zusätzlicher Reiz für den Anleger. Wer nämlich normale Obligationen mit einer Rendite von 9,09 Prozent kauft, wie sie zur Zeit am Markt zu haben sind, kann nach dem Ablaufdatum, also vielleicht in drei bis sechs Jahren, nicht mehr sicher sein, ob er das dann wieder zur Anlage verfügbare Kapital erneut zu einem so günstigen Zinssatz anlegen kann. Wer mit dem spitzen Bleistift rechnet, kommt auf folgendes Ergebnis: 5570 DM Zinsertrag bedeuten für die Restlaufzeit von 91/ 3 Jahren einen jährlichen Zinsertrag von 596 DM. Das sind bezogen auf den Kapitaleinsatz von 4430 DM sogar 13,5 Prozent( 596 x 100: 4430). Eine Rendite, die am normalen Anleihemarkt zu erzielen auch Profis Mühe bereitet. Die größte Spielwarenfachmesse der Welt, die Internationale Spielwarenmesse vom 31. Januar bis 6. Februar 1991 in Nürnberg, meldet ein neues Rekordergebnis: erstmals werden mehr als 2000 Aussteller, darunter mehr als 80 aus den fünf neuen Bundesländern, ihre Produkte präsentieren. Das Weihnachtsgeschäft macht deutlich, daß die Japaner im Bereich der Video-Spielsysteme auf den internationalen Märkten die Nase vorn haben. Game Boy heißt der tragbare und netzunabhängige Video-Spaß, der seit einigen Monaten auch in Deutschland mit Millionen-Umsätzen für Furore sorgt. Der neueste Coup des Unterhaltungsspiele-Giganten Nintendo schlägt alle Rekorde in diesem neuerdings wieder so beliebten Bereich. Eine ständig verbesserte Technik beschert Spielmöglichkeiten und Speicherkapazitäten, von denen Techniker und Spieler vor kurzer Zeit nur träumen konnten. Und auch die ersten Geräte mit Farb-Bildschirm sind in den USA und in Japan bereits im Einsatz. Wer an Technik im Spielwarenbereich denkt, meint aber auch heute noch in erster Linie die Modelleisenbahn, die im Zeitraum von über 140 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat. Im Gegenteil, im Zeitalter der Computertechnik ist die Beschäftigung mit diesem Hobby sowohl für den Anfänger wie auch für den Technik-Freak interessanter und facettenreicher denn je. Das Zauberwort, das auch auf der kommenden Spielwarenmesse oft zitiert werden wird, heißt: Digitale Steuerungssysteme. Begriffe wie Central Unit, Decoder, Chip oder Memoryboard haben längst Einzug in den Wortschatz der Modellbahnfreunde gehalten. Die Digitalisierung schlägt dabei die Brücke vom Standardsortiment zur technischen Innovation. Mit dem Einsatz digitaler Steuerungssysteme kann auf vorhandenem Gleismaterial nicht nur eine Vielzahl von Lokomotiven vollkommen unabhängig in einem einzigen Stromkreislauf angesteuert werden. Auch Weichen und Signale werden von einer zentralen Rechnereinheit mittels elektronischer Impulse geschaltet. Auch hier orientiert sich das Hobby am Vorbild der großen Eisenbahn. Durch den Einsatz eines Personal Computers läßt sich der Zugbetrieb wie in einem Stellwerk der Bundesbahn per Bildschirm steuern. Ist der PC erst in die Modellbahnanlage integriert, kann der Zugbetrieb individuell und nahezu perfekt gestaltet werden. Der Abruf von bereitgestellten Zügen, die Information über belegte Gleisabschnitte oder Fahrstraßenschaltungen sind kein Problem. Wie in natura regelt der Rechner auch das langsame Anfahren und Anhalten der Lokomotiven. Die technologische Zukunft bei einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen überhaupt hat also schon begonnen. Die rund 50000 Fachbesucher aus aller Welt, die zur Spielwarenmesse nach Nürnberg kommen werden, dürfen sich übrigens auch auf ein Wiedersehen mit einem der namhaftesten deutschen Anbieter im Bereich der Konstruktionstechnik freuen. Nach einer schöpferischen Pause wird die Firma fischertechnik wieder einen Stand beziehen und dort die Neuheiten ihres anspruchsvollen Konstruktionssystems präsentieren. Auch bei fischertechnik haben neue Motoren, Highlights für Blink- und Lichteffekte und zahlreiche neue Ergänzungsteile die Möglichkeiten für den jungen Konstrukteur erweitert. Messe mit Kongreß. Die AME umfaßt die Thematik der automat. Fertigung in der Elektronik, und die ELMAT konzentriert sich auf den Bereich Basismaterial und Halbzeuge in der Mikroelektronik. Veranst.: MESAGO GmbH und Messe Essen GmbH, Stuttgart, 0711/ 61946-0. Jährlich stattfindende Messe der Hersteller und Lieferanten von Hardware- und Software-Produkten aus dem Bereich Telekommunikation. Ein entsprechendes Dienstleistungs-Angebot rundet die Messe ab. Veranst.: World Expo Corp./ Confernce Management Group Division, Framingham, MA., 001/ 508/ 879-6700. Wenn zu Silvester die Sektkorken knallen, haben die meisten deutschen Unternehmer durch eigene Schuld viel Geld verloren. Jahr für Jahr verschenken Unternehmer mehrere 100 Millionen DM. Grund: Verjährung. Sie verlieren damit entweder Geld, das ihnen aus Forderungen gegen andere zusteht oder erfüllen Forderungen Dritter, die verjährt sind. Verjährung bedeutet nicht, daß ein Anspruch untergeht, wie Juristen sagen; der Schuldner kann die von ihm geschuldete Leistung lediglich verweigern. Wann aber verjähren Forderungen? Ansprüche aus Geschäfte des täglichen Lebens verjähren, laut P 196 BB, nach zwei Jahren, wenn Leistungen an Privatpersonen erbracht worden sind. Zum Jahresende 1990 verjähren also die Forderungen, die im Laufe des Jahres 1988 entstanden sind. PI245 auf Rückstände von regelmäßig wiederkehrenden Leistungen und von Zinsen inklusive Tilgungsbeiträgen. Alle anderen Ansprüche( z. B. Auf Schadenersatz) verjähren nach drei Jahren. Allerdings tritt die Verjährung zum Jahresende dann nicht ein, wenn die Frist zuvor unterbrochen wurde. In bestimmten Fällen ist die Berufung auf den Eintritt der Verjährung unzulässig; wenn sie nämlich gegen Treu und Glauben verstößt. Das ist dann der Fall, wenn der Schuldner den Gläubiger durch sein Verhalten veranlaßt hat, von der rechtzeitigen Ausübung seines Rechtes abzusehen. Beispiele dafür sind Unterlassung der Wohnungsummeldung beim Einwohnermeldeamt oder lang hingezogene Vergleichsverhandlungen. Stellt sich heraus, daß ein Anspruch verjährt ist, ist das Geld noch nicht weg. Auch eine verjährte Forderung kann noch einen Wert haben, der sich nutzen läßt. Sofern eine entsprechende Gegenforderung des Schuldners besteht, kann der Gläubiger seine eigene, verjährte Forderung noch zur Aufrechnung verwenden, falls die Aufrechnung schon vor der Verjährung hätte erklärt werden können. Der Inhaber einer verjährten Forderung kann einem Gläubiger gegenüber auch ein Zurückbehaltungsrecht an Gegenständen, die dem Gläubiger gehören, geltend machen, bis die eigene verjährte Forderung beglichen ist. Voraussetzung ist, daß das Zurückbehaltungsrecht schon vor der Verjährung hätte geltend gemacht werden können. Hilft auch das nicht, besteht noch die Möglichkeit, die verjährte Forderung an jemanden abzutreten, der seinerseits vom Schuldner in Anspruch genommen wird, damit er mit dieser abgetretenen, verjährten Forderung die Aufrechnung erklärt. Wenn gar nichts mehr geht, mag man sich trösten. Denn: Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist. Von kurzzeitigen Verspannungen abgesehen werden die Zinsen am deutschen Kapitalmarkt 1991 nicht über 9 Prozent hinausgehen. Diese Einschätzung vertritt Commerzbank-Vorstandschef Doktor Walter Seipp. Das internationale Umfeld stabiler und in einigen Ländern sogar sinkender Zinsen spreche ebenso gegen einen deutschen Zinsanstieg wie der Rückgang der Risikoprämie, die sich im Februar 1990 mit der Ankündigung der Wirtschafts- und Währungsunion aufgebaut hatte. Die Rentenversicherung Ost wird bis zum Jahresende voraussichtlich ein Defizit von 1,1 Milliarden DM aufweisen, das vom Bundeshaushalt getragen werden muß. Hauptgrund sind die immer noch nicht vollständigen Beitragseingänge, erklärte der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger( VDR) in Würzburg. Statt erwarteter 11,4 Milliarden DM Beiträge wird mit voraussichtlich 9,5 Milliarden DM bis Ende 1990 gerechnet. Der Bund war bislang mit einem Zuschuß von 2,3 Milliarden und 750 Millionen DM Anschubfinanzierung beteiligt. Der Beitragseinzug bleibt nach den Worten von VDR-Geschäftsführer Rudolf Kolb nach wie vor das große Sorgenkind. Einige Allgemeine Ortskrankenkassen( AOK) wollen ihre Beitragssätze zum 1. Januar 1991 senken. Wie der AOK-Bundesverband mitteilte, wird der durchschnittliche Beitragssatz aller Ortskrankenkassen in den alten Bundesländern damit auf unter 12,9 Prozent( 12,93 Prozent) sinken. In den neuen Bundesländern wurde der Durchschnittssatz durch den Einigungsvertrag auf 12,8 Prozent festgelegt. Die Einnahmen der AOK lagen nach den Angaben in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um etwa 5,3 Prozent über dem Vorjahresstand. Die Einfuhrpreise im Gebiet der westdeutschen Bundesländer haben sich im Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent erhöht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bekanntgab, lagen sie damit allerdings nur um 1,1 Prozent über dem Stand vom Oktober 1989. Der Index der Einfuhrpreise( 1985= 100) stellte sich im Berichtsmonat auf 83,9. Unter Ausrechnung von Erdöl und Mineralölprodukten ging der Index der Importpreise im Oktober allerdings gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent und im Jahresabstand um 3,5 Prozent zurück. Der Ausdruck Public Relation( PR) läßt sich wohl am ehesten mit dem Wort Öffentlichkeitsarbeit übersetzen. Darunter versteht der PR-Pionier Prof. Albert Oekl das Management von Kommunikationsprozessen für Organisationen und Personen mit deren Bezugsgruppen, also der Öffentlichkeit. Die Tätigkeitsfelder liegen, so der ehemalige Leiter der Zentralabteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der BASF in Ludwigshafen, in allen Bereichen gesellschaftlicher Organisationsformen. Welche Bedeutung der PR allein in Deutschland zukommt, verdeutlichen folgende Zahlen: Nach Auskunft der Deutschen PR Gesellschaft( DPRG) arbeiten zwischen 8000 und 10000 Menschen hauptberuflich auf diesem Gebiet. Davon fällt etwa ein Drittel in die Wirtschaft, ein weiteres Drittel verdient sich als selbständige PR-Berater seine Brötchen, der Rest verteilt sich auf die verschiedensten Institutionen, Verbände und den öffentlichen Dienst. Weltweit, so schätzte kürzlich der Präsident des amerikanischen PR-Dachverbandes, arbeiten rund 300000 Menschen in über 70 Ländern direkt auf diesem Gebiet. Der Einfluß von PR wird in Zukunft stark zunehmen- nicht zuletzt aufgrund immer stärker werdender internationaler Verflechtungen- darauf bauen nicht nur die selbständigen Berater. Das verlangt aber verstärkt nach einer fundierten Ausbildung, denn Kommunikations-Management ist in unserer Zeit ein derartig komplexer Bereich geworden, daß das einfache Bedienen eines Telefons lange nicht mehr ausreicht. Ein typisches Tätigkeitsfeld für die Public Relation ist ein Bereich, der erst in jüngerer Vergangenheit zum Trend wurde: Corporate Identity. Darunter versteht der Fachmann nicht nur das einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens und dessen Produkte nach außen hin, sondern damit verbindet sich vor allem auch der Begriff der Unternehmenskultur. Dieser immaterielle Wert wirkt auf die Mitarbeiter, auf ihr Denken und somit auch auf ihr Handeln. Das daraus für den Kunden ein einheitliches Bild entsteht, an dem er die jeweiligen Unternehmen mit ihren Produkten identifiziert, ist eher die Folge aus der internen CI. CI soll die Werte der Unternehmenskultur unverwechselbar machen. So drückt es Peter Lux, Geschäftsführer einer Züricher Corporate-Identity-Agentur, aus. Er räumt dabei ein, daß unternehmensintern derartige Strategien sehr stark an Persönlichkeiten gebunden sind. Solche Integrationsfiguren müßten dabei seiner Ansicht nach nicht unbedingt in den obersten Führungsetagen sitzen. Sie sind aber auf jemanden ganz oben angewiesen, der sie unterstützt. Von Hause aus am besten zur Pflege der unternehmenskulturellen Werte und Identitätsmerkmale geeignet, erscheint dann konsequenterweise die PR-Abteilung, eben durch ihre Funktion zur Aufrechterhaltung interner und externer Kommunikation sowie die Verknüpfung dieser beiden Bereiche. Besonders letzteres sieht Lux als den neuen Auftrag der PR-Arbeit. Sie wird dadurch zum Botschafter der Persönlichkeit eines ganzen Unternehmens. Wichtig für die Erfüllung eines solchen Auftrags sei vor allem, so der CI-Berater, eine konstante und konsistente Präsentation der unternehmerischen Merkmale in der Öffentlichkeit. Die Ansprüche an den PR-Mitarbeiter, die aus diesen Aufgaben erwachsen, formuliert Lux folgendermaßen: Er ist ein, Spezialist`, für den es noch keinen, Fachmann` gibt, er ist eher ein Generalist. Der PR-Manager als CI-Manager sei mit einem Regisseur zu vergleichen, der integrieren, kritisieren, lenken, beurteilen und eventuell auch sachkundig eingreifen kann. Er fühlt sich mit seinem Stab an Spezialisten( Designer, Grafiker etcetera) sowohl dem Autor( seinem Unternehmen), als auch dem Publikum( der Öffentlichkeit) verpflichtet. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung. Solche PR-Manager gibt es wohl, leider noch viel zu selten, wie auch der PR-Berater Jürg Leipziger, Frankfurt, beklagte. Das Interesse junger Leute an PR-Berufen sei groß, doch die Möglichkeiten den vielfältigen Aufgaben entsprechende Ausbildung solcher Generalisten sind eher bescheiden. Um den Aufgaben der Initiierung einer Unternehmensveränderung gerade in Zukunft gewachsen zu sein, verlangt Leipziger auf jeden Fall ein Fachstudium mit anschließender PR-Ausbildung. Dabei wird die Art des Studiums bei den komplexen Aufgaben in der Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. In der ersten Dekade des kommenden Jahrhunderts werden Mediziner die PR-Arbeit von Pharma-Unternehmen leiten, oder Ingenieure die von Investitionsgüterindustrien, glaubt Leipziger. Persönlichkeiten sind gefragt, nicht Apparatschiks, weshalb er Interessenten eine vorsichtige Karriereplanung empfiehlt. Quereinsteiger aus abgebrochenen Studien oder exotischen Studiengängen mit vorprogrammierter Arbeitslosigkeit haben in der PR nur noch wenig Chancen. Wie groß schon heute die Probleme mit qualifiziertem Nachwuchs sind, charakterisiert Leipziger so: Das weitere Wachstum der PR-Agenturen ist nicht begrenzt durch einen Mangel an Aufträgen, sondern durch den Mangel an qualifizierten PR-Beratern. Sicher, es gibt die Akademie Führung und Kommunikation( AFK) in Frankfurt, deren Leiter Klaus Dörrbecker stolz auf über 5000 Seminarteilnehmer in den zehn Jahren der Existenz der AFK hinweist. Doch Wochenkurse können nicht das leisten, was Fachleute wie Lux oder Leipziger reklamieren. Schon eher das österreichische Modell der Uni Salzburg. Dort erwartet die Studierenden am Institut für Öffentlichkeitsarbeit/ Public Relations unter der Leitung von Prof. Benno Signitzer mehrsemestrige Veranstaltungen auf den unterschiedlichsten Gebieten der PR. Statistik, Marketing, Werbung und empirische Sozialforschung gehören ebenso zu den Studieninhalten wie Public Relations Research( PRR). Darunter versteht Signitzer eine Technik zur Qualitätssteigerung des PR-Ablaufes durch die Verwissentschaftlichung. Sie hat damit keine Entscheidungs- und Durchführungsfunktion, sondern die einer Beratung, meinte Signitzer in Frankfurt. Es gibt zwar auch in Deutschland an den Universitäten Kurse und Seminare über dieses Thema, doch laufen diese Veranstaltungen eher nebenher und werden den hohen Ansprüchen nur sehr unvollständig gerecht. Deshalb gründeten die beiden Berufsverbände DPRG und GPRA kürzlich die Deutsche Akademie für Public Relation. Die deutschen Automobilbauer brauchen sich mit ihren Leistungen nicht hinter den Japanern zu verstecken. Doch das Management, meint Wolfgang Lincke, muß sich weiterentwickeln. Das Treffen in Königswinter war für Doktor Wolfgang Lincke sehr aufschlußreich. Der Chefingenieur der VW AG, früher selbst einmal von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert, hatte nun die Aufgabe, jungen Stipendiaten Entscheidungsprozesse in Großunternehmen durchschaubar zu machen. Sie sind jetzt der Vorstand und haben darüber zu befinden, ob ein Modell wie der Golf GTI gebaut wird oder nicht, forderte er seine Zuhörer zur Mitarbeit auf. Er selbst behielt seine Rolle als Verantwortlicher der Pkw-Entwicklung bei, argumentierte vehement für sein Projekt, hielt den bohrenden Fragen der Studenten stand. Die wollten natürlich von ihm wissen, welche Marktchancen ein solches Produkt habe, wo es preislich zu plazieren sei, wie es um den Wettbewerb stünde. Auf das Problem der notwendigen Investitionen sind sie nicht gleich gekommen. Als Lincke ihnen schließlich auf die Sprünge half, votierten die Stipendiaten gegen das Projekt. Ihr Fazit: Zu geringe Verkaufsaussichten bei zu hohem Investment. Dieses Modell rechne sich nicht. Jetzt stehen Sie genau dort, wo der VW-Vorstand 1974 auch stand, sagte er freudestrahlend. Daß der GTI dennoch gebaut und ein Renner wurde, der zu den positiven Ergebnissen des Konzerns ein gutes Stück beigetragen hat, war und ist für ihn ein Paradebeispiel gelungener Überzeugungsarbeit. Eine Aufgabe, die so mancher Ingenieur zu gering schätzt. Wir sind damals wie die Handelsvertreter durch die Hintertür wieder hereingekommen und haben für unser Projekt geworben, erinnert Lincke sich noch sehr gut. Allen Nachwuchskräften rät der mit allen Wassern gewachsene Entwicklungs-Profi: Wenn Ihr mit einer Idee aus Entscheidungsgremien herausfliegt, ist das noch kein Beinbruch. Also muß man es mit anderen Argumenten hartnäckig von Neuem versuchen. Wer sich nicht noch einmal in die Arena begibt, hat offensichtlich eine schlechte Idee gehabt. Jedes Unternehmen, zumal ein Großkonzern, braucht seiner Meinung nach eine gesunde Mischung aus Konservativen und Progressiven. Ein Betrieb mit zu vielen Progressiven ruiniert sich mit zu vielen Projekten, so Lincke, ein Unternehmen mit zu vielen konservativen Kräften geht vor die Hunde, weil es viel zu wenig interessante Innovationen hat. Bei VW sei dieses Verhältnis ganz gut ausgeglichen. Er selbst ist eher den Progressiven zuzurechnen. Daß muß ein Mann seiner Position wohl auch sein. Der in Frankfurt Geborene kam über ein Maschinenbaustudium an der TH Darmstadt, einer Promotion über Einfluß der Rumpfelastizität auf die Längsstabilität und Längsregelung von Flugzeugen und einer Abteilungsleiter-Tätigkeit bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken( VFW-Focker) in Bremen 1967 zu VW. Dort machte er schnell Karriere. Vom damaligen Entwicklungschef Doktor Ernst Fiala gefördert, der rasch Linckes Management-Fähigkeiten erkannte, übernahm er die Leitung der VW-Forschung und schließlich den Bereich Pkw-Entwicklung und ist heute als Chefingenieur auch für den Nutzfahrzeugbereich sowie die eminent wichtige Koordination der weltweiten Pkw-Projekte des Konzerns verantwortlich. Und als solcher beschäftigt er sich intensiv mit den Aktivitäten der fernöstlichen Konkurrenz, die allen europäischen Automobilherstellern das Leben schwer macht. Die deutsche Industrie hat zuwenig Selbstachtung, sagt er ganz ungeschminkt. Die immer wieder bei uns aufgestellte Forderung, die Japaner zu kopieren, wieder länger zu arbeiten oder deren industrielle Strukturen zu ungeprüft übernehmen, hält er für absurd. Hut ab vor ihren Leistungen in Großbritannien, erkennt er den Erfolg der japanischen Automobilbauer auf der Insel an. Trotzdem haben wir ganz gute Karten, versichert Lincke zuversichtlich. Die letzten Verkaufszahlen in Japan geben ihm recht. Bis Ende September verkaufte VW dort knapp 42000 Pkw. Ein sattes Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die wirkliche Schlacht findet für ihn künftig nicht so sehr um das eine oder andere Automobil-Modell statt, sondern im Bereich des Managements. Da müßten alle europäischen Automobilhersteller einschließlich VW umdenken. Im Bereich der strategischen Unternehmensführung ebenso wie in der Organisation der Projektabläufe und beim Einsatz der Finanzen. Als einen dramatischen Denkfehler bezeichnet er die Forderung, ein neues Produkt solle möglichst in einem Produktzyklus schon alle Innovationskosten einspielen. Zu viele Erbsenzähler rechneten bei anstehenden Entscheidungen vor: Das neue Modell verschlingt diese Investitionskosten. Die zu erwartenden Stückzahlen bringen keine schnelle Amortisation. Damit sei dann das Projekt gestorben. Auch in Gesprächen mit Entwicklungsleuten aus anderen Unternehmen kennt er die Klagen über eine kleinkarierte Politik, dieses überscharfe Nachrechnen, das jedes künftige Risiko ausschließen will. Da legt der eine oder andere Finanzvorstand seine Schatztruhe lieber in Wertpapieren an. Da wird häufig vergessen, ärgert sich Lincke, daß das Geld unter dem Strich aus dem Automobilbau kommt. Es sollten seiner Meinung nach in Zukunft die Entwicklungs-Etats erhöht werden. Bekannt ist ja, daß beispielsweise Toyota im Vergleich zu VW prozentual vom Umsatz gemessen annähernd doppelt so viel pro Jahr aufwendet. Außerdem sollte eine noch differenziertere Preispolitik betrieben werden. So wird der Polo-Einsteiger später die teureren Modelle kaufen, doch das wird oft nicht miteinkalkuliert. Zudem dürfe die Begeisterung der Entwicklungs-Ingenieure, die sie ins Unternehmen tragen, nicht durch kleinkarierte, übervorsichtige Kosten-Nutzen-Überlegungen kaputt gemacht werden. Mir scheint, sagt Lincke ein wenig ironisch, es ist weitgehend unbekannt, daß ein großes Volumen mal kleinem Stückzahlenprofit mehr Geld einspielt als ein kleines Volumen mit hohem Stückzahlen-Gewinn. Der Golf, dessen Preise VW-Chef Hahn, ein begnadetes Verkaufstalent, bewußt niedriger ansetzte als von anderen Vorstandskollegen gefordert, sei dafür der beste Beweis. Und die Japaner gehen nach dieser Strategie ja schon lange vor. Sie geben sich offensichtlich mit niedrigeren Margen zufrieden, weil sie viel langfristiger und vor allem strategischer denken. Gerade da gelte es, Defizite auszugleichen. Ein Acht-Mann-Vorstand wie ihn VW hat, gesteht Lincke selbstkritisch ein, ist eben zu klein. Die Arbeitsüberlastung lasse wenig Zeit für strategische Diskussionen. Wer kann es sich leisten, mal eine Woche vom aufreibenden Job fernzubleiben und über die Zukunft der Branche nachzudenken, die im Umbruch ist wie kaum eine zweite? Das Heil der westeuropäischen Automobilhersteller erblickt Lincke nicht im Bau eines billigen Kleinwagens, wie das zur Zeit vom Schweizer Nicolas G. Hayek propagiert wird. Einem Swatch-Auto steht der Chefingenieur eher skeptisch gegenüber. Ein simples Auto setzt doch einen totalen Mentalitätswandel bei den Verbrauchern voraus, gibt er zu bedenken. Solche Bestrebungen zu unterstützen, hält er für fatal. Wenn der Kunde plötzlich sagen würde, er will nur noch ein einfaches Transportmittel, dann gingen Entwicklung und Produktion aus Europa, sogar aus Japan verloren, weil das die Schwellenländer billiger machen könnten. Der Zug der Zeit fährt seiner Meinung nach eher in die umgekehrte Richtung. Die Verbraucher hierzulande, aber auch in Europa, den USA und Fernost wünschen eher technisch perfekte Fahrzeuge. Dann auch lieber größere als kleinere Wagen. Beispiel Ex-DDR. Da hatten die Verantwortlichen erwartet, die Kunden würden sich vor allem auf den Polo stürzen. Weit gefehlt. Der Renner drüben ist eher der Golf. Für perfekte Automobile seien die Käufer auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Wenn ich bei VW ausscheiden würde und die Idee hätte, ein Auto zu bauen, ginge ich sicherlich in die obere, nicht in die untere Klasse, gesteht er. Dafür nennt der automobilbegeisterte ehemalige Flugzeugbauer einen einfachen Grund: Ein Auto ist mit etwas ausgestattet, das kaum ein anderes käufliches Produkt vorweisen kann: Es zeigt sich und damit den vermeintlichen oder tatsächlichen Wohlstand des Besitzers. Im zusammenwachsenden Europa, das mittelfristig sicherlich prosperieren werde, hätten perfekte Automibile sehr viel bessere Verkaufschancen als simple. So einfach ist das. Und schwer zugleich. Zur Vorbereitung auf individuelle Gehaltsverhandlungen ist es notwendig, aktuelle Orientierungshilfen zur Hand zu haben. So lagen z. B. Bei der letzten Gehaltsumfrage 1989 die Einstiegsgehälter der Fachhochschulingenieure bei knapp über 4000 DM, bei Diplom-Ingenieuren von Technischen Hochschulen und Universitäten etwa 400 DM höher. Im Alter von Anfang 30 Jahren werden diese Einkommensunterschiede dann vernachlässigbar gering. Erst bei einem Alter von über 40 Jahren laufen die mittleren Gehaltskurven dieser beiden Personengruppen auseinander. Die Neuerhebung in den nächsten Wochen wird klären, ob dieser Trend Bestand hat. Die VDI-Nachrichten beteiligen sich an dieser Aktion, weil den Lesern eine Einkommensinformation angeboten werden soll, die sich nicht allein auf VDI-Mitglieder stützt. Diese werden allerdings durch eine Zufallsstichprobe auf der Basis der VDI-Mitgliedsdatei repräsentativ erfaßt. Dem über diese Personengruppe hinausgehenden Leserkreis wird angeboten, sich über den Frageboden Einkommensanalyse, der auf dieser Seite veröffentlicht wird, an der Aktion zu beteiligen. Konkret werden dabei alle Leser um Rücksendung des Fragebogens gebeten, die nicht Mitglied des VDI sind. Den Bestellcoupon können alle VDI-Nachrichtenleser einsenden. Der Fragebogen wird vertraulich behandelt. Er dient lediglich der Erstellung statistischer Werte. Ganz wichtig ist es, Fragebogen und Bestellcoupon getrennt in den Antwortbrief zu legen. Natürlich sollen die Teilnehmer die Ergebnisse der Analyse so frühzeitig wie möglich erfahren. Dazu müssen sie den Coupon ausfüllen. Zum ermäßigten Preis von 25 DM wird ihnen der Ergebnisreport 1991 sofort nach Erscheinen zugeschickt. Sinkende Geschäftserlöse, das Image von der Arroganz der Macht und die Japaner im Nacken- das waren die Auslöser beim Computerriesen IBM, sämtliche Geschäftsprozesse von Grund auf zu restrukturieren. Alles dreht sich nun um das Thema Qualität. Der Markt für Computerprodukte hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltiger verändert als seine Hauptakteure es zunächst wahrhaben wollten. Ihren Höhepunkt erlebten die traditionellen Anbieter in den sechziger und siebziger Jahren, als dieNachfrage für EDV-Systeme unaufhaltsam stieg und die Firmen mit der Auslieferung kaum nachkamen. Zur Abschottung der eigenen verkauften Basis bauten sie unüberwindliche Betriebssystem-Grenzen zum Mitbewerber auf und banden damit gleichzeitig de Kunden dauerhaft an sich. Das Wort von der geknebelten Kundschaft machte die Runde. Die Arroganz, mit der diese Computerriesen ihr Geschäft betrieben, war die offen zur Schau getragene Sicherheit, daß alles so bleibt wie es ist: daß das Geschäft höchstens größer, die Gewinne fetter werden können. Noch schneller jedoch als der Markt wuchs die Zahl derjenigen, die daran teilhaben wollten. Als fast über Nacht, ausgelöst durch den Preisverfall bei Mikroprozessoren Anfang der 80er Jahre, Tausende neuer Anbieter in den Markt traten, wandelte sich der Verkäufer- zum Käufermarkt. Mehr als alle anderen mußte die Veränderung des Computermarktes IBM treffen, der seit längerem überall auf der Welt der Ruf des überaus hochmütigen und bürokratischen Unternehmens vorauseilte. Weniger Innovation und Lösungen zur Zufriedenheit der Kundschaft lagen ihr am Herzen, als vielmehr die Befriedigung der eigenen Gewinn- und Ertragsinteressen. Aber sobald die Rendite auf dem Spiel steht, beginnen selbst die versteinerten Verhältnisse in einem Weltkonzern zu bröckeln. 1986 ging der Umsatz erstmals zurück und verdrängte den weltweit dominierenden Anbieter von EDV-Gerätschaften vom langjährigen Spitzenplatz in der US-Hitliste der 500 erfolgreichsten Unternehmen, regelmäßig vom Wirtschaftsmagazin Fortune erstellt, auf nunmehr Platz 45. Etwas stimmt nicht mit der Qualität unserer Produkte und mit der Qualität unserer Geschäftsprozesse, rüttelte Terry Lautenbach, mächtiger Präsident der US-Tochter von IBM, sein Management wach. Zuvor hatte bereits sein Kollege Hans-Olaf Henkel, Geschäftsführer des hiesigen Multi-Ablegers, der Schlag gerührt. Wir wollen das kundenfreundlichste Unternehmen der Branche werden, verkündete dieser bereits vor drei Jahren seine Antwort auf den gnadenlos gewordenen Konkurrenzkampf im Computer-Business. Henkel setzte das größte Qualifizierungsprogramm in der Geschichte der deutschen IBM in Gang. Täglich mußten 1500 Beschäftigte die Schulbank drücken und bekamen eingetrichtert, wie wichtig Qualität und Service für das Überleben eines Computerriesen sind. Ein Drittel aller Beschäftigten verrichten heute andere Tätigkeiten, sind vielfach aus der Fertigung in den Bereich Software und Services gewechselt. Um den erfolgverwöhnten Topmanagern rund um den Globus den Ernst der Lage deutlich zu machen, lud IBM-Chairman John Akers sämtliche Spitzenkräfte Anfang 1989 zur bislang größten Führungskonferenz des Konzerns ein und appellierte eindringlich an sie, aus der IBM eine market-driven-company zu machen. Wenn dem Kunden etwas nicht gefällt, so der Leitsatz des IBM-Chefs, der wie aus einem Handbuch für erfolgreiche Verkäufer klingt, dann ändere es- so lange, bis es ihm gefällt. Kundenfreundlichkeit als neue Trumpfkarte in der Computerbranche, weil die Produkte durch Normen und Standards immer ähnlicher und austauschbar werden. Für Marktbeobachter freilich hat sich der Steuermann Akers viel zu spät dafür entschieden, den Tanker aus der alten Fahrrinne zu manövrieren. In puncto Qualität will der trotz Einbrüchen bei Umsatz und Gewinn nach wie vor marktführende Computerkonzern weltweit das beste Unternehmen der Branche werden. Null-Fehler-Qualität heißt das Ziel. Die Japaner, die laut Henkel in Deutschland nicht erst vor der Tür stehen, sondern bereits im Wohnzimmer sind, schaffen die fehlerlose Quote schon heute. Die IBM will spätestens 1994 soweit sein. Heute sind die meisten Produkte und Prozesse bei IBM zu 99 Prozent fehlerfrei. Das hört sich besser an als es ist. Unter einer Million Geräten, Arbeitsvorgängen oder Leistungen sind 10000 nicht tadellos. Dies muß sich ändern. Angestrebt wird eine Fehlerrate von verschwindent geringen 0,00034 Prozent. Anders ausgedrückt: in 99,99966 Prozent aller Fälle soll künftig das Arbeitsergebnis fehlerfrei sein. Dieser angestrebte Qualitätsstandard heißt bei IBM Sechs-Sigma-Qualität, so benannt nach einem relativ bekannten Ansatz aus der statistischen Theorie. Lernen, intensiver zuzuhören ist die erste Lektion, die IBM-Beschäftigte begreifen müssen. Denn was unter Qualität zu verstehen ist, definiert nicht etwa die dafür traditionell zuständige firmeninterne Abteilung, sondern der Kunde. Wichtig ist, wie er Qualität wahrnimmt. Lieferzeiten, Installation, Inbetriebnahme, Benutzerfreundlichkeit der Systeme, eine verständliche Dokumentation und nicht zuletzt ein zuvorkommender Vertriebsbeauftragter, das sind die Kriterien, die angeblich das Image von IBM prägen. Über 50 Prozent aller Kundenbeschwerden an die Geschäftsleitung sind laut IBM Deutschland nicht produktbezogen. Häufig geklagt werde hingegen über die Betreuung wie über Dienstleistungen und Anwendersoftware. An diesen hausgemachten Problemen müssen wir arbeiten, tönt es da aus der Qualitätsabteilung. Die Beschäftigten sollen der Kundschaft regelrecht von den Augen ablesen, welchen Wunsch sie haben. Fünf Initiativen hat das Stuttgarter Management dazu gestartet. Es geht um die Kundenanforderungen, fehlerfreie Ausführungen, kürzere Ablaufzeiten, die interne Koordination der Tätigkeiten und die Rechenschaft über erreichte Verbesserungen. Jedes Produkt, jede Dienstleistung und jeder Kontakt mit dem Unternehmen soll aus Kundensicht absolut perfekt sein. Mit der Fünf-Minuten-Kiste, das ist die werbeträchtige Bezeichnung für den neuen Arbeitsplatzrechner PS/ 1 der IBM für die Familie und den Freiberufler, will man zeigen, was market-driven bedeuten kann. Nicht nur, daß sich IBM nach langer Enthaltsamkeit überhaupt des Konsumentenmarktes annimmt. Nun soll es auch ein Verkaufsschlager werden: In fünf Minuten ist der PC laut Anzeige ausgepackt, aufgebaut, eingesteckt- und kann sofort bedient werden. So reibungslos soll künftig alles klappen. Der gesamte Vertriebsapparat wurde hierfür restrukturiert, die Geschäftsstellen erhielten mehr Verantwortung und sämtliche Geschäftsprozesse hat man unter die Lupe genommen. Vereinfachen, transparenter und flexibler machen, lautet die Devise. Für die Beschäftigten werden die Unternehmensziele zur täglichen Herausforderung. Es geht darum, daß wir uns alle mit diesem Thema identifizieren, erklärte kürzlich ein IBM-Oberer. IBM Deutschland scheint ein gutes Stück Weg hin zur Kundenzufriedenheit bereits geschafft zu haben. Im Unterschied zum Mutterhaus in den USA konnte sie für das vergangenen Geschäftsjahr vermelden, daß die Erträge im zweistelligen Bereich gestiegen sind. Wer früher kommt, könnte man frei nach Gorbatschow behaupten, den belohnt das Leben. Weibliche Führungsstärken sind Kooperationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Dazu kommt eine hohe Anpassungsfähigkeit. Wie man in der Praxis diese Vorzüge mit selbstbewußtem zielorientierten Handeln verbindet, ist die Thematik des Seminars Mut zum Erfolg, veranstaltet von Hohenstein Seminare, Dilsberg-Neuhof. Es findet statt vom 30. 1. Bis 1. 2. 1991 und kostet 1650 DM zzgl. MWSt. Veranstaltungsort ist das Steigenberger Hotel Frankfurt Airport. Führungsverhalten aktiv trainiert heißt ein Seminar der Zentrum für Unternehmensführung AG, Thalwil/ Schweiz. Die auf 14 Teilnehmer beschränkte Veranstaltung findet vom 31. 1. Bis 2. 2. 1991 im Hotel Mövenpick, Egerkingen/ Schweiz statt. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 1740 sFr. Seminarziel ist das Üben und Überprüfen des eigenen Führungsverhaltens in realistischen Führungsfunktionen, Erkennen eigener Stärken und Schwächen und Verbesserung der Zusammenarbeit durch gegenseitiges Verständnis. Kompaktseminare bietet das Institut für technische Weiterbildung( ITW), Berlin, an. So findet vom 3. 1. Bis 4. 1. 1991 eine Veranstaltung mit dem Thema Erste Kontakte mit dem Personal Computer statt. Gebühr DM 360. Der Lehrstoff- täglich von 8 .30 Bis 16 .00 Uhr- wird in konzentrierter Form vermittel, so daß der Teilnehmer in kürzester Zeit das Erlernte an seinem Arbeitsplatz anwenden kann. Das aktuelle Kursprogramm kann beim ITW( Tel. 030/ 45387 66) kostenlos angefordert werden. Aus dem Programm'91 von Learning international wird ein Seminar Interaktives Management angeboten. Vom 18. Bis 20. 2. 1991 werden in Düsseldorf unter anderem die Schwerpunkte konstruktiv kritisieren, Diskussionen führen, behandelt. Zielgruppen sind Manager und Führungskräfte aller Ebenen. Durch die angewandten Lernmethoden ist es den Teilnehmern möglich, nach Abschluß des Seminars die gelernten Fertigkeiten unmittelbar in die Praxis umzusetzen. Näheres über Learning Intern. In aktualisierter Form findet das Seminar Varianten systematisch reduzieren vom 16. Bis 17. 1. 1991 im Forum der Stadtsparkasse Aachen statt. Veranstalter ist das Laboratorium für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre( WZL). Behandelt werden die Schwerpunkte Produktseitiges Reduzieren der Variantenvielfalt; Produktionsseitige Beherrschung der Variantenvielfalt; Bewertung von Produktvarianten. Näheres kann erfragt werden beim WZL, Aachen, Telefon 0241/ 80-7404. Auch im Seminarprogramm für das kommende Jahr legt das Weissmann-Team, Nürnberg, besonderen Wert auf die Verknüpfung von Unternehmensstrategie und Humankapital. Der Veranstalter bietet in allen Seminaren( zum Beispiel Zeitmanagement, persönliche Strategie, Coaching, Marketingstrategie) Schulung und Umsetzung im Unternehmen an. Nähere Informationen: 0911/ 508730. Sie gilt als der Rolls-Royce unter den Forschungsschiffen, ist schwimmendes Hotel und High-Tech-Kreuzer zugleich. Wenn die rund 15 000 kW( 20000 PS) starken Dieselaggregate der Polarstern aufdröhnen, haben selbst meterhohe Eisschichten keine Chance. Der Stolz des Alfred-Wegener-Instituts bietet einer 41köpfigen Besatzung ebenso Platz wie bis zu 75 Forschern und Wissenschaftlern. Der doppelwandige Eisbrecher, der bei Außentemperaturen von -50o C funktionstüchtig ist und sogar in der Antarktis überwintern kann, wurde am 9. Dezember 1982 in Dienst gestellt. Seither absolviert das 190 Millionen DM teure Flaggschiff der bundesdeutschen Forschungsflotte ein jährliches Arbeitspensum von 300 Tagen. Auf den neun Decks der 118 m langen und 25 m breiten Polarstern drängen sich modernste Satelliten-Empfänger, Kühl- und Klimakammern, Hubschrauber-Hangars sowie neun wissenschaftliche Labors. Die 12 m lange Barkasse Polarfuchs lädt zu Ausflügen in die kältestarrende Umgebung ein. Zum Standard des 16000 t-Giganten gehören aber auch Büroräume, Läden, Schwimmbad und Bar, Post, Sauna und Bücherei. Ein 4 Kilometer mächtiger Eispanzer, orkanartige Winde von 250 Kilometer/ h und hochsommerliche Temperaturen bis zu -50oC machen die Antarktis zum lebensfeindlichsten Ort der Erde. Tiere und Pflanzen können nur an wenigen Küstenstreifen existieren. Im Innern ist der Kontinent ökologisch tot. So extrem und lebensfeindlich die Bedingungen in der südpolaren Region auch sein mögen, Klimaforscher sehen in diesem Gebiet eine sensible Alarmanlage für Veränderungen im globalen Ökosystem. Mit 14 Millionen km2 ist die Antarktis rund eineinhalbmal so groß wie Europa. Bis zu einer Dicke von 4 Kilometer legt sich der Eispanzer wie ein Deckel über den felsigen Untergrund des 6. Kontinents. Hinzu kommen 4 Millionen km2 Meereis im Sommer, das sich im Winter bis zu 20 Millionen km2 ausweitet. Die Wärme, die durch Sonneneinstrahlung entsteht, wird von den klimatisch gemäßigten Zonen, durch ozeanische und atmosphärische Strömungen in die Polargebiete geleitet und von dort in den Weltraum abgeführt. Dabei kommt der ozeanischen Strömung ebensoviel Bedeutung zu wie der atmosphärischen. Das südpolare Meer ist die einzig bedeutende Verbindung zwischen dem Pazifischen, dem Atlantischen und Indischen Ozean. Wie ein Ring umgeben die zirkulierenden Wassermassen den eisigen Kontinent. Auf einer Länge von 20000 Kilometer werden rund 130 Millionen m3 Wasser in jeder Sekunde bewegt. Nur in dieser Region kommt es zum Austausch von Wassermassen und den darin gelösten Nährstoffen. Ein gigantischer Kreislauf: das größte ozeanische Strömungssystem der Erde, der Antarktische Zirkumpolarstrom. Das 1957 gegründete Scientific Committee for Antarctic Research( SCAR) startete 1981 ein Programm zur Erforschung des marinen Ökosystems. Mit diesem Projekt sollte vor allem Struktur und Dynamik der südpolaren Meeresgebiete untersucht werden. Bei diesem Biological Investigation of Antarctic Marine System and Stocks Project, kurz Biomass genannt, stand die Untersuchung des Krills im Mittelpunkt. Dieser garnelenähnliche Walkrebs steht in der Mitte der faszinierend kurzen antarktischen Nahrungskette. Der Krill, der sich von Plankton ernährt, wird tonnenweise von den Walen aus dem eisigen Wasser gefiltert. Doch auch Pinguine, Robben und Tintenfische ernähren sich von diesem durchschnittlich 6 cm langen und 1,7 g leichten Meereswinzling. Der Wunsch, Krill könne, wie Biologen und Politiker in den 70er Jahren hofften, einen großen Teil des Proteinbedarfes gerade in der 3. Welt decken, erfüllte sich nicht. Ein hoher Fluoridgehalt machte den potentiellen Eiweißlieferanten aus dem Meer für den Menschen ungeeignet und bewahrte den Meeresbewohner möglicherweise vor der Ausrottung. In den heute 40 wissenschaftlichen Stationen, in denen im Sommer etwa 6000 im Winter 3000 Menschen leben, arbeiten Spezialisten gänzlich unterschiedlicher Forschungsbereiche Hand in Hand. Geologen, Glaziologen, Meeresbiologen, Ozeanologen und Fachleute für Geodäsie spüren den fundamentalen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Eis, Ozean und biologischem Lebensraum nach. Meterhohe Eismassen dienen den Wissenschaftlern als tiefgefrorenes Archiv der Klima- und Umweltgeschichte der Erde. Gas- und Pollenanalysen im ewigen Eis lassen nach und nach eine lückenlose Auflistung ökologischer Veränderungen entstehen. Als britische Wissenschaftler 1985 erstmals ein riesiges Ozonloch über dem Südpol entdeckten, rückte die Forschung jenseits des 60. Breitengrades in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Ein Ozonschwund bis zu 5 Prozent ist heute schon auf der Südhalbkugel zu verzeichnen. Steigt die Anzahl der an Hautkrebs erkrankten Menschen gerade in Australien dramatisch an, sind die Folgen der erhöhten UV-Bestrahlung für den 6. Kontinent selbst noch weitgehend unbekannt. Während die Antarktis trotz zeitweiliger Begehrlichkeiten der Großmächte bis heute die größte atomwaffenfreie Zone der Erde geblieben ist, droht den Wissenschaftlern in letzter Zeit Gefahr von ganz anderer Seite. Gotthilf Hempel, Leiter des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung( AWI): Ein großes Problem ist, daß die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen, die im kurzen südpolaren Sommer intensive und teure Forschungsprogramme absolvieren müssen, immer häufiger von Touristen gestört werden. Mittlerweile suchen und finden jährlich 3000 Antarktisurlauber den Weg in die Nähe des Pols- Tendenz zunehmend. Dies dürfte ein unerwünschter Nebeneffekt eines medienträchtig vermarkteten antarktischen Fußmarsches des sonst nur selten unter 8000 m anzutreffenden Reinhold Messner und seines Weggefährten Arved Fuchs sein. Unter sich bleiben die Forscher in den Monaten März bis Oktober, dem südpolaren Winter. Selbst der eisbrechende AWI-Forschungsgigant Polarstern, der in dieser unwirtlichen Region sogar überwintern kann, muß dann vor den Eismassen kapitulieren. Die Forschungsprogramme müssen allerdings stark gekürzt werden, denn in der langen Südpolarnacht läßt das oftmals stürmische Wetter wissenschaftliche Arbeiten außerhalb der Stationen nur bedingt zu. Unter diesen widrigen Umständen hat 1990 erstmals ein Frauenteam am Südpol überwintert. Die neun Wissenschaftlerinnen haben nach Aussagen des AWI-Leiters ihre Aufgabe ausgezeichnet gemeistert. Von den drei deutschen Basislagern bleibt nur die Georg von Neumayer im Ekström-Schelfeis nordöstlich des Weddellmeeres besetzt. Sie dient den Wissenschaftlern auch unter extremen Bedingungen als geophysikalisches, meteorologisches und spurenstoff-chemisches Labor. Doch nicht nur aus reinem wissenschaftlichen Interesse nimmt die Zahl der Forschungsstationen rund um den Südpol beständig zu. Die Hoffnung auf riesige Rohstoffvorkommen fordert die Präsenz von immer mehr Staaten heraus. Ein ständig wachsender Hunger der Industriestaaten nach Öl und Edelmetallen bringt diesen fast noch unberührten Kontinent in Gefahr. So vermuten amerikanische Fachleute, daß unter dem Eisdeckel 115 Billionen m3 Gas und 45 Millionen Barrel Erdöl lagern. Große Vorkommen an Platin, Gold, Silber, Titan, Chrom und Uran steigern die Attraktivität dieser Region zusätzlich. 1988 verabschiedeten die Unterzeichner des Antarktisvertrages mit Konsultativstatus im neuseeländischen Wellington ein Abkommen, das die wirtschaftliche Nutzung des südpolaren Territoriums festschreibt. Diese- Convention on the Regulation of Antarctic Mineral Resource Activities( CRAMRA)- regelt die Suche und Erschließung nach Rohstoffen in der Antarktis. In diesem Abkommen werden strikte Regelungen zum Umweltschutz festgelegt. Der Antarktisvertrag, den 1959 zwölf Staaten unterzeichneten, bewahrte bis jetzt das empfindliche Ökosystem des 6. Kontinents vor der Zerstörung. Durch diesen Vertrag ist es gelungen, den Südpol aus dem Rüstungswettlauf herauszuhalten. Weder Atomtests durften dort durchgeführt, noch radioaktiver Müll endgelagert werden. Damit hatten sich die Supermächte zum erstenmal vertraglich auf eine Demilitarisierung eines Territoriums geeinigt. Die Unterzeichner treffen sich 1991 in Bonn, dann steht der Antarktisvertrag zur Diskussion. Ob sie sich zu einem endgültigen Schutzabkommen durchringen können, ist mehr als fraglich. Die Zahl der Konsultativstaaten steigt in jedem Jahr, doch die Beschlüsse müssen einstimmig gefaßt werden. Wenn 1991 in Bonn keine klaren Entscheidungen gefällt werden, um die Antarktis vor dem ökologischen Knock-out zu bewahren, dürfte es um die ohnehin schon angezählte Natur bald geschehen sein. Der Antarktisvertrag besteht aus 14 Artikeln. Die wichtigsten Aussagen sind: Die Antarktis wird nur für friedliche Zwecke genutzt. Alle Maßnahmen militärischer Art sowie Kernexplosionen und die Beseitigung radioaktiven Abfalls sind verboten( Artikel V). Der Vertrag gilt für das Gebiet südlich des 60. Breitengrades und schließt alle Schelfeisgebiete ein. Die Hohe See unterliegt eigenen Rechten( Artikel VI). Ergänzt wurde der Antarktisvertrag durch eine Reihe von Zusatzvereinbarungen, wie etwa zur Erhaltung der Fauna und Flora, der Robben oder der lebenden Meeresschätze. Umstritten ist bis heute die industrielle Erschließung des Kontinents. Während der gerade zu Ende gegangenen Antarktiskonferenz in Chile erneuerten Australien und Frankreich ihre Forderung nach einem Verbot jeglichen Bergbaus. Die angestrebte Regelung zielt auf einen besonderen Schutz der polaren Umwelt ab. Die Antarktis soll danach zu einem weltweit einmaligen Naturpark werden. Sämtliche Erbinformationen eines Organismus liegen verschlüsselt in langen Ketten von Desoxyribonukleinsäure( DNS) im Zellkern. Um daraus Proteine basteln zu können, muß die molekulare Schrift buchstabenweise entschlüsselt werden. Rätselhaft war bisher die ungeheure Präzision, mit der dies geschieht. Die experimentelle Medizin ist dem Grund für diese Genauigkeit auf die Spur gekommen. Stille Post gilt im allgemeinen nicht als besonders zuverlässige Methode der Informationsvermittlung. Der Weg der Erbinformation aus den verschlungenen Fäden im Zellkern bis zum konkreten Protein, mit dem der Organismus etwas anfangen kann, erinnert allerdings an das beliebte Gesellschaftsspiel- und dennoch erfolgt die Übersetzung mit enormer Präzision. Unter mehreren Zwischenschritten wird der Bauplan für ein Protein aus dem Zellkern herausgeschleust. Transfer-Ribonukleinsäuren( tRNS), die jeweils eine Aminosäure tragen, ordnen sich anhand dieses Bauplans in bestimmter Reihenfolge an; ihre Aminosäuren können sich dadurch zu einem Protein verbinden. Der Schlüsselprozeß bei der Synthese von Proteinen findet aber schon früher statt. Die tRNS-Moleküle nämlich werden nicht bereits mit ihrer Aminosäure am Ende geboren. Beide müssen erst miteinander verbunden werden- und zwar jeweils die genau richtigen. Dafür sind bestimmte Enzyme zuständig, die wie bei Enzymen üblich nach ihrer Funktion bezeichnet werden: die Aminoacyl-tRNS-Synthetasen. Sie haben eine doppelte Aufgabe: zum einen müssen sie eine bestimmte tRNS unter den mehr als zwanzig verschiedenen erkennen, zum anderen müssen sie auch unter den zwanzig Aminosäuren die genau richtige herauslesen. Für jede Aminosäure ist eine eigene Synthetase zuständig. Die Genauigkeit der Übersetzung von Erbinformation in ein bestimmtes Protein hängt also entscheidend davon ab, wie zuverlässig jede von ihnen ihre Aminosäure erkennt. Die Synthetasen müssen dabei besonders genau arbeiten: schließlich sind sie selbst nichts anderes als Proteine, die ebenfalls unter Vorlage der Baupläne aus dem Zellkern gebildet werden müssen. Wenn diese Enzyme fehlerhaft arbeiten, dann fällt das auch auf sie zurück, erklärt Prof. Friedrich Cramer, Direktor des Göttinger Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin, ihre Fehlerrate würde dadurch noch weiter gesteigert- eine Rückkopplung, die über kurz oder lang zu einer Fehlerkatastrophe führen müßte. Schlampige Arbeit auf diesem Gebiet hätte für den Organismus also fatale Folgen. Gerade das Erkennen von Aminosäuren gehört aber zu den schwersten Übungen, die es für Enzyme gibt. Enzyme erkennen ihren Werkstoff in der Regel nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip: die Strukturen von Enzym und seinem Substrat sind so aufeinander abgestimmt, daß das eine Molekül in das andere einrasten kann. Aminosäuren ähneln sich aber oft so sehr, daß eine solche Erkennung für die Synthetasen äußerst schwierig ist. Wie sich berechnen läßt, müßten die Synthetasen- würden sie allein nach dem mechanischen Schlüssel-Schloß-Prinzip verfahren- bei den fast baugleichen Aminosäuren Isoleucin und Valin auch bei größter Feinfühligkeit einen durchschnittlichen Fehler von rund 20 Prozent machen. Jedes fünfte Isoleucin wäre dann gegen ein Valin ausgetauscht- für den Organismus eine Katastrophe. Mit den Synthetasen muß eine wahre Elite-Truppe am Werke sein. Wie diese Spezialeinheit unter den Enzymen arbeitet, konnten die Göttinger Forscher nun aufklären. Sie stellten fest, daß die Synthetasen, nachdem sie die Aminosäuren mit der entsprechenden tRNS verknüpft haben, ihr Werk noch zweimal kontrollieren. Was nicht paßt, wird wieder gelöst, erst dann werden die tRNS-Aminosäure-Komplexe zur Protein-Produktion freigegeben. Dieses Korrekturlesen unterscheidet die Synthetasen von allen anderen bekannten Enzymen, betont Cramer. Erst dadurch wird aber die hohe Genauigkeit erreicht. Zum Nulltarif gibt es die allerdings nicht. Jede Bindung einer Aminosäure kostet ein Molekül des biochemischen Brennstoffs ATP( Adenosintriphosphat); und wie es die Gesetze der Thermodynamik wollen, kann sie auch nur unter Aufwand der gleichen Energiemenge wieder gelöst werden. Die Skizzen sind verschlüsselt durch die Abfolge von vier verschiedenen molekularen Symbolen, den Nukleotiden. Wie eine Reihe von Morsezeichen in die Buchstaben des Alphabets, so läßt sich die Nukleotidfolge der DNS in Aminosäuren übersetzen, in die Bausteine von Proteinen. Der genetische Code, der bei allen Organismen gleich ist, ordnet jeweils drei aufeinanderfolgenden Nukleotiden auf dem DNS-Strang eine von 20 Aminosäuren zu. Eine bestimmte Abfolge auf dem DNS-Strang ergibt dadurch eine ebenso bestimmte Abfolge von Aminosäuren- ein bestimmtes Protein. Von der DNS zum Protein ist es allerdings ein weiter Weg. Zunächst wird von der DNS im Zellkern eine Abschrift angefertigt- wer gibt schon gern ein so wichtiges Original heraus. Diese Kopien dienen außerhalb des Zellkerns als Arbeitsvorlagen für den Zusammenbau der Aminosäuren. Dabei sind sogenannte Transfer-Ribonukleinsäuren, kurz tRNS, als Vermittler nötig. Sie verfügen einerseits über einen Lesekopf, mit dem sie jeweils eine bestimmte Dreierfolge von Nukleotiden auf der Arbeitskopie der DNS erkennen und sich dort anheften können. Am anderen Ende tragen sie eine Aminosäure. Diese tRNS-Aminosäure-Komplexe verkörpern damit gewissermaßen den genetischen Code. Heften sich die tRNS-Stücke nun dicht an dicht an die jeweils passende Dreierfolge des Nukleotidstrangs, können sich die dazugehörigen Aminosäuren zu einem Protein verbinden. Dessen Eigenschaften werden von der genauen Reihenfolge seiner Aminosäuren bestimmt. Immer unübersichtlicher wird die Bandbreite moderner High-Tech-Werkstoffe in Telekommunikation und Computerfertigung. Nur der Mensch ist deshalb noch in der Lage, diese Materialvielfalt für eine Wiederverwertung zu kanalisieren. Recyclingkompatibles Konstruktionsdenken ist gefragt. Seit sich die deutsche Bundesregierung, insbesondere ihr Bundesumweltminister Klaus Töpfer, mit dem P 14 Abfallgesetz ein gesetzliches Instrumentarium- die Zielfestlegungen- geschaffen hat, ist in vielen Branchen ein Entsorgungs-Aktivismus ausgebrochen. Die gesamte Verpackungsindustrie weiß mittlerweile davon ein Lied zu singen. Aber auch andere Bereiche befinden sich im Visier, so zum Beispiel die gesamte Elektroindustrie. Bis Mitte nächsten Jahres sollen Hersteller freiwillig ihre Geräte zurücknehmen und entsorgen. Bislang wandern Geräte( Audio-, Video-, Kopiergeräte und zum Teil auch noch EDV-Anlagen) dieser Branche normalerweise in den Hausmüll, und mit ihm auf die Deponie oder in die Müllverbrennungsanlage. Und dies obwohl es sich dabei teilweise um Sondermüll handelt, wie beispielsweise Batterien. Branchenfachleute veranschlagen, daß bis dato jährlich noch etwa 8000 t EDV-Teile derart entsorgt werden. Die Tendenz ist allerdings stark steigend, weil sich der Geräterücklauf noch parallel zum Fuße der Wachstumskurve vor einigen Jahren bewegt. Bei einer durchschnittlichen Lebenszeit der Geräte von 6 bis 10 Jahren steht der eigentliche Berg also noch bevor. Mit jährlichen Steigerungsraten zwischen 5 Prozent und 10 Prozent wird gerechnet. Bei der Computerindustrie ist man inzwischen aufgewacht. Auf der CeBIT '90 stellte Nokia Data, Tochtergesellschaft des größten skandinavischen Anbieters von Geräten der Informationstechnologie, nach eigenen Bekunden als erstes Unternehmen der Branche ein Konzept zur Verwertung von Gebrauchtcomputern vor. In Zusammenarbeit mit dem Kölner Unternehmen Reichart Metalle werden 90 Prozent des in sieben Fraktionen- Eisen- und Metallschrott, Technische Kunststoffe, Leiterplatten, Stecker sowie Steckverbindungen, Kabel, Glas und Batterien- aufgeteilten Altmaterials einer Wiederverwertung zugeführt. Voraussetzung ist allerdings, das neue Gerät sollte man bei Nokia kaufen, dann werden Bildschirm oder Computer für je 50,- DM abgeholt. Seit Anfang Juni bietet auch die IBM Deutschland ihren Kunden die Rücknahme der aus eigener Herstellung stammenden Geräte an. Sie läßt die Anlagen von einem Spediteur abholen. Im Warenverteilzentrum werden diese fachmännisch zerlegt und anschließend an Entsorger und Wiederverwerter verteilt. Auch Unisys Deutschland unterhält inzwischen in Kelsterbach bei Frankfurt ein Verwertungszentrum, das 14 europäische Niederlassungen entsorgt. Im Rahmen des Verwertungsprogrammes werden Bauteile und Baugruppen ausgebaut und in Zusammenarbeit mit Fachbetrieben die Roh- und Wertstoffe zurückgewonnen. Etwa 10 Prozent- 15 Prozent an nicht wiederverwertbarem Material müssen, wie bei anderen Unternehmen auch, der Endlagerung( Sondermülldeponie oder ähnliches) zugeführt werden. Lediglich Bildschirm, Tischdrucker und Tastaturen würden in den einzelnen Ländern vor Ort verwertet, teilte der Computerhersteller ergänzend mit. In Kelsterbach nimmt man allerdings gebrauchte Systeme kostenlos zurück. Entweder werden sie nach einer Generalüberholung( Austausch defekter Teile mit anschließender Qualitätskontrolle) wieder auf dem Markt angeboten oder vollständig in ihre Einzelteile zerlegt, geprüft und wieder verkauft. Erst wenn dies nicht mehr möglich ist, kommt die Recyclingstufe. In anderen Bereichen der Elektrotechnik sieht es noch nicht so erfreulich aus: Als stellvertretend für die Aktivitäten der Unterhaltungselektronik kann Sony Deutschland angeführt werden. In Köln stieß die Frage nach der Entsorgung ihrer breiten Angebotspalette auf Überraschung. Damit sei man seitens der Kunden bislang kaum behelligt worden und deshalb wird auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf gesehen. Allerdings, die einzelnen, über die Bundesrepublik verteilten Niederlassungen nähmen die Geräte zurück und schickten sie an die Kölner Zentrale, wo sie demontiert oder entsorgt würden. Einzelheiten dazu waren leider nicht zu erfahren. Aber die Verbraucher werden sicher schon sehr bald in größerer Zahl bei Sony anklopfen. Und große Marktanteile dürften sich auf Dauer nur dann sichern lassen, wenn auch konkrete Entsorgungsmaßnahmen zum Angebot gehören. Es genügt eben schon längst nicht mehr, Geräte nur zu verkaufen oder über einen guten Service zu verfügen. Die Dienstleistung muß inzwischen auch die Entsorgung mit einschließen. Daß die in den Geräten enthaltenen Wertstoffe zum Wegwerfen letztlich zu schade sind, stellte Ende September auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie sowie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau öffentlich fest. Gemeinsam gründeten die beiden Verbände den Arbeitskreis Geräte-Entsorgung, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch die Erarbeitung geeigneter Sammel-Logistiken und Rücknahmemöglichkeiten dafür zu sorgen, daß möglichst viele Altgeräte wiederverwertet werden. Die beim Recycling gewonnenen Erfahrungen sollen dann bereits bei der konstruktiven Auslegung der Teile zum Tragen kommen und somit die Wiederverwertung erleichtern. Ohne moderne High-Tech-Werkstoffe geht in unserer industriellen Wirtschaft, aber auch in sozialen Bereichen, nichts mehr. Ob Medizin und Sport, Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau oder die moderne Konsumgüterindustrie- sie alle entfalten ihre heutige Leistungsfähigkeit nur mit maßgeschneiderten Materialien. Entsprechend positiv fallen die Zukunftsprognosen aus, wenn da nicht das bislang wenig beachtete Problem ihrer mangelnden Recyclingfähigkeit wäre. Auch im Automobilbau profitierten Kunststoffspezialitäten bislang von der guten Konjunktur. Und mit dem wachsenden Wissen der Konstrukteure um die Einsatzfähigkeit solcher maßgeschneiderten Polymere könnte ihr Anteil bald noch schneller expandieren, wenn da nicht das Entsorgungsproblem wäre. Denn angesichts der frappierend enger werdenden Entsorgungskapazitäten ist die Öffentlichkeit inzwischen aufgeschreckt. Keine Marketingabteilung eines Unternehmens, die nicht erkannt hätte, daß Umwelt-PR das verkaufsfördernde Argument schlechthin ist. Wer hat nicht in den vergangenen Wochen einen Konsumartikel gekauft, der nicht mit dem Signet umweltfreundlich angeboten worden war. Doch mit der überzogenen Öko-Masche- irgendein Umweltaspekt läßt sich schließlich aus jedem Artikel hervorkitzeln- beginnt sich bei den Konsumenten immer größeres Mißtrauen breit zu machen. Dem mühsam zu schaffenden Markenzeichen droht damit schon die gesellschaftliche Ignoranz, bevor es überhaupt eine wirklich umweltschonende Relevanz erreicht hat. Wenn bei Verbänden und Institutionen eine öko -Veranstaltung die nächste jagt, dann darf es an konkreter Praxis nicht länger mangeln. Entsprechend einer umfassenden Technikfolgen-Abschätzung sind dabei nicht nur Öko-Bilanzen für Werkstoffe zu erstellen, sondern bereits bei der Produktkonzeption eine Wiederverwertbarkeit in die gedankliche Arbeit miteinzubeziehen. Welches Potential allein darin liegt, hat Peter Riller vom Nürnberger Unternehmensbereich Hausgeräte der AEG erst kürzlich deutlich gemacht. Mindestens 80 Prozent der Umweltrelevanz, so glaubt der Leiter der Konstruktionsabteilung, würden schon bei der Konzeption festgelegt. VDI-Nachrichten: Das Automobil ist heute unbestritten ein High-Tech-Produkt. Wann aber wird die Verwertung des Schrottautos technologisch mit der Neu-Produktion vergleichbar sein? Razim: Die Autos, die heute entsorgt werden müssen, sind in einer Zeit gebaut worden, als man an eine Entsorgung im heutigen Sinne einfach noch nicht gedacht hat. Heute stehen wir in bezug auf die Entsorgung des Objektes Auto in der Tat ziemlich am Anfang. Die Zielsetzung ist dabei zu lernen, ob und wie Automatisierungen entwickelt werden können. Doch dazu muß auch klar gesagt werden: Die Automatisierung der Demontage wird nicht den hohen Grad erreichen wie die Automatisierung der Montage. VDI-Nachrichten: Es bleibt also Utopie, daß das Auto, so wie es zusammengesetzt wird, auch wieder demontiert wird? Razim: Das ist ganz sicher Utopie, weil das Fahrzeug ja nicht im Neuzustand vorliegt, sondern mindestens zehn Jahre in Betrieb ist mit allen Konsequenzen der Alterung. VDI-Nachrichten: Hat die Automobilindustrie in der Wiederverwertungs-Problematik nicht sehr viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen? Razim: Das ist die ewige Frage, warum etwas nicht schon seit gestern gemacht wird. Schon 1971 habe ich das Patent zum Metallurgischen Recycling angemeldet. Doch 1971 war die Zeit für eine solche Denkungsart einfach noch nicht da. Jetzt ist erkannt, Recycling tut not. VDI-Nachrichten: Und wie ist hierbei das VDA-Konzept, mit lizensierten Shredderbetrieben die Schrottfahrzeuge umweltverträglich zu entsorgen, mit dem von Mercedes-Benz geplanten metallurgischen Recycling in Einklang zu bringen? Razim: Alle lizensierten Betriebe der Autoverwertung und der dazugehörenden Shredder haben das Deponieproblem. Alle hoffen und warten, daß irgendjemand kommt und dieses Deponieproblem löst. Der Ansatz bei der Automobilindustrie ist, zu fordern, ihr müßt demontieren, damit weniger Shreddermüll anfällt. Das ist ein Weg, der uns von dem Problem aber noch nicht befreit, sondern es lediglich mildert. Wenn heute schon eine Anlage für das metallurgische Recycling existierte, würde jeder begeistert sein, weil die Probleme des Shreddermülls dann gelöst wären. VDI-Nachrichten: Sehen Sie zwischen den Zielvorstellungen von Umweltminister Klaus Töpfer und den Aktivitäten der Autoindustrie genügend Anknüpfungspunkte, so daß sich die gesetzliche Verordnung vermeiden ließe? Razim: Die Automobilindustrie übernimmt für ihr Produkt die Verantwortung. Dem entzieht sie sich nicht. In welcher Form diese Verantwortung erfüllt werden kann, darüber muß man sicher noch diskutieren. Zwei Wege sind hier offen. Der erste ist die Rücknahme des Produkts direkt durch den Hersteller, der zweite wäre die Beauftragung von autorisierten Institutionen, die die Entsorgung vornehmen. VDI-Nachrichten: Aber damit läßt sie die Zielfestlegung doch offen. Razim: Ja, das läßt sie. Welcher der zu beschreitende Weg ist, muß jetzt innerhalb der Automobilindustrie besprochen werden, eine Aufgabe, die der VDA übernommen hat. Natürlich sind hier die Interessenlagen unterschiedlich. Importfirmen haben meistens keine Einrichtungen, um die Altfahrzeuge selbst zurückzunehmen. VDI-Nachrichten: In der Begründung der Zielfestlegung findet sich eine interessante Zahl: bis zu 25 Prozent der Kunststoffe im Auto sollen zukünftig aus wiederverwertetem Material sein. Können Sie sich das vorstellen? Razim: Mit einigen Schwierigkeiten, ja. Das geht zwar nicht von heute auf morgen. Schon jetzt liegen wir bei zirka 10 Prozent. Aber insgesamt halte ich das für machbar. Denn hier ist das Potential noch nicht ausgeschöpft, wobei es sich in erster Linie auf verdeckte Teile, Dämmstoffe und Verkleidungen beschränken wird. Wir dürfen nicht ignorieren, daß die Wiederverwertung von Kunststoffen mit einer Kaskade der Eigenschaften verbunden ist. Man kann also nur partiell alten Kunststoff zu neuem dazumischen, oder man bekommt ein Eigenschaftsspektrum, das in Richtung Blumentöpfe und Gartenmöbel weist. Das darf aber dem Kunststoff nicht angelastet werden, das ist bei anderen Werkstoffen ähnlich. Das gilt auch für jedes Metall. Sie können einen Zylinderkopf aus Aluminium weiterverarbeiten zu einem Wasserpumpengehäuse. Das Risiko, aus diesem Material wieder einen Zylinderkopf zu machen, ist zu groß, selbst wenn es vollständig sortenrein vorliegt. Mit der Kaskade müssen wir leben. Doch auf eines, was auch in der Zielfestlegung steht, möchte ich hinweisen. Nämlich, daß der Ausbau ökonomisch sinnvoll und die entstehenden Mehrkosten vertretbar sein sollen. Also nicht in jedem Falle: koste es, was es wolle. Wir müssen schließlich auf dem Weltmarkt bestehen. Wir können durch rigorose Maßnahmen, die uns in der Funktionalität des Fahrzeugs einschränkt, international nur verlieren. Denn was wir nicht tun, machen unsere japanischen Freunde. Das heißt nicht, daß die Automobilindustrie einen Freibrief für sich beansprucht. Das will sie nicht. Aber man muß ihr die Methoden überlassen, wie sie einerseits die Funktionalität eines Teils, andererseits auch die umweltgerechte Entsorgung sicherstellt. Was seit Jahrzehnten ganze Branchen nährt und heute mit viel High-Tech von den Bändern fährt, verweigert den Zauberlehrlingen von einst den Gehorsam: das Automobil. Ausgedient und abgestellt, erweisen sich vor allem Plastik-Eingeweide und erkaltete Lebenssäfte mehr und mehr als drückende Altlast. Höchste Zeit also für Große wie Kleine, umzudenken. Das Gespenst der Altlasten geistert nicht erst seit gestern durch die Alpträume bundesdeutscher Automobilproduzenten, Schrottverwerter und Sondermüll-Disponenten. Sie wissen nur zu gut, daß sie sich angesichts übervoller Deponien nicht länger ihrer Verantwortung für die alten Vehikel entziehen können. Abgesehen von der bereits probaten, weil lohnenden Entsorgung der Batterien, Reifen, Katalysatoren sowie anderer wiederverwertbarer Teile und Aggregate, fallen jährlich immerhin rund 500000 t Altauto-Müll durch die Roste der 30 großen westdeutschen Shredderanlagen. Ihnen bleibt vorerst nur der Weg zur Sondermüll-Deponie. Doch dort explodieren die Abnahmepreise, 150 DM/ t verlangten die Sondermüller Anfang des Jahres. Deshalb wohl haben die Automobilbauer bereits Umweltschutz und Recycling feierlich auf ihre Fahne geschrieben. So gab die Volkswagen AG bereits im April grünes Licht für eine Pilotanlage zur fachgerechten, wissenschaftlich begleiteten Demontage von Alt- und Unfallautos. Das Ziel des ostfriesischen Leer-Stücks: die Entwicklung und Erprobung effektiver Verfahren, die ein Vorab-Separieren verbauter einzelner Komponenten und Materialien- Kunststoffe vor allem- gestatten. Einmal sortenrein zerlegt, wandern die Kunststoffteile dort zunächst in die Hackmühle, um bei einem niederländischen Unternehmen gesäubert, gewaschen und granuliert zu werden. Wieder andere Firmen übernehmen die Aufarbeitung, bis die Recyclate schließlich erneut als Kunststoffkomponenten Verwendung finden. Professor Ulrich Seiffert, VW-Vorständler für Forschung und Entwicklung, zieht eine Zwischenbilanz: Wir sind in der Lage, einen Passat-Stoßfänger in eineinhalb Minute zu demontieren und zu zerlegen. Beim Tank aus Polyethylen sind wir soweit, ihn in vier Minuten demontieren zu können. Wir wollen das auf die Hälfte runterfahren und ihn in weiteren drei Minuten zerlegen. Wo sich Kunststoffe einem Reycling widersetzen, so Seiffert ebenso deutlich, da setzen wir Kunststoffe nicht ein. Auch BMW wetteifert um Öko-Pluspunkte. In ihrem Landshuter Werk starteten die Blauweißen eine Versuchsphase des gezielten Ausschlachtens von Oldies. 2000 Wracks wollen sie dort auseinandernehmen, bevor auf einem ehemaligen Wackersdorf-Gelände die großindustrielle Demontage von Altautos anläuft. Der im BMW-Vorstand für Forschung und Entwicklung zuständige Mann, Doktor Wolfgang Reitzle, gibt sich wie sein Kollege von VW optimistisch: Für unsere 15, 16 Jahre alten BMW-Fahrzeuge haben wir jetzt innerhalb von wenigen Monaten in der Pilotanlage entsprechende Demontagewerkzeuge, Einrichtungen und Hilfsmittel entwickelt, so daß wir in fünf Stunden das Auto komplett, zu 100 Prozent sortenrein zerlegen können. Ich schließe nicht aus, daß es uns gelingt, auf zwei bis drei Stunden herunterzukommen. Mit dem eigentlichen Wiederverwerten aber hake es noch, räumt Reitzle freimütig ein: Im Moment haben wir das Problem, daß wir für die Teile, die wir dann sortenrein bekommen, keine Infrastruktur haben, wie wir sie zurückführen. Andere Akzente setzen im Moment die benachbarten Untertürkheimer. In Kooperation mit der oberösterreichischen Voest-Alpine Stahl in Linz gründeten sie eine eigene Recyclingtochter und die Studiengesellschaft für die Entsorgung von Altfahrzeugen. Dabei soll die Tochter erst alles ausschlachten und dann den Rest dem Stahlkocher übergeben. Als besondere Hochtemperatur-Einheizer fungieren dabei die im Autowrack verbliebenen Kunststoffe. Daß dabei weder das gefürchtete Dioxin noch die toxischen Furane in die Außenluft gelangen, soll ein fünfstufiges, ausgeklügeltes Reinigungssystem verhindern. Mercedes-Benz-Vorstand Professor Claus Razim selbstsicher: Wir wollen den Kunststoff auf gezielte Art und Weise energetisch nutzen. Die Methode des metallurgischen Recyclings wird sich durchsetzen, weil sie vollkommen ist in bezug auf die Nutzung und die geringst mögliche Belastung der Umwelt. Auf die thermische Entsorgung von Kunststoffen sowie deren energetische Nutzung schwört einstweilen auch der Stuttgarter Bus-Spezialist Gottlob Auwärter. Für ihre ganz aus Glas- und Carbonfaser-Verbundwerkstoffen hergestellte Karosserie des neuen Neoplan-Metroliner, die im Laufe ihrer 20 Lebensjahre helfen soll, rund 120000 l Dieselkraftstoff einzusparen, garantiert das Werk Rücknahme und ungiftige Entsorgung. Bob Lee von der technischen Direktion des Bus-Herstellers befürchtet betriebswirtschaftliche Probleme: Das Problem ist, daß in den nächsten 20 Jahren noch nicht genügend solcher Abfall anfällt, um eine Entsorgungs- oder Wiederverwertungsanlage lukrativ zu betreiben. Der TÜV Berlin schuf im Frühjahr ein neuentwickeltes Zertifizierungssystem für Kunststoff-Recyclate. KU-RY, so sein Name, will vornehmlich den mittelständischen Entsorgern und Verarbeitern Logistikhilfe geben. Doktor-Ingenieur Ismail Boro, Leiter der Kunststoffprüfstelle und Ziehvater des Systems, begründet: Das Recycling von sortenreinen und sortenreichen Kunststoffen über die Schmelze ist zwar heute schon technologisch machbar, diese Produkte finden aber noch zu wenig Anwendung. Indem der TÜV die eingereichten Sekundärstoffe eingehend prüft und bewertet, so Boro, sei gewährleistet, daß Anwender beziehungsweise Verbraucher stets einwandfreie Materialien beziehungsweise Fertigteile bekommen. Darauf gibt der TÜV Berlin nun Brief und Siegel: GR- Geprüftes Recyclat. Einige GR-Plaketten habe er schon vergeben, berichtet der TÜV-Spezialist. Jüngstes Beispiel: die Radhausauskleidungen beim Opel Calibra. Dem Berliner Umweltbundesamt( UBA) aber geht es beim Unternehmen umweltfreundliche Automobilverwertung immer noch zu langsam. UBA-Präsident Heinrich von Lersner und sein Recycling-Spezialist Dieter Pautz wollen deshalb den Druck auf die Branche erhöhen. Von Lersner dazu: Wenn die Produzenten und Händler die Altfahrzeuge nicht freiwillig zurücknehmen, dann wird der Staat hier mit Eingriffen reagieren müssen. Die Deutsche Bundespost Telekom hat bei der Vermarktung des digitalen Fernmeldenetzes ISDN in der Vergangenheit vor allem die technischen Vorzüge des Kommunikationsmediums hervorgehoben. Eine falsche Strategie- das zeigen die bislang eher bescheidenen Teilnehmerzahlen deutlich. Nun sollen, von der Posttochter gesponsert, beispielhafte Anwendungsprojekte potentiellen Nutzern die Einsatzmöglichkeiten des ISDN demonstrieren. Werner Knetsch, seines Zeichens Geschäftsbereichsleiter Informationstechnik der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little International, setzte vor einigen Wochen zum kritischen Rundumschlag in Sachen ISDN an. Der Telekommunikations-Fachmann beklagte vor allem das Marketing-Verhalten der DBP Telekom. Knetschs vernichtendes Urteil: Das Breitenmarketing ist wirkungslos geblieben. Es wurden dreistellige Millionen-Beträge für ganzseitige Anzeigen ausgegeben, die mehr oder weniger verpuffen. Positive Worte fand er allerdings für eine Maßnahme der Postler, die seiner Ansicht nach richtig und wichtig ist: die sogenannte ISDN-Anwendungsförderung. Dahinter verbirgt sich das Bemühen der DBP Telekom, gemeinsam mit Anwendern beispielhafte ISDN-Nutzungsmöglichkeiten zu erkunden und diese Projekte dann sowohl personell als auch finanziell- hierbei werden Beträge bis zu einer halben Millionen DM gesponsert- zu unterstützen. Das Ergebnis sollen vorzeigbare Anwendungen sein, die anderen potentiellen ISDN-Kunden zur Übernahme empfohlen werden können. Diese Abkehr von der eher technikorientierten Vermarktung des ISDN hin zur Darstellung des konkreten Nutzens der digitalen Fernmeldetechnik ist dringend erforderlich. Vor allem die mittelständische Wirtschaft, immerhin die mit Abstand größte Kundengruppe für die Telekom-Strategen, kann mit dem geheimnisvollen Kürzel ISDN immer noch wenig anfangen. Besonders dieser Zielgruppe lassen sich die Vorteile des ISDN nur am praktischen Beispiel demonstrieren, weiß Manfred Zeller, Leiter des Fachbereiches ISDN-Anwendungen in der Bonner Telekom-Generaldirektion, zu berichten. Und auch die Telekom profitiert von den Erfahrungen, die in den ISDN-Anwendungsprojekten gesammelt werden. Zeller: Wir erhalten für die eigenen Planungen die notwendige Rückkopplung der Anwender. 21 Projektverträge sind derzeit unter Dach und Fach; weitere sollen folgen. Beteiligte sind in einigen Fällen neben dem jeweiligen Anwender und der DBP Telekom auch noch Gerätehersteller, Softwarehäuser oder Diensteanbieter. Um in den Genuß von Förderleistungen der Telekom zu kommen, muß ein Projekt innovativ sein und die ISDN-Leistungen demonstrieren, erklärt Zeller. Darüber hinaus soll es kommerziell realistisch sein, das heißt sich nach einer Anlaufphase wirtschaftlich selbst tragen können. Und nicht zuletzt soll die Anwendung auch für andere Marktsegmente nutzbar sein. Einer der Projektpartner der DPB Telekom ist die Datev, die Datenverarbeitungsorganisation der Steuerberater. Schon seit Anfang der 70er Jahre bietet die Datev dem Steuerberater die Möglichkeit, Daten per Fernübertragung ins Nürnberger Rechenzentrum zu senden und die Ergebnisdaten direkt von der Kanzlei aus auf dem gleichen Weg abzurufen. Das Datev-Verbundsystem krankt jedoch an der begrenzten Datenübertragungskapazität des Telefonnetzes. ISDN mit seiner deutlich höheren Übermittlungsrate soll diesen Engpaß beseitigen. Peter Tennert, Datev-Direktor Produktion, sieht das Genossenschafts-Rechenzentrum damit gar auf dem Weg zum Logistikzentrum des mittelständischen Anwenders. Der Grund: Über ISDN können zukünftig nicht nur Buchungsdaten übertragen werden, auch umfangreiche Softwarepakete sollen von Nürnberg direkt zu den Anwendern in den Kanzleien übertragen werden. Tennert: Dem Steuerberater steht so gewissermaßen die Leistungsfähigkeit des Großrechners während der Arbeit am PC zur Verfügung. An dem zwischen der Datev und der Telekom abgeschlossenen Pilotprojekt nehmen rund 100 Steuerkanzleien im ganzen( alten) Bundesgebiet teil. Für die Post-Strategen besonders interessant: Hinter der Datev stehen mehr als 30000 Steuerberater, die sich in ihrer täglichen Arbeit ganz wesentlich auf die( Rechner-) Leistungen der Nürnberger Genossenschaft stützen. Einen etwas bescheideneren Rahmen haben sich die Mitglieder der Immobilien Computer Börse( ICB) in Offenbach gesteckt. ICB ist ein Verbund von derzeit 13 selbständigen Maklern, die ihr gesamtes Immobilienangebot in einer gemeinsamen Datenbank speichern. ICB-Vorsitzender Hans-Günter von Schweinichen nannte den entscheidenden Vorteil der beteiligten Makler: Jedes ICB-Mitglied gibt seinen Angebotsstand aktueller Immobilien in den Zentralspeicher ein. Damit hat jeder den kompletten Überblick und kann seinem Kunden somit ein wesentlich größeres Immobilien-Sortiment anbieten. Bislang erfolgte das Ablegen der Daten in der Datenbank nachts mit Hilfe von Modems über die Telefonleitung. Mit der dabei möglichen Übertragungskapazität von 1200 Baud dauert das je nach Datenvolumen zwischen drei und acht Stunden, schildert von Schweinichen den Schwachpunkt am System. Mit dem ISDN soll sich die Übertragung nun auf bis zu zehn Minuten verkürzen. Neben der Optimierung des ICB-internen Datenflusses haben die beteiligten Makler mit dem ISDN zusätzlich ein völlig neues Vermarktungskonzept in Angriff genommen. Von Schweinichen: Die Immobilienangebote der Gruppe werden Interessenten über Btx zugänglich gemacht. Das geschieht über neue, öffentlich zugängliche Terminals in Banken oder Kaufhäuser. ISDN-Btx ermöglicht dabei die gezielte Suche und das schnelle Durchblättern der Angebotsseiten. Die öffentliche Terminals stehen auch anderen Anbietern offen, wie z. B. Den örtlichen Reisebüros. Mit der ISDN-Anwendungsförderung hat die DBP Telekom zweifellos den richtigen Weg eingeschlagen, um die schleppende Marktentwicklung ihrer Kommunikations-Autobahn anzukurbeln. Allerdings blühen die postalisch geförderten ISDN-Blüten bis jetzt weitgehend im Verborgenen. Denn der zündenden Projektidee ist noch kein Marketingfeuerwerk gefolgt, daß die Erkenntnisse der Projektteilnehmer nach außen trägt. Arthur D. Little-Manager Werner Knetsch: Die entwickelten Lösungen müssen ganz breit in den Markt getragen werden. Dafür, so fordert er, müsse die Telekom ein eigenes ISDN-Vertriebs- und Systemhaus gründen. Sein Fazit: Mit einer Mannschaft von 150 qualifizierten ISDN-Systemingenieuren könnte eine schlagkräftige Vertriebsorganisation aufgebaut werden. Eine neue Methode zur Mustererkennung mit einem neuronalen Netz hat Matsushita Electric entwickelt. Das von den Japanern entwickelte neuronale Netz verknüpft quantisierte Neuronen und soll so eine 50-fache-Lerngeschwindigkeit gegenüber konventionellen Netzwerken ereichen. In Experimenten auf einer Unix-Workstation von Sun erkannte das System 62 verschiedene alphanumerische Zeichen mit einer Geschwindigkeit von weniger als 10 ms/ Zeichen. Die Lernphase für eine 99 Prozent-Erkennung dauerte 3,7 min., Für eine 100 Prozentige Erkennungsrate waren es 4,5 min. NEC will bis Ende des nächsten Jahres das Betriebssystem Unix System V Release 4 .0( SVR 4) auf einer Computerpalette von Workstations bis zu Supercomputern installieren. Die Firma brachte im Juli SVR 4 für die Workstation EWS4800 auf den Markt und hat davon schon einige hundert Exemplare verkauft. NEC folgerte, daß die zu erwartende noch weitere Verbreitung von Unix eine Standardisierung der hauseigenen Betriebssysteme notwendig macht. Speziell für den sich rasch entwickelnden Markt der portablen Personal-Computer im Notizbuch-Format konzipierte Intel den hochintegrierten Mikroprozessor 386SL, den IBM PC/ AT-kompatiblen Peripherie-Baustein 82360SL sowie eine Familie von Support-Bausteinen. Durch die Integration zeitkritischer Zusatzfunktionen wie zum Beispiel Memory-Controller ersetzt der Mikroprozessor 386SL mehrere Bauelemente auf der PC-Platine und reduziert damit den Platzbedarf und die Leistungsaufnahme erheblich. Die Hersteller von Laptop-Personalcomputer können so nach Herstellerangaben die gesamte Leistung eines Tisch-PC im Notebook-Format unterbringen. Die Daimler-Benz AG, Stuttgart, und die Metro-Handelsgruppe, Düsseldorf, verhandeln derzeit über die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens, das für die beiden Mobilfunknetzbetreiber Deutsche Bundespost Telekom und Mannesmann Kunden akquirieren sowie die Abrechnung als Dienstleistung vornehmen soll. Dies verlautete vom Metro-Generalbevollmächtigten Erwin Conradi. Wie weiter bekannt wurde, wird das dann mehrheitlich zu Daimler gehörende Gemeinschaftsunternehmen nach Gründung bei der Daimler-Benz InterServices( debis) AG, Berlin, angesiedelt sein. Vertriebsstützpunkte werden die Metro-Märkte einerseits und Mercedes-Benz-Niederlassungen sowie AEG Olympia-Händler andererseits werden. Der amerikanische Halbleiterhersteller AMD bläst zum Sturm auf die Bastion des Konkurrenten Intel: Mit der Vorstellung eines eigenen 32-bit- Mikroprozessors, kompatibel zum bekannten 80386, zielt AMD-Chairman Jerry Sanders auf einen lukrativen Markt. Einen erfolgreichen Chip kann er auch gut gebrauchen, denn im letzten Quartal schrieb sein Unternehmen rote Zahlen. Nachdem in den letzten Wochen der Streit zwischen Intel und AMD um die Rechte am 386-Mikroprozessor und dessen Bezeichnung fast schon groteske Züge angenommen hat, ist jetzt der Stein des Anstoßes auf dem Tisch: Auf der Comdex-Show in Las Vegas stellte AMD seine Version des bekannten Mikroprozessors vor, der unter dem Arbeitstitel Longhorn entwickelt wurde. Abgesehen von den Querelen um die Bezeichnung 386- zunächst hatte Intel eine einstweilige Verfügung gegen AMD erwirkt, die dann wieder aufgehoben wurde- handelt es sich bei dem Baustein um eine AMD-Eigenentwicklung aus deren texanischer Chipschmiede in Austin. Dort entstand ein 33-MHz-Prozessor, der sich nach außen genauso verhält wie sein Vorbild. In Las Vegas hatten wir am Stand Compaq-Rechner, bei denen man den Intel-Chip gegen unseren ausgetauscht hatte, und sie liefen, erläutert AMD-Sprecher Peter von Bechen. Schon die erste Version des Chips konnte an Microsofts Windows ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll beweisen wie Bob McConnel, AMDs Vizepräsident, in Las Vegas berichtete. Der Longhorn zielt auf einen gewaltigen Markt: Bis 1993 rechnet Intel mit über 4,4 Millionen Rechnern auf Basis der 386er-Architektur. Davon könnte sich AMD eine gute Scheibe abschneiden. Beim Vorgängerbaustein, dem mit Intels Segen gefertigten 286, hat es AMD immerhin auf stattliche 13 Millionen Stück gebracht. Das ist rund die Hälfte aller bisher abgesetzten Prozessoren dieses Typs. Aber bis der Longhorn ein geschäftlicher Erfolg wird, müssen erst noch die Gerichte sprechen. Zunächst geht es darum, ob die Verwendung des Intel-Mikrocodes, Mini-Programme, die für die Befehlsbearbeitung im Chip sorgen, legal erfolgt. AMD fühlt sich da aufgrund alter Vereinbarungen im Recht, hat aber im Falle eines ungünstigen Prozeßausganges noch ein Eisen im Feuer: code beruht, und trotzdem kompatibel zu diesem ist. AMD hofft aber auch, im Zuge eines Schadenersatzprozesses die Rechte am kompletten 386er-Chip von Intel zugesprochen zu bekommen. Erst kürzlich hatte ein Schiedsgericht erkannt, daß ein 1982 abgeschlossener Vertrag zum Austausch von Technologien von Intel einseitig gebrochen wurde. Zwar erkannte der Schiedsrichter auch auf der AMD-Seite Verfehlungen, aber die Formulierungen im Schiedsspruch bezüglich Intels Verhalten, sprechen eine deutliche Sprache. AMD-Chairman Jerry Sanders hat deswegen zunächst eine Schadenersatzforderung von 600 Millionen Dollar eingereicht. Intel selber sieht in dem Schiedsspruch allerdings eine Bestätigung seiner Einstellung, die Rechte am 386er nicht herzugeben. Mit dem jetzt vorgestellten Chip hat AMD ohnehin eine starke Trumpfkarte in der Hand, denn abgesehen von den Mikrocodes und der Bezeichnung 386 sind die Chipmasken- so von Bechen- frei von Rechten, da sie im Hause AMD entstanden. Auch eine Low-Power-Version und ein abgespeckter SX-Chip mit lediglich 16-bit-Datenbus sind in den Entwicklungslabors in Arbeit. Z. B. Aus Fernost begrüßen die neuen Chips, denn nun haben sie eine alternative Quelle für den zentralen Baustein eines jeden PC. John Beukema, Direktor bei Westpack-Technologies in Hong Kong: Ein Ende des Intel-Monopols führt zu alternativen Bezugsquellen des 386er, der bisweilen nur schwer zu bekommen war. Als Cash-Cow kann AMD den Prozessor gut gebrauchen, denn die Ergebnisse des dritten Quartals 1990 standen nicht zum besten. 200 Entlassungen sind angekündigt. Das ist zwar wenig, verglichen mit den Freisetzungen bei einigen europäischen Konzernen, aber AMD-Sprecher von Bechen räumt ein, daß man die Produktpalette wird überdenken müssen. Doch Erträge im Halbleitergeschäft sind immer auch von äußeren Faktoren abhängig. Von Bechen: In letzter Zeit sind gerade die Eproms extrem in Preisdruck geraten- und das leider aus Europa. Jerry Sanders aber ist zuversichtlich. Auf die Frage, ob es AMD auch im Jahre 2000 noch geben werde, antwortete er kürzlich mit einem klaren Selbstverständlich. Namhafte Unternehmen der EDV-Branche, wie Olivetti oder Bull, stecken in der Krise und müssen Personal entlassen. Andere, kleine Firmen expandieren und suchen noch Mitarbeiter. Dazu zählt Dell Computer in Langen, Tochtergesellschaft eines texanischen Personalcomputer-Herstellers. Mit Geschäftsführer Peter M. Ammel sprachen die VDI-Nachrichten über Entwicklungen auf dem PC-Markt. VDI-Nachrichten: Herr Ammel, Sie führen viele Gespräche mit Kunden. Was sind deren wichtigste Kriterien für die Auswahl eines Personalcomputers? Ammel: Unter den Kaufkriterien, die wir bei Kundengesprächen feststellen, spielt das Preis/ Leistungs-Verhältnis eine wichtige Rolle. Dicht gefolgt von dem gesamten Bereich Service und Beratung. Ausschlaggebend ist auch unser Vertriebskonzept, d. H. Daß wir als Hersteller ohne Zwischenhändler direkt in Kontakt zu unseren Kunden treten. Wichtig ist auch, daß Rechnersysteme zum Industriestandard kompatibel sind; das ist ein wichtiges Entscheidungskriterium. Außerdem sollte ein Hersteller in der Lage sein, das Anwendungsspektrum der Benutzer beginnend bei einem 286er-PC bis hin zur Workstation oder dem Netzwerkserver für Ingenieurapplikationen abzudecken. VDI-Nachrichten: Auf dem deutschen PC-Markt tummeln sich rund 200 Anbieter. Aus welchem Grunde wird speziell ein Dell-Computer gekauft, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Ammel: Ein ausschlaggebendes Kriterium für unsere Kunden ist, daß wir ein Direktanbieter sind. Wir haben nicht den Filter Fachhandel oder Distributor eingeschaltet, sondern reden mit unseren Kunden direkt. Das Alleinstellungsmerkmal besteht darin, daß wir von der ersten Kontaktaufnahme bis zur kompletten Installation beim Kunden alles, was den Einsatz eines PC erfolgreich macht, in eigener Regie durchführen. Durch den direkten Kontakt bekommen wir auch Rückmeldungen der Kunden darüber, was besonders gut gefällt oder sie sich für zukünftige Produkte an Verbesserungen wünschen. Dies fließt in unsere Forschung und Entwicklung ein und schlägt sich in Produktinnovationen nieder. VDI-Nachrichten: Welche PC-Klassen bieten Sie an? Ammel: Angefangen von 286er-Rechnern für einfache Textverarbeitung oder Datenbankverwaltungen über 386er-Stationen, die aufgrund der Leistungsfähigkeit zunehmend für CAD/ CAM-Aufgaben und Leiterplattenentwurf genutzt werden- bis hin zu 486er-Systemen für Aufgaben als Server in einem Netzwerk. Letztere lassen sich für sehr anspruchsvolle technisch-wissenschaftliche Applikation nutzen. Ammel: Unter den technisch-wissenschaftlichen Applikationen, die sowohl unter dem Betriebssystem DOS als auch insbesondere unter Unix laufen, gibt es eine Reihe von CAD/ CAM-Anwendungen in verschiedenen Disziplinen. Daneben etliche Simulationen sowie sehr leistungsfähige Programme für Finite-Elemente-Berechnungen. Im 386er-Bereich wird die Mobilität immer wichtiger. Dafür bieten wir Laptop-Computer an, so daß eine entsprechende Rechnerleistung auch unterwegs etwa dem Ingenieur oder Architekten zur Verfügung steht. VDI-Nachrichten: Für Personalcomputer gibt es drei wichtige Betriebssysteme. Wie beurteilen Sie deren Entwicklung? Ammel: Alle unsere Rechner laufen unter MS-DOS oder OS/ 2 und unter dem Betriebssytem Unix. Für unser Haus liegt der Anteil von DOS um 70 Prozent bis 75 Prozent, OS/ 2 wird heute noch in kleinem Umfang von 5 Prozent genutzt. Es gibt eindeutig, zumindestens für Dell, einen gewissen Trend im technisch-wissenschaftlichen Bereich in Richtung Unix. Dennoch wird MS-DOS aufgrund der Vielzahl der Applikations-Softwarepakete heute und wahrscheinlich auch noch für absehbare Zeit das dominierende Betriebssystem bleiben. VDI-Nachrichten: Von den Betriebssystemen zu der Anwendungssoftware. Ist auf Ihren Rechnern die marktgängige Applikations-Software stets lauffähig? Ammel: Für den Bereich MS-DOS gibt es mittlerweile einige zehntausend Anwendungsprogramme, die sehr unproblematisch auf unseren PC laufen. Beginnend bei der Textverarbeitung, über Datenbank-Applikationen bis hin zu Tabellen-Kalkulationsprogrammen und Projektmanagement. Desktop-Publishing beginnt, zusehends an Bedeutung zu gewinnen. Und die Programme werden, was das Interface zwischen Mensch und Maschine betrifft, immer anwendungsfreundlicher. Viele Softwarepakete, die zunächst für große Mainframes entwickelt wurden, sind jetzt in PC-Versionen verfügbar. Und mit zunehmender Leistungsfähigkeit der PC besteht nun die Möglichkeit, diese mächtigen Pakete auf den Kleinrechnern zu nutzen. Auch für CAD gibt es Programme, die vorher nur auf großen Rechnern liefen. Also eine Migration von Mainframes zu Personalcomputern. VDI-Nachrichten: Die nächste Frage gilt den Bildschirmen. Welche Entwicklungen sind erkennbar? Ammel: Es gibt einen eindeutigen Trend zum VGA-Standard, den 90 Prozent bis 95 Prozent aller verkauften Bildschirme haben. Eine Auflösung von 800 x 600 Punkten ist möglich, aber in Zukunft werden mehr Softwarepakete eine noch höhere Auflösung zulassen. Fast 80 Prozent aller Monitore werden in Colorversion vertrieben, weil Farbe als Orientierungsmittel für den Anwender sich zunehmend durchsetzt. Auch gibt es einen starken Trend in Richtung flimmerfreier und strahlungsarmer Bildschirme. Spezialausführungen sind sinnvoll für besondere Anwendungen, etwa Ganzseitenbildschirme für Desktop-Publishing. Und der Ingenieur braucht natürlich einen größeren Schirm mit einer höheren Auflösung. Das sind meist 20-Zoll-Bildschirme, die eine Auflösung von 1280 x 1 024 Bildpunkten haben, wobei gerade für CAD-Anwendungen oftmals Zweischirm-Lösungen sinnvoll sind. VDI-Nachrichten: Vernetzung ist zur Zeit ein häufiges Schlagwort. Sind Ihre Computer untereinander und auch mit Systemen, die z. B. Bei Großanwendern schon vorhanden sind, vernetzbar? Ammel: Sicher sind Dell-Computer untereinander, mit anderen PC und Mainframe-Computern vernetzbar. Allgemein besteht ein extrem hoher Nachfragesog nach Netzwerken, dem wir Rechnung getragen haben. Ein spezielles Leistungspaket soll es dem Anwender leicht machen, sich für das richtige Netzwerk, die richtige Topologie, die Verkabelung und auch das richtige Training entscheiden zu können. Solche Netze führen zu immensen Produktivitätsverbesserungen, denn sie beseitigen die Datenredundanz. Allerdings, wenn man heute Netzwerke betreibt- an unserem eigenen hängen 95 Mitarbeiter- so spielt die Datensicherheit eine ganz ausschlagebende Rolle. Generell können wir bestätigen, daß sich der Trend zu Netzwerken ganz dramatisch entwickelt in den 90er Jahren. Die ANT Nachrichtentechnik GmbH, Backnang, und die sowjetischen Organisationen Glavcosmos und NPO Radio in Moskau sowie NPO PM in Krasnojarsk wollen bei der Entwicklung, Produktion und Lieferung von Nachrichtensatelliten und Erdfunkstellen für ein Nachrichtensatellitensystem in der UdSSR zusammenarbeiten. Das geplante System Romantis basiert nach ANT-Angaben auf Satelliten mittlerer Größe, die mit der Proton -Rakete gestartet werden sollen. Die Höchstzahl der durch einen Satelliten bedienbaren Telefonanschlüsse betrage 320000, die äquivalente TV-Übertragungskapazität 40 Kanäle. Die französische Regierung hat sich dafür entschieden, keinen dritten direktabstrahlenden Fernsehsatelliten mit hoher Leistung zu bauen, der die bestehenden Satelliten TDF1 und TDF2 ergänzen sollte, teilte Paul Quiles, Minister für Post- und Fernmeldewesen, mit. Seitdem diese Satelliten in den Jahren 1989 und 1990 in eine Umlaufbahn gebracht wurden, haben sich Fehler eingestellt, wodurch die Anzahl der Fernsehkanäle eingeschränkt werde. Dem Minister zufolge sei die Entscheidung deswegen so gefallen, weil die bei den vorherigen Satelliten eingesetzte Technologie veraltet sei. Die Siemens AG, München, übernimmt zwei der acht Betriebsteile der Nachrichtenelektronik GmbH( NEL), Leipzig. Die zwei Bereiche stellen Übertragungstechnik, öffentliche Vermittlungstechnik und private Nebenstellenanlagen in analoger Übermittlungstechnik her. Diese Fertigung läuft in wenigen Jahren aus und soll in eine Produktion für digitale Technik umgewandelt werden. Durch das Engagement der PKI Philips Kommunikations Industrie AG, Nürnberg, in Bautzen und der ANT Nachrichtentechnik GmbH, Backnang, bei Robotron sei Wettbewerb in der ehemaligen DDR garantiert, entgegnete das Bundeskartellamt. Obwohl das relativ herstellerneutrale Computer-Betriebssystem Unix nicht konzipiert ist für Echtzeit-Rechner, die auf externe Ereignisse schnell reagieren, dringt es in diesen Sektor rasch vor. Es ersetzt dort die bisher üblichen firmeneigenen Betriebssysteme. Denn immer weniger Kunden wollen sich an einen einzigen Produzenten binden. Wir beobachten heute einen starken Trend zu Standards wie etwa Unix, wie dem bekannte VME-Bus sowie zu eingefahrenen Prozessor-Linien, wie etwa der 68000er Reihe von Motorola, sagte kürzlich vor Journalisten Koos van der Meulen, der neue Geschäftsführer der Planegger Concurrent Computer GmbH. Denn während unsere Rechner der Serie 3200 mit unserem hauseigenen Betriebssystem deutlich Marktanteile verlieren, haben wir mit den Unix-Serien gute Erfolge. Concurrent, jahrelang Teil des Perkin-Elmer-Konzerns, bearbeitet nach der Fusion mit dem Echtzeit-Spezialisten Masscomp vor allem zwei Echtzeit-Märkte, erläuterte van der Meulen, nämlich erstens den der Simulations- und Trainings-Systeme sowie zweitens den der Datenaufnahme- und Signalanalyse-Rechner. Da der Direkt-Verkauf der Maschinen an Endbenutzer bei stagnierendem Computer-Markt, sinkender Lebensdauer sowie rasantem Preisverfall immer schwerer wird, wendet der Firmenchef sich jetzt in erster Linie an Wiederverkäufer, wie etwa Systemintegratoren, OEMs und Value-Adding-Resellers( VAR). Diesem Kreis will Concurrent mit der neuen Serie 7000 nun einen ausbaubaren Mono- beziehungsweise Multiprozessor-Rechner an die Hand geben, der mit maximal drei Motorola-Prozessoren des Typs 68040 rund 60 Mips( Millionen Instruktionen pro Sekunde) beziehungsweise 12 MFlops( Millionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde) leisten soll. Auf eine Unterbrechungs-Anforderung hin, so van der Meulen, beginnt er nach spätestens 100 Mikrosekunden mit der Bearbeitung des neuen Prozesses. Dies scheint eine vergleichsweise lange Zeit zu sein, doch: Wir sprechen hier stets von den praktisch wichtigen Gesamt-Zeiten- und nicht von irgendwelchen rechnerinternen Umschalt-Prozessen. Mit der neuen Serie, die mit maximal zwei VME-Ein-Ausgabe-Bussen versehen werden kann und die daher über sozusagen breite Tore zur Umwelt verfügt, setzt Concurrent eine seit 1981 laufende Linie von Rechnern auf Basis von Motorola-Prozessoren fort. Dabei erscheint diese Treue derzeit ein wenig kühn, weil das Unternehmen diese Systeme schon Anfang nächsten Jahres in größeren Mengen ausliefern will. Denn Motorola will es einfach nicht gelingen, völlig fehlerfreie Exemplare in Massen herzustellen. Der Schritt, neben nochmodernen Risc-Rechnern auf Basis von Cips der Firma Mips auch noch Maschinen auf Basis der alten Motorola-Cisc-Prozessorlinie herzustellen, bedeutet nach Auskunft des Concurrent-Europa-Verkaufsleiters Freddy Le Marquand vor allem eine strategische Bewegung unseres Unternehmens in Richtung des unteren Preissektors. Während Concurrent bislang keine Maschinen im Bereich unterhalb 25000 Dollar( rund 37000 DM) Verkaufspreis anzubieten hatte, soll diese Grenze jetzt unterschritten werden. Beim Münchner Pressegespräch fiel auf, daß auch ein führender Techniker des Hauses freimütig betonte: Die Lieferschwierigkeiten der Firma Morotola sind auch für uns ein großes Problem. Andererseits hob er hervor: Die Risc-Prozessoren des Hauses Mips stellten eine ganze Familie dar, die eigentlich erst noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehe. Hingegen wird Motorolas Cisc-Linie in Fachkreisen oft schon als ziemlich ausgereizte Technik am Ende ihrer Lebensdauer bezeichnet. Die Firma Concurrent mit Sitz in Tinton Falls im US-Bundesstaat New Jersey beschäftigt weltweit rund 3800 Mitarbeiter, die im letzten Geschäftsjahr per Ende Juni knapp 400 Millionen Dollar Umsatz erwirtschafteten. Doch wegen umfangreicher Restrukturierungs-Maßnahmen ergab sich ein Verlust von rund 39 Millionen Dollar, wie van der Meulen einräumte. Jetzt erwarten wir, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Denn im letzten Jahr haben wir allein 40 Millionen Dollar in die Forschung und die Entwicklung neuer Produkte gesteckt. Die rund 60 Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft in Planegg erwirtschafteten 1989/ 90 einen Umsatz von knapp 30 Millionen DM. Jeder Mitarbeiter kann auf zentrale Daten zugreifen und ist für Nachrichten ständig erreichbar: Der Informationsaustausch zwischen der Kölner Aiesec-Zentrale und den 50 deutschen Lokalkomitees erfolgt mit Personalcomputern und Datenfernübertragung. Auch die Verbindung ins Ausland ist so möglich. Zum internationalen Verständnis und zur Ausbildung eines international denkenden, gesellschaftsbewußt und verantwortlich handelnden engagierten Führungsnachwuchses beizutragen lautet die Aufgabe, die sich die internationale Vereinigung von Studenten der Wirtschaftswissenschaften( Aiesec) in mittlerweile 69 Ländern stellt. In Deutschland besteht die Organisation aus einer Zentrale in Köln mit etwa zehn festen Mitarbeitern sowie aus rund 1500 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich auf 50 Lokalkomitees an allen deutschen Universitäten verteilen. Schwerpunkt der Aktivitäten sind die lokale Organisation von Vorträgen und Fachseminaren sowie ein umfangreiches Praktikantenaustausch-Programm, bei dem jährlich rund 6000 Studenten weltweit an interessierte Firmen vermittelt werden. Das größte Problem der Vereinigung besteht laut Vorstandsmitglied Michael Jeltsch in der Kommunikation innerhalb der dezentralen Struktur. Die Ansprechpartner an den Unis waren entweder nicht am Platz, oder die Leitung war belegt. Die Lösung erfolgte in Form eines vernetzten Computersystems: In der Zentrale wurde ein Minicomputer mit zehn Terminals und entsprechenden Ausgabegeräten wie Drucker und Plotter installiert. Jedes Lokalkomitee erhielt einen Personalcomputer, der per Modem über einen normalen Telefonanschluß mit dem zentralen Rechner Daten austauschen kann. Die Zentrale kann jederzeit Mitteilungen an einzelne oder an alle Lokalkomitees senden. Umgekehrt können von jeder Universität aus in Köln auf dem Zentralrechner gespeicherte Daten abgefragt werden. Da Studenten bekanntlich finanziell nicht gerade aus dem Vollen schöpfen können, wurde ein Sponsor für die Rechnerausstattung gefunden: Das Computer-Unternehmen Hewlett-Packard stellte den größten Teil der Geräte, die zusammen auf einen Marktwert von 700000 DM kommen, kostenlos zur Verfügung. Die Mitarbeiter der studentischen Vereinigung, die alle Möglichkeiten des Computersystems bereits voll ausnutzen, schmieden inzwischen Pläne für die Zukunft: Neben dem Ausbau der Lokalkomitees in den neuen Bundesländern ist das nächste langfristige Ziel eine europaweite Vernetzung, wie sie bereits mit einigen Ländern realisiert worden ist. Nicht Blitzschlag, Wasserschaden oder Feuer, sondern Bedienungsfehler und Fahrlässigkeit der Benutzer sind für die Vernichtung elektronischer Systeme überwiegend verantwortlich. Dies ergab eine Untersuchung der Württembergischen Versicherung, Stuttgart. Danach entfallen von über 13000 gemeldeten Schadensfällen mehr als 25 Prozent der Entschädigungsleistungen auf diese Ursachen. Durch regelmäßige Datensicherung sowie Lagerung der Datenbestände in feuerfesten Behältnisse könnten Folgeschäden vorgebeugt werden. Die Elektronikindustrie in Südkorea will einen eigenen Super-Mini-Computer entwickeln. 2 GByte. Damit will das Land in die Phalanx der weltgrößten Anbieterländer vorstoßen: Eine Prognose des Handels- und Industrieministeriums( MTI) sieht Korea um das Jahr 1995 bereits als fünftgrößtes Herstellerland solcher Computer. Das Land werde dann, so die Prognose, pro Jahr Super-Minis im Wert von 6,4 Milliarden Dollar ausliefern. Solche Voraussagen des MTI sind, wie Beobachter meinen, allerdings eher Planvorgaben an die Industrie. Advanced Micro Devices( AMD) stellte kürzlich das Konzept für zwei höchstintegrierte Mikroprozessoren vor, die alle Elemente eines PC-AT-Motherboards auf einem Chip enthalten. Die neuen Bausteine tragen die Typenbezeichnung Am286ZX und Am286LX. Der erste Typ ist ein 16-bit-Mikroprozessor, der neben der CPU 80C286 die Funktionen des PC-AT-Boards enthält, für die bisher bis 175 Standard-Logikbausteine benötigt wurden. Zusätzlich dazu bietet der Typ Am286LX spezielle Power-Management-Funktionen, die für Anwendungen in den immer mehr an Bedeutung gewinnenden Notebook-Personalcomputer wichtig sind. Daß die Japaner ein ganz besonderes Verhältnis zu Robotern haben, ist schon lange klar. Das beweisen allein schon die Einsatzzahlen, die von dem Herstellerverband Japan Industrial Robot Association jährlich gemeldet werden. Augenblicklich sollen demnach 240000 der Eisernen Gesellen in den Fabriken der Japan AG arbeiten. Diese Zahl ist international umstritten, weil den Statistikern des Inselstaates eine andere Roboterdefinition vorgeworfen wird, als sie z. B. In Deutschland üblich ist. In der Bundesrepublik werden nämlich Ende dieses Jahres nur 28000 Industrieroboter im Einsatz sein und in ganz Westeuropa zusammengerechnet auch nur 80000. Bekannt ist zudem der spielerische Hang der Japaner zu Automaten, sei es die Konstruktion eines klavierspielenden Roboters oder die perfekte Imitation der gitarrespielenden Marilyn Monroe. Kein Wunder weiter, daß sich die elektronische Krankenschwester schon im Entwurfsstadium befindet und der elektronische Blindenhund Mel-Dog im Mechanical Engineering Laboratory( MEL) schon seine Kreise zieht. Zur Roboterforschung zählt in Japan auch die Entwicklung von Manipulatoren und Teleoperatoren, Geräten also, die nach abendländischer Denke keine Roboter sind, weil sie nur ferngesteuert funktionieren. Halb freiprogrammierbarer Roboter, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz seinen Weg in unbekanntem Gelände findet, halb ferngesteuerte Automaten an der menschlichen Aufsichtsleine, so bieten sich viele japanische Projekte dar. Das MEL koordiniert zum Beispiel die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für Roboter, die in einem gefährlichen Umfeld arbeiten. Dazu gehören Geräte, die in Kernkraftwerken tätig sind, Roboter, die in der Tiefsee agieren, und auch Feuerwehrroboter. Für jeden dieser drei typischen Bereiche wurden jeweils Prototypen entwickelt. Das Vorhaben der Industrial Science and Technology Agency des Ministeriums Miti, bei dem 20 namhafte Firmen des Landes mitwirken, ist mit 20 Milliarden Yen veranschlagt( umgerechnet rund 230 Millionen DM). Mit den Arbeiten wurde 1983 begonnen. Jetzt stehen sie vor dem Abschluß. Japans Regierung legt derzeit großen Wert auf die Weiterentwicklung von Robotern für Kernkraftwerke. Dabei geht es sowohl um Hardware wie auch um unterstützende Techniken. So handelt es sich unter anderem bei den Wartungsgeräten für Kernkraftwerke um besonders geförderte Projekte, denn auf Japans große Stromversorgungsunternehmen kommen in der Zukunft hohe Belastungen bei der Wartung der Reaktoren zu, die teilweise schon über 20 Jahre in Betrieb sind. Kernkraftroboter müssen in einem extrem heißen, feuchten und radioaktiven Umfeld arbeiten. Sie werden im wesentlichen in abgeschlossenen Bereichen eingesetzt und durch Fernsteuerung betrieben. Wie vom Miti zu erfahren ist, wurden die Arbeiten an den Kerntechnologien bereits beendet. Erste Tests mit diesen Robotern für nukleare Einsatzbereiche sollen Ende dieses Jahres in der Tsurumi-Anlage des Elektrokonzerns Toshiba stattfinden. Die Nutzung von natürlichen Ressourcen unter Wasser gehört in Japan zu den ganz großen Themen, vor allem was die Offshore-Ölexploration angeht. Dabei handelt es sich um eine extrem hochwertige Arbeit unter sehr schwierigen Bedingungen. Für diese Zwecke wird daher in Japan an Marine Robots gearbeitet. Diese Geräte sollen für die Wartung der Bohrinseln eingesetzt werden. Sie müssen dabei einen hohen Wasserdruck aushalten, mit nur wenig Licht und sehr starkem Wellengang zurechtkommen. Die japanischen Roboter für die Unterwasser-Exploration benutzen für den Antrieb Propeller und werden an die Standbeine der Bohrinseln für ihre Arbeiten gesetzt, von wo aus sie sich dann weiterbewegen. Sie sind mit Fernsehkameras ausgerüstet und können somit visuelle und Ultraschall-Struktur-Untersuchungen vornehmen. Die ersten Experimente stehen jetzt in der Tamano-Fabrik von Mitsui Shipbuilding Co. Bevor. Dafür werden Techniken für die Bewegung unter Wasser, die Manövrierfähigkeit und die Manipulation entwickelt. Außerdem geht es um visuelle Fähigkeiten unter Wasser sowie die Entwicklung von muskelähnlichen Strukturen. Naturkatastrophen- wie Erdbeben oder Taifune- kommen in Japan jedes Jahr häufig vor. Die Überbevölkerung der Städte, die teilweise labyrinthhafte Infrastruktur und die zunehmende Verwendung von gefährlichen Materialien können Naturkatastrophen noch verschärfen. Antidesaster-Roboter sind daher ebenfalls Teil der japanischen Anstrengungen, menschliche Arbeit durch technisch hochwertige Geräte zu ersetzen. So sollen zum Beispiel künftig in Ölraffinerien Roboter eingesetzt werden, die es erlauben, die Situation bei einem Feuer besser zu beurteilen und geeignete Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Die Roboter werden mit Fernsteuerung an die Gefahrenstelle geleitet und bekämpfen die Ursache. Kobe Steel wird Ende dieses Jahres den ersten Roboter dieser Art testen. Zu den Kerntechnologien, die dafür notwendig sind, zählen die visuelle Erkennung von geschriebenen Informationen, Bewegungen, Distanzsensoren und feuerfeste Materialien. Erste Ergebnisse aus den Entwicklungsarbeiten der drei Robotertypen, die in gefährlichen Situationen und unter schwierigen Arbeitsbedingungen zurechtkommen, liegen endgültig Anfang nächsten Jahres vor. Die Entwicklung von High-Performance -Robotern soll allerdings im Rahmen eines neuen nationalen Projekts weitergehen. Das Augenmerk liegt hier vor allem auf Microrobotern und Robotern, die bei Katastrophen eingesetzt werden können. Microroboter sind dabei vor allem für den heimischen Gebrauch gedacht, also Roboter, die Hausarbeiten verrichten, auf Kinder aufpassen und den Behinderten sowie den Alten helfen. Diese Geräte sollen sehr viel intelligenter sein und nicht mehr allein in der verarbeitenden Industrie Einzug finden, sondern zunehmend auch im Haushalt und in der Dienstleistungswirtschaft. Microroboter sollen zudem noch sehr viel kleiner werden. Einem Projekt der Science and Technology Agency zufolge ist ein Gerät geplant, das nur noch 1 cm oder sogar noch weniger mißt. Dabei handelt es sich um ein Zehn-Jahres-Projekt, das 1991 anlaufen soll. Diese Micro-Roboter sind sowohl für medizinische Zwecke wie auch für die Industrie gedacht. So könnte ein Mini-Roboter zum Beispiel Risse in einer Jet-Turbine finden. Das Miti rechnet hier mit Entwicklungskosten in einer Gesamthöhe von umgerechnet 280 Millionen DM. Japans Wissenschaftler stützen sich dabei zunehmend auf opto-elektronische Sensoren und Computer-Software für die Augen und das Gehirn des Roboters. So lebt auch Robotertechnik von hochentwickelter Elektronik, mit der die Japaner auch in anderen Regionen Furore machen. Ford hat die Qualitätsrichtlinie Q 101 für seine Zulieferer neu gefaßt. Die neuen Vorschriften gelten erstmals weltweit für alle Lieferanten. Die von Ford aufgestellten Standards hätten seit ihrer Einführung in der gesamten Automobilindustrie Vorbildcharakter, betont das Unternehmen. Firmen, die die Kriterien der Q 101 über einen längeren Zeitraum hinweg erfüllen, erhalten von Ford die Q-1-Qualitätsauszeichnung. Damit verbunden sind unter anderem langfristige Verträge. Ford beabsichtigt, in Zukunft nur noch mit Partnern zusammenzuarbeiten, die die Kriterien für diese Auszeichnung erfüllen. Manufacturing System( IMS) haben Japan, die USA und die EG beschlossen. Es wird damit gerechnet, daß mit der Studie, die ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen wird, im nächsten Jahr begonnen werden kann. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Normen für künftige Technologien im Bereich der computerisierten Fertigungsautomatisierung. Beschaffung für die Anwender, besonders in überseeischen Anlagen, komplizieren. Moderne Trockenlithografieverfahren wie das Plasmatechnik oder die RIE-Technik( Reactive Ion Etching) finden in zunehmenden Maße Eingang in die Fertigung. Ihre Anwendung bei gekapselten Komponenten stößt jedoch auf Schwierigkeiten, da die Zusammensetzung und die Dicke der zu gravierenden Schichten meist nicht präzise genug bekannt sind, um die richtige Graviergeschwindigkeit einstellen zu können. Der Schichtdickensensor EDPS( End Point Detection System) 2000 der französischen Firma IRIS( International Resources Innovations Solutions) in Caen soll dieses Problem lösen. Muster-Boards und Frontplatten können jetzt umweltfreundlich auf dem Fräsbohrplotter der CAD 2000 Software Vertriebs GmbH, Eching, produziert werden: In der PCB-Prüfphase entfällt der Einsatz entsorgungsintensiver chemischer Ätzmittel. Der Fräsbohrplotter besteht aus der Präzisions-Hardware der Isel GmbH, Eiterfeld, einer Fräs-Spindel und einer speziell entwickelten Elektronik. Die Fräsbohr-Tische und -Ständer arbeiten mit einer Positions-Reproduzierbarkeit von PI131 0,01 mm. Der Verein Deutsche Werkzeugmaschinenfabriken( VDW), Frankfurt, wird vom 6. Bis 10. Oktober 1992 in Leipzig erstmals die Meba Leipziger Fachmesse für Metallbearbeitung durchführen. Eine Vereinbarung wurde zwischen dem VDW und der Leipziger Messe unterzeichnet. Mit der neuen Ausstellung im Zweijahresrhythmus soll das internationale Angebot an Werkzeugmaschinen und Präsisionswerkzeugen in den neuen Bundesländern sowie in den osteuropäischen Staaten vorgestellt werden. Der Einsatz von präzise geschnittenen und gebogenen Blechteilen nimmt stetig zu, bei abnehmender Losgröße. Während beim Schneiden auf flexiblen Fertigungszellen mit hohem Automatisierungsgrad produziert wird, fehlte bisher zumindest bei Biege-Kleinteilen eine entsprechende Lösung. Die Maschine Trumaform 400 von Trumpf in Ditzingen soll diese Lücke numerisch gesteuert schließen. Dadurch wird nicht nur ein automatischer Durchlauf der Teile, sondern auch eine gleichmäßige Qualität mit niedriger Ausschußquote erreicht, verspricht das Unternehmen. Mit zehn gesteuerten Achsen bewegt die Maschine Werkstücke bis 600 mm Kantenlänge horizontal, dreht sie, bewegt sie vertikal und bringt sie so in Biegeposition. Ein neuer Begriff geistert durch die deutsche CAD/ CAM-Welt: Outsourcing. Konstruktion und Arbeitsplanung übernehmen Spezialisten außerhalb der Firma. Doch noch scheuen hiesige Unternehmen den Gang zum externen EDV-Dienstleister. Den Kampf ums Betriebsvertrauen nimmt jetzt die EDS Electronic Data Systems( Deutschland) GmbH in Rüsselsheim auf, Tochter von General Motors und größter EDV-Dienstleister der Welt. Die Rückbesinnung auf die strategischen Kernbereiche eines Unternehmens wirft die Frage auf, ob nicht auch die Datenverarbeitung extern abgewickelt werden sollte? Horst Gräber, Geschäftsführer der EDS-Deutschland GmbH, stellt diese Frage nicht ohne Eigennutz. Sein Unternehmen ist international der größte Computer-Dienstleister und übernimmt praktisch alle Aktivitäten, die rund um die Datenverarbeitung anfallen. Diese Dienste leistet EDS für das Mutter-Unternehmen General Motors bereits seit 1984. Weltweit hat aber das Geschäft mit dem externen Kunden bereits die Hälfte des Umsatzes, erreicht. In Deutschland beträgt der extern erzielte Umsatzanteil noch 15 Prozent. Dieses Jahr werden die 60000 EDS-Mitarbeiter weltweit einen Umsatz von etwa 6 Milliarden Dollar erzielen. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 5,47 Milliarden Dollar, 21 Großrechenzentren, Information Processing Center( IPC) genannt, und 92 Datenverarbeitungszentren mit 530 Großrechnern sind über ein weltumspannendes Telekommunikationsnetz miteinander verbunden. Daran angeschlossen sind 280000 Computer-Terminals. 1985 gründete man in Rüsselsheim die Geschäftseinheit Central Europe, zuständig für Deutschland, Österreich, Schweiz und Ungarn. Zu den größten Kunden in Deutschland gehören neben Opel die BASF, Porsche, die Motorenwerke Mannheim, Ymos und Hoechst. In Europa beschäftigen sich Marktuntersuchungen zufolge etwa ein Drittel der größeren Unternehmen mit der Möglichkeit eines EDV-Outsourcings. Besonders zurückhaltend sind allerdings noch die deutschen Unternehmen. Sie rangieren in Europa mit 8,6 Prozent Anteil am Marktvolumen nur auf Platz 6 der Outsourcing-Hitliste. Ein Schlagwort, das derzeit bei den Computer-Dienstleistern Hochkonjunktur hat ist das Facility Management( FM). Es bezeichnet die weitestgehende Form des Outsourcing, bei der alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Datenverarbeitung, ja sogar das EDV-Personal, einem FM-Auftragnehmer übertragen werden. Die Spezialisten aus Rüsselsheim versichern natürlich, daß die EDS-Mitarbeiter in den Kundenunternehmen strikt die unternehmerischen Ziele ihres Auftraggebers verfolgen. Vorteile des FM seien Kostentransparenz und Festpreise sowie die Unabhängigkeit von Hard- und Softwareanbietern. Technisch bleibe man up-to-date und außerdem stünde den Kunden das weltumspannende Kommunikationsnetz zur Verfügung. Auch Turnkey-Projekte, bei denen die Verantwortung für das Planen, Beschaffen, Realisieren, Einführen und Betreuen eines Systems übernommen wird, gehören zur Domäne der Computer-Dienstleister. Die Anlagen werden den Kunden mit allen erforderlichen Hard- und Software-Komponenten zu Festpreisen und vorher abgestimmten Terminen schlüsselfertig übergeben. Ein Beispiel: Die Ymos AG, ein großer Zulieferer der Automobilindustrie, ließ sich von EDS für ihre Produktkonstruktion und den Betriebsmittelbau das CAD-System Catia einführen und ein CAM-System zur NC- und DNC-Programmierung installieren. Beide Systeme wurden in ein bestehendes EDV-System integriert. Mit Abstand größter Einzelkunde der EDS in Deutschland ist die Adam Opel AG. In einem CIM-Konzept( Computer Integrated Manufactering) entwickelte man gemeinsam einen Verbund verschiedener Großrechner- und Softwaresysteme. Dieses Konzept soll den Informationsfluß zwischen allen Bereichen des Automobilunternehmens sichern. Über das Kommunikationssystem EDICS( European Information Communication System) sind auch die Opel-Händler angeschlossen. Es können nicht nur Bestellungen aller Art aufgegeben werden, sondern auch das Produktionsstadium bereits georderter Fahrzeuge abgefragt werden. Der Großrechner verteilt die Bestellungen je nach Fertigungskapazität auf die Opel-Produktionsstätten. Im jeweiligen Werk übernimmt ein Produktions-Informations-System( PIS) den Auftrag und bearbeitet ihn weiter. Dieses PIS ist der Kern des CIM-Verbundes. Es koordiniert Materialfluß, Karosseriefertigung und Endmontage, überwacht sämtliche Fertigungs-Prozesse und sorgt dafür, daß die Ein- und Anbauteile zum richtigen Zeitpunkt an den Montagelinien eintreffen. Im Technischen Entwicklungszentrum hängen 7500 Ingenieure an der datentechnischen Nabelschnur. Mit einer Cray X- MP steht ihnen einer der leistungsfähigsten Rechner der Welt zur Verfügung. Damit sind komplizierte Simulationen vor allem des Crash- und aerodynamischen Verhaltens möglich, die erheblich Entwicklungszeit einsparen. Ein wesentlicher Vorteil für die Kunden ist aber auch die freie Wahl des CAD-Systems. Der Kunde kann sich also bei der Wahl des Systems jeweils nach den Wünschen seines Kunden richten. Vor allem die Automobilindustrie geht immer mehr dazu über, ihren Lieferanten vorzuschreiben, in welcher Form sie CAD-Daten zu übermitteln haben. EDS stellt außerdem das notwendige Know-how zur Verfügung, und zwar sowohl DV- als auch konstruktionstechnisch. Als Pluspunkt rechnet man sich an, daß die meisten EDS-Mitarbeiter über Konstruktionserfahrung verfügten. Reiner Thiele, Inhaber des gleichnamigen Konstruktionsbüros im schwäbischen Weissach, bestätigt das: Wir hatten keine Verständigungsschwierigkeiten, die nur Zeit und Geld gekostet hätten. Thiele ist mit seinem 160-Mitarbeiter-Betrieb eines der ersten mittelständischen Unternehmen in Westdeutschland, die den Weg des Outsourcing eingeschlagen haben. Er sieht die EDV ganz nüchtern: Wir sind Techniker und Ingenieure, die das Tagesgeschäft gut machen wollen, die Datenverarbeitung interessiert uns eigentlich nicht. Outsourcing-Anbieter werden sich wohl umbesinnen müssen, wenn sie die Vorbehalte deutscher Unternehmer abbauen möchten. Reiner Thiele jedenfalls mußte lange nach einem Partner mit ganzheitlichen Serviceangebot für Hard- und Software suchen. Die Bitte um Integration vorhandener Systeme lehnte ein Anbieter sogar rundweg ab. Seine lange Suche nach dem richtigen Partner hat sich offenbar gelohnt. Aus der Partnerschaft mit EDS ergaben sich sogar neue Anwendungsgebiete. Die Durchgängigkeit der Datenbasis erlaube es nun, von Konstruktionszeichnungen bis hin zu den Steuerdaten für CNC-Werkzeugmaschinen alles aus einer Hand anzubieten. Manchen schien es fast schon wie ein Warten auf Godot- jenes jahrelange, geduldige Harren potentieller Anwender der Computerintegrierten Fertigung( CIM) auf das Manufacturing Automation Protocol( MAP). Doch jetzt soll dieser unbefriedigende Zustand vorbei sein, verheißen Anbieter- und Anwender-Gruppierungen. Der Verkündung der frohen Botschaft von der gelungenen Vernetzungswelt dient vor allem das MAP-Forum der EMUG, also der European MAP User Group. Diese Vereinigung mit Vertretern aus Japan, den USA, Australien und Europa( hier koordiniert vor allem die EG-Kommission) hat sich zum Ziel gesetzt, CIM voranzubringen. So präsentiert beispielsweise die britische Tochter Vauxhall des MAP- Erfinders General Motors eine Lackierstraße für 45 Autos pro Stunde, die rund 180 Millionen DM verschlungen hat und bei der alle Einheiten nach dem neuen und aktuellen MAP-Protokoll der Version 3 .0 Mit dem steuernden Computer verbunden sind. Es kommt dabei ein Breitband-Netz zum Einsatz, das die 30 GE-Fanuc-Systeme, die mit speziellen GE-Fanuc-Kommunikations-Programmen arbeiten, direkt mit einem DEC-Microvax-Rechner verbindet. Die Kommunikation zwischen den GM-Fanuc-Systemen und der zentralen DEC-Rechenanlage biete, so betont A. Domesle, für die Anwendungsprogrammierer der einzelnen GE-Fanuc-Stationen eine einfach handhabbare Standard-Schnittstelle zum MAP-Netz und belaste die einzelnen Stationen nur gering mit Aufgaben des Nachrichten-Austauschs. Dabei senden die einzelnen Einheiten Alarmmeldungen und Fehler-Codes bei Bedarf sofort über das Netz zur Microvax, die den Status der Stationen abfragt. Diese Intervalle sind beliebig einstellbar und können je nach Art der fraglichen Daten kürzer oder länger gewählt werden. Philippe Perrier vom französischen Renault-Konzern spricht für ein System, bei dem mit Hilfe von MAP die Endmontage gesteuert wird und bei dem ein Zellen-Steuerrechner von Hewlett-Packard vor allem drei Aufgaben wahrnimmt: Planung der Arbeit an drei Montage-Endstationen, er überwacht den Zustand der Anlagen, kontrolliert die Qualität der Produkte wie der Arbeit. Dabei kommen in dieser Installation neben einem Breitband-Netz als logischem Rückgrat der gesamten Anlage noch ein Trägerband-Subnetz und zahlreiche einzelne Terminals, Anzeigen und überwachte Maschinen beziehungsweise Geräte zum Einsatz. Für eine vollautomatische Lackieranlage setzt sich auch Jürgen Hafermaas ein, MAP-Spezialist bei AEG. Das 1989 im VW-Werk in Emden installierte System läuft seit Februar dieses Jahres voll in der Produktion. Dieses MAP-3.0-Netz Umfaßt seiner Konfiguration nach ein Rückgrat sowie zwölf Subnetze mit insgesamt 153 Knoten und einer Gesamtlänge von 4300 m. Dabei wird ein Trägerband-Netz mit einer Datenrate von 5 MM/ s benutzt. Programmier-Tafeln oder auch als Zellen-Steuerrechner eingesetzt werden. Zur unmittelbaren Demonstration der bereits bestehenden Möglichkeiten, Computer und Maschinen verschiedener Hersteller aneinanderzukoppeln, präsentierten schon auf der Münchener Messe Systec rund 20 Unternehmen beziehungsweise Organisationen unter anderem ein Produktionssystem vom Auftragseingang über die Arbeitsplanung bis zur Zellensteuerung, aber auch ein Fabriküberwachungs- und -steuerungssystem sowie einzelne Fertigungszellen. Daneben ging es um die Möglichkeiten des Anschlusses von Geräten ohne MAP-Protokoll-Konformität sowie Flexible Fertigungssysteme, wobei aber in jedem Falle darauf geachtet wurde, daß jeweils Komponenten unterschiedlicher Hersteller über MAP oder zu einem geschlossenen Ganzen zusammenfanden. Vermitteln wollte diese Schau vor allem eines: Das Warten ist vorbei, es gibt schon heute konkret einsetzbare MAP-Produkte verschiedener Hersteller, die zusammengekoppelt und dann genutzt werden können. Die Einheit Deutschlands und das Zusammenwachsen Berlins haben sich auch beim Innovationspreis der Spreestadt niedergeschlagen. Nachdem im vergangenen Jahr der Preis am Tag der Maueröffnung verliehen wurde, wurde in diesem Jahr auch ein Wissenschaftler aus dem Ostteil der Stadt für seine Arbeit belohnt. Eberhard Krause vom Berliner Zentralinstitut für Elektronenphysik hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man Optikmaterial für Infrarotlaser giftfrei herstellen kann. Zinkselenid, das wohl geeignetste Linsenmaterial für CO2-Laser, muß in einem aufwendigen Prozeß synthetisiert werden. Der dabei verwendete Selenwasserstoff ist ein extrem toxisches Gas. Die tödliche Wirkung liegt unter der Geruchsschwelle. Die Produktion verlangt also hohe Anforderungen an die Sicherheitstechnik. In dem von Krause entwickelten Niederdruck-CVD-Verfahren kann durch Verdampfen von Zink und Selen sowie eine thermisch stimulierte Reaktion in einer Argon-Inertgasatmosphäre das Ausgangsmaterial für Infrarot-Optiken erzeugt werden. Es werden, wie Prof. Gerhard Becker, Präsident der Bundesanstalt für Materialprüfung, bei der Preisverleihung im November erläuterte, unkomplizierte, leicht herzustellende, feste Ausgangsstoffe anstelle extrem giftiger, teurer Reinstgase benutzt. Der Entwurf eines Neuro-Compilers von der Firma Expert Informatik wurde ebenfalls mit dem Berliner Innovationspreis ausgezeichnet. Parallel arbeitende, lernfähige und teilweise selbstorganisierende Systeme haben gegenüber traditioneller Datenverarbeitung den Vorteil, daß sie beispielsweise abstrahieren und Muster erkennen können. Noch befinden sich die meisten Systeme in der Entwicklungsphase, während die kommerzielle Verwertung noch in den Kinderschuhen steckt. Doch Systeme, die neuronalen Netzwerken wie dem Gehirn nachempfunden sind, werden allerbeste Marktchancen vorausgesagt. Mit dem Neuro-Compiler lassen sich die Aktienkurse prognostizieren, Strömungsmodelle simulieren und auch Computerviren erkennen. Er überschreite dabei, wie Becker betonte, deutlich die Grenze vom Spielerischen zum ökonomisch Sinnvollen. Die Berliner Firma Karl Weiss erhielt für ein bodenständiges Projekt den Innovationspreis: Mit ihrem Hydros-Verfahren ziehen sie alte Rohrleitungen hydraulisch aus dem Boden und im gleichen Arbeitsgang neue ein. Der Boden muß dabei nicht in voller Rohrlänge aufgerissen werden, man kommt mit einer kleinen Baugrube aus. Den Sonderpreis für Umwelttechnik erhielt in diesem Jahr Hans-Wilhelm Lieber, Professor an der Technischen Fachhochschule Berlin, für seine Arbeiten und Forschungen auf dem Sektor abwasserfreie Galvanik. Ein einfacher Gedanke, der aber schwierig zu realisieren war, meinte Jury-Mitglied Werner Schenkel vom Umweltbundesamt in Berlin zu Liebers Arbeit. Denn die höheren Kosten für die Anlage mußten durch entsprechend niedrigere Produktionskosten ausgeglichen werden. Das schaffte Lieber durch Einsparen von Wasser und Metallen. Im Gegensatz zu den bekannten und geläufigen End-of-Pipe-Techniken, also Reinigung erst am Ende des Produktionsprozesses, fällt bei Liebers geschlossenen Wasser- und Stoffkreisläufen fast kein umweltbelastendes Abwasser mehr an. Die flüssigen Produktionsrückstände konnten um 98 Prozent reduziert werden. Der Galvanik-Experte konzentrierte die schwermetallhaltigen Spülwässer, die Stationen zwischen den hintereinandergeschalteten Prozeßbädern, auf. Mit diesem Verfahren läßt sich aus Spülwasser ein Prozeßbad gewinnen. In einer anderen Galvanikanlage schlägt Lieber einen heißen Weg ein. Dort wird das Abwasser nicht gereinigt, sondern verdampft und in den Prozeß zurückgeführt. Berlins Wirtschaftssenator Peter Mitzscherling sagte bei der Preisverleihung, daß besonders kleine und mittlere Unternehmen aufgefordert seien, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, die Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Mit der Organisation und Durchführung des Berliner Innovationspreises, der seit sieben Jahren vergeben wird, ist das VDI/ VDE-Technologiezentrum Informationstechnik beauftragt. Seit Wochen stehen Güterzüge in der sowjetischen Grenzstadt Brest auf Nebengleisen und werden nicht abgefertigt. Die Waggons, vollbeladen mit Maschinen aus der ehemaligen DDR, finden keine Abnehmer mehr. Und das, obwohl bis Ende des Jahres Exporte in die osteuropäischen Länder noch subventioniert werden. Aber das gegenwärtige Debakel dürfte nur ein Vorspiel auf den weitgehenden Zusammenbruch des Absatzmarktes für Werkzeugmaschinen sein. Die einstigen sozialistischen Bruderländer, bisher Hauptabnehmer ostdeutscher Maschinen, sind nicht mehr zahlungsfähig. Von den Gesamtexporten über 3,5 Milliarden Mark, die die Werkzeugmaschinenbauer in der ehemaligen DDR im vorigen Jahr erwirtschafteten, flossen 2,6 Milliarden Mark aus den osteuropäischen Ländern. In diesem Jahr werden es nach Berechnungen des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung( IAW) noch 2 Milliarden DM sein. Und in dieser Größenordnung sollten auch 1991 Maschinen geliefert werden, vor allem für den beschleunigten Aufbau der Konsumgüterindustrie in der UdSSR. Doch die Kassen sowjetischer, tschechischer, polnischer und bulgarischer Unternehmen sind leer. Sie verfügen weder über Devisen noch über inländische Reserven. Nach Schätzungen des IAW und der Werkzeugmaschinenhandel GmbH Wemex können 1991 gerade noch Maschinen im Wert von 430 Millionen DM in Osteuropa abgesetzt werden- das ist lediglich ein Fünftel des diesjährigen Exports. Für IAW-Mitarbeiter Herbert Berteit bedeutet dies den Verlust der Marktführerschaft ehemaliger DDR-Werkzeugmaschinenbauer im Osten. Und sollte diese Entwicklung nicht aufzuhalten sein, dann verlören sie auch ihren entscheidenden Standortvorteil gegenüber westdeutschen Firmen. Abhilfe, so Berteit, könne die Hermes-Absicherung für Exporte in die UdSSR und andere osteuropäischen Länder schaffen. Der Tauschhandel Maschinen gegen Erdgas, Öl oder Erze könne ausgebaut werden. Die Beziehungen zu sowjetischen Unternehmen sollten enger als bisher geknüpft werden, und zwar bis hin zu Personalaustausch und gegenseitiger Gewinnbeteiligung. Eine Bedingung knüpft Berteit allerdings an diese Vorschläge: Die Aufträge müßten an Firmen in Ostdeutschland vergeben werden. Aber nicht nur der zusammenbrechende Ostmarkt macht den Werkzeugmaschinenbauern zwischen Elbe und Oder Kopfzerbrechen. Durch das schleppende Tempo bei Kooperations- und Beteiligungsverhandlungen mit westdeutschen Firmen fühlen sie sich auch von der anderen Seite in die Zange genommen. Konkret ist noch nicht allzu viel gelaufen, meint Hans-Ulrich Kokoska dazu. Abschlüsse zwischen Werkzeugmaschinenbauern aus Ost- und Westdeutschland ließen sich, so der Sprecher des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken( VDW) in Frankfurt, an zwei Händen abzählen. Kokoska sieht auf die Unternehmen in der ehemaligen DDR eine zweijährige Durststecke zukommen. Erst danach rechnet er mit einer merklichen Bewegung und merklichen Zuwächsen. Ob die ostdeutschen Werkzeugmaschinenbauer aber so lange durchhalten können, ist mehr als fraglich. Sie können zwar die Fertigungstiefe verringern, bislang eines der entscheidenden Hindernisse für effektives Arbeiten. Doch schon werden Klagen laut, daß sie beim Einkauf auf dem westdeutschen Zuliefermarkt benachteiligt werden. Kleinere Abnahmemengen und Unkenntnis der Marktbedingungen verschlechtern für ostdeutsche Firmen die Konditionen. Bis zu 50 Prozent müßten sie für Zulieferungen mehr bezahlen als westdeutsche Unternehmen, berichtet Berteit nach Gesprächen mit Geschäftsführern in der ehemaligen DDR. Auch im Dresdener Büro des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau( VDMA) gesteht man zu, daß dieser Vorwurf nicht in allen Fällen von der Hand zu weisen sei. Daß die Verhandlungen über Beteiligungen westdeutscher Firmen an ostdeutschen Werkzeugmaschinenfabriken so zäh verlaufen, liegt teilweise auch an rechtlichen Unsicherheiten. Noch immer seien die Befugnisse der Geschäftsführer in den ostdeutschen Unternehmen nicht geklärt, erläutert Andreas Zwingmann, Referent in der Dresdener VDMA-Außenstelle. Außerdem arbeite die Treuhandanstalt zu schwerfällig, Anfragen, so Zwingmann, würden entweder nicht oder unpräzise beantwortet. Und die Kompetenzen der Treuhand-Außenstellerleiter seien ebenfalls noch unklar. Die Zurückhaltung westdeutscher Werkzeugmaschinenbauer bei ihrem Engagement in der ehemaligen DDR hängt natürlich auch mit der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Die Konjunkturdaten verheißen zwar keinen Einbruch, aber dennoch einen Abschwung. Der Konjunkturverlauf hat seinen Höhepunkt überschritten, erklärt Kokoska. Die Auftragseingänge seien um rund 9 Prozent gesunken. Doch dies müsse vor dem Hintergrund des Superjahres 1989 gesehen werden. Im Grunde normalisiert sich das Geschäft in der Werkzeugmaschinenbranche, meint Kokoska. Die westdeutschen Werkzeugmaschinenbauer haben in der Hochphase ihre Kapazitäten nicht erweitert und wegen Fachkräftemangel auch nicht ausbauen können, sondern sich mit längeren Lieferzeiten beholfen. Warum sollten sie nun in der Zeit der Normalisierung ihre Kapazitäten durch die Übernahme ostdeutscher Firmen ausweiten, fragt Kokoska zurück. Der Zusammenbruch des osteuropäischen Marktes und die rückläufige Konjunktur kann für die Werkzeugmaschinenhersteller in der DDR das Aus bedeuten. Mit genügend Schwierigkeiten haben die Nachfolgebetriebe der aufgelösten Kombinate Fritz Heckert, 7. Oktober und Umformtechnik Herbert Warnke ohnehin zu kämpfen. Von den 80000 Beschäftigten im Werkzeugmaschinenbau arbeitet fast jeder Dritte kurz. Bei den Leipziger Drehmaschinen und Numerik Chemnitz sind es nach IAW-Angaben sogar rund 80 Prozent. Die Produktivität gegenüber westdeutschen Werkzeugmaschinenfirmen liegt nach Berechnungen des Berliner Wirtschaftsinstituts bei etwa 50 Prozent. Und rund 40 Prozent der Werkzeugmaschinen in der ehemaligen DDR sind älter als 20 Jahre. Nicht einmal jede 50. Maschine, mit denen in Ostdeutschland Werkzeugmaschinen hergestellt werden, sind NC-gesteuert. Den Rückstand der Steuerungstechnik gegenüber westlichen Marktführern gibt das IAW mit zwei Generationen an. Die ehemalige DDR mußte in den vergangenen Jahren ein Werkzeugmaschinengewicht von 6,7 t exportieren, um den gleichen Erlös zu erzielen, den die EG-Länder im Durchschnitt für 1 t erhielten, hatte das IAW noch vor der Währungsunion im Sommer dieses Jahres ausgerechnet. Trotzdem hatte es die frühere DDR geschafft, sich auf dem Weltmarkt mit einem achten Platz als Werkzeugmaschinenproduzent und beim Weltexport sich sogar mit einen fünften Rang zu behaupten. Aber dies sei nur gelungen, wie Berteit erläutert, indem Maschinen auf dem Westmarkt zu Dumpingpreisen verkauft wurden. Nur ein Drittel der Kosten sei bei Verkäufen in den Westen gedeckt worden, während die UdSSR das Doppelte der Herstellungskosten bezahlen mußte. Beides wird in Zukunft wohl vorbei sein. Laseranlagen zur Materialbearbeitung sind nicht mehr Spielzeuge für Physiker, die in ihren Labors Rasierklingen durchbohren und Telefonbücher schneiden, um sich von der Leistungsfähigkeit ihrer Entwicklungen zu überzeugen. Laseranlagen sind hochproduktive Werkzeugmaschinen an die gleiche Maßstäbe bezüglich Verfügbarkeit und Amortisation gestellt werden wie an andere Werkzeugmaschinen auch. Daß diese Erwartungen erfüllt werden beweisen die Zahlen: Derzeit setzen in der Bundesrepublik Deutschland etwa 1200 Betriebe Laser zur Materialbearbeitung ein. Wie schnell aus morgen heute werden kann hat die Lasertechnik in den letzten dreißig Jahren bewiesen: Obwohl die USA als Geburtsland der Lasertechnik in den sechziger und siebziger Jahren uneingeschränkt marktbeherrschend waren, haben sich in den achtziger Jahren bundesdeutsche Firmen eine bedeutende Stellung erarbeitet. Daß gerade deutsche Firmen zur hohen technologischen Reife der Lasertechnik beigetragen haben, ist um so interessanter, als auch auf diesem Gebiet eine starke Konkurrenz aus Fernost droht: Während beispielsweise der größte CO2-Laserhersteller aus der Bundesrepublik kommt, rangieren auf Platz zwei und drei bereits japanische Firmen. Derzeit behauptet sich die Bundesrepublik in diesem Wettbewerb noch sehr gut. So kommen wertmäßig zirka 13 Prozent der weltweit produzierten Lasersysteme zur Materialbearbeitung aus der Bundesrepublik. Die größte Marktdurchdringung haben die Verfahren Schneiden mit CO2-Lasern in der Blechbearbeitung, das Schweißen von elektrotechnischen Bauteilen mit Festkörperlasern sowie das Beschriften. Daß der Lasereinsatz nicht nur als Ersatz für ein vielleicht technisch unterlegenes Konkurrenzverfahren zu sehen ist, sondern mit seiner Einführung die gesamte Produktionslogistik umkrempelt, mag folgendes Einzelbeispiel zeigen: Durch Einführung des Laserbeschriftens gelang es Siemens im Gerätewerk in Amberg, Kleinschütze in 1700 Varianten individuell bis hin zur Losgröße 1 im 4-s-Takt wirtschaftlich zu fertigen. Dieses Potential des Laserbeschriftens zur flexiblen Fertigung hatte direkte Auswirkungen auf den Material- und Informationsfluß, senkte Durchlaufzeiten und steigerte die Wettbewerbsfähigkeit. Lasertechnik strahlt heute eben nicht nur durch faszinierende Entwicklungen im Bereich Informationsverarbeitung( z. B. Compact-Disc-Spieler oder Datenübertragung mit bisher unvorstellbarer Datenstromdichte), neue meßtechnische Verfahren oder medizinische Anwendungen. Schon in den späten sechziger Jahren konnte beispielsweise der Nd: YAG-Laser das mechanische Bohren von Uhrenlagersteinen aus Rubin ablösen und reduzierte damit die Bearbeitungszeit von 10 min auf 0,1 s pro Teil. Die ersten Anwendungen von Nd: YAG-Festkörperlasern waren auf die Feinwerk- und Elektrotechnik beschränkt. Mit der Entwicklung von industriell einsetzbaren CO2-Lasern in den siebziger Jahren standen dem Anwender Laser hoher mittlerer Strahlleistung zur Verfügung, die besonders der Eisen-, Blech- und metallverarbeitenden Industrie( EBM) neue Impulse gaben. Auch wenn die Aufteilung von Festkörperlaser und CO2-Laser auf die Anwendungsgebiete Feinwerk-/ Elektrotechnik und EBM-Industrie im Wandel begriffen ist, bleiben diese Lasertypen für die Materialbearbeitung marktbeherrschend. Im Vergleich zum Weltmarkt für Werkzeugmaschinen stellen Laser mit etwa 2,5 Prozent nur einen kleinen Anteil. Bis 1995 wird aber ein überproportionales Wachstum um zirka 140 Prozent auf 3,6 Milliarden DM erwartet. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, die sich mit Flexibilität, kurzen Durchlaufzeiten und hoher Liefertreue am Markt behaupten müssen, eröffnen sich durch den Einsatz von Lasertechnik neue Möglichkeiten und Märkte. Dieser Trend wurde frühzeitig von Laserlohnbearbeitern erkannt, so daß heute etwa 50 dieser Job-Shops in der Bundesrepublik Deutschland ihre Dienstleistung als verlängerte Werkbank anbieten. Mit einem neuen Computer-Programm lassen sich Festigkeitsberechnungen von Druckbehältern viel schneller und präziser anstellen als bisher. Wofür der Konstrukteur früher zehn Stunden benötigte, das schafft er nun in einer Stunde. Während sich bei Konstruktion und Fertigung von Druckbehältern, Wärmetauschern und anderen Teilen der Anlagentechnik CAD-Systeme oder auch Qualitätssicherungssysteme bewährt haben, erweist sich die Festigkeitsberechnung bisher oftmals als umständlich und zeitraubend. Beim Anlagenbauer Fluor Daniel in Düsseldorf beispielsweise wurden solche Kalkulationen früher per Hand ausgeführt. Dies ist jetzt nicht mehr nötig: Dimy, so der Name eines Software-Pakets mit 30 Einzelprogrammen, bietet Lösungen für die meisten Fälle, die im Apparatebau vorkommen. Es sind nämlich in erster Linie die vielen verschiedenen Normen und Regelwerke, die die Festigkeitsberechnung so umständlich machen. Die Rechenprogramme des TÜV-Systems umfassen alle wichtigen Angaben des AD-Regelwerks der Arbeitsgemeinschaft Druckbehälter, ergänzt um genormte Flansche. Auf 26 Bildschirmseiten sind die 150 wichtigsten Auswahl-Werkstoffe erfaßt. 19 der meist verwendeten Werkstoffe wurden in einer Liste zum schnelleren Auffinden zusammengestellt. Der Konstrukteur sucht dabei seinen Werkstoff heraus, gibt die Betriebstemperatur ein und wartet auf das Ergebnis der Computerkalkulation. Die Darstellung der Werkstoffe auf dem Monitor umfaßt außer der Stoffbezeichnung und der Nummer auch die dazugehörige Norm, außerdem Angaben zu den Einsatzgrenzen wie Wanddicke, Temperatur und Druck. Eingebunden ist diese Datenbank im Online-Verfahren. Die Voraussetzungen zur Anwendung: IBM-kompatibler Personalcomputer, ein DOS-Betriebssystem und eine Festplatte mit mindestens 20 MByte Speicherraum. Dimy kostet je nach Ausführung zwischen 15000 und 30000 DM. Wenn ein Rechenprogramm womöglich das Lesen von über hundert Seiten Bedienungsanleitung erfordert, dann ist der Rationalisierungseffekt deutlich in Frage gestellt, sagt TÜV-Fachmann Doktor Heinz Dieter Gerlach, der zum Entwicklungsteam das System gehört. Die Benutzerführung, sagt auch Gerlachs Kollege Peter Wieczorek, müsse selbstklärend sein. Das bedeutet zum Beispiel, daß erläuternde Informationen über das System im Eilgangsmenü abgerufen werden können. An verschiedenen Stellen des Dialogs kann man Hilfemenüs heranziehen, falls der Benutzer ins Rätseln kommt. Gibt der Anwender Zahlenkombinationen ein, die nicht zu vernünftigen Ergebnissen führen, weil zum Beispiel ein Geltungsbereich überschritten wird, liefert Dimy automatisch Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Die Software-Initiative des Essener Verbandes war von der einschlägigen Industrie vor allem deshalb so dringend gewünscht worden, weil es bislang nur eine Reihe unterschiedlicher Programme gegeben hat, die allenfalls halbwegs Erfolg versprachen, weil die Zielsetzungen dieser Systeme zu sehr auseinanderklafften. Ulrich Dümler, Konstruktonsleiter beim Anlagenbauer GEA Wiegand in Ettlingen bei Karlsruhe, schätzt vor allem die Zweisprachigkeit des TÜV-Systems, das sein Unternehmen seit kurzem einsetzt. Die Dokumentation der Berechnung, die oftmals an die teils ausländischen Kunden weitergegeben wird, läßt sich wahlweise in Deutsch oder Englisch ausdrucken. Damit spart man Geld für die Übersetzung. Zwei- bis dreimal im Jahr ergeben sich Änderungen bei den Datenbankinformationen, dann schickt der Essener TÜV entsprechende Mitteilungen für das Up-Dating. Kurze Wege zum aktuellen Stand der Dinge seien notwendig, sagt Dümler. Gegen Importe von Silizium mit Ursprung Brasilien hat die EG-Kommission ein Antidumpingverfahren eröffnet. Den Beschwerdeführern( VAW Vereinigte Aluminium-Werke, Pechiney Electrometallurgie, Officiene Elettrochimiche Trentine unter anderem) zufolge verringerte sich die EG-Produktion infolge des Importdrucks von 122000 t in 1985 auf 102000 t in 1989. Zugleich sei die Kapazitätsauslastung auf 67 Prozent zurückgegangen. Die brasilianischen Exporte in die EG seien in dieser Zeit um 738 Prozent auf 18982( 2265) t gestiegen. Gute Aussichten für Kupfer sieht Richard D. Osborne, Chairman und Chief Executive Officer der Asarco Inc., New York. Gegenüber Wertpapieranalysen distanzierte er sich von den vielfach verbreiteten Rezessions-Szenarios, die seiner Einschätzung nach nicht den vorliegenden statistischen Angaben gerecht werden. Für den Kupferbereich verwies er auf die boomende Nachfrage im Ausland, insbesondere in Deutschland und in Asien, die 1990 Rekordmarken erreichten und im nächsten Jahr noch höher ausfallen werde. Mit der Zahl der verkauften Kraftfahrzeuge zeigte sich Osborne zufrieden und verwies darauf, daß für jedes Auto Kupfer verwendet werde. Die Eisen- und NE-Metallindustrie der UdSSR ist auf der Suche nach Geschäftskontakten. Daher ist in Moskau eine Außenhandelsorganisation Asmet gegründet worden. Sie arbeitet nach Angaben ihres stellvertretenden Vorsitzenden Nikolai Nossow gegenwärtig an 25 Vorhaben zur Gründung von Gemeinschaftsunternehmen. Mit einem jugoslawischen Unternehmen ist ein Joint Venture für die Herstellung von Universal-Oberflächenbehandlungsanlagen zur Regeneration von Bergbau-, Hütten- und Walzwerksausrüstungen geplant. Auch über branchenfremde Vorhaben, die von Eisen- und Stahlkombinaten für die Versorgung der eigenen Belegschaften initiiert wurden( Herstellung von Möbeln, Baumaterialien usw.), Finden derzeit Verhandlungen mit ausländischen Firmen statt. Kontaktaufnahmen mit Asmet sind über das Ministerium für Metallurgie der UdSSR( Minmet) möglich. Schrottmangel bremst Stahlproduktion in der UdSSR: Einige Metallurgische Kombinate, darunter Orsk-Chalilowo, Nowolipezk, Magnitogorsk und Tscherepowez, sollen aus diesem Grunde kurz vor Produktionseinstellungen und Schließungen stehen. Der Mangel ist zum einen auf fehlende beziehungsweise nicht ausreichende ökonomische Anreize für die Zuführung von Schrott in Wiederverwendungskreisläufe zurückzuführen, zum anderen aber auch auf den Mangel an Maschinen für die Altmetallaufbereitung. Europa ist Wachstumsträger beim Aluminiumverbrauch: In den 90er Jahren wird sich die Nachfrage nach Primäraluminium jährlich um mehr als 2 Prozent erhöhen, wobei der zu erwartende Bedarfsschub aus den Ländern des früheren Ostblocks noch gar nicht voll in Rechnung gezogen ist. Das erklärte Brent Reitan, Generalmanager der norwegischen Gesellschaft Elkem Aluminium. In Westeuropa gebe es noch enorme Chancen, betrachte man die Spanne des Pro-Kopf-Verbrauchs, die von 27 kg in Deutschland bis 7 kg in Griechenland reiche. Einen Abwärtstrend bei den Blei- und Zinkpreisen des nächsten Jahres sagt Shearson Lehman Brothers, London, voraus, da der Lageraufbau dann abgeschlossen sei und eine Rezession in den westlichen Ländern ihren Tribut in den Bergbaubranchen fordern werde. Der Preis für Blei an der Londoner Metallbörse wird für 1990 bei durchschnittlich 838 Dollar/ t prognostiziert, er soll 1991 bei 661 Dollar und 1992 bei 706 Dollar liegen. Ein Vergleich zwischen der gegenwärtigen Ölkrise und den beiden Krisenperioden von 1974 und 1979 dränge sich auf. Bei Zink hob Shearson die Bedeutung des Galvano-Sektors hervor, der von den 5 Millionen t des jährlichen Verbrauchs mehr als 4 Millionen t aufnimmt. An Lacke, besonders für die Innenbeschichtungen von Dosen, werden hohe Anforderungen gestellt: Beste chemische Beständigkeit, mechanische Verformbarkeit sowie physiologische Unbedenklichkeit des eingebrannten Lackfilmes gelten als die wichtigsten Voraussetzungen. Weltgrößter Produzent ist der britische Konzern ICI. Um seinen Vorsprung auszubauen, projektierte die World Packaging Group der ICI Paints für ihr Hildener Werk eine neue Klarlack-Anlage- eine Fabrik in der Fabrik. In nur fünf Monaten wurde die 15,5-Millionen-DM-Anlage installiert- in einem vorhandenen Gebäude über vier Stockwerke hinweg. Bis zu 20000 t Verpackungslacke und Verdünner können hier pro Jahr hergestellt werden- für Europa!, Wie Wil Buzina, Geschäftsbereichsleiter Verpackungslacke, in Hilden sagt. Solche Blech-Emballagen-Lacke produziert ICI derzeit außer am Rhein noch in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Ein Motorola/ VME-Systemrechner steuert und überwacht im Vordergrund die komplette Anlage. Er ist mit einem DEC-Vax-Hintergrundrechner vernetzt. Diese Anordnung soll später mit der Materialwirtschaft, der Produktionsplanung und der Datenbank Lims( Labor Information Management System) verbunden werden. Energieträger der neuen Produktionseinheit ist Dampf, gekühlt wird FCKW- frei. Reinigungs- und Lösemittel werden im Kreislauf geführt, eine Wiederaufbereitungsstufe ist integriert. Dadurch läuft die Produktion nach Angaben von Buzina abfallfrei. Dafür, daß ohne jeden Ausschuß gearbeitet wird, sorgt der Prozeßrechner. Über Wägezellen mit hochempfindlichen Dehnungsmeßstreifen und mit einer Auflösung von 1: 5000 exakt schließende Ventile erhalten die Mischbehälter im zweiten Obergeschoß die festen Rohstoffe- Epoxid- und Phenolharze- sowie die flüssigen Komponenten Xylol und Butylacetat über Rohrleitungen vom dritten Obergeschoß kommend zugemessen. Die nächste Station sind die Abprüfbehälter, in denen die fertige Rezeptur kontrolliert wird, während im Mischbehälter neben dem Abprüfbehälter bereits die nächste Charge gemischt werden kann. Die Materialprüfungen finden stets im Rahmen einer statistischen Prozeßkontrolle statt: Die Genauigkeit der Charge wird ebenso untersucht wie die Einhaltung der Filtrationsvorschriften und die physikalischen Kenndaten wie die Viskosität, außerdem besondere Wünsche des Kunden an den bestellten Lack. Über die Abfüllmaschinen im Erdgeschoß schließlich fließt der fertige Lack in Container, Fässer oder kleinere Gebinde. So wird nahezu kontinuierlich und hocheffizient gefertigt. In den Leitungen zwischen den Behältern und der Abfüllung sorgen Rohrmolche für eine Trennung der einzelnen Produkte und Chargen und für die Reinigung. Um eines Tages- nach geringfügigen Umstellungen- die auch im Emballagen-Geschäft stürmisch vordringenden Wasserlacke fertigen zu können, wurden die wesentlichen Teile der Anlage aus Edelstahl hergestellt. Alle Bereiche wurden explosionsgeschützt ausgerüstet. Zusätzlich inertisieren die Hildener die Behälter mit Stickstoff. Den Brandschutz garantiert eine CO2-Löscheinrichtung. Ganz besonders stolz ist Wil Buzina auf die Ergebnisse der ersten Messungen während der Anfahrzeit: Gegenüber der dafür stillgelegten Altanlage gelang eine 95 Prozent-Reduzierung organischer Emissionen. Zwei neue Kugeltanks für Propylen werden zur Zeit im BASF-Werk in Ludwigshafen gebaut. Sie sind zur Aufnahme von Propylen bestimmt. Das Besondere: Die Kugeln ruhen in einem elastischen Bett, das Formänderungen ausgleicht die durch unterschiedliche Füllmengen entstehen. Der 5 cm große Zwischenraum zwischen Kugeln und Fundament wird mit einem speziellen Polyurethanschaum ausgegossen. Die Sorge um sauberes Trinkwasser bringt der Wasseraufbereitung Hochkonjunktur. Nach einem neuen Bericht des Marktforschungsinstituts Frost und Sullivan, Frankfurt, werden sich die Umsätze der Branche in Europa in der Zeit von 1989 bis 1995 verdoppeln. Insgesamt wird der Markt von 1990 bis 1995 auf ein Volumen von 15 Milliarden US-Dollar anwachsen. Den mit Abstand größten Markt bildet mit 1,2 Milliarden Dollar bis 1995 die Abwasseraufbereitung, die Trinkwasseraufbereitung folgt an zweiter Stelle mit 700 Millionen Dollar. Die chemische Industrie wird für die Wassereinigung 400 Millionen Dollar( 1995) aufbringen müssen. Der größte nationale Einzelmarkt ist die Bundesrepublik mit 803 Millionen Dollar( 1995). Besonders die Märkte in Großbritannien, Italien und Spanien werden in den kommenden Jahren schnell wachsen. Eine neues On-Line-Begasungssystem für FCKW-reduzierte Polyole hat Hennecke, Sankt Augustin, jetzt vorgestellt. Das Gasbeladungsgerät Aeromat verbessert Fließverhalten und Zellstruktur der ohne Treibmittel produzierten Schaumstoffe. Ein spezieller Rührer gewährleistet die feinstmögliche Gasdispersion, die für die Zellstruktur- und damit auch für den Dämmwert- entscheidend ist. Die BASF, Ludwigshafen, wird ihr Geschäft mit Magnetprodukten neu ordnen, und die Magnetbandaktivitäten der Tochtergesellschaft Agfa in die BASF Magnetics GmbH, Mannheim, einbringen. Der Umsatz der BASF Magnetics ist für 1991 mit rund 1,7 Milliarden DM geplant. Weltweit wird der Umsatz der BASF mit Magnetprodukten im nächsten Jahr über 2 Milliarden DM liegen. Für ihren Artikel Atrazin- eine Chemikalie hat sich breitgemacht erhielt VDI-Nachrichten-Redakteurin Christa Friedl den 2. Preis im diesjährigen Wettbewerb Reporter der Wissenschaft. In diesem Beitrag hinterleuchtet sie die öffentliche Diskussion um das grundwassergefährdende Pflanzenschutzmittel Atrazin. Den jungen Reportern der Wissenschaft ist es gelungen, so Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber bei der Preisverleihung vergangene Woche in Bonn, über aktuelle Themen aus der Gesundheits- und Umweltforschung verständlich und interessant zu berichten. Christa Friedl ist seit März 1989 Mitglied der Düsseldorfer Redaktion. Bereits im Mai erhielt die Chemie-Ingenieurin für einen Artikel über den krebserregenden Werkstoff Asbest den Karl-Theodor-Vogel-Preis des Würzburger Vogel-Verlags. Die Entsorgungslandschaft in Deutschland läßt sich ganz einfach beschreiben: Von allem zuwenig. Deponien sind voll, bestehende Verbrennungskapazitäten reichen nicht aus, alternative Entsorgungsmethoden wie Pyrolyse oder Müllkompostierung kommen über das Pilotstadium nicht hinaus. Nur an Müll hat Deutschland viel zuviel. 32 Millionen t Haus- und Gewerbemüll, 8 Millionen t Klärschlamm und 6 Millionen t Sonderabfälle fielen im vergangenen Jahr in der( alten) Bundesrepublik an. Die Lösung des Mülldilemmas kommt jetzt aus Bonn: Abfall wird Brennstoff. Mit einer neuen Abfallverbrennungs-Verordnung hat der Gesetzgeber Hausmüll, Sonderabfällen und Klärschlämmen den Weg in den Verbrennungsofen geebnet. Neu an dieser 17. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz( 17. BImSchV) ist, daß die Nutzung von Abfall in eigentlich nicht dafür vorgesehenen Anlagen großflächig möglich wird. Die Verordnung regelt nicht nur den Betrieb und die zulässigen Emissionen von herkömmlichen Müll- oder Klärschlammverbrennungsanlagen, sondern auch von Anlagen, die zur Energieerzeugung sonstige feste oder flüssige brennbare Stoffe, die nicht als Brennstoffe im handelsüblichen Sinne bezeichnet werden, einsetzen. Kohlekraftwerke oder Zementwerke dürfen danach einen bestimmten Anteil an Klärschlamm, Haus- oder Sondermüll mitverfeuern. Bei 110 Kohlekraftwerken und 61 Zementwerken allein in Westdeutschland ein großes Potential. Das sagte sich auch der Essener Stromriese Steag. Im Großkraftwerk Voerde am Niederrhein soll künftig Klärschlamm mit einem Heizwertanteil von 15 Prozent mitverfeuert werden. Die beiden Schmelzkammeröfen des Riesenkraftwerks könnten auf diese Weise pro Jahr 400000 t getrockneten Klärschlamm schlucken. Bereits Ende vergangenen Jahres stellt das Unternehmen Antrag auf Genehmigung der Zusatzfeuerung. Das Schmelzkammerverfahren bietet nach Ansicht des Betreibers ideale Voraussetzungen zur schadensfreien Beseitigung der mit Schadstoffen belasteten Klärschlämme. Die hohen Temperaturen von rund 1600O C seien Garant für eine Zerstörung sämtlicher organischen Verbindungen, auch der gefürchteten Dioxine und Furane. Schwermetalle sollen in einer Glasmatrix dauerhaft eingebunden werden und in Granulatform letztendlich als Baustoff und zum Sandstrahlen verkauft werden können. Was wie ein klares Konzept und ein einträgliches Geschäft aussieht, rief schon bald Kritiker auf den Plan. Wir fürchten nicht nur mögliche Schwermetallbelastungen, sondern auch die Freisetzung von Dioxinen, sagt Wolfgang Krieg, Sprecher der Voerder Bürgerinitiative gegen Klärschlammverbrennung. Die rund 3000 Einsprecher gegen die Steag-Pläne erhalten Schützenhilfe aus der Wissenschaft. Es ist großer Unfug, das Glasgranulat zum Sandstrahlen zu verwenden, so Prof. Werner Borchard von der Universität Duisburg. Bei einer mittleren Korngröße von 100 nm, so errechnete Borchard, dauert es gerade 145 Tage, bis die darin enthaltenen Schwermetalle freigesetzt würden. Darüber hinaus kämpfen die Techniker der Steag mit dem Quecksilber aus dem Klärschlamm. Das leichtflüchtige Schwermetall gelangt über die Entschwefelung des Rauchgases in den sogenannten REA-Gips. Quecksilberhaltiger Gips ist in der Verwendung vor allem im Hausbau aber hochgefährlich, so Borchard. Das Beispiel Steag zeigt die Schwachpunkte der neuen Verordnung. Die nach Aussage von Bundesumweltminister Töpfer beispiellos scharfen Grenzwerte sind umstritten. Beispiel Dioxine. Mit dem neuen Grenzwert von 0,1 ng/ m3 sollen die Gesamtemissionen aller bundesdeutschen Müllverbrennungsanlagen gegenüber den 80er Jahren um 99 Prozent gemindert werden. Während zu Beginn der 80er Jahre der Dioxinausstoß noch rund 400 g pro Jahr betrug, darf die gesamte Dioxinfracht künftig nur noch rund 4 g jährlich betragen. Die chemische Industrie hält mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg. Uns ist bis heute weltweit keine einzige großtechnisch im Dauerzustand betriebene Sonderabfallverbrennungsanlage bekannt, die in der Lage ist, diesen Grenzwert mit Sicherheit einzuhalten, betont Bayer-Vorstandsmitglied Doktor Ernst-Heinrich Rohe. Beispiel Schwermetalle. Hier dauerte der politische Streit bis zum Schluß. Der Bundesrat setzte letztendlich die Halbierung der Einzel-Grenzwerte für Cadmium, Thallium und Quecksilber von 0,1 mg/ m3 auf 0,05 mg/ m3, und des Summengrenzwertes für Schwermetalle von 1 mg/ m3 auf 0,5 mg/ m3 durch. Begründung: Da in Zukunft Abfallverbrennungsanlagen vermehrt in ländlichen, wenig belasteten Gebieten gebaut werden sollen, wäre bei den höheren Grenzwerten für Schwermetalle mit Akzeptanzproblemen zu rechnen. Ganz im Gegensatz zu herkömmlichen Brennstoffen variiert der Schadstoffgehalt von Klärschlämmen oder Sondermüll erheblich. Wo beides zusammen verfeuert wird, ändert sich die Zusammensetzung der Abgase. Um generell eine Verdünnung des Schadstoffstroms aus dem Abfall durch saubere Abgase aus Kohle oder Öl auszuschließen, wird der zulässige Schadstoffausstoß bei einer Zusatzfeuerung über eine komplizierte Mischrechnung ermittelt. Emittiert ein Kraftwerk nach der bisher gültigen Großfeuerungsanlagenverordnung maximal 400 mg SO2/ m3, sind beim Zusatz von 15 Prozent Abfall( der wie beispielsweise Klärschlamm kein SO2 freisetzt) dann noch 347 mg SO2/ m3 erlaubt. Bei der Ermittlung von zulässigen Grenzwerten für Dioxine und Schwermetalle aber geht diese Mischrechnung nicht auf. Meist wissen wir ja gar nicht, welche Mengen das Kraftwerk ohne den Abfall emittiert, bemängelt Rolf Berghof vom Landesamt für Wasser und Abfall in Düsseldorf. Durch den vorgeschriebenen Rechnungsmodus besteht außerdem gerade bei Dioxinen und Furanen die Gefahr, daß der berechnete zulässige Wert unterhalb der Nachweisgrenze liegt und somit gar nicht kontrollierbar ist. Berghof sieht noch andere Kritikpunkte. So müssen Anlagen, die Abfälle mitverbrennen, eine Mindesttemperatur von 1200 OC einhalten. Das wäre hinsichtlich der Emissionen gar nicht nötig. Außerdem bremse diese hohe Muß-Temperatur den Einsatz der modernen, energiesparenden Wirbelschichttechnik, die nur bei Temperaturen von 800 OC arbeitet. Für die praktische Umsetzung ausschlaggebende Fragen läßt die neue Verordnung offen. So muß die zuständige Genehmigungsbehörde von Fall zu Fall entscheiden, welche technische Nachrüstung für eine Zusatzfeuerung notwendig wird. Das erfordert zeit- und kostenaufwendige Probeläufe, Analysen und Auswertungen. Wir warten immer noch auf die Genehmigung, sagt Steag-Sprecher Martin Weber. Ein kleiner Trost für die Betreiber: Die 17. BImSchV gilt nur für Neuanlagen ab sofort. Für die Nachrüstung von Altanlagen auf den geforderten Stand der Technik räumte der Gesetzgeber großzügige Übergangsfristen ein. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums müssen Altanlagen, deren Emissionen an die Werte der Technischen Anleitung Luft( TA Luft) von 1986 angepaßt wurden, erst bis 1996 nachgerüstet sein, für die übrigen gilt die Frist bis März 1994. Vorher ist das nicht zu schaffen, stimmt Berghof zu. Vor allem weil die Zulieferindustrie auf eine große Nachfrage beispielsweise nach Aktivkoksfiltern zur Dioxinminderung nicht vorbereitet ist. Und die Filterhersteller müssen jetzt Emissionswerte garantieren, die großtechnisch noch nie erprobt wurden. Ob die 17. BImSchV den Müllnotstand lindern kann, bleibt fraglich. Die Einhaltung der neuen Grenzwerte wird für die Betreiber von Verbrennungsanlagen teuer. Nach Schätzungen der Bundesregierung kostet die technische Nachrüstung insgesamt 400 bis 800 Millionen DM. Für manchen zuviel. Die hohen Kosten, so Bayer-Vorstandsmitglied Rohe, werden den einen oder anderen Betreiber von Zementöfen oder Kraftwerken davon abhalten, seine Kapazitäten künftig zur Verfeuerung von Sondermüll zur Verfügung zu stellen. Ungebremster Ausstoß von Kohlendioxid bringt das Weltklima in Gefahr. Als erster und bisher einziger Staat hat Deutschland sich selbst konkrete Minderungsquoten gesetzt. Was technisch realisierbar ist, darüber streiten sich freilich noch die Experten. Anfang November war es soweit: Das Bundeskabinett beschließt, die deutschen CO2-Emissionen bis zum Jahre 2005 um mindestens 25 Prozent zu senken. Auf der 2. Weltklimakonferenz zur selben Zeit in Genf setzten die Deutschen damit deutliche Signale. Für die künftige Energiepolitik hat das Kabinett eine wichtige neue Leitlinie festgelegt. Bei der energetischen Nutzung fossiler Energieträger sollen die externen Kosten einbezogen werden. Damit würde ein fundamentales Defizit des Umgangs mit Energie beseitigt: Denn bisher werden Umweltschäden, also Kosten für die Allgemeinheit, nicht in den Energiepreisen berücksichtigt. Rationelle Energienutzung und erneuerbare Energiequellen sind somit gegenüber den konventionellen Energieträgern benachteiligt. Es ist ein entscheidender Fortschritt, daß die Existenz externer Kosten nun regierungsamtlich anerkannt wird, sagt Olav Hohmeyer vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung( ISI) in Karlsruhe. Er kritisiert allerdings die Beschränkung dieser neuen Berechnung auf die fossilen Energiequellen, die Kernenergie dürfe nicht ausgespart bleiben. Hohmeyer hat nachgerechnet: Der Preis für Strom aus Kohle und Kernenergie müßte sich bei Berücksichtigung der externen Kosten verdoppeln. Eine Studie der Elektrizitätswirtschaft kommt zwar zu wesentlich niedrigeren Zahlen, die Kontrahenten sind sich aber einig, daß die Folgen möglicher Klimaänderungen- sollte der CO2-Ausstoß weltweit nicht drastisch gesenkt werden- aus heutiger Sicht gar nicht zu bezahlen sein werden. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu senken: Durch eine Erhöhung der Energieeffizienz auf allen Ebenen des Energiesystems, von der Umwandlung in den Kraftwerken bis zu den Geräten des Endverbrauchers. Oder durch den Einsatz von CO2-freien Primärenergieträgern wie Solarenergie, Wasser- und Windkraft und einen Ausbau der CO2-armen Kernenergie. Auch eine Substitution der fossilen Energieträger untereinander beeinflußt die CO2-Bilanz. Erdgas setzt pro erzeugte Energieeinheit nur halb soviel Kohlendioxid frei wie Braunkohle. Nach der Vereinigung hat Deutschland mit 1070 Millionen t CO2, 720 Millionen t aus dem Westen und 350 Millionen t aus dem Osten einen Anteil von 5 Prozent am gesamten weltweiten CO2-Ausstoß von 22 Milliarden t. Wegen der völlig unterschiedlichen Voraussetzungen werden die beiden Wirtschaftsgebiete getrennt betrachtet( siehe Tabelle). Für Westdeutschland gilt die Kabinettsvorgabe( -25 Prozent), für Ostdeutschland wird eine höhere Quote angestrebt, denn die DDR nahm mit einem CO2-Ausstoß von 22 t/ Kopf den Weltspitzenplatz ein( BRD 12 t). Eine Reduktion dieses hohen Wertes wird sich nahezu zwangsläufig einstellen. Denn aus ökologischen und ökonomischen Gründen muß die Förderung von Braunkohle von jetzt 300 Millionen t auf die Hälfte zurückgefahren werden, ebenso werden viele energieintensive, nicht mehr konkurrenzfähige Industriezweige stillgelegt. Auch die Modernisierung von Heizungen wird zu einem großen Rückgang des Raumwärmebedarfs führen. Zum Beispiel waren Thermostatventile in der ehemaligen DDR exotische Gegenstände; die Raumtemperatur wurde übers Fenster geregelt. Selbst der höhere Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr infolge der zunehmenden Motorisierung in der ehemaligen DDR wird diesen Trend nicht umkehren. Insgesamt könnten, wie Dieter Merten vom Institut für Energetik in Leipzig schätzt, die CO2-Emissionen in Ostdeutschland bis 2005 von 350 Millionen t auf 250 Millionen t zurückgehen. Obwohl die Energieeffizienz in der alten Bundesrepublik weit höher liegt als in Ostdeutschland, sind auch im Westen noch große Fortschritte möglich. Das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung( IER) der Universität Stuttgart schätzt, daß sich durch rationelle Energieverwendung 140 bis 350 Millionen t CO2 vermeiden ließen. Den größten Beitrag müssen die privaten Haushalte liefern; denn via Raumheizung( zirka 100 Millionen t) und privaten PKW-Verkehr( 80 Millionen t) sind sie nicht nur direkt ein potenter CO2-Erzeuger, sondern heizen durch Strombezug die CO2-Emissionen in den Kraftwerken und in der Industrie an. Das theoretische Einsparpotential ist immens. Neu errichtete freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser haben einen jährlichen spezifischen Heizenergieverbrauch von 130 bis 180 kWh/ m2. Sogenannte Niedrigenergiehäuser, gekennzeichnet durch deutlich besseren Wärmeschutz als gesetzlich vorgeschrieben und eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung benötigen nur 50 bis 90 kWh/ m2. Noch stärkere Einsparungen lassen sich mit transparenter Wärmedämmung erzielen. Diese Dämmstoffe mindern nicht nur die Wärmeverluste, sondern nutzen daneben die Sonnenenergie. Mit transparenter Wärmedämmung werden Hauswände zu Sonnenkollektoren. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Stuttgart, hat ermittelt, daß in Kombination mit anderen energetischen Optimierungen der Heizenergieverbrauch gegenüber dem heutigen Standardhaus um bis zu 80 Prozent zurückgeht. Sorgenkind aller CO2-Minderungsprogramme ist der Verkehr. Zwar war bis 1985 der Durchschnittsverbrauch neu zugelassener PKW auf 7,5 l/ 100 km zurückgegangen, danach brachte aber die Einführung des Katalysators, geringere Verkäufe von sparsamen Dieselautos und der Trend zu leistungsstarken Wagen wieder einen Anstieg auf 8,1 l/ 100 Kilometer. Um diesen Trend umzukehren, muß der Dieselmotor generell eine neue Bewertung erfahren, so Ulrich Seiffert, Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung bei VW. Ein Forschungsprojekt von VW zeigt, was möglich ist. Für den Einbau in serienmäßige Polofahrzeuge ist ein direkt einspritzender Zweizylinder-Dieselmotor von nur 860 cm3 Hubraum entwickelt worden, der Dank einer Reihe technischer Raffinessen auf extrem niedrige Verbrauchswerte kommt. Bei einer Testfahrt nach Marseille erreichte ein solcher Öko-Polo auf Autobahn und Landstraße einen Verbrauch zwischen 1,7 und 2,1 l/ 100 Kilometer. Seit Februar dieses Jahres werden 50 Fahrzeuge in Berlin getestet. Selbst im Stadtverkehr bleiben sie noch unter 4 l/ 100 Kilometer. Der Verband der Automobilindustrie( VDA) hat sich gegenüber der Bundesregierung bereit erklärt, den CO2-Ausstoß der Motoren bis 2005 um ein Viertel zu senken. Dieses Angebot freilich hat einen Haken: Verbunden damit ist die Forderung nach Beseitigung von Engpässen in der Infrastruktur, also mehr Straßenbau, da sonst die erzielten Einsparungen wieder im Stau verlorengingen. Eine weitere Zunahme des Individualverkehrs ist nach Ansicht des VDA unvermeidlich. Erst ab dem Jahr 2000 sei mit 650 Milliarden Personenkilometer im Straßenverkehr insgesamt das Maximum erreicht. Auf den ersten Blick scheinen die größten CO2-Minderungspotentiale bei den Kraftwerken zu liegen; denn von ihnen werden insgesamt 230 Millionen t an die Atmosphäre abgegeben. Rein technisch gesehen ließen sich in der Tat große CO2-Mengen einsparen. Würden ab 1997 nur noch Kernkraftwerke zugebaut, so könnten, wie Alfred Voß vom IER vorrechnet, 145 Millionen t CO2 vermieden werden. Ebenso würden erdgasbefeuerte kombinierte Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke( GUD), die mit 52 Prozent Wirkungsgrad um 10 Punkte besser sind als die neuesten Kohlekraftwerke, erheblich CO2 einsparen. Wenn da die Vorrang-Politik für die Verstromung einheimischer Kohle nicht wäre. So sieht die Vereinigung deutscher Elektrizitätswerke( VDEW) deshalb bei der öffentlichen Stromversorgung realistische Einsparmöglichkeiten von nur 25 Millionen t, im wesentlichen erreicht durch eine optimale Nutzung der vorhandenen Kernkraftkapazität, den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Zwar soll durch eine vorgeschaltete Vergasung des Brennstoffs die GUD-Technik auch für die Kohle nutzbar gemacht werden, aber diese neue Generation von Kraftwerken wird frühestens zu Beginn des nächsten Jahrhunderts zur Verfügung stehen. Vom RWE wird bei Köln gerade eine erste Demonstrationsanlage eines Kombinationskraftwerkes für Braunkohle( Kobra) errichtet. Erneuerbare Energiequellen werden der Welt nur langfristig aus der CO2-Klemme helfen. Joachim Nitsch von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft und Raumfahrt( DLR) hat in mehreren Studien für die Enquete-Kommission Schutz der Erdatmosphäre des Bundestages deren Einspar-Potential abgeschätzt: Selbst unter sehr optimistischen Annahmen werden es kaum mehr als 60 Millionen t sein. Den größten Beitrag können danach Solarwärme und die energetische Nutzung von Biomasse liefern. Wie rasch die erneuerbaren Energiequellen erschlossen und in welchem Umfang rationelle Energienutzung angewandt wird, hängt vom Preis der konventionellen Energie ab. Hier schließt sich der Kreis: Die Bundesregierung will entsprechend dem Prinzip der externen Kosten die gesamte energetische Nutzung fossiler Energieträger durch CO2-Abgabe oder Klimaschutzsteuer verteuern. Moderate Preiserhöhungen würden allerdings wenig bewirken. Wenn man wirklich sparen will, muß man voll hinlangen, sagte Joachim Grawe, Hauptgeschäftsführer der VDEW. Modellrechnungen zeigen, daß schon Verdopplungen der Energiepreise notwendig sind, um deutliche Effekte zu erzielen. Alles andere ist eine Illusion, so Hans-Joachim Ziesing, Leiter der Abteilung Bergbau und Energiewirtschaft im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin gegenüber den VDI-Nachrichten. Nur die Preise zu erhöhen, sei allerdings nicht der Weisheit letzter Schluß. Eine solche Maßnahme müsse mit Angeboten zur Energieberatung, Steuererleichterungen oder finanziellen Hilfen für energiesparende Investitionen gekoppelt sein. Wer mit gefährlichen Stoffen umgeht, muß über sie Bescheid wissen. Der Computer als schnelle Informationsquelle hält Einzug in die Betriebe. In diesem Jahr gab es manches zu lernen für die Betriebsbeauftragten für Umweltschutz und den neu installierten, für Transportprobleme zuständigen Gefahrgutbeauftragten: Die Technische Anleitung Abfall( TA Sondermüll) trat in Kraft und mit ihr eine Liste mit 350 besonders überwachungsbedürftigen Abfällen. Im Immissionsschutzgesetz gab es Verschärfungen und in der Biotechnologie beendete das Gentechnikgesetz eine jahrelange Rechtsunsicherheit. Durch die Neufassung der Stoffklassen 1( explosive Stoffe) und 7( radioaktive Stoffe) erfuhren die Gefahrgutverordnungen Straße( GGVS) und Eisenbahn( GGVE) umfangreiche Änderungen. Dazu kamen die historischen Umwälzungen in der ehemaligen DDR und weitere Umsetzung von EG-Richtlinien in deutsches Recht. Anlässe genug, daß der ecomed Verlag, Landsberg, seine schon zum sechsten Mal veranstalteten Münchner Gefahrstofftage in diesem Jahr auf vier Tage verlängerte. Die Basis von Umweltproblemen sind immer wieder die Wechselwirkungen von Boden, Wasser und Luft mit Chemikalien, die der Mensch freigesetzt hat. Bei der Bewältigung der Probleme, angefangen von der Messung und der Identifizierung der beteiligten Stoffe, bis hin zu den richtigen Gegenmaßnahmen gilt es immer wieder, die passenden Informationen zu den gefährlichen Stoffen schnell parat zu haben. Mehr als 100000 Chemikalien sind in Europa auf dem Markt, die meisten davon als alte Stoffe, die es schon vor Inkrafttreten des Chemiekaliengesetzes Anfang 1980 gab und für deren Inverkehrbringen noch keine Prüfdaten vorgelegt werden mußten. Stoffdaten für die rund 60000 Altstoffe neu zu bestimmen, wäre ein unrentabler Kosten- und Zeitaufwand. Hier helfen Nachschlagwerke und Datenbanken. In einem Seminar der Münchner Gefahrstofftage ging es speziell um off-line-Datenbanken. Die Moderatorin, Lebensmittelchemikerin Kristina Voigt vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit( GSF) in Neuherberg bei München, zog die Grenzen: Während bei den online-Datenbanken der Großrechner von überall zugänglich ist, sind offline-Datenbanken am Arbeitsplatz verfügbar. Wer oft Chemikaliendaten braucht, kommt mit einer offline Datenbank daher besser zurecht, weil er nicht bei jeder Recherche Benutzungs- und Fernmeldegebühren zahlen muß. Daten werden mobil. Beispielsweise enthält die in München vorgestellte Gefahrgut-CD-ROM des Springerverlags auf einer laserlesbaren Compact Disk-Scheibe das Wissen über mehrere 10000 Stoffe. Der Benutzer kann sie in einem von der Firma ASIT, Bern/ Schweiz, entwickelten tragbaren Computer am Ort des Geschehens, etwa eines Unfalls, benutzen. Bei Unfällen hilfreich ist darüber hinaus das TUIS, das Transport-Umwelt-Informations- und Hilfeleistungssystem vom Frankfurter Verband der Chemischen Industrie( VCI). Polizei oder Feuerwehr können telefonisch über TUIS Beratung oder auch Unterstützung anfordern. Die offline-Datenbanken auf Magnet-Disketten lassen sich gut mit betriebsinternen Daten ergänzen, oft liefern die Hersteller nur den Rahmen, die Nutzerdaten werden individuell eingegeben. Die Hilfe des Computers spart im alltäglichen Umgang mit Chemikalien in der Produktion, der Lagerung, des Transports oder der Entsorgung Zeit und Geld. Handbücher bekommen ernsthafte Konkurrenz. Die Frage beispielsweise nach allen Substanzen, die bei 65O C sieden, kann der Computer innerhalb weniger Minuten beantworten. Blättern im Handbuch kann Stunden dauern. Selten war der Informationsbedarf über Gefahrstoffe so groß. Doktor Hans-Georg Zoch von der Seminarleitung ist stolz: In diesem Jahr ist mit fast 500 Teilnehmern der Rekord auf den Gefahrstofftagen erreicht, darunter auch Besucher aus der ehemaligen DDR. Er sieht für die Zukunft kein Nachlassen des Bedarfs an Umweltinformationen und für deren Vermittlung im Rahmen der Gefahrstofftage sprechen seiner Meinung nach die vielfältigen Möglichkeiten persönlicher Gespräche. Welche der rund ein Dutzend angebotener offline-Datenbanken dann die beste ist, bestimmt das individuelle Problem. Der Basler Sandoz-Konzern und die Stadt- und Hafenbehörden von Rotterdam haben vereinbart, daß Sandoz bis 1995 seine Kupfer- und Chromeinleitungen in den Rhein auf jährlich je 2000 kg begrenzt; das sind 50 Prozent weniger als 1986. Das Basler Unternehmen wird zudem kontinuierlich Daten und Fakten über sämtliche eingeleiteten Frachten zur Verfügung stellen. Das Sickerwasser der Sonderabfalldeponie im baden-württembergischen Billigheim wird künftig biologisch gereinigt. Zum Einsatz kommt das Biomembrat-Verfahren, eine gemeinsame Entwicklung der Universität Stuttgart und des Wehrle Werks, Emmendingen, das durch Kombination aus Sauerstoffbelebung mit erhöhtem Betriebsdruck und Biomasserückhalt durch Ultrafiltration arbeitet. Seit Januar darf Deponiesickerwasser nicht mehr unbehandelt in Kläranlagen eingeleitet werden. Sofort abrufbare Mittel in Höhe von 185 Millionen DM stellt das Bundesumweltministerium ostdeutschen Gemeinden zur Förderung des Umweltschutzes zur Verfügung. 60 Millionen DM werden zur Verbesserung der Wasserversorgung ausgegeben, knapp 82 Millionen DM für die Abwasserbehandlung, rund 22 Millionen DM für die Abfallwirtschaft, gut 10 Millionen DM für Ausrüstungen von Wasserwerken sowie weitere 10 Millionen DM für Luftreinhaltungsmaßnahmen und die Sanierung asbestverseuchter Kindergärten. Neue Kernkraftwerke für Deutschland? Das Atomforum, Bonn, appellierte jetzt an alle Verantwortlichen in Staat und Wirtschaft, bis zum Jahresende darüber zu entscheiden, wie viele Kernkraftwerke westlichen Standards neu in der Ex-DDR in Angriff genommen und ob im Bau befindliche ostdeutsche Kernkraftwerke auf westliches Niveau nachgerüstet werden sollen. Schon heute ersparen die in der Bundesrepublik betriebenen Kernkraftwerke laut Atomforum jährlich rund 150 Millionen t Kohlendioxid. Forderungen nach einer Klimavorsorge ohne Kernenergie seien daher unrealistisch. Bei voller Ausschöpfung der bestehenden Kernkraftwerkskapazität könnten zusätzlich jährlich etwa 25 Millionen t Kohlendioxid vermieden werden. Chlorfreies Kopierpapier stellt Rank Xerox, Düsseldorf, vor. Umwelt Plus wird ausschließlich mit Wasserstoffperoxyd gebleicht. Das Papier entspricht nach Angaben des Unternehmens den Anforderungen an Kopierpapier. Für die Zellstoffgewinnung wurden darüberhinaus künftig ausschließlich Schwach- und Sägerestholz verwendet. Rationeller Energieverbrauch und der Einsatz regenerativer Energiequellen standen im Mittelpunkt des 3. Internationalen Energieforums Ende November in Hamburg. Einig waren sich Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und der sowjetische Energieminister Jury K. Semjonow darin, daß ein europäischer Energieverbund unter Einschluß der Sowjetunion und der osteuropäischen Staaten geschaffen werden müsse. Davon könnten alle Beteiligten profitieren. Eine rein nationale Energiepolitik ist heute nirgends mehr vorstellbar, betonte Wirtschaftsminister Haussmann. Die bestehenden Herausforderungen bedürften großer Anstrengungen und Mut auch zu unpopulären Maßnahmen. Dazu gehört die von ihm vorgeschlagene Klimasteuer, die alle fossilen Energieträger entsprechend ihren Auswirkungen auf das Klima belastet. Unter den fossilen Brennstoffen sei deswegen der Einsatz von Erdgas zu forcieren, dessen Verkauf zugleich der Sowjetunion Devisen bringen kann, die sie zur Modernisierung ihrer Wirtschaft benötigt. Ein Vorschlag, den Semjonow, Minister für Energie und Elektrizität der UdSSR, in seiner Rede aufgriff und auf den Stromverbund erweiterte. Beide Minister wollen sich jedoch alle Energie-Optionen offenhalten. Semjonow, der in seinem Beitrag überwiegend die Stromproduktion und -verteilung in der Sowjetunion darstellte, bot den Industrieländern Westeuropas eine weitgehende Kooperation an. Für einen Know- how- und Technologie-Transfer in die UdSSR könne diese mit Stromlieferungen in den Westen bezahlen. Hierfür könnten 1200-kV- bis 1500-kV-Gleichstromleitungen oder 1000-kV-Wechselstromleitungen errichtet werden. Eine 1000 Kilometer lange 1150-kV-Leitung existiere bereits in der UdSSR, andere sind im Bau, und in Brasilien gebe es entsprechende Gleichstromleitungen, so daß technische Probleme nicht zu erwarten sind. Der Vorteil eines Stromverbundes über rund 4000 Kilometer liegt Semjonow zufolge im Zeitunterschied. Wenn der Verbrauch in den Abendstunden in Sibirien sinkt, sind im Westen Europas noch Lastspitzen vorhanden, die aus den östlichen Grundlastkraftwerken gedeckt werden können. Nach seinen Angaben läßt sich alleine durch eine entsprechende Leitung eine Erzeugungskapazität von 5000 MW einsparen. Die Stillegung entsprechender Kohlekraftwerkskapazitäten bedeutet eine spürbare Entlastung der Umwelt. Vordringlich für die sowjetische Stromwirtschaft ist der Bau neuer, sauberer Kraftwerke mit Entschwefelung und Entstickung, wesentlich besserer Energieausbeute sowie die entsprechende Aufrüstung bestehender Kraftwerke. Für die Entschwefelung setzt Semjonow jedoch mehr auf in der Entwicklung befindliche katalytische Verfahren, weil das Land die riesigen Mengen Gips aus der Wäsche mit Kalk nicht bewältigen könne. Zur Reduzierung der CO2-Emissionen bevorzugt die Sowjetunion immer noch die Stromerzeugung mit Kernkraftwerken, deren Sicherheit jedoch dem westlichen Standard angepaßt werden soll. Semjonow berichtete, daß neue Kernkraftwerke auch unterirdisch gebaut werden sollten. Mit 19 Prozent Stromerzeugung aus Wasserkraft steht die Sowjetunion in der Nutzung regenerativer Energiequellen eigentlich ganz gut da. Doch soll der Ausbau weiterer Ressourcen in den kommenden fünf Jahren überwiegend auf der Krim forciert werden. Weil die öffentliche Meinung den Bau eines Kernkraftwerkes auf der Krim verhindert hat, sollen bis 1995 Windkonverter und thermische Solarkraftwerke von je 1 MW Leistung die Stromerzeugung sicherstellens. Zusätzlich sollen geothermale Wärmereservoirs zur Strom- und Wärmeerzeugung erschlossen und genutzt werden. Obwohl Haussmann die Kooperation mit der Sowjetunion auf dem Energiesektor hervorhob, lag das Schwergewicht seiner Ausführungen doch eher auf der Schaffung eines Energie-Binnenmarktes in der Europäischen Gemeinschaft und den Problemen in den fünf neuen Bundesländern. Nicht ohne programmatisches Pathos erklärte er: Wir brauchen hier europäischen Fortschritt, nicht deutschen Rückschritt. Dahinter steht, daß das wirtschaftliche Selbstinteresse der Energieproduzenten und -verbraucher auch auf umweltpolitische Ziele gerichtet wird. In diesen Zusammenhang stellt Haussmann auch das ehrgeizige Vorhaben der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß in den alten Bundesländern in den kommenden 15 Jahren um 25 Prozent zu reduzieren. Hierauf ging auch Hamburgs Erster Bürgermeister Henning Voscherau ein. Er hofft, daß die Bundesregierung diese Vorgabe alsbald auch mit konkreten Reduzierungsvorschlägen ausfüllt. Abweichend vom Redemanuskript gab er seiner Befürchtung Ausdruck, daß dieses Ziel nicht ehrgeizig genug und doch nicht erreichbar ist. Voscherau plädierte für den Ausstieg aus der CO2-Emission, wobei die Industrienationen in einem höheren Maße gefordert seien, als andere. Das niedrige Energiepreisniveau setze falsche Maßstäbe. Er forderte, die herkömmlichen Energieträger- auch die Stromerzeugung aus Kernkraft- sukzessive höher zu besteuern und mit den Mehreinnahmen regenerative Energieträger zu fördern. Damit ging er einen deutlichen Schritt weiter als Haussmann mit der Einführung der Klimasteuer. Den Vorteil seines Vorschlages sieht Voscherau darin, daß damit auch die Wirtschaftlichkeit der regenerativen Energiequellen und der Investitionen für rationelle Energieanwendung verbessert wird. Besonders verlustreiche Energieumwandlungsprozesse würden sich dann verstärkt im Preis der Nutzenergie widerspiegeln. Daß hiermit der Individualverkehr und der geringe Wirkungsgrad konventioneller Kraftwerke gemeint ist, liegt auf der Hand. Nicht ohne Stolz empfahl Hamburgs Erster Bürgermeister das Programm des Stadtstaates zur Energieeinsparung als Vorbild, das nach der Maxime global denken- lokal handeln verwirklicht werde. Wieweit die Maßnahmen, die von der Förderung für Anlagen zur Nutzung regenerativer Energiequellen bis zur Umstellung alter Heizungsanlagen reichen, den CO2-Ausstoß in Hamburg verringert haben, sagte Voscherau leider nicht. Auffallend am gesamten Verlauf der Veranstaltung, die etwa 200 Teilnehmer zählte, war, daß fast nur über rationellere Produktion und Verteilung von Energie diskutiert wurde. Einschränkungen beim Verbraucher kamen fast nur in Randbemerkungen vor. Dabei liegen die zur Zeit größten Einsparungspotentiale im privaten Wärmekonsum und rationeller Energieanwendung in Produktionsprozessen. Das gilt für die Sowjetunion in noch größerem Umfang als für die Länder der EG. Die Batteriewelt hat sich in den letzten fünf bis zehn Jahren verändert. Laut van der Kooij kamen früher die Marktimpulse aus Europa, später dann vermehrt aus Amerika und jetzt aus Japan. Dies hänge zum einen mit einer Umschichtung der Schwerpunkte der Weltwirtschaft zusammen, wobei der asiatische Raum eine zunehmend wichtigere Rolle spiele. So zähle die EG derzeit rund 350 Millionen Einwohner, USA und Kanada zusammen 310 Millionen und Ostasien jedoch über 610 Millionen Einwohner. Vergleiche man nun das gemeinsame Bruttosozialprodukt, so halte Europa davon 33 Prozent, Nordamerika 38 Prozent und der betrachtete asiatische Block 29 Prozent. Doch weil die Wachstumsraten in den Regionen sehr unterschiedlich sind, so van der Kooij, läßt sich heute schon vorhersagen, daß sich der Schwerpunkt in einigen Jahren nach Asien verlagert. Zum anderen komme noch hinzu, daß die meisten elektronischen Konsumgüter aus Asien kommen. So habe auch die Vormachtstellung zum Beispiel der Japaner bei Kameras, HiFi-Geräten und Computern die Batteriewelt verändert. Denn während sich Europäer und Amerikaner noch auf Primärbatterien konzentrierten, hätten Japaner im letzten Jahrzehnt die wiederaufladbaren Batterien forciert. Damit haben sie viel schneller als ursprünglich erwartet den Markt erobert, erläuterte der Varta-Manager. Gewissermaßen als Trojanische Pferde in den Geräten eingebaut, seien die Wiederaufladbaren nach Europa gekommen und hätten die bisherigen Hersteller unter Zugzwang gesetzt, entsprechende Batterien für die Wiederbestückung dieser Geräte anzubieten. Zur Zeit werden nach Angaben der Varta in Europa jährlich etwa 3 Milliarden Primärbatterien und rund 300 Millionen Sekundärbatterien( die Wiederaufladbaren) verkauft. Noch sind es also zehnmal soviel Primärbatterien; wenn man aber bedenke, daß die Sekundärzellen dem Verbraucher im Laufe ihrer Lebenszeit mindestens die 20fache Energiemenge liefern, so fällt der Systemvergleich schon ganz anders aus, bemerkt dazu van der Kooij. Vorausschauend prognostiziert er für die nächsten fünf bis zehn Jahre den Primärbatterien einen auf diesem Niveau verharrenden Absatz, die Verkaufszahlen der Wiederaufladbaren hingegen sollen um 10 Prozent bis 20 Prozent jährlich steigen. Für Varta, die sich unter den Batterieproduzenten im Hinblick auf die hergestellten Wattstunden als Weltmarktführer und im Vergleich der Umsätze als Nummer vier( nach Matsushita, Eveready und Duracell) sieht, ergab sich daraus unter anderem die Konsequenz, mit der Produktion in die Höhle des Löwen zu gehen. So wurde in Singapur eine Tochtergesellschaft etabliert, die Sekundärbatterien kundennah produziert und vermarktet. Mit der dort gefertigten wiederaufladbaren Knopfzelle, so heißt es, sei Varta mit einem Anteil von 60 Prozent Weltmarktführer. Und auch in der Bundesrepublik wurde eine neue Fabrik für die Wiederaufladbaren in Hagen errichtet. Dort soll im kommenden Jahr nun die Produktion einer neuen Generation wiederaufladbarer Gerätebatterien starten: das Nickel-Hydrid-System. Da sie kein Blei, Quecksilber und Cadmium enthält, fällt die Nickel-Hydrid-Batterie nicht unter die in der EG-Richtlinie festgelegte Definition für schadstoffhaltige Batterien. Sie wird dadurch zwar teurer als die Standard-Nickel-Cadmium-Zelle, gibt Varta-Vorstandsmitglied Doktor Reinhard Gereth zu, dafür hat sie in der meistverwendeten Baugröße Mignon mit 1000 mAh aber die doppelte Speicherkapazität. Kernstück der Nickel-Hydrid-Batterie von Varta ist eine Elektrode, die Wasserstoff in Form von Hydriden speichert. Die Wasserstoffspeicherung in Festkörpern ist zwar lange bekannt, doch übliche Titan-Nickel- oder Lanthan-Nickel-Legierungen kamen nicht für Batterieanwendungen in Frage, da sie nicht über eine genügend große Anzahl von Lade- und Entladezyklen stabil bleiben, wie Gereth erläutert. Eine neue Legierung aus den fünf Komponenten Titan, Vanadium, Zirkon, Nickel und Chrom habe diesen Nachteil nun überwunden. Bei zweistündiger Ladung und nachfolgender zweistündiger Entladung mit 100 Prozentiger Entladetiefe werden 1000 Zyklen erreicht, bevor die Anfangskapazität auf 80 Prozent abgesunken ist, berichtet Gereth. Auch einstündige Zyklen seien mehr als 500mal möglich. Die neuen umweltfreundlichen Nickel-Hydrid-Batterien sollen systemkompatibel zum bisherigen Nickel-Cadmium-System sein und dieses schrittweise ergänzen. Der Clyde-Damm, das größte und mit über 200 Millionen DM auch teuerste neuseeländische Staubauwerk, ist nach sieben Jahren Bauzeit jetzt fertiggestellt. Das Anstauen jedoch wurde mehrfach verschoben, denn die Berghänge rund um den 35 Kilometer langen Stausee drohen ins Rutschen zu geraten. Dietmar Pankow, Bauleiter der Züblin AG, strahlt: Es ist schon faszinierend, an einem so gewaltigen Projekt mitzuarbeiten, resümiert er. Pankow betreute das Bauvorhaben mehrere Jahre lang vor Ort. Der Clyde-Damm stellt mit einem Volumen von rund 1 Millionen m3 Beton die größte Schwergewichtsstaumauer Neuseelands dar, betont er. Der neue Staudamm befindet sich auf der Südhälfte des aus zwei Inseln bestehenden Landes, rund 180 Kilometer landeinwärts der Hafenstadt Dunedin in der Provinz Otago. Er liegt am Clutha, dem größten Fluß Neuseelands und wurde nach dem ehemaligen Goldgräberort Clyde benannt. Der 544 Kilometer lange Strom führt im Mittel eine durchschnittliche Wassermenge von 470 m3/ s. Das mittlere jährliche Hochwasser wird mit 1230 m3/ s angegeben. Die Ausführung des Bauwerks ist keineswegs ein reines Routineunternehmen, denn der Damm steht genau auf einer aktiven Verwerfung. Aus diesem Grunde mußte die Schwergewichtsmauer zweigeteilt konstruiert werden, begründet Pankow. Die Dichtung übernimmt ein Dichtungskeil, der sogenannte Wedge Plug, der die Bewegungen des Dammes mitmacht. Das gesamte Bauwerk gliedert sich in etliche Bauabschnitte, erklärt der Bauleiter. Der an uns erteilte Auftrag umfaßte den Bau der Staumauer mit Dichtungskeil, Grundablaß, Hochwasserüberlauf und Tosbecken. Hinzu kamen die Injektionsarbeiten im Untergrund sowie Lieferung und Einbau der Turbineneinlaufdruckrohre und die gesamte Installation des Stahlwasserbaus im Dammbereich. Die Arbeiten für den Bau des Kraftwerkes und der Flußumleitung mit der Kanalkonstruktion unter dem rechten Widerlager des Dammes führte der Bauherr, das Bau- und Entwicklungsministerium Neuseelands( Ministry of Works and Development, MOWD) selbst aus. Das MOWD verfügt selbst über große Baukapazitäten und spielt bei der Ausführung von größeren Tiefbauprojekten in Neuseeland eine dominierende Rolle. Nur aufgrund eines nachträglichen Regierungsbeschlusses aus dem Jahr 1981 wurden die Arbeiten für die Schwergewichtsmauer überhaupt international ausgeschrieben, versichert Pankow. Deswegen übernahm das MOWD bei diesem Teil nur die Bauaufsicht, anstatt die Arbeiten selbst auszuführen, wie ursprünglich geplant. Den Auftrag mit einem Volumen von umgerechnet 201 Millionen DM zur Ausführung der Schwergewichtsstaumauer in Clyde hatte die Arbeitsgemeinschaft Züblin-Williamson, ein Joint Venture der Ed. Züblin AG und des lokalen Bauunternehmens Williamson Construction Co. Ltd. Aus Christchurch, 1982 erhalten. Dieser ursprüngliche Auftrag sah eine Bauzeit von fünf Jahren vor, erinnert sich der Bauingenieur. Während der geplanten Baustelleneinrichtungsphase von rund 10 Monaten sollten Felssäuberungsarbeiten, sowie Bohr- und Injektionsarbeiten zur Stabilisierung des Untergrundes ausgeführt werden. Anschließend war geplant, in 700 Betonierabschnitten mit einer Höhe zwischen 3,5 m und 3,0 m, die insgesamt 651000 m3 Beton für die Staumauer und das Tosbecken herzustellen. Dafür war eine Bauzeit von rund 43 Monaten vorgesehen. Der Beginn des Anstaues war für März 1987, die Übergabe des Projektes an den Bauherren für November 1987 vorgesehen, erklärt Pankow. Zusätzlicher notwendig gewordener Felsaushub mit einem Volumen von 255000 m3 und die sich daraus ergebenen zusätzlichen 240000 m3 Beton für den Damm verzögerten schließlich die Bauzeit um zwei Jahre. Aber auch nach der endgültigen Fertigstellung der Schwergewichtsmauer mußte das Anstauen wieder verschoben werden. Obwohl durch die Arbeitsgemeinschaft die Dammbauarbeiten Anfang Oktober 1989 soweit fertiggestellt waren, wurde der Bauherr gezwungen, wegen unvorhergesehener, notwendig gewordener Stabilisierungsmaßnahmen der Berghänge des zirka 35 Kilometer langen Stausees den Anstaubeginn bis vorerst 1991 zu verschieben, bedauert der Bauleiter. Die 106 m hohe Staumauer steht mit einer Kronenlänge von 490 m fast zweihundert Meter über Meereshöhe. Während der Fuß der sich stetig verjüngenden Schwergewichtsmauer noch 80 m breit ist, mißt die Krone nur noch etwas über ein Achtel dieser Breite. Sie wurde in 27 Segmentblöcke aufgeteilt, die durch senkrechte Schalungsaufsätze an der Blockfugenschalung miteinander verzahnt sind. Im Inneren des Dammes verteilen sich vier Kontrollgänge auf der gesamten Länge. Hier sollen Bewegungen der Staumauer mit Hilfe von verschiedenen Meßeinrichtungen beobachtet werden. Das gesamte Wasserkraftwerk ist für eine Energieproduktion von 648 Megawatt mit sechs Turbinen ausgelegt. Zunächst wurden jedoch nur vier Turbinen mit einer Leistung von 432 MW installiert. Der Querschnitt der Turbineneinläufe ist 11 m breit, 17,3 m hoch und mit einem Rechen bestückt. Dahinter verengt sich der Einlauf zu einem 6 m breiten und 8 m hohen Kanal. Hier sitzen das Gleittafelschütz, ein bewegliches Wehr mit hydraulischem Antrieb und die vorgelagerten Dammbalken als Notverschlußmöglichkeit, erklärt Dietmar Pankow. Im Anschluß daran wechselt der Rechteckquerschnitt in den Kreisquerschnitt der Stahldruckleitung( Penstocks) mit 7,8 m Innendurchmesser und einer Wandstärke von 22 mm. Die Leitung wird an der Luftseite des Dammes offen geführt, mit einer Neigung von 70 Prozent zum Krafthaus. Während des Betriebs fließen 850 m3/ s durch die vier Turbinen, so der Bauleiter. Der Hochwasserüberlauf besteht aus vier nebeneinanderliegenden Stirnüberfällen mit anschließenden sohlenbelüfteten Schußrinnen und einem gemeinsamen Tosbecken. Auf jedem Stirnüberfall sitzt ein bewegliches Wehr( Segmentschütz), das mit zwei Stahltrossen angehoben werden kann. Die dazugehörige Winde steht unmittelbar über dem Stauschild auf der Dammkrone. Dort befindet sich auch der Portalkran, mit dem sich im Revisionsfall oberwasserseitig Dammbalken einbringen lassen. Der Stauschild ist 14,3 m hoch und 10,0 m breit. Zur Vermeidung von Kavitationsschäden wurde nachträglich der Einbau einer Belüftungsstufe im unteren Teil der vierteiligen Schußrinne angeordnet, betont der Bauleiter, um die Strömung in der kavitationsgefährdeten Zone mit Luftblasen anzureichern und die Sohle vor Kavitationserosion zusätzlich zu schützen. 3200 m3 können maximal über die vier Öffnungen abfließen. Der Querschnitt des Grundablasses, der in der Dammitte, 141 m über NN, angeordnet ist, beträgt in der Breite 6,15 m, in der Höhe 9,0 m und ist 120 m lang. Der Grundablaß wird durch ein Segmentschütz mit vorgelagerten Dammbalken abgeschlossen, das mit Hilfe des hydraulischen Zylinders bewegt wird. Der Grundablaß ist für eine maximale Durchflußmenge von 1500 m3/ s bemessen. Da mitten durch die Dammgründung eine aktive Verwerfung( River Channel Fault, RCF) führt, deren wahre Ausmaße erst während der zusätzlichen Aushubmaßnahmen voll zu Tage traten, konzipierte der Bauherr die Blockfugenkonstruktion der Segmente 15/ 16 vollkommen neu, erläutert Pankow weiter. Dabei trennte man die linke von der rechten Dammhälfte mit einem Abstand von 2,3 m und überbrückte diese offene Blockfuge nur an sechs lastübertragenden Kontaktflächen. Zur Abdichtung an der oberstromigen Seite wurde ein sogenannter Wedge Plug, ein Dreikantbalken, eingesetzt, der die Dichtung des Dammes gewährleistet. Er verkraftet Bewegungen in der Verwerfung bis zu 1 m in der Vertikalen und bis zu 20 cm in der Horizontalen. Die Blockfuge 15/ 16 bildet wasserseitig eine Keilnute, in die der allseitig gleitende Dreikantbalken aus bewehrtem Beton eingelegt wurde. Die Stabilität dieses außerordentlich schlanken und fragilen Dichtungskeiles gewährleistet bei leerem Stausee eine Neigung von 8: 1 der oberstromigen Betonfläche und temporäre Verankerungen im Abstand von 3 m. Die Keilnute sowie die Wasserseite des Dreikantbalkens sind mit edelstahlbeschichteten Blechen verkleidet, welche beim Betonieren als Teil der Schalung dienten. Das Konstruktionskonzept ist in dieser Größenordnung erstmalig in der Welt beim Clyde-Damm angewendet und ausgeführt worden, freut sich Bauingenieur Dietmar Pankow. Der anstehende Fels besteht hauptsächlich aus metamorphem Schiefer, gelagert auf tondurchsetzten Störungszonen. Bei der Festlegung der endgültigen Lage des Dammes hatte der Auftraggeber in Kauf genommen, daß die Staumauer auf einer geologischen Zerrüttungszone, die teilweise bis zu 6 m breit ist, gegründet wurde. Die nach dem ersten Aushub vorgefundenen schlechten Felsbedingungen sowie die Neubemessung der Sicherheitskriterien zum Schutz gegen die noch aktive Verwerfung unter dem alten Flußbett, mitten unter den Blöcken 15 und 16, zwangen den Bauherrn zusätzlichen Felsaushub in Auftrag zu geben, der um das Vierzehnfache höher war als ursprünglich geplant. Dadurch wurde die Fundamentsohle des Dammes um 32 m tiefer gelegt. Bewegungen in den steilen, durch zusätzlichen Aushub entstandenen Felsböschungen erforderten weitere Sicherungsmaßnahmen. Deshalb baute man 56 vorgespannte, 36 m lange Anker( 800 kN beziehungsweise 1750 kN) und über Tausend bis zu 18 m lange Felsanker( 20 kN) ein. Zur Gewinnung der notwendigen Zuschlagstoffe für den Beton stellte das MOWD Kieshalden zur Verfügung, die während des Goldrausches in Neuseeland um die Jahrhundertwende entstanden waren, erklärt Pankow. Sie befanden sich zirka 7 Kilometer stromabwärts von der Baustelle entfernt. In einer Mächtigkeit bis zu 15 m Tiefe mußten insgesamt rund 4,5 Millionen Tonnen Zuschlagstoffe mittels Radladern ausgehoben und auf ein weitverzweigtes Förderbandsystem zur Siebanlage transportiert werden. Die Siebanlage mit einer maximalen Kapazität von zirka 300 t/ h teilte im Naßverfahren die Zuschlagstoffe in sechs verschiedene Körnungen mit Größen von 0 mm bis 150 mm. Als Zement wurde ein in Neuseeland hergestellter Portlandzement mit niedriger Hydratationswärme verwendet. Generell bauten wir den Beton in Stufen ein, betont Pankow und ergänzt: Die Kühlung des Betons wurde durch Zugabe von Scherbeneis, Berieselung und Abdeckung der Zuschlagstoffe gegen Sonneneinstrahlung erreicht. In Sonderbereichen war eine Nachkühlung durch Kühlschlangen notwendig. Die mittlere Einbautemperatur des Betons lag zwischen 9O C und 11O C. Die Verdichtung geschah im Handbetrieb mit pneumatischen Rüttlern( PI174150 mm). Insgesamt wurden 891700 m3 Beton für den Damm und 4000 t Bewehrungsstahl verbaut. Abrüstung und Truppenreduzierungen schaffen Möglichkeiten für die Stadtentwicklung, die jetzt nicht vertan werden dürfen, meint der nordrhein-westfälische Minister für Stadtentwicklung und Verkehr, Franz-Josef Kniola. Wenn in den nächsten Jahren in großem Umfang jetzt noch militärisch genutzte Liegenschaften nicht mehr benötigt werden, so ergibt sich daraus für die Städte und Gemeinden ein Flächenpotential, das als die Chance für die Stadtentwicklung der 90er Jahre bezeichnet werden kann, urteilt der Minister. Die innerhalb der Siedlungsfläche liegenden Grundstücke, auf denen heute z. B. Noch Kasernen und Materiallager zu finden sind, bieten sich für den Wohnungsbau und die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie an. Hier können auch neue innerstädtische Grünflächen entstehen. Kniola dazu: Die damit gegebenen Entwicklungsmöglichkeiten können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Um die Grundlage für sinnvolle städtebauliche Planungen zu schaffen, müsse der Bund jetzt sagen, welche Grundstücke überhaupt für eine Freigabe in Betracht kommen. An Geisterplanungen für Bereiche, die noch auf lange Sicht militärisch genutzt werden sollen, könne niemand Interesse haben. Gegenüber dem Bund vertritt Kniola die Auffassung, daß die Freigabe in einem zügigen Verwaltungsverfahren erfolgen muß. Die neue Nutzung soll möglichst bald nach dem Abzug der Soldaten beginnen, Militärbrachen dürfen nicht entstehen und eventuell vorhandene Altlasten müssen rasch saniert werden, resümiert der Minister. Kniola ist ausdrücklich dagegen, aus dieser Chance ein Geschäft zu machen, bei dem die Städte am Ende die Rechnung zu zahlen hätten. Würde der Bund als jetziger Eigentümer der Militärflächen innerstädtische Grundstücke nur zu Marktpreisen vräußern, so könnten sich die Städte den Kauf praktisch nicht leisten. Hier müssen im Interesse des Städtebaus vom Bund Regelungen getroffen werden, die eine Veräußerung an die Kommunen zu besonderen Konditionen ermöglichen. Fiskalische Interessen müssen im Einzelfall hinter städtebaulichen Belangen zurücktreten. Der Minister spricht sich für ein Vorkaufsrecht für die betroffenen Gemeinden aus: Es wäre fatal, so heißt es in einem Brief Kniolas an die Bundesbauministerin, wenn die sich aus dem Truppenabbau ergebenden Chancen für die Stadtentwicklung nicht voll genutzt werden könnten, nur weil der Bund die berechtigten Belange der Städte und Gemeinden nicht im erforderlichen Umfang berücksichtigt hat. Ich hoffe auf Ihre Mithilfe. Die Firma Norwegian Concrete Technologies( NCT), hat ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, das die Korrosion von Betonstahl wirksam bekämpft. Die Behandlung ist so zuverlässig, daß das Unternehmen eine Erfolgsgarantie anbietet: Keine Heilung, keine Bezahlung, lautet das Angebot. Betonkonstruktionen leiden heutzutage zunehmend unter Alterungserscheinungen durch Korrosion der Stahlarmierung; ein Problem, das auch als Beton-Carbonarisierung bezeichnet wird. Die Stahlarmierung korrodiert jedoch nicht, solange der Beton alkalisch und frei von Chlorverbindungen ist. Kohlendioxid in der Luft dringt durch feine Poren in den Beton ein. Durch diesen Prozeß kann der alkalische Zustand bis zu einem Wert neutralisiert werden, bei dem der Stahl zu rosten beginnt. Hinzu kommt, daß Chlorverbindungen aus der Umwelt den Stahl ebenfalls angreifen. Da Rost mehr Platz beansprucht als Eisen, bekommt der Beton Risse und der Alterungsprozeß wird beschleunigt. Die NCT-Verfahren, durch die der alkalische Zustand wiederhergestellt wird oder die Salze mit elektrochemischen Mitteln entfernt werden, beseitigen die Ursache der Korrosion in der gesamten Konstruktion und schützen sie dauerhaft. Dazu wird eine elektrische Spannung zwischen Stahlarmierung und einem externen Elektrodennetz angelegt, das- eingebettet in einem aufgesprayten Elektrolytikum- an der Oberfläche der Betonkonstruktion befestigt ist. Da alkalische Stoffe in ihn eindringen, wird der Beton wieder basisch, oder durch Austreten der Chlorverbindungen entsalzt. Das Wiederherstellen eines alkalischen Zustandes nimmt normalerweise eine Woche, das vollständige Entsalzen bis zu acht Wochen in Anspruch. Als zusätzlicher Schutz können Oberflächenbeschichtungen aufgetragen werden. Um bereits vorhandene Korrosionen zu stoppen und weitere zu verhindern, können große Flächen in einem Arbeitsgang behandelt werden. Die Behandlung ist normalerweise weniger zeitaufwendig und kostengünstiger, als das traditionelle Verfahren, bei dem die befallenen Stellen abgemeißelt werden müssen. Außerdem ist dies auch nur eine zeitlich begrenzte Lösung, da die Korrosion in anderen Bereiche weiter fortschreiten kann. Der Beton wird vor, während und nach der Behandlung analysiert. Da sich die Ergebnisse nachweisen lassen, übernimmt NCT eine umfassende Garantie: Wenn der Erfolg ausbleibt, muß nicht bezahlt werden. Verschiedene europäische Länder, Nordamerika und Staaten des Mittleren und Fernen Ostens haben bereits exklusive Rechte an dem patentierten Verfahren erworben. Weitgehend unbemerkt hat sich bei den Fahrwerken eine Revolution abgespielt, hinter der mehr steckt, als die Zuwendung zum Vorderradantrieb und der Einzelradfederung. Neue Hinterradführungen glänzen mit mehr, als nur für korrekte Radführung zu sorgen. Der Stand dieser Technik bleibt in der Information häufig auf Prospektlyrik beschränkt. Wer die seltene Chance erhielt, die Bauchperspektive des Mobils auf einer Hebebühne zu sehen, konnte den Fortschritt selbst in Augenschein nehmen. Pionierruhm gebührt Porsches Weissachachse, Mercedes-Benz' Raumlenkerachse und BMWs Integralachse. Die Klage, unsere Automobile würden immer teurer, ist zwar verständlich, doch der Vergleich mit den Mobilen der Zeit, zu der alles angeblich viel besser und billiger war, ist ein hinkender Bursche. Einer der heutigen Spitzentechniker der deutschen Automobilindustrie, der vorher im Flugzeugbau tätig gewesen war, sagte nach seinem Positionswechsel, er habe nicht gewußt, daß die Automobiltechnik weit schwieriger sei. Tatsächlich haben die Automobile sich äußerlich im Lauf der letzten 20 Jahre nicht grundlegend verändert, doch was unter dem Blech vor sich gegangen ist, hat sich vom Standard von 1970 meilenweit entfernt. Der Fortschritt im Motorenbau is mit Leistungssteigerung und Verbesserungen in Laufkultur, Wirtschaftlichkeit und Emissionsverhalten für den Laien allenfalls erkennbar, während Fahrverhalten und Fahrsicherheit sich nicht in vergleichbaren Daten spiegeln. Bei den Fahrwerken hat eine Revolution stattgefunden, die weit mehr ist als die Zuwendung zum Vorderradantrieb und der Einzelradfederung. Die Geometrie der Radführung von Automobilen ist eine ganz verzwickte Sache, weil die Stellung der Räder sich unter den verschiedensten Einflüssen in ihrem Verhältnis sowohl zum Fahrzeug selbst als auch zur Straße verändert, sobald das Auto in Bewegung gesetzt ist. Abgesehen von den durch Straßenunebenheiten angeregten Kräften auf das Federungssystem, kommen weitere durch Antriebs- und Bremsmomente und Lenkbewegungen hinzu. Die Masse des Fahrzeugs führt Bewegungen um die Längs-, Quer- und Hochachse aus, die sich als Rollen, Nicken und Gieren äußern. Durch diese Bewegungen verschieben sich die statisch korrekten Anlenkpunkte für die Elemente der Radführung, und die Räder können hierbei in Stellungen gezwungen werden, die durchaus unerwünschte Effekte- wie beispielsweise Beeinflussungen der Lenkung- ergeben. Probleme dieser Art sind so alt wie das Automobil. In der Zeit unserer Großväter war die Schleudergefahr noch ein aktuelles Thema. Damals wurden die angetriebenen Hinterräder in der Regel an Längsblattfedern geführt, die auch die Reaktionen der Antriebs- und Bremsmomente aufnehmen mußten. Die halbelliptische Blattfeder streckt sich beim Einfedern: sie wird in ihrem Aktionsradius zwischen dem festen Lagerpunkt am Chassis und ihrer Befestigung am Achskörper dabei länger. Das heißt, die Achse wird nach hinten gedrückt. Bei einseitiger Belastung, wie sie bei Kurvenfahrt durch die Seitenkraft entsteht, tritt die Verschiebung einseitig auf, und die Achse steuert gegensinnig zu den in die Kurve gelenkten Vorderrädern. Das Heck schwenkt naturgemäß aus, und der Schleudervorgang ist gewissermaßen programmiert. Die Einzelradfederungen sollten dem begegnen, doch manche Konstruktionen brachten neue Probleme. Die am Ausgleichsgetriebe gelagerten Pendelachsen brachten zwar deutliche Vorteile, aber durch die beim Ein- und Ausfedern auftretenden Spurveränderungen und ein unkontrolliertes Verhalten im Grenzbereich auch Schwächen, wie das gefährliche Aufstützten des kurvenäußeren Achsteils. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Radführungen immer aufwendiger, wobei sich für die Vorderräder praktisch zwei Systeme herauskristallisierten: das dem Amerikaner Earle MacPherson patentierte, lenkbare Federbein und das Trapez ungleich langer Querlenker jeweils mit Schrauben- oder Drehstabfeder. Bei der Führung der Hinterräder erwies sich die Suche nach einem optimalen Führungsprinzip als wesentlich schwieriger. Sie begann mit Bemühungen um eine Disziplinierung der starren Hinterachse. An die Stelle der Blattfedern traten Schraubenfedern, und die von den ersteren zuvor versehene Führungsrolle wurde Längslenkern übertragen, während ein sogenannter Panhardstab zwischen Achskörper und Fahrzeugzelle mit den Querkräften fertig werden mußte. Da auch diese Führungsglieder die Verbindung zwischen einem festen Lagerpunkt und der beweglichen Achse herstellen, ist das angekoppelte Glied bei Federbewegungen zur Aktion auf einem Kreisradius gezwungen. Die durch einen Panhardstab gefesselte Starrachse bewegt sich also beim Ein- und Ausfedern quer zur Fahrtrichtung, was dem Piloten durchaus nicht entgeht.( Man kann sich daran gewöhnen. Das Problem der Fahrwerkskonstrukteure stellte sich als Suche nach dem Trick dar, mit dem sich die geometrischen Zwänge für die Aktionen der Verbindungsglieder zwischen dem Auto und seinen Rädern umgehen ließen. Gesucht war nach dem Weg, eine Hebelkonstruktion bei ihren Schwenkungen um den Lagerpunkt vom Pfad der geometrischen Tugend auf einen Kurs abweichen zu lassen, der das Rad auch in extremen Situationen der Karosserielage in korrekter Position auf dem Boden abrollen läßt. Das Zauberwort hieß Elastokinematik und bedeutete in der Praxis eine genau berechnete Elastizität verformbarer Elemente in den Lagerpunkten der Verbindungselemente für die Radführung. Die neuen Konstruktionen der Hinterradführungen können inzwischen noch einiges mehr als für die korrekte Radführung zu sorgen. Es wurde ihnen beigebracht, in bestimmten- möglicherweise in einen kritischen Bereich führenden Fahrsituationen- Eingriffe in das Lenkverhalten vorzunehmen. Es sei hier an drei Konstruktionen deutscher Hersteller erinnert, die auf diesem Gebiet Pionierruhm verdienen: die Weissachachse von Porsche, die Raumlenkerachse von Mercedes-Benz und die Integralachse von BMW. Es handelt sich hier ausschließlich um Radführungssysteme von Fahrzeugen mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Bei Fronttriebsmodellen ist die Führung geschleppter Hinterräder offenbar weniger problematisch, doch gibt es auch für sie inzwischen Achskonstruktionen, die ähnliche Ziele anvisieren. Moderne Achskonstruktionen liefern eindeutig einen wichtigen Beitrag zur Fahrsicherheit- leider aber auch zur Kostensteigerung aufgrund ihres höheren baulichen Aufwands- womit wir zum Beginn der Betrachtung zurückgekehrt sind. Der heutige erfreuliche Stand der Dinge wäre aber ohne die Hilfe moderner Elektronik kaum zu erreichen gewesen. Zur Berechnung der erforderlichen Elastizität bedurfte es aufwendiger Strukturanalysen und genauer Untersuchungen der Aufhängungskinematik. Die vergangenen zehn Jahre Automobiltechnik sahen aus dem Blickwinkel des laienhaften Betrachters fast ausschließlich den Motor im Brennpunkt von Forschung und Entwicklung. Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz setzten hier die Schwerpunkte- und schließlich ließ sich am Motor nach Öffnen der Haube ja auch der technische Fortschritt erkennen: wie Kraftstoffeinspritzung, Vierventiltechnik, Doppelnockenwellen und andere Schmankerln sind deutlich auszumachen. Wird beim Verkauf eines Gebrauchtwagens vereinbart, daß eine Werkstätte das Fahrzeug überprüfen und eine TÜV-Abnahme auf Kosten des Verkäufers besorgen soll, so sichert der Verkäufer damit rechtsverbindlich zu, daß das Fahrzeug die technischen Voraussetzungen für eine problemlose TÜV-Abnahme hat( LG Köln). Bodenschwellen müssen verkehrssicher sein und sind in einer verkehrsberuhigten Zone so einzurichten, daß sie von dem zugelassenen Verkehr im Schrittempo befahren werden können. Läßt die Gemeinde einen bestimmten Lastverkehr zu( hier: landwirtschaftliche Fahrzeuge), müssen die Aufpflasterungen und Bodenschwellen so beschaffen sein, daß bei der gebotenen vorsichtigen Fahrweise durch die Anrampungen kein Schaden an den Fahrzeugen entsteht.( Landgericht Aachen, Urteil v. 15. 11. 1989- Az.: Die harmonische Karosserielinie und eine an das V8-Topmodell optisch angelehnte Motorhaube lassen den neuen Audi 100 im Straßenbild auffallen. Vom Vorgänger, der auf einem deutlich schmalbrüstigeren Fahrwerk daherkam, wurden von 1982 bis zur Ablösung fast 1 Millionen Fahrzeuge produziert. Einen Audi 200 wird es in dieser Baureihe nicht mehr geben, dafür aber ab 1992 ein Kombi-Modell Avant mit größerem Raumangebot als bisher. Gefallen findet die neu getaltete Karosserie vor allem durch die ausgestellten Kotflügel und die kompakten Heckproportionen. In die Kofferraumklappe wurde hinten eine Abrißkante integriert. Durch Feinarbeiten am Fahrzeugboden konnte die Aerodynamik der Baureihe von cw 0,30 auf 0,29 verbessert werden, obwohl zum Beispiel die Seitenscheiben jetzt steiler gestellt sind, damit im Sommer der übermäßige Aufheizeffekt ausbleibt. Innen geht es auch sonst angenehmer zu: Bei gleicher Außenlänge( 4,79 m) und gleichem Radstand( 2,69) sind die Maße, trotz etwas geringerer Breite, ausgewogener als beim Vorgänger. Hinzu kommen besser ausgeformte Sitze und etwas mehr Kopffreiheit vorn. Rund 10 Prozent mußte der Kofferraum( 510 l) abgeben, aber dafür befindet er sich jetzt in guter Gesellschaft mit der BMW Fünfer- und Mercedes 300er-Reihe. Zunächst wird der 100er mit drei Motoren, einem Vier-, einem Fünf- und einem Sechszylinder angeboten. Zwei weitere Benziner und zwei Diesel-Aggregate sollen im nächsten Jahr folgen. Die Einstiegsmotorisierung mit vier Zylindern leistet jetzt 74 kW aus 2,0 l statt bisher 1,8 l Hubraum. Der Fünfzylinder rundet mit geringfügig geringerer Leistung( 98 kW), um verschärfte Abgasnormen zu erfüllen, vorläufig die Palette ab. Erstmals bietet Audi einen V6-Motor( 2,8 l Hubraum, 128 kW) an. Je drei Zylinder stehen sich im 90-Grad-Winkel gegenüber. Ein sogenanntes Schaltsaugrohr sorgt für eine gute Leistungscharakteristik über dem gesamten Drehzahlbereich. Dazu öffnen und schließen sich drehzahlabhängig im Saugrohr sechs durch Unterdruck betätigte Klappen. Bis 4000 min-1 bleiben sie für ein hohes Drehmoment geschlossen( langes Rohr mit kleinem Querschnitt), darüber öffnen sie vollständig für hohe Leistung( kurzes Rohr mit größerem Querschnitt). Der kompakt bauende Einspritzer mit zwei geregelten Katalysatoren beeindruckt durch ein kraftvolles Durchzugsvermögen schon in niedrigen Drehzahlen und gute Laufkultur. Er läßt sich nicht nur sportlich, sondern auch ausgesprochen schaltfaul fahren. 8 s aus dem Stand auf 100 Kilometer/ h und verbraucht im Drittelmix rund 7 l/ 100 Kilometer. Wie die 2,3-l-Variante wird er mit Front- und Allrad-Antrieb angeboten. Alle Audi 100-Modelle verfügen über eine vollverzinkte Karosserie, Fünfganggetriebe und Servolenkung. Außerdem ist das Sicherheitssystem Procon-ten, das im Falle eines Aufpralls das Lenkrad vom Fahrer wegzieht und gleichzeitig die Gurte strafft in der Serienausstattung enthalten. Für das Antiblockiersystem( ABS) gilt das erst ab der 5-Zylinderversion. Der neue Audi gewinnt nicht allein durch die markante Gestalt, sondern im Fahralltag auch durch seine inneren Werte. So ist die Karosseriestruktur spürbar versteift worden. Das macht das Auto solide im Fahreindruck und dient dem Insassenschutz. In Ingolstadt herrscht Optimismus: Der Absatz in Deutschland soll im nächsten Jahr zu Preisen zwischen 37600 DM( Grundmodell) und 57800 DM( Topmodell V6-Quattro) von 41000 auf auf 73000 Einheiten gesteigert werden. Laser- Licht revolutioniert die Technik war das Motto der diesjährigen Woche der Technik in Dortmund. Die Arbeitsgemeinschaft der Technisch-Wissenschaftlichen Vereine, in der auch der örtliche VDI mitwirkt, stellte das breite Anwendungsspektrum dieser Technologie vor. Das VDI-Technologiezentrum in Düsseldorf hatte die begleitende Ausstellung mitgestaltet. Keine andere Entwicklung, selbst der Computer nicht, hat den Gesamtbereich der Wirtschaft so revolutioniert, wie es die Laser-Technik tun wird. Auf der Abschlußveranstaltung der neunten Woche der Technik, die von der Arbeitsgemeinschaft Technisch-Wissenschaftlicher Vereine in Dortmund( ATWV) im Hause der Industrie- und Handelskammer Dortmund ausgerichtet wurde, vermittelte Prof. Doktor-Ingenieur Gerd Herziger, Leiter des Fraunhofer Instituts für Lasertechnik in Aachen, einen Einblick in die Zukunftschancen dieser Technik. Vor genau 30 Jahren ist der Laser entdeckt worden, referierte Herziger, und nach 25 Jahren waren Forschung und Entwicklung so weit, daß der Einsatz in der Industrie infrage kam. Ähnlich lange übrigens hat auch die Entwicklung der Computertechnik gedauert, ehe sie den Wirtschaftsalltag völlig veränderte. Spürbar werde man in etwa zehn Jahren den Einsatz von Lasern merken und in 25 Jahren werde der Laser das sein, was heute der Computer ist, der bereits in fast jedem Haushalt vorhanden ist. Ulmer Wissenschaftler haben bereits ein Gerät entwickelt, daß zukünftig die Turbobohrer in Zahnarztpraxen in die Kiste ausgedienter Technologien verbannt, denn der Laser arbeitet präziser und vor allem schmerzlos. Der Laser, der das Licht bündelt und dessen Kraft allein von der Intensität der Energie und der Zeit abhängig ist, ergänze die heutigen Techniken und ist in allen Bereichen einsetzbar. Als Beispiele nannte Herziger die moderne Augenmedizin, bei der bereits erfolgreich mit Lasern operiert wird, sowie die Meßtechnik, wo Laser beispielsweise bei der Navigation sicherer und preiswerter eingesetzt werden als Radar oder bei Distnzmessungen bereits heute die Entwicklungen beeinflussen. Dipl.-Ingenieur Klaus Linke vom VDE und 1. Vorsitzender des ATWV wies darauf hin, daß Institute der Universität Dortmund kleinste chemische Partikelchen in einer Konzentration von 1: 1000000 mit Laser nachweisen und daß Krupp in Essen mit Laser noch während des Stahlkochens den Kohlenstoffgehalt einer Charge mißt. Solch eine Analyse des Stahls war bisher nur am kalten Objekt meßbar. Auch für Dipl.-Ingenieur Hans-Peter Born, der den VDI als 2. Vorsitzender bei der ATWV vertritt, hat dieses Superlicht inzwischen ganze Technologiebereiche revolutioniert. Im Rahmen der technischen Verfahren nimmt der Laser über die von ihm ausgehende Wärme Einfluß auf den Werkstoff, der vom Laser be- und verarbeitet wird, er wird geschnitten, mit exakt sauberen Nähten geschweißt, die der Korrosion keine Ansatzmöglichkeit bieten, der Laser mißt, härtet und veredelt- seine Einsatzmöglichkeiten sind fast unbegrenzt. Dies wurde auch auf einer vom VDI-Technologiezentrum in Düsseldorf mitunterstützten begleitenden Ausstellung in der Industrie- und Handelskammer sehr anschaulich dargestellt. Die Lasitron GmbH beispielsweise demonstrierte, wie Metall- oder Plastikschilder per Laser sauber und auf Dauer beschriftet werden können, Möglichkeiten, die künftig die Versicherungen von den Autoherstellern erwarten werden: Motorblocks etwa, mit Laser numeriert, verlieren Zeit ihres Einsatzes nicht die fälschungssichere und nicht mehr zu entfernende Bezeichnung. Laser, so Herziger, sind in allen Bereichen einsetzbar, in der Fertigung ebenso wie in der Medizin oder der Umwelttechnik. Bereits heute schätzt er den Weltumsatz der Lasertechnik weltweit auf 50 bis 60 Milliarden DM. Mehr als 50 Prozent dieser Beträge entfalle bereits auf den Bereich der Kommunikation wie zum Beispiel Drucker, Scanner, Strichkodierung oder CD-Platten. Durch die Lasertechnik werden künftig vor allem die Kommunikationsbereiche profitieren, meinte Herziger. Allein für die europäische Vernetzung mit Breitglasfaser würden 200 Milliarden DM notwendig sein und das Gesamtinvestitionsvolumen für das ISDN-Netz schätzt er auf 1 Billion DM. In die Magdeburger Stadthalle kamen 400 Teilnehmer zum zweiten VDI-Infomarkt. In seinem Grußwort unterstrich Prof. Doktor-Ingenieur Joachim Milberg die Notwendigkeit, daß die Ingenieure in Ost und West eng zusammenarbeiten und so ihren Beitrag leisten zur Lösung der großen wirtschaftlichen Probleme. Der VDI möchte wirksame Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Der VDI will Sie bei Ihrer beruflichen Arbeit unterstützen und Ihnen den Anschluß an den internationalen Stand der Technik sichern: durch Erfahrungsaustausch und Wissenserweiterung in Arbeitskreisen und Ausschüssen, bei Tagungen und Seminaren, durch Fachveröffentlichungen sowie Gespräche und Kontakte mit Kollegen. Vor allem brauchen diese Ingenieure Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung. Die Realisierung technischer Vorhaben im System der Marktwirtschaft, Vertriebsmethoden und das Erstellen von Angeboten sind ihnen fremd. Dieses Fazit zieht Frank Morell, Leiter der VDI-Fachgliederungen aus den vielen Einzelgesprächen, die er dort mit Ingenieuren führte. Die berufliche Zukunft vieler Ingenieure in den fünf neuen Bundesländern ist zur Zeit alles andere als rosig. Daher fand der Vortrag Der Arbeitsmarkt für Ingenieure- Bewerbungsstrategien von Heiko Mell, stellvertretender Geschäftsführer der MMC Personalberatung, Rösrath, und Autor der Karriereberatung in den VDI-Nachrichten aufmerksame Zuhörer. In aller Offenheit versuchte er den Anwesenden die Spielregeln zu erklären, nach denen der Arbeitsmarkt im bisherigen Bundesgebiet funktioniert und ging ausführlich auf das Thema Bewerbungsstrategien ein. Eine sorgfältige Analyse des Stellenmarktes stehe am Beginn jeder Bewerbungsaktion. Die Stellenanzeigen in den einschlägigen Publikationen geben ein genaues Bild darüber, welche Qualifikationen derzeit gefragt sind. Man sollte sich nicht scheuen, auch in die nächste Stadt zu fahren, wenn es am Heimatort keine entsprechenden Zeitungen gibt. Jedes erfolgreiche Verkaufsangebot im Wirtschaftsalltag muß auf die Wünsche und Vorstellungen des anvisierten Käufers ausgerichtet sein. Das gilt ebenso für Bewerbungen. Sie gelten als Verkaufsangebot einer Arbeitskraft oder als Verkaufsprospekt in eigener Sache. Dabei sollte man eingehen auf die Anforderungen des Arbeitgebers. Seine Wünsche und Vorstellungen müssen berücksichtigt werden. Die Tatsache, daß 80 Prozent aller Bewerbungen nach einer ersten Durchsicht als ungeeignet eingestuft werden, begründete Mell zum einen damit, daß der Bewerber nicht die geforderte Qualifikation mitbringt oder zum anderen keine aussagekräftigen oder nur unvollständigen Unterlagen vorlegt. Ein besonders wichtiger Punkt bei der Abfassung einer Bewerbung sei, daß die Berufsbezeichnung und die derzeitige Funktion für einen Arbeitgeber, der das System der ehemaligen DDR nicht kennt, klar aus den eingesandten Unterlagen hervorgeht. Mell betonte, daß die Ingenieure in ihrer jetzigen Situation umdenken müssen. Sie sollten aktiv werden und sich selber um ihren Arbeitsplatz kümmern. Es habe keinen Zweck, nur zu warten bis die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder besser sind. Es sei keine Zeit zum Jammern und für Schuldzuweisungen. Von den Ingenieuren aus dem Osten werde jetzt Engagement und zupackendes Handeln erwartet. Er empfahl, Firmen anzuschreiben und Eigenbewerbungen zu starten. Nach Einschätzung von Mell haben die Ingenieure zwischen Elbe und Oder noch am ehesten in ihrer alten Heimat die größten Chancen, beruflich wieder Fuß zu fassen. Besonders Führungskräfte dürften nach seiner Meinung erhebliche Schwierigkeiten haben, in Westdeutschland wieder eine ihrer Qualifikation entsprechenden Position zu finden. Denn die Führungserfahrung wurde in einem System erworben, das nicht mehr existiert, und ein Sachbearbeiter, der bereits Führungserfahrung hatte, werde nicht gerne eingestellt. Eine berufliche Eingliederung im Westen sei daher nur mit erheblichen Abstrichen zu erreichen. Am ehesten räumt er noch jungen Leuten, die frisch von der Hochschule kommen oder erst über wenig Berufserfahrung verfügen, eine Chance ein im Westen Fuß zu fassen. Was jahrelang für pure Utopie gehalten wurde, ist Anfang November im Hamburger Hafen Wirklichkeit geworden: Einige in den 40er Jahren aus der Schweiz nach Vietnam verkaufte Dampflokomotiven sind nach Europa zurückgekehrt und inzwischen auf zwölf Güterwagen der Bundesbahn in der Schweiz eingetroffen. Dort sollen sie nach der fälligen Verjüngungskur auf der Hochgebirgsstrecke über die Furka wieder eingesetzt werden. Um das zu verstehen, bedarf es einiger Hintergrundinformationen. Die Furka-Bergstrecke gilt als eine der landschaftlich großartigsten Gebirgsbahnen der Welt. Von Oberwald im Schweizer Kanton Wallis klettert sie durch einen Kehrtunnel zunächst bis in das nur während der Sommermonate bewohnte Gletsch, dann weiter- am Rhonegletscher vorbei- bis auf 2160 m Seehöhe hinauf zur Furka, um jenseits wieder ebenso mühsam nach Realp abzusteigen. Dieses Kleinod fiel 1982 dem technischen Fortschritt zum Opfer. Damals übernahm ein 15407 m langer Tunnel, seinerzeit der längste Schmalspurtunnel der Welt, die Verbindung der beiden Täler westlich und östlich der Furka und das noch dazu wintersicher, während die Bergstrecke stets nur in den Sommermonaten hatte befahren werden können. Heute rollen das ganze Jahr über Züge, unter ihnen der legendäre Glacier-Expreß als langsamster Schnellzug der Welt, und in dichtem Takt auch Autozüge durch die Röhre. Niemand möchte den Tunnel mehr missen. Dennoch hat die alte Bergstrecke ihre Freunde. Und was für welche! Sie haben nicht nur mit wohlfeilen Ankündigungen den Abbruch verhindert und zur Rettung einen Verein gegründet, sie haben vielmehr auch eine regelrechte Aktiengesellschaft ins Leben gerufen und über 5,3 Millionen Schweizer Franken Aktienkapital angesammelt. Sie haben darüber hinaus in West und Ost unzählige freiwillige Helfer, darunter sogar das Schweizer Militär, zur Fronarbeit an die Furka geholt und mit beispiellosem Engagement wesentliche Teile der Bahn instandgesetzt. Daß selbst die letzten Zweifel an der Realisierbarkeit des Projekts verstummt sind, machte zuletzt der Nationalrat deutlich, das Schweizer Parlament, das der Furka-Dampfbahn die Konzession für den künftigen Betrieb mit Einmütigkeit aller Parteien erteilte. Je deutlicher die Fortschritte im Gelände sichtbar wurden, desto dringender stellte sich die Frage, womit denn die Fahrgäste transportiert werden sollen, wenn die Strecke eines Tages fertig ist. In Frage kommen nur Dampflokomotiven, weil das einmal der historischen Wahrheit entspricht und die meisten Touristen anlockt, andererseits auch wegen des enormen Aufwands für den elektrischen Betrieb. Die Bahngesellschaft hatte früher jedes Jahr im Herbst die Oberleitung abmontieren und im Frühjahr wieder aufstellen müssen, weil die Lawinen sonst nichts davon übriggelassen hätten. Außerdem müßte der immerhin 1874 m lange Tunnel, der die Bahn an ihrem höchsten Punkt vom Wallis nach Uri hinüberführt, mit enormem Aufwand wieder aufgeweitet werden, um den für eine Oberleitung nötigen Raum zu schaffen. Die Suche nach geeigneten Maschinen führte um die halbe Welt. Einige Dampflokomotiven waren nämlich nach Elektrifizierung der Furkabahn in den 40 Jahren nach Indochina gegangen und auf einer ebenfalls meterspurigen Zahnradbahn in Vietnam noch lange im Einsatz. Einige waren sogar fabrikneu dorthin geliefert worden. Wie sich herausstellte, blieb die Bahn nach dem Vietnamkrieg zerstört, einige der alten Schweizer Lokomotiven hatten die Jahre in der Wildnis aber überdauert und galten als instandsetzungsfähig. So reiften vor zwei Jahren nach langwierigen Verhandlungen mit der vietnamesischen Regierung Pläne für den Rücktransport. Kritische Stimmen fragten zwar nach dem rechten Verhältnis von Aufwand und Nutzen, zumal trotz etlicher Sponsoren die Einhaltung des Finanzrahmens von 1,5 Millionen Franken zunehmend unwahrscheinlich erschien. Gleichwohl startete im Sommer die Aktion Back to Switzerland. Nachem von der alten Eisenbahnstrecke so gut wie nichts mehr übrig war, sollten die bis zu 46 t schweren Maschinen von DaLat, rund 1500 m hoch gelegen, auf der Straße zur Küste gebracht werden. Ein Tieflader wurde eigens dafür konstruiert und gebaut und aus der Schweiz nach Vietnam geschickt. In acht Wochen voller unsagbarer Mühen bargen der Konvoi aus zwei russischen Lastwagen, einem vorn als Zug-, einem hinten als Bremsfahrzeug, und dem Tieflader dazwischen eine Lok nach der anderen und außerdem noch etliche Wagen aus dem Hochland. Jedesmal waren 108 km auf einer abenteuerlichen, von heftigem Regen nahezu unpassierbaren Straße durch die Monsun- und Regenwälder zu überwinden. Als sich eine Brücke als nicht mehr hinreichend tragfähig erwies, blieb nur, auf der noch vorhandenen alten Eisenbahnbrücke wieder Schienen zu verlegen. Nicht weniger als 34mal mußten die Oldtimer auf- und wieder abgeladen werden und das fast immer noch ohne Kran. Allen Widrigkeiten zum Trotz traf nach und nach das gesamte Material in Tap Cham ein, wo noch Züge fahren. Dort konnten Lokomotiven und Wagen für den Transport auf eigenen Rädern ins abermals 360 Kilometer entfernte Ho- chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon, vorbereitet werden. An Bord des Frachters Friedrich Engels aus Rostock kehrten sie nun nach Europa zurück: die Dampfloks 31 .201, 40 .304 Und 40 .308, Allesamt einst von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur gebaut, einige weitere Lokomotiven in Baugruppen zerlegt, von den restlichen nur noch brauchbare Teile. Als besonders bemerkenswert gilt die 31 .201 Aus dem Jahr 1913; denn sie war damals mit der Bahnnummer 1 als erste Lokomotive an die Furka gekommen. Nun werden die Veteranen von Anfang Dezember bis 7. April 1991 zunächst im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern in einer Sonderschau gezeigt. Sie umfaßt zwölf Originalfahrzeuge und erläutert auch deren Geschichte, ferner Leben und Wirken von Roman Abt, dem Erfinder des benutzten Zahnradsystems sowie den Wiederaufbau der Furka-Bergstrecke. Diese soll bis 1996 in drei Schritten auf ganzer Länge zwischen Oberwald und Realp als Touristenbahn wieder in Betrieb genommen werden. Aber dennoch beginnt schon 1991 beginnt der Dampfbetrieb auf dem ersten Teilstück mit einer bereits vorhandenen Lokomotive. Es ist an der Zeit, daß die Ingenieure die sichere Plattform ihres Fachwissens verlassen und sich dem Dialog mit der Gesellschaft stellen. Mit dieser Forderung eröffnete VDI-Präsident Doktor Joachim Pöppel am vergangenen Dienstag den Deutschen Ingenieurtag in Berlin. Prominentester Gast des zweitägigen Kongresses: Bundespräsident Doktor Richard von Weizsäcker. Er nahm an der Auftaktveranstaltung im Kongreßzentrum teil. Zwei Tage lang diskutierten rund 3000 Teilnehmer, davon jeder Dritte aus den neuen Bundesländern, über das zentrale Thema: Der Ingenieur in der Verantwortung. Daß ausgerechnet diese ethische Frage ausgewählt wurde, hatte einen wichtigen Grund. Der VDI will nicht nur seine Verantwortung gegenüber den Kollegen aus den neuen Bundesländern dokumentieren. Er will vor allem, so Präsident Pöppel in sener Eröffnungsrede, den Gestaltungswillen der Ingenieure innerhalb der Gesellschaft unter Beweis stellen: Eine funktionsfähige Demokratie in unserer hochtechnisierten Gesellschaft setzt voraus, daß in ausreichendem Maße technischer Sachverstand einbezogen wird. Und den bieten gerade die Ingenieure. Pöppel verband damit den Wunsch, daß diese Kompetenz insbesondere von den Entscheidungsträgern in der Politik gewürdigt werde. Um so eindringlicher wirkte sein Appell: Wir brauchen das Vertrauen der Gesellschaft. Nur mit Hilfe der Technik, so Pöppel weiter, sei das Überleben der ständig wachsenden Menschheit gesichert. Pöppel: Es gibt keine Alternative zum technischen Fortschritt. Gerade in diesem Zusammenhang komme den Ingenieuren eine besondere Verantwortung zu: Sie müssen die Gesellschaft offen über die Chancen und Risiken verschiedener Techniken informieren. Dennoch dürfe auch innerhalb der Gesellschaft kein Zweifel darüber bestehen, daß es eine völlig risikofreie Technik nicht geben könne. Deshalb, so Pöppel, bestehe die Verantwortung der Ingenieure nicht nur im individuellen Handeln. Gerade gegenüber der gesamten Gesellschaft müßten die Technikgestalter ihre Verantwortung übernehmen- eine Einstellung, die in der über hundertjährigen Geschichte des VDI Tradition habe. Pöppel: Die Selbstorganisation technischer Regeln ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür. Wie schwierig jedoch die oft von der Öffentlichkeit geforderte Technikbewertung ist, das hatte Doktor Hans Günter Danielmeyer, Präsidiumsmitglied des VDI und Vorstandsmitglied der Siemens AG, bereits im Vorfeld des Kongresses vor der Presse klargestellt. Er warnte vor zu hohen Erwartungen an die Technikfolgenabschätzung: Die Schwierigkeit liegt weniger im Irrtum als in der Begrenztheit, mit der wir uns lange und komplizierte Wirkungsketten vorstellen können. Gerade deshalb seien die Ingenieure um so stärker gefordert. Ihre Pflicht sei es, für das sichere und gefahrlose Funktionieren der technischen Systeme zu sorgen, betonte das Präsidiumsmitglied des VDI. Und daß in dieser Hinsicht die Arbeit der Ingenieure geradezu richtungsweisend sei, daran ließ Danielmeyer keinen Zweifel: Der Sicherheitsstandard liegt in Deutschland deutlich höher als anderswo in der Welt. Und das wertete er als deutlichen Beweis für verantwortungsbewußtes Handeln. Ein erhebliches Wachstum des europäischen Marktes für Flachbildschirme zeichnet sich jetzt ab, nachdem die Umsätze bisher aufgrund technischer Mängel und einer allgemeinen Nachfrageschwäche hinter den Erwartungen zurückblieben. Bis 1994 werden die Absatzzahlen auf fast 1,14 Milliarden Dollar klettern, während sie 1989 erst bei 617 Millionen Dollar lagen. Dies geht aus einem neuen Bericht des Londoner Marktforschungsunternehmens Frost und Sullivan hervor. Eine Ursache für die bisher eher zögernde Marktentwicklung auf dem alten Kontinent sehen die Autoren der Studie in Problemen bei Gleich- und Wechselstrom-Plasmadisplays sowie LCD- und Dünnfilmelektrolumineszenz-Anzeigen. Den Forschern in den Labors sei es nicht gelungen, die Technologie der Farb- und Graphik-Displays so weit voranzutreiben, um die Hersteller zu Investitionen in Produktionsanlagen zu bewegen. Hingegen bleiben die LED-Displays die Vorreiter unter den Flachbildschirmen. Bei diesen Leuchtanzeigen kommen die technische Weiterentwicklung und Erprobung neuer Materialien schnell voran, beobachten die Experten. Dennoch sei es unwahrscheinlich, daß diese Bauelemente bis Mitte der 90er Jahre für die Verwendung in farbigen Anzeigetafeln billig genug werden. Die wichtigsten Endanwender für Flachbildschirme sind die Fahrzeughersteller. Europas Automobilbauer werden 1995 Produkte für rund 193 Millionen Dollar kaufen, das sind etwa 80 Prozent mehr als jetzt. Es folgen die Werbung mit einem erwarteten Anteil von 175 Millionen Dollar sowie an dritter Stelle die Computerproduzenten. Das Jahr 1990 war für die holzverarbeitende Industrie in den alten Ländern der Bundesrepublik Deutschland fast ausschließlich wegen der Inlandsnachfrage ein positives Jahr- knapp 10 Prozent konnte die Branche noch einmal zulegen und einen Umsatz von mehr als 38 Milliarden DM verbuchen. Eine bessere Basis für den Investitionswillen bundesdeutscher Besucher konnten sich die Maschinenanbieter auf der Ligna '91 kaum wünschen. Daß dieser unabhängig vom weiteren konjunkturellen Verlauf noch anhalten dürfte, galt unter den Fachleuten auf der Weltmesse für Maschinen und Ausrüstung der Holz- und Forstwirtschaft in Hannover als sicher. Angesichts der bevorstehenden Vollendung des europäischen Binnenmarkts wechseln allerdings die Investitionsmotive von der bislang dominierenden Kapazitätserweiterung hin zur Rationalisierung. Die deutschen Maschinenbauer, die laut Dieter Siempelkamp, dem Vorsitzenden der Fachgemeinschaft Holzbearbeitungsmaschinen im VDMA, Frankfurt, stets die gesamte Welt als Marktpotential betrachtet haben, verdeutlichten in Hannover, daß sie auf die kommenden Wettbewerbskriterien umweltschonend, flexibel und produktiv bereits reagiert haben. Aber sie übernehmen in der Umstellung auf eine europaweit harmonisierte Fertigung von Holzprodukten auch die Rolle des Technologie-Vermittlers. Ein konkreter Schritt in Richtung abgestimmter Maschinen-Ergonomie und -Sicherheit wurde denn auch gleich präsentiert: Die in Frankfurt/ Main gegründete Forschungs- und Prüfgemeinschaft Holzbearbeitungsmaschinen( FPH). Dort, wo man bislang nicht automatisieren konnte, wo meist durch Menschen die Probleme gelöst wurden, sehe ich zukünftige Anwendungsfelder der Fuzzy-Technik. Hans-Jürgen Zimmermann vom Institut für Unternehmensforschung in Aachen hat ganz konkrete Vorstellungen, wenn es um den Einsatz der unscharfen Logik, auch Fuzzy-Logik genannt, geht. Vor mehr als 20 Jahren entwickelt, galt die Fuzzy-Set-Theorie lange Zeit als exotisch. Die Fuzzy-Set-Theorie beseitigt die Beschränkungen der klassischen, zweiwertigen Logik, indem sie einen mathematischen Regelsatz aufstellt, der exakte Schlüsse und Folgerungen mit unscharfen, vagen Werten ermöglicht. So sind menschliche Begriffe wie zum Beispiel etwas wärmer, ziemlich dunkel oder recht kalt für technische Systeme nutzbar. Gerade in der Automatisierungstechnik gibt es Prozesse, die nur sehr schwer mathematisch zu modellieren sind, die aber von erfahrenen Bedienern gut beherrscht werden können, erläutert Zimmermann. Über die Fuzzy-Steuerung gelingt es nun, das Wissen dieser Bediener zur Grundlage der Prozeßsteuerung zu machen, indem ein umgangssprachlicher Regelsatz formuliert wird, nach dem dann die Steuerung abläuft. Das erhebliche wirtschaftliche Potential dieser Technik wird allerdings hierzulande noch kaum genutzt- obwohl gerade in jüngster Zeit ein erhebliches Interesse an der Fuzzy-Technik geweckt wurde. Der Weckruf kam- wie so oft- aus Japan. Dort haben die großen Konzerne den Wert der Fuzzy-Logik längst erkannt und durch den breiten Einsatz in Konsumerprodukten- vom Staubsauger über Waschmaschinen bis hin zu Reiskochern- ein wahres Fuzzy-Fieber entfacht. Doch auch in der industriellen Anwendung sind die Japaner längst aus den Kinderschuhen heraus: Bekanntestes Projekt ist eine Fuzzy-gesteuerte U-Bahn in der Nähe von Tokio. Erste Fuzzy-Produkte für die industrielle Automation wurden jüngst auch auf der Hannover-Messe Industrie vorgestellt. Allerdings ist der europäische Fuzzy-Zug noch nicht abgefahren: Seit langem beschäftigen sich in der Bundesrepublik zahlreiche Hochschulen und Industrieunternehmen mit Fuzzy. Der Vorsprung der Japaner ist- davon ist Zimmermann überzeugt- einholbar: Wir haben zum Beispiel hier in Deutschland das fortschrittlichste Software-Entwicklungs-Werkzeug für Fuzzy-Steuerungen. Die westdeutschen Stromversorger schließen 1991 ein beispielloses Umweltschutz-Programm ab. Prof. Joachim Grawe hielt mit Superlativen nicht zurück. International ist Westdeutschland damit führend bei der Reinhaltung der Luft im Kraftwerksbereich. Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke( VDEW), Frankfurt, kündigte vergangene Woche vor der Presse an, daß die westdeutschen Kraftwerke bis Ende des Jahres sauber sind, deren Rauchgase also entsprechend den gesetzlichen Grenzwerten gereinigt werden. Während Entstaubung und Entschwefelung der Anlagen bereits abgeschlossen sind, werden derzeit die letzten Kraftwerke mit Entstickungsanlagen ausgerüstet. Das seit 1982 laufende Nachrüstprogramm freilich war keine freiwillige Maßnahme der Stromwirtschaft, sondern vielmehr eine Folge der 1986 vom Gesetzgeber verschärften Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft( TA Luft). Die Auswirkungen sind beträchtlich: 1982 emittierten die westdeutschen Kraftwerke jährlich 1,55 Millionen t SO2, 740000 t NOx und 66000 t Staub. 1990 waren es noch 180000 t SO2, 240000 t NOx und 12 000 t Staub. Damit ist die Energieerzeugung laut Grawe zum Kleinverschmutzer geworden, so produziere der Verkehr heute viermal soviel Stickoxide wie die Kraftwerke. Diese Runderneuerung( Grawe) hatte ihren Preis: seit 1982 investierten die VDEW-Mitglieder 22 Milliarden DM. Mit weiteren 25 bis 30 Milliarden DM wollen die Energieversorger bei den Großkraftwerken in Ostdeutschland den technischen Anschluß schaffen. Denn laut Einheitsvertrag müssen die Kraftwerke der ehemaligen DDR bis 1996 westlichen Standard erreicht haben. Keine leichte Aufgabe. Je Kilowattstunde waren die Emissionen in der DDR etwa 15mal höher als in Westdeutschland, betonte Grawe. Ob alle Maßnahmen allerdings bis 1996 realisiert werden können, ist fraglich. Grawe: Wir haben ein ganzes Jahr verloren durch den Energiestreit mit den Kommunen. Festhalten will Grawe am Strommonopol. Wettbewerb in der Stromwirtschaft hätte seiner Meinung nach negative Auswirkungen. Dann werden Kraftwerke im Hauruck-Verfahren gebaut, befürchtet er. Außerdem wäre das 22- Milliarden -DM-Nachrüstprogramm im Westen nicht möglich gewesen. Wer die Konkurrenz mit einem niedrigeren Strompreis unterbieten muß, tut für den Umweltschutz nur das Notwendigste. Ob man sie nun verflucht oder als einen Segen hinstellt, an der Treuhand und ihren 15 Niederlassungen in den neuen Bundesländern führt auf absehbare Zeit kein Weg vorbei. Sie wird, daran ist nicht zu rütteln, die wirtschaftliche Zukunft der neuen Bundesländer noch auf lange Zeit mitbestimmen. Und wenn auch aus den jetzt von der Treuhand verkauften Unternehmen nicht unbedingt die in Zukunft wichtigsten Stützen des ökonomischen Aufschwungs werden, so kommt der Treuhand doch eine nicht zu unterschätzende Rolle zu: ihr Erfolg oder Mißerfolg wird genau beobachtet und wird maßgeblich zur Investitionsneigung anderer Unternehmen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR beitragen. Bleibt der Treuhand der Erfolg versagt, ist abzusehen, daß sich auch andere Investoren, die nicht an der Konkursmasse des SED-Staates interessiert sind, zurückhalten werden. Auf dem Schweriner Investorentreffen vergangene Woche wurde das überdeutlich: Dutzende von Gesprächen wurden geführt, viele der möglichen Kapitalgeber kamen auch oder sogar vor allem, um zu sehen, wie denn so das Klima ist. Und das Klima stimmt nicht nur zuversichtlich, verläßt man einmal die hohe Warte der Politik mit ihrem rituellen Herbeireden der ersten Silberstreifen am Horizont. Oft fehlt der Schulterschluß von Politik und Unternehmern im Detail, noch immer behindern unfähige bis unwillige Kommunalbeamte die Klärung von Eigentumsfragen. Gerade hier, auf der Ebene praktischer Politik böte sich den neugewählten Volksvertretern die Möglichkeit, konkret tragfähige Grundlagen für die wirtschaftliche Zukunft ihrer jeweiligen Regionen zu schaffen. Und für die Treuhand wäre das in vielen Fällen eine notwendige Flankierung, um ihrer Aufgabe als Vorreiter in den neuen Bundesländern gerecht werden zu können. Was haben langer Donnerstag, langer Samstag, Winter- oder Sommerschlußverkauf für den Automobilisten gemeinsam? Das endlose Warten im Stau und der Kampf um den letzten freien Parkplatz. Das Verkehrschaos breitet sich immer weiter aus, die Innenstädte ersticken in Blech und Abgasen. Daß daran die jetzt hochgelobte Mautgebühr für den Citybummel mit dem Pkw etwas ändern wird, glaubt kaum noch einer. Die Stadterneuerungsmaßnahmen vieler Städte beschränken sich nur auf die Vernichtung von Parkplätzen, die wenigen, die übrig bleiben, werden stundenweise zu horrenden Preisen vermietet. Doch das ist für die meisten Autofahrer kein Problem: Sie lassen sich ihre Mobilität etwas kosten. Und ein Ende des Verkehrsdramas ist längst noch nicht in Sicht. Bis 2010 soll, laut Bundesverkehrsministerium, die Zahl der in Westdeutschland zugelassenen Pkw von heute 30 Millionen auf 47 Millionen Fahrzeuge anwachsen. Das Auto, Sinnbild der individuellen Beweglichkeit, läßt mehr und mehr unsere Mobilität in kilometerlangen Blechschlangen erstarren. In der Not erinnert man sich an ein bewährtes Mittel gegen den Dauerstau. Der öffentliche Personennahverkehr soll nun die Innenstädte entlasten. Selbst der ADAC, Deutschlands größter Fürsprecher in Sachen Automobil, schlägt sich auf die Seite von Bus und Bahn. Doch das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel bedarf phantasievoller Maßnahmen. Das Ticket 2000 des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, mit dem sogar ganze Belegschaften auf die Schiene gelockt werden sollen, scheint da ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Der familienfreundliche Fahrschein hat zahlreiche Autofahrer zum Umsteigen bewegt. Doch noch zu wenig Selbstfahrer lassen sich allein durch preisliche Vorteile überzeugen. Für die Mobilität, die ihnen das Auto verspricht, stehen sie lieber eine Stunde im Stau als 10 Minuten an der Haltestelle. Die Kohle-Kahlschlag-Pläne von Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann platzten letzte Woche wie eine Bombe auf dem Dortmunder Gewerkschaftskongreß der IG Bergbau und Energie( IGBE). Die Ankündigung des FDP-Ministers, er könne angesichts der deutschen Einheit nicht versprechen, daß es bei der momentanen Regelung zur Kohleverstromung bis 1995 bleibt, ließ CDU- und SPD-Politikern in den Bergbaurevieren die Zornesröte ins Gesicht schießen. In einer einstimmig verabschiedeten Entschließung forderten die aufgebrachten Gewerkschafter Bundeskanzler Kohl auf, öffentlich klarzustellen, daß er die Pläne Möllemanns nicht verwirklichen werde. Andernfalls sei der soziale Friede in den Bergbauregionen ernsthaft in Gefahr, rumorten die Kumpel. Der IGBE-Vorsitzende Hans Berger forderte überdies von Kanzler Kohl, daß die sozialverträgliche Anpassung des Steinkohle-Bergbaus, wie von der Bundesregierung zugesagt, weiter gelten solle. Regierungssprecher Norbert Schäfer suchte Ende vergangener Woche die Wogen zu glätten. Möllemanns Überlegungen seien mit dem Bundeskanzler oder in der Bundesregierung nicht abgestimmt. Es handele sich dabei um die persönliche Meinung des Wirtschaftsministers. Von dieser ist auch Bundesumweltminister Klaus Töpfer als Landesvorsitzender der Saar-CDU wenig begeistert. Laut Töpfer sei es wenig hilfreich, jetzt mit Einzeläußerungen an die Öffentlichkeit zu gehen, während man sich angestrengt um einen die Parteigrenzen überschreitenden energiepolitischen Konsens bemühe. Verbal ist zwar auch Ministerkollege Möllemann an eben jenem Konsens interessiert. In Wahrheit jedoch strebt er nach Höherem. Möllemann hat sein politisches Schicksal mit dem Subventionsabbau verknüpft. Schon im März stach der stets um Schlagzeilen bemühte Minister ins Wespennest der Energiepolitik. Sein Credo: Er wolle die Milliardenhilfen für den deutschen Steinkohlebergbau in den nächsten Jahren deutlich abbauen. Widerspruch gab es damals bereits von der sogenannten Kohlekommission unter Leitung des früheren CDU-Politikers Paul Mikat. Demnach soll der Bund die volle finanzielle Verantwortung für die künftigen Kohlesubventionen übernehmen. Sicher ist: Die Kohlesubventionierung kommt auf den Prüfstand. Denn der Bergbau liegt, neben den Querelen im eigenen Land, ebenso mit Brüssel im Clinch. Seit Jahren steht das Tauziehen zwischen Kohlewirtschaft und Elektrizitätswirtschaft regelmäßig auf der Tagesordnung. Dabei sichert der Jahrhundertvertrag in einem gewissen Umfang langfristig den Absatz heimischer Kohle. Energiepolitisch will man damit die Abhängigkeit von den Importenergien Öl und Gas in Grenzen halten. Das 1980 zwischen dem Gesamtverband des Steinkohlebergbaus und der Elektrizitätswirtschaft geschlossene Abkommen sieht vor, bis 1995 insgesamt 512 Millionen t heimische Steinkohle zur Verstromung zu nutzen. Um den Preisunterschied zwischen der Steinkohle und dem damals recht preiswerten schweren Heizöl auszugleichen, wurde der Kohlepfennig eingeführt, ein Aufschlag auf alle Stromrechnungen. Möllemanns Vorstoß, beim Subventionsabbau sich mit der Kohle gleich den dicksten Brocken vorzunehmen, kommt für die Steinkohlewirtschaft dem Versuch gleich, den Jahrhundertvertrag aus den Angeln heben zu wollen. Bundeswirtschaftsminister Möllemann will der deutschen Steinkohle das überlebenswichtige Standbein des Kohleabsatzes amputieren, fürchtet der SPD-Energieexperte Horst Niggemeier. Möllemann kann sich bei seinem Aktionismus auf die Brüsseler EG-Kommission stützen. In einem kürzlich veröffentlichten Bulletin wird zwar das bisherige Subventionssystem für die Kraftwerkskohle bis auf weiteres geduldet. Im gleichen Atemzug verlangt die Brüsseler Behörde zum wiederholten Male jedoch, die Abnahmeverpflichtung der Stromwirtschaft angemessen zu verringern. In einem Schreiben an EG-Kommissionschef Jacques Delors plädieren die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland für eine Anschlußregelung über 1995 hinaus. Die Forderung der Revier-Barone: Der Absatz dürfe bis zum Jahre 2005 keinesfalls geringer als 35 Millionen t pro Jahr ausfallen. Angesichts des bevorstehenden Arbeitsplatzabbaus in den ostdeutschen Braunkohlezechen kann wohl kaum jemand mit einem neuen Jahrhundertvertrag rechnen. Trotz der düsteren Perspektiven, die sich in den nächsten Monaten für die Wirtschaft in Ostdeutschland abzeichnen, blickt Joachim Schulze, Geschäftsführer der ABB Automatisierungsanlagen( AAC) in Cottbus, zuversichtlich in die Zukunft: Das Licht am Ende des Tunnels ist schon sichtbar. Der Grund für seinen Optimismus: Seit Anfang dieses Jahres ist der frühere Staatsbetrieb eine 100 Prozentige Tochter der Asea Brown Boveri AG( ABB). Das Mannheimer Unternehmen, das sich auf Kraftwerke und Stromerzeugung spezialisiert hat, soll AAC für die Marktwirtschaft fit machen. Und eine Sanierung ist überfällig, wollen die Cottbusser für die Konkurrenz gerüstet sein: Mit veralteten Maschinen, fehlender Datenverarbeitung, einer nicht funktionierenden Logistik, schlechter Bausubstanz und einer personellen Überbesetzung hätte das Unternehmen in der Marktwirtschaft keine Chance gehabt, sagt Geschäftsführer Schulze. Wenn die Cottbusser mit der Übernahme auch wieder eine Perspektive haben- aus dem Schneider sind sie damit allerdings noch nicht. Wir durchlaufen derzeit eine Talsohle, räumt Schulze ein. Im zweiten Halbjahr 1990 gingen überhaupt keine Aufträge ein, im ersten Quartal dieses Jahres betrug das Auftragsvolumen lediglich 26 Millionen DM. Die Folge: Kurzarbeit in fast allen Abteilungen. Die augenblickliche Flaute nutzt das Unternehmen, um Mitarbeiter zu qualifizieren und die Produktionsstätten zu modernisieren. Vor der Wende nahm AAC, es produzierte elektrotechnische Anlagen, in den Regionen Cottbus, Dresden und Frankfurt an der Oder eine Monopolstellung ein. Die Zahl der Beschäftigten lag damals bei 3000, heute sind es nur noch 2000. Doch dabei wird es nicht bleiben, denn bis 1993 sollen nur noch 1500 Mitarbeiter beschäftigt werden. Zum ersten Juli werden bereits 300 Kündigungen wirksam- wer davon betroffen sein wird, ist allerdings noch offen. Ein Problem, vor dem alle Unternehmen stehen, die von ABB in den neuen Ländern übernommen wurden. Neben dem Cottbusser Betrieb AAC sind das ABB Bergmann Borsig in Berlin-Wilhelmsruh, der führende Hersteller von Kraftwerkskomponenten in den neuen Ländern, und die ABB Energiebau Dresden. Rund 115 Millionen DM wird ABB, eine der wenigen westdeutschen Firmen, die sich in großem Stil zwischen Elbe und Oder engagieren, in den nächsten Jahren in allen Unternehmen investieren. Trotz dieser Kapitalspritzen gehen Arbeitsplätze verloren. Bei Bergmann Borsig werden von den derzeit noch 3750 bis Ende dieses Jahres 1600 gestrichen. Auf jeden Fall, so ABB-Vorstandsmitglied Doktor Manfred Simon, werden über das Jahr 1991 hinaus die jetzt schon bestehenden 250 Plätze für Auszubildende gesichert. Neben der personellen Entschlackung der ehemals volkseigenen Betriebe müssen die Manager ein weiteres Problem bewältigen, das nicht minder schwierig ist: die Unternehmen reorganisieren. Dazu gehört vor allem der Aufbau einer Vertriebsorganisation, die Einführung eines EDV-Systems und einer Kommunikationsstruktur, die Straffung der gesamten Organisation sowie die Aufstellung eines Führungsteams, besetzt mit Managern aus West- und Ostdeutschland. Obwohl der Personalabbau zu Lasten der Beschäftigten geht, steht der Betriebsrat von ABB Bergmann Borsig hinter dem Konzept der Geschäftsleitung. Die sozialverträgliche Absicherung der Entlassungen wird von der 15köpfigen Arbeitnehmervertretung gemeinsam mit dem Management geplant. Auch in der Lohnpolitik gibt es, anders als vielerorts im Westen Deutschlands, keine Differenzen zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung: Die Sicherheit von möglichst vielen Jobs steht an oberster Stelle. Am Anfang, so Doktor Klaus Aghte, Generalbevollmächtiger von ABB für Ostdeutschland, stehen deshalb Investitionen, um die Produktivität zu steigern und höhere Löhne zu erwirtschaften. Derzeit werden im gewerblichen Bereich 60 Prozent der Westlöhne gezahlt. Über den Preis und die Konkurrenten, die bei der Übernahme der drei Unternehmen mitgepokert haben, schweigen sich die ABB-Manager aus. Auch die Treuhand hält sich in dieser Frage bedeckt. Pressesprecher Wolf Schöde: Die Investoren wollen das nicht. Nur eines ist sicher: der Preis allein gibt nicht den Ausschlag. Auch wer mehr bietet als sein Konkurrent, kann leer ausgehen, wenn er das schlechtere Unternehmenskonzept vorlegt. Ein gutes Konzept hat schließlich für ABB den Ausschlag gegeben. Die Mannheimer Manager haben die ehemals volkseigenen Betriebe komplett übernommen, ohne sich nur die Filetstücke herauszuschneiden, und sich verpflichtet, den kurz- arbeitenden Beschäftigten sowie den Lehrlingen eine Qualifikationschance zu geben. Das Ereignis war kein größter anzunehmender Unfall( GAU). Aufgabe des Ingenieurs ist es gerade, einen solchen Unfall anzunehmen und das Kraftwerk dagegen auszulegen. Was in Tschernobyl geschah, war auslegungsüberschreitend, im Journalisten-Deutsch ein Super-GAU. Weiterhin wurde der Unfall nicht durch Kernschmelzen charakterisiert. Der Reaktor wurde vielmehr prompt kritisch und ging durch, Brennstoff verdampfte teilweise und löste eine Explosion von großer Wucht aus. Kernschmelze ist das auslegungsüberschreitende Ereignis, das für Leichtwasserreaktoren charakteristisch ist. Im Gegensatz zu Tschernobyl führte die Kernschmelze von Three Mile Island zu keiner nennenswerten Umgebungsbelastung. Bei der Bezeichnung GAU handelt es sich um einen wohldefinierten Begriff, der aufgrund dessen in Umfang und Inhalt nur innerhalb seines Definitionsbereiches zu verwenden ist. In der Bundesrepublik Deutschland erfolgt die Nutzung der Kernenergie seit langem in einem Klima großer Unduldsamkeit gegenüber dieser Technologie. Dieses Klima ist zum einen durch einzelne Ereignisse in kerntechnischen Anlagen und zum anderen durch die undifferenzierte und oft unqualifizierte Berichterstattung darüber verursacht worden. Dabei ist eine unqualifizierte Berichterstattung auch für den Laien häufig an der Verwendung des Begriffs GAU zu erkennen. Deshalb hier nochmals die Definition: GAU: Größter Anzunehmender Unfall. Begriff aus der Reaktorsicherheit, heute ersetzt durch den umfassenderen Begriff des Auslegungsstörfalls. Und Auslegungsstörfall: Bei den heutigen Kernkraftwerken wird eine weitgefächerte Vielfalt von Leitungsbrüchen und Komponentenversagen bei der Auslegung zugrunde gelegt. Auslegungsstörfälle müssen durch die Sicherheitseinrichtungen so beherrscht werden, daß die Auswirkungen in der Umgebung unter den vorgegebenen Grenzwerten der Strahlenschutzverordnung bleiben. Wie sich aus der vorstehenden Definition des Begriffes GAU ergibt, kann es sich bei dem Ereignis vom 26. 4. 1986 in der sowjetischen Anlage Tschernobyl nicht wie in den VDI-Nachrichten berichtet, um einen GAU oder Auslegungsstörfall gehandelt haben. Dieses Ereignis war nämlich weder im Sicherheitskonzept der Anlage als beherrschbar vorgesehen, noch war das physikalische Verhalten des RBMK-Kerns hinreichend bekannt. Insofern handelt es sich nach der in Fachkreisen hierzulande üblichen Terminologie um einen nicht-beherrschten Unerwarteten Ereignis-Ablauf- für den die deutsche Fachsprache das Kürzel UEA vergeben hat. Unerwartete Ereignis-Abläufe sind nicht notwendigerweise unbeherrschbar. Die deutsche Reaktorsicherheitsforschung analysiert seit Jahren solche Ereignisspektren und erarbeitet im Rahmen fortschrittlicher Reaktorsicherheitstechnik Einrichtungen, die in den bundesdeutschen Kernkraftwerken konsequent nachgerüstet werden. Daher sind die Kernkraftwerke in der Bundesrepublik auch gegen Ereignisse gesichert, die weit außerhalb der Auslegung liegen und mit anachronistischen Begriffen wie GAU und Auslegungsstörfall nur unzureichend und deshalb falsch beschrieben sind. Tschernobyl war kein GAU, keine Kernexplosion, sondern eine simple Knallgas-Explosion! Warten Sie erst mal auf einen echten GAU! Bei diesem kombiniert mit Wasser und Graphit moderierten Reaktor wurde infolge der bedienenden Narren örtlich der Graphit so heiß, daß er das Wasser zu Knallgas zersetzte. Dieses stieg auf, wurde zufällig gezündet und hob den 1000 t schweren Reaktordeckel ab. Luft konnte zutreten, der heiße Graphit brannte schwelend ab und der Rauch riß die Isotopen in die Atmosphäre. Die geschmolzene Brennstoff-Masse am Boden hat rein zufällig bisher nicht die kritische Explosionsmasse erreicht, wie auch in Three Mile Island. Bei einem nur mit Wasser moderierten Reaktor bilden sich an überhitzten Brennstäben Dampfblasen, diese moderieren schlechter als flüssiges Wasser, dadurch läßt die freigesetzte Leistung örtlich nach, mit örtlicher Abkühlung. Diese regelnde Sicherheitsfunktion fehlt beim Graphit- moderierten Reaktor, die Aufheizung geht weiter bis zum Abschmelzen des Brennstabs. Wenn aber gar die Graphithüllen der Brennstäbe noch zusätzlich von Wasser umspült werden, wie hier, zerlegt der heiße Graphit das Wasser in Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Sauerstoff, und dieses Gas sammelt sich oben. Ein Funke, oder ein Teilchen, das mehr als 500 OC heiß ist, löst die chemische Explosion aus, deren Gewalt ausreicht, den Reaktordeckel abzuheben. Deshalb gehören alle solche Reaktoren sofort abgeschaltet, es gibt deren viele. Auch der HTR benutzte Graphit; bei zufälligem Luftzutritt wäre in Hamm dasselbe passiert. Ich bin zum Glück schon alt und habe mein Leben gelebt. Aber die nächste große Reaktor-Katastrophe kommt bestimmt, gemäß Murphy, Ihr jüngeren Lemminge! Ein hochinteressantes Thema, ein Muß für jeden Ingenieur, doch halt, hat hier ein Computer eine Politbüroverlautbarung aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt? Spaß beiseite, so geht es nicht, Sie machen den Ingenieur-Stand lächerlich! Es ist doch die Behandlung solcher Bauchthemen, an denen wir Ingenieure in der Öffentlichkeit gemessen werden. Der Artikel vermittelt das Image des drögen Ing's, der nicht über das Reißbrett blicken kann. Sehen Sie, es gibt genügend publikumswirksame- flott geschriebene- aber inhaltlich schlechte Artikel, die VDI-Nachrichten sollten sich da nicht durch das Gegenteil inhaltlich korrekter, aber schlecht geschriebener, sondern durch fachlich hervorragende und leicht verständliche Artikel hervortun. Nicht der Mensch, sondern die Technik hat in Tschernobyl versagt. So war es in den VDI-Nachrichten zu lesen. Ich finde, Sie und viele andere Medien machen es sich zu einfach. Wer oder was ist denn Technik, was verbirgt sich dahinter? Kann man der Technik überhaupt eine Schuld oder ein Versagen zuweisen? Ich meine nein, denn hinter jeglicher Technik steht die menschliche Kreativität, das Planen und Umsetzen in die Realität. Harmonieren diese Abschnitte ohne Probleme, spricht man von der Faszination der Technik und heftet sich den Erfolg an die Brust. Harmoniert es nicht, gibt es Probleme oder gar Katastrophen, weil die Zusammenhänge kompliziert werden und nicht mehr eindeutig irgendwelchen Verantwortungsbereichen zugeordnet werden können, dann hat die Technik versagt. Hier steckt ein unverständlicher Widerspruch. Oder wird hier eine Wand aufgebaut, um sich dahinter zu verstecken? Wir sollten uns zu Fehlern bekennen, damit sie bekannt und künftig vermieden werden. Alles muß letztlich auf menschliches Versagen zurückgeführt werden, denn nur der Mensch macht und denkt, und manches Mal eben leider falsch oder nicht vollständig. Der Bericht ist in zweifacher Hinsicht irreführend. Einerseits durch die einleitende Aussage Nicht der Mensch, sondern die Technik hat in Tschernobyl versagt, andererseits durch den abschließenden Hinweis auf das Nachrüstungsprogramm zur Behebung der Mängel in der nur in der Sowjetunion existierenden RBMK-Baulinie. Die erste Aussage ist deshalb falsch, weil nicht die Technik versagt hat, sondern die Planer diesen problemhaften Betriebszustand nicht voraussahen und keine entsprechende Leittechnik installierten; mithin auch hier: menschliches Versagen. Die zweite Aussage soll suggerieren, daß außerhalb der Sowjetunion derartige und ähnlich gelagerte Vorfälle nicht auftreten können. Auch das ist falsch. Abgesehen von ungezählten Reaktor-Störfällen harmloser Art, gab es- laut Presseberichten- vor Jahren im KKW Brunsbüttel in einem Schaltschrank Hinweise darauf, in welcher Zeit man in einem anderen Schrank Schaltungen vornehmen mußte, um eine Schnellabschaltung zu verhindern. Etwas mehr kritische Objektivität sollte man von den Autoren erwarten. Das auch im Hinblick auf die auch hier angelaufenen umfangreichen, kostenintensiven Nachrüstprogramme in diversen Reaktoren, ganz abgesehen von nicht erteilten Betriebsgenehmigungen. Auch bei uns sind Sicherheitslücken zu schließen, wozu sonst der Aufwand?! Mit der technischen Entwicklung wächst auch die Verantwortung für die Technik. Über die Möglichkeiten des Ingenieurs, seiner persönlichen Verantwortung in diesem Prozeß gerecht zu werden, diskutierte der Deutsche Ingenieurtag in dieser Woche in Berlin. Um handeln zu können, brauchen wir Spielräume. Nur wo Freiheit zum Handeln besteht, kann Verantwortung zum Tragen kommen. Diese These von Prof. Doktor-Ingenieur Werner Niefer, Vorstandsvorsitzender der Mercedes Benz AG, faßte die grundlegende Problematik der Diskussionen am ersten Tag des Deutschen Ingenieurtages 1991 in Berlin zusammen: Unter welchen Rahmenbedingungen ist verantwortungsvolles Handeln von Ingenieuren möglich und die Übernahme welcher Verantwortung wird von ihnen verlangt? Die Antwort auf diese Frage fiel in den Beiträgen der Plenarversammlung recht unterschiedlich aus. Der Präsident des VDI, Doktor-Ingenieur Joachim Pöppel, forderte in seinem Beitrag insbesondere von der Politik klare Rahmenbedingungen für verantwortliches Handeln- erst wenn die Frage: Verantwortlich wofür? Unmißverständlich beantwortet ist, kann fairerweise die Übernahme von Verantwortung gefordert werden. Einen Schritt weiter ging der Präsident der französischen Sektion der deutsch- französischen Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie, Prof. Ingenieur gen. Pierre Laffitte. Die Speerspitze der Politik ist die Wirtschaft. Die Speerspitze der Wirtschaft sind die Ingenieure. In Zukunft müssen die Ingenieure mehr Verantwortung in der Politik tragen. Und je schneller, desto besser. Aber Laffitte ist sich darüber im klaren, daß neben der Bringschuld der Ingenieure auch eine gewisse Holschuld der Politik vorhanden ist: Die Parteiführer sollten mehr Verständnis dafür entwickeln, daß die Politik in Zukunft viel mehr technische und wissenschaftliche Kompetenz erfordert. Alle Redner waren sich einig, daß die Ingenieure zu wenig in die Verantwortung für die Ausgestaltung der gesellschaftlichen Zukunft integriert sind. Trotz aller Holschuld der Politik wiesen alle Redner deshalb auch darauf hin, daß vor allem die Ingenieure gefordert sind, sich mehr Gehör zu verschaffen: Wir müssen, so Pöppel, unsere Mitbürger über sinnvolle technische Optionen für unser aller Zukunft informieren. Wir müssen die Chancen, aber auch die Risiken nennen. Die technische Intelligenz kann sich nicht aus der Entwicklung einer zunehmend komplexeren technischen Welt heraushalten: Unsere Aufgabe, so Pöppel, ist es, realistische Hoffnungsszenarien zu entwerfen. Nicht immer passen solche Szenarien nahtlos in die Bedürfnisse der Politik. Als einen Ausnahmefall wertete es Doktor Norbert Meisner, der Berliner Senator für Wirtschaft und Technologie, in seinem Grußwort, wenn einmal alle Ingenieure zu einem Thema einer Meinung sind. So ist letztlich auch die Entscheidung für die eine oder andere technische Entwicklung eine Frage des Interessenausgleichs und der demokratischen Meinungsbildung( Pöppel). Und an der muß sich der Ingenieur beteiligen, will er nicht das Feld denen überlassen, die sich vor unangenehmen Entscheidungen drücken und damit letztlich der Glaubwürdigkeit von Ingenieuren und der öffentlichen Akzeptanz neuer Techniken einen Bärendienst erweisen: Zwar haben, so Pöppel, unsere Fähigkeiten, Risikopotentiale nicht zu Risiken werden zu lassen, im Laufe der Zeit zugenommen. Jedoch vorzugaukeln, es könne mit oder ohne Technik eine risikofreie Welt geben, ist unehrlich und politisch ungeheuer dumm. Die Frage, so der Tenor aller drei Referate, ist nicht die, ob man aus bestimmten Technologien aussteigen soll oder kann, sondern wie man die technische Entwicklung gestalten will, welche Wege zur Gestaltung unserer Zukunft realisierbar sind. Der von Laffitte geforderte direkte Weg des Ingenieurs in die Politik war bis heute wenig erfolgreich, nimmt man die geringe Zahl von Volksvertretern mit einer natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung in den nationalen und regionalen Parlamenten der hochentwickelten Industrienationen zum Maßstab. Aber dennoch bleibt Laffitte zuversichtlich: Die Politik ist viel zu wichtig und bedeutungsvoll, um sie nur den Berufspolitikern zu überlassen. Auch die Ingenieure müssen in Zukunft das Steuer in die Hand nehmen. Der zweite Weg ist eher der, den Niefer und Pöppel gehen wollen: Sie fordern von der Politik, daß sie sich die Kompetenz der technischen Intelligenz bei ihrer Entscheidungsfindung stärker zunutze macht und damit die immer einflußreicheren technologischen Rahmenbedingungen politischer Entscheidungen berücksichtigt. Aber auch auf den darunterliegenden Ebenen können Rahmenbedingungen für die Verantwortung des einzelnen Ingenieurs definiert werden: Konkrete Unternehmens-Leitsätze zum Umweltschutz, so die Erfahrung von Niefer, erleichtern es den einzelnen Gliedern im Unternehmen, ihr Tun auf unsere Verantwortung für die Umwelt abzustellen. Auch das ist ein stetiges Ausbalancieren von individueller Verantwortung, betrieblichen und politischen Interessen. Das bedeutet, so Niefer, daß wir unsere Prinzipien, unsere Normen und Handlungs-Leitlinien immer wieder in einer Art Regelkreis anhand der tatsächlichen Auswirkungen überprüfen lassen. All das passiert aber immer vor dem Hintergrund, daß das Nachdenken über Verantwortung das Handeln nicht ersetzen kann: Wir sind bereit und in der Lage, verantwortlich Risiken abzuwägen, so Pöppel, danach aber müssen wir auch handeln: Wer Menschen helfen will, darf nicht bei seinen Ängsten stehenbleiben, Angst darf nicht zum bestimmenden Maßstab unserer Entscheidung werden. Mit dem neuen Sommerfahrplan im Juni beginnt auch für die Deutsche Bundesbahn die Hochgeschwindigkeits-Ära. Die Vorbereitungen für den Bau weiterer ICE-Strecken laufen, so Heinz Dürr im Gespräch mit den VDI-Nachrichten, auf Hochtouren. Berlin noch vor der Rheinmagistrale. VDI-Nachrichten: Auf das Filetstück des Hochgeschwindigkeitsverkehrs( HGV) in Deutschland, die rechtsrheinische InterCityExpress-Linie Köln-Frankfurt/ Main, warten auch unsere Nachbarn. Welchen Planungsstand hat das Vorhaben erreicht und wann ist frühestens mit der Inbetriebnahme dieser Strecke zu rechnen? Dürr: Die Vorschlags-Trasse der DB sieht einen Verlauf von Köln über Siegburg und Limburg nach Frankfurt-Flughafen entlang der Bundesautobahn A 3 sowie eine Verbindungskurve bei Eddersheim zur Strecke Wiesbaden- Frankfurt und ab Breckenheim nach Wiesbaden-Hauptbahnhof vor. Bei zügigem Fortlauf der Planungsabstimmungen rechnen wir mit einer Inbetriebnahme bis zur Jahrtausendwende. Um den Bau der für die Zukunftspläne der Bundesbahn so wichtigen Neubaustrecke Köln- Rhein/ Main zu beschleunigen, hat der Vorstand der DB am 5. März 1991 die kürzeste und günstigste Lösung vorgeschlagen. VDI-Nachrichten: Und was wird diese Lösung kosten? Dürr: Diese Trasse erfordert ein Investitionsvolumen von 5,4 Milliarden DM. Würden alle Wünsche der beteiligten Länder und Kommunen berücksichtigt, lägen die Kosten allerdings 2 Milliarden DM höher. Dabei wäre eine solche aufwendigere Trassenführung keineswegs umweltfreundlicher. Aus wirtschaftlichen Gründen muß die Bahn eindeutig für die von ihr vorgeschlagene Lösung plädieren. VDI-Nachrichten: Ist mit dem Prozedere des Raumordnungsverfahrens schon begonnen worden? Dürr: In einem Gespräch mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung wurde am 22. März bekräftigt, daß die ICE-Verbindung Rhein/ Ruhr- Rhein/ Main gerade aus umweltpolitischen Gründen besonders dringlich ist. Kurzfristig wird die DB jetzt die notwendigen Unterlagen für eine Grobuntersuchung bereitstellen, in die alle fünf relevanten Trassenvarianten einbezogen werden. Diese Grobuntersuchung soll nach drei Monaten abgeschlossen sein. Auf der Basis einer Vorschlags-Trasse soll dann noch 1991 das Raumordnungsverfahren eingeleitet werden. Für den Köln/ Bonner Flughafen soll mit Vorrang eine S-Bahn-Anbindung realisiert werden. Dabei wird von Anfang an eine ICE-taugliche S-Bahn-Strecke geplant, die für einen S-Bahn-Halt am Flughafen erweitert werden kann. VDI-Nachrichten: Wie weit sind eigentlich die Vorbereitungen für das Schnellbahn-Vorhaben Paris- Brüssel- Köln- Frankfurt gediehen und der Trassenverlauf auf deutscher Seite? Dürr: Der derzeitige Stand der Planungen läßt folgende Realisierungsschritte zu: Neubaustrecke Paris- Lille 1993, Neubaustrecke Lille- Brüssel und Ausbaustrecke Aachen- Köln 1995 sowie Neubaustrecke Brüssel- Aachen 1998. Wie bei allen grenzüberschreitenden Vorhaben erfolgen auch hier die Planungen in enger Abstimmung mit den Nachbarländern beziehungsweise Nachbarbahnen. Für das gesamte Vorhaben sind rund 16 Milliarden DM zu investieren. Der Ausbau Aachen- Köln erfordert 500 Millionen DM, was eine Geschwindigkeit von mindestens 200 Kilometer/ h ermöglicht. VDI-Nachrichten: Wo nimmt die DB das Geld für die Ausbaumaßnahmen her- denkt sie nicht auch an private Finanzierung? Dürr: Im Rahmen des jährlichen Bundesbahnhaushaltes werden für die DB entsprechende Mittel bereitgestellt. Über eine private Finanzierung werden durch den Bundesbahnminister für Verkehr Überlegungen angestellt, allerdings liegen derzeit noch keine konkreten Ergebnisse vor. VDI-Nachrichten: Hat der Preußen-Express, die Schnellbahnverbindung Hannover- Berlin, aus politischen Gründen eine höhere Priorität als die Neubaustrecke Köln- Rhein/ Main? Dürr: Die Planungen beider Vorhaben werden mit Nachdruck fortgesetzt, wobei der Stand für die Strecke Hannover- Berlin etwas weiter fortgeschritten ist. Wir rechnen mit einer Aufnahme des Betriebs auf der gesamten Strecke Hannover- Berlin für 1997. Berlin Zoo bis zum Berliner Hauptbahnhof. Nach derzeitigem Stand sind etwa 4,5 Milliarden DM erforderlich. Darin sind allerdings einige Verbindungsstücke noch nicht berücksichtigt. Die Finanzierung ist in einem besonderen Titel des Bundeshaushalts gesichert. VDI-Nachrichten: Werden bei der Planung von Hochgeschwindigkeitsstrecken in Deutschland auch außerdeutsche Gremien zu den Überlegungen hinzugezogen? Dürr: Die Gruppe der EG-Bahnen sowie Österreichs und der Schweiz haben ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz konzipiert. Dieses ist ein wichtiger Schritt zur Verknüpfung der nationalen Hochgeschwindigkeitsstrecken. Durch die Öffnung nach Osten wird dieses Netz noch zusätzliche Erweiterungen erfahren. Gerade vor diesem Hintergrund sind natürliche intensive Abstimmungsgespräche selbstverständlich. Kein Tag vergeht, an dem in den amerikanischen Medien nicht der Verlust von früher bedeutenden Industrien oder Technologien an ausländische Wettbewerber beklagt und angeprangert wird. Mit einer neuen Studie des Council on Competitiveness in Washingon richtet sich nun der Blick nach innen: auf die Erneuerung der eigenen Strukturpolitik. Warum können wir keine Videorecorder bauen, wenn wir Patriot-Raketen bauen können? Clyde Prestowitz müßte die Antwort eigentlich wissen: Er ist Präsident des Economic Strategy Institute in Washington, einer der zahlreichen Think-Tanks, die den amerikanischen Handelspolitikern mit kritischen Kommentaren, aber auch Aufmunterung zur Seite stehen. Antwort: Um die Patriot-Raketen kümmern wir uns wirklich. Das sieht wie Resignation aus, ist aber eher ein Resumee der Prioritäten der industriellen, wenngleich nie offiziell formulierten Industriepolitik der USA. Bisher, seit den späten 70er Jahren, dominierten die militärischen Programme zuungunsten der zivilen Infrastruktur. Prestowitz' Argument ist ein Aufruf zur Umkehr, zurück zur höheren Einstufung der kommerziellen Technologien und auch ein gewichtiges Gegenargument zur undifferenzierten High-Tech-Euphorie nach dem Golfkrieg. Die Kausalverbindung zwischen militärischer Effektivität und unschönen Rückzügen im Wettbewerb auf den internationalen Märkten haben seit geraumer Zeit auch die militärischen Planer auf der Zunge: Die Verteidigung liegt nicht mehr vorn, räumte der frühere Pentagon-Beschaffungs-Chef Robert Costello kürzlich in einem Interview mit der New York Times ein. In vielen Fällen nutzt sie nicht einmal die neuesten Technologien. Die Patriot-Raketen sind, wie die Cruise-Missiles Tomahawk, runde zwanzig Jahre alt und in mancherlei Hinsicht plumper und primitiver als die meisten der heutigen Personalcomputer. Die Ersatzteilversorgung für diese Oldtimer ist genauso problematisch wie kostspielig. Da hilft offenbar nur eins: ein mutiger Schnitt. Viele US-Industrien, die von den Verteidigungs-Technologieprogrammen profitiert haben, sind heute von ausländischen Wettbewerbern bedroht. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Analyse des Council on Competitiveness in Washington, mit dem weit ausholenden Titel Gaining New Ground: Technology Priorities for America's Future. Neuen Boden unter die Füße zu kriegen, mit zukunftssetzenden Technologie-Prioritäten, hat sich dieser hochkarätige Wettbewerbsrat der US-Industrie, schon 1986 ins Leben gerufen, zum Ziel gesetzt. Er vereint an die 140 prominente Industrieführer nebst Vertretern der Universitäten und Gewerkschaften. Vorsitzender in diesem Jahr ist George Fisher von Motorola, nach John Yuong, Chef von Hewlett Packard. Die Aufbruchstimmung und Ungeduld mit der bisherigen Technologiepolitik ist unverkennbar, besonders in der strikten Trennung von militärischen und kommerziellen Technologien: Vielen kommerziellen Herstellern der USA wurde der Zugang zu wichtigen Auslandsmärkten verwehrt. Auch die bevorstehenden Streichungen im Verteidigungshaushalt fordern neue Denkweisen: Die US-Industrie muß sich auf die Kommerzialisierung und Integrierung von neuen Technologien konzentrieren. Flexibilität, hohe Qualität bei niedrigen Fertigungskosten, Erfahrung in der Massenfertigung und Zugriff zu vielen, verschiedenen Märkten sind somit die neuen Prioritäten. Das ist eine rigorose Bestandsaufnahme der gegenwärtigen industriellen Basis. Wir haben eine tiefgehende Analyse von neun großen technologie-intensiven Industrien unternommen, erläutert Fisher die Stoßrichtung der Studie. Luft- und Raumfahrt, Chemo-Technologien, Computer und Software, Bauwirtschaft, Pharmazie, Elektronik, Maschinenbau und Telekommunikation. In vielen dieser Industriezweige hatten die USA seit dem Zweiten Weltkrieg unangefochten die Führungsrolle- in einigen Feldern, wie der Mikroelektronik, bis zum Ende der 70er Jahre. Damit ist es jetzt, pauschal gesehen, vorbei. Von 94 untersuchten kritischen Grundlagentechnologien in fünf industriellen Sektoren( Materialverarbeitung, Ingenieurwesen und Produktionsverfahren, elektronische Bauelemente, Informationstechnik, Antriebstechnik) können sich die USA, so die Studie, nur in 31 Fällen auf ihre absolute Stärke verlassen. In 30 weiteren Gebieten sind sie wettbewerbsfähig. Und in den verbleibenden 33 Technologie-Komplexen fühlen sie sich schwach oder haben aufgegeben. Über die Methodik ihrer Analyse, was stark, wettbewerbsfähig und schwach nun eigentlich bedeuten: Forschungsstand, Implementation in industrielle Prozesse, Infrastruktur, Marktabdeckung oder nur Reflexion der gängigen öffentlichen Meinungen, darüber schweigen sich die Council-Mitglieder wohlweislich aus. Wo sehen die Amerikaner die immer noch unangefochtenen Stärken ihrer Industrien? Vor allem in der Materialforschung und in den Biotechnologien, in CAD und bei den Mikroprozessoren, in Video, Grafik, Zeichen- und Spracherkennung, in den neuronalen Netzwerken der Künstlichen Intelligenz, im Software-Engineering und bei den Raketentriebwerken. Mindestens auf der Höhe mit den Wettbewerbern in Europa und Fernost sieht das Council die Metal-Matrix-Composites und die optischen Materialien, die Polymere, Logik- und Sensorchips, die digitale Kommunikation und die Spektrum-Codierung sowie die Fabrikautomatisierung CIM. Schwach hingegen fühlen sich die US-Strategen dem Gebiet der Dünnfilmtechnik, in der Fertigungsoptimierung, in der Metallbearbeitung, bei den wissenschaftlichen Geräten und in der Präzisionsmechanik, in der Qualitätskontrolle, bei den Aktuatoren, in der Elektrostatik, der Lasertechnik und Photonik. Weit abgeschlagen oder verloren erscheinen in dieser Perspektive die einstigen stolzen Pionier-Positionen in der Anzeigetechnik, in der Elektrokeramik, der Gehäusetechnik, bei den Silizium- und Galliumarsenid-Materialien, in der IC-Fertigung und Test der Chips, in der Robotik und der Fertigungsautomation, bei den Elektrolumineszenz- und Flüssigkristall-Displays, in der Elektro-Optik allgemein und in der Leiterplattentechnik. So verheerend diese( notgedrungen abgekürzte) Auflistung klingt, so nüchtern und unerschrocken sieht der Wissenschaftsberater des US-Präsidenten, der Harvard-Professor Allan Bromley, die Lage: Die USA haben nach wie vor die stärkste Wissenschafts- und Technologie-Basis, die die Welt je gesehen hat. Aber die Bush-Administration ist offenbar gewillt, dem dringenden Ruf der Industrie zu folgen. Die Grundlagenforschung, so lange sie im Vorfeld des Wettbewerbs verbleibt und keine spezifischen Projekte wie HDTV oder LCD-Displays begünstigt, soll nach dem Vorbild der Europäer und Japaner gestärkt und ausgebaut werden. Die Council-Sprecher machen dazu detaillierte Vorschläge an ihre Regierung: Erhöhung der US-Forschungs-Etats ab 1993, direkte Einspannung der bisher erfolgreichsten und bestfundierten Forschungsgremien, vor allem der National Science Foundation und der Defense Advanced Research Projects Agency, für die neuen Ziele der Industrie, günstigere Abschreibungsprozeduren und permanente Steuer-Erleichterungen für Forschung und Entwicklung. Infrastruktur- die vernachlässigte Größe der Reagan-Ära- scheint wieder an Boden zu gewinnen. Eine Vereinbarung zwischen TV-Programmanbietern, Satelliten-Betreibern und der Elektronikindustrie für das hochauflösende Fernsehen( HDTV) steht nach Angaben in EG-Kommissionskreisen kurz vor dem Abschluß. Wie in Brüssel bestätigt wurde, sind sich die Beteiligten prinzipiell über den Weg zu HDTV einig. Danach ist beabsichtigt, am zuletzt umstrittenen D2-Mac-Standard festzuhalten. Dieser soll als Vorstufe zur HD-MAC-Norm eingeführt werden, die ab 1995 gelten wird. Unklar sei noch, ob und auf welche Weise Programmanbieter und Ausrüstungshersteller kompensiert werden sollen, die bereits andere Standards verwenden, hieß es von Kommissionsseite. Die EG wird die Errichtung von drei kompletten Telefonnetzen in Polen finanzieren. Ein entsprechendes Memorandum ist PAP zufolge im polnischen Ministerium für Kommunikation unterzeichnet worden. Die Netze sollen in den Wojewodschaften Poznan, Krakow und Siedlce entstehen. Die EG stellt für die Projekte, die in einem Zeitraum von 18 Monaten verwirklicht werden sollen, sechs Millionen Dollar zur Verfügung. Der Europäische Gerichtshof hat mit einem jetzt in Luxemburg verkündeten Urteil das Arbeitsvermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg, in wesentlichen Teilen für EG-rechtswidrig und damit von sofort an für unanwendbar erklärt. Das Urteil erging in einem Vorabentscheidungsverfahren, vorgelegt vom OLG München. Ausgangspunkt war ein Honorarrechtsstreit zwischen einem Personalberater und seinem Auftraggeber, der sich unter Berufung auf das im Arbeitsförderungsgesetz( AFG) verankerte Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt geweigert hatte, das vereinbarte Honorar zu zahlen. Der Personalberater argumentierte, wie es in einer Meldung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater, Bonn, heißt, das Vermittlungsmonopol verstoße, soweit es die Betätigung deutscher Personalberater für Auftraggeber oder Bewerber aus anderen EG-Mitgliedsländern oder die Tätigkeit ausländischer Personalberater in Deutschland betreffe, gegen EG-Recht und sei insoweit unanwendbar. Weil daher aber ausländischen Personalberatern ihre Tätigkeit in Deutschland nicht untersagt werden dürfe und könne, verstoße es gegen das Gleichbehandlungsprinzip( Art. 3 GG), wenn deutschen Personalberatern dieselbe Betätigungsmöglichkeit vorenthalten werde, denn ein sachlicher Grund für diese Differenzierung sei nicht erkennbar. Den ersten Teil dieser Argumentation hat der Europäische Gerichtshof( Az.: C-41/ 90) jetzt durch sein Urteil in vollem Umfang bestätigt. Der zweite Teil wird einem weiteren Vorlageverfahren zum Bundesverfassungsgericht vorbehalten sein. Auf Vorschlag des EG-Beratungsausschusses für industrielle Forschung und Entwicklung( Irdac) hat die Kommission das Modellvorhaben Craft( Cooperative Research Action for Technology) initiiert. Das Programm zielt in erster Linie auf kleine und mittlere Unternehmen, aber auch auf Hochschulinstitute und Laborgemeinschaften, die über keine oder nur kleine eigene Forschungsabteilungen verfügen und Forschungsaufträge an Dritte vergeben. Craft ist ein Teil des neuen EG-Programms für Werkstofftechnologie als Nachfolger des noch laufenden Brite/ Euram Programms. Es ist mit 670 Millionen Ecu für 4 Jahre ausgestattet und wird voraussichtlich im Juli 1991 genehmigt. Die EG-Länder werden in den nächsten 10 Jahren die USA im Wirtschaftswachstum überflügelt haben. Zu diesem Schluß kommt ein Prognos World Report des Baseler Prognos-Instituts. Während in den letzten Jahren die USA immer hinter dem Spitzenreiter Japan lag, wird Europa in den 90er Jahren diesen zweiten Platz einnehmen und die USA auf den dritten Platz verdängen. Auf die einzelnen EG-Länder werden sich nach der Studie die Wachstumsgewinne sehr unterschiedlich verteilen. Am positivsten wird sich die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland niederschlagen, gefolgt von Großbritannien und den Niederlanden. Auf einen drastischen Rückgang der Regionalbeihilfen für die alten Bundesländer haben sich der für die Wettbewerbspolitik zuständige EG-Kommissar, Leon Brittan, mit Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann geeinigt. Bisher umfassen die Fördergebiete in den alten Bundesländern 39 Prozent der Bevölkerung. Dieser Prozentsatz soll auf 27 Prozent verringert werden. In den neuen Bundesländern und Berlin-Ost können Investitionshilfen von bis zu 23 Prozent vergeben werden und regionale Beihilfen von einer kumulierten Höchstgrenze von bis zu 35 Prozent. Zugleich einigten sich Brittan und Möllemann auf einen Wegfall der Zonenrand- und Berlinförderung. In einem gestuften Zeitplan sollen bis 1994 auch die letzten Förderinstrumente aus diesen beiden Bereichen abgebaut sein. Während in den letzten 40 Jahren das bundesdeutsche Straßennetz um mehr als 150000 Kilometer wuchs, wurden bis heute lediglich rund 500 Kilometer Schienenstrecke neu errichtet. Je mehr der Verkehrsinfarkt auf der Straße droht, desto mehr wird die Bahn zum Hoffnungsträger. Um dem selbstgesteckten Ziel doppelt so schnell wie das Auto, halb so schnell wie das Flugzeug entscheidend näherzukommen, sind dringend weitere Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen den Europäischen Metropolen nötig. Gerade auf mittellangen Business-Strecken wie München- Frankfurt, Frankfurt- Köln oder Hannover- Berlin kann die Bahn mit Klientel rechnen, das mehr auf die Uhr als in den Geldbeutel sieht und gerne den Aufpreis für den schnellen ICE zahlen wird. Zu den Vorbereitungen für den Ausbau der 250-km/ h-Trassen, auf denen auch der neuentwickelte InterCityExpress( ICE) fahren wird, äußerte sich Bundesbahnchef Heinz Dürr gegenüber den VDI-Nachrichten in Frankfurt. Das gegenwärtig noch ärmste Land der neuen Bundesrepublik- Mecklenburg-Vorpommern- sucht nach Mitteln und Wegen, diesen Makel möglichst schnell loszuwerden. Vergangene Woche lud die Treuhand Schwerin zu einem Investorentreffen mit Blasmusik und Volkstanz. Wem danach war, der konnte sich bereits am frühen Morgen den Magen verderben. Heerschaaren von Kindern in schwarz-weiß-roten Trachten belagerten den Eingang des Schweriner Staatstheaters und streckten den Besuchern Berge von Schokoladentrüffeln in allen Varianten und Brot mit Salz entgegen. Die Treuhand Schwerin hatte gerufen, und an die siebenhundert potentielle Investoren waren gekommen. Für einen Tag wurde der Musentempel der Stadt von den Repräsentanten der örtlichen Wirtschaft und anlagewilligen Unternehmern aus den alten Bundesländern entweiht. Im Foyer und in den Theatergängen präsentierten sich fast ein halbes Hundert Unternehmen, Banken, Landkreise: da stand das ehemalige Renommier-Hotel der Stadt, das Hotel Schwerin, zum Verkauf, die Grabower Dauerbackwaren suchten ebenso wie die Mallisser Ziegelwerke kapitalkräftige Investoren, der Landkreis Ludwigslust lockte entschlußfreudige Unternehmer. Auf der Bühne tanzten Trachtengruppen zu Blasmusik, und durch die Menschenmassen zwängten sich die unvermeidlichen Kinder mit Schokoladentrüffeln. Möglich gemacht hatte das ganze eine Reihe von Sponsoren aus den alten Bundesländern. Prominent vertreten war vor allem die Treuhand selbst. Unter den alten Stuckdecken des Theaters riefen ihre Computer ununterbrochen die Daten der zum Verkauf stehenden Grundstücke und Unternehmen ab. Potentielle Käufer wurden umgehend in einer großen Limousine bayrischer Bauart zum Objekt ihres Interesses chauffiert. Karl-Heinz Rüsberg, Treuhand-Chef in Schwerin, artig: Ich danke auch diesem Sponsor. Und das Interesse war groß, groß genug, um Rüsberg von einem Quantensprung in Richtung Zukunft sprechen zu lassen. Den braucht das Zwei-Millionen-Land dringend. Die Arbeitslosenrate liegt deutlich über 11 Prozent- mit steigender Tendenz. Dazu kommen einzelne Regionen, die es besonders stark getroffen hat: Im Bezirk Schwerin mit seinen 165000 Einwohnern sind heute bereits 30000 Menschen arbeitslos und 60000 in Kurzarbeit. Schon im März befürchtete Wirtschaftsminister Conrad-Michael Lehment( FDP) Arbeitslosenquoten von bis zu 50 Prozent für einzelne Regionen seines Landes. Und vieles spricht dafür, daß er Recht behält. Allein knapp 40 Prozent aller industriellen Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern waren im Bereich Schiffbau tätig, davon 40000 in der Deutschen Maschinen- und Schiffbau AG. Nach den jetzt geplanten Sanierungsvorhaben wird nur 20 000 ihren Arbeitsplatz behalten. Aber selbst das wird nur gelingen, wenn diese Werften ihre alten Kunden nicht verlieren. Wir unternehmen große Anstrengungen, so Lehment, um den sowjetischen Markt nicht gänzlich wegbrechen zu lassen. Unternehmen von der Größe der Deutschen Maschinen- und Schiffbau AG werden zentral von der Treuhand in Berlin bearbeitet, Unternehmen unter 500 Mitarbeitern stehen unter der Obhut der regionalen Treuhand-Filialen. In der Praxis hat sich diese Trennung auch in Schwerin nicht immer bewährt: Selbst wenn wir einen Interessenten nur für einen Unternehmensteil wie eine Lagerhalle oder ähnliches haben, müssen wir ihn erst nach Berlin schicken, wenn es sich um ein großes Unternehmen handelt, schildert ein Mitarbeiter der Schweriner Treuhand-Niederlassung seine Erfahrungen. Das geht dann oft nur mit größeren Reibungsverlusten. Und die können erheblich sein. 92 Unternehmen im Bezirk Schwerin liegen noch immer im Verantwortungsbereich der Berliner Zentrale, um 225 Unternehmen kümmert sich die Niederlassung vor Ort. Und deren Arbeit zeigt allmählich Wirkung. 70 Unternehmen oder Unternehmensteile haben Rüsberg und seine Mitarbeiter mittlerweile weiterverkaufen können. Die Tendenz geht dabei weg von der reinen Privatisierung zu einer Sanierung derjenigen Unternehmen, bei denen es noch Sinn macht. Damit wachsen aber auch die Anforderungen: die Schweriner Treuhand wuchs in den letzten zehn Monaten von 12 auf 96 Mitarbeiter an. Doch auch damit lassen sich nicht alle Unternehmen retten. Von den insgesamt 225 von der Treuhand verwalteten Unternehmen sind knapp 100 im engeren Sinne Industrieunternehmen, vorwiegend aus den Bereichen Leicht- und Verarbeitungsindustrie. Von denen sind bisher 30 verkauft. Von den restlichen 70, so Treuhand-Mitarbeiter Eberhard Bethge, dürften es 20 sehr schwer haben zu überleben, 30 haben eine gute Chance, beim Rest wird die Zukunft zeigen was wird. Überraschend ist dabei, daß es gerade die ehemals hochsubventionierten Vorzeigebetriebe sind, die jetzt die größten Probleme haben. Die, die schon vor der Wende an der Effektivitätsschwelle krebsten, beobachtet Bethge, schlagen sich auch in der Marktwirtschaft am besten. Doch um diese Unternehmen nach westlichen Maßstäben wettbewerbsfähig zu machen, ist noch viel Geld- nicht zuletzt auch von der öffentlichen Hand- notwendig. 50 Prozent des Grundkapitals, schätzt Bethge, müssen erneuert werden. Das reicht von der Boden- und Gebäudesanierung bis zum Maschinenpark: Was hier vor allem fehlt, ist moderne Technologie. Ein aus Anlaß des Investorentags von der Treuhand Schwerin herausgegebenes Handbuch mit ausgewählten Immobilienprojekten belegt das im Detail: Die Produktionsmittel sind- nach Angaben der Unternehmen- bis zu 30 Jahre alt, und älter kommentiert ein Interessent aus dem Westen. Die Probleme der Treuhand liegen aber nicht nur dort. Im Schnitt gibt es in Schwerin für jedes zum Verkauf stehende Projekt ein bis zwei Interessenten, hauptsächlich aus den alten Bundesländern, nur einige wenige aus den skandinavischen Ländern, aus Holland und aus Frankreich. Aber immer wieder haben die Treuhand-Mitarbeiter selbst noch kurz vor dem notariellen Vertragsabschluß böse Überraschungen erlebt: Nicht immer, umschreibt Bethge vornehm die Tatsache, daß die Treuhand auch manchem unseriösen Verhandlungspartner aufgesessen ist, war die Bonität vorhanden. Aus dem Schaden hat man in Schwerin gelernt: Ohne Bonitätsnachweis läuft nichts mehr. Dabei geht es nicht immer um den Preis des Unternehmens. Wir wollen vor allem Spekulationsgeschäfte vermeiden. Wir wollen die Sicherheit, daß das Unternehmen weiter bestehen bleibt, so Bethge. Deshalb wechseln manche Betriebe den Besitzer auch schon mal für den symbolischen Preis von 1 DM. Der Käufer muß allerdings nicht selten Altschulden in zweistelliger Millionenhöhe übernehmen, und im Kaufvertrag ist zudem die Zahl der Arbeitsplätze und die Summe der Investitionen über einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben. Vertragsstrafen sind durchaus drin. Bis Ende dieses Jahres, hofft Bethge, wird der wesentliche Anteil zumindest der Industrieunternehmen verkauft sein. Die Aufgabe der Treuhand ist damit aber noch lange nicht vorbei, und Kenner schätzen, daß sie auch die nächsten Jahre nicht von der Bildfäche der neuen Bundesländer verschwindet. So stehen in den Kaufverträgen Klauseln, die dem Käufer ermöglichen, beim Auftreten von Altlasten, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht bekannt waren, erneut mit der Treuhand über die Sanierungskosten zu verhandeln. Zudem muß die Treuhand kontrollieren, ob die vertraglich festgelegte Zahl von Arbeitsplätzen erhalten bleibt und die Investitionen auch tatsächlich anlaufen. Und schließlich gibt es in vielen Verträgen eine Rückfallklausel, die dem Käufer ermöglicht, das Objekt nach ein bis zwei Jahren an die Treuhand zurückzugeben. Es kann gut sein, daß wir dann wieder mit den Unternehmen dastehen, die überhaupt nicht mehr zu retten sind, befürchten einige Mitarbeiter der Schweriner Filiale. Aus Sicht von Wirtschaftsminister Lehment wird das aber nicht an den Mitarbeitern in den Unternehmen liegen: Die Menschen hierzulande sind hochmotiviert. An der Front des wirtschaftlichen Aufbruchs wird diese Meinung jedoch nicht immer geteilt. Was uns noch immer bremst, so Gerd Güll, Präsident des Unternehmerverbandes von Mecklenburg-Vorpommern, ist nach wie vor die Eigentumsfrage. So sitzt die Stadtverwaltung von Schwerin noch immer auf 460 Gewerbeflächen, sie längst hätten verkaufen können. 11 Millionen DM an Fördermitteln vom Land Schleswig-Holstein mußten zurückgegeben werden, weil die Stadt ein Gewerbegebiet im Süden nicht rechtzeitig zur Verfügung stellte. Jetzt will Güll eine härtern Kurs einschlagen: Wenn die verantwortlichen Damen und Herren das nicht schaffen, dann müssen eben andere ran. Arbeitslose in Ostdeutschland sollen für ein halbes Jahr die Möglichkeit erhalten, schon mit 55 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm sagte in Bonn nach einem Gespräch mit Finanzminister Theo Waigel, die Altersgrenze für das Altersübergangsgeld werde von 57 auf 55 Jahre gesenkt. Die Regelung soll am 1. Juli in Kraft treten, gilt aber nur bis Jahresende. Er erwarte von der Senkung der Altersgrenze eine arbeitsmarktpolitische Entlastung. Etwa 100000 Ostdeutsche kämen in den Genuß dieser Maßnahme. Angesichts der jüngsten Tarifvereinbarungen und der bevorstehenden Steuererhöhungen wird nach Auffassung des Präsidenten der Landeszentralbank in Bayern, Lothar Müller, der Preisdruck kräftig zunehmen. Ab dem nächsten halben Jahr werde in der Preisentwicklung eine ganz steife Brise anstehen, erklärte Müller, der als LZB-Präsident zugleich im Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank vertreten ist. Da die Tariferhöhungen deutlich über dem Produktivitätsfortschritt lägen, müßten die Unternehmen Lohnstückkostensteigerungen von gut 5 Prozent verkraften. Mit einer Inflationsrate zum Jahresende in Höhe von 3,5 Prozent bis 4 Prozent gerechnet werden. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Geiger, hat davor gewarnt, um jeden Preis die vorgesehenen Termine für die Europäische Währungsunion( EWU) einzuhalten. Die EWU könne nicht nach der Stoppuhr errichtet werden, sagte Geiger in seiner Funktion als Vorsitzender der Gemeinschaft zum Schutz der deutschen Sparer in Bonn. Die Bundesregierung solle daher möglichst an ihrer Linie festhalten und sich nicht auf falsche Kompromisse einlassen. Erst müßten gleiche Überzeugungen, gleiche Politiken und gleiche Ergebnisse das Fundament für eine gemeinsame Währungspolitik tragen. Mit großer Sorge betrachtet Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann die derzeitige Lohnpolitik in den neuen und auch in den alten Bundesländern. Die hohen Forderungen bei den derzeit anstehenden Tarifverhandlungen im Westen berücksichtigten nicht die Rückwirkung auf die neuen Länder. Hohe Abschlüsse im Westen drängten via Tarifkopplung die ostdeutsche Wirtschaft in einen Teufelskreis, gefährdeten die Stabilität und beeinträchtigten die Investitionsneigung. Natürlich sei ein starkes Lohngefälle in einem Staats- und Wirtschaftsgebiet mit einem gemeinsamen Markt auf längere Sicht nicht durchhaltbar. Eine möglichst schnelle Angleichung an Westniveau ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sei nicht verkraftbar. Der Monat Mai mit seinen vielen Feiertagen hat den Börsianern schon einiges vermasselt. Feiertagsbedingt verlief das Börsengeschäft zwischen München und Hamburg ausgesprochen ruhig. Nur noch die US-Wirtschaftsdaten sorgten für die nötige Spannung auf dem Börsenparkett. Und doch sind die Chancen an den Deutschen Börsen rosiger als in den USA. Die Bemühungen der Amerikaner, auf deutsche Zinssenkungen hinzuwirken, erscheinen kaum sinnvoll. Noch nie ließ sich der Zentralbankrat vorschreiben, was mit den Leitzinsen passieren soll. Die deutsche Inflationsrate könnte in diesem Jahr 4 Prozent erreichen, da durch die gute Konjunktur eine Kapazitätsauslastung von fast 90 Prozent in der Industrie zum Alltag gehört. Aufgrund dessen und der wieder deutlich höheren Lohnsteigerungen versucht die Deutsche Bundesbank, die kurzen Zinssätze hoch zu halten und die Geldmenge einzuschränken. Immer mehr Portfolio-Manager der großen deutschen Fonds müssen ihre Liquidität in den Markt pumpen. Die magische Marke von 1600 DAX-Punkten läßt die nervösen Vermögensverwalter in Zugzwang geraten. Aber nicht nur die traditionellen Blue-Chips wie VW oder Siemens reizen mit guten Kursgewinnen, sondern auch die favorisierten Spezialwerte. Neben Computer 2000, die vor einer erneuten Umsatz- und Ertragsverdoppelung stehen, oder die Berliner Herlitz AG, führender Anbieter bei Büro- und Schreibwaren, sind es die fast unbekannten Aktien, die in diesen Wochen und Monaten neu entdeckt werden. Die Aktien der Vossloh AG werden in den nächsten Monaten Schlagzeilen machen. Die im Juni 1990 an der Düsseldorfer Börse eingeführte Aktie wurde dem breiten Publikum zu einem Preis von 420 DM je Aktie zum Kauf angeboten. Die Vossloh-Werke sind der führende Anbieter von patentierten Schienenbefestigungen für den Eisenbahngleisbau in der Bundesrepblik. Durch die anstehende Sanierung des total veralterten Schienennetzes in den neuen Bundesländern rechnen die Konzernstrategen mit einem jährlichen Nachfragepotential von zirka 30 Millionen DM. Die Vossloh-Bilanz zeigt den Analysten eine gesunde Struktur. Der Umsatz für das laufende Geschäftsjahr ist um 10 Prozent und der Ertrag sogar um fast 80 Prozent gestiegen. Die Wiedervereinigung und der hohe Sanierungsbedarf in der ehemaligen DDR eröffnen Vossloh sehr gute Wachstumsmöglichkeiten. Obwohl das Unternehmen nur sehr schwer mit anderen börsennotierten Werten zu vergleichen ist, liegt das KGV( Kurs-Gewinn-Verhältnis) bei der niedrigen Kennzahl 13. Andere branchennahe Unternehmen werden an der Börse mit dem 15- bis 16fachen bewertet. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 1990 zahlt die Gesellschaft eine Dividende von 11 DM. Für das sehr aussichtsreiche Rumpfgeschäftsjahr 1991 wird wohl neben der Dividende ein Bonus fällig werden. Die verantwortlichen Manager haben sich bisher immer aktionärsfreundlich gezeigt. Mit einem Aktienkurs von zur Zeit 465 DM ist das Spezialpapier nicht zu teuer. Im Osten Deutschlands sind vor allem Konzepte gefragt, die dem Investor unbürokratische und technisch zeitgemäße Lösungen ermöglichen. Dafür bietet sich Leasing als Investitionsinstrument an. Denn Leasingnehmer müssen sich nicht mit ungeklärten Eigentumsfragen herumplagen. Franz Pogodda, Vorstandsmitglied der Deutsche Leasing AG, beschreibt die Vorteile dieser Finanzierungsform. Die langjährigen positiven Erfahrungen in Westeuropa zeigen, daß vom Leasing wesentliche Impulse für die Investitionstätigkeit ausgehen. Auch in der ehemaligen DDR wurde Leasing praktiziert, allerdings nicht in größerem Umfang. Rechtliche Regelungen gab es bereits seit 1986. Mit der Wende 1989 kam es dann zu einem regelrechten Durchbruch. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse im vergangenen Jahr mußten noch lange aufgestaute Informationsbedürfnisse gestillt werden. Schon im Herbst des gleichen Jahres mündeten sie in gezielte Fragen. Insgesamt wurden seit der Währungsunion in der ehemaligen DDR Leasingverträge in einer Gesamthöhe von mehr als einer Milliarde Mark abgeschlossen. Bei Leasinggeschäften in den neuen Bundesländern steht die Beratung über Fragen der Investitions- und Finanzplanung der Kunden im Vordergrund. Dabei kommen der Leasinggesellschaft jahrzehntelange Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Herstellern und Lieferanten sowie produktspezifische Kenntnisse jetzt zugute. Auch Vertriebsleasingkonzepte, wie hierzulande vor allem beim Autokauf üblich, bewähren sich in den neuen Bundesländern zur Belebung des Absatzmarktes- auch bei Geschäften mit anderen osteuropäischen Ländern, insbesondere der CSFR. So wird etwa die Deutsche Leasing AG im September dieses Jahres auch auf der Maschinenbaumesse in Brünn, CSFR, mit einem eigenen Stand vertreten sein. Ein großer Vorteil: Die Bonitätsprüfung ostdeutscher Firmen stellt sich für den Leasing-Investor leichter dar. Als Leasing-Gesellschaft haben wir durch unser Eigentum am Leasing-Gut, das wir über die ganze vertragliche Laufzeit behalten, eine relative Sicherheit. Je werthaltiger das Gut, desto größer die Sicherheit. Gegenwärtig eignen sich daher am besten Fertigungsmaschinen für das Leasing-Geschäft mit den neuen Ländern, die bei uns einen Anteil von rund 50 Prozent haben. Ein erheblicher Anteil kommt aber auch Nutzfahrzeugen und Computern zu. Die noch von der ehemaligen DDR im Juli vergangenen Jahres beschlossene und inzwischen bereits zweimal- hinsichtlich der Fristen- verlängerte Investitionszulage findet auch auf das Leasing Anwendung, ebenso wie die von Bund und Ländern gemeinsam bereitgestellten Fördermittel für die Maßnahmen zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur( GA-Mittel). Die Investitonszulage wird für bewegliche Wirtschaftsgüter gewährt, die mindestens drei Jahre zum Anlagevermögen eines Betriebes oder einer Betriebsstätte in den neuen Bundesländern gehören und auch dort verbleiben. Die Investitionszulage beträgt für bis Ende 1991 abgeschaffte Wirtschaftsgüter 12 Prozent der Anschaffungskosten und für bis Ende 1994 angeschaffte Güter 8 Prozent, sofern diese bis Ende 1992 bestellt worden sind. Auf Personenkraftwagen findet die Investitionszulage keine Anwendung, wohl aber auf Nutzfahrzeuge. Wir haben die Investitionszulage grundsätzlich unmittelbar an den Leasing-Nehmer in Form verminderter Raten weitergeleitet; bei Computern, die dem Risiko rascher Veralterung in besonders hohem Maß unterliegen, wird erst nach drei Jahren verzinst. Die GA-Mittel können grundsätzlich kumulativ mit der Investionszulage bis zu einem Höchstsatz von 33 Prozent der Anschaffungskosten zur Anwendung gelangen. Mit den GA-Mitteln sollen volkswirtschaftlich besonders förderungswürdige Investitionsvorhaben der gewerblichen Wirtschaft( einschließlich Fremdenverkehrsgewerbe) sowie wirtschaftsnahe Infrastrukturvorhaben in den neuen Ländern insgesamt gefördert werden. GA-Mittel finden auch auf Immobilien, insbesondere Gebäude Anwendung, nicht jedoch auf Grundstückskaufpreise. Nicht gewährt werden GA-Mittel weiter für bestimmte bewegliche Wirtschaftsgüter, die der Ersatzbeschaffung dienen, wie Pkw, Kombifahrzeuge, Lkw, Omnibusse, Luftfahrzeuge und Schiffe. Voraussetzung sowohl für die Inanspruchnahme der Investitionszulage als auch der GA-Mittel ist, daß der Leasing-Geber in den neuen Ländern wohnt und dort steuerpflichtig ist. Mit unserer im Juli vergangenen Jahres gegründeten Zweigniederlassung und einer Besitzgesellschaft in Berlin-Mitte erfüllen wir diese Voraussetzung. Die Investitionszulage, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wird beim Leasing direkt von der Leasing-Gesellschaft beantragt. Die GA-Mittel müssen vom Leasing-Nehmer bei den jeweils zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden beantragt werden. Hier sind wir dem Leasing-Nehmer bei der Antragstellung behilflich. Alles in allem wird die Kombination von Leasing mit Investitionszulage und GA-Mitteln wesentlich zur Erhöhung des Investitionsaufkommens in den neuen Ländern beitragen. Der Erfolg dieses Finanzinstruments ist vor allemin folgenden Faktoren begründet:- feste und über die ganze Laufzeit gleichbleibende Raten, die parallel zur Nutzung anfallen und in der Regel mit dem durch Einsatz des Leasing-Gutes erwirtschafteten Erlösen erzielt werden können.- Gewinnung eines zusätzlichen Partners, der Leasing-Gesellschaft, die dem Leasing-Nehmer über die gesamte Laufzeit des Vertrages erhalten bleibt und ihn umfassend in Fragen seiner Investitions- und Finanzplanung berät. Das Kursniveau an den deutschen Aktienmärkten hat sich im April insgesamt deutlich erhöht. Der vom Statistischen Bundesamt berechnete Gesamtindex der Aktienkurse stieg von 291,9 am 28. März auf einen neuen Jahreshöchststand von 309,0 am 29. April. Für das bisherige Gebiet der Bundesrepublik wird der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte im April gegenüber dem Vormonat voraussichtlich um 0,5 Prozent höher liegen. Gegenüber April 1990 ergibt sich damit ein Anstieg um 2,8 Prozent. Für März 1991 gegenüber März 1990 war eine Zunahme von von 2,5 Prozent ermittelt worden. Die Klöckner-Werke AG, Duisburg, hat im Konzern im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 1990/ 91( 30. September) im Außenumsatz gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf 3,8 Milliarden DM zugelegt. Der Auftragsbestand habe in jedem der drei Klöckner-Bereiche( Stahl, Maschinen, Kunststoffe) höher als vor einem Jahr gelegen, erklärte der scheidende Vorstandsvorsitzende, Doktor Herbert Gienow. Bei deutlich geringerem Umsatz im Stahlbereich sei der Umsatz der Bereiche Maschinen und Kunststoffe wesentlich höher als vor einem Jahr gewesen. Vorstand und Aufsichtsrat der Continental AG, Hannover, schlagen der Hauptversammlung am 10. Juli für das Geschäftsjahr eine auf 4 DM je Aktie halbierte Dividende vor. Das teilte das Unternehmen im Anschluß an die den Jahresabschluß 1990 feststellende Aufsichtsratssitzung in Hannover mit. Wie bereits mehrfach angekündigt, trägt die Verwaltung damit dem deutlich verringerten Jahresüberschuß Rechnung. Der Konzernjahresüberschuß hat sich den Angaben zufolge auf 93,4 Millionen DM reduziert. Die Standard Elektrik Lorenz AG( SEL), Stuttgart, läßt die Dividende für das Geschäftsjahr 1990 ausfallen und stärkt dafür die Substanz. Im Vorjahr waren noch 2,50 DM Dividende gezahlt worden. Wie SEL-Vorstandsvorsitzender Doktor Gerhard idler erklärte, wurden die Rückstellungen für das Standort-Strukturkonzept, das bekanntlich unter anderem den Wegfall von 1200 Arbeitsplätzen in Berlin vorsieht, deutlich erhöht. Die Ertragslage im Konzern der Volkswagen AG, Wolfsburg, konnte auch im angelaufenen Geschäftsjahr 1991 nicht mit der kräftigen Absatz- und Umsatzentwicklung Schritt halten. Der Konzerngewinn habe sich im ersten Quartal nur um 2,1 Prozent auf 195( 191) Millionen DM verbessert, während der Konzernumsatz um 10,3 Prozent auf 19,1( 17,233) Milliarden DM gestiegen sei, teilte der Vorstandsvorsitzende Doktor Carl H. Hahn bei der Bilanzvorlage mit. Die BASF AG, Ludwigshafen, hat nach dem drastischen Ergebniseinbruch 1990 auch im ersten Vierteljahr 1991 schlechter als im Vorjahr abgeschnitten. Nach dem Zwischenbericht sank das Gruppenergebnis vor Steuern um 25,2 Prozent auf 632( Vorjahr 845) Millionen DM. Die bisher gute Mengennachfrage habe in den ersten Monaten des Jahres etwas an Schwung verloren, hieß es. Absatzsteigerungen im Inland stünden vor allem ein scharf rezessiver Einbruch in Nordamerika und das anhaltend schwierige Geschäft in Lateinamerika gegenüber. In den fünf neuen Bundesländern, aber auch in den mittel- und osteuropäischen Staaten steht die Verknüpfung von Forschung und Lehre wieder auf dem Programm der Hochschulreformer. Doch wird damit nur ein Ideal wieder zum Leben erweckt, das im Westen Deutschlands durch die Massenuniversität erstickt wurde? Die Hochschule ist heutzutage nicht mehr als eine Fortsetzng der Schule, mit dieser These stach kürzlich Doktor Meinhard Miegel, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn, auf der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz( HRK) in Frankfurt ins Wespennest. Die HRK hatte damit einen Streitpunkt, der thematisch gar nicht eingeplant war, sollte es doch um die Rolle der Hochschulen in Europa gehen. Wenn Experten sich die Frage stellen, welche Anforderungen die Gesellschaft an die Hochschulen stellt, dann verlieren sie Europa schnell aus dem Blick- und landen im Grundsätzlichen. Doch ob Hochschule, ob Europa oder andere angesprochen sind: Die Frage ist, ob wir nicht längst eine überforderte Gesellschaft sind. Immerzu werden Ansprüche formuliert, die kein Mensch, geschweige denn eine Institution erfüllen kann, behauptet Miegel, und das alte Humboldtsche Ideal der Einheit von Forschung und Lehre ist heutzutage reif für die Mottenkiste. Wir müssen uns damit abfinden, daß unser Nachwuchs von sechs Jahren an bis zum 28., 29. Lebensjahr beschult wird, und von daher ein sehr berechtigter Anspruch besteht, daß Hochschulsystem effizient und effektiv zu durchlaufen. Effektive Ausbildung im Hochschulsystem, das aber kann nur heißen, daß die Hochschullehrer sich als Lehrer im engen- schulischen- Sinne verstehen, und daß ein Dozent ohne pädagogische Ausbildung und Kenntnisse in Didaktik seinen Beruf verfehlt hat. Bekennt man sich zum Bild des Lehrprofessor, dann bekennt man sich auch zwingend zu gutem Lehrmaterial, zu durchdachten Lehrbüchern, zu geschickter Präsentation des Stoffes. Das Konstrukt der Einheit von Forschung und Lehre, das den Forscher mit dem Lehrer identifiziert, ist, so Miegel, ein Anachronismus. Bereits jetzt hat die Hochschule ihre Funktion als Stätte kritischer Reflexion eingebüßt, sie ist faktisch nicht mehr der Sitz der Weisheit, Hort der Mäßigung. Wollte man ihr im Sinne Humboldts diese Funktion weiter zubilligen, so wäre das eine der vielen unlösbaren Ansprüche, die nicht mehr erfüllbar sind. Gleichwohl: Zwar braucht eine Gesellschaft vielleicht keine einzelnen sinnstiftenden Personen, aber doch Instanzen, die als Sinngeber auftreten können. Diese Argumentation zu Ende gedacht- und das wurde auf der HRK-Versammlung auch schnell so gesehen- bedeutet, das gesamte Hochschulsystem umzukrempeln: Die Masse der Studenten müßte berufsbezogen mittels effizienter Lehrmethoden ausgebildet werden, ein kleiner Teil könnte in die Forschung gehen. Rückt nun Europa- das eigentliche Thema der HRK, an dem mangels konkreter Fakten allzuoft vorbei geredet wurde- wieder in den Blickpunkt, so mußten sich gerade die zahlreich erschienenen Osteuropäer ob dieser Diskussion wundern. Max Heidler, Chefredakteur von Das Hochschulwesen, seinerzeit Organ des DDR-Wissenschaftsministeriums und jetzt am freien Ost-Markt operierend, bringt die Sache auf den Punkt: Die Russen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten ihre forschungsorientierten Elite-Hochschulen geschaffen und die großen Massen-Universitäten produzierten Nachwuchs am Fließband. Praktisch allen osteuropäischen Staaten wurde dieses Modell übergestülpt. Nun wird die Einheit von Forschung und Lehre- gerade in den neuen Bundesländern- wiederhergestellt. Wenn aber diese Einheit eine Fiktion ist, weshalb soll dann die Hochschullandschaft radikal ungekrempelt und jener aus den alten Bundesländern mit soviel Schmerzen angepaßt werden, fragt sich Heidler. Doch die Mittel- und Osteuropäer drücken ganz andere Sorgen als Grundsatzdiskussionen. In Rumänien zum Beispiel gibt es 43 staatliche Hochschulen mit insgesamt nur 10000 Studenten. An 20 weiteren Institutionen aus dem Bereich higher education sind noch einmal 10000 Studenten eingeschrieben, die zum Teil hohe Gebühren auf den Tisch legen müssen. Bei derartigen Studentenzahlen steht die Öffnung der Hochschulen auf der Tagesordnung- die Massenuniversität ist weithin noch unbekannt. Gemeinsames erkennen und Fremdes als Bereicherung empfinden, so könnte der Prozeß im Zusammenwachsen des ost- und westdeutschen Hochschulwesens aussehen. Nicht zuletzt deshalb wird er- das versichern viele Mittel- und Osteuropäer- ganz besonders aufmerksam verfolgt. Doch eine Klage wurde in Frankfurt immer wieder erhoben: Daß es eine Einbahnstraße ist, auf der dem Osten immer nur Verkehr entgegenkommt. Noch kein Licht am Ende des Tunnels: Obwohl im April die Zahl der Arbeitslosen in den fünf neuen Ländern gegenüber dem Vormonat nur leicht gestiegen ist, warnte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Heinrich Franke: Die Talsohle ist noch längst nicht erreicht. Insgesamt waren Ende April 836900 Erwerbstätige ohne Arbeit, rund 30000 mehr als im März. Nur wenig Bewegung gab es bei den offenen Stellen. Sie stiegen um knapp 2000 auf 22900. Stagnation auch bei den Kurzarbeiterzahlen. Sie lagen im April bei knapp über 2 Millionen. Der große Einbruch wird im Sommer kommen. Viele Unternehmen haben bereits Entlassungen angekündigt, wenn das Kündigungsschutzabkommen ausläuft. Günstig sieht es nach wie vor für den Westen Deutschlands aus. Hier ist die Erwerbslosenzahl auf 1,65 Millionen gesunken. Bei den offenen Stellen gibt es ein Plus von fast 10000 Positionen, aber auch die die Kurzarbeit hat leicht zugenommen. Dennoch ist das hohe Beschäftigungsniveau ungebrochen. So lag die Zahl der Erwerbstätigen im März bei annähernd 29 Millionen und damit um fast 700000 höher als im Vorjahresmonat. Zum Vergleich: in der Ex-DDR gibt es rund 8,8 Millionen Erwerbstätige. Um unsere eigene Milchstraße verstehen zu können, müssen wir sie mit Weitwinkelverfahren untersuchen, erläutert Prof. Wolfhard Schlosser vom Astonomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum seine Pläne mit der speziell für den Ultraviolettbereich konzipierten Gauss-Kamera( Galaktisches Ultraweitwinkel Schmidt-System). Die von ihm und seinem Mitarbeiter Paul Koczet entwickelte Kamera soll bei der für Februar 1993 geplanten D2-Mission des Space-Shuttles mitfliegen. Bei der ungewöhnlichen Konstruktion handelt es sich um eine modifizierte Schmidt-Optik, die mit einem konvex gekrümmten Spiegel kombiniert wurde. Es entsteht dabei ein Bild, ähnlich wie beim Blick in eine Weihnachtskugel mit einem Bildfeld von 145O. Der Bereich des sichtbaren Lichtes ist traditionell eine Domäne der klassischen astronomischen Instrumente. Auch im Infraroten wurden in den letzten Jahrzehnten viele bahnbrechende Entdeckungen über den Aufbau und die Struktur unserer Milchstraße gemacht. So konnte der hinter interstellarem Staub verborgene Kern der Galaxis identifiziert werden. Mehrere punktförmige Objekte drängen sich dort auf engstem Raum. Über die Natur der Objekte wird noch gerätselt. Die Spekulationen reichen von einem zentralen Sternhaufen bis zu einem supermassiven Schwarzen Loch. Für den größten Teil der UV-Strahlung ist die Erdatmosphäre undurchsichtig, bodengebundene Beobachtungen sind deshalb in diesem Wellenlängenbereich nicht möglich. Die Bochumer Wissenschaftler wollen daher beim geplanten D2-Flug des Shuttles die Möglichkeit nutzen, unser Sternsystem auch im Ultravioletten genauer unter die Lupe zu nehmen. Es sind noch viele grundlegende Fragen zu klären, zum Beispiel zu welchem Typ von Spiralgalaxien unsere Milchstraße denn nun gehört. Immerhin zählt unser Sternsystem bereits mit seinem 100000 Lichtjahren Durchmesser und etwa 250 Milliarden Sonnenmassen zu den Riesengalaxien. Wir wissen nicht einmal genau, wie die Spiralarme eigentlich zustande kommen, rätselt Schlosser. Bei Ballonprobeflügen der Vorläufer-Kamera( Strato-Gauss) konnten die Bochumer Forscher bereits einige wichtige Entdeckungen machen. Sie fanden, daß die Spiralarme in unserer Umgebung fragmentiert sind und sich dabei wie Dachschindeln überlappen. Jede Schindel mißt dabei allerdings etwa 3000 Lichtjahre in der Länge. Außerdem fand die Strato-Gauss-Kamera das sogenannte Blaue Band, einen Staubstreifen in der Ebene der Milchstraße in nur knapp 2000 Lichtjahre Entfernung. Mit den Ballonprobeflügen sind wir in einen Wellenlängenbereich eingedrungen, über den man bisher noch nicht viel weiß. Man erhält ein neues Bild der Milchstraße, das wir erst einmal einordnen und verstehen müssen, resümiert Paul Koczet die bisherigen erfolgversprechenden Ergebnisse. Als mögliches Ziel stellt sich den Astronomen die Dunkelwolkenkartierung der Milchstraße in der Sonnenumgebung dar. Derartige Staubwolkenkomplexe beherbergen die Geburtsstätten der Sterne. Dabei erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Sternentstehung. Die Gauss-Kamera wird bei ihrem Shuttle-Flug über drei Pendelstützen frei beweglich in der Ladebucht des Shuttles montiert. 60 Fotos sind für astronomische Untersuchungen der Milchstraße vorgesehen. Die restlichen 50 Aufnahmen des Magazins sollen der Analyse der Erdatmosphäre dienen. In etwa 300 Kilometer Flughöhe werden Stereobildpaare von der Erdatmosphäre aufgenommen. Hierdurch läßt sich ein plastischer Eindruck von der Atmosphärenschichtung erhalten. Die Forscher erhoffen sich in erster Linie wichtige Hinweise über die Höhenverteilung und Dichte der Ozonschicht. Schwierigkeiten während der Entwicklung der Kamera bereitete das Ausmerzen typischer optischer Fehler der Schmidt-Optik, vor allem die Bildfeldwölbung. Dabei kommt es im Randbereich des Bildes zu unscharfen Abbildungen, weil das Bild auf einer gewölbten Fläche entsteht. Bei der Behebung des Problemes ließen sich die Bochumer Astronomen einiges einfallen. Sie ersetzten den Kugelspiegel durch eine besondere, hyperbelartige Oberflächenform und konnten so den Bildfehler beheben. Jetzt braucht der zu belichtende Film nicht mehr, wie früher, gekrümmt zu werden. Damit ist auch der Weg frei für den Einsatz moderner, extrem lichtempfindlicher Bildverstärker, der Charge-Coupled-Device-Technologie( CCD). Diese Halbleiterdedektoren haben gegenüber der herkömmlichen Photoemulsion den Vorteil einer wesentlich effektiveren Lichtausbeute. Beim D 2-Flug wird die Gauss-Kamera allerdings noch ohne die CCD-Technik fliegen. In Wirklichkeit ist die Weltraumforschung sehr antiquiert, erläutert Prof. Schlosser. Wegen der langfristigen Planung wird das Design schon sehr früh eingefroren. Da alle Experimente und Geräte miteinander verflochten sind, kann man da nicht plötzlich etwas ändern. Die Infrastruktur ist vorgegeben und die neueste technische Entwicklung kann leider nicht mehr berücksichtigt werden. Schlossers Kollege Paul Koczet ergänzt: Im Moment denken wir an die Weiterentwicklung der Gauss-Kamera. Dabei muß man ja immer zehn Jahre im voraus denken. Zwei weitere Flüge mit der Gauss-Kamera sind noch geplant. Für 1994 sind die europäischen Space-Shuttle-Missionen Europa 1 und Eureka 2 anvisiert. Ein Fernziel ist dann noch der Flug mit der Raumstation Columbus in etwa 10 Jahren. Dafür planen wir eine Überarbeitung des klassischen Konzeptes, um dann die modernen Technologien, also zum Beispiel die CCD-Technik, einfließen zu lassen, erklärt Koczet. Durch die wesentlich höhere Empfindlichkeit der Optik bestehen gute Aussichten für weitere aufschlußreiche astronomische Entdeckungen. Mit Hilfe einer speziellen Weitwinkelkamera für den Ultraviolettbereich wollen Bochumer Astronomen die Milchstraße unter die Lupe nehmen. Diese Kamera wird bei der geplanten D2-Mission des Space-Shuttle 1993 mitfliegen. Sie soll zusätzlich die Ozonschicht der Erdatmosphäre untersuchen. Die Gesundheitsforscher sind unterwegs. Sie klopfen die Bevölkerung nicht nur auf Herz und Nieren ab. Sie wollen auch herausfinden, wie sich die Umweltbelastungen auf die Gesundheit der Deutschen auswirkt. Erstes Fazit ihrer Untersuchungen: Subjektiv geht's den meisten besser als objektiv. Der 40jährige Michael Geesing aus München hat innerhalb des vergangenen Jahres in 22 Dörfern und Städten über 1600 Menschen empfangen. Sein Parkett war jedesmal schlicht: ein leeres Klassenzimmer, ein geräumtes Büro oder eine Verwaltungsalkove- alles wurde zu seiner provisorischen Praxis. Doktor med. Michael Geesing ist freier Mitarbeiter der Münchener Infratest KG Gesundheitsforschung und Chef eines Forschungsteams. Insgesamt drei solcher Gruppen sind im Auftrag des Bundesgesundheitsamtes( BGA) für die nationale Erhebung Leben und Gesundheit unterwegs. 8000 Personen im Alter von 25 bis 69 Jahren werden in 70 Gemeinden untersucht- allerdings nur in den alten Bundesländern. Von point zu point, wie Doktor Geesing das nennt. Zum Punkt in Düsseldorf führt der Weg über einen Schulhof der Walter-Rathenau-Straße 15 ins Behelfs-Wartezimmer: Guten Morgen, füllen Sie bitte zunächst diesen Fragebogen sorgfältig aus! Sind Sie arbeitslos? Oder Industrie- und Werkmeister im Angestelltenverhältnis? Gibt es eine Belastung durch chemische Schadstoffe? Wie häufig essen und trinken sie was? Raucht jemand in der Partnerschaft; wird Butter, Pflanzenfett oder Olivenöl in der Küche verwendet? Oder: Ist eine Schwangerschaft geplant?- 86 solcher Fragen auf 35 Seiten sollen ein möglich umfassendes Bild darüber liefern, wie der Durchschnittsmensch lebt, arbeitet, gesund bleibt oder krank wird. Und oft wissen die Teilnehmer der Tests nicht einmal, worunter sie leiden. Denn bei der Kontrolle der Antworten fällt Gerhild Emden, der Interviewerin der Gruppe, beispielsweise deutlich auf: Von all' unseren Probanden trinkt nach den Antwort-Kreuzchen zu urteilen eigentlich niemand Alkohol- ich weiß gar nicht, wer den dann eigentlich kauft. Drastisch deutlich ist Gerhild Emden geworden, daß die Leute massenhaft Probleme verdrängen. So fühlten sich mitunter Probanden in ihrer wohnlichen Situation sehr wohl, lebten dann aber tatsächlich mit dem unerträglichen Krach eines benachbarten Flughafens: Da stimmt dann etwas nicht, registriert Frau Emden. Doktor Geesing geht noch einmal alle Antworten medizinisch durch, klärt viele Widersprüche. Nach einem Lungenfunktionstest will er: Blut. Aus der Probe werden beim BGA 40 verschiedene Werte ermittelt: Ist Blei darin, womöglich Quecksilber oder Cadmium- wie hoch ist der Cholesterinspiegel? Geesing: Diese Werte bekommt der Proband auch persönlich zugeschickt, wobei sie ihm auch erklärt werden. Er braucht dazu keinen Arzt, obwohl wir empfehlen, alles noch mal mit dem Hausarzt durchzusprechen. Damit die Analyse in Berlin auch sicher gelingen kann, legt Anne Schneider Hand an, rund 50 mal pro Patientin, hochgerechnet insgesamt bislang 81000mal: Sie zentrifugiert das Blut und friert das so gewonnene Serum sofort ein. Das transportable Labor samt Personenwaage( Die wird jedesmal neu geeicht) und Kartons, Kartons, Kartons muß das Team immer selbst vom( und auf den) Lkw bugsieren: Man wird zum Spediteur. Dann folgen Untersuchungen zur Wohnsituation: Vom Alter des Teppichs bis zur Fugenlänge der Fenster; wie lange gelüftet wird, wie häufig, ob Schallschutzfenster vorhanden sind, woraus die Wasserleitungen bestehen. Es folgen die Probenahmen: Wasserproben, Staubproben- zum Beispiel nehmen wir einfach den Staubsaugerbeutel mit und stellen Hausstaubbecher, Meßgeräte im Freien auf. Den Leuten werden noch ein paar Haare ausgezupft, das über Nacht unbewegte Leitungswasser wird angezapft. Wer in der Arbeitswelt belastet erscheint, bekommt für eine Woche eine Plakette angeheftet: In der Membrane sollen sich die flüchtigen Kohlenwasserstoffe( CXHY) sammeln, die etwa aus Propan oder Benzol kommen. Keine Frage also, daß die Gesundheitsforscher nicht nur einen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Deutschen haben wollen. Wenn das Großprojekt nationale Gesundheitserhebung auch Grundlage für eine künftige Gesundheitspolitik sein soll, muß es auch über die Umwelteinflüsse Auskunft geben. So erwartet das BGA beispielsweise, daß der Bleigehalt im Blut der Menschen im Vergleich zu den vorherigen Erhebungen 1985 und 1988 abgenommen hat. Ob sich das Benzin-Bleigesetz und die Einführung von Katalysatoren, aber auch andere neue Richtlinien, tatsächlich so positiv auf die Gesundheit der Deutschen ausgewirkt hat, werden wir erst in einem Jahr erfahren. Dann wird das BGA die Studie publizieren. Sie sind ein kleiner Mann! Halt, stop, werden Sie sagen, ich mit meinen 178 cm bin doch nicht klein. Doch stellen Sie sich eine Lichtschranke vor, die kleine von großen Männern unterscheiden soll. Sie ist auf 180 cm eingestellt. Folglich sind Sie also ein kleiner Mann. Anders gesprochen: Sie gehören der Menge der kleinen Männer an, die bei 180 cm scharf begrenzt ist. Würden Sie dagegen umgangssprachlich Ihre Größe beschreiben, so würden Sie sagen: Ich bin recht groß oder Ich bin nicht gerade klein. Doch mit diesen Definitionen kann ein klassischer Grenzwertschalter nichts anfangen. Diese Unzulänglichkeit erkannte bereits vor 25 Jahren der Berkeley-Professor Lotfi A. Zadeh. Er entwickelte eine mathematische Theorie, die mit vagen Formulierungen exakt rechnen kann. Zadeh ließ nicht nur die Entscheidung wahr oder falsch zu, sondern setzte- je nach Wahrheitsgehalt- beliebige Werte zwischen 0 und 1. Die Zugehörigkeit zu einer Menge kann so gewichtet werden. Mit Ihrem ziemlich groß gehören Sie daher mit dem Faktor 0,8 zu den großen Männern. Das nicht gerade klein entspricht dem Faktor 0,2 aus der Menge der kleinen Männer. Weitere Grenzwerte lassen diese Entscheidung noch präziser werden. Zadeh formulierte weiterhin mathematische Regeln, mit denen solche Aussagen unscharfer Logik- übersetzt Fuzzy Logik- verknüpft werden können. Es gibt UND-, ODER-Verknüpfungen und Negationen. Während in der normalen Logik z. B. Gefolgert wird WENN A wahr ist UND B falsch, DANN ist C wahr treten in der Fuzzy-Logic die gewichteten Werte auf. Auch der Schluß ist dann natürlich ein entsprechend gewichtetes Ergebnis. Genaugenommen ergibt sich die zweiwertige Logik somit als Spezialfall dieser Theorie. So weit, so gut. Länger als 20 Jahre ruhte diese Theorie in den Schubladen einiger weniger Wissenschaftler. Kaum jemand erwog den praktischen Einsatz dieser mathematischen Theorie. Damals schien jedes Problem mit Computer lösbar, wenn es nur mathematisch genau genug formuliert wurde. Doch mit der wachsenden Komplexität regelungstechnischer Aufgaben entstanden mathematische Modelle, die nicht mehr mit akzeptablem Aufwand lösbar waren. Gleichzeitig konnte man aber beobachten, daß diese Prozesse durch menschliche Facharbeiter sehr gut geregelt werden konnten, beschreibt der Aachener Professor und deutsche Fuzzy-Experte Hans-Jürgen Zimmermann. Deren Wissen war kein mathematisches Modell, sondern allenfalls umgangssprachlich formuliert. Ein Beispiel aus der Zementherstellung zeigt dies: Da der Sauerstoffanteil ziemlich hoch ist, und die Brennzonentemperatur normal zu sein scheint, stelle ich den Lüftungsschieber so ein, daß sich die Abgasströmung verringert. Außerdem vermindere ich die Zufuhr des Brennstoffes geringfügig, erklärt der Facharbeiter. Solche Formulierungen lassen sich mit den von Zadeh aufgestellten Regeln erfassen und zu Stellgrößen verarbeiten. Der dänische Anlagenhersteller F. L. Smidth setzt z. B. Für den Prozeß des Zementbrennens seit einigen Jahren erfolgreich Fuzzy-Logik-Steuerungen ein. Statt den Regelungsprozeß über die Lösung langer Differentialgleichungen zu führen, werden Regelsätze definiert, nach denen die einzelnen Prozeßgrößen miteinander verknüpft werden. Zum Beispiel: WENN Temperatur= sehr hoch ODER Vorkammerdruck= über normal DANN Methanventil= etwas gedrosselt. Die konkreten Meßwerte sind dabei als umgangssprachliche Variablen erfaßt. Zimmermann: Das ist weniger Mathematik als in einem regelungstechnischen Modell, weil wir ja eben versuchen, die ganze komplexe Mathematik durch menschliches Wissen zu ersetzen. Wie wird nun so ein System realisiert? Die Antwort von Kazuaki Urasaki, Fuzzy-Experte beim japanischen Hersteller Omron, verblüfft zunächst: Mit einem handelsüblichen Mikroprozessor. In der Tat sind einfache Probleme mit Hilfe von entsprechender Software auf jedem Personalcomputer zu lösen. Erst wenn zahlreiche Fuzzy-Verknüpfungen in Echtzeit durchgeführt werden müssen, kommen die speziellen Fuzzy-Chips zum Einsatz. Einige 10000 Transistoren-Schaltungen sorgen für die schnelle Verknüpfung. Omron ist eines der ersten Unternehmen, das Fuzzy-Regler auch für den bundesdeutschen Markt anbietet. Auch deutsche Wissenschaftler schwimmen ganz vorne auf der Fuzzy-Welle mit. Die Aachener Inform GmbH beginnt dieser Tage mit der Vermarktung eines Software-Werkzeuges, zur Lösung regelungstechnischer Aufgaben mit Fuzzy. Auf der Hannover Messe Industrie präsentierten die Aachener der Öffentlichkeit ein Fuzzy-Auto. Gerade das Verhalten eines Kraftfahrzeugs unter Extrembedingungen( Schleudern,...) Ist nicht mehr analytisch zu erfassen- zu viele Faktoren bestimmen die Reaktion. Trotzdem lenkt der Fuzzy-Rechner das bis zu 80 Kilometer/ h-schnelle Gefährt sicher durch die Teststrecke. Zur Formulierung der Regeln diente die Erfahrung mehrerer Autofahrer. Doch die Fahrer werden auch in Zukunft nicht überflüssig, ebensowenig wie der Facharbeiter in der Zementfertigung- ganz im Gegenteil. Menschen können dank Fuzzy-Regelungen Störungen im Prozeßablauf unmittelbar verfolgen und entsprechend reagieren. Die Parameter sind verständlich. Ursache und Wirkung hängen anschaulich zusammen, sind einfacher nachzuvollziehen als in klassischen Regelsystemen. Komplexe klassische Steuerprogramme sind heute praktisch nur noch vom Programmierer zu warten. Die Fuzzy-Technologie verschafft dank anschaulicher Regeln und Sprache einen unmittelbaren Zugang zum Prozeß und macht ihn damit für Menschen beherrschbar. Wirkliche Fuzzy-Experten gibt es noch wenige in Deutschland. Zu der kleinen Gruppe zählt ohne Zweifel Hans-Jürgen Zimmermann, Leiter des Instituts für Unternehmensforschung an der RWTH Aachen. VDI-Nachrichten: Das Wort, Fuzzy` ist extrem schwer ins Deutsche zu übersetzen. Man hat sich allgemein auf, Unschärfe` geeinigt. Sind Sie mit dem Begriff glücklich? Zimmermann: Mit dem Begriff ist kaum jemand glücklich. Die Bezeichnung unscharf für Fuzzy soll eigentlich etwas ähnliches vermitteln, wie wenn Sie an ihrem Objektiv der Kamera den Focus verstellen. Das heißt den Übergang von einer scharfen in eine ausgeuferte Darstellung. Fuzzy als unscharf zu bezeichnen ist zwar linguistisch richtig, aber wenig attraktiv. Ich denke jedoch, daß man sich irgendwann keine Gedanken mehr darüber machen wird, was Fuzzy-Set, Fuzzy-Logic oder Fuzzy-Control wirklich heißt, sondern einfach den Terminus technicus akzeptiert. VDI-Nachrichten: Wie beurteilen Sie die Fuzzy-Entwicklungen in Europa und im Vergleich dazu in Japan. Ist der Fuzzy-Boom in Japan nur ein Marketing-Gag? Zimmermann: Wir müssen da präziser sein. Die Entwicklungen laufen nicht in Europa, sondern praktisch nur in Deutschland beziehungsweise im deutschsprachigen Raum. Die japanische Entwicklung ist typisch japanisch, und das ist auch nicht sensationell. Die Japaner haben im Gegensatz zu den Deutschen eine langfristige strategische Denkweise. Wenn sie zu dem Schluß gekommen sind, daß irgendein Ansatz Potential enthält, dann investieren sie sehr intensiv und kümmern sich nicht darum, ob es kurzfristig rentabel ist. In Deutschland hingegen wartet man auf den Pilotanwender und schaut auf die Konkurrenz. Man wartet ab, bis etwas wirklich läuft. Und wenn das halt sechs Jahre dauert, dann sind die Japaner in der Zwischenzeit fertig. Genau das ist bei Fuzzy Logic passiert. VDI-Nachrichten: Wie äußert sich das konkret in der Fuzzy-Technologie? Zimmermann: Während hierzulande die Operations Research, die Unternehmensforschung, sich mit Fuzzy beschäftigt, sind es in Japan die Regelungstechniker. Sie haben zunächst erfolgreich industrielle Anwendungen entwickelt: U-Bahnen, Kransteuerungen usw. Erst in den letzten zwei, drei Jahren wurde Fuzzy in Konsumgütern eingeführt. Für Staubsauger und Waschmaschinen dürfen auch die Chips nicht so teuer sein. Das japanische Publikum spricht sehr schnell auf derartige Entwicklungen an. Und so kam es zu der Fuzzy-Welle. VDI-Nachrichten: Drängt nun eine riesige Welle von Fuzzy-Staubsaugern und -Waschmaschinen aus auf den europäischen Markt? Zimmermann: Die Japaner wollen ihre Produkte hierher exportieren, aber das wird nicht funktionieren. Fuzzy, das bedingt Wissensbasen, die gespeichert werden müssen. Diese Wissensbasen sind abhängig von der Anwendungsumgebung. Und hier gibt es riesige Unterschiede zwischen Japan und Europa. VDI-Nachrichten: Vor einem Jahr hat hierzulande niemand über Fuzzy gesprochen. Wie kam es zu dem großen Interesse, das nun dieser neuen Technik gezollt wird? Zimmermann: Schon vor langer Zeit sind wir durch japanische Produkte darauf aufmerksam geworden, daß dort auch Stahlwerke mit Fuzzy-Control gelenkt werden und waren sensibilisiert. Der vollkommen unerwartete Durchbruch ist jedoch meines Erachtens einzig und allein durch die Medien hervorgerufen worden. Das hat positive und negative Auswirkungen. Positiv ist, daß sehr viele Leute in Deutschland darüber nachdenken, was man mit Fuzzy-Logic machen kann. Von 150 Zuschriften, die uns in den letzten zwei, drei Monaten erreichten, sind sicher 30 Prozent bis 40 Prozent sehr gute Ideen vorhanden. Die große Gefahr dieser Euphorie ist allerdings, daß zu hohe Erwartungen geschürt werden, die sich mit den vorhandenen Kapazitäten nicht befriedigen lassen. VDI-Nachrichten: Wie zeigt sich das? Zimmermann: Es besteht die Gefahr, daß sich ähnlich wie bei Expertensystemen einige scharlatanartig die schnelle Mark verdienen wollen und damit große Enttäuschungen der Nachfrager vorprogrammieren. Ich weiß noch nicht, wie wir dieser Gefahr begegnen können. Eine andere Auswirkung habe ich erst kürzlich persönlich erfahren. Auf der Hannover-Messe hätte ich sicher 20 bis 30 Hochschulabsolventen zu märchenhaften Gehältern vermitteln können, wenn sie in Fuzzy Logic fit gewesen wären. Ich bin von Unternehmen der Antriebstechnik, der Regelungstechnik, etcetera angesprochen worden. VDI-Nachrichten: Verbirgt sich da hinter der Fuzzy-Set-Theorie nicht auch ein interdisziplinärer Ansatz? Zimmermann: Die Fuzzy-Set-Theorie hat in den verschiedenen Kontinenten verschieden Fuß gefaßt. In Japan waren es die Regelungstechniker, in den USA die Informatiker, und in Europa habe ich 1975 die erste institutionelle Gruppe, die European Working Group of Fuzzy Sets, gegründet. Damals war ich noch Präsident der europäischen Operation Research Gesellschaft. Die Unternehmensforschung war schon immer interdisziplinär. Hier arbeiten Informatiker mit Ingenieuren, Betriebswirten und Psychologen zusammen. In Australien hingegen beschäftigen sich sogar Soziologen und Psychologen mit der Fuzzy-Set-Theorie. VDI-Nachrichten: Wie sind Sie denn auf die Fuzzy-Set-Theorie gestoßen? Zimmermann: Das läßt sich klar definieren. Ich gebe Vorlesungen über Entscheidungsstheorien. In den Semesterferien durchforste ich die ganze internationale Literatur, und dabei stieß ich 1972 auf einen Artikel von Bellman in der Zeitschrift Managment Science. Ich bin dann sofort nach Amerika gefahren, habe mit Bellman gesprochen und die Begeisterung stieg. Daraufhin sind wir hier in Aachen voll eingestiegen. VDI-Nachrichten: Sie haben hier in Aachen ein Software-Werkzeug, ein Tool, eine Shell, entwickelt. Wie sehen Sie die Möglichkeit, diese angesichts des immensen Booms seriös in den entstehenden Markt hineinzubringen? Zimmermann: Ich glaube nicht, daß dies sehr schwierig ist. Eine solche Shell ist nicht so einfach zu erstellen. Zur Zeit existieren drei dieser Tools: Die amerikanisch-japanische Firma Togai bietet seit zirka einem Jahr eine Shell, Fuzzy C, an. Diese benutzt das Pre-Compiler Concept und erzeugt aufgrund eingegebenen Wissens ein C-Programm. Baut man z. B. Einen Regler auf, so muß man in der Testphase immer wieder die Wissensbasis aktualisieren. Ein sehr umständlicher Weg. In ähnlicher Weise arbeitet ein von der Firma Omron für ihren Fuzzy-Chip entwickelter Tool, der bereits in Japan auf dem Markt ist. Unser Tool arbeitet nach einem anderen Prinzip. Es ist eine Online-Entwicklungsumgebung. Man kann in jeder Phase die unmittelbaren Auswirkungen von Änderungen erkennen. Damit haben wir hier in Deutschland das fortschrittlichste Software-Entwicklungs-Werkzeug. Das ist keine Überraschung, denn wir haben auch viel später angefangen als unsere Kollegen. Die Nachfrage danach ist sehr groß. Eine Demo-Version steht zur Verfügung, und das Tool selbst wird Ende Mai auslieferbar sein. Ein Problem dürfte allerdings sein, das Know-How der Benutzung zu vermitteln. VDI-Nachrichten: Können Sie dieses Software-Entwicklungs-Werkzeug als Hochschule vermarkten? Zimmermann: Nein, wir haben uns auf die Forschung beschränkt. Um den Nutzen der Operation Research zu zeigen, haben wir allerdings vor 20 Jahren ein Softwarehaus gegründet, die Inform, die die hier gesammelten Forschungsergebnisse in ein professionelles Tool umgesetzt hat und es vermarktet. Wir arbeiten aber auch mit Omron und mit Siemens zusammen. VDI-Nachrichten: Die Inform ist eine kleine Firma, Siemens dagegen ein Riese. Ist die Fuzzy-Technologie eine Technologie für kleinere innovative Unternehmen? Zimmermann: Kleinere Unternehmen sind flexibler, ehe ein großes Unternehmen auf derartige Züge aufspringt, das dauert. Siemens allerdings hat sich sehr früh engagiert und sich seit letztem Jahr bemüht, Kapazitäten aufzubauen. Aus Holland und der früheren DDR wurden Leute angeworben für die Forschungsabteilung. Dort arbeiten jetzt rund zehn Spezialisten. Für Siemens eine kleine Abteilung, die aber vollkommen mit den Kapazitäten bei Inform vergleichbar ist. VDI-Nachrichten: Wo sehen Sie denn zukünftige Anwendungsfelder der Fuzzy-Set-Theorie? Zimmermann: Ich halte die Konsumgüteranwendungen, wie sie sich in Japan auftun, gar nicht für die wichtigsten. Die gesamte Antriebstechnik, die Steuerung von chemischen Anlagen, die Brems- und Verkehrstechnik, könnte davon viel mehr profitieren. Auch im Maschinenbau, in der Herstellung von Sondermaschinen, tut sich ein Feld auf. Dort, wo man bislang nicht automatisieren konnte, wo meist durch Menschen die Probleme gelöst wurden. Außerdem tut sich ein völlig neues Gebiet auf, wo wir uns stark engagieren müssen: der Umweltschutz und damit zum Beispiel die Steuerung von Klär- und Filteranlagen. Im Bereich der Expertensysteme läßt sich noch nicht absehen, wie auf vielerlei Weisen Fuzzy Sets eingesetzt werden können. Denken Sie auch an Entscheidungsvorbereitungen und strategische Planungen. VDI-Nachrichten: Hatten Sie nicht jahrelang das Gefühl eines einsamen Rufers in der Wüste, eines Missionars, und wie fühlen Sie sich jetzt angesichts der plötzlichen Welle? Zimmermann: Dieses Gefühl hatte ich oft in den letzten 18 Jahren. Diese Welle jetzt hat mich zwar sehr überrascht, aber es macht mich auch zufrieden, daß sich etwas als sinnvoll herausgestellt hat, was ich schon immer als sinnvoll angesehen habe. Ich hätte mir allerdings gewünscht, daß diese Welle nicht so plötzlich gekommen wäre, sondern in etwas abgeschwächterer Form. Diese Wahl jedoch hat man nicht, und wir werden versuchen, das Möglichste daraus zu machen. Von Lotfi A. Zadeh vor über 25 Jahren als Zweig der Mathematik formulierte Theorie. Sie sollte die Grenzen der starren zweiwertigen Logik( wahr/ falsch) überwinden und sich dem menschlichen Denken annähern. Die Linguistische Variable ergänzt die Möglichkeiten der klassischen Logik wahr und falsch mit umgangssprachlichen Wertungen: ziemlich falsch, recht wahr, weniger wahr. Sie ordnet diesen umgangssprachlichen Formulierungen exakte Werte zu, mit denen gerechnet werden kann. Mathematischer Regelsatz für das Verknüpfen Linguistischer Variablen. Wird oft als Synonym für die gesamte Fuzzy-Technologie verwendet. Lösung regelungstechnischer Aufgaben mit den Methoden der Fuzzy-Set-Theorie. Meßwerte, Stör- und Regelgrößen werden als Linguistische Variable aufgefaßt und miteinander nach bestimmten Regeln verknüpft. Diese Regeln können umgangssprachlich formuliert werden. Als Ergebnis der Verknüpfung erscheint wiederum eine exakte Steuergröße. Es ist keine mathematische Modellierung des Gesamtprozesses notwendig. Das Fuzzy-Logic-Fieber, das den japanischen Markt ergriffen hat, zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie die Japaner an neue Techniken herangehen. Dabei werden die Schnelligkeit und die Gründlichkeit deutlich, mit der Informationen über potentiell nützliche technische Entwicklungen sich in der japanischen Gesellschaft verbreiten. Das heißt nicht, daß die Technik an sich unbedingt bei den Konsumenten verstanden wird. Dennoch ist es den Herstellern gelungen, in den Verbrauchern das Bedürfnis für das Begehrenswerte in der Technik zu wecken. Matsushita gehört unter den japanischen Herstellern von Verbraucherelektronik mit zu den aktivsten Verfechtern der neuen Fuzzy-Logic-Technik und stellte in den vergangenen Monaten vielfältige Produkte in diesem Sinne vor. Dazu gehören unter anderem ein Staubsauger, der in der Lage ist, seine Saugstärke auf die Qualität des Teppichs und die Schmutzmenge einzustellen. Mittlerweile sind auch Matsushitas Reiskochtöpfe mit Fuzzy-Logic-Funktionen ausgestattet sowie die neuesten Camcorderversionen NV-S1 und NV-S5, die nun auch schwierige Lichtverhältnisse messen können, indem sie die Belichtung sowohl auf den Menschen als auch auf die Objekte einstellen. Mitsubishi Heavy Industries kam außerdem mit einem Kühlgerät auf den Markt, das den Elektrizitätsverbrauch um bis zu 24 Prozent verringert. Mittlerweile wird in Japan intensiv Forschung- und Entwicklung an Fuzzy-Logic betrieben. Neben dem Laboratory for International Fuzzy Engineering Research( Life) in Yokohama, das vom Miti ins Leben gerufen wurde und Grundlagen- sowie anwendungsorientierte Forschung zur Fuzzy-Theory betreibt, wurde ein neues staatliches Forschungsinstitut im Süden Japans für die Entwicklung von Fuzzy-Halbleitern für den Einsatz in Computern ins Leben gerufen. Doch die Fuzzy-Logic findet auch Einzug in industrielle Anwendungen: Die Einsatzbereiche reichen von Feueralarmanlagen bis hin zu Stoffärbereien. Zu den Vorreitern beim Einsatz der Fuzzy-Logic-Theorie gehört die Untergrundbahn in Sendai. Die neue Technik wurde von dem Elektrokonzern Hitachi gemeinschaftlich mit dem Sendai Municipal Transportation Bureau entwickelt. Die Aufgabenstellung war dabei, ein System zu finden, daß das abrupte Rucken beim Anfahren und Bremsen der Züge verhindert, weil dieses immer wieder zu Unfällen und Verletzungen bei den Passagieren führt. Mit Fuzzy Logic Kontrollsystemen ist es dabei gelungen, das Bremsen und Anfahren so abzustimmen, daß beide Vorgänge sehr viel sanfter ablaufen und die Fahrt in der Untergrundbahn damit sehr viel komfortabler wird. Dabei kommen die Züge in den Stationen auf nur zehn Zentimeter genau an der programmierten Stelle zum Halten. Ähnliche Argumente haben beim Einsatz von Fuzzy Logic in Fahrstühlen eine Rolle gespielt. Hitachi und Mitsubishi ist es dabei gelungen, die durchschnittlichen Wartezeiten für die Benutzer drastisch zu vermindern. Schließlich wird in der Medizin ein neuer Einsatzbereich gesehen. So eignet sich nach Angaben japanischer Forscher das Fuzzy Computer System besonders für die Diagnose von Krankheiten, weil es von der Anlage her die Konsultation und den Dialog mit dem Arzt zuläßt und auf die Individualität und zugleich Komplexität jedes einzelnen menschlichen Körpers eingeht. Monopol oder nicht Monopol- das ist in der an Dramen reichen Chip-Branche die offene Frage, die alle Gemüter bewegt. Eigentlich gibt es nur mehr zwei große Hersteller von Standard-Prozessoren für die Mikrocomputer und die industriellen Controler: Intel und Motorola. Doch in Gestalt der Risc-Prozessoren( Reduced Instruction Set Computers), die in der flexiblen Asic-Technologie gefertigt werden, kommt das alte Spiel der schnellen, marktregelnden High-Tech-Innovation wieder zum Zuge. Wilfred Corrigan, der joviale, rundliche, urbane Brite, ist zu Scherzen nur selten aufgelegt. Erstens ist die Halbleiter-Lage zur Zeit nicht übermäßig heiter und zweitens ist die kalifornische Hemdsärmeligkeit nicht seine Art. Obwohl er zu den in Ehren ergrauten Hightech-Patriarchen des Silicon Valley zählt: in den 70er Jahren als oft kritischer Nachlaßverwalter der schon recht altersschwachen IC-Urmutter Fairchild Semiconductor, und dann, ab 1981, als Chief Executive seiner eigenen, überaus erfolgreichen Firma LSI Logic. Dafür kommt Corrigans Argumentation um so geradliniger, konzis und Punkt für Punkt. Und wenn es sein muß, auch mit der notwendigen Schärfe. Kein Wunder: Er ist zugleich auch Vorsitzender und Mitgründer( 1977) der von Washington bis Tokio einflußreichen Chipmacher-Lobby SIA( Semiconductor Industry Association). Nicht erst seit dem Ansturm der japanischen Chip-Giganten hat sich die Halbleiterindustrie grundlegend gewandelt. Mit dem nonchalanten Technologie-Transfer über sogenannte Zweitliefer-Verträge ist es vorbei. Die Marktführer haben sich mit ihren dominierenden Produkten monopolähnliche Marktpositionen aufgebaut. Das Pendel schlägt zur Zeit sehr heftig in Richtung Patentschutz, definiert Corrigan die Situation, vielleicht als Folge des Polaroid-Kodak-Prozesses. Vor fünf Jahren konnte der Sofortbild-Pionier Polaroid seine Patente so gut abschirmen, daß der gelbe Riese Kodak vom Instant-Foto-Business für immer Abschied nehmen mußte. Die Asic können, wie Corrigan sehr frühzeitig in seiner Laufbahn erkannt hat, von dieser Rechtslage nur profitieren. Denn alle diese Prozesse- Intel gegen NEC, Intel gegen AMD, International Rectifier gegen Siliconix, und andere mehr- etablieren auch legal abgesicherte Wege zum Nachbau funktional äquivalenter Produkte. Früher ging es um gestohlene Maskensätze oder Prozeßdokumentation. Heute ist es der weit weniger leicht definierbare Transfer von Allgemein-Know-how in der Chip-Architektur oder im Mikrocode von Prozessen. Oder ganz einfach die Einbeziehung eines wanderlustigen Ingenieur in ein sensitives Projekt, der seine Eindrücke dann bei der Konkurrenz zur Reife bringt. Die Frage Monopol oder nicht Monopol bringt zur Zeit alle Gemüter im Silicon Valley in Rage. Eigentlich sollte es, so steht es im Lehrbuch der dnymischen Chip-Branche, ausbaufähige Marktdominanzen nicht geben. Oder nur so kurzfristig, daß immer genügend Mitbewerber mit- und gleichziehen wollen. Leider haben nun die immer kürzeren Produktzyklen paradoxerweise das Gegenteil bewirkt: So kurz sind sie geworden, daß sich oft die Wettbewerbsentwicklung eines funktionsgleichen Produktes nicht mehr rentiert. Die Japaner sind bei ihren Consumer-Produkten längst vom Second Sourcing abgegangen, merkt der Japan-Kenner Corrigan an, zumindest in den kritischen Technologien. Die Bedingungen- Marktreife in sechs Monaten, Spitzenausstoß in 90 Tagen, Produkt-Lebensdauer 12 Monate- machen es sehr schwierig, zwei oder drei Lieferanten für kritische Technologien zu kultivieren. Das ist zuviel Overhead, den keiner mehr bezahlen kann. Einzige Ausnahme: Standard-ICs, wie die populären Ram-Speicherbausteine. Bei denen kann immerhin die Stückzahl im Markt für einen lohnenden Anreiz sorgen. Ganz anders aber ist das bei den Asics, Corrigans Brot-und-Butter-Geschäft. Anders auch, zum zweiten, bei den Risc-Prozessoren. Diese Klasse von Prozessoren bilden die Gegenbewegung zu den immer noch vorherrschenden Cisc-Chips( Complex Instruction Set Computers), deren höchste Ausprägung Intels 486-Prozessor repräsentiert. Aber: Wenn Sie ein Monopol auf die Eisenbahn haben, und jemand erfindet das Flugzeug, dann können Sie Ihr Monolpol für eine ganze Weile halten, meint Corrigan bissig, doch das Geschäft geht an Ihnen vorbei. Intel und Motorola, so sieht es Corrigan, waren in der Lage, sich solche Monopole zu schaffen, Motorola auf Prozessoren im technischen Markt, Intel, wegen der Verbindung zu IBM und Microsoft, im kommerziellen Business. Glücklicherweise kamen zur gleichen Zeit, vor vier oder fünf Jahren, die Risc-Prozessoren auf. Ihr Schlüssel ist die Mehrfach-Versorgung. In anderen Worten, bei den Risc ist die Welt noch in Ordnung. Risc-Prozessoren sind denn auch einer der Bereiche, in denen sich LSI Logic intensiv engagiert. Wir sind die Nummer eins bei den Prozessoren für den Unix-Markt, teilt Corrigan ohne besondere Emotionen mit. Also bei den wissenschaftlichen und technischen Workstations. Das ist sehr synergistisch mit unseren anderen Geschäftsbereichen, den Chip-Sets und den Asics. Gewinnträchtig ist für LSI das Geschäft mit dem führenden Hersteller von Workstations, Sun Microsystems, deren Sparc-Prozessoren LSI fertigt. Von der Sparc-Station 1 wurden nach Herstellerangaben mehr 120000 Stück verkauft. Mit Hilfe der Asic-Technik konnte sie in acht Monaten produktionsreif gemacht werden. Auch die Risc-Prozessoren können natürlich kundenspezifisch differenziert werden, um Produktabgrenzungen zu realisieren. Und das kann dann auch wieder zu herstellereigenen, marktdominierenden Designs führen. Das heißt aber, so spekuliert Corrigan, die generelle technologische Entwicklung pendelt vom Monopol zur multiplen Versorgung und zurück. Können aber die Asics auch in Zukunft preisgünstig genug gefertigt werden, um mit den Standard-Produkten Schritt zu halten? Ich habe circa 200 Kunden für Chip-Sets, sagt Corrigan. Die haben keine eigenen Waferfabriken, sondern kaufen das fertige Produkt von uns, stempeln ihren Namen darauf und die Teile-Nummer- und fertig: Eine Fabrik für 200 Millionen Dollar einzurichten, wäre für sie sinnlos. Allerdings kommen hier in letzter Zeit den Systementwicklern starke Zweifel. Insbesondere, wenn es darum geht, die Asic-Technologien auch für kleinste Stückzahlen von kundenspezifischen Schaltungen nutzbringend einzusetzen. Auch Corrigan sieht das so: Sie werden sicher nicht etwas herstellen wollen, das einen intellektuellen Wert von einem oder zwei Dollar hat. Also müssen die Preise steigen, wie es die Halbleiter-Kapitalgeber und die Hersteller von IC-Fertigungsgeräten seit einiger Zeit fordern? Ich würde liebend gerne Preisanstiege prophezeien, wehrt Corrigan ab. Ich bin jetzt dreißig Jahre in diesem Geschäft. Aber das habe ich noch nicht gesehen. Derzeit besteht in den Betrieben des Handwerks kein Bedarf an der Nutzung von Online-Datenbanken. Informationen zur unternehmerischen Planung bezieht der Handwerker eher aus traditionellen Quellen. Den Handwerksberatern der Kammern wird jedoch in naher Zukunft ein computergestütztes Informationssystem zur Verfügung stehen. Die Online-Recherche in einem zentralen Host ist dabei lediglich ein Fernziel. Eine Untersuchung der Handwerkskammer Trier widmete sich vor einiger Zeit dem Informationsverhalten von Handwerkern. Ziel des Projekts war es, einen eventuellen Bedarf der Handwerkerschaft an externen Datenbanken zu ergründen. Das Ergebnis der breit angelegten Befragungsaktion überraschte nicht: In der Palette der möglichen Informationsquellen lagen die Datenbanken weit abgeschlagen an letzter Stelle. Der Handwerker bezieht das für sein unternehmerisches Handeln notwendige Know-How vornehmlich aus Gesprächen mit Kollegen und Kunden sowie aus Messebesuchen und Fachzeitschriften. Online ist nicht angesagt, faßt Harald Eiß zusammen. Er ist bei der Trierer Handwerkskammer mit der Entwicklung von Maris befaßt; dieses Kürzel steht für Marktinformationssystem. Dabei handelt es sich- gewissermaßen als Schlußfolgerung aus der Untersuchung zum Informationsverhalten der Handwerker- um eine speziell für die Berater der Kammern entwickelte Datenbank, die die Handwerksexperten in erster Linie bei Standortanalysen unterstützt. Als weiteres Ergebnis erbrachte die Untersuchung der Trierer Kammer nämlich, daß es den Handwerkern vor allem an Wissen über potentielle Absatzmärkte mangelt. Daraus wiederum resultieren, ganz besonders natürlich bei der Neugründung von Betrieben, Probleme bei der Wahl des richtigen Unternehmenssitzes. Eiß: Maris ermöglicht den Betriebsberatern der Kammern künftig sozusagen auf Knopfdruck den Abruf und die Bewertung individueller Informationen zum Absatzmarkt von zunächst zehn ausgewählten Gewerken des Handwerks. Als konkrete Informationen bietet das System zum einen Daten über den zu beratenden Betrieb selbst, zur Standortgemeinde sowie zur Konkurrenz- und Kundensituation im individuellen Absatzgebiet. Darüber hinaus werden zusätzliche Daten bereitgestellt, aus denen allgemeine Branchentrends sowie wichtige Kennzahlen aus Betriebsvergleichen hervorgehen. Das Marktinformationssystem, dessen Programmierung derzeit bei der Kammer in Trier läuft, stellt ein in der Bundesrepublik bislang einmaliges Konzept dar. Auftraggeber des in der Aufbau- und Pilotphase rund 600000 DM teuren Projekts sind die Wirtschaftsministerien des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz. Projektträger ist die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung( GMD) in Darmstadt. Im Anschluß an die Pilotphase soll Maris ab 1992 bundesweit an andere Handwerkskammern, aber auch an weitere Wirtschaftsinstitutionen vertrieben werden, erklärt Projektmitarbeiter Eiß. Er hat einer zentralen Host-Lösung zugestimmt, obgleich die Idee einer externen Datenbank für die Handwerksbetriebe vor allem im Bonner Wirtschaftsministerium wohl noch nicht völlig ausgeträumt ist. Eiß: Wir entwerfen mit Maris gewissermaßen den strukturellen Rahmen für die Informationen, die Daten müssen vor Ort selber eingegeben werden. Die Kammern sollen dabei unter anderem- per Diskettenversand- auf Material der statistischen Landesämter oder von Markt- und Wirtschaftsforschungsinstituten zurückgreifen. Allerdings sind diese Daten allein für den spezifischen Bedarf der Handwerksbetriebe zu ungenau. Der besondere Vorteil der dezentralen Datenbank-Variation für die Handwerker liegt in der konsequenten Ausrichtung auf die einzelnen Gewerke sowie in der starken Regionalisierung des Datenpools. Denn der Markt für einen Handwerker umfaßt in vielen Fällen nur wenige Orte, verdeutlicht Eiß. Mit anderen Worten: exakt am konkreten Bedarf der Handwerkerschaft orientiert sind- und wenn diese Inhalte dem Handwerker von qualifizierten Fachberatern aufgezeigt werden. Kein Wunder also, daß Harald Eiß bereits jetzt ein starkes Interesse an Maris verzeichnen kann: Das System trifft auf die breite Zustimmung der potentiellen Nutzer in vielen Handwerksorganisationen, weil es als Hilfsinstrument für schnellere, fundiertere und effizientere Betriebsberatungen eine große Lücke der zielorientierten Informationsweitergabe schließt. Mit Angeboten wie Maris dürfte die Datenbank-Abstinenz des Handwerks über kurz oder lang beendet werden. Freilich auf andere Weise, als sich das die Anbieter externer Hosts erhofft hatten. Hochleistsungsprozessoren aus dem Material Gallium-Arsenid sind das Geheimnis des neuen Rechners von Convex. Mit Leistungen im Gigaflop-Bereich will der Marktführer klassischer Mini-Supercomputer jetzt gegen Cray antreten. Wer sich eine Cray bisher nicht leisten konnte, dem bieten wir jetzt die Alternative, gibt Geschäftsführer Helmut Mühl-Kühner selbstbewußt in der Frankfurter Convex-Geschäftsstelle laut. Während bei Anwendern von Cray-Maschinen bisher Convex meist nur die Vorrechner für die großen Numbercruchner stellte, will der Marktführer bei Mini-Supercomputern jetzt direkt Cray Paroli bieten. In der Tat: Die neue Convex C3 hat es in sich. Mit seinen wahlweise bis zu acht parallel arbeitenden zentralen Recheneinheiten( CPUs) bringt es der neue Hochleistungsrechner aus Texas auf Spitzenleistungen von immerhin 2 Milliarden Gleitkommaoperationen in der Sekunde( 2 Gigaflops) bei 32 bit Datenbreite oder 1 Gigaflop bei den im Supercomputing zumeist üblichen 64-bit-Anwendungen. Die Texaner liegen damit im Leistungsformat einer Cray Y-MP, die bei vier Prozessoren mit rund 1,3 Gigaflops( 64 bit) aufwartet. Da können wir locker mithalten, verkündet Mühl-Kühner, denn ausschlaggebend sei die Leistung in der Anwendung. So soll bei der Berechnung von Finite-Elemente-Programmen wie Ansys S2, das schlecht zu vektorisieren oder parallel zu verarbeiten ist, die C3 mit acht CPUs rund 30 Prozent schneller sein als eine Y-MP/ 832. Und beim Benchmark-Test nach Monte Carlo Transport Code zur Untersuchung von Ausbreitungen in turbulenten Strömungen habe die C3 mit einer einzigen CPU immerhin bereits 55 Prozent einer Y- MP/ 816 gezeigt und ziehe dabei gleich mit einer Cray-2. Als vergleichsweise attraktiv bezeichnet Mühl-Kühner die finanziellen Aufwendungen. Je nach Ausbaustufe reichen die Preise von 3,5 bis 12,5 Millionen DM. Und mit lediglich 45 kW elektrische Anschlußleistung zeigt sich die neue Maschine sogar als Sparbüchse bei den Betriebskosten. Ursache: Die aus dem vielversprechenden neuen Halbleitermaterial Gallium-Arsenid( GaAs) gefertigte Rechenlogik. Damit ist das neue Topmodell der erste Superrechner mit Mikroprozessoren aus Gallium-Arsenid, stellt Entwicklungs-Chef Stephen Wallach fest. Rechen-Chips aus diesem Werkstoff zeigen die Eigenschaft, nicht nur mit höheren Taktfrequenzen arbeiten zu können, sondern gleichzeitig um rund den Faktor vier bis fünf weniger elektrische Energie zu schlucken als bislang üblich in CMOS oder ECL. Ein enormer Vorteil. So kommt der neue Numbercruncher ebenfalls nur mit Luftkühlung aus wie alle bisherigen Convex-Maschinen. Auffällig ist die markante Form der neuen Convex-Maschine: Halbkreisförmig fächern sich vier mannshohe CPU-Schränke um den zentralen Arbeitsspeicher. Jede Box enthält zwei gewaltige CPU-Platinen, jede 20 kg wiegend bei 0,5m2 Fläche. Beidseitig mit Elektronik dicht gepackt besitzt jedes Bord außerdem seinen eigenen Transformator zur unabhängigen Stromversorgung. Allein tausend Pins verbinden jede Rechenplatine mit der Außenwelt. Gallium-Arsenid-Bausteine in rund 30 verschiedenen Chip-Designs als Gate-Arrays enthält der Rechner, gefertigt allesamt bei Vitesse Semiconductor in Strukturbreiten von 0,8 PI352 m. Die größten Bausteine davon umfassen bis zu 45000 Logikschaltungen. Die Taktrate beträgt 60 MHz. Vergleichsweise riesig ist der zentrale Arbeitsspeicher: maximal 4 GByte, das Doppelte der C2. Mit 4 GByte weist auch der virtuelle Speicher viel Platz auf. Solche virtuellen Speicher sind im Supercomputing wichtig, wenn das Rechenprogramm nicht vollständig in den( physikalisch vorhandenen) Arbeitsspeicher paßt. Auf Durchsatz getrimmt ist ebenso der sogenannte Crossbar. Das ist die mit viel schneller Logik bestückte Kommunikationsdrehscheibe, über die jede CPU mit immerhin 500 MByte/ s gezielt auf den Arbeitsspeicher zugreifen kann. Wir haben jetzt alles in Giga, jubelt denn auch Marketing-Chef Doktor Harald Meier-Fritsch, Gigaflops, Giga-Memory und Gigabyte pro Sekunde. Die enorm hohen Raten, Daten ein- und auszulesen, seien nicht zuletzt wegen neuer Aufgaben im Supercomputing nötig. Neben der klassischen Aufgabe, als reiner Rechenserver eine Vielzahl von Workstations zu bedienen, etwa in der Analyse mechanischer oder chemischer Problemstellungen, steige der Bedarf an Hochleistungs-Fileservern und Datenbankrechnern mit kurzen Antwortzeiten. So kommt beispielsweise das Krebsforschungszentrum Heidelberg ohne einen Mini-Supercomputer( Convex C2) als reinen Datenbankrechner für die Sequenzanalyse bei Proteinen nicht aus. Und auch das Rechenzentrum an der Universität Stuttgart sah sich bei der raschen Handhabung seiner riesigen Datenbestände in einem Dilemma: Während die Wissenschaftler auf ihrer Cray-2 rechnen, dient ihnen eine zusätzliche Y-MP lediglich zum Verwalten, Heranschaffen und Konvertieren der Informationen. Auch der Bedarf der Industrie an leistungsstarken Netzwerk- und File-Servern ist riesig, spielt Mühl-Kühner auf die weiter wachsende große Zahl an vernetzten Workstations in den Unternehmen an. Besonders auch in kommerziellen Anwendungen, wie der Suche nach Informationen in riesigen Konzern-Datenbanken. Wer da nicht uralte Cobolprogramme fährt, ist mit einer Convex gut bedient. Das bislang auch von Cray und anderen ungenutzte Marktpotential für das neue Flaggschiff C3 sieht Mühl-Kühner in der Bundesrepublik bei rund 50 Einheiten. Kein Wunder, klafft doch in der Preisklasse zwischen 5 und 15 Millionen DM bislang ein gehöriges Loch. Rund 140 von 7000 Arbeitsplatzcomputern in der Verwaltung des Bundes sind von Viren verseucht. Das ergab eine Überprüfung, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im gesamten Bundesgebiet veranlaßt hat. Wie das Innenministerium in Bonn weiter mitteilte, wären immerhin 10 Prozent der Viren in der Lage gewesen, ernste Schäden anzurichten. 70 Prozent der entdeckten Viren seien weitgehend harmlos und 20 Prozent hätten Programme zerstören können. Neue Hand-Computer für mobile Anwendungen hat die Andromeda GmbH entwickelt. Das Kommunikationssysten kann nach Angaben des Münchener Herstellers überall dort eingesetzt werden, wo zwischen einer Zentrale und mobilen Benutzern Nachrichten und Handskizzen ausgetauscht werden sollen oder eine kabellose Verbindung zwischen einem tragbaren Computer und einer Maschine benötigt wird. Das System basiert auf dem mobilen Hand-Computer AndroDat, der einen taschenbuchgroßen, berührungsempfindlichen LCD-Bildschirm besitzt. Die Eastman Kodak Co hat eine neue optische Speicherplatte mit einer Kapazität bis 10,2 GByte herausgebracht. Nach Angaben des Unternehmens ist dies weltweit die größte Speicherkapazität von im Handel erhältlichen Bildplatten. Die im Durchmesser 14 Zoll große Platte hat eine um 50 Prozent größere Kapazität als ihr Vorgängermodell, das 6,8 GByte speichern kann. Trends und Neuentwicklungen von Softwareprodukten behandelt die Tagung Zukunft der Software am 29. Mai in der Bauhochschule Cottbus. Auf der von Compusoft, Lübben, organisierten Veranstaltung( 15 DM Unkostenbeitrag) werden auch lokale Netze, CAD- und CIM-Lösungen sowie die Rechtslage im Softwarebereich dargestellt. Zu einem symbolischen Preis können Lizenzen für bereits genutzte MS-Dos-Programme erworben werden. MAS-1600 heißt ein neuer Automatisierungsbaukasten, den Jenoptik Carl Zeiss Jena in Saalfeld/ Thüringen entwickelt hat. Die Anwendung des Systems sieht der Hersteller in der sicherheitstechnischen Überwachung von Krananlagen, der Datenerfassung und -verarbeitung in der Umwelttechnik sowie der prozeßorientierten Steuerung von Galvanikanlagen. Nachrüstung durch Aufsteckmodule, Konfigurationsmöglichkeiten mit seriellen und parallelen Anschlüssen und Bildbearbeitungsmöglichkeiten sind Eckdaten dieser Neuentwicklung. Mit drei neuen Rechnern will Hewlett-Packard seine Stellung als Marktführer bei Workstations weiter gegen die Flankenangriffe seiner Wettbewerber ausbauen. Beim Kauf können die Kunden ihre Altrechner in Zahlung geben. Viel Mips für wenig Geld. Unter dieser Vorgabe präsentierte der Computerhersteller Hewlett Packard jetzt die ersten drei Workstation-Rechner 720, 730 und 750 seiner neuen Serie 700 mit Risc-CPU. Gleichzeitig ziehen die Strategen aus Böblingen ganz neue Seiten im Vertrieb auf: Altrechner werden in Zahlung genommen, gleichgültig welches Fabrikat. Was bei Autos gut ist, kann für Computer nicht schlecht sein. So bietet Hewlett Packard jetzt zwischen 3000 und 9000 DM für jede in Zahlung gegebene Workstation beim Neugeschäft. Das alte Eisen( das funktioniert ja immer noch prima) werde aufgemöbelt, mit neuen Komponenten versehen und wieder verkauft. Über die Märkte wollte man sich bei Hewlett Packard noch nicht äußern; der Vertriebsweg sei noch nicht ganz fertig. Doch daß der Ostmarkt mit seinen knappen Devisen daran besonderes Interesse zeigt, stehe außer Zweifel. Das Angebot der Böblinger ist durchaus lockend: Rechnerhardware, nach zumeist vier Jahren steuerlich auf 1 DM abgeschrieben und leicht als veralteter Computerschrott ausgebucht, drückt beim Neugeschäft noch einmal kräftig auf den Preis. 10 Prozent sind auf diese Weise immer noch drin. Kein Wunder beim Preis-/ Leistungsverhältnis der neuen Rechner. Mit 57 Mips( Millionen Instruktionen pro Sekunde) für 26000 DM liegt bei der 720 das Mips bei mittlerweile deutlich unter 500 DM. Auf 42000 DM kommt die 730, leistet 76 Mips und ist bereits mit 210-MByte-Festplatte ausgerüstet. Die Maschine 750 soll bei gleicher Leistung, doppeltem Cache-Speicher und mit 660-MByte-Platte rund 87 000 DM kosten. Allen Maschinen gemeinsam ist eine enorm hohe Grafik-Leistung von über einer Million 2D-Vektoren in der Sekunde. Das stellt die Wettbewerber IBM( RS6000/ 320), Digital( Decstation 5000) oder SUN( Sparcstaton 2) leicht ins Abseits. Die Grafik-Leistung ist identisch mit der Serie 400, einer Workstation, die HP im letzten Sommer vorstellte und die auf dem Motorola-Prozessor MC68040 basiert. Insgesamt setzt sich die Produktlinie der Workstation-Rechner bei HP jetzt aus den Serien 400, 700 und dem oberen Ende DN-10000 zusammen, einem Überbleibsel aus der Apollo-Ära. Das erweiterte Unix-Betriebssystem HP-UX in der Version 8 .0 Unterstützt nicht nur die beiden CPU-Prozessoren wie Motorola MC68040 der 400er Serie und die HP-eigene Risc-Entwicklung PA( Precision Architecture) der 700er Serie, sondern wurde mit weiteren Merkmalen versehen: Etwa SoftPC 3 .0, Womit sämtliche DOS-Programme auf den Unix-Rechnern betrieben werden können. Oder OSF/ Motif. Oder HP-VUE 2.01, Einer grafischen Benutzeroberfläche. Unterstützt werden alle drei Netzwerkstandards Ethernet/ FDDI, TCP/ IP und Network File System( NFS). Das ehemals von Apollo entwickelte Network-Computing-System NCS ist selbstverständlich. Nach wie vor sei die Münchner Siemens bei HP größter Einzelabnehmer an Workstations in Europa. Das Erbe aus Apollo-Zeiten sei erst dieser Tage durch einen neuen Vertrag mit den Münchnern wieder besiegelt worden. Dennoch soll das Abnahmevolumen früher größer gewesen sein. Dafür werden Hitachi( Japan) und Samsung( Korea) die PA-Risc-Workstations von Hewlett Packard in Lizenz fertigen und im asiatischen Markt vertreiben. Zur diesjährigen Weltmesse für Maschinen und Ausrüstungen der Holz- und Forstwirtschaft der in Hannover vom 8. Bis 14. Mai ausgerichteten Ligna '91 präsentierten sich Deutschlands Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen bereits mit vollen Auftragsbüchern und zweistelligen Zuwachsraten. Dennoch sind die west- und ostdeutschen Unternehmen weit davon entfernt, sich auf ihrem Lorbeer auszuruhen. Denn während die zunehmende Globalisierung des Wettbewerbs den Trend zur rechnergestützten Durchdringung ganzer Produktionssysteme bestärkt, greifen die bundesdeutschen Maschinenbauer zur freiwilligen Selbstverpflichtung in puncto Ergonomie und Qualität, um ihre führende Marktstellung zu sichern. Das verflixte siebte Jahr haben die bundesdeutschen Holzbearbeitungsmaschinenhersteller denkbar gut überstanden. Nach Angaben der Fachgemeinschaft Holzbearbeitungsmaschinen im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau( VDMA) hielt der Aufwärtstrend in der Branche auch im vergangenen Jahr unvermindert an. Mit einem voraussichtlichen Produktionswert von 4,5 Milliarden DM und einem Zuwachs von 15 Prozent konnten die deutschen Hersteller damit ihre Weltspitzenposition vor Italien, den USA und Japan sogar noch ausbauen. Die 250 überwiegend mittelständischen Betriebe mit insgesamt rund 25000 Beschäftigen erzielten dank der soliden Auftragsdecke zugleich eine überdurchschnittlich hohe Steigerung ihrer Produktivität. So betrug 1990 der Produktionswert je Beschäftigtem 180000 DM gegenüber 160000 DM im gesamten deutschen Maschinenbau. Als Zugpferde der Holzmaschinenkonjunktur gelten nach wie vor die Homag in Schopfloch, derzeit weltweit größter Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen, Andreas Stihl aus Waiblingen, Michael Weinig in Tauberbischofsheim, Siempelkamp in Krefeld sowie die Ima-Norte Maschinenfabriken in Gütersloh. Werner Neubauer, Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Holzverarbeitungsmaschinen im VDMA, führt die Erfolgssträhne der deutschen Hersteller auf die außerordentlich große Breite ihrer Produktionspalette, das umfassende Know-how und die Flexibilität der Branche zurück. Der VDMA-Mann: Dazu gehören leistungsfähige Sägewerksmaschinen ebenso wie komplette Anlagen zur Herstellung von Holzwerkstoffen, flexible Maschinensysteme und Bearbeitungszentren zur Möbelfertigung sowie Maschinen für den Tischler und Schreiner, einschließlich handgeführter Geräte und Elektrowerkzeuge für den Heimwerksbereich. Von unschätzbarem Vorteil, so Neubauer, sei überdies die Kompetenz der deutschen Hersteller im logistischen Bereich. Sie umfasse nicht nur Konzeption, Planung und Inbetriebnahme kompletter Fabrikationsanlagen, sondern reiche von der Entwicklung kundenspezifischer Software bis zur Schulung und Ausbildung der Kundenmitarbeiter, Handwerker und Prozeßingenieure. Diese Angebotstruktur sicherte den deutschen Holzbearbeitungsmaschinenproduzenten die vordersten Plätze auf den Exportmärkten. Unter den Maschinen und Anlagen, die in mehr als 160 Länder gingen, zählen vor allem jene zur Herstellung von Holzwerkstoffen, Kehl- und Fräsmaschinen, mehrstufige Format- und Kantenbearbeitungsmaschinen sowie flexible CNC-programmierbare Bearbeitungsstationen. Zu 70 Prozent bestimmten in den ersten drei Quartalen des Vorjahres die europäischen Länder das Exportgeschäft der Branche, gefolgt von Nordamerika mit 13,4 Prozent und Asien mit 10,9 Prozent. Erstmals seit vielen Jahren belebten sich auch die Geschäftsbeziehungen mit der UdSSR, da die dortige Möbelindustrie kräftig in neue, modernere Anlagen investierte. Eine Exportanalyse des Müncher Ifo-Instituts bestätigte den Deutschen inzwischen ihr gutes Abschneiden im Rahmen der OECD-Exporte vor den USA und Italien. Während Japans Maschinenbauer im Bereich der Holzbearbeitungstechniken eher eine Nebenrolle spielen, mauserten sich Produzenten wie Taiwan dagegen vor allem bei Standardmaschinen zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz. High-tech aber zeichnet vornehmlich die Produkte made in Germany aus. Branchenkenner führen dies auf den hohen Anteil elektronischer Komponenten zurück, die dem Trend folgend, immer häufiger zur Steuerung flexibler Fertigungsketten in Holzwirtschaft, Handwerk oder Möbelindustrie zum Einsatz kommen. Nach Einschätzung von Dieter Siempelkamp, Vorsitzender der VDMA-Fachgemeinschaft Holzbearbeitungsmaschinen, drängt die Marktentwicklung dabei eindeutig in Richtung konsequente Realisierung der Kompatibilität zwischen verschiedenen Bearbeitungsprozessen, wobei komplette Systeme bislang übliche Insellösungen immer mehr verdrängen. Diese Tendenz zeichnet sich nach den Worten Siempelkamps bereits deutlich bei den mechanischen Komponenten ab. Ins Blickfeld rücke jedoch ebenfalls die elektronische Kompatibilität, auf deren Durchsetzung sich Forderungen des Umweltschutzes und der Ergonomie beschleunigend auswirkten. Siempelkamp: Tragender Grundgedanke der Kompatibilität ist die optimale Materialausnutzung, reduzierter Energieverbrauch und gleichbleibende Maßhaltigkeit und Qualtität der gefertigten Produkte. Wie Branchenvertreter versichern, bleiben Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit auch künftig Markenzeichen deutscher Holzverarbeitungsmaschinen und -anlagen. Um dem Versprechen Nachdruck zu verleihen, gaben bereits 26 Holzbearbeitungsmaschinenhersteller, die VDMA-Fachgemeinschaft, die Holzberufsgenossenschaft sowie das Institut für Werkzeugmaschinen an der Universität Stuttgart die Gründung einer Forschungs- und Prüfgemeinschaft Holzbearbeitungsmaschinen( FPH) mit Sitz in Frankfurt am Main bekannt. Deren Mitglieder verpflichten sich nämlich, nur Geräte, Maschinen und Anlagen zu entwickeln, zu produzieren und auszuliefern, die den neuesten Erkenntnissen der Technologie, der Ergonomie und der Sicherheitstechnik entsprechen. Die FPH soll dabei die Funktion einer Prüfstelle wahrnehmen, die auf der Grundlage von Meßprotokollen autorisiert ist, den nach CEN-, DIN- und Iso-Normen unter die Lupe genommenen Maschinen ein Qualitätszertifikat zu verleihen. Holzstaub- und Lärmemissionen stehen dabei nach Auskunft der freiwilligen Selbstkontrolleure obenan. Ein erster Entwurf zur DIN-Normung der Holzstaubmessungen liegt bereits vor. Der Vorteil für den Käufer einer FPH-geprüften Anlage: Weitere, unter Umständen mit Auflagen verbundene Überprüfungen durch die Gewerbeaufsicht entfallen. Wenige Tage nachdem die Werkzeugmaschinen-Messe EMO '91 in Paris ihre Tore geschlossen hat, veranstaltet die NC-Gesellschaft, Ulm, ihre Tagung EMO-News 1991. Mit dem Tagungsort Leipzig soll gleichzeitig ein Zeichen für den neuen Werkzeugmaschinen-Messeplatz( Meba '92) gesetzt werden. Zum Programm: Übersichtsvorträge der TU Chemnitz und Stuttgart zu den wichtigsten EMO-News. Fünf Referenten, die als Anwender Lösungen für ihre Fertigungskonzepte auf der EMO suchten, werden berichten. Auch Anbieter von Werkzeugmaschinen, Steuerungen, DNC-Konzepten usw. Kommen zu Wort. Anwender aus den neuen Bundesländern können an der Veranstaltung kostenlos teilnehmen. Oberflächenforschung in den fünf neuen Bundesländern: Das Institut für Fertigungsmeßtechnik und Qualitätssicherung der Technischen Universität Chemnitz führt vom 3. Bis 5 .2 .1992 Das achte Internationale Oberflächenkolloquium durch. Schwerpunkte des Kolloquiums sind unter anderem die funktions- und fertigungsgerechte Tolerierung von Gestaltsabweichungen unter Berücksichtigung von CAD/ CAM-Systemen, Probleme der internationalen Normung von Kenngrößen und Meßaufgaben für Gestaltsabweichungen, die Messung von Form- und Lageabweichungen sowie die Auswertung der Oberflächenrauigkeit. Japanische Werkzeugmaschinenbranche rückläufig: Um 7,6 Prozent auf 106,1 Milliarden Yen( 100 Yen PI1601,23 DM) nahmen die Aufträge der japanischen Werkzeugmaschinenhersteller im Februar gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres ab. Damit wurde nach Angaben des Branchenverbandes im dritten aufeinanderfolgenden Monat ein Rückgang des Auftragseingangs verzeichnet. Die Entwicklung wird als Zeichen dafür gewertet, daß die Privatwirtschaft ihre Ausrüstungsinvestionenen verringert, nachdem sie bis zum Herbst vergangenen Jahres rege investiert hatte. Der Auftragsbestand belief sich Ende Februar auf 619,4 Milliarden Yen und lag damit um 0,6 Prozent niedriger als im Januar. General Motors sondiert derzeit mehrere Standorte in Europa für ein neues Getriebewerk. Gute Chancen hat hierbei, wie in Wien verlautete, auch der Standort Wien-Aspern. General Motors benötigt bis 1992/ 93 zusätzliche Kapazitäten für 250000 Getriebe in Europa. Ursprünglich war die 3- Milliarden -Dollar-Investition in Form eines gemeinsamen Joint-Ventures mit der slowakischen Autofabrik BAZ in Bratislava geplant gewesen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, vor allem an der von General Motors geforderten Steuerfreiheit für zehn Jahre. Härteste Konkurrenten für das neue Getriebewerk sind die neue Opel-Produktion in Eisenach sowie die GM-Tochter Saab in Schweden. Auch Spanien werden gute Chancen eingeräumt. Der britische Konzern Lucas ist von Toyota in die Gruppe der britischen Anbieter von Autoteilen aufgenommen worden, die das neue Toyota-Montagewerk in Burnaston beliefern sollen. Lucas hat Verträge über die Lieferung von Prototypen mit Toyota geschlossen. Dabei handelt es sich um Hinterachsbremsen, Batterien und Kabelbäumen. Toyota hat bereits 80 Prozent der 150 Komponenten-Anbieter für das Werk in Burnaston ausgewählt. Die Hälfte der Anbieter stammt aus Großbritannien, die andere Hälfte vom europäischen Festland. Mit allen Zulieferern wurden bisher Verträge über die Lieferung von Prototypen vereinbart. In der japanischen Bauindustrie wird derzeit intensiv über den verstärkten Einsatz von Robotern nachgedacht. Dabei ist zu beobachten, daß die Tendenz weggeht von Spezial-Robotern hin zu computergesteuerten Bausystemen. Shimizu Corp zum Beispiel spricht vom Smart System und entwickelte eine Anlage zur Montage von stählernen Hochbauten. Diesen robotisierten Anwendungen außerhalb der Fabrik wird ein großer Markt vorhergesagt. Je schwieriger es für die japanischen Bauunternehmen wird, Arbeitskräfte zu finden, desto stärker wird darüber nachgedacht, gezielt menschliche Arbeit durch intelligente Maschinen zu ersetzen. Wie aus der technischen Entwicklungsabteilung von Takenaka Corp. Zu hören ist, hinkt die Bauwirtschaft bisher eindeutig hinter der produzierenden Industrie her, wenn es darum geht, Arbeitsprozesse zu automatisieren. Takenaka hat daher eine umfangreiche Umfrage gestartet, um zu erfahren, in welchen Bau-Bereichen Automatisation am dringlichsten notwendig sei. Priorität wird dabei besonders denjenigen Arbeitsvorgängen auf Baustellen gegeben, die als schmutzig, körperlich hart und unangenehm beziehungsweise gefährlich gelten. Dazu zählt nicht zuletzt das Gießen von Beton. In den vergangenen Jahren wurden daher zahlreiche Roboter auf Japans Baustellen eingeführt. Kenner der Szene gehen von derzeit rund 50 verschiedenen Roboter-Typen aus. Dabei haben diese Maschinen in erster Linie Aufgaben wie das Schweißen und die Montage von Stahlseilen oder Malerarbeiten übernommen. Doch trotz so mancher Anstrengungen in diesem Bereich, stoßen die Geräte dennoch nicht gerade auf Gegenliebe. Kritiker sehen die Automaten nicht als technischen Fortschritt sondern als Mittel zur effektiven Kostenreduzierung und damit als arbeitskräfteeinsparend an. Zu den Pionieren beim Einsatz moderner Roboter-Techniken auf der Baustelle gehört Ohabayashi Corp. Mit Sitz in Osaka. Das Bauunternehmen hat ein automatisiertes System entwickelt, für das bereits sechs Patente angemeldet wurden. Das Unternehmen arbeitet mit einem Super-Construction-Floor. Dieses SCF-System funktioniert so, daß Pfeiler mit eingebauten hydraulischen Zylindern in gleicher Konfiguration wie das zu errichtende Gebäude aufgestellt werden. Es besteht ferner aus Kränen, die an der Decke entlanglaufen. Diese Kräne werden von Robotern gesteuert und können sowohl schweißen wie auch Inspektionen machen als auch Außen- und Innenverkleidungen befestigen. Vorgefertigte Pfeiler, Raumteiler, Bodenbeläge, Deckenverkleidungen und Balken werden von Robotern mit Transportern vom Lagerhaus zur Baustelle befördert. Nachdem ein Stockwerk fertiggestellt wurde, wachsen die hydraulischen Zylinder wieder in die Höhe, und damit wird das SFC-System ein Stockwerk höher plaziert. Nach Vorschlägen der Shimizu Corp. Sollen bei einer ähnlichen Montage-Methode die obersten Stockwerke zuerst am Boden fertiggestellt werden. Im folgenden werden dann die weiteren Stockwerke jeweils von oben nach unten darunter gehängt. Roboter positionieren Wände sowie Querträger und senkrechte Träger. Dieses Smart System von Shimizu wurde auf der Konferenz des Massachusetts Institute of Technology( MIT) Anfang dieses Jahres in den USA vorgestellt. Wie ein Sprecher von Shimizu betont, geht es vor allem darum, Arbeitskräfte einzusparen und den größtmöglichen Nutzen aus bereits bestehenden Robotern zu ziehen. Automatisierte Bausysteme bringen vielfältige Vorteile mit sich. Dabei geht es auch um die Verbesserung der Sicherheit auf den Baustellen und die Beschleunigung des gesamten Bauprozesses. Letzteres liegt daran, daß Roboter im 24-h-Betrieb eingesetzt werden können. Die Bauunternehmen hoffen nicht zuletzt auch, durch ein neues und saubereres Image mehr Berufsanfänger auf Baustellen locken zu können. In der nächsten Ausgabe: Beschichtete Rotoren für Plasma- Ätzprozesse in der Halbleiterindustrie sollen jetzt länger halten, denn Rotor und Stator der Turbo-Molekularpumpe sind im allgemeinen aus Aluminium hergestellt. Die durch das Plasma angeregten halogenhaltigen Moleküle des Ätzgases reagieren mit dem Aluminium und bilden flüchtige Verbindungen, die mit dem Prozeßgas abgepumpt werden. Verfahren wie Eloxieren, Verchromen oder Vernickeln sind wenig geeignet. So bilden sich z. B. Bei Nickelschichten nach längerer Betriebsdauer Risse, die zu einem Unterwandern der Schicht durch die Reaktionsgase führen können. Als beständige Schicht erwiesen hat sich eine keramikartige Aluminium-Oxid-Schicht, die durch Funkenentladung in einer wässrigen Elektrolytlösung erzeugt wird. Mit diesem Verfahren könne auch auf geometrisch so komplexen Strukturen wie Rotoren und Statoren einer Turbo-Molekularpumpe eine riß- und porenfreie Schicht erzeugt werden, gibt der Pumpenbauer Leybold, Köln, bekannt. Pumpen sind unverzichtbar, um Wasser, Boden und Luft rein zu halten. Aber welche Pumpe ist die zweck- und leistungsfähigste? Im Auftrag der Zeitschrift UMWELT des VDI-Verlages hat deshalb der Pumpenfachmann Dipl.-Ingenieur Wilhelm Beck den Pumpenmarkt aus der Sicht eines Anwenders durchleuchtet. Das Ergebnis in der Ausgabe 5/ 91, die zur Achema 91 in Frankfurt/ Main erscheint, erleichtert dem planenden Ingenieur und Betreiber die Auswahl. Zu der Marktübersicht gehören Tabellen mit den Pumpentypen der wichtigsten deutschen Hersteller, ausgewählt nach den Arbeitsbedingungen und dem Stand der Technik. Entschwefelung und Entstickung im Test: Das von Degussa im Konsortium mit Lentjes und Lurgi gemeinsam mit den Stadtwerken Münster( SWM) entwickelte Desonox-Verfahren hat während der Heizperiode 90/ 91 am 100-MW-Kraftwerksblock 3 des Kraftwerks Hafen der SWM seine großtechnische Bewährungsprobe bestanden. Stündlich werden 120000 m3 Abgas mit Hilfe der Desonox-Schaltung simultan katalytisch entstickt und entschwefelt. Das Produkt der Entschwefelung ist eine marktgängige Schwefelsäure. Das Verfahren arbeitet ohne Ammoniakschlupf, und die gereinigten Rauchgase sind frei von Staub, Chloriden und Fluoriden. Lockender Markt für Sekundär-Werkstoffe: In drei Jahren will die BUS-Umwelt-Service AG, Frankfurt, ihre Verarbeitungskapazität verdoppeln. In Vorbereitung sei eine Gießerei-Altsandaufbereitung in Detmold sowie ein neues Werk zur Aufbereitung von Aluminium-Salzschlacke in Hannover. Zumindest auf dem Feld der Aufbereitung von Aluminium-Salzschlacke werde BUS den deutschen Markt bedienen können. Von den jährlich anfallenden rund 350000 t Salzschlacke werde BUS schon mit dem weiteren Ausbau der Hauptanlage in Lünen/ Westfalen in diesem Jahr rund 240000 t zur Verarbeitung aufnehmen können. Anfang der 80er Jahre gewann die Idee von der Integralfassade Gestalt. Die südseitige Front von Bürohäusern sollte mit Bauelementen bestückt werden, die Fenster und Brüstung in sich vereinigen und- im Unterschied zu herkömmlichen Fassaden- zugleich die Sonnenenergie nutzen. Im wesentlichen handelt es sich um Luftkollektoren. Entwürfe aus der Hand von Architekten, Ingenieuren, Fensterherstellern und Forschungsinstituten gab es viele. Ob sie sich aber in der Praxis bewähren würden, konnten nur eingehende Versuche zeigen. Diese Messungen wiederum setzen nicht nur umfassende bauphysikalische Kenntnisse voraus, sondern auch ganz spezielle instrumentelle und bauliche Einrichtungen. Da es vor allem an letzteren mangelte, wurde in der Schweiz 1982 das LESO geschaffen, das Laboratoire d'Energie Solaire. Dieses Sonnenenergie-Laboratorium ist ein zweistöckiges Gebäude von der Schuhkarton-Gestalt üblicher Bürobauten. Seine Südfassade bietet die Möglichkeit, je Stockwerk drei, insgesamt also neun verschiedene, je rund 20 m2 große Fassadenelemente einzubauen und gegen andere auszutauschen. Hinter den Elementen liegen Büroräume, worin die Bauforscher ihre tägliche Arbeit verrichten. Im Laufe der Jahre sind rund zwei Dutzend am LESO selbst oder von Schweizer Forschungsinstitutionen sowie Firmen entworfene Integralfassaden geprüft worden, jede über mindestens eine Heizsaison, meist aber über ein ganzes Jahr. Eine solche Prüfung besteht nicht nur aus dem Messen von Energiebilanzen. Auch die Abschätzung des Heizkomforts gehört zu den Aufgaben des LESO-Teams, das unter der Leitung durch Prof. Andre Faist internationale Geltung erlangt hat. Ferner formulieren sie mathematische Modelle der vermessenen Elemente, um der Messung nicht zugängliche Varianten berechnen zu können. Die meisten Projekte, darunter neuerdings solche zur verbesserten Tageslicht-Nutzung in Gebäuden, sind von Nationalen Energie-Forschungs-Fonds der Schweizer Energiewirtschaft gefördert worden. Einer der jüngsten Prüflinge ist eine Integralfassade, in der das LESO die früher gewonnenen Erkenntnisse verarbeitet hat. Der Fortschritt, so Faist, zeige sich in der Einfachheit im Vergleich zu älteren, komplizierten Elementen sowie in erhöhter Wirksamkeit. Die neue Doppelwand-Fassade hat als äußere Wand eine einfache Glasscheibe, die die 2,75 m x 7,20 m große Fläche bis auf den Rahmen bedeckt. In 30 cm Abstand folgt die Innenwand. Sie besteht in ihrem unteren, 83 cm hohen Teil aus einer massiven Brüstung, im oberen Teil aus einer Zweifach-Isolierverglasung( 2-IV). Nun sorgen schon die beiden Glaswände im Verein mit der Luft zwischen ihnen für gute Wärmedämmung, nämlich einen k- Wert von 1,2. Zudem erwärmen Sonnenstrahlen die Luft im Zwischenraum ebenso wie die Brüstung( der innerhalb des Zwischenraumes noch eine einfache, nach innen zu beschichtete Glasscheibe vorgesetzt ist). Das hat zur Folge, daß die Innenseite der 2-IV-Wand auf eine höhere Temperatur kommt als ohne die Glas-Außenwand- was sich wiederum für die Benutzer des Büros komforterhöhend auswirkt( wird Wärmestrahlung von den Umgrenzungen eines Raumes doch als angenehm empfunden). Die Brüstung strahlt ebenso, wirkt aber dank ihrer massiven Bauweise noch als Wärmespeicher. Das LESO-Team zog nach zweijährigen Messungen eine positive Energiebilanz: Im Laussaner Klima würden- im Laufe einer normalen Heizsaison- durch eine bestens wärmegedämmte Mauer anstelle der Doppelwand-Fassade je m2 Fläche 280 MJ Wärmeenergie mehr nach draußen verlorengehen. Anders gesagt: Die Doppelwand-Fassade spart die Hälfte an Heizenergie. Und Berechnungen zeigen, daß dieses Verhältnis auch für ein Gebirgsklima wie in Davos gültig bleibt- allerdings nur, wenn die Fassade zwischen Südost- und Südwest orientiert ist. Bei Ausrichtung nach Westen, so ergibt die Modellrechnung, würde die Sparwirkung um 45 Prozent zurückgehen. Und weiteres Detail: Wärmeschutzverglasung der inneren Glaswand verbessert die Sparwirkung bis 35 Prozent. Wo viel Licht ist, fällt allerdings auch Schatten. So würde ein Innenvorhang nochmals 23 Prozent mehr Sonnenenergie nutzen, den Büroraum jedoch im Sommer unerträgich( nämlich bis zu 43 OC) überhitzen. Daher müssen, neben Fensterflügeln zum Öffnen, unbedingt Abschattungsvorrichtungen vorhanden sein, und zwar vor der Fassade. Faist räumt der Doppelwand-Fassade jedenfalls gute Chancen ein, bald Eingang in die Baupraxis zu finden: Sie ist nicht nur passiv und wirksam, sondern auch aus marktgängigen Teilen und Werkstoffen aufgebaut. Passiv bedeutet, daß keinerlei bewegliche Teile vorhanden sind- in der Regel ein Vorteil hinsichtlich Dauerhaftigkeit. Verschiedene der am LESO geprüften Fassadenelemente werden bereits in Serie produziert und in einer wachsenden Zahl von Bürohäusern eingesetzt, und zwar sowohl bei Neubauten wie bei Renovationen. Antrieb dazu dürfte in erster Linie eine Wirtschaftlichkeitsüberlegung sein: Der Mehrpreis gegenüber herkömmlichen Fassaden werde durch die im Durchschnitt etwa 50 Prozentige Energieeinsparung sowie durch Vereinfachungen bei der übrigen Haustechnik wettgemacht, sagen Hersteller wie Bauherren. Also gute Voraussetzungen für eine weite Verbreitung der Energiespar-Fassaden, wie sie für spürbares Energiesparen auch im Landesmaßstab wünschenswert ist. Oft sind sich Wohnungsinhaber der hohen Brandgefahr, der sie sich aussetzen, nicht bewußt. So bricht häufig nur durch Unwissenheit und Leichtsinn der Bewohner Feuer aus. Aufklärung der Bürger über das Brandrisiko und unterschiedliche Schutzmaßnahmen sollen die Gefahr vermindern. Nach Schätzungen von Brandexperten werden in Deutschland die Feuerwehren etwa 200000mal im Jahr zu Bränden gerufen, bei denen rund 600 Menschen ihr Leben verlieren. Wärmeabstrahlende technische Geräte wie Heizsonnen, Kocher oder Bügeleisen zählen zu den häufigeren Verursachern solcher Ereignisse, obwohl durch etwas Aufmerksamkeit die Gefahr eingeschränkt werden könnte: allein durch Einhalten eines Sicherheitsabstandes zu leichtentflammbaren Gegenständen und durch Verwendung einer wärmebeständigen Unterlage. Schäden in elektrischen Leitungen, die allzu oft Ursachen für Brände sind, können durch Installation von Fehler-Strom-Schutzschaltern( FI) vermieden werden, berichtete Dipl.-Ingenieur Helmut Wissemann vom Verband der Sachversicherer und Brandexperte während einer unlängst in Berlin von dieser Institution veranstalteten Informationsveranstaltung über die Verhütung von Wohnungsbränden. Die FI-Schalter seien deswegen wichtig, weil sie bei schadhaften Isolationen an elektrischen Leitungen von Elektrogeräten- etwa an der Kabelschnur am Staubsauger- die Stromzufuhr sofort automatisch abschalten. Zu den vom Verband der Sachversicherer empfohlenen Schutzmaßnahmen gehören auch die handelsüblichen und überall leicht zu montierenden Rauchmelder. Diese schalten zwar bei einem Brand den Strom nicht aus, schlagen aber lauthals Alarm, sobald sie eine Rauchentwicklung wahrnehmen. Als besondere Gefahrenquelle entpuppe sich immer wieder der Küchenbereich. Unachtsames Fritieren, Überhitzung von Fett und Öl, die dann aus Unwissenheit mit Wasser gelöscht werden sollen, oder gar das Flambieren unter einer eingeschalteten Dunstabzugshaube, so Peter Günther, sind häufig Ursachen für katastrophale Brände, bei denen mitunter das ganze Haus abbrennen kann. Ein anderer häufiger Grund, weshalb die Feuerwehr zu Bränden gerufen werde, stellen Kaffeemaschinen dar, die in Büros nahezu konstant in Betrieb sind. Die Erfahrung zeige, daß von neuen elektrischen Geräten weniger Gefahren durch Kurzschluß oder Überhitzung ausgingen. Besonders gefährlich seien dagegen grundsätzlich Elektrogeräte, die älter als zehn Jahre sind. Brandgefährdet sind nach Erfahrungen von Wissermann auch Heimwerker, die sich unbewußt einer akuten Explosionsgefahr aussetzen, wenn sie in unbelüfteten Räumen etwa mit Kunststoffklebern, Versiegelungsmitteln oder Nitro-Lacken arbeiten. Selbst eine geringe Quadratmeterzahl, mit einem Kunststoffkleber überzogen, reicht aus, um beim Anstecken einer Zigarette eine Explosion auszulösen. Nach Empfehlung des Verbandes der Sachversicherer sollten auch in Wohnungen oder Büros und vor allem in Häusern Feuerlöscher griffbereit montiert sein. Dabei empfiehlt der Verband die Verwendung von wassergefüllten Löschern anstelle von pulvergefüllten. Im Bedarfsfall würde das Pulver wie auch das Wasser das Feuer löschen, aber auch durch seine Verteilung darüber hinaus in Nachbarräumen erhebliche Schäden an elektrischen Geräten wie Computern anrichten. Eine finanzielle Absicherung gegen Wohnungsbrände bieten die Verbundene Hausrat- und die Verbundene Wohngebäudeversicherung, sofern der Brandschaden nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wird. Wichtig dabei ist, daß die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wert des Hausrats oder Hauses entspricht. Nur noch 14 Tage trennen Deutschlands Eisenbahner von jenem 2. Juni, in dessen Morgenstunden der erste von 25 Intercity Express planmäßig auf der Strecke von Hamburg-Altona nach München-Hauptbahnhof die Ära der neuen Bahn eröffnet: schnell, sicher, komfortabel, eine umweltfreundliche Alternative zu Flugzeug und Pkw. So jedenfalls im Verständnis seiner Erfinder. In der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bundesbahn( DB) herrscht Aufbruchstimmung. Knut Reimers, Vorstandsmitglied Technik, faßt diese Zuversicht in Worte: Mit dem Fahrplanwechsel wird die DB im Ringen um Marktanteile im deutschen und europäischen Verkehrsmarkt einen großen Schritt vorankommen. Dieser Fahrplanwechsel bedeutet eine völlige Neuordnung und Verbesserung des Angebots im Schienenpersonen- und Schienengüterverkehr. Der Intercity Express, so Reimers, käme genau zur rechten Zeit, um ins Rennen zu werfen, was der Markt verlangt: Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit, insbesondere jedoch Komfort und Service. Nur ein aus Fahrzeugen, Strecken und Betriebsanlagen bestehendes, homogenes Hochgeschwindigkeitssystem sei in der Lage, die bis zum Jahr 2000 erwartete Verkehrsteigerung von weltweit 80 Prozent zu bewältigen, unterstreicht das DB-Vorstandsmitglied. Was noch vor gut anderthalb Jahren Designer, Innenarchitekten, Ingenieure und Handwerker am originalgroßen Holzmodell im Nürnberger Ausbesserungswerk Kopfzerbrechen bereitete, hat inzwischen unzählige Probefahrten absolviert. Die Probe auf's Exempel, der Dauertest unter Betriebsbedingungen freilich steht erst noch ins Haus. Auf der ICE-Linie 6 von Hamburg über Hannover, Göttingen, Kassel, Fulda, Frankfurt am Main, Mannheim, Stuttgart, Ulm und Augsburg nach München Anfang nächsten Monats und mit Beginn des Winterfahrplans auch auf der Linie 4. Sie verbindet die Hansestadt auf direktem Weg über Fulda, Würzburg und Nürnberg mit der Isar-Metropole. Um das neudurchdachte Innenleben des künftigen Flaggschiffes der Deutschen Bundesbahn in seiner Synthese von Service und Komfort zur Geltung zu bringen, wählten Bahn und Konstrukteure das bereits im Intercity-Betrieb bewährte Prinzip der Blockzugbildung: Auf drei oder vier 1 .Klasse-Wagen In dem maximal 14teiligen Zug folgen der Servicewagen mit Bordrestaurant und Bistro und schließlich die 2 .-Klasse-Wagen. Ein Harmonie und Wärme ausstrahlendes Farbdesign der einzelnen Wagen gestaltet die Übergänge zwischen den Klassen fließend. Überhaupt mischten die ICE-Inennarchitekten das altbekannte Raumteilungsprinzip kräftig. Die Hintereinanderreihung von Großraumwagen und Abteilwagen gehört beim ICE der Vergangenheit an. So verfügt jeder Mittelwagen in der ersten Klasse über einen Großraum mit Reihenbestuhlung wie im Flugzeug, über einen weiteren Großraumbereich mit gegenüber angeordneten Sitzen und großen Tischen sowie über Abteile mit Seitengang und Zutritt zu Telefonzelle und Toilette. In den Abteilen realisierten die Gestalter eine völlig neue Bein- und Ellbogenfreiheit durch die Anordnung von jeweils drei zu zwei der ergonomisch geformten Sitze, die selbst Airbus-Komfort weit übertreffen. Zwischen den Abteilen befinden sich Schließfächer für das Handgepäck der Reisenden. Licht und Farbe durchfluten den Raum im gesamten Zug. Während kräftige Blau- und Rottöne, helle Wände, indirekt strahlende Leuchtbänder, Halogen-Lesespots über den Sitzen sowie farblich abgestimmte Teppichböden das Erscheinungsbild der ersten Klasse prägen, dominieren neben dem gleichen Leuchtenkomfort Pastelltöne in der zweiten Klasse. Ihre Wagen bieten jeweils vier Abteile mit sechs Sitzen, einen Großraumbereich mit neun hintereineinander gereihten Doppelsitzen und zwei weiteren Einzelsitzen an einer Garderobe. Sie trennt den Bereich der Reihenbestuhlung von den vis-a-vis plazierten Doppelsitzen und zwei einzelnen Sitzenplätzen. Bei der Klimatisierung der ICE-Mittelwagen betraten Bundesbahn und Industrie Neuland. Eine auf die besonderen Anforderungen an Komfort und Sicherheit des Hochgeschwindigkeitsfahrens abgestimmte Klimaanlage mit Deckenausblasung sowie zwei besondere, in Fußböden und Seitenwänden installierte Heizsysteme produzieren zugfrei wahlweise Warm-, Kalt- und Frischluft. Druckschutzventilatoren sowie die erstmals auf der Welt realisierte druckdichte Ausführung des gesamten Zuges gewährleisten, daß keine Druckschwankungen bei der Begegnung zweier mit 250 Kilometer/ h verkehrenden Intercity Express oder bei Tunnelfahrten in den Wagen auftreten. Excellente Geräuschdämmung und Laufruhe der Fahrzeuge gestatten gleichermaßen ein ungestörtes Arbeiten, Entspannen und Genießen während der Reise. Auch das erstmals in Zügen der DB installierte geschlossene Toilettensystem mit Vakuumabsaugung sorgt für eine der neuen Bahn entsprechende Hygiene an Bord. In der nächsten Ausgabe: Wasser kann in weiten Bereichen der neuen Bundesländer nur noch eingeschränkt als Lebensmittel deklariert und genutzt werden. Nicht nur Trinkwasser- und Klärwerke schienen während der Kommandowirtschaft unwichtig, auch das Versorgungsnetz und die Wasserressourcen sind vielerorts in einem bedenklichen Zustand. Träge mäandriert die 1165 Kilometer lange Elbe durch Sachsens Hauptstadt Dresden. Das Flußsystem der Elbe hat für die neuen Bundesländer eine ähnliche Funktion wie der Rhein für Westdeutschland. Als drittgrößter Strom Mitteleuropas entwässert die Elbe über 70 Prozent der fünf östlichen Länder. Zudem sind sie- verglichen mit der alten Bundesrepublik- relativ wasserarm und müssen das Elbewasser als wichtigen Wasserlieferanten für die verschiedensten Zwecke intensiv nutzen. Auf den ersten Blick sieht man dem Fluß nicht an, mit welcher Schadstoffmenge das Wasser belastet ist. So flossen allein im Großraum Dresden täglich 215000000 l Abwässer ungeklärt in die Elbe. Erst ab Mai wird das Dresdner Abwasser wenigstens mechanisch geklärt( siehe VDI-Nachrichten 17/ 91). Andere Gewässer erlitten ein ähnliches Schicksal: Rund 40 Prozent der ostdeutschen Gewässer gelten als unrettbar verschmutzt. Unabhängige Kontrollinstanzen wie im Westen existierten vor der Wende nicht, da die Wasserwirtschaftsbehörden genau wie Unternehmen dem Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft unterstellt waren. Inzwischen wurden die Wasserversorgungsunternehmen in Kapitalgesellschaften umgewandelt, mit dem politischen Ziel, den Gemeinden als regionale Träger Einfluß auf die künftige Wasserversorgung zu ermöglichen. Allein das veraltete Trinkwassernetz bringt ein erhebliches Maß an Belastungen. Das Trinkwassersofortprogramm vom Berliner Bundesgesundheitsamt( BGA), das 2000 Wasserproben aus den neuen Bundesländern untersuchte, soll in erster Linie Hintergrundinformationen liefern, so Prof. Andreas Grohmann vom BGA. Vor allem die Spitzenwerte von Mangan und Eisen stammen aus dem maroden Rohrnetz, und die notwendige starke Chlorung des Wassers bringt eine Erhöhung des Gehalts an chlorierten Kohlenwasserstoffen. Die 2000 Wasserproben ergeben jedoch noch kein flächendeckendes Bild von der Wasserqualität in der Ex-DDR. Nur wenige Daten sind bisher bekannt. Etwa eine Million Bürger erhalten Trinkwasser mit zu hohen Nitratgehalten. Besonders in den Gebieten Dresden, Leipzig und Halle sind Werte von mehr als 150 mg/ l Nitrat gemessen worden- das Dreifache des EG-Grenzwertes. Spitzenwerte erreichen bis 600 mg/ l. Die Belastung durch Pflanzenschutzmittel ist bis heute weitgehend unklar, da sie erst an wenigen Stellen analysiert wurde. Für rund vier Millionen Menschen ist das Wasser wegen Trübung, Färbung oder organischen Belastungen nur schwer zu genießen. Die bestehenden Strukturen in der ostdeutschen Wasserwirtschaft bergen jedoch große Chancen mit einem erheblichen Entwicklungspotential, so die Untersuchungen der EC Consulting Group in Düsseldorf. Entsprechend der früheren Bezirkseinteilung bestehen 14 regionale Wasserunternehmen, daneben die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz in Torgau. Die Ostberliner Wasserversorgung soll mit der Westberliner vereint werden. Mit rund 26000 Mitarbeitern förderten diese Unternehmen knapp 2 Milliarden m3 Wasser- rund ein Drittel der westdeutschen Förderleistung. Zum Vergleich: In den alten Ländern existieren rund 6500 Wasserversorger, davon knapp 4000 Kleinst- und Kleinversorger mit weniger als 200000 m3 Jahresleistung. Die Größenvorteile dieser Grundstruktur zeigen, daß eine Beibehaltung der Kooperation grundsätzlich günstiger ist als der Aufbau dezentraler Kapazitäten. Auch die Verbindung von Wasser und Abwasser ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, um die Interessen beider Bereiche existenziell miteinander zu verbinden. Wollte man die Betriebe der kommunalen Wasserversorgung und Abwasserbehandlung dezentralisieren, so würde dies zu volkswirtschaftlichen Schäden führen. Preissteigerungen, eine schleppende Verbesserung der Ver- und Entsorgungssituation wären die Folgen, so die EC-Untersuchung. Die dringlichen Probleme- zu wenig Klärkapazität, schlechte Klärqualität, Sanierung des Kanalnetzes, schlechte Trinkwasserqualität und Rekonstruktion des Trinkwasserrohrnetzes- können regional leistungsstarke Unternehmen schneller und flächendeckender lösen. Die Rahmenbedingungen hierfür sind gegeben: Zwar sind die ostdeutschen Wasserunternehmen stark sanierungsbedürftig, dennoch zählen sie zu den wirtschaftlich gesündesten Betrieben im Osten. Im allgemeinen schreiben sie schwarze Zahlen und ihre Verschuldung ist gering. In der Trink- und Abwasseraufbereitung gilt es einen Rückstand von mehreren Jahrzehnten so schnell wie möglich aufzuholen. Einen Großauftrag im Gesamtwert von über 100 Millionen DM hat die Salzburger Aqua Engineering von der Wasser- und Abwasserbehandlung Dresden( WAB), den Betreibern der Dresdner Wasserwerke, erhalten: So soll das Trinkwasserwerk im Stadtteil Tolkewitz erneuert werden. In Dresden-Tolkewitz versorgt das 1893 erbaute Wasserwerk rund ein Viertel der sächsischen Metropole mit Trinkwasser. Indes steht das Gebäude unter Denkmalschutz und kann deswegen nur in aufwendiger Detailarbeit modernisiert werden, erklärt Richard Kaiser, Projektleiter der Aqua Engineering. Nach den Umbauarbeiten, die voraussichtlich 1992 abgeschlossen sein werden, soll das modernisierte und erweiterte Werk täglich 62000 m3 Trinkwasser ins Netz speisen, das dann den deutschen Trinkwasservorschriften entspricht. Altlasten sind überall. Kaum eine Kommune in Deutschland ist vor verunreinigten Böden und undichten Deponien sicher. Die Risikoabschätzung aber fällt Behörden schwer, saniert wird oft auf Verdacht. Hilfe verspricht ein Untersuchungsprogramm für Kulturböden der Landesanstalt für Ökologie Nordrhein-Westfalen, aus dem ein Oberhausener Software-Büro ein praxisnahes Computerprogramm entwickelt hat. Die Sanierung von verunreinigten Flächen ist immer ein Fall für sich. Zum einen sind Altlasten Ländersache und unterliegen keinem bundesweit gültigen Regelwerk, zum anderen lassen sich Altlasten nur schwer miteinander vergleichen, da Schadstoffmix, Bodenart und Nutzung immer wieder anders gelagert sind. Nicht zuletzt ist die Risikoabschätzung, die entscheidet, ob saniert werden muß oder nicht, immer noch einer der schwierigsten Schritte im Verfahrensablauf. Einem Teil der Probleme will das Oberhausener Software-Büro ExperTeam zu Leibe rücken. Wir haben alles, was es an Erfahrungen mit Altlasten bisher gibt, in einem Computermodell verarbeitet, sagt Anwendungsberater Thomas Euteneuer-Macher ganz unbescheiden. Das Programm erhielt entsprechend der Zielsetzung den Namen Ratgeber Altlasten. Behörden und Umweltämter sollen durch das neue Programm im Umgang mit undichten Deponien und verunreinigten Flächen künftig Unterstützung erhalten. Im wesentlichen bei drei Fragen: Erstens der einführenden Informationssammlung über die fragliche Fläche, zweitens bei der Erstbewertung der Altlast und drittens bei der Abschätzung der Gefahren, die von der Verdachtsfläche ausgehen. Für die Bewertung der Risiken haben andere Vorarbeit geleistet. Im Mindestuntersuchungsprogramm Kulturboden( Mikubo) der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung( LÖLF) Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen, wird der Weg der Schadstoffe aus dem Boden in die Kulturpflanze und damit in die Nahrungskette vorgezeichnet. Abhängig von der Bodennutzung( Acker, Grünland, Kleingärten) nennt die Studie für häufig auftretende Giftstoffe wie Schwermetalle oder auch Kohlenwasserstoffe die derzeitige Hintergrundbelastung und jeweils Schwellenwerte für eine eventuelle Sanierung. Dieses Mindestuntersuchungsprogramm hat ExperTeam in ein Programm umgeschrieben. Im Dialog kann der Benutzer Informationen zur Altlast abspeichern oder abrufen, das Programm vergleicht die gefundenen Schadstoffgehalte mit den Vorgaben der LÖLF und hilft so bei einer Erstbewertung der Fläche: Liegen beispielsweise über 10 Prozent der Schwermetall-Konzentrationen über den Schwellenwerten, ist eine detailliertere Bodenuntersuchung notwendig. Auch eine Rangliste unter den verschiedenen Altlasten einer Kommune kann mit Mikubo erstellt werden. Man gelangt durch möglichst wenig Aufwand zu sicheren Aussagen, faßt Euteneuer die Vorteile zusammen. Gleichzeitig bleibe die Flexibilität erhalten, das System fällt nicht die Entscheidung, ob und wie saniert wird, das muß nach wie vor der Anwender tun. Zahlreiche Kommunen hätten Interesse bekundet, so Euteneuer. Gekauft hat den Ratgeber allerdings noch keine. Die Gründe für das Zögern in den Amtsstuben: Die Zuständigkeiten sind oft nicht geklärt, weiß der Computerfachmann, und viele warten erst mal, bis einer anfängt. Die praktische Feuertaufe soll das Programm jetzt in einer Kooperation mit der Umweltbehörde Oberhausen bestehen. So gesehen könnte das Büro des ExperTeam gar nicht günstiger liegen: Oberhausen ist eine der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, die Investoren so gut wie keine unbelastete Fläche mehr anbieten kann. Mit Fördermitteln von rund 6 Millionen DM aus dem Bundesumweltministerium kann die Stadt Schneeberg im ehemaligen DDR-Uranbergbaugebiet die modellhafte Sanierung von radonbelasteten Wohnungen in Angriff nehmen. Rund 80 Häuser, die besonders hoch mit dem Edelgas belastet sind, sollen saniert werden. Neben der konkreten Sanierung geht es auch um die Ermittlung besonders effizienter Verfahrensweisen. Der Leitfaden Sonderabfallentsorgung der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH, Essen, wird neu aufgelegt. Wegen des großen Informationsbedarfs in der Abfallwirtschaft war die erste Auflage in kürzester Zeit vergriffen. Die neue Auflage geht besonders auf die für die tägliche Praxis wichtigen Übergangsbestimmungen der TA Sonderabfall und auf die Zuordnung und Ablagerung von Sonderabfällen ein. Die 100000. Anfrage konnte jetzt die Abfallbörse des Deutschen Industrie- und Handelstags( DIHT) verzeichnen. Die Gesamtzahl der inserierten Angebote stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Prozent auf 3466. Auf eine inserierte Nachfrage meldeten sich 1990 rund sechs Unternehmen. 1989 lag dieser Wert nach DIHT-Angaben noch bei 3,6. Kunstoffe und sonstige chemische Rückstände sind nach wie vor die Renner. Bei Metall, Holz, Papier und Textilien vermochten selbst gut funktionierende Recyclingmärkte die kräftigen Zuwächse bei den Angeboten nicht zu bremsen. Während hier die Zahl der Angebote um 20 Prozent stieg, sank die Nachfrage um ein Viertel. Giftige Chlorphenole können in Boden und Grundwasser abgebaut werden. Das ist das Ergebnis eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Untersuchungsprogramms. Chlorierte Phenole, die früher häufig als Unkrautvernichtungsmittel verwendet wurden, sind wegen ihrer Toxizität gefürchtete Umweltstoffe. So wurde festgestellt, daß an Mikroorganismen reiche Böden erhebliche Reinigungswirkung haben. Als zentraler Prozeß des biologischen Abbaus kommt im wesentlichen die Abspaltung der Chloratome im sauerstofffreien oder sauerstoffarmen Milieu zum Tragen. Die Entchlorierung der Moleküle wurde trotz höherer Mobilität auch in der Grundwasserzone beobachtet. Schon die bloße Existenz von Menschen schafft Abfälle. Doch in dem Maß, in dem die Technik in unser Leben Einzug gehalten hat, verkomplizierte sich auch die Entsorgung der vom Menschen produzierten Güter oder auch der zur Herstellung notwendigen Nebenprodukte. Der Begriff Entsorgung führt dabei ebenso leicht zu Mißverständnissen, wie der Begriff Endlagerung: ent- sorgt ist der Müll auch dann nicht, wenn er in tiefen Salz- oder Erzgruben auf die Nachwelt wartet. Gleichzeitig stellt jede Endlagerung nur eine vorläufige Entfernung aus dem Kreislauf der Natur dar. Auf einer Tagung diskutierten kürzlich in Karlsruhe Wissenschaftler und Politiker zum Teil heftig über Technische und rechtliche Fragen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle. Daß es immer mehr Müll gibt, dessen wir uns entledigen müssen, darüber gab es keine Zweifel. Wir können uns der Verantwortung nicht entziehen- egal wie man zur Kernenergie steht, formulierte Walter Hohlefelder, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. In den alten Bundesländern haben sich bis Ende 1989 etwa 45000 m3 schwach- mittelaktiver Abfälle angesammelt, und jedes Jahr kommen derzeit knapp 4000 m3 dazu, gab Helmut Krause, Leiter des Instituts für Nukleare Entsorgungstechnik des Kernforschungszentrums Karlsruhe( KfK), einen Überblick. Die( endliche) Abklingzeit radioaktiver Abfälle wird mit dem Begriff Halbwertszeit umschrieben. Beträgt die Halbwertszeit einer Substanz zum Beispiel ein Jahr, so ist ihre ursprüngliche Masse nach einem Jahr bereits zur Hälfte zu anderen Substanzen zerfallen. Es gibt zwar Radionuklide mit Halbwertszeiten von über 10000 Jahren, doch etwa 80 Prozent aller künstlichen Radionuklide haben Halbwertszeiten von weniger als einem Jahr; bei 3 Prozent liegt sie über 1000 Jahre, so der KfK-Wissenschaftler. In den fünfziger Jahren wurde für radioaktive Abfälle ein Konzept entwickelt, das die getrennte Sammlung schwach-, mittel- und hochaktiver, fester und flüssiger sowie brennbarer und nichtbrennbarer Stoffe vorsah. Nach entsprechender Behandlung wie Konzentrierung und Verpackung wurden radioaktive Abfälle in Formationen des tiefen geologischen Untergrundes, insbesondere in Steinsalzformationen endgelagert. Im stillgelegten Salzbergwerk Asse sollte in den Jahren 1967 bis 1978 in einem Großversuch die Machbarkeit und technische Sicherheit der Endlagerung schwach- und mittelaktiver Abfälle, die keine Wärme entwickeln, demonstriert werden. Dennoch fehlt bis heute ein Endlager für diese Art von Abfällen. Das stillgelegte Eisenerzbergwerk Konrad bei Salzgitter war dazu ausersehen und hat sich in den Augen der Befürworter als grundsätzlich geeignet erwiesen; dennoch ist das seit 1982 laufende Planfeststellungsverfahren bis zum heutigen Tag noch nicht abgeschlossen. Folglich wird der anfallende radioaktive Müll in Zwischenlagern deponiert- also direkt in den Kernkraftwerken oder bei den Forschungsanlagen, bei denen derartiger schwach- und mittelaktiver Müll anfällt. In den neuen Bundesländern gibt es für solche Abfälle praktisch kein Zwischenlager. Der strahlende Abfall wurde seit 1978 direkt in der Salzgrube Morsleben, 3km von Helmstedt, endgelagert. Das Aus für die mit erheblichen Sicherheitsmängeln behaftete Anlage kam durch das Bezirksgericht Magdeburg am 22. Februar 1991; der Grund: zu viele technische Mängel in der Schachtförderanlage und beim Brandschutz. Wann- und ob überhaupt- jemals wieder Atommüll in Morsleben eingelagert wird, ist völlig unklar. Bei den Abfällen, die auch Wärme entwickeln, ist die Situation anders. Der Bestand lag in den alten Bundesländern Ende 1989 etwa bei 500 m3. Frühestens ab 1994 oder 1999 ist aufgrund der Wiederaufarbeitungsverträge für bestrahlte Kernbrennstoffe mit der Anlieferung von insgesamt 730m3 verglaster, hochaktiver Abfälle aus Frankreich und England über einen Zeitraum von zehn Jahren zu rechnen. Da zu den genannten Zeitpunkten das vorgesehene Endlager im Salzstock von Gorleben wohl noch nicht zur Verfügung steht, versucht man, gegen Bezahlung die Anlieferung des brisanten Mülls hinauszuzögern. Nachdem die übertägige Erkundung seit 1982 abgeschlossen ist, sollen bis zum Jahr 1998 auch die untertägigen Arbeiten abgeschlossen werden. Bei den wissenschaftlich-technischen Arbeiten geht es um geologische, hydrologische, gebirgsmechanische, geochemische und materialkundliche Fragen, um das Verhalten des Abfalls im Endlager vorhersagbar zu machen. Auch die Möglichkeiten der direkten Endlagerung nicht wiederaufgearbeiteter, abgebrannter Kernbrennstoffe sollen geprüft werden. Zum Abschluß wird eine Sicherheitsanalyse durchgeführt und das erforderliche Genehmigungsverfahren eingeleitet. Welche Hürden die Behörden dabei überwinden müssen, zeigt der gegenwärtige Rechtsstreit um die Grube Konrad. Seit August 1982 läuft das Planfeststellungsverfahren für dieses Endlager bei der zuständigen atomrechtlichen Planfeststellungsbehörde, jetzt dem Niedersächsischen Umweltministerium. In den Augen dieser Behörde ist es den Betreibern der Anlage nicht gelungen, die erforderlichen Sicherheitsnachweise für das Endlager in der Grube Konrad zu erbringen. Insbesondere, so wies Klaus-Dieter Becherer vom Niedersächsischen Umweltministerium hin, gebe es ungelöste Fragen hinsichtlich der Langzeitsicherheit bei der Abdichtung des Schachtverschlusses und bei den alten Bohrungen sowie hinsichtlich des Transportrisikos in der Region Salzgitter. Nach Auffassung der Landesregierung entsprechen die vorgelegten Unterlagen nicht den Bestimmungen des im August 1990 in Kraft getretenen Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes( UVPG). Somit könne keine Offenlegung der Pläne erfolgen. Bundesumweltminister Klaus Töpfer vertrat einen anderen Rechtsstandpunkt und forderte im Januar dieses Jahres die Niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn per bundesaufsichtlicher Weisung dazu auf, die Pläne zum 11. März offenzulegen, um das Verwaltungsverfahren nicht weiter zu verzögern. Die Weigerung, der Weisung Folge zu leisten, folgte die Klage des Bundesministers vor dem Bundesverfassungsgericht. Nach nur zwei Verhandlungstagen bekam Minister Töpfer Recht. Die Begründung der Karlsruher Richter: in atomrechtlichen Genehmigungsverfahren muß das Land den Weisungen des Bundes folgen. Ferner sei die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung unselbständiger Teil des Planfeststellungsverfahrens. Im Klartext bedeutet dies: Die Pläne müssen offengelegt werden, auch wenn das Land- zu recht oder zu unrecht- noch weitere Sicherheitsnachweise von den Betreibern einfordern sollte. Der Ingenieur ist künftig neben fachspezifischem Wissen auf fachübergreifende Kenntnisse angewiesen. Diese These vertrat Hubert Gräfen, langjähriger Vorsitzender des Bereiches Ingenieuraus- und -weiterbildung der VDI-Hauptgruppe, vor Mitgliedern des Berliner Bezirksvereins. Ob Abgaswäscher gebaut, Hochspannungsleitungen trassiert, Prozeßsteuerungen entworfen oder Hochgeschwindigkeitszüge konstruiert werden: In kleinen, mitunter kaum wahrnehmbaren Schritten tragen Ingenieure zu einem ständigen Strukturwandel bei. In einer Zeit, in der die technische Intelligenz ausgeprägt evolutionäre Entwicklungstrends verfolgt und bearbeitet- so die Kernaussage des Werkstoffwissenschaftlers Hubert Gräfen von der Bayer AG und langjähriger Vorsitzender des Bereiches Ingenieuraus- und -weiterbildung der VDI-Hauptgruppe vor dem Berlin-Brandenburger Bezirksverein des VDI- können die Dienstleistungen des Ingenieurs nicht mehr uneingeschränkt und vorbehaltlos für den technischen Fortschritt und zur Steigerung des Wohlstands erbracht werden. Vielmehr müssen Ingenieure auch der kritischeren Einstellung zur Technik und den speziellen Ansprüchen, die heute an technische Innovationen geknüpft werden, Rechnung tragen. Die ethische Diskussion der gesellschaftlichen Rolle des Ingenieurs kreist stets um zwei Schwerpunkte: Da ist einmal die Frage nach dem Sinn und eigentlichen Nutzen technischer Entwicklungen und ihrer Ziele. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Befähigung des Ingenieurs, sich in dieser Auseinandersetzung zu behaupten und das Umfeld seiner fachlichen Tätigkeit angemessen wahrzunehmen und einzubeziehen. Ausschließlich mit dem zweiten Aspekt setzte sich Hubert Gräfen in seinem Referat in der Vortragsreihe Technik und Ethik auseinander. Außerhalb des fachbezogenen Wissens und Könnens als technischer Experte erwarten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft vom Ingenieur weitergehende Fähigkeiten, die mit der Ausübung seines Berufes nicht nur verknüpft sind, sondern zur allgemeinverständlichen Darstellung, Gestaltung, Bewertung und Durchführung technischer Konzepte, zur Urteilsfindung und Herbeiführung von Entscheidungskonsensen absolut notwendig sind. Kerntechnik, Mikroelektronik, Informatik, Raumfahrt, Gentechnik, Werkstofftechnik und andere Bereiche werden zu Triebkräften technischer Innovationen, beschreibt Gräfen die Dynamik der fortschreitenden Industrialisierung. Vorsprünge und Rückstände auf solchen Gebieten bestimmen die Wirtschaftspolitik, und die konsequente Anwendung von Wissenschaft und Technik zur Erzielung wirtschaftlicher Erfolge beeinflussen wesentlich den politischen Handlungsrahmen. Was bedeutet das für den einzelnen Ingenieur? Die durch Technik geschaffenen Probleme sind nur durch eine bessere, moderne und umweltschonende Technik zu lösen, ist Gräfen überzeugt und erhob als erste These, daß der Ingenieur zukünftig außer fachspezifischem Wissen und Können fachübergreifende Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben und anwenden muß, um einem erweiterten Technikbegriff, welcher die Systemzusammenhänge Technik, Umwelt und Gesellschaft umschließt, gerecht werden zu können. Fachübergreifende Studieninhalte zum Erwerb außerfachlicher Kenntnisse und Fähigkeiten sollten jedoch, so seine zweite These, nicht durch berufsfremde Sozialwissenschaftlicher aufgepfropft, sondern durch Integration in die naturwissenschaftlich-technischen Fächer und direkte Verknüpfung mit dem Lehrstoff vermittelt werden. Denn solange Fachstudium und nichttechnische Ausbildung beziehungslos blieben, sei der Erfolg fachübergreifender Lehrinhalte nicht gewährleistet. Gräfen äußerte die Überzeugung, daß die derzeitige Ausbildung der Ingenieure aus der Sicht gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Anforderungen kaum fachliche, sondern nichttechnische Defizite aufweise und damit der späteren Verantwortung des Ingenieurs in der Gesellschaft nicht gerecht werden könne. Nicht ohne Grund hat daher der VDI-Ausschuß Studieninhalte unter Mitwirkung Gräfens eine Studienaufteilung empfohlen, derzufolge die Ingenieurausbildung zu 30 Prozent eine naturwissenschaftlich-mathematische Basis, zu 50 Prozent ingenieurwissenschaftliche Grundlagen mit Vertiefung und zu 20 Prozent nichttechnische Fächer umfassen sollte, wobei letzere nicht nur der beruflichen Qualifikation im engeren Sinne, sondern fachübergreifender soziologischer und gesellschaftlicher Kompetenz dienen solle. Als Themen kommen zum Beispiel die Berufsethik des Ingenieurs, die Geschichte der Technik und des gesellschaftlichen Wandels, die Grundzüge der Systemtechnik, Industriesoziologie, Innovationspolitik und Technologietransfer, Philosophie der Technik sowie Technik und Umweltschutz in Betracht. Hinsichtlich der Realisierung derartiger Anforderungen zeigte sich Gräfen jedoch pessimistisch. Trotz Ansätzen etwa in Darmstadt, Bremen, Aachen, Braunschweig und Berlin sei von den technikwissenschaftlichen Fakultäten derzeit nicht sehr viel zu erwarten, meint er und nennt auch die Gründe: Dazu ist die herrschende Lehrmeinung zu festgefügt, der Fachegoismus zu ausgeprägt und die Erbhofmentalität zu eingefahren. Die Isolation einzelner Fachrichtungen und das Anhäufen von Spezialwissen verhinderten die Einbeziehung fachübergreifender Curriculum-Elemente- dazu müßten, um eine weitere Verlängerung des Studiums zu vermeiden, einzelne Fächer entrümpelt werden. Das aber gleicht einer Quadratur des Kreises, denn Einschränkungen des Lehrstoffes werden am Protest des jeweiligen Lehrstuhlinhabers scheitern. Auf die in der anschließenden Diskussion aufgeworfene Frage, wie man die Fakultäten in dieser Situation dazu bringe, fachfremde Studieninhalte nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu lehren, wußte Gräfen kein Patentrezept. Er empfahl eine entsprechende Berufungspolitik, weil der Wandel und die Aufgeschlossenheit für die neuen Anforderungen nur über Personen kommen könne. Widerspruch erntete er mit seiner zweiten These, daß von berufsfremden Sozialwissenschaftlern nichts zu erwarten sei. Ein Teilnehmer bedauerte, daß Gräfen die Kommunikation zwischen Ingenieur- und Sozialwissenschaftlern als gescheitert betrachtete- er selbst hätte sie gerade als Bereicherung in meinen Studieninhalten empfunden. Zweifel an dem Modell Gräfens, die sozialen und ökologischen Fragestellungen der Technik von Ingenieurwissenschaftlern vertreten zu lassen, äußerte ein anderer Zuhörer. Er verwies auf Charles Percs Snows berühmte Kluft der zwei Kulturen und meinte, wenn Ingenieure über Geisteswissenschaften reden, dann wird die Kluft vermutlich nicht geschlossen. Der Württembergische Ingenieurverein verlieh die Ehrenmedaille des VDI Doktor-Ingenieur Roland Idler, Backnang. Idler hat als Leiter der Abteilung Energiewirtschaft einer Großstadt mit zahlreichen Inititativen zur Förderung des sinnvollen Einsatzes von Energie in der kommunalen Gebäudetechnik Hervorragendes geleistet und ein Vorbild für andere Kommunen geschaffen. Als langjähriger Leiter des Arbeitskreises Technische Gebäudeausrüstung hat er die technisch-wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit mit großem Erfolg gefördert. Doktor Willfried Dulson, Köln wurde ausgezeichnet für seine wichtigen Beiträge zur Richtlinienarbeit auf den Gebieten Einzel- und Mehrkomponentenbestimmung organischer Stoffe und Innenraumluftmessungen. In Anerkennung seiner langjährigen und engagierten Tätigkeit als Leiter des Arbeitskreises Bautechnik des VDI-Bezirksvereins Frankfurt-Darmstadt erhielt Prof. Dipl.-Ingenieur Harald Flicke, Heppenheim, die Ehrenplakette des VDI. In Anerkennung seiner langjährigen, mit großer Umsicht wahrgenommenen Tätigkeit als Schatzmeister des Rheingau-Bezirksvereins erhielt Dipl.-Ingenieur Werner Emrich, Taunusstein, die Ehrenplakette des VDI. Der Rheingau-Bezirksverein verlieh Ingenieur( grad.) Karl Trapp, Eltville, die Ehrenplakette des VDI in Anerkennung seiner langjährigen, engagierten Tätigkeit als Exkursionswart des Bezirksvereins. Der Bergische Bezirksverein verleiht die Ehrenplakette des VDI an Dipl.-Ingenieur Franz Josef Meyer, Leverkusen, in Anerkennung seiner langjährigen und erfolgreichen Tätigkeit als Obmann des Arbeitskreises technische Statistik im Bergischen Bezirksverein. Die Aktivierung der Verbandsarbeit und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sind die Schwerpunkte der Arbeit des neugewählten Vorstandes des VDI-Bezirksvereins Saar in den nächsten drei Jahren. Mit einem neugestalteten Veranstaltungskalender hat sich der neugewählte Vorstand seinen Mitgliedern, rund 1400 Ingenieuren der verschiedensten Fachrichtungen vorgestellt. Rudolf A. Klasen wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Nachdem er zwölf Jahre das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden bekleidete, tritt er nun die Nachfolge von Prof. Dipl.-Ingenieur Karl-Heinz Schneider an. Neben der Aktivierung der Verbandsarbeit gilt Klasens besonderes Engagement der Pflege und dem Ausbau der Kontakte im Gebiet Saarland, Lothringen und Luxemburg, den sogenannten Saar-Lor-Lux-Ingenieurkontakten, die er 1980 angeregt hatte, und die nach seiner Aussage heute durch eine intensive Zusammenarbeit einen bedeutenden Beitrag darstellen, dem Berufsstand des Ingenieurs in Staat und Gesellschaft dieser Region die Anerkennung zu sichern, die ihm zukommt. Bei seiner Arbeit wird Klasen von seinem Stellvertreter Prof. Doktor-Ingenieur Helmut Bley unterstützt. Karl-Heinz Ballat verwaltet die Finanzen, das Ressort Schriftführung und Dokumentation obliegt Heinz Krämer. Manfred Rudolf und W. C. Krüger übernehmen die Mitgliederbetreuung. Heinz Müller ist verantwortlich für die Organisation und Koordination. Zum Pressereferenten wurde Karl-Heinz Rott gewählt, und K. H. Guhl ist zuständig für Sonderaufgaben. Wie in allen Lebensbereichen, so ist auch in der Foto- und Videotechnik die Elektronik das beherrschende Element. Zwar spielen Optik und Feinmechanik nach wie vor ihre Rollen, wirkliche Innovationen werden aber heute fast ausschließlich über die Fortschritte in der Elektronik erzielt. Daß dies allerdings nicht immer ein Segen für den Anwender sein muß, haben viele Kameramodelle der letzten Jahre gezeigt. Was nutzen die umfangreichste Ausstattung und die ausgefeiltesten Möglichkeiten, wenn man dafür laufend in taschenbuch-dicken Bedienungsanleitungen blättern muß. Super-Multifunktions-Displays oder doppelt und dreifach belegte Schalter mögen zwar der Stolz der Techniker sein, der Hobbyanwender aber wird nicht selten durch so viel Technik-Firlefanz überfordert. Andererseits sind auch die Kamera-Konstrukteure in der Zwickmühle: Von Marketing-Strategen und Markforschungsabteilungen bedrängt, müssen sie dafür sorgen, daß sich das neue Modell irgendwie von den bereits vorhandenen unterscheidet. Immerhin buhlen weit mehr als 700 verschiedene Kamera- und gut 200 Camcorder-Modelle auf dem Weltmarkt um die Gunst der Kunden. Daß ein sinnvoller Einsatz die Elektronik nicht unbedingt zum Selbstzweck werden läßt, zeigen zwei Beispiele im Video- und Fotobereich: Fuzzy Logic( unscharfe, krause Logik) heißt z. B. Eine neue Technologie, die, nachdem sie in Japan bereits U-Bahnen, Aufzüge oder Haushaltsgeräte steuert, nun auch in der Videotechnik Einzug gehalten hat. Um es kurz zu machen: Fuzzy Logic ist eine Computer-Steuerung, die nicht nur streng digitale Ja-/ Nein -Informationen versteht, sondern auch mit Vielleicht etwas anzufangen weiß. Die Fuzzy Logic-Steuerung erkennt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau- und das in verschiedenen Nuancierungen. Olympus, Pentax oder Sanyo machen sich diese Fähigkeit in ihren neuen Videokameras zunutze, denn hier arbeiten automatische Belichtungssteuerung und automatische Scharfeinstellung nach dem Fuzzy-Prinzip. Bislang war für Belichtungs- und Schärfenmessung immer die Mitte des Motivs ausschlaggebend. In der Mitte des sichtbaren Monitorbildes wurden alle wesentlichen Parameter gemessen und auf diese hier ermittelten Werte wurden Belichtung und Schärfe automatisch eingestellt. Das aber hatte zur Folge, daß der Anwender, wollte er technisch optimale Ergebnisse, darauf achten mußte, daß sich das Wesentliche immer im Mittelpunkt abspielte. War das Hauptmotiv nicht exakt in die Mitte verpflanzt, wurde es nicht optimal aufgezeichnet. Neben anderen denkbaren Problemen bei sich schnell bewegenden Motiven führt eine starre Bildanordnung zwangsläufig zu einer relativ statischen Regie- was der gewünschten Dramaturgie alles andere als zuträglich war. Kurz: Die gedrehten Szenen wurden mit zunehmender Dauer immer langweiliger. Die Fuzzy-Logic-Technologie erlaubt dagegen die Nutzung des gesamten Bildfeldes. Findet die Schärfe- und Belichtungsmessung im Bildzentrum kein geeignetes, fixierbares Hauptmotiv, wird der Meßbereich automatisch zu den Bildrändern hin erweitert- solange, bis das Hauptmotiv von der Automatik gefunden und fixiert worden ist. Und darauf werden dann die entsprechenden Parameter Entfernung und Belichtung schnell und exakt eingestellt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Hauptmotiv kann sich, ohne Verlust der optimalen Abbildungsqualität, überall im Bildfeld befinden und schnellbewegte Motive( zum Beispiel bei Sportaufnahmen oder Schappschüssen) müssen nicht mehr krampfhaft in der Suchermitte fixiert bleiben- was sowieso nur den geübtesten Videofilmern halbwegs wackelfrei gelang. Technisch anders, in der schappschußfreundlichen Wirkung aber ähnlich, arbeitet- als zweites Beispiel- das APZ-System in der neuen Kompakt-Fotokamera Riva-105 von Minolta. Vorbei sind die Zeiten, in denen man mit dem eingebauten Zoomobjektiv hin und her zoomte, bis man für einen gelungenen Schappschuß den optimalen Bildausschitt gefunden hat. Meist war das Motiv bis dahin sowieso schon außer Sichtweite. Das APZ-( Automatic Programm Zoom) -System errechnet in wenigen Millisekunden aus der gemessenen Entfernung zum Motiv die entsprechende Brennweite, die das Hauptmotiv im richtigen Maßstab zum Hintergrund in Szene setzt. Das geschieht ganz ohne besonderes Zutun des Fotografen, der Benutzer braucht lediglich die Kamera ans Auge zu nehmen. Ein Infrarot-Sensor unterhalb des Suchereinblicks aktiviert das System vollautomatisch, sobald sich ihm etwas( zum Beispiel die Nase oder die Wange des Fotografen) nähert. Umgekehrt schaltet er das System auch wieder ab, wenn er nichts mehr in seinem 3 cm bis 5 cm umfassenden Detaktionsbereich erkennt. Das APZ-System arbeitet in einem Bereich von 0,7 m( kürzeste Einstellung) bis 11 m. Bei Entfernungen darüber hinaus wird automatisch die größtmögliche Brennweite 105 mm eingestellt. Diese spezielle Brennweitenautomatik stützt sich bei der Wahl des optimalen Ausschnitts auf Erfahrungswerte, die auch bei manueller Einstellung, nach Erkenntnissen der Minolta-Techniker, jeweils am häufigsten von den Benutzern gewählt worden wären. Bewegt sich das Motiv auf die Kamera zu oder von der Kamera weg, fährt das APZ-System die Brennweite hinterher und stellt so das Objektiv auf jede Veränderung ein. Wer sich nun aber trotz aller Vereinfachungen den Bildausschnitt nicht von der Kamera vorschreiben lassen möchte, der kann mit den manuellen Zoom-Tasten die APZ-Funktion überfahren und- Technik hin, Fortschritt her- nach alter Väter Sitte den Ausschnitt selbst bestimmen. Nur, so behauptet zumindest Minolta, wird der Selbst-Zoomer in der Regel mehr Zeit benötigen, bis er den Schnappschuß im Kasten hat. Wie dem auch sei, diese beiden Beispiele zeigen, daß der Einsatz ausgefeilter Technik nicht nur gute Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber Konkurrenzprodukten bietet. Auch dem Anwender wird schnell klar, daß ihn die Technik nicht belastet, sondern entlastet. Und so kann er sich voll und ganz auf sein Ziel konzentrieren- den gelungenen Schnappschuß. Denn dafür wurde die Kamera ja schließlich angeschafft. Für Instandsetzung und Neubau der Kanalisation dürften in den nächsten zehn Jahren Beträge in Milliardenhöhe ausgegeben werden. Allein in den alten Bundesländern müssen bis zur Jahrhundertwende die Kommunen 165000 Kilometer des insgesamt 600000 Kilometer langen Kanal- und Leitungsnetzes sanieren. Nach Meinung der Bauindustrie kommt der Markt hierfür zwar erst langsam in Gang, doch die westdeutschen Unternehmen, die für diesen Bereich des Spezialtiefbaus in Frage kommen, seien für die anstehenden Aufgaben technisch und wirtschaftlich bestens gerüstet. So gebe es High-Tech-Verfahren, wie die ferngesteuerte Schadensanalyse im Untergrund und einsatzbereite Roboter, die für Menschen nicht zugängliche Ablagerungen im Rohr abspachteln oder abfräsen. Mit dem Ausbau von Informationstechnologie, Computertechnik und Mikroelektronik will DB-Chef Heinz Dürr 30 Prozent mehr Züge auf den bereits vorhandenen Strecken fahren lassen. Warum sollte es nicht wie mit Computer Integrated Manufacturing( CIM) in der Industrie ein Computer Integrated Railroading( CIR) bei der Deutschen Bundesbahn geben?, Fragte Dürr kürzlich anläßlich einer Pressekonferenz. Dürr sucht Wege, die Bahn zu sanieren, die Beförderungskapazitäten im Personen- und Güterverkehr zu erhöhen. Wenn, wie in den ersten Monaten dieses Jahres, die Bundesbahn ein Plus von 6 Prozent im Personen- und von 8 Prozent im Güterverkehr verzeichnen kann, stimmt ihn das froh und nachdenklich zugleich. Denn Deutschlands Bahn quälen Wachstumsschwierigkeiten. Die Beförderungskapazität unter den derzeitigen Bedingungen ist beinahe ausgeschöpft. Deshalb sieht die Bahn-Führungsmannschaft im CIR, also im flächendeckenden Einsatz rechnergestützter Bahntechnik, die Möglichkeit, sowohl die Leistungen des Streckennetzes zu steigern, als auch die Qualität der Beförderung zu verbessern. Doch auch bei diesen Überlegungen mahnt Dürr erneut an, daß von der Bundesregierung endlich Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Deutsche Bundesbahn wie ein normales Wirtschaftsunternehmen arbeiten kann. Es müsse, so der DB-Chef, die seit Jahren diskutierte rechnerische Trennung von Fahrweg und Betrieb erfolgen. Das würde belegen, daß die DB kein Kostgänger der Nation und die 14 Milliarden DM Zuschüsse pro Jahr keine Subventionen sind. Die Konjunktur in den Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft schwächt sich ab. Das EG- weite Wachstum werde sich in diesem Jahr mit 1,25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbieren, schreiben die fünf führenden deutschen Wirtschaftsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten. Die Arbeitslosenquote in der EG ist im Februar mit 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht gestiegen. Darauf weist das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft( Eurostat) hin. Auch hielten die Unternehmen ihre Investitionen zurück: Während im Frühjahr 1990 die Unternehmen noch eine Steigerung der Investitionen um real 11 Prozent planten, betrug die tatsächliche Zuwachsrate im vergangenen Jahr EG-weit gerade 4 Prozent. Besonders Frankreich leidet unter Konjunkturschwäche. Das renommierte französische Institut INSEE sagt für 1991 lediglich ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 1,5 Prozent voraus. Noch zum Jahresbeginn ging die französische Regierung von einer Steigerung um 2,8 Prozent aus. Im März waren 2,6 Millionen erwerbsfähige Franzosen ohne Arbeit- die höchste Zahl seit 1988. Ähnlich verläuft die Entwicklung in Großbritannien. Dort weisen die letzten verfügbaren Angaben einen Rückgang der gewerblichen Produktion um 2 Prozent in den Monaten Dezember bis Februar gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten aus. Die Arbeitslosenzahl ist im März erneut um 112000 auf 2,1 Millionen gestiegen, das ist der höchste monatliche Zuwachs seit 20 Jahren. Der Investitionsrate, die bereits 1989 und 1990 stagnierte, droht im laufenden Jahr sogar ein Rückgang, der sich auf 5 Prozent belaufen könnte. In Deutschland ist die Entwicklung gespalten. Der akuten Strukturkrise in den fünf neuen Bundesländern stehen steigende, wenn auch mäßige Wachstumsraten in Westdeutschland gegenüber. Die Wirtschaftsinstitute erwarten in ihrem Gutachten ein Wachstum für das laufende Jahr von knapp 3 Prozent. Sorgen bereiten die derzeit negative Leistungsbilanz und die erwartete Preissteigerung von 2,5 Prozent im März auf 4 Prozent zum Jahresende. Konjunkturelle Abschwächungen sind auch in Belgien und Italien zu beobachten. Im Verlauf des Jahres wird auch in den Niederlanden mit einer Verlangsamung gerechnet, die Arbeitslosenzahl ist von Januar bis März bereits gestiegen. Ursächlich für das gebremste Wachstum in den EG-Staaten sind nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft( IW) in Köln die Aufwertungen der EWS-Währungen gegenüber dem amerikanischen Dollar und dem japanischen Yen, die weltweite Konjunkturschwäche und das ungünstige Konsum- und Investitionsklima während des Golfkrieges. Trotz des schwächeren Wachstums sieht das Institut jedoch keine Anzeichen für eine längere Misere. Das rasche Ende des Golfkrieges habe zu einem verbesserten Investitionsklima geführt. Auch die Normalisierung der Ölpreise sorge für Entlastung. Sowohl die Unternehmer als auch die Verbraucher erwarten laut IW lediglich geringere Preissteigerungen innerhalb der EG. Trotz der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung verweist das IW darauf, daß die Kapazitätsauslastung der Unternehmen innerhalb der EG noch recht hoch sei: Spitzenreiter ist Deutschland mit 89,5 Prozent. Da Ingenieure immer mehr führende Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung übernehmen, steigt ihre Verantwortung in Beruf und Gesellschaft. Es liegt in ihren Händen, mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten die technische Entwicklung ohne schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur zu gestalten. Sie müssen sich bereits bei den ersten Entwürfen am Reißbrett die Frage nach den möglichen Folgen stellen. Der einzelne ist hierbei überfordert. Er ist auf übergeordete Instanzen angewiesen. Sie müssen ihm Entscheidungshilfen in Form von verbindlichen Maßstäben an die Hand geben. Ziel des Deutschen Ingenieurtages in Berlin ist es, Schritte auf dem Wege zu dieser neuen Verantwortung aufzuzeigen und die Grenzen der Entscheidungsspielräume auszuloten. Antworten auf Fragen zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt, zur Einkommensentwicklung oder zu ganz persönlichen beruflichen Chancen bieten die VDI-Nachrichten mit einem besonderen Service auf dem Deutschen Ingenieurtag( DIT) in Berlin. Experten des Fachvermittlungsdienstes der Bundesanstalt für Arbeit stehen am 14. Und 15. Mai von 9 .30 Uhr bis 17.30 Uhr auf dem VDI-Verlagsstand im Internationalen Congress Centrum( ICC) interessierten Ingenieuren als Gesprächspartner zur Verfügung. Achten Sie also im ICC auf den Verlagsstand, der sich mit dem Motto Berufsperspektiven für Ingenieure präsentieren wird. Dabei ist es gleichgültig, ob Sie Besitzer einer Eintrittskarte für den Deutschen Ingenieurtag sind oder sich einfach nur informieren wollen. Bundesdeutsche Sensorhersteller blicken mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Wie der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Meßwertaufnehmer( AMA), Ulrich Führer, im Vorfeld der internationalen Fachmesse Sensor '91 erklärte, sei die Wachstumserwartung zwar nicht mehr so euphorisch wie in den vergangenen Jahren, aber bis zum Jahr 2000 erwarten die Marktforscher in fast allen Bereichen der Sensorik annähernd eine Verdopplung der erzielten Umsätze. Für Westeuropa errechnet eine Studie der Intechno Consulting in Basel z. B. Ein Marktwachstum von 11,8 Milliarden DM in 1990 auf rund 26,8 Milliarden DM im Jahr 2000. Dabei liegt die größte Dynamik im Anwendungsbereich der Automobil- und Verkehrstechnik, der sich im gleichen Zeitraum von 2,1 Milliarden DM auf über 6 Milliarden DM fast verdreifachen wird. Größtes Marktsegment ist und bleibt allerdings bis zum Jahr 2000 die Prozeßtechnik und der Anlagenbau( 9,4 Milliarden DM). Führer, dessen Verband neben 65 Forschungsinstituten vor allem aus 185 meist mittelständischen Sensorherstellern besteht, sieht die hiesigen Unternehmen gemeinsam mit japanischen und amerikanischen Produzenten im internationalen Vergleich an der Weltspitze. Doch diese Position muß verteidigt werden. Die Experten des Marktforschungsunternehmens Frost und Sullivan, die sich speziell mit dem Segment der Positionssensoren beschäftigt haben, kommen zum Beispiel zu dem Schluß: Um im Vergleich mit High-Tech-Sensoren aus japanischer Massenproduktion bestehen zu können, müssen europäische Hersteller immer einen Schritt voraus sein, sowohl in der Technologie, als auch in den Produktionsverfahren. Dies sehen die Sensoranwender ähnlich: Die Entwicklung zukunftssicherer Sensorik wird in hohem Maße von der Fähigkeit der Sensorentwickler zur Kombination der unterschiedlichen technologischen Disziplinen abhängen, sagt Doktor Wolfgang Ziebart, bei BMW in München zuständig für die Elektronik-Entwicklung. Mikromechanik und Mikrosystemtechnik sind zwei Schlagworte, die diesen technologischen Anspruch beleuchten. Und genau hier liegt auch die Herausforderung für die kleinen und mittleren Unternehmen, die in Deutschland hauptsächlich in diesem Bereich tätig sind. Mit dem Förderprogramm Mikrosystemtechnik sollte ihnen seitens der Bundesregierung der technologische Anschluß in den Mikrotechniken erleichtert werden. Mehr als 500 Anträge auf indirekt-spezifische Förderung einzelner Projekte wurden in nur 13 Monaten eingereicht. Mit einem Antragsvolumen von 150 Millionen DM war damit nach Ansicht des Bundesforschungsministeriums das förderpolitische Ziel erreicht. Ursprünglich auf vier Jahre angelegt, wurde dieser Teil des Programmes schon im März dieses Jahres beendet. AMA-Chef Führer kritisiert, daß der Rahmen zu niedrig gesteckt war und damit Firmen, die bereit seien, Risiken einzugehen, von geplanten Entwicklungsvorhaben absehen müßten. Welches hohe Innovationspotential aber gerade in den Sensorikfirmen liegt, wird sich vom 14. Bis 16. Mai auf der Nürnberger Sensor '91 zeigen. Innovation, die nicht nur für die Hersteller des Meßfühlers wichtig ist: So unscheinbar der Sensor sein mag, er entscheidet auch über die Wettbewerbsfähigkeit des Endproduktes, in dem er eingesetzt wird, ist Führer überzeugt. Trotz ihrer derzeitigen guten Wettbewerbsposition ist die deutsche Sensorindustrie weit davon entfernt, die Hände in den Schoß legen zu können. Denn das heutige High-Tech-Produkt läßt sich schon morgen in irgendeinem Billiglohnland in großen Serien fertigen. Neben die Entwicklung neuer Produkte muß daher vor allem die Sicherung der Qualität als Wettbewerbsargument treten, damit nicht mittelfristig, wie Führer provozierend formuliert, die Bundesrepublik zum Zulieferer der japanischen Industrie wird. Ingenieure haben eine große Verantwortung, indem sie bei der Durchführung ihrer Aufgaben auch die Grundrechte der Person, das Wohl der Gesellschaft und den Schutz der Umwelt beachten müssen. So der VDI in einer Erklärung im letzten Sommer. Trefflich formuliert, werden viele meinen. Und sie haben recht. Dennoch gibt es Situationen, in denen diese Erklärung dem einzelnen nicht weiterhilft. Wie das, mögen die Wohlinformierten fragen, wo doch schon 1950 der VDI das Bekenntnis des Ingenieurs formulierte, das die Aufgaben klar umreißt. Auch da haben sie recht. Aber worauf soll sich der berufen, der keine Rüstungsgüter herstellen will, worauf die Kollegin, die nicht mit Substanzen arbeiten will, deren Langzeitwirkung nicht erforscht ist? Sie werden nichts finden, worauf sie im Falle einer Arbeitsverweigerung pochen können, und schon gar nichts, was ihnen gegenüber einem erzürnten Arbeitgeber den Rücken stärkt. Im Falle der anschließenden Kündigung können sie sich nur auf ihr Gewissen berufen. Dessen Freiheit ist zwar im Grundgesetz verankert, doch ob die Richter diesen Fall gegeben sehen, bleibt ihnen überlassen. Deshalb brauchen auch Ingenieure, ähnlich wie die Ärzte, einen Ethik-Kodex- verbindliche Normen zum Prinzip Verantwortung also, an denen sich ihre Arbeit orientieren, an denen sie sich aber auch messen können. Sie müssen klar und eindeutig die Ziele, den Nutzen, aber eben auch die Grenzen der Technikgestaltung unter dem Aspekt der Verantwortung für Mensch und Umwelt festschreiben. Amerikanische Kollegen des American Institute of Electrical Engineers sind diesen Weg längst gegangen. Sie wissen: Ihr Kodex bietet nicht nur Schutz, sondern auch Ansporn- in Gestalt einer Auszeichnung. Was spricht dagegen, diesen Weg auch in Deutschland zu gehen? Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann war kaum im Amt, da drohte er bereits mit Rücktritt. Werden die deutschen Subventionen nicht um wenigstens 10 Prozent gekürzt, so seine Forderung, wolle er bis Juli zurücktreten. Dem wackeren Politiker ist bei seiner Suche nach den Milliarden, die den Aufbau in den neuen Bundesländern fördern sollen, jede Kürzung recht: Keinen Wirtschaftsbereich will er von seinem geplanten Streich-Konzert ausgeklammert wissen, weder Werften noch Kohle, weder Stahl noch Landwirtschaft. Daß die fünf Wirtschaftsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten sein Credo flankieren, wird dem Minister entgegenkommen: Mit Blick auf die gewaltigen wettbewerbsverzerrenden Folgen rügen die Wirtschaftsforscher schon seit Jahren die grassierende Subventionitis der Regierung- zu Recht: So werden etwa die Staatsausgaben für den Airbus trotz Übernahme durch Daimler-Benz dieses Jahr wieder mehrere Hundert Millionen ausmachen. Auch die Förderkosten deutscher Steinkohle zu 260 DM je Tonne sind, verglichen mit einem Weltmarktpreis von 90 DM, selbst mit dem beliebten Argument der Versorgungssicherheit nicht mehr zu rechtfertigen. Daß der Minister vor dem Tabu-Thema Subventionen nicht zurückschreckt, ist zu begrüßen. Allerdings wird er gegen heftigen Widerstand kämpfen müssen, denn die Empfänger betrachten die Staatshilfen als unantastbaren Besitzstand, den es hartnäckig zu verteidigen gilt, und nicht als das, was sie eigentlich sind: Zeitlich begrenzte Finanzhilfen, die einen notwendigen Strukturwandel erleichtern sollen. Dem drohenden Protest der Lobbyisten versucht Möllemann mit einer salomonischen Lösung beizukommen: Um keine Interessengruppe besonders zu verprellen, will er mit dem Rasenmäherverfahren jeden subventionierten Bereich gleichermaßen stutzen. Wenn Möllemann jetzt scheitert, wird er sich an seine Rücktrittsdrohung erinnern lassen müssen. Ein allzu rasches Gleichziehen der Löhne in den neuen Bundesländern auf Westniveau treibe die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter in die Höhe. Diese Einschätzung einer Hochlohnpolitik durch das Münchner Ifo-Institut bestätigten die fünf Wirtschaftsinstitute in ihrem letzte Woche in Bonn vorgestellten Frühjahrsgutachten ausdrücklich. Die Lohnpolitik in Ostdeutschland kann das Überleben der Betriebe nicht sichern, sondern den Übergangsprozeß nur abmildern, versuchen die wirtschaftswissenschaftlichen Institute überzogene Vorstellungen zu korrigieren. Den Tarifpartnern allein will Bundeskanzler Helmut Kohl das Feld aber anscheinend nicht überlassen. Er forderte nämlich am Vorabend des 1. Mai eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Staat, Unternehmern und Arbeitnehmervertretern. Die aus den Reihen der Koalititonsregierung vorgebrachte Forderung nach Lohnverzicht im Westen als Solidaritätsopfer für den Osten wiesen führende Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes( DGB) auf ihren Maikundgebungen zurück. So wertete DGB-Chef Meyer einen Lohnverzicht als ungegeignetes Umverteilungsinstrument zwischen Ost und West. Die ÖTV-Vorsitzende Monika Wulf-Mathies bezeichnete es als Gipfel des Zynismus, daß Unternehmer und Regierung die Arbeitnehmer jetzt zu Zurückhaltung bei den Löhnen aufforderten. Mit den ersten tariflichen Vereinbarungen, wonach bis 1994 in den neuen Bundesländern das westdeutsche Lohnniveau erreicht werden soll, kommen auf den Staat neue Probleme zu. Die Autoren des Frühjahrsgutachtens legen den Finger in die Wunde: Es scheint, als sei den Beteiligten nicht klar, daß eine Angleichung der Löhne in einem so kurzen Zeitraum fast alle Unternehmen in Ostdeutschland überfordert. Es sei eine Illusion zu glauben, das westliche Kapital könne in einem so kurzen Zeitraum durch die Installation einer modernen Kapitalausstattung ein solches Lohngefüge finanzieren. Das Institut der Deutschen Wirtschaft( iw) sieht mit den jüngsten Tarifabschlüssen zusätzliche Produktivitätszwänge auf die gesamte Volkswirtschaft zukommen. Mittelfristig sei für die ostdeutsche Wirtschaft nichts wichtiger als die rasche Steigerung der Arbeitsproduktivität. Ebenso räumen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit dem Irrglauben auf, eine rasche Lohnangleichung könne die Abwanderung von Arbeitskräften stoppen. Da eine solche Lohnangleichung zusätzliche Arbeitslosigkeit im Osten zur Folge hat, verstärkt sie zugleich den Druck zur Abwanderung in den Westen. Guter Rat ist also teuer. Werde der gegenwärtige Kurs von Gewerkschaften und Arbeitgebern beibehalten, so dürfte sich der Marsch in die Zwei-Klassen-Gesellschaft noch beschleunigen, befürchtet Ifo. Im Oktober lagen nach Angaben des Münchner Instituts die effektiven Bruttolöhne und -gehälter je Vollzeitbeschäftigten in der Ost-Industrie mit 1544 DM um 30 Prozent höher als im Januar 1990. Die Monatslöhne der Bauarbeiter stiegen um mehr als 60 Prozent auf 1942 DM. Nach den bisherigen Lohnerhöhungen auf 50 Prozent bis 60 Prozent des westlichen Tarifniveaus dürften sich die bisher schon gravierenden Wettbewerbsnachteile der ostdeutschen Wirtschaft durch die enormen Lohnerhöhungen, so Ifo, nochmals vergrößern. Durch die Entscheidung der Bundesregierung, die extensive Kurzarbeiterregelung bis zum Jahresende beizubehalten, wird nach Meinung der Wirtschaftsexperten der Hans-Böckler-Stiftung die Zahl der Arbeitslosen statistisch geschönt. Das Mitbestimmungs- und Forschungswerk des DGB geht von einer Ost-Arbeitslosenzahl zum Jahresende von 1,3 bis 1,7 Millionen aus. Die Zahl der Kurzarbeiter werde darüber hinaus noch auf über 2 Millionen steigen. Wenn zusätzlich der Entlassungsschutz im Tarifvertrag der Metallindustrie verlängert wird, wie es unlängst die IG Metall gefordert hat, wird sich die Zahl der Arbeitslosen zwar verringern, die Kurzarbeit hingegen zunmehmen. Um den Arbeitsplatzexodus in Grenzen zu halten, drängen sich sozialpolitische Maßnahmen wie berufliche Qualifizierung und Vorruhestandsregelungen auf. Standen die Zeichen für Vorruhestandsregelungen bei Bundesarbeitsminister Norbert Blüm in jüngster Zeit wieder eher auf Verlängerung der Lebensarbeitszeit, zwingt die Misere im Osten erneut zum Umdenken. Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen( AfA), Rudolf Dreßler( SPD), stellt mit Genugtuung fest, daß der Bundesarbeitsminister begonnen hat, die Frage des erweiterten Vorruhestands in den neuen Ländern zu prüfen. FDP-Parteichef Otto Graf Lambsdorff bringt es auf den Punkt. Die Höhe der noch steigenden Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern ist bedrückend. Patentrezepte lassen weiter auf sich warten. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Mittel. Unter diesem Motto sollen Planungen für Autobahnen, Umgehungsstraßen und Schienenstrecken in Ostdeutschland im Schnellverfahren durchgeführt werden. Mit dem Gesetz zur Beschleunigung der Planungen für Verkehrswege des Bundes in den neuen Ländern sowie im Land Berlin will der Bundesminister für Verkehr, Günther Krause, dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen in den neuen Bundesländern beschleunigen. Die Naturschutzverbände laufen gegen den Gesetzentwurf Sturm. Der Ost-Minister Krause hat sich bereits nach wenigen Monaten seiner Amtszeit als Fehlbesetzung erwiesen, wettert Jochen Flasbarth vom Naturschutzbund Deutschland. Der Gesetzentwurf sei, seiner Meinung nach, in jeder Hinsicht unverhältnismaßig, weil er die Rechte von Bürgern und Naturschutzverbänden unzumutbar einschränke. Der Gesetzentwurf sieht im einzelnen vor, die Planung für Verkehrswege des Bundes und der Linienbestimmung zu beschleunigen und das Raumordnungsverfahren zu verkürzen. Darüber hinaus sollen verwaltungsgerichtliche Verfahren vereinfacht und Enteignungsregelungen präzisiert werden. Für den Vorsitzenden des Verkehrsclubs der Bundesrepublik( VCD), Rainer Graichen, hebelt das Gesetz den Grundsatz der Öffentlichkeitsbeteiligung aus .So Soll die erste offizielle Bürgerbeteiligung bei Planungsvorhaben des Staates nicht mehr im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung( UVP) im Raumordnungsverfahren, sondern erst im abschließenden Planfeststellungsverfahren stattfinden. Dann sind alle Würfel schon gefallen, wendet der VCD-Vorsitzende ein. Um sozial- und umweltverträgliche Planungen erreichen zu können, ist es nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland( Bund) notwendig, möglichst früh den Sachverstand der Umweltverbände und das Wissen potentiell Betroffener abzufragen, zu diskutieren und in die Entscheidung einzubeziehen. Zusammen mit anderen Umweltverbänden hat der VCD die Vereinbarkeit des Beschleunigungsgesetzes mit der EG-Richtlinie 85/ 337/ EWG vom Institut für Umweltrecht in Bremen untersuchen lassen. Das in Bonn vergangene Woche vorgestellte Gutachten kommt zu dem Ergebnis, daß mit dem Beschleunigungsgesetz für Planungsverfahren in den neuen Bundesländern das Gebot der Frühzeitigkeit der Information und das Prinzip der Öffentlichkeitsbeteiligung verletzt wird. Bundesverkehrsminister Krause hält dennoch am Planungs-Beschleunigungs-Gesetz fest. Gegenüber den VDI-Nachrichten erklärte er: Planungszeiten von 10 bis 15 Jahren, wie in Westdeutschland bislang üblich, können wir uns für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Ostdeutschland nicht erlauben. Der Zeitdruck sei groß, wenn der Zusammenschluß zwischen West- und Ostdeutschland auch im Verkehrsbereich erreicht werden solle. Innerhalb von fünf Jahren will der Minister mit den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit- darunter auch der umstrittene Neubau der Straße Lübeck- Stettin entlang der mecklenburgischen Seenplatte- spürbare Verbesserungen im Ost-Verkehrsnetz erzielen. Die Umweltschützer sind zwar nicht grundsätzlich gegen den Straßenbau, sie setzen aber zuerst auf Modernisierung der Infrastuktur. Prioritäten sollten ihrer Meinung nach beim Ausbau des veralteten Schienennetzes der Deutschen Reichsbahn gesetzt werden. Die Regierung in Bonn hat jedoch längst Vorfahrt für die Straße signalisiert. So werden allein eine Milliarden DM laut Koalitionbeschluß in Straßenbaumittel von West- nach Ostdeutschland umgeschichtet. Insgesamt stehen im Haushalt 1991 rund 3,8 Milliarden DM für Straßenbaumaßnahmen im Osten zur Verfügung. Den gleichen Betrag will der Bund 1991 für die Sanierung der Deutschen Reichsbahn aufwenden. In diesem Betrag sind aber neben Verbesserungen des Schienennetzes und Elektrifizierung auch die Anschaffung von Güter- und Reisewaggons sowie E- Loks eingerechnet. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hat es bis zur letzten Enteignungswelle in den Jahren von 1970/ 71 eine recht stark entwickelte Zulieferindustrie gegeben, insbesondere in Thüringen, im Erzgebirge, aber auch im Raum der Großstädte. Bis zur Enteignung dieser Betriebe nutzten die VEB diese recht gern zur Erweiterung ihrer Kapazität, wofür es sogar einen eigenen Planteil Verringerung von Eigenleistungen(!) Gab. Meines Erachtens führte diese Enteignung, d. H. Die Angliederung dieser meist kleineren Betriebe an größere VEB oder direkt an die entsprechenden Kombinate, zur Beschleunigung des Verfalls der DDR-Planwirtschaft, da die VEB auf Grund ihrer Struktur mit riesigen Gemeinkostensätzen arbeiten mußten. Da je nach Duldung durch die örtlichen Organe die ehemaligen Besitzer dieser kleinen Betriebe als Betriebsleiter weiterarbeiten durften, sollte es aber leichtfallen, die alten Besitzverhältnisse und Betriebsstrukturen wiederherzustellen und diese wieder zu Zulieferern für größere Betriebe zu machen. Damit kann ein nicht unbedeutender Beitrag zur Überwindung der wirtschaftlichen Krise in den neuen Bundesländern geleistet werden. Man merkt Ihnen Ihre Erleichterung so richtig an. Schön, daß es wieder ein Gruppenbild ohne Dame ist, wenn sich die Politiker der führenden Wirtschaftsnationen fotografieren lassen, nicht wahr? Ihr Artikel ist ein typisch männlicher in einer von Männern gemachten und vorwiegend von Männern gelesenen Zeitung. Ich kann diesem farblosen, durchschnittlichen, langweiligen und konturlosen John Major nichts abgewinnen. Er ist eine führungsschwache Person, Frau Thatcher war und ist eine- wie auch immer geartete- führungsstarke Persönlichkeit. Selbst die britischen Karikaturisten haben sich bereits beklagt, daß dieser Mann nichts hergebe. Warum wohl? Weil er so ein klares Profil hat?! Sein wahrer- einziger- persönlicher Vorteil ist, daß er ein Mann ist, einer Politikerin hätte man soviel Farblosigkeit schon längst angekreidet, so wie man die männlichen Eigenschaften einer Frau Thatcher bei einem Politiker sicher toll gefunden hätte. Dieser Artikel zeigt es wieder deutlich: Die von Männern dominierte Ingenieurwelt steht in Sachen Emanzipation und Akzeptanz von Frauen- immer noch- ganz, ganz weit hinten. Der Beitrag ist aufschlußreich, aber gefährlich einseitig. Überhaupt nicht behandelt wird die Frage, was im Alter passiert, wenn die Renten das laufende Einkommen ablösen. Hier wird sich für die Mehrheit der heute noch jungen Menschen herausstellen, daß die private Krankenversicherung( PKV) unbezahlbar ist. Darum kann sie schon jetzt, unter den geltenden Tarifbestimmungen, als Vollversicherung nur als Auslaufmodell eingestuft werden. Der versicherte Rentner sieht sich heute Tarifanpassungen im Jahresturnus von bis zu 30 Prozent und mehr ausgesetzt. Sozialpolitisch untragbare Zustände greifen hier um sich, von denen die jungen Versicherten heute weder etwas ahnen, noch etwas wissen können. Sie werden auch darüber offensichtlich nicht informiert. Somit enthält auch der Fragenkatalog eine entscheidende Lücke. Es fehlt nämlich die Frage nach der Tarifgestaltung am Ende des aktiven Arbeitslebens. Erst zu diesem Zeitpunkt kommt das böse Erwachen, weil man mangels jeglicher Alternativen der PKV und ihrer Tarifpolitik voll ausgeliefert ist. Ob der privatversicherte Rentner dabei zum Sozialfall wird, das interessiert offensichtlich die regierenden Politiker im hierfür zuständigen Bundesministerium der Finanzen überhaupt nicht. Hier tut Aufklärung not. Es darf nicht um die Einsparung von heute, sondern es muß vielmehr um die Kosten von morgen gehen! Die in dem Artikel vertretene These, der ISDN-Betrieb sei grundsätzlich teurer als der Modembetrieb, geht von falschen Grundlagen aus. Die ISDN-Bitrate von 64 kbit/ s liegt so hoch, daß die monatliche ISDN-Gebühr von DM 74 schon bei einer Modem-Benutzung von 5 bis 30 Min./ Tag durch die gesparte, zeitabhängige Verbindungsgebühr gedeckt ist, selbst wenn man dazu eine ISDN-fähige PC-Steckkarte kaufen muß. Die Rechnung sieht nur dann anders aus, wenn man im persönlichen Dialog mit Mailboxen, Datenbanken, Btx etcetera arbeitet, ohne dabei Dateien zu übertragen; in diesem Fall spart man ja durch ISDN keine Verbindungszeit. Sicher haben Modems ihre Daseinsberechtigung, aber in Zukunft u. A. Wegen der ISDN- und der DATEX-P-Konkurrenz nicht mehr im professionellen Bereich mit hohem Datenvolumen bei festen Installationen. Und was das weltweit betrifft: rufen Sie mal in Bombay an, wenn das nicht klappt, kann Ihr Modem das auch nicht. Kaum jemand arbeitet mit dem Modem rund um den Erdball! Wenn Hacker das tun, so arbeiten sie mit einer Telefonverbindung zum nächstgelegenen DATEX-P-Knoten, Universitätsrechner o. Ä., Oft sogar im Ortsnetz. Der Hauptteil der Strecke verläuft auf keinen Fall über eine Modemverbindung. Auf dem Sektor Umwelttechnik erreicht nur eine von zirka zehn neuen Verfahrensentwicklungen die erforderliche Marktreife und Wettbewerbsfähigkeit. Das Verfahren der kalten Oxidation wird kaum zu den erfolgreichen gehören. Dies ergibt sich allein aus dem Energieverbrauch der Hg-Dampflampe( 2 KW für 30 bis 50 m3/ h). Das sind bezogen auf die Reinigung von Kraftwerksabgasen zirka 15 bis 20 Prozent des dort erzeugten Stroms. Es wäre sicherlich empfehlenswert, wenn man neuen, innovativen Verfahren zum Umweltschutz zwar positiv, aber auch kritischer gegenüberstehen würde. Die einer Empfehlung gleichkommende Veröffentlichung kann auch Schaden oder Verwirrung anrichten, wenn dessen Weiterentwicklung erkennbar wenig Sinn macht. Eine Altlast des Zweiten Weltkrieges mobilisiert derzeit die Politik: das dioxinhaltige Kieselrot aus dem sauerländischen Marsberg. Zu den gesundheitlichen Risiken durch die rote Asche auf Wegen, Sport- und Spielplätzen kommt ein kaum lösbares Entsorgungsproblem. Durch die gesamte Republik ziehen in diesen Tagen die Mitarbeiter der Städte und Kommunen, um von Spiel- und Sportplätzen, von Friedhöfen, Park- und Siedlungswegen Erdproben zu nehmen. Sie alle suchen nach einer Schlacke, die unter dem Namen Kieselrot ins Gerede gekommen ist- Kieselrot ist in hohem Maße dioxinhaltig. Mitte April wurde im sauerländischen Marsberg in einer am Ortsrand liegenden Schlackenhalde eine der bisher höchsten Konzentrationen an Dioxinen gemessen: 70000 ng pro kg( 1 ng= 1 Milliardstel Gramm). Erstmals sind Dioxinfunde mehr als nur ein regionales Problem: bis 1963 wurden von einer Marsberger Firma nach Schätzungen des nordrhein-westfälischen Umweltministers Klaus Matthiesen 800000 t dieser Schlacke als Belag für Sport- und Spielplätze, Wege oder Schulhöfe verkauft. Bisher unbekannte Mengen wurden auch ins benachbarte Ausland geliefert. Ende April veröffentlichte Matthiesen eine Liste mit 220 betroffenen Städten und bundesweit knapp 300 Verdachtsflächen und betonte, daß das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sei. Am 3. Mai nannte Matthiesen in seiner Regierungserklärung allein für Nordrhein-Westfalen 314 Verdachtsflächen. Neben der Untersuchung der Flächen werden jetzt Vermarktungswege verfolgt und ehemalige Mitarbeiter des 1968 aufgelösten Marsberger Schlackehändlers befragt. Die Dioxinhalde ist eine Altlast des Zweiten Weltkrieges. 1938 bis 1945 wurde im Marsberger Zweigwerk der in Salzgitter beheimateten Hermann-Göring-Werke Kupfer gewonnen. Aber nicht durch damals übliche Verfahren, sondern aus Rohstoffnöten auf höchst abenteuerliche und umweltschädliche Weise( Matthiesen). Als Rohmaterial nutzte man bereits abgebranntes Erz. Um auch noch das letzte Kupfer aus dem Abbrand zu gewinnen, wurde es einer chlorierenden Röstung unterzogen. Dabei wird das restliche Kupfer unter Zusatz von Kochsalz( Natriumchlorid) chemisch aus dem Erz gelöst, als Brennstoff dient Kohle. Die Konsequenzen dieses Verfahrens waren verheerend. Denn Dioxine können sich stets dort bilden, wo thermische Prozesse in Gegenwart von Chlor und Kohlenstoff ablaufen. Die entstehende Schlacke war denn auch hochgradig dioxinhaltig. Bei den in Marsberg entdeckten Funden handelt es sich um hochchlorierte Dioxine, die- verglichen mit dem Seveso-Dioxin- als weniger gefährlich gelten, in ihrer Konzentration den Politikern jedoch Sorgen bereiten. Wie begründet diese Sorgen sind, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Heute geht man davon aus, daß eine bestimmte Menge an Dioxinen ohne Wirkung für den Menschen aufgenommen werden kann, urteilt Doktor Heidrun Sterzel von der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in Neuherberg. Den Marsberger Halden und den durch die rote Asche kontaminierten Plätzen und Wegen schreibt sie keine akute Gesundheitsgefährdung zu. Ähnlich urteilt Prof. Hanspaul Hagenmeier von der Universität Tübingen: Die Dioxinkonzentrationen in der Luft sind in Marsberg nicht höher als in einem beliebigen Ballungsraum. Da die Schadstoffe vor allem über eingeatmeten Staub in den Organismus gelangen oder bei Verletzungen unmittelbar in die Blutbahn geraten, müssen, so Hagenmeier, zunächst die Blutuntersuchungen der Anwohner abgewartet werden, um die Gefährdung durch das Dioxin abschätzen zu können. Hagenmeier erinnert an ähnliche Untersuchungen bei Einwohnern einer dioxinkontaminierten Siedlung im baden-württembergischen Rastatt. Dort fand man in Gartenerde bis zu 8000 ng pro kg. Im Blut der Rastatter jedoch, weiß der Dioxin-Experte, konnte kein erhöhter Dioxingehalt nachgewiesen werden. Toxikologische Grenzwerte für Dioxine und Furane existieren nicht- die Wirkungen der Substanzen im menschlichen Organismus sind noch wenig untersucht. Das Berliner Bundesgesundheitsamt gibt auf Empfehlung des Bund-Länder-Arbeitskreises Dioxine als Richtwerte für einen Austausch des Bodens 1000 ng pro kg in Wohngebieten und 10000 ng pro kg außerhalb von bewohnten Gebieten an. Mehr als ein Orientierungsrahmen ist das nicht. Als Politiker, so die SPD-Abgeordnete Marion Caspers-Merk, müssen wir der Gefahrenabwehr den Vorrang einräumen. Schon Ende April hatte sich deshalb der Bund-Länder-Arbeitskreis dafür ausgesprochen, die Verdachtsflächen der Matthiesen-Liste abzusperren und bundesweit Proben zu ziehen. Schwierig ist dabei nicht nur die Lokalisierung der Flächen, sondern die Frage, wie man damit umgeht. Viele der Plätze wurden in den letzten Jahren saniert, manche auch überbaut. Ein gewisser Vorteil der Dioxine ist, daß sie nicht wasserlöslich und nur in geringem Maße im Boden mobil sind. Ein Abdecken von kontaminierten Plätzen mit einer Teerdecke kann deshalb das Problem kurzfristig lösen, ist aber nicht mehr als ein Notbehelf, betont Caspers-Merk. Völlig offen ist, wie sich 800000 t rote Asche aus Marsberg entsorgen lassen. Eine Expertenkommission im Bundesumweltministerum hat bisher zwei Möglichkeiten ins Auge gefaßt: die Endlagerung in einem alten Bergwerksschacht und die Verbrennung bei hohen Temperaturen. Letztere Alternative gilt angesichts beschränkter Kapazitäten für Sondermüllverbrennung aber nur als wenig realistisch. Wir haben hier, so die SPD-Abgeordnete, ein kaum zu handhabendes Mengenproblem. Auch fehlt es an Erfahrungen mit der Behandlung von dioxinhaltigem Material. In den nächsten Wochen will die Hamburger Firma Dekonta auf einem ehemaligen Standort des ArzneimittelproduzentenBoehringer in der Hansestadt mit der Sanierung von 85000 m2 dioxinverseuchtem Gelände beginnen. Das Material wird bei 800 OC ausgeheizt, dabei verdampfen die Dioxine. In einem Nachbrenner werden die Schadstoffe dann bei 1200 OC zerstört. Das Verfahren, so Dekonta-Mitarbeiter Helge Oehme, würde sich auch für die Marsberger Schlacke eignen. Was uns offensichtlich fehlt, resümmiert Caspers-Merk, ist gesichertes Wissen, wie wir mit dem Dioxin-Problem fertig werden. Die SPD will deshalb auf einer für kommenden Mittwoch in Berlin angesetzten Sondersitzung des Umwelt- und Sportausschusses des Bundestages ein Meßprogramm, die Ausweitung der Grundlagenforschung, die Aufstellung von Grenzwerten und eine einheitliche Entsorgung fordern. Die Länder allein, so Caspers-Merk, sind dabei überfordert. Mit seiner Beteiligung an der neu gegründeten spanischen Aktiengesellschaft Cetecom verschafft sich der RWTÜV eine Möglichkeit, in absehbarer Zeit Fernmeldegeräte für den Anschluß an Postnetze gemäß EG-Richtlinien zuzulassen. Der RWTÜV tritt damit in Konkurrenz zum Zentralamt für Zulassungen im Fernmeldewesen( ZZF), das derzeit noch seine Monopolstellung im Bereich der Netze der Deutschen Bundespost behauptet. Etwa dort hinten wird das Gebäude stehen, in das die Cetecom 1992 einzieht, erläutert Thomas Perez-Benz von der andalusischen Technologie-Park-Gesellschaft Idea dem aus Essen angereisten Führungsstab des Rheinisch-Westfälischen Technischen Überwachungsvereins den Bebauungsplan. Hartmut Griepentrog, seit knapp drei Jahren Vorstandsvorsitzender des RWTÜV, und seine Begleiter haben das Fahrzeug verlassen und steigen vorbei an frisch gepflanzten und künstlich bewässerten Palmen auf einen der zahlreichen Hügel im künftigen Industriegelände vor den Toren Malagas. Wenn rund die Hälfte des 168000 m2 großen Areals in etwa einem Jahrzehnt industriell genutzt sein sollte- die andere Hälfte ist als Parklandschaft vorgesehen-, dann fänden hier bis zu 20000 Personen Arbeit, erläutert Felipe Romera, Geschäftsführer der Idea das ehrgeizige Projekt. Szenenwechsel: Zwanzig Minuten später betritt Prof. Doktor-Ingenieur Hartmut Griepentrog in Malaga den Festsaal des Justizpalastes. An die hundert Vertreter der spanischen Zentral- und der andalusischen Regional-Regierung, Botschafter und EG-Vertreter sowie Repräsentanten großer Industriefirmen haben sich hier versammelt, um der Vertragsunterzeichnung zwischen RWTÜV und der andalusischen Regierung, der offiziellen Gründung der Aktiengesellschaft Cetecom beizuwohnen. Was in offiziellen Reden nicht zum Ausdruck kam, steht deutlicher in einigen zu diesem Anlaß herausgegebenen Papieren. Etwa, daß dank dieser Gründung das deutsche Monopol des ZZF in Saarbrücken neutralisiert werden könne. Das dem Bundespostministerium unterstellte Zentralamt für Zulassungen im Fernmeldewesen( ZZF) erfüllt hoheitliche Aufgaben nach nationalem Recht. Das heißt, nur das ZZF vergibt die begehrte ZZF-Nummer und damit die Bescheinigung, daß ein Fernmeldegerät am Netz der Deutschen Bundespost Telekom betrieben werden darf. Das liberalere EG-Recht gilt und existiert nicht in allen Bereichen, was sich aber mit dem gepanten EG-Binnenmarkt ändern kann. Derzeit im Lande in Konkurrenz zum ZZF treten zu wollen, ist politisch und wirtschaftlich wenig sinnvoll, erläutert Axel Stöhr, Leiter des Institutes für Informationstechnik beim RWTÜV( Essen), die Situation. Auf einen- mit welcher Begründung auch immer- angefangenen Streit, als gleichberechtigte Institution neben dem ZZF anerkannt zu werden, folge frühestens in fünf Jahren eine Entscheidung. Zu spät, um an dem Prüf- und Zertifizierungsmarkt erfolgreich teilzunehmen. Auch sei es wirtschaftlich wenig sinnvoll, in Deutschland ein teures Prüflabor in Konkurrenz zum ZZF aufzubauen. Die teuren Geräte könnten gar nicht so schnell ausgelastet und abgeschrieben werden, wie dies für einen gewinnbringenden Einsatz notwendig sei. Folglich tritt der RWTÜV nur dort im Fernmeldemarkt in Konkurrenz zum ZZF, wo EG-Recht gilt, etwa beim zukünftigen digitalen Mobilfunk. Andererseits weicht der RWTÜV zum Beispiel nach Spanien aus, um von dort aus einen kompletten Prüf- und Zulassungsservice anbieten zu können. Die Cetecom will aber mehr. So geht aus den Unterlagen hervor, daß die neu gegründete spanische Aktiengesellschaft Anstrengungen unternehmen will, die einzige nach den EG-Richtlinien anerkannte Stelle in Spanien zu sein, die neutral und wirtschaftlich sowie unabhängig von Fernmeldetechnik-Herstellern und -Anbietern Endgeräte, Betriebseinrichtungen und Netze prüft, Prüfergebnisse zertifiziert, d. H. Ihnen europaweite Gültigkeit und damit Zulassung zu allen Netzen bescheinigt. Die Gründer des Technologieparks Andalusien erkannten, daß die anzusiedelnden Firmen der Elektronik- und Fernmeldeindustrie nicht nur eine neutrale Prüfstelle und Zulassungsbescheinigungen für ihre Fernmeldeprodukte brauchen, sondern Beratung bereits bei der Entwicklung der Geräte notwendig ist. Deswegen soll Cetecom als weitere Aufgabe auch über EG-Angelegenheiten informieren, Know-how über die Anwendung nationaler und internationaler Standards und Normen weitergeben sowie Schulung vor Produktionsaufnahme und vor Vertriebsbeginn durchführen. Mit der Betriebsaufnahme soll nicht bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes im Jahr 1992 gewartet werden. Der spanische Partner wünscht, das neue Zentrum so schnell wie möglich einzurichten, damit die für 1991 bereits genehmigte Förderung von weiteren 600 Millionen Ptas( zirka 10 Millionen DM) für die Geräteausstattung auch realisiert wird. Nicht so gern hören die stolzen Spanier den Hinweis darauf, daß in dieser Summe zu 2/ 3 Gelder aus dem Star-Programm der EG enthalten sind. Star-Fördermittel fließen an wirtschaftlich unterentwickelte Regionen. Als solche möchten sich die Andalusier aber trotz einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent nicht sehen. Am 29. April 1991 um 12 Uhr mittags waren dann die Verträge unterzeichnet. Der spanische Staat ist über die andalusische Regierung an der Cetecom mit 51 Prozent, der RWTÜV über seine Tochtergesellschaft Indus mit 49 Prozent beteiligt. Das Stammkapital beträgt 650 Millionen Ptas( zirka 10,5 Millionen DM). Verständlich in diesem Zusammenhang die Äußerung vom RWTÜV-Vorstandsvorsitzenden Griepentrog anläßlich der Vertragsunterzeichnung: Dieser Vertrag ist für uns von entscheidender strategischer Bedeutung, da wir jetzt ein komplettes Dienstleistungsangebot im Bereich Telekommunikation anbieten können. Die Absicht, in Greifswald und in Stendal in Ostdeutschland anstelle der dort stillgelegten Reaktoren russischer Bauart zwei neue Kernkraftwerke mit deutschem Sicherheitsstandard zu bauen, hat die Diskussion über das Für und Wider über die Kernenergie wieder einmal heftig belebt. Doch diesmal sind nicht nur politische Parteien unterschiedlicher Meinung, auch die Stromwirtschaft ist sich nicht einig. Die Forderung der großen Stromkonzerne, nur dann neue Kernkraftwerke bauen zu wollen, wenn darüber zuvor ein parteigreifender Konsens erreicht ist, hat die Chancen für die beiden neuen Kernkraftwerke erheblich vermindert. Der Aufsichtsrat der Vereinigte Energiewerke AG( Veag), Berlin, wird deshalb kaum grünes Licht für, die Genehmigungsanträge geben. Am Kapital der Veag, der ostdeutschen Verbundgesellschaft, sind nämlich die Essener RWE, die PreußenElektra/ Veba und das Münchener Bayernwerk mit jeweils 25 Prozent beteiligt, die restlichen 25 Prozent halten die Hamburger Elektricitätswerke, Dortmunder VEW, Badenwerk, EVS Schwaben, Isar-Amper und die Berliner Bewag gemeinsam. Entscheidend sind die drei Hauptaktionäre. Doch RWE-Chef Friedhelm Gieske und Veba-Chef Klaus Piltz fordern unumwunden den breiten politischen Konsens aller politischen Parteien, auch der Grünen, und wollen ohne diesen auch dann kein Kernkraftwerk bauen, wenn sie dafür die Genehmigungen der Landesregierungen erhalten würden. Dagegen würde das Bayernwerk, so Vorstandsmitglied Eberhard Wild, das Risiko eingehen. Doch Wild: Allein ist das Bayernwerk dazu nicht in der Lage, es würde sich überheben. Dabei hatten die Vorgespräche vielversprechend begonnen. Am 4. Januar hatte der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Alfred Gomolka, die Spitzenmanager von Siemens-KWU zu sich gebeten, um nach einem möglichen Zeitplan zu fragen. KWU-Chef Heinrich von Pierer und sein für den Nuklearbereich zuständiger Vorstandskollege Adolf Hüttl hatten ihm versichert, etwa sechs Monate benötigten sie für das Erstellen aller Genehmigungsunterlagen und etwa 18 Monate brauchten die Behörden für die Prüfung. Nach weiteren 57 Monaten könne der erste Strom aus Greifswald fließen, wenn es keine politisch bedingten Verzögerungen gebe. Dasselbe hatten sie wenige Tage später auch dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Gries, erklärt, der in Stendal einen Nachfolger für die stilliegenden russischen Reaktoren haben möchte. Bei Siemens-KWU und in den neuen Ländern atmete man auf, als die neue Bundesregierung in ihren Koalitionsvereinbarungen die bedeutende und unverzichtbare Rolle der Kernenergie betonte und Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann den drei großen Stromkonzernen und Veag-Aktionären seine politische Unterstützung versprach. Doch verwundert rieb man sich die Augen, als Möllemann schon kurz darauf schrieb, für die Stromversorgung seien neue Kernkraftwerke nicht erforderlich. Bei den Stromkonzernen hat diese Haltung nur die Meinung verfestigt, ohne Energie-Konsens keine Mark für die geplanten beiden 1300 MW großen und insgesamt 11 Milliarden DM teuren Blöcke auszugeben. Die Veba zu den VDI-Nachrichten: Ein Energie-Frieden, wie ihn das Deutsche Atomforum von der SPD verlangt, genügt uns nicht. Und Friedhelm Gieske beharrt auf seiner Meinung: Die Erfahrungen mit dem Schnellen Brüter in Kalkar und mit dem Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich sind Grund genug, nur dann ein neues Kernkraftwerk zu bauen, wenn alle Genehmigungen politisch abgesichert sind und die Politik das Risiko übernimmt. Dies lehnt die Politik jedoch ab. Für Bundesumweltminister Klaus Töpfer ist dies ein falsches Verständnis von Demokratie. Da die SPD, wie sie bereits beteuert hat, bei ihrem Nein für neue Kernkraftwerke bleiben will, könnte also Resignation angebracht sein. Bayernwerk-Vorstand Eberhard Wild: Wiederaufarbeitung im Ausland, womöglich Endlagerung im Ausland, Strom kaufen im Ausland, Kraftwerke bauen im Ausland? Kann dies für die Bundesrepublik als hochindustrialisiertes Land der richtige Weg sein? Veba-Chef Piltz sieht das offenbar etwas anders: Ab 1993 haben wir den EG-Binnenmarkt. Was spricht dagegen, wie bei der Wiederaufarbeitung in der Entsorgung europäische Lösungen anzustreben. Nach heutigem Recht ist die Entsorgung zwar eine nationale Aufgabe, aber dies könnte sich ändern. Auf jeden Fall ist derzeit in Deutschland noch kein Silberstreifen für die friedliche Nutzung der Kernenergie in Sicht. Auch der Hinweis, im früheren Ostblock seien noch 108 vergleichbare Tschernobyl-Reaktoren im Einsatz, die jeder für sich gefährlicher seien als alle deutschen Kernkraftwerke zusammen, können die Fronten bei uns( noch) nicht lockern. Dabei ist klar, daß die neuen Kernkraftwerke in Greifswald und Stendal der erste Test dafür sind, ob auch in Westdeutschland neue Kernkraftwerke noch eine Chance haben. Ab etwa Mitte der 90er Jahre, so heißt es, müßten die ersten Entscheidungen über die Nachfolger älterer Reaktoren fallen. Doch welcher Energieträger würde daraus den Nutzen ziehen, wenn die Kernenergie weiterhin auf der Verliererstraße bleiben müßte? Zweifellos die Kohle. Zum Teil die in West- und in Ostdeutschland beheimatete Braunkohle, aber kaum die heimische Steinkohle, denn die Neigung, für sie auch in Zukunft hohe Subventionen zu zahlen, ist rapide gesunken. Deshalb könnte überwiegend kostengünstigere Importkohle zum Einsatz kommen. Ob es den mit Biotechnologie arbeitenden Produktionszweigen gelingt, eine Führungsposition in der Forschung und in der Umsetzung der Forschungsergebnisse in Fertigungsprozesse aufzubauen, hängt weitgehend von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab, mit denen sie konfrontiert werden, so die EG-Kommission in ihrem jüngst verabschiedeten Papier über die Förderung der industriellen Anwendung der Biotechnologie. Ihr wird in diesem Dokument allgemein ein gutes Zeugnis ausgestellt. Um der europäischen Biotechnologie aber in Zukunft eine stärkere Stellung auf dem Weltmarkt zu sichern, müssen einige Schwachstellen ausgeräumt werden. Unzulänglicher Patentschutz, die Zersplitterung des Gemeinschaftsmarktes und nicht zuletzt das schlechte Image insbesondere der Genforschung könnten sich als Achillesferse erweisen. Gemeinsam, so die EG-Kommission, gilt es, diese Schwachstellen zu beseitigen. Eine klare Aufgabentrennung zwischen Wirtschaft und EG-Kommission sieht dabei der für den Binnenmarkt zuständige Vizepräsident der EG-Kommission, Martin Bangemann. Für die Wettbewerbsfähigkeit sind die Unternehmen in erster Linie selbst verantwortlich, hielt er anläßlich der Präsentation des EG-Dokumentes fest. Schließlich stellt die Biotechnologie einen Schlüsselsektor für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinschaft dar. Ihre Bedeutung geht weit über den Bereich der Genforschung hinaus. Wesentliche Faktoren des täglichen Lebens werden von ihr beeinflußt. Die Initiative zur Schaffung neuer Organismen zur Käseherstellung geht von ihr ebenso aus wie die Entwicklung dürreresistenter Pflanzen oder neuer Impfstoffe. Das Anwendungsfeld der Biotechnologie reicht von der Agro-, Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie bis hin zur Energieerzeugung, Metallgewinnung und Müllentsorgung. Zirka 15 Millionen Arbeitskräfte, das sind knapp 20 Prozent der Erwerbstätigen in der EG, arbeiten in diesen Wirtschaftszweigen. Bis ins Jahr 2000, so vermutet die EG-Kommission, werden weitere 2 Millionen Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen werden. Zirka 800 Betriebe in der Gemeinschaft, 1000 in den Vereinigten Staaten und 300 in Japan sind in der biotechnologischen Forschung aktiv. Neben den großen Chemie- und Pharmakonzernen sind in dieser Forschungssparte besonders viele Klein- und Mittelbetriebe tätig. Die rasante technologische Entwicklung in diesem Bereich zwingt den Gesetzgeber dazu, rasch und flexibel auf Neuentwicklungen zu reagieren. Gesetzespläne müssen daher regelmäßig an die neue Situation angepaßt und so ausgelegt werden, daß zukünftige Entwicklungen- zumindest auf rechtlichem Gebiet- bereits vorweggenommen werden. Eine ähnliche Problematik stellt sich im Bereich der Elektronik- und Informatikindustrie. Patente werden in den USA und in Japan länger geschützt als in Europa. Gerade in dem mit hohem Risiko und großen Investitionen verbundenen Biotechnologiebereich besteht daher die Gefahr, daß die Forschung in die Länder abwandert, die den besten Schutz von Forschungsergebnissen gewähren. Die Kommission beabsichtigt daher, den gewerblichen Rechtsschutz in der Gemeinschaft an das internationale Niveau anzupassen und zu verlängern. Die Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament wiederum wirft der Kommission vor, durch diese Maßnahme zur Verschärfung des Hungers in den Ländern der dritten Welt beizutragen. Sie müßten nämlich noch länger tief in die Tasche greifen, um die teuren patentgeschützten Pflanzensamen von den Industriestaaten kaufen zu können. Die Vielzahl von verschiedenen Zulassungsprüfungen hat den EG-Markt zersplittert und die Produktkosten, die letztlich der Konsument zu bestreiten hat, erhöht. Einig sind sich auch der europäische Verband der Chemieindustrie CEFIC und das Europäische Umweltbüro EUB darüber, daß diese Verfahren vereinfacht und doppelte Prüfungsverfahren vermieden werden müssen. Unterschiedliche Auffassungen bestehen aber über die Kriterien, auf denen die Entscheidung über die Zulassung eines Produktes beruhen sollen. Die Kommission beharrt auf eindeutigen und klaren Bedingungen. Sie beabsichtigt daher nicht, zu den bisherigen Beurteilungskriterien- vor allem Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit- weitere hinzuzufügen. Dies könne zu ernsthaften Zweifeln an der Akzeptanz und der Genehmigungsfähigkeit eines Produktes führen. Dies wiederum kann zu Folge haben, so das Kommissionsdokument daß Kapital abwandert und die Wirtschaft die Lust an Innovationen und an der Entwicklung neuer Verfahren verliert. Die Grünen im Europäischen Parlament befürchten, daß durch die angestrebte Vereinfachung allgemein bewährte strengere Vorschriften- wie zum Beispiel die Richtlinien über die Freisetzung von gentechnisch manipulierten Lebewesen in die Umwelt und ihre Handhabung in geschlossenen Systemen- umgangen werden können. Sie werfen der EG-Kommission außerdem vor, daß sie der Lobby der chemischen und der pharmazeutischen Industrie erlegen sei und faktisch deren gesamten Forderungskatalog in das Kommissionspapier übernommen habe. Für Konfliktstoff dürfte auch weiterhin die Regelung ethischer Fagen sorgen. So kritisierte die Biologin Silke Kleihauer vom Europäischen Umweltbüro, daß soziale und wirtschaftliche Aspekte bei den Zulassungsverfahren für Produkte aus der Biotechnologie nicht berücksichtigt werden. Mögliche Auswirkungen der Forschung am menschlichen Embryo oder die Genom-Analyse, die Untersuchung der Erbeigenschaften, können ihrer Ansicht nach einfach nicht unberücksichtigt bleiben. Die Kommission will die Fragen der Ethik allerdings klar von Fragen des Umweltschutzes oder der Sicherheit trennen. Sie will die Ethikdebatte daher auf zwei wesentliche Punkte beschränken:- Fragen über den Schutz der Tiere und die Grenzen des gewerblichen Rechtsschutzes. Dafür soll ein beratender Ausschuß von der Kommission geschaffen werden. Im Rahmen ihrer Unternehmenspolitk möchte die Kommission der Europäischen Gemeinschaft die Zusammenarbeit zwischen europäischen Unternehmen und Dienstleistungesanbietern stimulieren. Eine neue Pilotaktion mit der Bezeichnung, Interprise soll entsprechende lokale, regionale und nationale Maßnahmen unterstützen, um Kontakte zwischen Unternehmen und die Kooperation von kleinen und mittleren Unternehmen zu fördern. Das Interprise-Programm, das mindestens drei Regionen der Gmeinschaft betreffen muß, ist von wenigstens einer Organsisation aus jede der beteiligten Regionen oder Staaten durchzuführen. Es erstreckt sich auf das Gesamtgebiet der Gemeinschaft und bringt grenzübergreifende Regionen, Regionen mit ähnlicher industrieller Infrastruktur oder Regionen mit vergleichbarer oder ergänzender Wirtschaftsstruktur zusammen. Für die Abschaffung oder Änderung einiger Regeln im Montanvertrag hat sich der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Ruprecht Vondran, anläßlich des 40. Jahrestages der Montan-Union ausgesprochen. So sollte das geltende Preisrecht in seiner gegenwärtigen Form nicht mehr angewendet werden, da die veröffentlichten Preise wegen des hohen Importanteils, der nicht den starren Preisregeln unterliege, längst nicht mehr die Marktwirklichkeit widerspiegelten. Zu den Regeln, die laut Vondran geändert werden sollten, gehört auch die Verwendung der Montanumlage. Mittel, die vom Stahl aufgebracht werden, sollten nicht weiterhin überproportional der Kohle zugute kommen. Seinen Vorstellungen nach sollte auch der Artikel 58, der in Krisenzeiten die Regulierung des Erzeugungsflusses durch Produktionsquoten vorsieht, durch eine geschmeidigere Form der Anspassungsregelungen ersetzt werden. Auf Vorschlag von EGVizepräsident Martin Bangemann hat sich die EG-Kommission entschieden, grundsätzlich am Montanvertrag bis zum Jahr 2002 festzuhalten. Bis dahin sollen Kohle und Stahl in den EWG-Vertrag aufgenommen werden. Vondran erwartet die Übernahme von bewährten Regeln des Montanvertrags in den EWG-Vertrag. Die lange Phase der zweistelligen Wirtschaftswachstumsraten neigt sich auch in Südkorea längst dem Ende zu. Das ehrgeizige junge Industrieland muß sich, vor allem was seine Fähigkeiten und Kapazitäten in moderner Technik betrifft, neu orientieren. Besondere Anstrengungen werden in der Fabrikautomatisierung unternommen, wo das Land einen beträchtlichen Nachholbedarf zum Beispiel gegenüber Japan hat. Deutsch- koreanische Kooperationen bieten hier vielversprechende Chancen. Technisches Know-how gehört auch für Korea zu den ausschlaggebenden Einflußgrößen zur Bestimmung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Um so mehr benutzen hochindustrialisierte Länder hochwertige Technik als Abwehrinstrument gegen sogenannte Billig-Wettbewerber, um selbst auf ausländischen Märkten zu bestehen. Südkorea weiß davon ein Lied zu singen. Konnte das Land in den vergangenen Jahren bedeutende Erfolge auf wichtigen technischen Gebieten erzielen, hinkt es doch bei vielen Schlüsseltechniken hinterher. Korea ist längst kein Billiglohnland mehr. Sowohl die massive Aufwertung des Won und die enormen Lohnsteigerungen haben dazu geführt, daß international immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt wurde. So besteht in Korea nicht nur der Zwang selbst zu forschen und zu entwickeln, sondern zunächst auch verstärkt zu rationalisieren, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Factory Automation steht dabei derzeit im Vordergrund der Bemühungen. Wie aus einer Studie der DEG- Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft in Köln- zur Fabrikautomation( FA) in der koreanischen Industrie hervorgeht, sind die vorrangigen Ziele der Koreaner Kapazitätserweiterungen, Kostenreduzierungen und die Verbesserung der Qualität. Bisher allerdings wurden durch die Investitionen im FA-Bereich nur Kapazitätserweiterungen erreicht, wobei es sich in der Masse der Fälle um Low-Cost-Automation handelt. Die koreanische Industriestruktur ist eigenwillig. Neben einer Anzahl riesiger und moderner Großunternehmen, die durchaus wissen, worauf es in der Technik in Zukunft ankommt, gibt es ein Heer von kleinen Unternehmen, die vielfach chaotisch und frühkapitalistisch organisiert sind. Sie sind auch nicht vom geistigen Potential und vor allem nicht vom Kapital her ausgerüstet, um in größerem Stile zu rationalisieren und modernisieren. Aus diesem Grunde fehlen ihnen auch bei den Automatisierungsbestrebungen ein problemorientierter Ansatz und eine Problemanalyse. Es ist nicht zu leugnen, daß die koreanische Wirtschaftspolitik und die Verbände sich durchaus der eigenen Problematik im Klaren sind. In diesem Sinne arbeiten daher auch seit einiger Zeit das Wirtschaftsministerium- das in seinem Aufbau und seiner Macht durchaus mit dem mächtigen japanischen Miti zu vergleichen ist- und andere Ministerien und Verbände, darunter vor allem das Finanzministerium, eng zusammen. Zahlreiche Industriebranchen sollen dadurch technisch auf die Füße gestellt werden. Dazu gehört beispielsweise die Textilindustrie Koreas, die man mit attraktiven Investitionsförderungen für die Zukunft stärken will. Dabei geht es speziell um Erleichterungen bei Einfuhrzöllen für rationalisierungsfördernde Fabrikanlagen. Außerdem werden die Abschreibungsfristen deutlich verkürzt und damit die Steuerlast für viele Firmen vermindert. Zur Zeit noch tun sich die koreanischen Firmen trotz des ausgeprägten Willens zur Automatisierung schwer. Zu den Schwachpunkten gehört, wie aus der DEG-Studie hervorgeht, eine klar erkennbare Unausgewogenheit hinsichtlich des Technologiestandes innerhalb eines Bereiches. So sind High-Tech-Geräte, wie Industrieroboter zwar vorhanden, aber es bleiben weiterhin ein antiquierter Materialfluß und einfache Hilfsmittel an manuellen Arbeitsplätzen zu beobachten. FA-Einrichtungen sind unzureichend in den betrieblichen Ablauf integriert. Häufig ist die alte, starre Organisation beibehalten und führt zu Schwierigkeiten mit der FA-Anlage. Wie auf der Technogerma, der bisher größten deutschen Industrieausstellung in Seoul in Diskussionen mit Koreanern sehr deutlich wurde, ist die japanische Konkurrenz in allen Bereichen und insbesondere auch in der Fabrikautomation extrem stark. Mehr als 50 Prozent der einschlägigen Einfuhr kommt aus dem benachbarten Japan. Die Stärke der Japaner liegt dabei nach Aussagen von Kennern der Szene darin, daß sie- ungeachtet ihrer großen Unbeliebtheit im Lande- Koreaner ausbilden und ihre Ersatzteilversorgung und ihr Kundendienst makellos sind. Auf staatlicher Seite bestehen in Korea schon seit einiger Zeit starke Bestrebungen, sich aus der japanischen Abhängigkeit zu lösen. In der Praxis ist es allerdings für die Koreaner aufgrund der vielen Vorteile, die die Japaner bieten, nicht so einfach, sich aus dieser Klammer zu lösen. So bieten die Japaner auch vielfältige Informationsquellen und Experten. Die DEG weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß das Angebot von deutscher Seite noch sehr dürftig ist. Bisher noch hinken die Koreaner beim fertigungsvereinfachenden Gestalten von Produkten hinterher, obwohl auf diesem Gebiet ein großes Rationalisierungspotential erkannt wird. Die Schwierigkeit liegt zum einen darin, daß Korea noch zu wenig eigenentwickelte Produkte hat. Aufgrund des über viele Jahre niedrigen Lohnniveaus sah man in Korea auch keine dringende Notwendigkeit, an solchen Verbesserungen zu arbeiten. Nachholbedarf besteht auch für den Bereich Technologieentwicklung/ Verfahrensänderung als Mittel der Lösung von Fertigungsproblemen und als Voraussetzung für FA-Maßnahmen. Für die Qualitätssicherung gilt, daß mehr auf das Vermeiden von Fehlern als auf ihre Prüfung gelegt werden sollte. Prüfdaten werden zwar erfaßt, aber nicht praxisgerecht analysiert und ausgewertet. Die DEG empfiehlt in ihrer Studie auf der Anbieterseite ein Paketangebot, das aus Information, Beratung, Projektierung, Realisierung, Ausbildung und Service besteht. Angesichts des großen Bedarfs auf koreanischer Seite gibt es nicht zuletzt aus technologischen Gesichtspunkten für deutsche Firmen ein breites Kooperationsfeld. Dabei handelt es sich sowohl um Komponenten, Computer-Technologien, FA-Betriebsmittel, Dienstleistungen und vieles mehr. Zu den großen Hindernissen auf dem Weg zu engen Kooperationen zwischen einschlägigen deutschen Firmen und koreanischen Unternehmen auf dem Gebiet der Fabrikautomation gehört bisher aber noch die berüchtigte und vielzitierte H- Liste. Kaum ein Land in Südostasien verfügt über eine derart gute Telekommunikationsinfrastruktur wie Hongkong. Schon jetzt nutzen die Chinesen die Kabel und Satelliten des Stadtstaats, wie nachfolgend Udo Kessler vom Hong Kong Trade Development Council beschreibt. Die Telekommunikation gilt nicht nur in Europa als Zukunftsmarkt. Hohe Investitionen und Wachstum sind nach Angaben des Hong Kong Trade Development Council( HKTDC) in Frankfurt am Main auch in der asiatisch-pazifischen Region zu erwarten. Dort lebt rund die Hälfte der Weltbevölkerung, es sind aber erst 17 Prozent der weltweiten Telefonanschlüsse installiert. In den nächsten fünf Jahren sollen daher mehr als 100 Milliarden US-Dollar vor allem für den Ausbau der Telekom-Infrastruktur ausgegeben werden. China plant beispielsweise, die Zahl der Telefonanschlüsse bis 1995 von derzeit sechs auf 15 Millionen zu erhöhen. Zur weiteren Entwicklung Chinas sind bessere Telekom-Dienste unerläßlich, sagte Lore Buscher, Geschäftsführerin des HKTDC in Frankfurt. Hongkong werde dabei vor allem den chinesischen Südprovinzen als Verbindung zur Welt dienen und als internationales Telekommunikationszentrum an Bedeutung gewinnen. Über Hongkong hat Südchina zum Beispiel Zugang zu den Tiefsee-Glasfaserkabeln, über die die Kommunikation mit den Pazifikanrainern abgewickelt wird. Zudem nutzt das an Hongkong angrenzende Guangdong seit Mitte 1990 Satelliten- und Kabelverbindungen des Stadtstaats für die weltweite Kommunikation. Die Zahl der internationalen Gespräche ist seit dieser Zeit um 85 Prozent gestiegen; die Kommunikation Chinas mit Taiwan über Hongkong hat sich verfünffacht. Das bedeutet laut Buscher zusätzliches Geschäft für die Hong Kong Telecom-Gruppe. Der größte Anbieter von Kommunikationsdienstleistungen im Stadtstaat unterhält nicht nur das Telefonnetz in Hongkong, sondern auch eine Satelliten-Bodenstation mit fünf Antennen und ist an einem Netzwerk von Unterseekabeln beteiligt. Das Unternehmen werde schon deshalb mit Südchina gute Geschäfte machen, da die wirtschaftliche Verflechtung mit Hongkong weiter zunehme. Aus Kostengründen verlagern immer mehr Firmen ihre Produktion aus dem Stadtstaat in die angrenzenden Sonderwirtschaftszonen Chinas, wo inzwischen rund 2 Millionen Menschen für Auftraggeber aus Hongkong arbeiten. Was die Zahl der Fernmeldeeinrichtungen angeht, kann das kleine Hongkong bereits mit zahlreichen Superlativen aufwarten: Nirgends sind im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr mobile Telefone im Einsatz, und nur in Japan gibt es pro 1000 Geschäftsleitungen mehr Faxgeräte. 3 Millionen Telefonanschlüsse und über das weltweit größte lokale Glasfaserkabelnetz. Über 600000 Rufempfänger( Pager) ist inzwischen jeder zehnte Einwohner ständig erreichbar. All dies ist nötig, denn nur so kann Hongkong als internationaler Handelsplatz bestehen, sagt Buscher. Hongkong müsse im Bereich Telekommunikation immer auf dem neuesten Stand sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zu den vielfältigen Dienstleistungen gehören im Faxbereich zum Beispiel das Infofax- ein Abrufdienst für Nachrichten, Wetterkarten, Flughafeninformationen, Börsenkurse etcetera, das Chekfax zur Überprüfung des Faxgerätes und das Adfax zur Versendung von Werbung per Fax. Diese und andere Serviceleistungen werden ebenfalls von der Hong Kong Telecom bereitgestellt. Zu dieser Unternehmensgruppe, an der die britische Cable und Wireless mit 58,5 Prozent die Mehrheit hält, gehören vier Teilunternehmen:- Hong Kong Telephone bietet Telefon-, Fax- und Datenübertragungsdienste an.- Hong Kong Telecom International, die frühere Cable und Wirless( Hongkong) Ltd., Ist für das Auslandsgeschäft zuständig. Dieses Teilunternehmen betreibt die bereits erwähnte Satelliten-Bodenstation und kann auf verschiedene Tiefseekabeltrassen zurückgreifen.- Hong Kong Telecom CSL ist unter anderem für die Mobilkommunikation und andere Zusatzdienste verantwortlich.- Computasis bietet zum Beispiel Datenverarbeitungssysteme und Computer-Dienstleistungen an. In der Telekom-Branche des Stadtstaats sind in 137 Unternehmen mehr als 17000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firmen stellen vom schnurlosen Telefon über das Faxgerät bis zum Satelliten-Empfangsgerät alles her, was in den Bereich Telekom fällt. Die Eigenexporte erreichten im letzten Jahr einen Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar( plus 14 Prozent). Die wichtigsten Märkte sind die USA( Anteil: 39 Prozent), China( 30 Prozent), Großbritannien( 7 Prozent) und Japan( 6 Prozent). Die Bundesrepublik und die meisten anderen Märkte in Europa fallen noch nicht ins Gewicht. Durch die jüngste Liberalisierung dürfte aber gerade in diesem Bereich das Wachstum in den nächsten Jahren besonders groß sein. Fast eine Million Arbeitslose, nahezu zwei Millionen Kurzarbeiter in Ostdeutschland. Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten den Aufschwung in den fünf neuen Bundesländern erst im nächsten Jahr. Sie kritisieren, daß die Milliardenhilfen noch nicht gewirkt haben: Auf Dauer müssen die neuen Länder ohne staatliche Hilfe auskommen. Im Frühjahrsgutachten heißt es ungeschminkt: Die ostdeutsche Wirtschaft durchläuft gegenwärtig eine Phase schmerzhafter Anpassungen. Im Klartext heißt dies: Nach dem Einbruch im Sommer letzten Jahres und einer kurzen Stagnationsphase ist die Industrieproduktion in den Wintermonaten weiter deutlich zurückgegangen. So stehen den Ausfuhren in die Staaten des früheren Ostblocks im Jahr 1990 in Höhe von 33 Milliarden DM im laufenden Jahr Exporterträge von höchstens 10 Milliarden DM bis 15 Milliarden DM gegenüber. Von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Ostdeutschlands wird in diesem Jahr fast die Hälfte durch Importe- auch aus Westdeutschland- gedeckt, prognostizieren die fünf Institute Ifo( München), HWWA( Hamburg), RWI( Essen), DIW( Berlin) und IfW( Kiel). Die Wirtschaftsexperten kennen auch die Gründe für die gegenwärtige Krise: Der Übergang zur Marktwirtschaft, die Öffnung der Märkte und der Aufwertungsschock bei der Einführung der DM haben die fundamentalen Mängel des bisherigen Wirtschaftssystems mit einem Schlag offengelegt und die Anpassungsfähigkeit der Betriebe überfordert. Zudem seien die Unternehmen in den neuen Bundesländern zu rasch mit einer Lohnpolitik konfrontiert worden, die sich einseitig an den Westlöhnen und nicht an der Produktivität der ostdeutschen Wirtschaft orientiere. Die Institute warnen davor, Löhne und Produktivitätsentwicklung noch weiter als bisher zu entkoppeln. Eine lohnpolitische Wende habe bisher nicht stattgefunden. Vielmehr schienen alle Dämme gebrochen zu sein. Das ostdeutsche Lohnniveau dürfte nach Schätzung der Wirtschaftswissenschaftler bereits gegen Ende des laufenden Jahres rund 60 Prozent des westdeutschen betragen. Im ersten Halbjahr 1990 machte es eben ein Drittel des Westniveaus aus. Das Drehen an der Lohnschraube ziehe auch milliardenschwere Konsequenzen für den Staat nach sich. Mit den Löhnen stiegen auch die Arbeitslosen- und Kurzarbeitergelder erheblich. Die Kaufkraft in Ostdeutschland habe zwar kräftig zugenommen und belebe die Binnennachfrage. Die Kehrseite ist jedoch, daß mit jeder Lohnerhöhung die Kostenbelastung der ostdeutschen Betriebe steigt, warnen die Wirtschaftsinstitute. Hinzu komme, daß diese Kosten im Wettbewerb nicht erwirtschaftet werden können und die Ostunternehmer daher zur Zahlung von Löhnen und Gehältern auf die von der Treuhandanstalt verbürgten Kredite zurückgreifen, anstatt diese Gelder für eine Neustrukturierung zu nutzen. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Wolfgang Roth lastet die ostdeutsche Misere auch der Bundesregierung an. Er spricht von einer Mitschuld der Regierung an der dramatischen Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage. Der Bundesregierung sei es bisher nicht gelungen, den Fadenriß beim Export in die ehemaligen Ostblock-Staaten zu verhindern und den versprochenen Vertrauensschutz gegenüber den früheren Handelspartnern wirklich zu gewährleisten. Die westdeutschen Milliardenspritzen als Hilfe zur Selbsthilfe haben offensichtlich noch immer nicht gegriffen. Die Institute kritisieren besonders, daß in den neuen Bundesländern ein sich selbst tragender Prozeß angestoßen werden müsse, der letztlich auf Dauer ohne staatliche Hilfe auskommen müsse. So werfen die Gutachter dem Staat vor, daß ein Großteil der öffentlichen Mittel nicht für wachstumsfördernde Maßnahmen in Ostdeutschland verwandt werde. Der Niedergang der ostdeutschen Industrie war angesichts der geringen Wettbewerbsfähigkeit allgemein erwartet worden. Die Hoffnungen, daß andere Bereiche, insbesondere die Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor, ein Gegengewicht bilden könnten, wurden bisher enttäuscht. Um die für die Jahreswende 1991/ 92 erwarteten zarten Konjunkturhoffnungen am Leben zu erhalten, fordern die Wirtschaftswissenschaftler klare Subventionsregeln für die Ostunternehmen. Das Gießkannenprinzip beim Bonner Subventionsregen dürfte den Staat bald überfordern: Die einzige Möglichkeit einer Subventionsfalle zu entgehen, ist die Setzung klarer zeitlicher Begrenzungen auf höchster politischer Ebene für den Übergangsprozeß. Konkret schlagen die Wirtschaftsinstitute vor, die Treuhand solle eine Gruppe von Unternehmen auswählen, bei denen sie eine Überlebenschance sieht und diesen für einen begrenzten Zeitraum Überlebenshilfen anbieten. Fazit: Am Ende dieser Frist muß das Unternehmen entweder privatisiert oder überlebensfähig sein. Eine andere Lösung könne es kaum geben, um nicht weitere Dauersubventionen entstehen zu lassen. Die Banken und Kreditinstitute in Deutschland haben nach Ansicht der mittelständischen Unternehmen zu viel wirtschaftlichen Einfluß. 88 Prozent der Unternehmen sind nach einer Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft( BVMW) dafür, die Beteiligung von Banken an Wirtschaftsunternehmen gesetzlich einzuschränken oder ganz zu verbieten. Durch die Beteiligung würden die Banken zu direkten Konkurrenten ihrer anderen Kunden und gerieten in Interessenskonflikte, erklärte der BVMW-Hauptgeschäftsführer Dieter Härthe in Bonn. Nach Ansicht von fast 90 Prozent des Mittelstandes sollten die Banken sich auf ihre klassischen Dienstleistungen beschränken und die Finger von Versicherungen, Bausparen, Immobilien und EDV-Dienstleistungen lassen, sagte Härthe. 78 Prozent der befragten Unternehmer wollten auch keine Mitarbeiter bankeigener Beratungsfirmen bei sich sehen, weil sie fürchteten, daß Informationen an Konkurrenten weitergereicht werden. Die mittelfristige Orientierung der Finanz- und Wirtschaftspolitik in Deutschland wird beibehalten werden. Wir wollen kein Zurück zum stop and go der 70er Jahre. Das sagte Bundesfinanzminister Theo Waigel in Washington. In der Diskussion um die Zinspolitik seien alle Beteiligten an niedrigeren Zinsen interessiert, aber dabei müsse inflationsfreies Wachstum angestrebt werden. Waigel stellte die Steuererhöhung in Deutschland und deren Beitrag zur Entlastung des Kapitalmarktes heraus. Er verwies zugleich auf die hohe Ersparnisbilanz in Deutschland, mit der die Vereinigung der beiden Teile finanziert wurde. Einen sehr ermutigenden Eindruck von der Existenzgründungsszene in den neuen Ländern hat die Deutsche Ausgleichsbank, Bonn, aus einer Umfrage unter 2200 Gründern gewonnen, die sich 1990 zu beruflicher Selbständigkeit entschlossen haben. Danach haben mit 98,5 Prozent nahezu alle Angeschriebenen ausdrücklich bestätigt, daß sie diesen Entschluß auch zum Zeitpunkt der Umfrage, Ende Januar 1991, noch für richtig hielten. Bis zum Abschluß der Untersuchung Ende März habe auch keiner der angeschriebenen Gründer seine selbständige Existenz wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten wieder aufgeben müssen. Erst begeistert begrüßt, jetzt manchmal scheel angesehen: die Mitbürger aus den fünf neuen Bundesländern. Bei der globalen Schelte an der früheren DDR wird kaum ein Bereich ausgelassen. Doch das technisch-wissenschaftliche Potential des neuen Ostens ist in Wahrheit weit größer, als viele West-Bürger je glauben würden. Für die ostdeutschen Mitbürger legt Prof. Erich Häußer, der Präsident des Deutschen Patentamts in München( DPA) jederzeit die Hand ins Feuer. Als engagierter Beobachter und Mitgestalter des problemvollen und schwierigen Zusammenwachsens beider deutscher Teilstaaten sieht er einen großen Nachholbedarf in Suhl wie in Erfurt, in Chemnitz wie in Dresden: Die Menschen dort drüben sind deutlich motivierter als so mancher hier im Westen. Denn, so resümiert Häußer seine Ost-Erkundungen: Ich schätze das Kreativitätspotential der neuen Bundesländer als sehr hoch ein. Obwohl aus westlicher Sicht alles veraltet zu sein scheint, was im geplagten Osten heute noch an Industrieanlagen vorzufinden ist, haben die Wissenschaftler und Forscher, die Ingenieure und Techniker zwischen Rügen und dem Erzgebirge gerade auf ausgesprochen modernen High-tech-Feldern eine Menge zu bieten. In der früheren DDR wurde auf Gebieten wie etwa der Bio- sowie der Gentechnik sehr gute und innovative Arbeit geleistet, bestätigt Häußer. Das gelte erstaunlicherweise auch für die scheinbare West-Domäne der Informatik. Gerade weil es im Osten aus vielerlei Gründen an modernen Geräten wie Rechnern, Speichersystemen und Druckern schwer gemangelt hat, wurden auf dem Gebiet der Programme dort oft ganz ausgefuchste Lösungen erarbeitet, die das schwere Defizit an Technik irgendwo ausgleichen mußten. Weshalb es jetzt auch niemanden wundern sollte, wenn künftig gerade von Computer-Fachleuten aus dem Osten höchst attraktive, innovative und effiziente Programme und Systeme entwickelt würden. Soweit sich die hohe technische Kreativität der neuen Bundesbürger konkret in Gestalt attraktiver Patentanmeldungen niederschlagen wird, erhofft Häußer sich gerade im Osten vor allem von Einmann-Erfindern sowie von kleinen und mittleren Unternehmen- die ja auch im Westen traditionell eine ausgeprägt große Rolle spielen- besonders viel. Die Gruppe der kleinen Patent-Anmelder dürfte nämlich laut Häußer jenseits der Elbe anteilig noch stärker vertreten sein als im Westen Deutschlands: Im Osten unseres Landes ist man sogar ausgesprochen patent-minded. Das nämlich habe sein Amt nicht zuletzt an Hand der großen Zahl( 19166) jener Anträge gesehen, die jeweils auf die Umwandlung eines der alten Wirtschaftspatente in eines der modernen, westlichen Ausschließungs-Patente mit seinen umfassenderen Rechtsgarantien abgezielt haben. Patente werden auch im Osten als wertvolle Investitionen betrachtet- doch im Gegensatz zu West-Firmen leider mit dem Unterschied, daß man zur Zeit dort nicht so unbeschwert anmelden kann wie bei uns. Die prekäre wirtschaftliche Lage zwinge die Unternehmen in der aktuellen Phase der Umorientierung zu vorsichtigem Kalkulieren- man rechnet mit spitzem Stift- und der Mangel an Finanzkraft habe viele Betriebe sogar veranlaßt, ganze Patent-Abteilungen zu entlassen. Aus Häußers Sicht zwar sicher eine kontraindizierte Maßnahme, was sich in der extrem problematischen Lage von heute aber durchaus auch verstehen lassen sollte. Häußer, der auch seinen neuen Mitarbeitern aus dem früheren DDR-Patentamt bescheinigt, auf vielen Gebieten sehr gute Arbeit geleistet zu haben, ist derzeit intensiv darum bemüht, das einzige deutsche Institut für gewerblichen Rechtsschutz- es gehört zur Berliner Humboldt-Universität- vor der drohenden Abwicklung zu bewahren. Allein diese Universität habe eine spezielle Ausbildung zum Patentingenieur zu bieten und sei höchst wertvoll, dies zeigten jene 177 der knapp 400 vom alten Amt her übernommenen Mitarbeiter, die über Prüfer-Qualifikation verfügten. Im Bonner Justizministerium wird derzeit ein sogenanntes Erstreckungsgesetz vorbereitet, das wohl erst mit Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten wird. Es soll die Rechtseinheit auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes in Deutschland vollenden und dazu insbesondere jene zahlreichen Rechtsfragen klären, die bei Kollisionsfällen der einzelnen Schutzrechtsarten nach altem DDR- und altem West-Recht auftreten können. Wie also beispielsweise dann, wenn zwei Unternehmen das gleiche Markenzeichen führen möchten. Die Übernahme der Prüfer des alten DDR-Patentamts, die natürlich durch Schulungskurse auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet werden, bietet laut Häußer die Möglichkeit, die Qualität des Prüfungsverfahrens zu verbessern. Denn fortan kann Häußers Amt zunächst auf einzelnen technischen Gebieten und später für alle Bereiche der Technik die russische Patentliteratur und Dokumentation für das Prüfungsverfahren nutzbar machen; verfügten viele der neuen Prüfer doch nicht nur über entsprechende Sprachkenntnisse, sondern liege jetzt auch eine vollständige Dokumentation der osteuropäischen Schriften und Literatur vor, die das korrekte Ermitteln des wahren Standes der Technik weiter erleichtern werde. Seit Mitte Februar stehen die Halleschen Pumpenwerke, ehemals Stammbetrieb des VEB-Kombinats Pumpen und Verdichter, wieder unter privatwirtschaftlicher Regie: Die KSB AG, Frankenthal, ist neuer Hauptgesellschafter des Betriebs in Halle, der 1989 einen Umsatz von 250 Millionen Ostmark auswies. Der symbolische Kaufpreis: 1 DM. Mit Paul Rosemann, Sprecher der Geschäftsleitung der KSB Halle GmbH, sprach Rolf O. Karis. VDI-Nachrichten: Herr Rosemann, warum engagiert sich KSB in Halle? Rosemann: Für eine so weitreichende Entscheidung gibt es meist eine ganze Reihe von Argumenten. In diesem Fall hatten wir auf der einen Seite die unternehmerisch-rationalen Gründe: Unsere Fertigungskapazitäten in den alten Bundesländern sind überlastet, zum Teil mußten und müssen wir unseren Kunden zu lange Lieferzeiten zumuten. Insbesondere unser Geschäftsbereich Umwelttechnik- hier fertigen wir Pumpen für die industrielle und kommunale Abwasserentsorgung- ist von diesem auch personellen Kapazitätsproblem betroffen. Das Werk Halle bringt uns die erforderliche Personal- und Produktionskapazität. Auf der anderen Seite gibt es auch die nicht rein rationale Firmenphilosophie: Wir wollen die Arbeit zu den Menschen bringen und nicht Arbeitskräfte abziehen. Im Fall Halle ergibt das eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung. Das Potential an qualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren bleibt Halle erhalten, und KSB erweitert die Fertigungskapazität in einem vielversprechenden Markt. Und drittens wollen wir in Halle mit den Pumpen für die Umwelttechnik gerade die Pumpen bauen, die in den Städten und Gemeinden der neuen Bundesländer und der osteuropäischen Länder dringend gebraucht werden. VDI-Nachrichten: In den neuen Bundesländern steigt die Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen rapide an- werden Sie alle Mitarbeiter übernehmen können? Rosemann: Wir übernehmen zunächst alle Mitarbeiter. Doch die Bestellungen für das bisherige Hallesche Pumpenprogramm sind schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres spürbar zurückgegangen. Und der geplante Transfer von Teilen der Fertigung aus unserem Standort Pegnitz nach Halle ist nicht in wenigen Monaten möglich. Es gibt da also eine gewisse Durststrecke. Mit der Treuhand haben wir deshalb bereits einen teilweisen Abbau der Belegschaft vereinbart. Der Betriebsrat hat einem Sozialausgleich zugestimmt, der eine Verringerung der Mitarbeiterzahl von derzeit 1 700 auf 1100 bis 900 vorsieht. VDI-Nachrichten: Wie bereiten Sie denn Ihre verbleibenden Mitarbeiter in Halle auf ihre Arbeit nach westlichen Maßstäben vor? Rosemann: Mit entsprechenden Schulungsmaßnahmen haben wir schon im letzten Jahr begonnen. Eine Reihe von Halle-Mitarbeitern aus der Fertigung, aus der Konstruktion und Entwicklung, aus der Datenverarbeitung und aus dem Verkauf werden bereits seit Oktober 1990 in verschiedenen Standorten der KSB-Gruppe für ihre neuen Aufgaben geschult. In unserem Frankenthaler Stammhaus sind nun auch Meisterschulungen, Fremdsprachenkurse, EDV-Schulungen sowie Kurse in Betriebswirtschaftslehre geplant. Auch externe Schulungen sind vorgesehen, insbesondere, was den Verkauf betrifft. VDI-Nachrichten: Sie sprachen bereits von einem geplanten Transfer von Teilen der bisherigen KSB-Fertigung nach Halle. Was wird KSB nun demnächst in Halle produzieren? Rosemann: Zunächst weiterhin das bisherige Programm aus Halle wie Kraftwerkspumpen, Pumpen für die Chemie und die Verfahrenstechnik, Bewässerungspumpen sowie Spezialpumpen für den Fernwärmebereich. Neu hinzu kommen werden Abwasserpumpen, die wir bislang noch in unserem Werk in Pegnitz fertigen. Die Überleitungsarbeiten haben wir bereits im Vorgriff auf eine positive Entscheidung der Treuhand im Januar dieses Jahres begonnen. Erste Aufträge werden bereits in Halle bearbeitet. Ich gehe davon aus, daß ab Mitte dieses Jahres eine erste Baureihe von Abwasserpumpen komplett aus Halle geliefert wird. VDI-Nachrichten: Ohne größere Investitionen werden Sie diese Umstrukturierungsmaßnahmen nicht schaffen. Welches Volumen planen Sie für dieses Jahr? Rosemann: Noch in diesem Jahr werden wir in Halle ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen DM realisieren. Für die Folgejahre sind weitere erhebliche Investitionen geplant. In erster Linie dienen sie der raschen Rationalisierung bei der bestehenden Fertigung, der Erneuerung von Maschinen wie auch der Umrüstung in der Datenverarbeitung. Wir werden moderne Arbeitsplätze einrichten und die Fertigungslogistik optimieren. Halle wird unser Zentrum für Umweltschutz-Pumpen sein. VDI-Nachrichten: Aus den Unterlagen ist ersichtlich, daß Halle-Pumpen bisher überwiegend in den sozialistischen Wirtschaftsraum gingen. Kann KSB diese Vertriebswege weiter nutzen? Rosemann: Zum Teil ja. Beispielsweise bei allen Nachlieferungen und bei Ersatzteilen gibt es ja direkte Beziehungen zwischen dem Hersteller und dem Betreiber. Auch die übrigen direkten Kundenkontakte, wenn sie über Montage- oder Servicearbeiten geknüpft wurden, können wir weiter nutzen. Die früheren staatlichen Beziehungen und Möglichkeiten sind jetzt natürlich verschwunden. Doch die Pumpen aus Halle haben in vielen Anlagen in den osteuropäischen Ländern und in Nahost einen guten Ruf. Deshalb rechnen wir aus diesen Ländern weiterhin mit Aufträgen für das bisherige Pumpenprogramm von Halle. Trotz aller vorhandenen Schwierigkeiten gehe ich in diesem Jahr von einem Umsatz in Höhe von rund 100 Millionen DM aus, worin aber schon etwa 20 Prozent bis 25 Prozent Neuprogramm enthalten sind. Entgegen den meisten Prognosen hat der Dollar in den letzten drei Monaten gegenüber der Deutschen Mark um fast 20 Prozent zugelegt, nachdem Anfang Februar ein neuer Allzeittiefstkurs registriert worden war. Nicht die Nachfrage der Anleger, sondern massive konzertierte Interventionen der Zentralbanken lösten damals die Wende des Dollar nach oben aus. Daß die Signale der Währungshüter eine so nachhaltige Wirkung erzeugten, ist wohl zu einem wesentlichen Teil auch dem raschen und überzeugenden Sieg der Amerikaner im Golfkrieg zu verdanken. Läßt sich die psychologische Stütze, die der Dollar dadurch erhalten hat, aber auch fundamental rechtfertigen? In aller Regel ist die Kombination von relativ hohem Wachstum mit verhältnismäßig niedriger Inflation eine ideale Voraussetzung für die Stabilität der entsprechenden Währung. Stellt man nun aber die aktuelle Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialprodukts der Entwicklung des deutschen gegenüber, so ist festzustellen, daß das Wachstum der Vereinigten Staaten in den letzten zwanzig Jahren noch nie so stark hinter dem der Bundesrepublik zurückgeblieben ist wie heute. Selbst wenn sich in den Vereinigten Staaten bereits Mitte des Jahres wieder eine Erholung durchsetzen sollte, werden die USA den Wachstumsrückstand wohl nur teilweise wettmachen können. Einerseits dürften die bekannten strukturellen Probleme der USA wie das hohe Budgetdefizit, die enorme Verschuldung der Konsumenten und die Bankenkrise den Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft bremsen. Andererseits sollten die binnenwirtschaftlichen Impulse, die die Bundesrepublik aus dem Investitionsbedarf der fünf neuen Bundesländer erhält, einen stärkeren Konjunktureinbruch in Deutschland verhindern. In der bald zwanzigjährigen Geschichte seit Einführung flexibler Wechselkurse haben relativ hohe Zinsen eines Landes üblicherweise die entsprechende Währung gefestigt: Die Nachfrage der Anleger nach der entsprechenden Währung steigt aufgrund des attraktiven Zinsniveaus und wirkt so währungsstabilisierend. Die jüngste Dollarhausse fällt nun jedoch ausgerechnet in eine Zeit, in der sich die relativen amerikanischen Zinsen im historischen Vergleich auf einem rekordtiefen Niveau befinden. DM-Geldmarktanlagen weisen gegenüber Investitionen in Dollar gegenwärtig einen Zinsvorteil von rund 3 Prozent auf. Dieser Fall ist bisher weder in den siebziger noch in den achtziger Jahren je vorgekommen. Sicher ist der enorme Finanzbedarf Deutschlands für den Aufbau der neuen Bundesländer mitverantwortlich für diese Konstellation, doch erscheint es fraglich, ob die innerdeutsche Problematik ein ausreichendes Fundament für eine längerdauernde Bevorzugung des Dollar durch den Markt abgeben kann. Der Zinsvorsprung, den die Deutsche Mark am Geldmarkt zur Zeit verbuchen kann, ist vor allem eine Folge der straffen Geldpolitik der Deutschen Bundesbank und kann meines Erachtens nicht als Risikoprämie gegenüber dem Dollar interpretiert werden. Die während des Golfkriegs geweckte Begeisterung für die USWährung dürfte nun weitgehend abgeklungen sein. Bei weiterhin schlechten Konjunkturnachrichten könnte ein deutlicher Rückschlag eintreten. Wer über Dollarpositionen verfügt, sollte diese deshalb jetzt abbauen oder zumindest absichern. Eine gute Idee benötigt häufig einen langen und hürdenreichen Weg, bevor sie als erfolgreiche Innovation bezeichnet werden kann. Das Buch behandelt die Schwierigkeiten, mit denen besonders Mitarbeiter aus dem Teilbereich Forschung und Entwicklung täglich zu kämpfen haben und zeigt Lösungsvorschläge. Wie alle Steuergesetze ist auch das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz kompliziert und unübersichtlich. Hilfestellung will der vorliegende Leitfaden geben. Hilfreich sind dabei zahlreiche Gestaltungshinweise sowie Mustertestamente mit jeweiliger Erläuterung der steuerlichen Auswirkung. Das Buch gibt es nur beim Verlag Wolfgang Kastner, Altenholzer Straße 5-7, 2300 Altenholz. Das bekannte betriebswirtschaftliche Lehrbuch liegt nun in vierter, überarbeiteter und erweiterter Auflage vor. Themenschwerpunkte sind die Struktur und Entwicklung von Industriebetrieben, Standortwahl, Produktionsmethoden sowie die Produktions- und Absatzprogrammplanung. Für die Neuauflage wurden alle Beiträge überarbeitet und aktualisiert. Neue Entwicklungen wie der EG-Binnenmarkt und andere sich abzeichnende Veränderungen wurden dabei berücksichtigt. Zeit ist Geld- der Spruch ist mittlerweile alt. Daß der Zeitwettbewerb mitentscheidend ist für Erfolg oder Mißerfolg ganzer Branchen, wollen die Autoren in ihrem Buch beweisen. Sie setzen die Schnelligkeit eines Unternehmens bei der Reaktion auf den Markt gleich mit der Bedeutung solcher Faktoren wie Produktivität und Qualität. Anhand von Fallstudien zeigen die Autoren, wie Kosten und Schnelligkeit voneinander abhängen und wie der Markt den Zeitgewinn honoriert. Kalt, Wirtschaft in den Medien, Institut für Medienentwicklung und Kommunikation in der Verlagsgruppe Frankfurter Allgemeine Zeitung. 352 S., 68 DM. Das Interesse an Berichterstattung bei Themen aus der Wirtschaft war noch nie so groß wie zur Zeit. Das vorliegende Werk versucht die Zusammenhänge zwischen der Wirtschaft selbst und ihren Berichterstattern aufzuzeigen. Wie die Zusammenarbeit zwischen Managern und Wirtschaftsjournalisten funktioniert, erklären namhafte Journalisten und Redakteure. Verträge regeln unser aller Leben von der Wiege bis zur Bahre. Wie Verträge im Berufs- und Geschäftsalltag vorbereitet und verhandelt werden, erläutert der Autor im vorliegenden Werk. Meins vermittelt in drei Abschnitten die Kunst der Vertragsverhandlung: Im ersten Teil stellt er die systematischen Vorbereitungsarbeiten vor, die im zweiten Teil in Form einer Checkliste die regelungsbedürftigen Punkte abfragt. Im dritten Abschnitt schließlich geht der Autor auf die Verhandlung selbst ein. Das Werk wendet sich an junge Führungskräfte in juristischen, kaufmännischen und technischen Unternehmensbereichen. Hat das Land der aufgehenden Sonne in Sachen Hochtechnologie seinen Zenit bereits überschritten? Noboru Makino und Yoshiro Hoshino, zwei japanische Technologie-Experten, nehmen in ihrem Buch Japans Wirtschaft und Technik rigoros unter die Lupe. Da wird die rasante Aufholjagd der asiatischen Schwellenländer in der Spitzentechnik ebenso selbstkritisch reflektiert wie die gefährlichen Kreativitätsdefizite Nippons und die drohende Isolation der japanischen Wirtschaft. Die Thesen der Autoren haben es in sich: Das amerikanische Hochtechnologie-Defizit gegenüber Japan wird immer größer, der Mensch kann mit den Systemen der Großtechnologie nicht mehr Schritt halten, neue Technologien produzieren zunehmend Streß. Makino und Hoshino kritisieren aber nicht nur, sie wagen auch Prognosen. Etwa über die Chancen für den großen Durchbruch bei der Supraleitung oder für die Entwicklung des Neurocomputers. Ihre Analysen sind dabei immer global- das neue Europa haben sie genauso im Blick wie die technischen Probleme Chinas oder die wirtschaftlichen Perspektiven der Perestroika. Droht ein Arbeitnehmer im Streit, das Arbeitsverhältnis zu beenden, ist das nicht als Kündigung zu verstehen. So das Landesarbeitsgericht Düsseldorf. Mache der Arbeitnehmer im Streit Äußerungen wie Wenn sich hier nichts ändert, dann ist am Monatsende für mich Feierabend!, Sei das in der Regel als Demonstration von Stärke und Entschlossenheit zu verstehen, nicht als Kündigung.( Urteil vom 25. September 1990, 8 Sa 1175/ 90). Wer eine EDV-Anlage samt Programm kauft, kann nicht automatisch das ganze Paket zurückgeben, wenn ein Programm nicht funktioniert. Nach dem Grundsatz Alles oder nichts geht es laut Bundesgerichtshof nur, wenn das klar im Vertrag steht, wenn die Bestandteile technisch nicht zu trennen sind oder sonst wegen besonderer Umstände klar ist, daß das Paket nicht aufgeschnürt werden kann oder soll.( Urteil vom 7. März 1990, VIII ZR 56/ 89). Ein technischer Fehler bei der Ausschreibung befreit einen Handwerks-Fachbetrieb nicht von der Verantwortung für Mängel. Als eine Firma wegen unbrauchbarer Anstricharbeiten Schadenersatz zahlen sollte, schob sie die Verantwortung auf Fehler der Ausschreibung. Dazu der Bundesgerichtshof: Es sei die Geltung der VOB/ B vereinbart worden, deshalb hätte die Firma die Planung prüfen müssen. Hätte sie das getan, wäre es nicht zu den Mängeln gekommen. Deshalb muß sie für den gesamten Schaden aufkommen.( Urteil vom 11. Oktober 1990, VII ZR 228/ 89). Ab 1. Januar 1993 soll nach den Plänen der EG-Wirtschafts- und Finanzminister ein Informationssystem die kommende EG-Umsatzsteuerregelung flankieren, nach der Lieferungen in die EG nur noch im Bestimmungsland umsatzversteuert werden. Dessen Finanzbehörden können dann die Angaben für die Besteuerung über dieses System abrufen. Ein Vermieter kann nicht wegen Eigenbedarfs kündigen, wenn er selbst die Möglichkeit verbaut hat, den Eigenbedarf ohne Kündigung eines Mieters zu befriedigen. Deshalb erklärte das Bundesverfassungsgericht die Kündigung eines Vermieters für unwirksam, der eine Wohnung für seinen Sohn beanspruchte, obwohl im selben Haus demnächst eine vergleichbare Wohnung frei wurde. Die hatte er jedoch schon wieder vermietet. Das Gericht betonte, die Entscheidung bedeute keine Änderung seiner Rechtsprechung zum Eigenbedarf.( Beschluß vom 13. November 1990, 1 BvR 275/ 90. Erfährt die Gewerbeaufsicht vom Finanzamt, daß ein Unternehmen hohe Steuerrückstände hat, kann sie ein Gewerbeverbot wegen Unzuverlässigkeit aussprechen. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim: Das Steuergeheimnis tritt hinter dem öffentlichen Interesse am ordnungsgemäßen Gewerbebetrieb zurück.( Urteil vom 30. August 1990, 14 S 937/ 88. Strukturwandel auch im Waagengeschäft: Wie allgemein im Maschinenbau, geht der Trend zum Systemgeschäft, zum Servicepaket. Dabei schrumpft der Anteil der Waage selbst an der gesamten Wertschöpfung immer mehr. Die Wertschöpfung machen wir heute mit Service, markiert Doktor Willy Jucker, Mitglied der Unternehmensleitung des Präzisionsinstrumente-Herstellers Mettler-Toledo in Greifensee bei Zürich, den Wandel einer Branche. Der Übergang von der Zeigerwaage zur digitalen Waage hat mehr als nur optische Veränderungen gebracht. Im Gerät steckt nun Rechnerleistung und Speicherkapazität. Ganze Betriebsabläufe verändern sich dadurch. Nicht anders sieht es im Labor aus, und in fast jedem Labor steht mindestens eine Waage: Periphere und offene Kommunikation werden zu strategischen Begriffen, genau wie im Computerbusiness. Und ebenso ist es im Industriebereich, wo man noch massiv wachsen kann, freut sich Jucker: Gerade die Elektronik kann da neue Teilmärkte schaffen. Es ist die gleiche Geschichte wie in vielen anderen Industriezweigen auch: Der Einbruch der Mikrochips krempelte den ganzen Maschinenbau um. Mit wachsender elektronischer Intelligenz im Gerät wachsen freilich auch die Begehrlichkeiten; denn diese können nicht nur mehr, sie lassen sich auch untereinander und mit anderen Apparaten koppeln. Die Verknüpfung ganzer Labors wird damit möglich, und Wägevorgänge lassen sich nun in die automatisierten industriellen Fertigungsprozesse integrieren. Die Zukunft liegt also im Systemgeschäft, das bislang erst einen geringen Anteil am Gesamtvolumen hat. Runde 90 Prozent sind noch dem Standardgeschäft vorbehalten. Freilich zeigt sich bei solchen Überlegungen, wie sehr die Mikroelektronik auch die klassischen Begriffe selbst durcheinandergewirbelt hat: Denn eine Waage mit integriertem PC, sinniert Jochen Wienbeck, Geschäftsführer der Mettler-Toledo GmbH in Gießen, ist das eigentlich noch eine stand-alone-Lösung? Eine zweite Entwicklung bestimmte die Geschicke der Branche gleichermaßen: Die zunehmende internationale Konzentration. Das Wachstum des Schweizer Unternehmens vom kleinen Waagenbauer zur weltweit operierenden Gruppe spiegelt auch diesen Prozeß wider. Mettler hat sich profiliert im Labor, beschreibt Jucker den Werdegang der ursprünglichen schweizerischen Gründung, die den ersten Teil des Gruppennamens bildet, mit Toledo kommt der eigentliche Industriewaagenbereich hinzu. Die Übernahme der amerikanischen Toledo Scale Corporation im Jahre 1989 brachte nicht nur eine Erweiterung des Produktsortiments und des Namens. Sie katapultierte das Unternehmen gleichsam über Nacht in eine völlig neue Dimension: Betrug der konsolidierte Gruppenumsatz im Jahre 1988 noch 491 Millionen sfr, so schnellte er durch die Übernahmen auf mehr als 1,18 Milliarden sfr im Folgejahr 1989. Diese erstaunliche Akquisition wird begreiflich, wenn man eine andere Größenordnung mitbetrachtet: Schon eine ganze Weile früher nämlich war Mettler selbst in den Besitz eines ganz Großen übergegangen: seit 1980 hält der Basler Chemie-Konzert Ciba-Geigy 100 Prozent der Aktien. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Gruppe einen Gesamtumsatz von rund 1,2 Milliarden DM mit 6500 Mitarbeiter weltweit. Ungefähr die Hälfte der Verkaufserlöse wurden dabei in Europa erzielt und etwa 40 Prozent in den USA. Nach Produktsparten entfielen rund zwei Drittel auf den Bereich Industrie und Handel, gute 20 Prozent auf den Laborbereich. Und schließlich ist auch dies noch bemerkenswert, wenngleich nicht unüblich bei Schweizer Unternehmen: Zirka 95 Prozent des Verkaufsumsatzes wird außerhalb der Schweiz erzielt; etwa 3400 Millionen DM hiervon kommen aus dem Geschäft in Deutschland. Die Mutter Ciba-Geigy im Hintergrund erklärt zwar, wie man eine gleich große Firma schlucken kann. Daß man sich an dem Brocken nicht verschluckt, das garantiert diese Tatsache noch nicht. Doch da hat Jucker keine Probleme, weil es keine starken Überschneidungen gibt: Vom Sortiment her praktisch nichts, erläutert er, von der Organisation her, ja. Denn in den Industrieländern hatte Toledo eigene Vertretungen, wie Mettler auch. Das aber glaubt man durch Umstrukturierungen in den Griff zu bekommen, die die Situation im jeweiligen Land berücksichtigen. Dort operieren die Gesellschaften als von der Holding relativ unabhängige Einheiten. Trotz der Konzentrationsbewegung hält der Markt übrigens noch Überraschungen bereit. Wenn man an die großen Zahlen denkt, dann spielt sich die Konkurrenz zwar vor allem mit den Japanern ab, die auch in Europa gut Fuß fassen konnte. Da glaubt man sich durch die Fusion gerüstet und macht sich umgekehrt Gedanken, wie man dort selber noch stärker werden kann. Jucker: Unser Focus ist sicher der Ferne Osten. Das gilt vor allem für den Ladenbereich. In einem anderen Segment aber, weiß Jucker, sind die großen Konkurrenten eher eine Vielzahl kleiner Firmen: Im Industriebereich sind es die lokalen. Es gibt also eher sehr differenzierte Märkte als den einen großen Weltmarkt. Wie stellt sich das für eine Schweizer Holding dar, angesichts des kommenden Europäischen Binnenmarkts? Was die Normung anbetrifft- bei Waagen ein zentraler Punkt-, da hofft man auf die EG und weitgehende Vereinheitlichung. Aber darüber hinaus? Ciba-Geigy ist sehr aufgeschlossen für eine Mitgliedschaft, zitiert Jucker die Konzernphilosophie und schließt sein Unternehmen ein: Wenn die Grenzen alle offen sind, könnte man sich vorstellen, daß man mit einem oder zwei Verteilungszentren auskommt in Europa. Denn in der Logistik müssen neue Wege gesucht werden, um die Warenflüsse zu optimieren, so seine Sicht der Dinge, weil da zu viel Kapital gebunden ist. Die ökonomische Seite macht im Alpenland also kaum Mühe: Politisch aber glaube ich, daß wir Schweizer uns da etwas schwertun. Auf dem PC-Markt gehören rasante Wachstumsschritte mittlerweile der Vergangenheit an. Anders bei der Peripherie. Deutschlands Marktführer in der PC-Zubehör-Distribution, Computer 2000, baut Umsatz und Ertrag in atemberaubendem Maße aus. Jochen Tschunke hat gut lachen. Denn schlechte Nachrichten gibt es aus dem Hause Computer 2000 nicht zu vermelden. Der Vorstandssprecher umschreibt die rasante Expansion des Münchner PC-Zubehör-Distributors eher bescheiden: Wir konnten unser bisher gezeigtes Wachstum nicht nur beibehalten, sondern unsere ehrgeizigen Planzahlen noch übertreffen. Dahinter verbirgt sich ein Umsatzplus von 130 Prozent auf rund 605 Millionen DM( per 30 .9 .90). Ein Teil des Zuwachses resultiert dabei aus Unternehmenskäufen, wie Tschunke berichtet. Etwa die 60 Prozent-Beteiligung an dem britischen Handelshaus Frontline Distribution Ltd. Mit rund 130 Millionen DM. Zwei deutsche Neugründungen im vergangenen Jahr steuerten Wachstumsimpulse bei. Die Axxam GmbH, die sich mit Produkten aus dem Umfeld der Computermarke Apple befaßt, und die Workstation 2000 sorgen für ein 10 Millionen DM-Umsatzplus. Über 23 Millionen DM Umsatz kamen von den noch jungen Töchtern Computer S. A. In Spanien und der Computer 2000 N. V., Belgien. Doch auch um die Neuzugänge bereinigt, konnte der Computer-Peripherie-Lieferant ein Wachstum von 80 Prozent vorweisen. Entsprechend dem erfreulichen Geschäftsverlauf, stellt Tschunke fest, konnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Über 340 zusätzliche Mitarbeiter wurden unter Vertrag genommen, zum Ende dieses Jahres werden es voraussichtlich rund 1000 sein. Die Einstellungen dürften dem Computer 2000-Management nicht schwer gefallen sein. Denn wie der Umsatz wuchsen im abgelaufenen Geschäftsjahr auch die Erträge kräftig an. Der Gewinn vor Steuern( 23,6 Millionen DM) nahm um 126 Prozent, der Jahresüberschuß( 13 Millionen DM) sogar um 160 Prozent zu. Mit den guten Ergebnissen verfügt Computer 2000 über eine Basis für die weitere Expansion in Europa. So wurde jetzt eine Mehrheitsbeteiligung an der schwedischen Expander Informatic Group, dem dort führenden Distributor für Softwareproduke, eingegangen. In Italien sei die Tinte zwar noch nicht trocken, sagt Vorstandssprecher Tschunke. Dennoch gibt er die geplante Beteiligung an der Mailänder EIS bekannt, einem Distributor von Hard- und Softwareprodukten rund um den PC. Frankreich ist bislang noch ein weißer Fleck auf der Computer-2000-Landkarte, steht aber ganz oben auf der Prioritätenliste, sagt Tschunke. Innerhalb der nächsten zwölf Monate will man auch dort aktiv werden. Zunächst soll jedoch eine Konsolidierung stattfinden, so Tschunke weiter. Er zeigt sich zuversichtlich, das Computer 2000 bis zum Ende des Geschäftsjahres 1992 ein gesamteuropäisches Unternehmen sein wird. Die expansive Strategie des Münchner Computer-Zubehörhändlers soll auch mit einer Kapitalerhöhung auf insgesamt 16,5 Millionen DM unterstützt werden. Zu den wichtigsten Aktionären gehören bislang die Colonia- und Nordstern-Versicherung sowie die Commerzbank mit je 10 Prozent, Management und Belegschaft sowie der Oetker-Sprößling Arend mit je 13 Prozent. 5 Prozent hält ein Geschäftsmann, der nicht genannt werden möchte, 39 Prozent sind gestreut. Meldungen, wonach Oetker eine Mehrheit an Computer 2000 anstrebe, wies Tschunke als Spekulation zurück. Auch in den ersten vier Monaten dieses Jahres kam die positive Entwicklung des Unternehmens nicht zum Stoppen. Tschunke meldet bereits wieder ein Wachstum von rund 150 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau weist für März 1991 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum einen realen Rückgang von 15 Prozent auf. Dabei standen nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau( VDMA), Frankfurt, einem Zuwachs der Inlandsaufträge um real 6 Prozent ein Rückgang der Auslandsorders um real 32 Prozent gegenüber. Der deutsche Siemens-Konzern will den Industrieautomations-Bereich des US-Elektronikkonzerns Texas Instruments Inc., Dallas/ Texas, kaufen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde zwischen der Siemens-US-Dachgesellschaft Siemens Corp., New York, und TI unterzeichnet, teilten die Unternehmen mit. Bei der geplanten Transaktion handelt es sich um das Geschäft mit speicherprogrammierbaren Steuerungen, die in unterschiedlichen Anwendungen in allen industriellen Bereichen eingesetzt werden. An der neuen Volkswagen Bratislava Spol. Sr. O., Einer GmbH nach dem Recht der CSFR, sind die Volkswagen AG, Wolfsburg, zu 80 Prozent und die slowakische Regierung zu 20 Prozent beteiligt. Die Gesellschaft soll zunächst mit einem Kapital von 60 Millionen DM ausgestattet werden, wobei VW dazu eine Bareinlage von 48 Millionen DM leistet. Durch weitere Kapitaleinlagen von VW in Höhe von 140 Millionen DM in den Jahren 1992 und 1993 werde der VW-Anteil auf 94 Prozent ansteigen. Der verschärfte Wettbewerbsdruck und dadurch bedingte deutlich niedrigeren Ergebniserwartungen für die nächsten Jahre haben bei Hoechst Auswirkungen auf die Investitionsplanungen. Doktor H. J. Kablitz von der Zentralen Direktionsabteilung der Hoechst AG erklärte, bei Hoechst verringerten sich wegen des verschärften Wettbewerbs auch die Möglichkeiten für Kapazitätserweiterungen. Während die Sachinvestitionen 1990 bei der Hoechst AG um 13,2 Prozent auf 1,31 Milliarden DM und im Konzern um 6,3 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden DM gestiegen sind, beziffert Kablitz den Investitionsetat der AG für 1991 mit knapp über 1 Milliarden DM. Der Kapitalanlagemarkt ähnelt dem Softwaremarkt. Hier wie dort gibt es Standard- und Branchenlösungen- und an der Spitze des Angebotes die individuellen, maßgeschneiderten Produkte. Roman Hadjio vom Finanzdienstleister MLP beschreibt im folgenden Beitrag die breite Angebotspalette, die sich auf die persönliche Risikobereitschaft zugeschnittene Variante entwickeln läßt, bleibt von der Kostenseite her in der Regel gleich. Warum also sollte man sich bei der Kapitalanlage mit der Standardlösung, mit dem Produkt von der Stange begnügen? Das Problem der optimalen Kapitalanlage setzt zu seiner Lösung allerdings eines voraus: Markttransparenz. Dieser sind aber Steine in den Weg gelegt: Auf der Produzentenseite wird der Marktführer regelmäßig Interesse an einer solchen Transparenz haben, um seine Stellung herauszuheben. Seine Konkurrenten versuchen hingegen mit allen Mitteln, sie zu verhindern, da sie ansonsten vom Markt verschwinden könnten. Diese Verschleierungstaktik ist der Transparenz abträglich. Der Verbraucher kann sein Produkt nur dann finden, wenn er tatsächlich alle Anbieter auf dem Markt kennt. Um diese Hindernisse auszuräumen, bedient man sich in einigen Branchen der Börsen und der Messen, die für die nötige Transparenz am Markt sorgen. Bei der privaten Kapitalanlage übernimmt diese Funktion der Makler. Im Gegensatz zu dem an eine Bank oder ein Versicherungsunternehmen gebundenen Vermittler erfüllt er die Grundvoraussetzung der Markttransparenz. Er ist in seinen Entscheidungen und Empfehlungen unabhängig. Er muß nicht auf die Schwächen eigener Produkte Rücksicht nehmen, denn es gibt für ihn keine eigenen Produkte. Zielvorgaben und Faktoren wie persönliche Risikobereitschaft sind die Basis für eine fundierte Anlageberatung. Rendite und Liquidität sind möglich. Dabei kann der unabhängige Vermittler wieder seinen Vorteil zum Nutzen des Kunden ausspielen. Wenn dieser sich Ziele gesetzt hat, für die es bei der einen Bank kein exakt passendes Produkt gibt, schaut sich der Makler bei anderen Banken um. Der an ein Bank- oder Versicherungsunternehmen gebundene Vermittler müßte zwangsläufig passen. Sie können sich in der Regel nicht so weit einschränken, daß sie sich ein kleines Segment aus der Bevölkerung heraussuchen, das sie betreuen. Sie sind Generalisten und schließen damit von ihren generellen Erfahrungen auf die speziellen Wünsche des Einzelnen. Manche unabhängigen Makler haben die Vorteile des strengen Zielgruppengeschäftes erkannt. Daß auch die Kunden damit hervorragend fahren, zeigt der Erfolg solcher Maklerunternehmen. Es liegt auf der Hand, daß ein Berater für Kapitalanlagen, der gute Kenntnisse von einer bestimmten Berufsgruppe hat, sich viel besser in deren Rolle versetzen kann. Er kennt die sich mit der Zeit verändernden Gewichtungen der Ziele dieser Gruppe: so kann er für sie die optimale Anlage herausarbeiten. Kunden die bestmögliche Anlageform zu vermitteln. Sie muß von weiteren Maßnahmen flankiert sein: Der Anlageberater muß zielgruppenspezifisch arbeiten, also ein Experte für die betreffende Berufsgruppe sein, um dem Anleger spezifische Anregungen zu geben und ihm entsprechende Strategien aufzeigen zu können. Außerdem ist ein perfektes Zusammenspiel und eine gute Kommunikation zwischen dem kundenorientierten Berater und dem Produktexperten notwendig, damit letzterer auf dem Markt die richtige Auswahl treffen oder Neuentwicklungen anregen kann. Ein solches unabhängiges Team wird umso wichtiger, je undurchsichtiger und vielfältiger der Markt ist. Das Zusammenrücken der europäischen Staaten im Binnenmarkt und die Produktflut, die dadurch ausgelöst wird, wird die Probleme für Kapitalanleger noch verschärfen- ihnen bei richtiger Beratung aber auch neue Möglichkeiten eröffnen. Kurse und Stimmungen an den deutschen Börsen springen derzeit hin und her. Obwohl die Börse bekanntlich von verschiedenen Meinungen lebt, denn sonst käme ja kein Umsatz zustande, zeigt sie sich in den letzten Wochen und Monaten von ihrer konträrsten Seite: Dollar rauf, Dollar runter, Siemens und Co. Rauf, Deutsche und Co. Runter. Mit der zweiten Diskontsatzsenkung von 6 Prozent auf 5,5 Prozent wirbelte das US-Federal Reserve Board in der ersten Mai-Woche einigen Staub auf den europäischen Märkten auf. US-Aktien und Rentenmärkte folgten ihrer freundlichen Tendenz und belohnen die Anleger zur Zeit mit Kursgewinnen. Für viele deutsche Börsianer ist die unentschlossene Deutschland-Tendenz ganz klar. Da wir uns im Schlepptau der internationalen Zinsentscheidungen befinden, ist für viele Marktteilnehmer der Spielraum stark begrenzt. Nach dem Treffen der Finanzminister( G 7) zeigen die Indikatoren für die Volkswirtschaften der wichtigsten Industrieländer auf Negativ. Die lahmen Wirtschaften brauchen Zinssenkungen, damit der Konjunkturmotor wieder auf Hochtouren kommt. Diese Einschätzung kann für die bundesdeutsche Konjunktur nicht übernommen werden. Die Bundesbank sorgt sich über die Inflationsraten und die Geldmenge. Und sie läßt keinen Zweifel daran, daß sie in dem Augenblick die Zinsen erhöhen wird, wenn sich die Daten bis zur Jahresmitte nicht verbessert haben sollten. Ein weiteres Argument könnte die Deutsche Bundesbank aus den Inflationsraten in den neuen Bundesländern beziehen. Findige Analysten aus London haben errechnet, daß die Preise dort um bis zu 30 Prozent ansteigen werden. Die Investitionen der internationalen Industrie in den neuen Bundesländern werden voll auf die Preise der Produkte umgewälzt. All diese Probleme kennen andere Länder- so auch Spanien- nicht. Während sich viele europäische Länder auf dem Weg in die Rezession befinden, hat Spanien die Wirtschaftsverlangsamung hinter sich. Für 1991 wird mit keinem Rückgang des Wachstums mehr gerechnet. Durch drastische Zinssenkungen hat die Zentralbank in Madrid im März die Voraussetzungen für ein starkes Wachstum geschaffen. Bei den meisten Unternehmen hat die Hochzinsphase ohnehin keine negativen Spuren hinterlassen. Die Bewertung des spanischen Aktienmarktes ist zurückgegangen und liegt bei einem KGV von 11. Deutsche Aktien werden mit 14 bewertet. Das spanische KGV spiegelt die möglichen Gewinnsteigerungen in den nächsten Jahren wieder. Mit Blick auf die Olympischen Spiele und notwendige Investitonen in Spanien sollten Titel aus dem Finanz- und Baubereich bevorzugt geordert werden. Gerade die Matador-Aktien Uralita, Dragados( Bauwerte) und Mapfre, Banco Popular( Finanzwerte) haben besonders niedrige Kurs/ Gewinn/ Verhältnisse mit einem beachtlichen Potential. Immer mehr Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern das Monats-Ticket der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Und stellen damit ihr Umwelt-Bewußtsein unter Beweis. Ob in Hamburg, Düsseldorf, Schwäbisch Hall oder Berlin: Die Personalabteilungen von immer mehr Unternehmen erarbeiten in Zusammenarbeit mit den Personalvertretungen ein Umsteige-Konzept für die Arbeiter und Angestellten. Weg vom Privatwagen bis hin zu Bus und Bahn, heißt die Devise. Eines der ersten Unternehmen hierzulande, das eine Vorreiterrolle übernahm, befindet sich in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Mitte vorigen Jahres bot die Flughafen Düsseldorf GmbH( FDG) ihren 2000 Beschäftigten ein kostenloses Monatsticket der Rheinischen Bahngesellschaft an, die zum Verkehrsverbund Rhein Ruhr( VRR) gehört. Ziel ist, wie die beiden Geschäftsführer Doktor-Ingenieur Bernd Rietdorf und Hans-Joachim Peters betonen, der Umweltbelastung entgegenzuwirken, und den Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern. Diese Aktion kam bei der Belegschaft gut an. Vorher waren nur 11,9 Prozent aller Beschäftigten ständig mit Bus oder S-Bahn zum Arbeitsplatz gekommen. Heute sind es dreimal so viele. Und sogar über 60 Prozent lassen mindestens einmal pro Monat den Privatwagen in der Garage stehen. So ganz uneigennützig ist das grüne Engagement der FDG natürlich nicht. Zwar zahlt sie pro Mann und Maus zwischen 22 und 44 DM- je nach Entfernung. Doch auf der anderen Seite spart sie damit teuren Parkplatz ein, den sie sonst für ihre Pkw-fahrenden Angestellten vorhalten müßte. Der Bau der A 44 hat außerdem einen Teil der öffentlichen Stellplätze aufgefressen, die auch von der Belegschaft genutzt wurden. Schön für die gut kalkulierende Geschäftsleitung, daß die freigewordenen Mitarbeiterparkplätze sich natürlich zum entsprechenden Preis an Dritte weitervermieten lassen. Diese Idee, die sich auch in anderen Städten der Bundesrepublik durchsetzt, ist eine runde Sache, von der alle Seiten etwas haben. Die Firmenleitungen wie oben geschildert. Dazu kommt noch, daß jeder Boß froh ist, wenn seine Leute- anstatt vom Individualverkehr gestreßt- pünktlich und gut ausgeruht im Büro erscheinen. Das dürfte auch die Umsteiger motivieren. Schließlich sind die eingesparten Fahrkosten auch nicht zu verachten. Die in vielen Kommunen unterbesetzten öffentlichen Verkehrsmittel erhalten einen Fahrgastschub. Der sollte trotz der in diesem Fall üblichen Sonderrabatte das chronische Defizit vieler Betriebe verringern. Und nicht zuletzt profitiert die Umwelt von dieser Entwicklung. In Frankfurt, Düsseldorf, Bochum und Dortmund sind die jeweiligen Stadtverwaltungen beziehungsweise Stadtwerke die größten Betriebe, die ihren Bediensteten ein kostenloses beziehungsweise subventioniertes Ticket offerieren. Doch neben den öffentlichen Arbeitgebern begeistern sich auch immer mehr Privatunternehmen für diese Idee. Wir sind expandiert, die Parkplätze wurden knapp. Da haben wir mit dem Betriebsrat überlegt, wie wir weiterkommen, schildert Werner Schütt, Leiter der Personalverwaltung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Anfangsphase. Nur knapp ein Fünftel der gut 3000 Beschäftigten kam damals mit Bus und Bahn. Nach intensiven Verhandlungen mit den Omnibusbetrieben fanden beide Seiten eine sehr elegante Lösung: Jeder Bedienstete kann mit dem Firmen-Lichtbildausweis kostenlos die Busse benutzen, auch an den Wochenenden. Dafür zahlt die Bausparkasse einen Pauschalbetrag von monatlich 80000 DM. Freilich gibt es auf der anderen Seite auch Einsparungen, die dieses Engagement finanziell für das Unternehmen zumindest annehmbarer machen: Die Fahrkostenzuschüsse an die Autofahrer wurden radikal gestrichen- vielleicht mit ein Grund, warum heute doppelt so viele Leute öffentlich zur Firmenzentrale kommen. Weniger erfreut dürften darüber allerdings jene Mitarbeiter sein, die wegen schlechter Verkehrsanbindung dennoch mit dem Pkw kommen müssen. In Berlin spendiert das Softwarehaus Condat GmbH seinen 75 Mitarbeitern die 65 DM teure Umweltkarte der Berliner Verkehrsbetriebe. In Hamburg bekommen die über 100 Beschäftigten der Spedition Eberh. Clemens GmbH einen Zuschuß von über 90 Prozent, wenn sie mit U-Bahn, Bus oder Straßenbahn kommen. Mit 75 Prozent bezuschußt der Spiegel seinen über 800 Angestellten das Monatsticket. Und wer den kostenlosen Firmenparkplatz freiwillig aufgibt, erhält in den ersten sechs Monaten sogar 100 Prozent zugeschossen. Mit diesen Aktionen scheint sich ein Trend wiederumzukehren, der in den 50er und 60er Jahren einsetzte. Damals unterhielten viele Unternehmen ganze Busflotten, mit denen sie ihre Leute zum Arbeitsplatz karrten. Im Laufe der Zeit wurden sie durch den zunehmenden Individualverkehr verschrottet. Und im Grunde hat der Staat nicht nur durch die Vernachlässigung der Bahn, sondern auch durch die Steuergesetzgebung sein Scherflein zur Forcierung der Umweltgefährdung durch den Pkw-Verkehr beigetragen. Bis heute gibt es keine einheitlichen Kilometer-Pauschalen für alle Angestellten, ob sie nun mit dem Auto, dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß kommen. Die höchsten abziehbaren Werbungskosten entfallen weiterhin auf den Pkw. Ein Unding, das nach Ansicht vieler Umweltschützer, längst hätte geändert werden müssen. Umdenken sollten auch viele Verkehrsbetriebe. Denn die meisten haben sich an die Defizite gewöhnt und resigniert. Kosten- oder Angebots-Management findet kaum statt. Beispielhaft ist das Engagement der Rheinischen Bahngesellschaft in Düsseldorf. Die hat bereits mehr als 20 Unternehmen für ihre Idee, das wirklich zukunftsweisende Ticket 2000, gewinnen können. Neben Stadtwerken und Flughafen GmbH auch einige Banken und Versicherungen. Nicht untypisch für viele Verkehrsbetriebe und ihre Marketing-Abteilungen ist das Bespiel des Frankfurter Verkehrs- und Tarifverbunds( FVV). Zwar haben der Hessische Rundfunk für seine 2200 Mitarbeiter und die Stadt Frankfurt für ihre immerhin 26000 Bediensteten mit dem FVV einen solchen Deal gemacht. Doch die Verhandlungen mit vielen anderen Privatunternehmen treten auf der Stelle. Auch im Ruhrgebiet, das schließlich wie Düsseldorf zum großen Verkehrsverbund Rhein Ruhr zählt, geht alles sehr schleppend vor sich. Allein in Dortmund gab es mehr als 80 Anfragen. Doch nur die Stadtwerke schlossen bisher ab. Die 100-Prozent-Regel wollen die Unternehmen nicht akzeptieren, heißt es dazu. Der Hintergrund: Den saftigen Preisnachlaß für jedes einzelne Ticket 2000 von mehr als 50 Prozent gibt's halt nur, wenn ein Unternehmen für alle seine Beschäftigten diese Fahrkarte ordert. Man mag auch konzedieren, daß in einzelnen Städten die Anbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs so mies sind, daß selbst ein kostenloses Ticket nicht viele Leute zum Umsteigen bewegt. Denn wer nimmt schon viel längere Anfahrtszeiten wie der SPD-Abgeordnete Michael Müller in Kauf? Fährt er heute von seiner Düsseldorfer Wohnung zum Bundestag mit Straßenbahn und Zug, ist er zweieinhalb Stunden unterwegs, mit dem Wagen sind's 50 Minuten. Es gibt jedoch auch die umgekehrte Situation: In( leider) viel zu wenigen Kommunen sind Bus und Bahn so attraktiv, daß der Betreiber es gar nicht nötig hat, solche Sonderangebote zu unterbreiten. Dazu gehört die bayerische Landeshauptstadt, die auch Dank der olympischen Spiele 1972 über ein seit dem ständig weiter ausgebautes dichtes U- und S- Bahn-System verfügt. Die BMW, AG, so war kürzlich zu vernehmen, hat beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH( MVV) angefragt, ob für ihre Mitarbeiter nicht auch ein verbilligtes Ticket zu haben sei. Die MVV-Verantwortlichen lehnten höflich dankend ab. Da bereits in Einzelfällen weit mehr als 50 Prozent der Belegschaft mit Bus und Bahn kommen, so rechnet das MVV-Management intern, lohnt sich ein kräftiger Preisnachlaß für alle Mitarbeiter a la VRR an Rhein und Ruhr gar nicht. Denn unterm Strich, so die Devise, darf bei keiner Aktion eben finanziell weniger herausspringen. Die Idee der von Studentinnen und Studenten initiierten Kontakt-Messen hat sich in der deutschen Hochschullandschaft in den letzten Jahren durchsetzen können- ein Verdienst der Studierenden, die durch Eigeninitiative eine Form von Praxiskontakt etabliert haben, die an anderen europäischen Hochschulen in Form von Career days und Placement centres zum Angebot der Hochschulen selbst gehört. Mit der FH Köln betrat jetzt ein Neuling die Szene. Doch der Ruf der Hochschule der Region verhallte ungehört. An den zwölf Messeständen im Foyer der FH herrschte zwar großes Gedränge, doch das Ergebnis war eher mager. Von den 180 Unternehmen, die von der Studenteninitiative ConColonia eingeladen wurden, nahmen lediglich 12 an der Messe( Motto: Praxis statt Schock- Cocon 91) teil: das Arbeitsamt Köln, AT und amp; T Network Systems Deutschland, Audi, Bayer und die Deutsche Bundesbahn, die DBP Telekom und INA Wälzlager Schaeffler KG, Porsche, Procter und Gamble, Standard Elektrik Lorenz, der TÜV Rheinland und die Volkswagen AG. Für die Studenten hat sich ein Messebesuch dennoch gelohnt, resümiert Kassenwart Frank Seidel. Auch die Firmen wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Trotz des regen Interesses waren aber einige Studenten unzufrieden: Für einen Überblick waren das doch etwas zu wenig Firmen. Vor allem mittelständische Betriebe fehlten. Die großen kennt man ja, kritisierte ein Teilnehmer. Genau das monieren auch die Organisatoren. Vor allem, so greift Frank Seidel die Kritik des Studenten auf, weil von den 40 Unternehmen aus der Region Köln/ Bonn sich keines sehen ließ. Und noch ein Kuriosum fällt ins Auge: Fanden die großen Automobilfirmen wie Audi, Porsche und VW den Weg an den Rhein, so suchte man die Kölner Hausmarke Ford vergebens. Sind Hochschulkontaktmessen, die sich in Deutschland erst in den letzten Jahren als Kontaktforum zwischen Studenten und Unternehmen durchgesetzt haben und vor allem an den Technischen Hochschulen praktiziert werden, kein Thema mehr? Oder machen sich doch Ressentiments gegenüber dem Typus Fachhochschule seitens der Wirtschaft, zumindest der Kölner, bemerkbar? Gerade unsere Fachhochschule mit ihren mehr als 10000 Studenten in den Fachrichtungen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus ist ein ideales Feld der Begegnung zwischen angehenden Ingenieuren und Vertretern der Praxis, beschreibt Rektor Joachim Metzner die Situation. Braucht Ford derzeit keine solchen Absolventen, oder landen ohnehin genügend in den Kölner Fabrikhallen? Viel zu kurzfristig sei der Termin angesetzt gewesen, hat das Unternehmen den Veranstaltern erklärt, außerdem unterhalte Ford bereits beste Kontakte zur Fachhochschule. Der ursprünglich auf Anfang Dezember 1990 festgesetzte Messetermin mußte dann aufgrund von Terminverschiebungen auf den April 1991 verlegt werden. Der Grund: Überschneidungen mit den rund 100 Firmenkontaktmessen, die im Wintersemester an den deutschen Hochschulen stattgefunden haben. Wie lange aber braucht ein Unternehmen, um einen Messestand aufzubauen? Für die mittelständischen Unternehmen der Region jedenfalls stellt sich nicht einmal diese Frage. Die Unternehmen können, so eine Analyse der Gründe für ihre Abwesenheit, in zwei Kategorien eingeteilt werden: Die erste Gruppe, so zeigte sich bei einer Nachfrage, ist als eher konservativ einzustufen. Ihr Motto lautet: Wenn ein Absolvent etwas von uns will, soll er zu uns kommen. Die zweite Gruppe, so Seidel, führte ins Feld, sie habe bereits gute Kontakte etwa zu FH-Professoren. Auch Themen für Diplomarbeiten würden seit längerem an FH-Studenten vergeben, so daß eine enge Verzahnung zwischen Betrieb und Hochschule gegeben sei. Bei den 140 überregional angeschriebenen Unternehmen war das Interesse, auf die Kölner Messe zu kommen, wohl vorhanden. Doch war auch eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Messen nicht zu übersehen. Manche Unternehmen, so die Cocon-Organisatoren weiter, hätten auch schon mit anderen Fachhochschulen schlechte Erfahrungen gesammelt. Andere meinten schlichtweg, sie hätten derzeit ohnehin keinen Personalbedarf. Waren dann vielleicht nicht auch Ressentiments gegenüber der immer beliebter werdenden Fachhochschule im Spiel? Keine Spur versichert Seidel, daran kann das mangelnde Interesse nicht gelegen haben. So sind denn die ConColonia-Leute sicher, daß nach der unerwartet hohen positiven Resonanz von Seiten der Studenten auch die mittelständischen Unternehmen beim nächsten Mal unter Zugzwang geraten und sich nicht mehr verweigern können. Zwei von denen, die jetzt schon dabei waren, werden ganz sicher wiederkommen: die Deutsche Bundesbahn und DBP Telekom. Denn ein Blick auf die Anfangsgehälter, die hier bezahlt werden, läßt ein Problem drastisch zu Tage treten, das so manchen Absolventen eher davon abhält, sich mit den beiden Bundesunternehmen näher zu beschäftigen. Wo Procter und Gamble ein Anfangegehalt von 65000 DM bis 70000 DM im Jahr zahlt- übrigens ohne Unterscheidung zwischen FH- und Uni-Absolventen-, kann die Bundesbahn den FH-Absolventen am Beginn der Karriere lediglich Anwärterbezüge anbieten: rund 1800 DM monatlich. Bei Porsche dagegen heißt es lapidar branchenüblich, wenn die Frage nach dem Anfangsgehalt gestellt wird. Dabei darf jeder frei asoziieren, was die Stuttgarter pro Jahr den an FH-Absolventen ausgeschütteten 65000 DM bei VW in Wolfsburg noch hinzufügen mögen. Start zur 25tägigen Management-Schulung für Telekom-Nachwuchskräfte: An der Koblenzer WHU( Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung) begann Mitte April mit knapp 30 Absolventen der Probelauf für ein Ausbildungsprogramm in Betriebswirtschaft. Es dient zunächst der Fortbildung, soll künftig aber hauptsächlich als Baustein in ein Traineeprogramm von 120 Hochschulabsolventen pro Jahr integriert werden. Sie sind noch nicht lange in Diensten, die Versuchskaninchen, die von der Deutschen Bundespost Telekom für die Management-Schulung bei der WHU Koblenz nominiert wurden. Vertreten sind Absolventen der unterschiedlichsten Fachrichtungen vom Elektrotechniker über den Hochbau-Ingenieur, vom Fernsprech-Techniker über Arbeitsorganisatoren bis zum Juristen reicht die Palette der Tätigkeiten. Sie alle verbindet mehr als nur der gemeinsame Brötchengeber. Denn alle Absolventen der Management-Schulung tragen zumeist als Referatsleiter Verantwortung und verwalten beträchtliche Budgets. Und fast alle sagen selbst, daß sie bestenfalls ein basales Wissen von Betriebswirtschaft mitbringen. Gerade mal soviel, wie im Wirtschaftsteil der Zeitung steht, meint einer der Absolventen und fügt sogleich hinzu: Dabei sind wir es, die das Geld ausgeben. Keine glücklichen Voraussetzungen für die Telekom, will sie sich als Anbieter auf dem freien Markt gegen harte Konkurrenz behaupten. Das wissen auch die Verantwortlichen. Wir sind ja erst auf dem Weg, ein Unternehmen zu werden, übt sich Herbert Müller, bei der Telekom unter anderem verantwortlich für berufliche Bildung, in Geduld. Bisher waren die Angestellten Beamte, Juristen und Architekten und so weiter. Aus dem, was früher Höherer Dienst hieß, müsse nun ein gehobenes Management geformt werden. Der Bedarf auf dieser Ebene liegt bei rund 2500 qualifizierten Mitarbeitern. Das bisherige Modell, Hochschulabsolventen im Referendariat auf die Tätigkeit vorzubereiten, greift nicht mehr. Ein Teilnehmer bestätigt: In der Referendarzeit bei Telekom stand viel mehr die Technik im Vordergrund. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse wurden mir so gut wie gar nicht vermittelt. Die Telekom ist sich über die künftige Ausbildung allerdings noch nicht vollständig im klaren. Helmut Rötzel, Fachbereichsleiter für Managementausbildung: Wir denken darüber nach, ob wir weiter im Referendariatsbereich ausbilden, ob wir im Mix aus Referendariat und Trainee oder ob wir nur im Trainee ausbilden. Die Entscheidung darüber werde bald fallen. In jedem Fall aber, betont Rötzel, werde zusammen mit der WHU ein Konzept erstellt. Man habe diese Hochschule, so Herbert Müller, ausgewählt, weil sie die beste deutsche Hochschule für betriebswirtschaftliche Fragen ist und zudem ein überzeugendes Konzept vorgelegt hat. Die WHU, eine der wenigen privaten Hochschulen in Deutschland, verfügt über acht Lehrstühle und bietet 200 Studenten eine Ausbildung auf anerkannt hohem Niveau. Im übrigen liegen die Kosten nach Berechnungen der Telekom nicht höher, als wenn die Bundespost eine eigene Akademie für Führungskräfte einrichten würde. Beziffert werden die Kosten mit 225 DM pro Teilnehmertag. Das Schulungsprogramm ist in acht Blöcke aufgeteilt. Sie sollen separat voneinander unterrichtet werden. Im ersten, zweitägigen Block steht die Vermittlung der für die Telekom relevanten Inhalte der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auf dem Plan. In den darauffolgenden fünf Programmblöcken sollen die Teilnehmer im Intensivkurs von jeweils drei Tagen geschult werden, und zwar in Unternehmensführung und -planung, Organisation, Personalwesen, Marketing, Produktionsmanagement sowie in Finanzierung und Controlling. Der siebte Ausbildungsbaustein besteht dann aus einem fünf Tage dauernden Unternehmensplanspiel, das an der WHU entwickelt wurde und sich dort in den letzten Jahren bewährt hat. Schließlich sollen im achten Schulungsblock anhand von Zusammenfassungen, Wiederholungen und Fallstudien die Lehrinhalte noch einmal im Gesamtzusammenhang vertieft werden. Das alles klingt theorielastig und scheint zudem wenig auf die konkreten Bedürfnisse der Telekom zugeschnitten. Aber Professor Doktor Jürgen Weber, Rektor der WHU, garantiert den Praxisbezug: Wir arbeiten in jedem Ausbildungsteil verstärkt mit Fallstudien, die den Problemen der Telekom unmittelbar entlehnt sind. Die Auswahl der Beispiele erfolgt in enger Absprache mit der Bundespost. Sollte das Pilotprojekt gelingen, wird die Management-Schulung an der WHU in Zukunft integrativer Bestandteil der Trainees von Hochschulabsolventen, die bei der Telekom ins Berufsleben starten. Rund 120 Teilnehmer sollen jährlich die Ausbildung durchlaufen. Die einzelnen Schulungsblöcke starten dabei zeitversetzt in drei bis vier Zyklen pro Jahr. Damit ist gewährleistet, daß jeder Telekom-Neuling zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahresverlauf ins Traineeprogramm und parallel dazu in die WHU-Schulung einsteigen kann. Noch ist das Konzept ausschließlich auf Teilnehmer aus den alten Bundesländern zugeschnitten. In den Ost-Ländern, sagt Helmut Rötzel, muß die Basis erst noch gelegt werden. Mit anderen Worten: die Führungskräfte der Ex-DDR sollen erst einmal Erfahrungen mit der Marktwirtschaft sammeln. Sie äußerten selbst große Erwartungen. Einhellig erhoffen sie sich fundiertes betriebswirtschaftliches Rüstzeug, um den ständig wachsenden Anforderungen im Job gerecht werden zu können. Ihr Fett bekamen auch die meisten staatlichen Hochschulen weg: Die dort angebotenen Ergänzungsseminare seien so dürftig, daß man sie getrost vergessen könne. Und noch eines fiel bei der Eingangsveranstaltung auf: Beobachter nämlich der Verdacht, die Fortbildung sei reine Männersache. Lediglich drei Frauen verloren sich im Raum. Doch Herbert Müller wiegelt ab: Telekom hat 35 Prozent Frauen beschäftigt, im gehobenen Management sind es auch noch mehr als in anderen Unternehmen. In der Verwaltung liegt der Frauenanteil sogar bei über 50 Prozent. Nur seien die technischen Berufe, insbesondere die elektrotechnchen, bedauerlicherweise eben für Frauen wohl nicht so attraktiv. Verhaltener Optimismus kennzeichnet die Einschätzung der Arbeitsmarktlage in den fünf neuen Bundesländern: Im Herbst wird die Talsohle überschritten sein, prognostiziert Walter Bellwied, Personaldirektor der Berliner Treuhandanstalt. Peter Blonski, Geschäftsführer der Fernmeldetechnik GmbH in Nordhausen, ein Hersteller von Endgeräten für die Telekommunikation, rechnet damit, daß bereits im Sommer der Tiefpunkt beim Personalabbbau erreicht sein wird. In der Region Nordhausen, einem strukturschwachen Gebiet am Südharz, könnte dann mit dem Auslaufen der Kündigungsfrist im Juli die Erwerbslosenquote, die jetzt schon bei 11 Prozent liegt, auf mehr als 30 Prozent hochschnellen. Dennoch verteidigte Blonski auf einem Forum der PA Personalberatung Ende April in Düsseldorf das Konzept der Treuhand, Betriebe nicht um jeden Preis zu sanieren: Eine Abspaltung von überlebensfähigen Unternehmensteilen, bekräftigt der in Polen ausgebildete Ingenieur, sichert Arbeitsplätze, die sonst verloren gingen. In Nordhausen steht Blonski, der bereits vor der Wende zur Unternehmensleitung gehört hat, nun vor der Aufgabe, die Produkte zu erneuern, das Unternehmen zu entflechten und zu privatisieren. Unterstützt wird Blonski dabei von einem kaufmännischen Geschäftsführer aus dem Westen, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat. Dennoch ist der Ost-Manager skeptisch: Wie viele seiner Kollegen befürchtet auch er, daß jetzt die zweite Garnitur westdeutscher Führungskräfte gen Osten aufbricht, um dort an ihrer Karriere zu basteln. Falsch wäre es nach Auffassung von Blonski auch, Nachwuchskräfte mit finanziellen Versprechnungen in die neuen Bundesländer zu locken. Blonski: Wir brauchen erfahrene Leute. Der wirtschaftliche Aufschwung in der Ex-DDR ist allein mit den Führungskräften des sozialistischen Staates nicht zu bewältigen- darüber waren sich die Experten auf dem PA-Forum einig. Die ehemaligen Kader haben nicht nur Probleme mit dem neuen marktwirtschaftlichen Denken, auch fachliche Defizite, z. B. Im Marketing oder im Vertrieb, machen den Einsatz von westlichen Spezialisten notwendig. Vor allem ältere Führungskräfte, die im Westen am Ende ihrer Karriere stehen, suchen im Osten Deutschlands noch einmal eine Herausforderung. Aber auch hochkarätige Manager( Bellwied) und Nachwuchskräfte Anfang 30, die noch mobil sind, wollen mit einem Einsatz in der Ex-DDR ihre Karrierechancen verbessern. Und die Aussichten, in den kommenden Jahren in einem der ehemaligen Kombinate eine Spitzenposition einzunehmen, stehen für die Westimporte nicht schlecht. Walter Bellwied macht eine fiktive Rechnung auf: wenn von den rund 8000 Betrieben, die der Treuhand unterstehen, rund 4000 übrig blieben, und in diesen Unternehmen vier bis fünf Top-Kräfte benötigt werden, ergibt sich für die 90er Jahre ein Bedarf von 16000 bis 20000 Managern. Eine Zahl, die bei so manchen westdeutschen Personalverantwortlichen Horrorvisionen auslösen dürfte. Rund 70 Manager hat z. B. Die Westdeutsche Landesbank in den Osten ausgeliehen. Und schon jetzt, wird, so Prokurist Winfried Empelmann, die Luft dünner, die Personaldecke schrumpft. Der Streit zwischen der SPD/ AL- geführten Stadtregierung und dem Bundesforschungsminister um den für 170 Millionen DM umgebauten Forschungsreaktor am Hahn-Meitner-Institut( HMI) war ein Politikum und so weit eskaliert, daß das BMFT mit der Kündigung des Gesellschaftsvertrages zum Ende des vergangenen Jahres gedroht hatte. Mit dem neuen Senat wurde diese einzige Großforschungseinrichtung in Berlin jetzt doch gerettet. Die Forschung am HMI konzentriert sich gegenwärtig auf zwei Schwerpunkte, die photochemische Umwandlung von Sonnenenergie und die Strukturforschung. Letzterer soll der umgebaute Reaktor BER II dienen. Er ist, wie die meisten Forschungsreaktoren, ein sogenannter Schwimmbadreaktor, das heißt, der Kern des Reaktors hängt wie ein Tauchsieder in einem offenen Wasserbecken. Das Wasser dient dabei als Moderator, als Kühlmittel und als Strahlenabschirmung zugleich- dabei ist die Abschirmwirkung so vollständig, daß für das Bedienungspersonal keine Zeit- und Aufenthaltsbeschränkung notwendig ist. Die in dem Reaktor erzeugten Neutronen stellen eine Sonde für das Innere der Materie dar. Weil ungeladen, unterliegen sie keinen elektrischen Abstoßungskräften, sondern wechselwirken auf differenziertere Weise mit Materie. Das ermöglicht es, in Streuexperimenten den Aufbau sehr komplizierter Atomgebilde zu bestimmen, wie zum Beispiel der Fadenmoleküle von Kunststoffen, der Makromoleküle biologischer Substanzen, oder der Fehlstellen in Festkörperkristallen. Darüber hinaus ist die Neutronenaktivierung- die energetische Anregung der bestrahlten Atome, die dann charakteristische Strahlung aussenden, anhand derer sie identifiziert werden können- aufgrund der hohen Empfindlichkeit für die Spurenanalytik von Bedeutung. Die ehemalige Umweltsenatorin Michaele Schreyer hatte die Ablehnung der Betriebsgenehmigung vor allem damit begründet, daß eine gesicherte Entsorgung der Brennstäbe aus dem Reaktor nicht nachgewiesen worden sei. Damit war die Genehmigungsbehörde gegenüber der ersten Teilgenehmigung zurückgefallen und hatte einen anderen Maßstab angelegt als den bis dahin geltenden Konsens, daß Forschungsreaktoren hinsichtlich der Entsorgung analog wie Kernkraftwerke behandelt werden sollten: Danach reicht es- solange es noch kein Endlager gibt- für den Nachweis der gesicherten Entsorgung aus, daß die Kraftwerksbetreiber Zwischenlager ausreichender Kapazität jeweils für die nächsten sechs Betriebsjahre vorweisen können. Das HMI konnte einen bilateralen Vertrag vorlegen, wonach die abgebrannten Brennelemente im schottischen Dounreay zunächst vier Jahre zwischengelagert werden. Dann muß das HMI entscheiden, ob es sie in die USA transportiert, von wo es sie auch bezieht, oder aber in Schottland wiederaufarbeiten läßt, wobei in diesem Fall die Reststoffe nach weiteren 25 Jahren zurückgenommen und in der Bundesrepublik endgelagert werden müßten. Zwei Gutachter kamen zu der Überzeugung, daß der ablehnende Bescheid fehlerhaft gewesen sei. Vom HMI sei die ordnungsgemäße Entsorgung nachgewiesen worden, befanden sie übereinstimmend. Denn das Atomgesetz verlange nicht schon heute eine realisierbare Entsorgung durch Wiederaufarbeitung oder Endlagerung, sondern lediglich die Lösbarkeit der Entsorgungsproblematik in der Zukunft. Gegen die vom neuen Senat- einer Großen Koalition aus CDU und SPD- jetzt erteilte Betriebsgenehmigung ist erneut von einem Anlieger des HMI Klage erhoben worden. Sie wendet sich unter anderem gegen eine spezielle Experimentiereinrichtung, die sogenannte schnelle Rohrpost. Dabei handelt es sich um eine Rohrleitung in den Reaktorkern, über die mittels Druckluft biologische Proben innerhalb weniger Sekunden in den Kern hinein und wieder heraus befördert werden, was die Messung äußerst kurzlebiger Nuklide gestattet. Der Kläger bemängelt, daß für diese Anlage kein eigenes Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt wurde. Derselbe Einwand wird gegen den Aufbau der beiden Kernkonfigurationen des BER II vorgebracht. Mit dem Kompakt-Kern, bei dem 16 Reflektorelemente aus Beryllium die Neutronenintensität gegenüber dem Standard-Kern erhöhen, wird eine höhere Bestrahlungsdichte erreicht, allerdings um den Preis eines höheren Uraneinsatzes. Die Umwindung vom Standard- zum Kompaktkern, so der Kläger, dürfe nicht allein von der Genehmigungsbehörde vorgenommen werden, sondern bedürfe der Öffentlichkeitsbeteiligung. Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Fernüberwachung des Reaktors, mit der die Aufsichtsbehörde unabhängig vom Betreiber direkten Zugriff auf die Betriebsdaten erhält. Bemängelt wird, daß die Betriebsgenehmigung erteilt wurde, ohne daß die Überwachungsanlage bereits fertiggestellt war. Da sie jedoch im Bau ist, wird sich nach Meinung des HMI dieser Klagepunkt wohl durch Zeitablauf erledigen. Ernster zu nehmen ist dagegen wohl der Einwand, daß die seit der deutschen Einheit erhöhte Belastung des Luftraums über Berlin die Möglichkeit eines Flugzeugabsturzes auf das Gebäude erhöhe. In einem früheren Verfahren war dieses Risiko als äußerst gering und zumutbar bewertet worden; jedoch hatten weder die Richter noch die Aufsichtsbehörde festgelegt, von welcher Eintrittswahrscheinlichkeit ab die Eingriffsschwelle liege, jenseits der ein Containment für den Reaktor gebaut werden müßte- ein Rechtsfehler, wie jetzt beklagt wird. Die Klage hat zwar keine aufschiebende Wirkung, so daß die Inbetriebnahme jetzt erfolgt und im Herbst mit der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit begonnen werden kann; sie richtet sich jedoch gegen den angeordneten Sofortvollzug. Zu den Erfolgsaussichten des Klägers mochte HMI-Sprecher Thomas Robertson auf Anfrage keine Einschätzung abgeben. Das ist oft nicht vorherzusehen, meinte er, alle Überraschungen mit Entscheidungen, die in Atomprozessen getroffen wurden, waren eher juristische als technische. Mysteriöse Asteroiden: Als einen bizarren Neuzugang im astronomischen Zoo bezeichnen Wissenschaftler einen jüngst entdeckten Asteroiden. Der Himmelskörper, ein Gesteinsbrocken von 5 Kilometer Durchmesser, trägt den Namen 1991 DA. Besonders auffällig an ihm ist seine stark elliptische, eher an die eines Kometen erinnernde Umlaufbahn um die Sonne. Sie führt den Planetoiden von der Nähe des Mars bis über den Uranus hinaus, zweimal weiter als jeden anderen bekannten Asteroiden. Wie die in London erscheinende Zeitschrift New Scientist( No. 1763, S. 13) schreibt, gibt es Anzeichen dafür, daß der mysteriöse Asteroid die jetzige Umlaufbahn erst vor einer astronomisch kurzen Zeit von 10000 bis 100000 Jahren eingenommen hat. Ob die momentan akzeptierten Theorien über die Entstehung des Sonnensystems auch so ein ungewöhnliches Objekt wie 1991 DA beschreiben können, ist noch offen. Ungewöhnliche Diagnose: An bestimmten Zahnschmelzdefekten könne ein Zahnarzt erkennen, ob sein Patient neben Karies auch an der Zöliakie, einer seltenen Darmerkrankung, leidet. Dies behaupten Wissenschaftler aus Finnland jetzt in der britischen Fachzeitschrift The Lancet( vol 337, S. 763- 764). Die typischen Zahnschmelzdefekte fanden M. Mäki und Mitarbeiter der Finnischen Akademie in der Stadt Tampere bei 25 Verwandten ersten Grades von 56 Zöliakie-Kranken. Diese hatten zugestimmt, sich einer nicht gerade angenehmen endoskopischen Untersuchung zu unterziehen, bei der eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen wird. Immerhin in sieben Fällen wurden die typischen Veränderungen der Zöliakie gefunden. Die normalerweise zottenreiche Dünndarmschleimhaut war bei ihnen abgeflacht. Die Ursache der Schmelzdefekte ist unklar. Sprue und Schmelzdefekte sind aber gehäuft bei Menschen mit den gleichen Gewebeverträglichkeitsmerkmalen, was auf eine Autoimmunerkrankung hinweisen könnte, vermuten Experten. Das Immunsystem attackiert dabei aus Versehen Teile des eigenen Körpers. Weltweite Bedrohung: Experten schätzen die Zahl der Malaria-Neuerkrankungen weltweit auf 200 bis 500 Millionen pro Jahr. Allein in Afrika sterben jährlich mindestens eine Million Kinder an den Folgen der Infektion. Malaria kommt in ungefähr 100 Staaten vor. Da Reisen in tropische Länder Afrikas, Amerikas und Asiens immer beliebter werden, tritt die Krankheit auch bei uns immer häufiger auf. Immer mehr Malariaerreger werden gegen bisher verwendete vorbeugende Medikamente unempfindlich. Chloroquin, lange Zeit eingesetzt, ist jetzt in fast allen Malariagebieten wirkungslos. Experten setzen ihre Hoffnungen jetzt in die Entwicklung einer Malaria-Vakzine. Vielleicht können wir noch in diesem Jahr mit der Erprobung eines Impfstoffs an gesunden Personen beginnen, berichtet Doktor Wolfgang Faust, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Behringwerke AG( Marburg). Im Tierversuch sei bereits ein vollständiger Schutz nachgewiesen worden. Bisher auf der Welt entwickelte erste Impfstoffe waren in Infektionsversuchen allerdings wenig wirksam. Geschlechtsleben: Der australische Kurzschnabel- oder Ameisenigel ist ein geheimnisvolles Lebewesen. Selbst Einheimische bekommen den Einzelgänger selten zu Gesicht. Über sein Verhalten ist daher wenig, über das Geschlechtsleben gar nichts bekannt. Eine Gruppe australischer Wissenschaftler hat nun auf der Känguruh-Insel vor Adelaide über längere Zeit unter anderem Werbung und Paarung beobachtet. Während der Paarungszeit spüren die Männchen ein Weibchen auf und hängen sich hartnäckig an seine Fersen. Ist das Weibchen nicht empfängnisbereit, rollt es sich zu einem festen Ball zusammen und präsentiert nur seinen stacheligen Rücken. Paarungsbereite Weibchen strecken sich hingegen entspannt, die Stacheln angelegt, flach auf den Boden. Die Freier umkreisen es im Gänsemarsch und scharren immer wieder Erde weg. Es entsteht ein regelrechter Laufgraben mit Wall um das Weibchen. Schließlich versuchen sich die Männchen Kopf an Kopf aus diesem Ring zu drängen. Der Sieger gräbt, stupst weiter und versucht, das Hinterteil des Weibchens mit der Pfote anzuheben. Die Begattung vollzieht sich nach Stunden Seite an Seite oder in antiparalleler Stellung, so daß die Köpfe der Tiere voneinander wegweisen. Stets sind dabei die Schwänze ineinander verhakt, wobei das Männchen so weit auf der Seite liegt, das es ohne die ausgegrabene Vertiefung fast auf den Rücken rollen würde. Nach drei bis vier Wochen legt das Weibchen ein rund 13 Millimeter dickes Ei, das es in der Bruttasche ausbrütet. Nach zehn Tagen schlupft das Junge. Es krallt sich an den Haaren fest und nuckelt seine Milch aus den zitzenlosen Milchfeldern. Nach rund 50 Tagen ist es zu stachelig und zu groß für den Beutel geworden und bleibt nun in einer Art unterirdischer Kinderstube. Im Alter von sieben bis acht Monaten wird es schließlich entwöhnt und muß selbst seine Nahrung suchen: Termiten, Larven und fette Ameisenköniginnen. Fraunhofer: Die Fraunhofer-Gesellschaft( FhG), München, wird in den neuen Bundesländern 19 neue Fraunhofer-Einrichtungen mit 950 Mitarbeitern betreiben. Diesem Vorschlag des FhG-Vorstandes stimmte der Senat Ende April in München zu. Vorgesehen sind acht eigenständige Fraunhofer-Einrichtungen und ein Institutsteil des Duisburger Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme. Dazu kommen noch zehn Außenstellen von bereits bestehenden Fraunhofer-Instituten mit 250 Mitarbeitern. Die für diese Aktivitäten erforderliche und gemeinsam vom Bund und den neuen Ländern im Verhältnis 90: 10 zu tragenden Zuwendungen belaufen sich bis 1994 auf 500 Millionen DM. Ziel der Fraunhofer-Gesellschaft ist es auch, über diese Aktivitäten hinaus, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Hochschulen zu intensivieren. Der Mensch ein Risiko? Das Schlagwort vom menschlichen Versagen im Zusammenhang mit den technischen Unfällen identifiziert noch immer die eigentlichen Opfer als vermeintliche Täter. Dabei gilt nach wie vor: Eine Technik kann nur so gut sein, wie sie sich beherrschen läßt. Allmählich setzt sich diese Einsicht auch unter Ingenieuren durch. Sie wollen nun die Erkenntnisse der Psychologen nutzen. Aufgeschreckt durch tagtägliche Schadensereignisse fahndet Prof. Doktor-Ingenieur Albert Kuhlmann nach den Ursachen. Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung des TÜV Rheinland, Köln, steht fest: Wir stellen nach wie vor als überragenden, Schadensursachen-Faktor` menschliches Fehlverhalten fest. Im Prinzip wird das auch immer so bleiben, weil der Mensch auch im Umgang mit der Technik sehr komplex handelt, mit großer Streubreite zum Positiven wie zum Negativen. Zum Handeln aufgerufen sind wir jedoch hinsichtlich des Übergewichts dieser Position mit 70 Prozent bis über 90 Prozent aller Unfallursachen. Schuld an dieser Situation ist jedoch auch der Ingenieur, der diese Technik konzipiert hat, ohne Rücksicht auf die menschliche Komponente im Beziehungsgeflecht von Mensch und Maschine zunehmen. Deshalb fordert Kuhlmann, von der Bediener -Mentalität im Umgang mit Technik endlich Abschied zu nehmen: Der Mensch ist in seinen Eigenschaften und Fähigkeiten trotz Training und Schulung nicht stark veränderbar. Deswegen müsse sich die Ausgestaltung der Technik dieser Prämisse unterordnen: Sie kann sich den menschlichen Fähigkeiten anpassen und ihn zum Beispiel dort unterstützen, wo seine Anlagen nicht besonders überzeugend ausgeprägt sind. Kuhlmanns Forderung nach einem optimalen Zusammenspiel von Mensch und Technik, wobei nun letztere die Anpassungsleistung vollziehen soll, ist angesichts komplexer Technologien mehr denn je gerechtfertigt. Während diese Haltung in Ingenieurskreisen zum Teil noch auf taube Ohren stößt, rennt Kuhlmann beim Arbeitspsychologen Doktor Ulrich Winterfeld, Vorstandsmitglied der Sektion Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologen( BDP), offene Türen ein. Die ersten Lektionen in Sachen angepaßter Technikgestaltung oder -organisation, die Arbeitspsychologen Konstrukteuren an die Hand geben können, sind, so Winterfeld, denkbar einfach und werden trotzdem oftmals außer Acht gelassen. In der Auswahl seiner Wege etwa neige der Mensch zu den jeweils kürzesten. Trampelpfade neben ausgebauten Bürgersteigen und die Mißachtung von Ampelanlagen, die einen kleinen Umweg erforderten, belegen diese These. Gleiches gilt auch in Fabriken. So kennt Winterfeld genug Beispiele für die Gefahren einer unmenschlichen Aufteilung in den Produktionsstätten, die zwar für Maschinen optimal ist, die Angestellten aber zu langen Wegen nötigt. Oftmals geschähen dadurch, so der Psychologe, verhängnisvolle Unfälle, weil etwa Transportbänder überstiegen werden, um schneller zur Kantine zu kommen. Doch woher sollen Ingenieure diese einfachen Regeln kennen, wenn in ihrer Ausbildung nicht einmal ein Hinweis auf solche Wissensbestände existiert? Deshalb konstatiert Kuhlmann: Unser Hauptproblem ist darin zu sehen, daß der gestaltende Ingenieur zwar für den Menschen baut, von ihm, seinem Wesen und seinen Fähigkeiten im Umgang mit der Technik aber nur wenig weiß. Weil das zum Teil nur ein Vermittlungsproblem sei, verlangt der TÜV-Geschäftsführer nach einer Erweiterung der Ausbildung. Die in anderen Fachbereichen bereits jetzt vorliegenden Kenntnisse sollen in ingenieurwissenschaftliche Studiengänge integriert werden- eine Forderung, die Winterfeld nachdrücklich unterstützt. Doch es bleibt die Frage: Wären damit die Probleme der bislang mißglückten Ehe zwischen Mensch und Technik gelöst, die Beziehungskiste aufgeräumt? Keineswegs, so die Psychologen. Winterfeld mahnt gar eine grundlegendere Revision an, eine Neubewertung des menschlichen Fehlverhaltens. Denn: Die Risikofreude ist lebenswichtig. Winterfelds Begründung ist durchaus schlüssig. Wäre der Mensch in der Entwicklung seiner technischen Fähigkeiten nicht bislang Risiken eingegangen und hätte er folgerichtig nicht die Fehler gemacht, die ihm heute zum Verhängnis werden können- er wäre niemals soweit gekommen. Das ist die Ironie der ganzen Geschichte. Was früher als zwingendes Muß die Technik vorantrieb, das Freifeld-Experiment mit unsicherem Ausgang, wird heute als Restrisiko aus der Wirklichkeit ausgeblendet. Insofern ist etwa der vielzitierte Hinweis der Automobilindustrie, um wieviel sicherer die Fahrzeuge im Gegensatz zu früher geworden sind, gerade weil aus den Millionen von Unfällen gelernt werden konnte, zutreffend. Aber er offenbart zugleich das ganze Dilemma isolierten technischen Fortschritts: Der Mensch ist tot, es lebe das Auto. Die Risikobereitschaft als irrational zu verkennen, technische Risiken durch die Eliminierung des Störfaktors Mensch durch Vollautomatisierung aus dem Prozeß ausschließen zu wollen, ist, das legen die Erkenntnisse der Humanwissenschaften nahe, die falsche Konsequenz. Sie wird sich am Ende immer rächen. Auch deshalb plädiert Winterfeld für eine positive Beurteilung der menschlichen Lust am Risiko. Sie sei die Grundbedingung des Lernens überhaupt: Dadurch, daß wir Risiken eingehen, tasten wir uns permanent an unsere Grenzen heran. Unter diesem Blickwinkel befürwortet Winterfeld dann auch, von dem Begriff menschlichen Versagens, auf den Kuhlmann nicht verzichten mag, ganz abzusehen. Er lenke von den eigentlichen- nicht immer nur mit einer Risikobereitschaft zusammenhängenden- Ursachen nur ab. Die Psychologie hat inzwischen eine gewisse Risikokonstanz des Menschen zutage gefördert, ein Bedürfnis, das sich nicht durch Sicherheitsvorkehrungen befriedigen ließe, berichtet Winterfeld. Wird es den Menschen in ihrer Arbeitswelt versagt, auf sinnvolle Art und Weise Risikoerfahrungen zu machen, verlagere sich das Bedürfnis in andere Bereiche. Entweder schaffen sich die Menschen am Arbeitsplatz durch irrationale Handlungen das Gefühl, Risiken einzugehen, indem sie zum Beispiel vollautomatisierte Anlagen vorsätzlich manipulieren, um dann eingreifen und sich als Retter behaupten zu können. Oder der Erlebniswunsch wird in der Freizeit ausgetobt, bei 250 Sachen auf der Autobahn, auf dem Surfbrett bei Windstärke 8 oder bei einer Urwaldrally in Malboro-Country. Doch nicht nur bezüglich des Begriffs menschlichen Versagens scheint ein Umdenken bisheriger Praxis angebracht. In einer Zeit, in der aufgrund ihrer katastrophalen Konsequenzen technischer Risiken auf diejenigen zurückfallen, die sie in die Welt gesetzt haben, also die Ingenieure, ist die Akzeptanzfrage ganz offensichtlich zu einem Politikum geworden. So gesehen dürfte es nur eine Seite der Medaille sein, wenn Kuhlmann die Problematik von Technikakzeptanz mit dem besseren Verständnis zwischen Technikern und Laien, zwischen Ingenieuren und der übrigen Gesellschaft zu lösen gedenkt, indem sich die Ingenieure stärker als bisher humanwissenschaftlicher Erkenntnisse aneignen. Diese Hoffnung dürfte auf Sand gebaut sein, wenn nicht die entscheidende Frage nach dem Sinn und der Entwicklungsrichtung moderner Technologien ebenfalls in den Mittelpunkt rückt. Und dazu wiederum ist ein Dialog zwischen Technikgestaltern und der Gesellschaft nötig. Verantwortung im Beruf ist eine hehre Forderung. Wie sie sich umsetzen läßt, darüber diskutierten Ingenieure und Naturwissenschaftler vergangene Woche. Die Diskussion um die Ethik darf nicht den Managern überlassen werden, meint der DGB. Auch die Arbeitnehmer- und zwar vor allem die in den naturwissenschaftlichen und technischen Berufen- müssen sich an ihr beteiligen. Deshalb lud er vergangene Woche zu einer Konferenz nach Düsseldorf. Verantwortung für Wohlstand, Apokalypse oder? War das Leitthema, unter dem 500 Frauen und Männer über die Ethik in Technik und Naturwissenschaft diskutierten. Die Gewerkschaften müssen die Rolle des moralischen Sachwalters übernehmen, verlangte Jochen Richert vom DGB-Vorstand. Deshalb fordert er Ethik-Komitees in den Betrieben, eine Verankerung des Prinzips Verantwortung in den Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen und schließlich Ethik-Kodizes für Naturwissenschaftler und Ingenieure- vergleichbar den Berufsordnungen für Ärzte. In ihnen würden die Bedingungen, Ziele und Grenzen der Arbeit unter moralischen Aspekten definiert. Solche Vereinbarungen können, so Richert, einen Schutz der Arbeitnehmer bieten- nämlich dann, wenn sie aus Gewissensgründen ihre Arbeit verweigern. Droht der Arbeitgeber daraufhin mit einer Kündigung, können die Angestellten sich auf den Kodex berufen. Und im Zweifelsfall dadurch vor Gericht Recht behalten. Noch allerdings liegen konkrete Vorschläge für die Ethik-Vereinbarungen in weiter Ferne. Denn noch steckt die Diskussion um die Verantwortung der Wissenschaftler im Alltag in den Anfängen. Und dort blieb sie auch auf der Düsseldorfer Konferenz. Die Diskussion um die Gentechnik war ein deutliches Beispiel. Klar und freimütig stellte Beatrix Tappeser vom Freiburger Öko-Institut zunächst ihre grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich der Gefahren dieser neuen Technik dar. Sie formulierte erste Kriterien zur Verantwortbarkeit. Die genaue Risikoabwägung muß den Erhalt der Natur sicherstellen. Bei unerwünschten Ergebnissen müsse die Reversibilität des Projektes gewährleistet sein. Und schließlich müßten gesundheitliche Unbedenklichkeit und Sozialverträglichkeit außer Frage stehen. Wie schwierig derartige Forderungen in die Praxis umsetzbar sind, bewiesen die Reaktionen der anderen Experten auf dem Podium. Während der SPD-Politiker Wolf Michael Catenhusen präzise Richtliniegrundsätzlich in Frage stellte, indem er auf die Ungewißheit der Gentechnik insgesamt hinwies, forderte Sabine Grone-Weber von der IG-Chemie eine weitere Differenzierung der Tappeserschen Vorschläge. Und der Darmstädter Professor Gassen schließlich plädierte grundsätzlich für den Einsatz der Gentechnik in der Medizin. Wie kann da ein Konsens aussehen- ohne zum billigen Kompromiß zu werden? Für Ersatz und Neubaubedarf der Kanalisation dürften in den nächsten zehn Jahren Beträge in Milliardenhöhe ausgegeben werden müssen. Entsprechend richten sich bereits viele Unternehmen technisch und wirtschaftlich auf diese Aufgaben des Spezialtiefbaus ein. Als 1988 in Aachen ein mittelschwerer Lkw in eine Straßendecke einbrach, weil unter seiner Last die brüchige Kanalleitung nachgegeben hatte, wurde das glimpflich verlaufende Unglück zum Auftakt für eine bemerkenswerte Öffentlichkeitsarbeit, und zwar für jene Vereinigungen von Bauunternehmen, die sich- zusammen mit einigen wenigen Kommunalpolitikern- für die Sanierung und teilweise Erneuerung des öffentlichen Kanalnetzes einsetzten. Das spektakuläre Bild fand reißenden Absatz in der Tagespresse und half auf diese Art und Weise, Druck auf die verantwortlichen Politiker zu machen: Nicht nur Wohnungsbau und Althaus-Sanierung, sondern auch die bislang ja so bequem unter der Erdoberfläche verborgenen Schäden am Kanalnetz mußten repariert werden. Und das nicht nur wegen des peniblen preußischen Ordnungsinns, sondern um die weitere Verseuchung des Bodens durch hochschadstoff-haltige Abwässer vorzubeugen und damit gleichzeitig, wenn auch indirekt die Trinkwasserqualität zu erhalten und wieder zu verbessern. Im Rahmen einer Studie von 1989( mit Basis-Daten von 1988) über den gesamten Baubedarf in der alten Bundesrepublik ermittelte das Ifo-Institut für die Zeit bis zum Jahr 2000 ein Sanierungsvolumen im Kanal- und Leitungsnetz von rund 165000 Kilometer der insgesamt rund 600000 km- das entsprach einem Reparaturvolumen von 100 Milliarden DM( zu Preisen von 1980). Heute rechnet man bereits mit einem Sanierungsaufwand von 17 Milliarden DM jährlich bis zum Jahre 2000 für die gut 60 Millionen West-Bürger. Im neuen Osten waren bis 1988 lediglich 58 Prozent der Wohnbevölkerung in die zentrale Kanalisation mit Kläranlagen angeschlossen( im Westen: 89 Prozent). In den neuen Bundesländern müssen 6200 Hauptsammler neugebaut, 5 000 Kilometer Kanäle saniert werden. In den Einzugsgebieten von Elbe, Oder und Neisse gilt es neben den Kanälen rund 90 kommunale und industrielle Kläranlagen zu sanieren oder neu zu bauen. Ein lokales Beispiel: Im Regierungsbezirk Köln leben 4 Millionen Einwohner, das sind rund 530 Bürger je m2. In einer jetzt vorgelegten Studie des betriebswirtschaftlichen Instituts der westdeutschen Bauindustrie GmbH zum Baubedarf dieser Region( Basis-Daten von 1990) wurde festgestellt, daß rund 15 Prozent des öffentlichen Kanalnetzes von 14100 Kilometer dringend sanierungsbedürftig sind. Für die Sanierung und die Anpassung an die in den letzten Jahren stark gestiegenen Abwassermengen seien 5 Milliarden DM, rund 1250 DM je Bürger im Regierungsbezirk Köln notwendig. Dabei ist der Finanzierungsbedarf- je Kopf der Bevölkerungen umgerechnet- im Osten mit 7500 DM ungleich höher als für die westlichen Bundesländer( 3333 DM). Für die rund 76 Millionen Bürger im wiedervereinigten Deutschland wird die Investitionssumme im Kanal- und Leitungsbau bis zum Jahr 2000 jetzt auf rund 320 Milliarden DM geschätzt- nur um die Netze ökologisch und kapazitativ anzupassen. Das sind zwar nur theoretische Zahlenspielereien- aber sie beschreiben die Größenordnungen und lassen erkennen, warum sich inzwischen viele der Verantwortlichen in Parlament, Verwaltung und Wirtschaft die Frage stellen, wie diese Investitionsaufgaben überhaupt bewältigt werden können. Denn der Finanzierungsspielraum der Kommunen wird immer enger. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hatte das oben zitierte Ifo-Gutachten in Auftrag gegeben, weil sich die Politik selbst offenbar keine Klarheit verschaffen wollte- so Verbandsdirektor Doktor Friedrich Hassbach, Düsseldorf. Die Bauwirtschaft befürchtet, daß die gemeindlichen Verteilungskämpfe um die immer knapperen Finanzmittel sich verschärfen und daß das Gebührenaufkommen für die Abwasserbeseitigung nicht zweckgebunden für Sanierung und Weiterungsbauten verwendet, sondern nur zum Stopfen von Finanzierungslücken dienen wird. Neubau und Instandsetzung der Kanalisation gehören zu den wichtigsten Bauaufgaben der nächsten Jahrzehnte. Entsprechend groß sind die Bemühungen um Innovation in diesem Bereich der Bautechnik. Auch wenn trotz des vielen Geredes über die notwendige Sanierung unseres Abwasserkanal-Netzes der Markt dafür- also die tatsächliche Auftragsvergabe- erst langsam in Gang kommt, die Kanal- und die Leitungsbauer in der Bundesrepublik sind technisch und organisatorisch längst fit für die Mammut-Aufgaben der Sanierung in West und in Ost! Das erklärte unlängst Wolfgang Krah, Geschäftsführer der Neußer LTG( Leitung und Tiefbau aus einer Hand). Tatsächlich laufen die für diese Kanalnetze Verantwortlichen in Ländern und Gemeinden ein Rennen gegen die Zeit über hohe Barrieren der schwierigen Finanzierung und der komplizierten Prioritätenlisten( welche Schäden müssen zuerst behoben werden?). Sie hoffen es mit Hilfe der technisch hochgerüsteten Kanalbauunternehmern zu gewinnen. Deren Tätigkeit hat sich- und wird sich noch weiter- deutlich von der reinen Bauausführung verlagern zur Schadensanalyse und anschließenden Beratung der Kanaleigner beziehungsweise Auftraggeber- noch vor den eigentlichen Bauarbeiten. Das sind nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen aus Ländern und Kommunen, sondern auch sehr viele aus der privaten Wirtschaft. Wolfgang Krah, unter anderem auch ehrenamtlicher Vorsitzender der Gütegemeinschaft Leitungs-Tiefbau e. V.: Zu den geschätzten 250000 Kilometer sanierungsbedürftiger öffentlicher Kanäle muß in etwa das gleiche Quantum im privaten Besitz, also auf Industriegeländen, gerechnet werden. Viele der privaten Kanalbetreiber haben kaum Vorstellungen, wie fürchterlich es in ihrem Netz aussieht. Aber einige wenige der Großen- beispielsweise RWE und FEW- haben ihre Kanalnetze vorbildlich gepflegt, und damit auch zur beschäftigungssichernden Auslastung der Kanalbauer in der Vergangenheit beigetragen. Die Kanalbauer und eine kleinere, informierte Öffentlichkeit, drängen jetzt auf eine rasche umfassende Kanalerneuerung in der Bundesrepublik, will man nicht quasi irreparable Schäden im Grundwasserbereich entstehen lassen und gar die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährden. Gleichzeitig werden die lokalen Kläranlagen bei Regenfällen regelmäßig überlastet: Das undichte Kanalsystem nimmt verunreinigtes Oberflächenwasser auf. Dadurch wird die Reinigungskapazität der Kläranlagen weit überfordert, mindestens aber werden die Mehrkosten hochgetrieben. Nur wenige der städtischen Kanäle haben begehbare Querschnitte, wie sie der Laie kilometerlang in Orson Welles Der dritte Mann im unterirdischen Wien bewundern konnte. Die wesentlich engeren Kanäle im Untergrund unserer Städte und Dörfer können deshalb auch nicht mit den herkömmlichen Reparaturmethoden saniert werden: Der offene Kanalbau über längere Strecken ist betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich fast zu teuer oder unmöglich geworden. Beispielsweise ist es kaum noch möglich, den stark gestiegenen dichten Verkehrsfluß auch nur zeitweise einzuengen oder über längere Zeit ganz zu unterbrechen. Folgerichtig im System unserer freien und sozialen Marktwirtschaft entwickelte die Maschinen-Industrie zusammen mit den Kanalbauern mehrere Systeme zur ferngesteuerten und mechanisierten Kanalkontrolle und die dazugehörigen Kanalsanierungs- und Reparaturverfahren, die in der Regel ohne die Öffnung der gesamten Kanaltrasse auskommen. Von Spezial-Lkw aus, ausgerüstet mit verschiedenen Meß- und Beobachtungssystemen, arbeiten sich Roboter je nach Möglichkeit mit TV-Systemen( zur direkten Beobachtung) oder Videocamcordern( für die nachträgliche Zustandsanalyse) durch die Kanäle. Dabei werden exakt die Schadensarten und die Schadstellen ermittelt: die Grundlage für eine wirksame Reparatur oder Sanierung. In ganz modernen Entwässerungsnetzen, beispielsweise bei dem der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, wurden Kontroll-Systeme installiert, mit denen alle auftretenden Störungen in der Zentralstelle sofort erkannt, registriert und auch über Monitore direkt optisch kontrolliert werden können. Ein Bereich wurde testweise über das von der Deutschen Bundespost angebotene System TEMEX geschaltet. Der seit April 1990 laufende Probebetrieb hat gezeigt, daß diese Methode der Schadensvorbeugung sicher und zuverlässig arbeitet. Das wird aber für viele der Verantwortlichen in den anderen Kommunen Zukunftsmusik sein und bleiben. Eine dieser fern-steuerbaren Kanalbaumethoden wurde von der Tracto Technik entwickelt. Mit Erdraketen, wie dem hydraulisch betriebenen Grundobjekt kann in allen verdrängungsfähigen Böden wie Sand und Ton( mit Einschlüssen) gearbeitet und Bohrlängen bis 100 m bewältigt werden. Bei diesen Geräten sind bewegliche Hammerköpfe und stufenförmig zurückspringende Meißel-Ringschneider kombiniert: Dieser Kopf beißt sich auch bei einem tangentialen Auftreffen auf massive Hindernisse mit einem der Ringschneiden fest und zerschlägt das Hindernis: Die Richtung wird gehalten, die Zielgenauigkeit ist außerordentlich hoch. Hindernisse, die nicht zerstört werden dürfen, also andere Kanäle und Leitungen können mit einem vergleichsweise engen Kurvenradius von nur 12 m von der Rakete umfahren werden- so lange sie bekannt sind. Das verlangt dann natürlich besonders gründliche Arbeitsplanung. Auch Hausanschlüsse für alle Ver- und Endsorgungsleitungen lassen sich in diesem System mit minimalen Rüstzeiten zügig herstellen. Ein in den Bohrkopf montierter Sender strahlt ein Signal aus, das oberirdisch empfangen werden kann und die genaue Ortung der Bohrspitze ermöglicht. Ein hinteres Teil der Lafette zusammen mit dem Bohrgestänge rotierender Pfeil zeigt zugleich die Stellung des Bohrkopfes an. Wird dann die Rotation gestoppt, kann mit Hilfe der speziellen Formgebung des Kopfes die geplante Richtungsänderung der Umfahrung des bekannten Hindernisses gesteuert werden. Bei der Längsverlegung kann man dem Kurvenverlauf der Straße problemlos folgen und große Straßenkreuzungen ohne Verkehrsbehinderungen unterquert werden. Mit dieser Methode lassen sich Fernseh-, Telefon- und Stromkabel, Gas- und Wasserleitungen bis 15 cm Durchmesser neu verlegen. Ein besonders umweltfreundliches Kanal-Verbausystem wurde von Krings Verbau entwickelt. Das Hydrau-Press-Verbau-System( HPV) macht den Grabenverbau noch wirtschaftlicher und schneller als die bisherigen Systeme, ohne die Sicherheitsvorschriften der Tiefbau-Berufsgenossenschaft zu vernachlässigen, so Dipl.-Ingenieur Holger Paul, Abteilungsleiter Tiefbau bei der Essener Altwert AG und Co. KG: Mit der neuesten Version, die Kanalsohlentiefen von 5 m bis 10 m unter Oberfläche einsetzbar sind, lassen sich bis 130 Prozent der bisherigen Kosten einsparen. 60 Prozent bis 70 Prozent für zu sanierende Kanäle in der Bundesrepublik haben Sohlentiefen zwischen 3,5 m bis 5 m. Die Altwert AG vermietet die Geräte an Kanalbauer. Beim HPV-Verfahren werden zeitgleich zum Erdaushub die Spezial-Verbauplatten erschütterungsfrei und segmentweise eingepreßt, so daß die Längs- und Quergurtung ständig für maximale Sicherheit sorgt; anders als beim konventionellen Dielenverbau, bei dem die Gurtung nach Erreichen der Grabensohle eingebaut wird. Die großen Geräte für dieses Kanalbauverfahren wiegen je nach Ausrüstung 25 t bis 35 t und kosten bis 600000 DM. Sie werden von der Altwert AG zu Arbeitstagsätzen von 2000 DM bis 2500 DM verliehen. Holger Paul: Verleihzeiten von 14 Tagen sind normal, dazu kommen Rüstzeiten von jeweils einem Arbeitstag vor und nach den eigentlichen Bauarbeiten. Inzwischen wurde auf Anregung der Altwert AG eine gewichtsreduzierte( maximal 5 t Gesamtgewicht) HPV-Version entwickelt und erprobt. 300 Millionen m3 Abwasser versickern in der Alt-Bundesrepublik jährlich unkontrolliert im Boden und gefährden das Grundwasser. Entsprechend groß die Notwendigkeit der Instandsetzung des Kanalisationsnetzes. Mittlerweile gibt es hierfür viele physikalische und chemische Vorgehensweisen. Von den rund 900000 Kilometer öffentlich- rechtlicher Sammler samt den Hausanschlüssen in der westlichen Bundesrepublik sind nach Experten-Schätzungen 180000 Kilometer bis 270000 Kilometer defekt. Die Schadensursachen sind vielfältig- der Schadensumfang wurde in vielen Fällen durch mangelhafte Pflege und Wartung vergrößert. Eine ganze Reihe der Kanäle wurde außerdem zu Zeiten gebaut, als die Kanalkonstrukteure noch nicht mit so intensiv chemisch und erosiv aggressiven Flüssigkeiten zu kalkulieren brauchten, wie sie heute durchs Netz fließen. Beispiel: Bei gemauerten Kanaltunnel sind durch die Langzeitbeanspruchung Fugen und Steine erodiert- bis zu Undichtigkeiten und teilweise Einbrüchen der Tunnelkonstruktion. Oder: Im Rohrinneren haben sich ausgehärtet Ablagerungen gebildet, die die Fließgeschwindigkeit der Abwässer und zugleich den Förderquerschnitt so verringert, daß die Kapazität des Kanals den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht. Bei Steinzeug- oder Betonröhren älterer Bauart kann es durch die gewachsenen Verkehrslasten auf der Straße zu vertikalen Strangverschiebungen kommen. Zur Beseitigung von Ablagerungen in Rohren, die sonst noch funktionstüchtig sind, werden Fräs- und Spachtelroboter eingesetzt, die vom nächstliegenden Vertikalschacht eingesetzt, über integrierte TV-Kameras im Roboter und Monitore auf dem Lkw zur Sanierungsstelle gefahren werden. Dort wird mit unterirdischer Hilfe der drehbaren Arbeitsköpfe die Ablagerungen und auch Wurzeleinwuchs mit Diamantwerkzeugen abgefräst. Anschließend wird die Oberfläche mit einem Spachtelroboter geglättet. So ein Spachtelroboter wird auch zur Reparatur von Muffenspalten und Rohrrissen verwendet, nachdem mit einem Fingerfräser je nach Rohrwanddicke der Kantenundichtigkeiten einige Zentimeter aufgefräst worden sind: Dann werden die Reparaturstellen mit Hochdruckdampf gereinigt und entfettete sowie schließlich mit einem Zweikomponenten-Epoxyd-Harz verklebt und gedichtet. Zum Schluß kommt das Glätten, und zwar mit dem automatisch arbeitenden, ferngesteuerten Gummispachtel. Über die Jahre in den Kanal gewachsene Baumwurzeln verengen den Durchschluß-Querschnitt, verursachen Staus und Materialabsetzungen. Zur Beseitigung der Wurzeln wurde ein biologisch-septisches Verfahren entwickelt. Dabei wird ein spezieller Schaum aus Vaporooter, Sanafoam und Wasser in die bewachsenen Bauabschnitte gepreßt. Die Wirkstoffe im Schaumbad bleiben sofort am Wurzelwerk hängen und leiten dort eine natürliche Fäulnis ein- nach vier bis acht Wochen ist das Wurzelwerk so verrottet, daß es entweder weggeschwemmt wird, oder samt den Ablagerungen weggefräst werden kann. Das Ganze soll übrigens den entsprechenden Baum nicht beschädigen. Zur Instandsetzung teilblockierter Rohre werden auch sogenannte Freifräsen eingesetzt, die im Vollschnittverfahren arbeiten. Diese Maschinen bestehen aus einem mit Wasserhochdruck angetriebenen Hydraulikmotor auf einem Führungsschlitten, der an den jeweiligen Rohrdurchmesser( 20 cm bis 60 cm) befestigt ist, und der einen mit mehreren Schneiden besetzten Bohrkopf antreibt. Der Antriebs-Wasserstrahl von 300 l/ min entwickelte Druckkräfte von 60 bis 150 bar und spült das abgestrahlte oder abgebohrte Fremdmaterial( Kalkstein, Beton- und Teersplitt-Ablagerungen oder Wurzeleinwüchse) aus dem Rohr und reinigt gleichzeitig die Rohrwandung zur Verbesserung der Fließgeschwindigkeit. Da, wo beschädigte Dichtringe bereits zu Undichtigkeiten führen, so daß entweder das Abwasser aus dem Kanal nach draußen dringt oder Oberflächenwasser bei Regenfällen in den Kanal eindringt oder das Material der Dichtringe durch die inzwischen sehr aggressiven Abwässer in ihrer Funktion beeinträchtigt werden, wird mit chemischer Hilfe repariert: Roboter mit Hohlbohrern durchdringen radial das Kanalrohr. Dann wird von innen mit den nach außen durchragenden Hohlbohrer ein Zweikomponentengel in die äußere Umgebung der Schadensstelle gepreßt und bildet dort einen wirkungsvollen Dichtungsmantel. Um den Engpaß der deutsch- deutschen Kommunikation zu beheben, hat Christian Schwarz-Schilling das Sprachmonopol des Postministeriums gelockert: Erstmals dürfen private Firmen eigene Satelliten-Telefonstrecken betreiben. Auch Vermittlungsdienste, die über das Ausland oder nachts per Mailbox mit dem Osten kommunizieren, lindern oft die höchste Informationsnot. Eine Notiz auf dem morgendlichen Arbeitstisch genügte, und der Tag war gelaufen: Projektleitung für das Kraftwerk Rostock bitte dringend zurückrufen. Noch vor wenigen Monaten brachte ein Telefongespräch nach Rostock Peter-Carl Rühlands Wahlwiederholungstaste und damit seine Nerven zur Weißglut. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von PreußenElektra weiß, wie zeitaufwendig ein simpler Rückruf an die Ostsee werden kann. Doch das, hofft Rühland, ist jetzt vorbei. Denn im Garten des Hannoveraner Stromversorgers steht jetzt die Antenne für die erste private Satellitenfrequenz, die neben Daten auch Telefongespräche überträgt. Im letzten Herbst hatte PreußenElektra die Lizenz für eine firmeninterne Satellitenfrequenz beim Bundespostministerium beantragt. Bevor die Lizenzurkunden erteilt werden, muß die Art der Datenübertragung, wie Bitrate und Geschwindigkeit, definiert werden, erläutert Udo Hawemann, Sprecher im Postministerium. Während der Bearbeitung der Lizenz, die etwa ein bis drei Monate beträgt, ist also genügend Zeit, um die Sende- und Empfangsanlagen zu installieren. Parallel dazu empfiehlt er mit einem Satelliten-Betreiber- die bekanntesten sind die Telekom, Eutelsat, Intelsat und Inmarsat- die Modalitäten für die Übertragungsdienstleistungen zu regeln. Die PreußenElektra AG will vom Firmensitz in Niedersachsen via Satellit sieben Leitungen zu ostdeutschen Stromversorgern schalten. Die Frequenz läuft über den Telekom-Satelliten Kopernikus in 36000 km Höhe. Auf der schnellen Verbindung über den Kunstmond sollen zur Hälfte Daten und Sprache übertragen werden. Rühland beziffert die laufenden Kosten für den Hauptanschluß inklusive der 10 Siemens Hicom 3000-Nebenanschlüsse auf 1500 DM pro Monat. An Telefongebühren entstehen zusätzlich nur die regulären Gebühreneinheiten von und zur Satellitenstrecke. Die gesamte Installation der PreussenElektra AG stammt von Fuba, einem Unternehmen, das einen weiteren Satelliten-Auftrag an der Angel hat: Die Nachrichtentechniker aus Bad Salzdetfurth werden bei 100 Kunden der Telekom VSat-Stationen( Very small apparatus terminal) installieren. Mit VSat können bis zu sechs Telefon- oder Faxleitungen über den Orbit geschaltet werden. Als reines Dienstleistungsunternehmen bietet Teleport Europe seit wenigen Wochen schlüsselfertige Satellitendienste an; in Kürze, nach der Genehmigung, auch für Sprache. In den 2000 DM bis 3000 DM pro Monat für eine Leitung sind neben der Miete für die Hardware auch alle laufenden Kosten für Wartung und Instandhaltung enthalten. Auf mehrere Säulen setzt Rank Xerox, um die Kommunikation mit dem Osten voranzutreiben. Neben den geplanten Satelliten-Verbindungen und West-Telefonnummern für die neuen Anschlüsse in Ostberlin nimmt der Kopiermulti auch die Dienste des Telefon Antwort Service TAS in Anspruch. Das Wiener Unternehmen vermittelt innerhalb weniger Minuten Gespräche und Telefaxe aus Deutschland West über das kaum ausgelastete österreichische Leitungsnetz in die neuen Bundesländer. Fraglich ist, wie lange die gerade erst angelaufenen Geschäfte der Telefonvermittler, Satellitendienste und Mailbox-Spezialisten, die nachts per Computer-Modem kommunizieren, noch florieren. Die Deutsche Bundespost Telekom hat das Ost-West-Telefonleitungsnetz von 1461 Verbindungen( Ende 1989) auf 6582( Ende 1990) ausgebaut und plant bis Ende 1991 gar 31000 Verbindungen. Und erste Verbesserungen, so ist aus der Rank Xerox Telefonzentrale zu hören, sind schon offensichtlich: denn jeder zweite Wählvorgang in den Osten sei bereits ein Treffer. Die Lichtwellenleiter-Industrie Europas ist auf Erfolgskurs. Noch vor Japan und den USA rangiert der europäische Glasfasermarkt weltweit auf Platz 1. Anschlußprojekte bis zum Haus des Teilnehmers und der neue SDH-Standard bestimmen den Trend. Wenn Gerd Tenzer, Vorstandsmitglied der DBP Telekom, von den Möglichkeiten der Glasfaser-Technlogie spricht, ist er um Visionen nicht verlegen: Die optische Nachrichtenübertragung mit Lichtwellenleitern wird zu einem universalen integrierten Kommuniationsnetz führen, in dem alle Kommunikationsarten bis zu den höchsten Bitraten realisiert werden können. Selbstbewußt fügt der Glasfaser-Stratege hinzu: Wir betreiben die Einführung von Glasfaser-Anschlußsystemen mit Nachdruck. Tenzer könnte stellvertretend für die europäische Telekommunikations-Branche sprechen. Die Glasfaser, das Übertragungsmedium für die breitbandigen Dienste der Informationsgesellschaft, hat die Europäer nämlich in eine Weltmeisterstellung gebracht. Mit einem Umsatzvolumen von rund 1,1 Milliarden Dollar rangierte 1990 der europäische Markt für Kabel und Komponenten der Lichtwellenleitertechnik vor den USA und Japan an erster Stelle, und die Erfolgsstory geht weiter: Deepak Swamy, Analyst des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Kessler Marketing Intelligence( KMI) in Newport, Rhode Island, sieht den europäischen Glasfaser-Markt bis 1995 auf 2,3 Milliarden Dollar wachsen. Ein jährliches Durchschnittswachstum von 17 Prozent, quer durch ganz Europa, versprach der Experte bei der Präsentation der Studie European Markets for Fiberoptics, die von den amerikanischen Marktforschern Mitte März in Newport vorgestellt wurde. So würden sich in den betrachteten fünf Jahren allein die Märkte Osteuropas von gegenwärtig 7 Millionen Dollar auf mehr als 300 Millionen Dollar vergrößern. Insgesamt verlegten die europäischen Postverwaltungen und andere Netzbetreiber bereits letztes Jahr mehr als 1,9 Millionen km Glasfaserkabel in öffentlichen und privaten Netzen, dreimal mehr als 1987. Die Märkte der einzelnen Länder wachsen unterschiedlich, abhängig von den regulativen Rahmenbedingungen, sowie den politischen und wirtschaftlichen Eckdaten, erläutert Swamy weiter. So habe etwa der französische Markt durch die Strategie von France Tom eines der modernsten faseroptischen Fernmeldenetze der Welt erhalten. Nach hinten abgefallen seien dagegen letztes Jahr die Spanier, Ursache sei die zunehmende Sparneigung der privaten Telefongesellschaft Telefonica gewesen. Eine anhaltend hohe Investitionsneigung in Glasfaserprojekte war hingegen in Italien zu verzeichnen. Durch den gründlichen Ausbau des öffentlichen Fernnetzes einschließlich einiger Unterwasserkabel-Projekte mit denen Städte an der Westküste des Stiefels verbunden wurden, waren die Italiener im vergangenen Jahr mit 48 Prozent Umsatzwachstum nach den Briten die eifrigsten Verleger der optischen Kabel. Zusammen verbuchten die fünf führenden europäischen Nationen Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien 82 Prozent des europäischen Marktes in 1990 für sich. Doch der Marktanteil dieser Länder wird sich verringern, sagt Swamy voraus. Den Grund dafür sieht der Marktforscher in dem starken Bedarf an Lichtwellenleitertechnologie in den Ländern Skandinaviens und Osteuropas. Der deutsche Markt für Glasfaser-Technik erreichte im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 289 Millionen Dollar. Analyst Swamy: Den Löwenanteil von 89 Prozent der Investitionen in faseroptische Systeme verschlang der Ausbau des Fernmeldenetzes, 10 Prozent der Ausgaben flossen in öffentliche und private Datennetze und 1 Prozent in andere Projekte. Dabei entfielen 229 Millionen Dollar auf Investitionen in die insgesamt 310000 Kilometer Glasfaserkabel, 52 Millionen Dollar auf Übertragungstechnik und Verstärker sowie 8 Millionen Dollar auf die Kabel-Verbindungen. Bis 1995 erwarten die Marktforscher von KMI ein Wachstum des deutschen Glasfaser-Marktes auf insgesamt 575 Millionen Dollar. Zwei Wachtums-Trends haben die amerikanischen Marktbeobachter für Europa ausgemacht: Fiber to the home, also Anschlußprojekte bis zum Haus des Teilnehmers und steigendes Interesse an dem SDH-Standard( Synchronous Digital Hierarchy), mit dem die unterschiedlichen Netzkonzepte der einzelnen Länder verbunden werden können. Den Anfang machte im vergangenen Jahr Philips mit dem Aufbau einer digitalen Glasfaserstrecke im spanischen Valencia, und auch France Tom ist dabei, sein Fernmeldenetz auf SDH-Standard zu bringen. Technischer Erfindergeist zeichnet die europäischen Entwickler nach der Marktstudie allemal aus. Die Europäer, bescheinigt der Amerikaner Swamy, sind nicht mehr länger nur die passiven Nachfolger des amerikanischen und japanischen Industrie-Standards. In vielen Bereichen hätten sie sogar die technische Führerschaft übernommen. So wären etwa die Briten anderen weit voraus bei der Entwicklung der sogenannten passiven optischen Netze für den kostenintensiven Teilnehmeranschlußbereich. An Deutschland heben die Fachleute von KMI das Breitband-Glasfaser-Netz der Telekom hervor, als eines der besten der Welt. Voran geht aber es auch mit dem Absatz von verdrillten Kupfer-Doppelleitungen aus isoliertem Telefonkabel, die hauptsächlich bei der Übertragung von Telefon-Gesprächen Verwendung finden. Deren Umsatz in Europa wird von 558 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf 702 Millionen Dollar bis 1995 anwachsen, wie aus dem Bericht The European Market for Cable und Wiring Products for Networks des britischen Marktforschungsunternehmens Frost und Sullivan, London, hervorgeht. Ernüchterung werden die erfolgsverwöhnten Europäer dagegen auf ihrem Markt für Koaxial-Kabel- zweiadrige Kabel mit einem isolierten Mittelleiter und einer Ummantelung durch einen äußeren Leiter- antreffen. Die Experten aus London rechnen mit einem Umsatzrückgang von 51 Millionen Dollar 1990 auf 43 Millionen Dollar bis 1995. Gefahr lauert dem europäischen Glasfaser- und Kupfer-Kabelmarkt mit der Konkurrenz der drahtlosen Nebenstellen auf. Dieses Nebenprodukt der mobilen Zelltelefone steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch bei sinkenden Preisen, mahnen die Marktforscher von Frost und Sullivan, könnte es für viele Kunden von erheblichen Interesse sein. Die vorläufig letzte Stufe der integrierten Massenspeicher sind die 64-Mbit-Drams. Sie sollen 1994 produktionsreif sein. Diese Bausteine werden mehr als 67 Millionen Transistoren und Speicherkondensatoren auf einem etwa 150 mm2 großen Chip vereinen. Das erfordert höchste Präzision bei der Maskenbelichtung mit kurzwelligem Licht. Die Japaner zeigen den Weg mit optischen Extendern. Die Mikrometer gehen uns heute recht alltäglich über die Lippen: Die superfeinen Mikron-Geometrien und die Mega-Daten der gängigen Rechner- und Speicher-Chips sind als Fachsimpelei ebenso populär geworden wie die Von-Null-auf-Hundert-Beschleunigung des letzten Sechs- oder Zwölfzylinder-Jahreswagens. Dabei lohnt es sich, beim Übergang zur nächst kleineren Größenordnung der weltbeherrschenden Winzlinge in die Submikron-Geometrie, einmal den Humanmaßstab zu bemühen: 1 PI352 m ist etwa ein Hundertstel des Durchmessers eines menschlichen Haars. Eine Linie von 10 PI352 m können die Oldtimer unter den Maschinenbauern noch mit angestrengtem Blinzeln auf dem Nonius ihrer Schieblehre erkennen; 1 PI352 m ist schlicht unsichtbar. Was darunter liegt: 0,5 PI352 m, 0,35 PI352 m, 0,2 PI352 m- die nächsten Stationen des Halbleiter-Fortschritts mit den 16-, 64- und 256-Mbit-Drams( Dynamic Random Access Memory)- entgleitet nicht nur dem menschlichen Auge und dem schärfsten optischen Mikroskop. Selbst das Licht, im sichtbaren wie im UV-Bereich des Spektrums, kann, weil zu langweilig, diese Submikronstrukturen nicht mehr klar und deutlich erfassen. Bisher beruht aber die Fertigung der integrierten Schaltungen der Mikroelektronik auf mehreren solcher Belichtungsschritte, der Lithographie. Wie bei einer Serie von photographischen Vergrößerungen( oder hier: Verkleinerungen) entstehen die Schaltungsstrukturen durch wiederholtes Durchleuchten und Aufbelichten von optischen Masken( Negativ) auf den Silizium-Wafer( Positiv), dessen lichtempfindliche Beschichtung dann die gezielte Kristalldiffusion mit ausgewählten Dotierungsmaterialien ermöglicht. Die optische Maskenbelichtung mit Quecksilberdampflampen stößt jetzt, langsam aber sicher, an ihre naturgegebenen Grenzen. Die Auswege aus diesem Dilemma- die Belichtung mit extrem kurzweiliger Röntgenstrahlung oder das maskenlose Direktschreiben des IC-Layouts per Elektronenstrahl- werden seit zehn Jahren von der Fachwelt diskutiert. Aber vor der Umsetzung in die Praxis schrecken viele im Moment noch zurück. Das ist besonders deutlich bei den amerikanischen Chipmachern vom Silicon-Valley-Zuschnitt: Die Kostenbarriere türmt sich vor ihnen so hoch auf, daß eigentlich nur große Konglomerate und Kooperativen von japanischem oder europäischem Format die notwendigen Mittel parat haben. Und deshalb konzentriert sich der Erfindergeist bei den Herstellern von Fertigungs-Equipment für die IC-Hersteller seit Jahren auf einen Punkt: die optische Lithographie von einer Produktgeneration zur nächsten zu retten und die teure Röntgen-Lithographie immer wieder und immer weiter hinauszuschieben. Der einzige US-Hersteller, der sich hier eine Zukunftsposition aufgebaut hat, ist IBM. Noch vor kurzem galt als der Weisheit letzter Schluß, daß der 16-Mbit-Dram, mit Chipgeometrien um 0,5 PI352, für 1992 erwartet, das letzte Hurra der optischen Lithographie ist. Jetzt aber kommen die ersten Anzeichen, daß es noch eine weitere Gnadenfrist gibt: Auch die nächste Generation des Drams, die 64-Mbit-Speicher( mit 0,35 PI352 und frühestens 1994 produktionsreif), können wahrscheinlich noch in der kostensparenden Belichtung gefertigt werden. Optimisten sehen sogar für die Jahrhunderwende die optisch erzeugten 256-Mbit-Speicher( 0,15 PI352) voraus. Die Ausweitung der optischen Lithographie geht aber nur mit Licht- und Beleuchtungstricks, Extender genannt. Im Moment nutzen die optischen Maskenbelichter die sogenannte G-Linie des Quecksilber-Lichts bei 0,435 PI352( oder 435 Nanometer). Damit wären die 16-Mbit-Speicher also gerade noch mit ausreichender Schärfe abzubilden. Besser wäre die kurzwelligere I-Linie mit 365 nm. Und noch kurzwelliger, also schärfer, sind die Eximer-Laser, deren Licht in den tiefen UV-Bereich herabreicht- je nach Bauart mit 248 nm, 193 nm und 157 nm. Aber auch an diese Eximer-Laser will im Moment keiner so richtig ran. Die Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb steht in Frage, vor allem die mechanische und optische Strahlführung. Und die photo-empfindlichen Materialien für das tiefe UV sind noch nicht optimal gemixt und konfektioniert. Bleiben vorerst also nur die Extender der optisch sichtbaren I-Line-Lithographie. Einigen japanischen Herstellern scheint dabei ein neuer Technologie-Durchbruch gelungen zu sein: die Erhöhung der Abbildungsschärfe und des Kontrasts durch optische Phasenschieber-Masken, kombiniert mit höherempfindlichen Multilayer-Resists. Die gegenwärtigen, konventionellen Masken sehen aus wie Photo-Negative: mit schwarzen und transparenten Stellen, die das Chip-Layout definieren. Die neuen Phasenschieber-Masken hingegen sind gleichmäßig transparent, sie enthalten das Layout in Form von feinsten und genauesten Abstufungen in ihrer Dicke. Damit entstehen beim Durchlauf des Lichts der passenden Wellenlänge entsprechende Phasenverzögerungen in der Wellenausbreitung. Unter den Kanten der Phasenschieber-Elemente der Maske löschen sich benachbarte Wellenzüge gegenseitig auf und lassen feinste Bereiche des Photo-Resist auf dem Wafer unbelichtet. Diese dunklen Bereiche, weitaus feiner als die verwendete Lichtwellenlänge, können nun, entsprechend dimensioniert, die Chip-Geometrie darstellen. Natürlich haben auch die Phasenschieber-Masken ihre Probleme: Die Bildelemente zur Darstellung der Chip-Geometrie müssen recht exotisch geformt sein, damit sich die gewünschten scharfen Konturen einstellen. Das verteuert ihre Herstellung. Die Staubfreiheit beim Belichtungsvorgang muß noch genauer überwacht werden. Und auch die Photo-Resist-Materialien sind noch nicht empfindlich genug für die schwachen auftretenden Kontraste. Trotzdem sind die Japaner sehr zuversichtlich. Sie sprechen sich recht deutlich gegen die Röntgenlithographie aus und propagieren erst einmal die optischen Extender. Die Röntgen-Technologie ist sehr interessant zu entwickeln, sagt Kenji Nakagawa, der Fujitsus 64-Mbit-Design kürzlich in San Francisco präsentierte, aber sie ist noch nicht nutzbar. Doch irgendwann kommt einmal die Grenze der optischen Technik. Wenn dann die Stunde der Röntgen-Lithographie schlägt, dann könnte IBM als erster US-Hersteller daraus Nutzen ziehen. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen machen es unausweichlich, daß Sie zu kürzeren Wellenlängen übergehen müssen, sieht Paul Horn vom IBM Watson Research Center den Trend voraus. Die US-Regierung beteiligt sich in diesem Jahr mit einer 60-Millionen-Dollar-Beihilfe für DARPA am Rennen der Lithographien für die zukünftigen Submikron-Chips. Erst wenige Wochen ist es her, daß AMD gegen Intels heißbegehrte 386er-Mikroprozessoren eine attraktive, eigene Entwicklung setzte- da schlägt der Marktführer im Sektor PC-Prozessoren auch schon zurück. Und präsentiert einen abgespeckten 32-bit-Prozessor der 486er-Serie, der wohl vor allem das Interesse potentieller AMD- 386er-Käufer auf sich ziehen soll. Der neue 486SX, ist im wesentlichen eine 20-MHz-Maschine mit 32 Bit Wortbreite, die neben einem Prozessorkern noch eine Speicherverwaltungseinheit sowie 8 KByte an Pufferspeicher umfaßt. Sie soll, verspricht Intel-Manager Paul Otellini, gleich den anderen Chips der 486er-Serie zur 386er-Familie hundertprozentig kompatibel sein und vor allem leistungshungrige Programme wie etwa Windows und darauf aufbauende Anwendungslösungen rasch abarbeiten. Wobei für Aufgaben, in denen es auf schnelle Gleitkommarechnungen ankommt, zusätzlich ein Koprozessor namens 487SX gekauft werden kann. Der neue 486er soll zwar billiger sein, als ein 32-bit-386DX mit 33 MHz Taktfrequenz und zusätzlichem Pufferspeicher, dennoch aber soll er, wie Otellini betont, um bis zu 40 Prozent mehr an Leistung bieten, als jene traditionelle Konfiguration. Dazu trage auch bei, daß der Neuling im ausgewogenen Zusammenspiel von optimierter Ganzzahl-Recheneinheit sowie dem zugehörigen Pufferspeicher verschiedene Befehle in nur noch einem Taktzyklus ausführt. Was ein wenig an die besondere Arbeitsweise der sogenannten Risc-Prozessoren erinnert, für die das schnelle Ausführen betont einfacher Befehle ja sozusagen die Raison d'Etre darstellt. Ergänzt man einen 486SX-Rechner um einen 487er-Gleitkommaprozessor, so beschleunigt jener nicht nur die Bearbeitung rechenintensiver Programme um teilweise das Fünffache, er schultert überdies gleich noch die gesamte Bürde der Rechenlast. Denn laut Otellini übernimmt dieser Chip, dessen Gleitkommaeinheit übrigens zu allen Intel-Mathematik-Koprozessoren binärkompatibel sein soll, dann neben den Gleitkomma- auch gleich noch alle CPU-Funktionen. Erst dieses Übertragen sämtlicher CPU-Funktionen auf den Gleitkommaprozessor versetze so ein Gespann nämlich in die Lage, hebt der Intel-Manager weiter hervor, partiell bis zu 70 Prozent mehr an Leistung zu erreichen, als das entsprechende 33-MHz-Duo der Prozessoren 386DX und 387. Mit dem neuen 486SX, dessen Produktion inzwischen bereits angelaufen sein soll und für dessen Zusatz-Chip 487 man noch in diesem Quartal die Fertigung starten möchte, zielt das Intel-Management auf mehr als 50000 Anwendungsprogramme für Rechner der 80x86er-Linie, in denen übrigens weltweit rund 40 Milliarden Dollar an Investitionen stecken sollen. Auch zähle man derzeit, so Otellini, rund 500 Hersteller, die PCs rund um die Intel-Prozessoren herstellen. Und die bislang mehr als 75 Millionen Geräte gefertigt haben, von denen wiederum schon 15 Millionen der 32-bit-Klasse zuzurechnen seien. Vergleicht man jeweils eine Kombination von 33 MHz-386DX plus Pufferspeicher-Chip einerseits mit dem 486SX andererseits, so ist der 486SX mit knapp 260 Dollar billiger als die Kombination mit 290 Dollar; und statt bisher zwei bis sechs Chips wird künftig nur noch einer- und mithin nur noch gut der halbe Platz auf der teuren Platine- benötigt. Außerdem soll der 486SX mit billigen 100-Nanosekunden-Drams zusammenarbeiten können, während die 386er-Technik teurere 66-ns-Drams benötige. Der 20 MHz-487er Coprozessor soll laut Otellini rund 74 Prozent schneller arbeiten als der 33 MHz-387er, jedoch statt rund 1000 nur knapp 800 Dollar kosten. Und da er mit rund 2100 Programmpaketen direkt zusammenarbeiten kann, dürften wohl die meisten PC-Hersteller Möglichkeiten vorsehen, diesen Gleitkommaprozessor wenigstens nachträglich einzubauen. In einer Skizze der künftigen Preis- und Leistungsgruppen moderner PC meinte Otellini in München, unterhalb der 3000-Dollar-Preisgrenze werde man künftig wohl 386er-Chips der verschiedenen Varianten einsetzen, zwischen 3000 und 5000 Dollar den neuen 486SX und darüber- je nach Leistungsbedarf- die bekannten 486DX-Typen mit 25 bis 50 MHz Taktfrequenz. Was natürlich nicht ausschließt, daß eine Reihe PC-Hersteller sich auch den Einsatz des konkurrierenden AMD-386ers gründlich überlegen und wohl noch gründlicher ausrechnen dürfte. Laut Otellini, der sich dabei auf Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC stützt, dürften dieses Jahr rund 20 Millionen PC im Preisbereich unterhalb 3000 Dollar verkauft werden, 6 und 4 Millionen in den Bereichen von 3000-5000 beziehungsweise 5000-8000 Dollar und jeweils 700000 und 300000 Stück in den Klassen 8000 bis 12000 Dollar beziehungsweise höher als 12000 Dollar. Speziell für anspruchsvolle Maschinen der Klasse jenseits von etwa 10000 Dollar Kaufpreis stellt Intel inzwischen schon recht konkret einen neuen Prozessor der 80x86er-Serie in Aussicht, der nächstes Jahr offiziell enthüllt werden dürfte. Er soll etwa die vierfache Leistung des klassischen 486ers erreichen, rund 4 bis 5 Millionen Transistoren auf einem Chip integrieren und stärker als die bisherige Technik auf den Bau schneller Mehrprozessor-Systeme hin optimiert sein. Noch ist er nicht flächendeckend aufgebaut, aber rund ein Drittel der Zentren in den alten Bundesländern sind schon mit ihm versorgt: Temex, ein Fernwirkdienst der Bundespost Telekom. Seine Signale laufen durch das vorhandene Fernsprechnetz, ohne das Telefonieren zu beeinträchtigen. So können Taxi und Notdienste gerufen, Schlüsselsysteme kontrolliert und Automaten aus der Ferne überwacht werden. Ein leerer Coca-Cola-Automat ist für die durstigen Kunden ein Ärgernis und für den Unternehmer ein Verlust. Aber das braucht bald nicht mehr zu sein. Michael Ring, bei der Deutschen Bundespost Telekom Produktverantwortlicher für den Temex-Dienst, nennt eine einfache Lösung, vorgesehen erstmal für die Ruhrgebietsmetropole Essen. Das ist eine Temex-Überwachung der Automaten-Füllstände. Was per Temex an Meldungen von den Automaten in der Zentrale eintrifft, wird für die Tourenplanung der Lieferwagen ausgewertet. Per Mobilfunk kann anhand der Informationen eine Route auch noch nachträglich geändert werden. Temex ist ein Kommunikationsdienst der Telekom für Anwendungen im Bereich des Fernwirkens. Er nutzt die vorhandenen Telefonleitungen, ohne den Fernsprechbetrieb zu beeinträchtigen; denn die Signale werden oberhalb des Sprachfrequenzbandes übertragen. Mit Temex lassen sich aus der Ferne beispielsweise Funktionen und Gebäude überwachen, Meß- und Verbrauchsdaten übermitteln oder Maschinensysteme und -anlagen steuern. Grundsätzlich gibt es den Dienst bundesweit, allerdings nicht flächendeckend, sondern vorerst in Zentren der alten Bundesländer. Michael Ring meint, rund ein Drittel der Bereiche seien bereits mit Temex versorgt, und im Lauf des Jahres 1992 würden 50 Prozent erreicht. In den neuen Bundesländern gibt es vorläufig andere Prioritäten: Vor Temex kommt immer noch das Telefon. Der Temex-Dienst braucht ein dreistufiges Netz. Für die erste Stufe, in der sehr viele und räumlich weit verteilte Fernwirk-Endeinrichtungen an das Netz angeschlossen sind, werden die Telefonleitungen im Frequenzmultiplex genutzt. Die Vermittlungsstelle des Telefonanschlußbereichs wird mit dem Temex-Netzrechner zur Zentrale des Bereichs. In der zweiten Stufe werden diese Zentralen über Hauptzentralen miteinander verbunden. In der dritten und letzten Stufe werden die Leitstellen an die regionalen Temex-Netze angeschlossen. Für die Übertragung sorgen hier die bekannten Datel-Dienste der Telekom. Das ganze System bietet große Übertragungssicherheit bei hoher Verfügbarkeit und dazu die Übertragung kleiner Datenmengen zu adäquaten Kosten. Um den technischen Aufwand und die Kosten den verschiedenen Bedarfsfällen anzupassen, bietet die Telekom eine ganze Reihe unterschiedlicher Anschlußarten: beispielsweise zeitkritische Anwendungen mit einfachen Ja/ Nein-Informationen, sei es für Meldung oder für Befehl, und die zeitunkritischen, mit denen Datentelegramme übertragen werden können. Außerdem kann man unterschiedliche Übertragungshäufigkeit abonnieren. Bei allen Temex-Anschlüssen wird die Funktionstüchtigkeit dauernd überwacht. So können zeitkritische Meldungen innerhalb von sieben Sekunden übermittelt werden. Die Anwendungsvielfalt ist fast unübersehbar. Die Telekom nennt Sicherheitstechnik, Verbrauchsdatenerfassung, Gebäudesystemtechnik sowie Umwelttechnik und Energiemanagement als Hauptbereiche. Zu jeder Temex-Funktion gehört außer den Endgeräten beim Nutzer die vom privaten Dienste-Anbieter betriebene Leitstelle. Sie wird von der Koblenzer Görlitz Computerbau GmbH als elektronische Kartei veranschaulicht. Bei der Feuerwehr enthält diese Kartei Informationen über die Gebäude und weiteren Objekte sowie Anweisungen, nach denen bei einem Brand zu verfahren ist. Dazu dürften die Namen der zu informierenden Personen ebenso gehören wie Hinweise auf gelagerte Gefahrgüter und deren Behandlung. Damit das alles elektronisch funktioniert, braucht die Fernwirkleitstelle einen Computer, der die für den Alarmfall relevanten Angaben automatisch auf dem Bildschirm erscheinen läßt. Eine wichtige Funktion der Leitstelle ist also die einer automatischen Datenbank. Damit der über Temex angebotene Dienst auch dauernd funktioniert, müßte so eine Leitstelle rund um die Uhr besetzt sein. Das kann in manchen Fällen- nicht bei der Feuerwehr- zu größeren Aufwendungen führen, als durch Wartungsverträge, beispielsweise bei Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen erwirtschaftet werden kann. Deshalb entstand bei der Firma Görlitz eine personalunabhängige Leitstelle, die alle Schritte zur Bearbeitung von Meldungen automatisch erledigt. Sie kann Meldungen ausgeben und auf Anrufe in klar verständlicher Sprache antworten. Sie kann auch einen benötigten Monteur selbständig herbeirufen, indem sie nach der Auswertung der Meldung die Eurosignal- oder Cityruf-Zentrale benachrichtigt, die so den Verantwortlichen informiert. Der wird dann die Leitstelle anrufen, sich bei ihr durch einen codierten Tonrufgeber als berechtigt ausweisen und den Auftrag entgegennehmen. Für die Leitstelle ist der Fall abgeschlossen, wenn der Monteur nach getaner Arbeit seine Abschlußmeldung durchgibt. Temex dient auch ganz direkt dem Menschen. Da gibt es den Teleruf für Alleinstehende, die sicher sein wollen, daß ihnen in einem Notfall geholfen werden kann. Sie tragen dafür einen Minisender bei sich, beispielsweise beim Teleruf-System 9000 von SEL-Alcatel wie eine Armbanduhr am Handgelenk. Der drahtlose Ruf wird vom Teleruf-Empfänger aufgenommen und über das Temexnetz an die Leitstelle vermittelt. Sicherheit schafft Temex auch in anderen Fällen: Bei elektronisch codierten Schlüsseln und entsprechenden Schlössern. Diese Möglichkeiten bieten beispielsweise die Berliner Ikon AG und Doktor Neuhaus aus Hamburg. Dafür braucht das elektronische Schlüsselsystem nur mit der Temex-Netzanschlußeinheit verbunden zu sein. Als zeitkritische Meldung werden Signale über versehentlich nicht geschlossene Türen oder Öffnungsversuche mit unberechtigten Schlüsseln innerhalb von 7 s an die Zentrale übertragen. So können Unternehmen ohne zusätzlichen Personalaufwand Zweigwerke oder Niederlassungen von fern sicher überwachen. Die Taxizentrale Münster nutzt Temex schon seit dessen Pilotprojekt-Phase für die Auftragsannahme. So kann zum Beispiel von einer Hotel-Rezeption die Taxibestellung per Knopfdruck ausgelöst werden. Man spart das Wählen am Telefon und außerdem gibt es dabei kein Besetzt. Der Dienst spart auch Geld gegenüber der telefonischen Bestellung: Bei einer Monatsgebühr von nur 6 DM für den einfachsten Temex-Nutzeranschluß sind monatlich schon 400 Taxibestellungen möglich. In Bielefeld haben die Stadtwerke jüngst an allen 87 Stadtbahn-Haltestellen Fahrkartenautomaten aufgestellt. Diese sind mit Temex-Geberbausteinen von Weidmüller ausgestattet und können so rund um die Uhr von der Zentrale aus überwacht werden. Sie geben Meldungen für unterschiedliche Mängel und Fehler: Papierstau, Fahrscheindrucker gestört, nicht genügend Papier, Papierende, Kasse voll, nicht genügend Restgeld, Papiergeldleser defekt, Ausfall der Versorgungsspannung und natürlich auch für Einbruchversuch. Die Fahrer brauchen gar keine Fahrkarten mehr zu verkaufen, und die Haltestellen-Aufenthalte werden nicht durch das Kassieren verlängert. Temex dient hier also gleichermaßen den Stadtwerken wie den Stadtbahnfahrern und den Fahrgästen. Mit dem Arbeitsplatzrechner Mikro 3163 kündigt die Unisys Deutschland ein neues Einstiegsmodell in den 386SX-Prozessorbereich an. Das System gehört nach Angaben des Unternehmens zur Mikro-300-Familie, die zuvor nur mit 286er Prozessoren ausgerüstet war. Der neue Rechner arbeitet mit einer Taktfrequenz von 16 MHz. Die Siemens Nixdorf Informationssysteme AG( SNI), Paderborn, will ein Drittel des Marktes in den fünf neuen Bundesländern erobern. Das Marktvolumen für Computertechnik und Software betrage nach ersten vorsichtigen Schätzungen zwischen 1 und 2 Milliarden DM sagte der für Ostdeutschland zuständige Marketing-Chef Joachim Deutschmann in Erfurt. Gerechnet werde mit einem jährlichen Wachstum für Datenverarbeitungssysteme von 20 Prozent bis 30 Prozent. Die japanische NEC Corp. Hat mit dem Verkauf eines fehlertoleranten Computersystems begonnen, teilte das Unternehmen mit. Das Modell Super Tolerant FT20 werde auch dann noch funktionieren, wenn Fehler in einigen Betriebsteilen oder in der Software auftreten, heißt es. In den nächsten drei Jahren erwartet NEC einen Absatz von 600 Einheiten. Die Systeme werden von dem amerikanischen Unternehmen Stratus Computer Inc., Marlboro/ Massachussets, produziert und von dort nach Japan verschifft. Mit einem neuen Doppelkopf hat Hitachi die Schreibbreite pro Spur bei Harddisks auf nur noch 1 PI352 m verringern können. Damit errechnet sich für eine 3,5-Zoll-Festplatte eine mögliche Speicherdichte von 3 Mbit/ mm2 oder von satten 10 GByte Kapazität für die Platte. Marktfähig werden die Laufwerte jedoch erst zur Jahrhundertwende. In zwei Jahren will NEC endgültig das Gebiet der Plasma-Bildschirme aufgeben. Begründet wird dies mit den großen Investitionen vieler japanischer Hersteller in den Farb-LCD-Markt. NEC wird im LCD-Geschäft noch in diesem Jahr rund 75 Millionen Dollar investieren. Nach Mitteilung des Unternehmens betrug der NEC-Umsatz in Plasma-Displays pro Jahr nur etwa 7,5 Millionen Dollar. CAD allein hätte sich auf keinen Fall gelohnt, urteilt Jürgen Mangold, Konstruktionsleiter beim Werkzeugbauer Gildemeister und Knoll im schwäbischen Laichingen, über die Effizienz des elektronischen Reißbretts. Wettbewerbsvorteile entstanden dem Zulieferer, weil er Geometriedaten von jedem EDV-Fremdsystem übernehmen, dreidimensional aufbereiten und direkt in die NC-Maschinen einspeisen kann. Konzerne fordern von ihren Zulieferern immer drängender, daß ihre Aufträge in elektronischer Form angenommen, bearbeitet und die Fertigungsunterlagen so auch wieder zurückgeschickt werden. Die Hälfte unserer Mitbewerber fällt von vornherein raus, weil sie Datensätze nicht übertragen und verarbeiten können, beschreibt Mangold die Wettbewerbslage. Dennoch rät er von einer überstürzten CAD-Einführung ab. Die Investitionen für Hard- und Software, Schnittstellen-Anpassungen und Schulung, die trotz sinkender Gerätepreise schnell in die Nähe von einer Millionen DM steigen können, zeigen die betriebswirtschaftliche Bedeutung für mittelständische Unternehmen. Bei Gildemeister und Knoll, spezialisiert auf Preß-, Stanz-, Folgeverbund- und Stufenwerkzeuge für die Automobil-, Elektro- und Haushaltswarenindustrie, hörte man sich 1983 erstmals um, welche Vorteile und welche Nutzen das papierlose Konstruieren bringen kann. Hauptsächlich die Automobil-Firmen forcierten aus Qualitäts- und Rationalisierungsinteressen das computergestützte Konstruieren. Ein CAD-Arbeitsplatz allein hätte uns wenig Vorteile gebraucht, beschreibt der Konstruktionsleiter Mangold die damalige Ausgangslage, unser Ziel hieß: Direkt am CAD-System das Modell konstruieren, danach durchgängig den NC-File generieren und das am Bildschirm entworfene Bauteil ohne Zwischenschritte an der NC-Maschine aus Stahl oder Grauguß fräsen. Zu diesem Zweck muß der Konstrukteur in der Lage sein, aus den Skizzen und Geometrievorgaben der Auftraggeber das gewünschte Werkstück rechnergestützt zu konstruieren und berechnen. Daraus werden dann für die einzelnen Werkstücke wieder über CAD/ CAM Produktionsanweisungen für die numerisch gesteuerte Fräsmaschine entwickelt. Im Benchmark-Test mußten die Systeme, die in die engere Auswahl kamen, quasi als Gesellenstück einen Auspufftopf mit zahlreichen Rippen und schwierigen Radienübergängen modellieren und anschließend von der NC-Maschine bearbeiten lassen. Die Entscheidung fiel auf Catia( Computer Aided Three Dimensional Interactive Application), das in den 70er Jahren von dem französischen Flugzeughersteller Dassault-Breguet Aviation S. A. Entwickelt und seither von IBM vertrieben wird. Neben der NC-Bindung sprach nach den Aussagen des Gildemeister-Managers der vorprogrammierte Datenaustausch mit Fremdsystemen sowie das Schulungsangebot für diese Software. Die Funktionstüchtigkeit war uns wichtiger als der Preis, erklärt Mangold für das Unternehemen, das mit den spanlosen Umformwerkzeugen im vergangenen Jahr 16 Millionen DM umsetzte und sich die CAD/ CAM-Einführung immerhin knappe 700000 DM kosten ließ. Zusätzlich zur Hard- und Software für zwei Konstruktionsarbeitsplätze mußte das Stuttgarter Softwarehaus Ikoss CSS das System in Richtung Werkstatt ergänzen und die Mitarbeiter forbilden. Nach den Aussagen des Konstruktionschefs hat sich der Mehraufwand gelohnt. Insgesamt vierzehn Wochen setzten die Stuttgarter EDV-Spezialisten für die Schulung an- ein Drittel davon intensive Grundausbildung, der Rest Training on the Job. Nach einem halben Jahr gingen die Beschäftigten in der Werkstatt dazu über, auf das Modell in Hartschaum zu verzichten und frästen sofort in Stahl. Aus der Abbildung des Werksstückes im CAD werden im NC-Rechenzentrum die Daten für das Form-Werkzeug generiert und die Werkstücke gefräst. Nach Abschluß des Auftrags gehen die fertigen elektronischen Unterlagen per Diskette, Magnetband oder Datenfernübertragung an den Auftraggeber zurück und können weiterverarbeitet werden. Beim heutigen Qualitätsstandard kann man auf die Übergabe elektronischer Daten gar nicht mehr verzichten, resumiert Mangold. 1990 hat für Italiens Verpackungsmaschinenindustrie ein relativ geringes Wachstum gebracht, das in der zweiten Jahreshälfte eine Tendenz zur weiteren Verlangsamung zeigte. Die Zunahme des Produktionswertes belief sich nach Schätzung des Fachverbandes Unione Construttori Italiani Macchine Automatiche per il Confezionamento ed Imballaggio( Ucime) nur auf 6,5 Prozent. Die Verkäufe der Branche werden mit 2,7 Bio. Lire angegeben( 1000 Lire= 1,35 DM). Das Marktforschungsinstitut Databank schätzt den Umsatz allerdings nur auf knapp über zwei Bio. Lire. Seit kurzem steht der ehemalige Ermic-Betriebsteil Rationalisierungsmittelbau Erfurt-Nord auf eigenen Füßen und heißt SME Sondermaschinenbau Erfurt GmbH. Mit einem Stammkapital von 50000 DM wurde nach dem Verkauf des Uhrenzulieferunternehmens Festa-Berlin damit das auf Spezialmaschinen orientierte Unternehmen als eines der ersten aus dem PTC-Bereich( ehemaliges Kombinat Mikroelektronik) privatisiert. Mit 56 der 150 Beschäftigten von 1990, so Geschäftsführer Eduard Fischer, wolle man sich weiter auf die Entwicklung und den Bau von Automatisierungstechnik und Sondermaschinen spezialisieren. In drei Jahren hoffe man, das westliche Niveau erreicht zu haben. Staatliche Maschinenbauförderung in Fernost: Taiwan will bis zum Jahre 2000 den Produktionswert seiner Maschinenbauindustrie von 7,8 Milliarden Dollar( 1988) auf 25 Milliarden Dollar erhöhen. Gleichzeitig sollen die Exporte ein Volumen von 10,5( 4,2) Milliarden Dollar erreichen. Diese Ziele bekräftigte Wirtschaftsminister Vincent Siew auf der Jahrestagung der Taiwan Association of Machinery Industry( Tami). Weitere Punkte des Strategieprogramms für den Maschinenbausektor- er umfaßt nach der taiwanischen Definition Werkzeug-, Schwer- und Industriemaschinen( unter anderem Maschinen für die Textil-, Schuh- und Nahrungsmittelbranche), Ausrüstungen für den Umweltschutz und Präzisionsteile( Ventile, Zahnräder etcetera)- sind eine Erhöhung der Importe von 5 Milliarden auf 9 Milliarden Dollar und der Ausgaben für Forschung und Entwicklung( FuE) von 1,5 Prozent auf 3 Prozent des Umsatzes. Durch ihre Unbefangenheit im Umgang mit Automaten haben die Japaner uns Abendländer schon oft verblüfft. Deshalb auch sind die Forschungen über Autonome Roboter in Japan besonders weit fortgeschritten- jedenfalls von der Anwendungsbreite her. Unter dem Motto Robotics for the 21st Century beschäftigen sich Japaner mit der Frage, ob nun nicht endlich das Zeitalter der Personal Robots angebrochen sei. Professor Ichiro Kato, Dekan der Maschinenbauabteilung an der renommierten Waseda-Universität, wundert sich, warum man eigentlich Roboter nicht als Dienstleister im persönlichen Bereich einsetze: Als Krankenpfleger beispielsweise, der dem Patienten das Essen bringt oder als elektronischer Blindenhund. Was die Möglichkeit solcher Geräte angeht, weiß Professor Kato, wovon er spricht: Schließlich ist er der Vater des Wabot-II, der während der Weltausstellung in Japan als orgelspielender Roboter Furore gemacht hatte. Die Japaner haben aber nicht nur Hochtechnologie zu bieten, sondern meist auch noch ein gutes Gespür für Show-Business: Panasonic hat einen netten kleinen Roboter entwickelt, der mit einer konventionellen Nähmaschine umgeht und auf ihr eine Stoff-Tragetasche samt Tragegurt näht. Zwei künstliche Schultergelenke, zwei siebenachsige Arme, zwei Videokameras und entsprechende Sensoren- fertig war Sesara( Sensing Seven-Axis Robot Arms). Was man hier sehen kann, ist wohl mehr ein Demonstrationsobjekt, das die Leistungsfähigkeit des Unternehmens auf diesem Gebiet anschaulich zeigt- wenn man wirklich eine automatisierte Nähmaschine bauen will, würde man mit Sicherheit das Problem anders lösen. Wirklich neue Anwendungen finden sich da, wo auch die Japaner eigene Wege gehen. Die greifenden Gummifinger, die sowohl ein rohes Ei halten können als auch ein schweres Werkstück, kann man auch an den einschlägigen Universitäten in den USA oder Europa bewundern. Worauf sich die japanischen Forscher aber jetzt stürzen, das sind Roboter für den Weltraum. Ende der 90er Jahre soll ein erstes Space Shuttle von Japan aus in den Weltraum geschickt werden. Es wird unbemannt sein, und schon aus diesem Grund wird man Roboter benötigen. Die japanische NASDA( National Space Development Agency), das Gegenstück zur amerikanischen NASA, hat für das Jahr 2000 ein unbemanntes Mondvehikel( Luna Mobile Explorer) ins Auge gefaßt. Knapp 1 t soll der Teleroboter wiegen, der Staub und Gestein sammeln wird und dabei untersuchen muß, ob auf der Rückseite des Mondes möglicherweise Wasser( wenn auch tiefgefroren) vorhanden ist. Die Anforderungen an solche Roboter sind hoch: Sie müssen sich in unterschiedlichem Terrain bewegen können, sich im Ernstfall wieder aufrichten können, zuverlässig sein sowie weitgehend unabhängig von menschlicher Hilfe- also in Fragen der Energieversorgung, der Sensorfähigkeiten und natürlich der eingebauten Computer autark. Für solche Fahrzeuge laufen Entwicklungen, z. B. Bei Mitsubishi Electric mit dem MRV III. Dieser Roboter ist wirklich frei in allen Bewegungsrichtungen: Er fährt vorwärts und rückwärts, aber auch seitwärts( aus dem Stand) und kann sich darüber hinaus auf seiner eigenen Standfläche umdrehen. Von MITI wird in Tsukuba ein eigenes Labor betrieben( Mechanical Engineering Laboratory), in welchem ein Vierrad-Roboter mit Einzelradaufhängung entwickelt wird. Er trägt eine Montageplattform, auf der dann Roboterarme montiert werden können. Die völlig unabhängige Aufhängung der Räder garantiert dem Roboter hohe Stabilität und die Möglichkeit, die Plattform auch in unwegsamem Gelände waagerecht zu halten. Toshiba hat einen Wartungsroboter für die Kerntechnik entwickelt, der mit einem schlangenförmigen Arm ausgestattet ist. Dieser Arm besteht aus acht Abschnitten, die jeweils zwei Freiheitsgrade haben. Die Sensorik ist so fein ausgebildet, daß der Roboter mit der Spitze dieser Schlange Schrauben und Muttern zusammenfügen kann. Solche schlangenartigen Roboter schweben den Japanern offensichtlich auch als Realisierung bei ihren Raumfahrtaktivitäten vor. Für ihre unbemannte Raumstation, irgendwann zwischen 2000 und 2010 eingeplant, will man als Arbeiter diese schlangenförmigen Geräte verwenden. Sie werden etwa 25 m Länge haben und zu mehreren an einem stählernen Skelettring befestigt sein. Er hat einen Durchmesser von 40 bis 45 m, so daß sich zwei dieser Schlangenroboter bei den Montagearbeiten für die Plattform gegenseitig helfen können. Daß Roboter auch versuchsweise im medizinischen Bereich eingesetzt werden, ist nicht nur mit der Unbefangenheit der Japaner zu erklären. So gibt es zum Beispiel einen vergleichsweise einfachen Roboter, der einen Stoffteddybären fütterte. Und an der Waseda-Universität gibt es einen Roboter, der mit Hilfe von 25 Sensoren eine weibliche Brust auf Tumor abtasten und medizinisch befunden kann. In der nächsten Ausgabe: Die Preise der Nebenmetalle haben sich Ende April wenig verändert. Antimon bewegt sich zwischen 1670 und 1700 Dollar/ t, Wismut ist nicht über 2,90 Dollar/ lb hinausgekommen, und für Cadmium stagniert der Wert bei 2,40 bis 2,60 Dollar/ lb( Ware 99,99 Prozentiger Reinheit). Wenig verändert tendiert auch Arsen mit 1,10 bis 1,20 Dollar/ lb. Kobalt wird bei Normalqualität im Handel mit 13,90 bis 14,50 Dollar/ lb beziffert. Der Preis für Nickel beträgt etwa 4,25 bis 4,30 Dollar/ lb für gutes Material. Die VR China importierte 1990 trotz ihrer Stellung als einer der weltgrößten Stahlanbieter( zusammen mit den USA, Japan und der UdSSR) erneut mehr Stahlerzeugnisse, als sie exportierte. Die Bezüge überstiegen die Lieferungen auf Mengenbasis um das Zwei-, dem Wert nach um das Dreieinhalbfache. Erfolge bei der Reduzierung der Einfuhren sind indessen unübersehbar. Erfolgreich werden mehr denn je nur Stahlqualitäten und -spezifikationen sein, die China noch nicht selbst in der erforderlichen Menge beziehungsweise Güte herstellen kann. Der Niedergang der jugoslawischen Stahlindustrie hat ein dramatisches Ausmaß angenommen. Die Branche wartet auf Weichenstellungen, beginnend mit einer Verstaatlichung des Industriezweiges, wie es im Rettungsplan von British Steel Consultants empfohlen wird. Indessen sind nun erste Sanierungsansätze auf Republikebene erkennbar. Nachdem die Branchenerzeugung 1990 um 15,4 Prozent niedriger als 1989 lag, brachte der Januar 1991( gegenüber entsprechendem Vorjahresmonat) einen Fall um 24,2 Prozent. Die Kapazitätsauslastung der Branche insgesamt veranschlagen Experten auf derzeit nur 50 Prozent. Wenn es um Innovationen für astronomische Teleskope geht, ist bundesdeutsche Glastechnik führend. So wurden jetzt beim Mainzer Glaskeramik-Spezialisten Schott erstmals 8,2-m-Spiegel in Schleudergußtechnik hergestellt, die nach einer noch Monate dauernden Weiterbearbeitungsprozedur einmal Kernstück des Very Large Telescopes( VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile sein werden. Fliehkraft verteilte dabei das flüssige Glas so präzise, daß die bislang größten monolithischen Teleskop-Spiegelträger der Welt in nur 30 cm Dicke gegossen werden konnten. Langsam rollt die große Form unter der Glaswanne hervor auf den Drehteller. Der Deckel hebt sich etwas ab und erlaubt einen Blick auf 40 t glühende Glasschmelze mit einer Temperatur von rund 1400 C. Der Drehteller setzt sich in Bewegung und schleudert die Schmelze bei Umdrehungen von 6 min-1. Die Fliehkraft verteilt das flüssige Glas in der gekrümmten Form, es entsteht eine Linse. Nach diesem Verfahren, Schleuderguß genannt, entstehen zur Zeit bei den Schott Glaswerken in Mainz insgesamt 14 dieser bislang größten monolithischen Teleskop-Spiegelträger der Welt. Vier dieser Linsen sind fest von der Europäischen Südsternwarte ESO bestellt, sie sollen am Ende des Jahrhunderts das Herzstück des VLT( Very Large Telescope) bilden, mit dem die Astronomen Lichtsignale aus einer Entfernung von 10 Milliarden Lichtjahren auffangen wollen. Ziel dieses aus vier Einzelteleskopen bestehenden Konzeptes ist es, die bewegten Massen möglichst gering zu halten, ein Problem mit dem sich die Glasspezialisten in Mainz schon seit 1984 beschäftigen. Herkömmliche Spiegelträger hätten bei einem Durchmesser von 8 m eine Dicke von mehr als 1,4 m besessen, was zu einem Gewicht von etwa 150 t geführt hätte, erklärt Doktor Helmut Tietze, Technischer Leiter des Geschäftsbereiches Optik bei Schott. Doch solche Abmessungen ergeben sich zwangsläufig aus den geforderten mechanischen Eigenschaften an einen Teleskop-Spiegel: Er sollte sich weder durch Schwerkrafteinflüsse noch durch Temperaturschwankungen verformen und so zu unscharfen Bildern führen. Aber ein Teleskop mit einem 150-t-Spiegel läßt sich nicht mehr mit der notwendigen Präzision auf die Sterne und Galaxien am Himmelszelt ausrichten. Die Lösung heißt aktive Optik und verlangt genau das Gegenteil der herkömmlichen Spiegelträger, nämlich eine möglichst dünne und damit elastische Glaslinse. Sie liegt dann auf einer Vielzahl von kleinen hydraulischen Stempeln. Unter Aufsicht eines Rechners drücken sie den Spiegel unabhängig davon, ob ein Punkt am Horizont oder am Zenit anvisiert wird, immer in die optimale optische Form. 1987 produzierten die Mainzer Glasspezialisten den ersten dünnen 4-m-Spiegel im Schleuderguß und stellten damit die Machbarkeit unter Beweis. 1988 vergab die ESO dann den Auftrag für die 8-m-Spiegel, erklärte Tietze. In der neu errichteten Fabrikhalle können jeweils drei Spiegel in einer Schmelzperiode gegossen werden, Mitte 1993 sollen alle 14 Güsse fertig sein. Die große Anzahl erklären die Manager mit dem hohen Fertigungsrisiko und mit möglichen Zusatzaufträgen. Die Gefahr, daß während irgendeines Fertigungsschrittes, ein Spiegel zu Bruch geht, ist relativ groß. Obwohl spektakulärster Teil, nimmt das Gießen und Schleudern mit einer Dauer von nur einen halben Tag den kleinsten Teil in der gesamten 21monatigen Produktion eines Spiegels ein. Denn zunächst einmal kommt der Rohling nach dem Guß unter die Haube. Dort kühlt er in 41/ 2 Monaten auf Raumtemperatur ab. Erst dann können wir überhaupt feststellen, ob der Guß erfolgreich war, ob nicht Schlieren, Blasen oder gar Risse die Schiebe unbrauchbar machen, sagte Tietze. Doch auch danach gibt es genügend Gelegenheit, den Spiegel durch falsche Behandlung in teure Scherben zu verwandeln. Auf der einen Seite muß der Spiegel elastisch sein, um die Verformungen während des Betriebes zu ermöglichen. Auf der anderen Seite darf er während der Bearbeitung und während des Transportes um höchstens 0,5 mm verbogen werden, so jedenfalls die Berechnungen der Ingenieure. Nach dem Abkühlen folgt dann ein weiterer wichtiger thermischer Prozeß, in dem der Rohling erst zu einem richtigen Spiegelträger wird. Während einer 81/ 2monatigen Temperung entsteht eine Glaskeramik, unter dem Handelsnamen Zerodur bekannt von den Kochfeldern moderner Küchenherde. Wichtigstes Merkmal dieses Werkstoffes: Die thermische Ausdehnung wird vernachlässigbar klein. Tietze erklärt die Hintergründe so: Amorphes Glas besitzt einen positiven Ausdehnungskoeffizienten, die kristalline Phase, die wir durch die Keramisierung erzeugen, einen negativen. Durch Einstellung eines bestimmten Mischungsverhältnisse( 30 Prozent Glas, 70 Prozent kristalline Phase mit Hochquarzstruktur) entsteht so eine Null-Ausdehnung, mit einem Wert von 0 PI1310,05 PI15810-6 K-1. Doch noch immer ist für Schott die Bruchgefahr nicht gebannt. Wir gießen ein Bruttomaß von 8,3 m Durchmesser und einer Dicke von 30 cm und bearbeiten auf ein Endmaß von 8,2 m und 17,7 cm. Dabei werden rund 50 Prozent der Glasmasse zerspant, aber Produktionsvorstand Schuster erklärt weiter: Ein herkömmlicher Massivguß hätte zu einem Glasverlust von über 120 t geführt. Nach Bohren des Mittelloches und Schleifen der Außenkontur auf eine Genauigkeit von wenigen 100stel mm, abschließender Qualitätskontrolle und Verpackung, tritt der erste Spiegel wahrscheinlich im Frühjahr 1993 den ersten Teil seiner Odyssee rund um den Erdball an. Zuerst geht er dann den Rhein hinab, über die Nordsee zur Seine und die hinauf bis hinter Paris. Dort, bei der Firma Reosc in Evry, erhält der Spiegel sein Oberflächenfinish. Nochmal 23 Monate wird es dann voraussichtlich dauern, bis in mehreren Arbeitsschritten die Oberfläche auf eine Rauhigkeit von 500 nm poliert ist. Danach geht die erste Linse 1995 auf große Fahrt. Das VLT wird nämlich auf dem 2664 m hohen Cerro Paranal in den chilenischen Anden stehen. Technische Gase und Sondergase für den Umweltschutz als ausgesprochenen Wachstumsmarkt in Osteuropa, sieht Messer Griesheim Austria( MGA), Grieskirchen. Das österreichische Unternehmen verhandelt deshalb derzeit mit Ausnahme von Polen und der UdSSR- hier ist die deutsche Konzern-Mutter in Frankfurt am Main zuständig- in allen Staaten dieser Region über Joint Ventures und Beteiligungen. Ein 51 Prozent-Joint-Venture wurde bereits in Ungarn etabliert. Noch in diesem Jahr soll dort eine Produktionsanlage für Gase mit einem Investitionsaufwand von 300 Millionen S fertiggestellt werden. Der Probebetrieb soll im 3. Quartal 1991 aufgenommen werden. Feststoffarme Flußmittel gewinnen bei Lötvorgängen wegen ökologischer Vorteile zunehmende Bedeutung. Grasmann WLS, Faulbach, bietet deshalb ein neues Fluxersystem für Wellenlötanlagen an, das eigens für diese Flußmittel entwickelt wurde. Ein Ultraschallkopf zerstäubt dabei das flüssige Löthilfsmittel. Der Nebel wird in einen regelbaren Luftstrom eingesprüht und benetzt so Substrat und Durchkontaktierung vollkommen gleichmäßig. Die Menge des Auftrags regelt eine Dosierpumpe mit einer stufenlos einstellbaren Durchflußmenge zwischen 0 ml/ min und 90 ml/ min, die Sprühintervalle sind zwischen 0 s und 60 s vorgebbar. Kunststoffgehäuse von elektrischen Meßgeräten werden vermehrt mit Ultraschall-Verfahren geschweißt. Ultraschalltechnik-Lieferant Herrmann, Karlsbad-Ittersbach, begründet dies mit kürzeren Taktzeiten und Materialeinsparungen im Vergleich zur aufwendigen Schraubverbindung. Der Fügeprozeß dauere nur Bruchteile von Sekunden, und die Mikrocomputerüberwachung sorge für einen feinfühligen programmierten Schweißvorgang in reproduzierbarer Qualität, ohne daß die empfindliche Elektronik zu gefährden. Eine Einweg-Atemschutzmaske zum Schutz gegen Partikel aus giftigen und sehr giftigen Stoffen gemäß Atemschutzmerkblatt ZH 1/ 134 hat Koch und Schröder, Neuss, jetzt erstmals auf den Markt gebracht. Die Maske ist für die Kategorie FFP 3 fest/ flüssig zugelassen. Ein Lichtpunkt am Ende des Tunnels. So die Worte des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern Alfred Gomolka anläßlich der im April eröffneten Landmaschinen- und Nutzfahrzeug-Niederlassung der Firma Ludwig Warncke in Lübesse, Kreis Schwerin. Damit kam zum Ausdruck, wie hilfreich auch kleine Investitionen zum Aufschwung in den neuen Bundesländern beitragen. Dies sei bereits die fünfte Niederlassung der Firma Warncke in dieser Region und mit nur einem Aufwand von einer dreiviertel Million DM eine solide und moderne Anlage, bemerkt der Ministerpräsident. Die Bedingungen dazu erwiesen sich als außerordentlich günstig: Der Grunderwerb des 7000m2 großen Areals erfolgte problemlos, da Eigentumsvorbehalte wie Reprivatisierungsansprüche nicht vorhanden waren. Gekauft wurde direkt vom Eigentümer. Ganz schnell reagierte auch die Baubehörde, die schon zwei Wochen danach die Baugenehmigung erteilte. Vereinfachend wirkte sich dabei die Wahl einer typisierten Hallenkonstruktion aus, die die üblichen individuellen bautechnischen Nachweise und Genehmigungen von vornherein aus dem Verfahren ausklammerte. Nach weiteren zwei Wochen begannen bereits die Bauarbeiten. Innerhalb von knapp einem halben Jahr war das 810m2 große Gelände mit Werkstatt, Ersatzteillager, Büros und Sozialräumen fertig gestellt. Die Ausrüstung erfolgte natürlich nach modernsten Gesichtspunkten. Die Standardisierung der Bauelemente erleichterte diese Aufgabe erheblich und konnte daher im Wesentlichen von einheimischen Bauunternehmungen ausgeführt werden. Motor dieser Maßnahme ist der Familienbetrieb Warncke, der die Erfahrung einer bald 120jährigen unternehmerischen Praxis in das Geschäft einbringt. Im Jahre 1872 gegründet, entstand schon zwei Jahre danach eine feste Geschäftsbeziehung zur John Deere-Landmaschinenfabrikation. Der Vertreter dieser Geschäftsleitung zog eine muntere Bilanz dieser so lange andauernden Verbindung, die jetzt in der erfreulichen Expansion auf dem neuesten Absatzmarkt weiterhin Bestand haben wird. Das zweite Standbein von Warncke ist der Handel und die Wartung von Nutzfahrzeugen der niederländischen Firma DAF. Auch hier hob der Vertreter der DAF-Geschäftsleitung die erfreulichen Beziehungen hervor, die jetzt mit einigen Standorten in diesem Bezirk das Transportwesen ausreichend versorgen kann. Die sinnvolle Auswahl der einzelnen Stützpunkte des Unternehmens Warncke deckt somit den Bedarf der künftigen Kundschaft ab und schlägt sich schon in ersten geschäftlichen Erfolgen nieder. Zwanzig Fahrzeuge fanden ihren Käufer. Auch hier zeigt sich, daß die alten Organisationsformen Ostdeutschlands nicht überleben konnten und hinsichtlich Qualität und Risikobereitschaft durch marktwirtschaftlich orientiertes Management abgelöst wurden. Und ohne die in den alten Bundesländern erhältlichen qualitativ besseren Materialien und dem know-how der vielseitig verwendbaren Fertigteilbauweise wäre der Aufbau nicht so schnell und problemlos durchzuführen gewesen. Dies gute Beispiel zeigt auf der anderen Seite das Wettbewerbsdefizit, das ein schnelles Anschieben der Konjunktur in den Neuen Bundesländern verzögert: Fehlendes Management mit marktwirtschaftlicher Erfahrung, da die alten Topleute als Partei- und Gewerkschaftsgrößen eliminiert sind und auch die mittlere Ebene( meist parteilos) noch zu unerfahren ist. Damit hat die Produktivität nach der Wende nicht Schritt halten können. Die Verbesserung der gegenwärtigen strukturellen Krise ist also auf solche Unternehmungen angewiesen, wie in Lübesse geschehen. Ähnlich, wie in zahlreichen anderen italienischen Großstädten wird die Verkehrsmobilität in Mailand von einer immer zähflüssiger werdenden Blechlawine gelähmt. Mit dem Bau einer dritten U-Bahn-Linie, einer der fortschrittlichsten und ästhetisch gelungensten in Europa, soll das Nahverkehrsproblem weiter entschärft werden. Das beinahe acht Jahre lang von Bauzäunen, Umleitungsschildern und Fahrbahnverengungen verunzierte Mailänder Stadtbild hat sich an der Schwelle der neunziger Jahre merklich gebessert. Wo vor kurzem noch Hinweisschilder Die Linie 3 schreitet fort, die weit offen klaffenden Baugruben zu entschuldigen versuchten, und häßliche Absperrungen die Aussicht auf Sehenswürdigkeiten wie den berühmten Mailänder Dom versperrten, sind die Wundflächen langwieriger Ausschachtungs- und Betonierarbeiten( der Vortrieb der Tunnelfräswerke wurde immer wieder durch historische Funde gebremst) weitgehend schon durch Pflastersteine und Grünbewuchs vernarbt. Mit Beginn der Fußball-WM indessen, konnte der erste Teilabschnitt der neuen U- Bahn-Linie vom Hauptbahnhof bis zum Domplatz in Betrieb genommen werden. Gegen Ende 1990 folgte der zweite Abschnitt mit weiteren fünf Stationen und vor kurzem auch die Reststrecke bis San Donato Milanese. Die M3 ist die neue unterirdische gelbe Trasse( ein Drittel wurde in offener Baugrube errichtet), die sich den beiden in den sechziger und siebziger Jahren gebauten M1( rot) und M2( grün) hinzugesellt hat. In 11 Kilometer Länge schlängelt sie sich quer zur M1 und M2 angeordnet als Nord-Süd-Achse verlaufend über 15 Haltestellen bis zum Süd-Ost-Zipfel der lombardischen Metropole. Das Jahresaufkommen der beiden Schwesternlinien von 270 Millionen Fahrgästen erhöht sich damit um 72 Millionen Passagiere und bedeutet gleichzeitig eine zusätzliche Entlastung des oberirdischen Nahverkehrs, da die darüberliegenden Straßenbahnlinien weitgehend abgeschafft werden konnten. Äußerst wichtig für das gesamte Mailänder Verkehrsgeschehen ist die von der Metropolitana Milanese gebaute M3 auch wegen der in den Vorort San Donato reichenden Endstation, die mit ihren 2000 Parkplätzen den Automobilzustrom von der Ost-Tangente und der von Cremona kommenden, stark von Pendlern frequentierten Paullese abfängt. Das gleiche gilt für ihre geplante Verlängerung zum Parco Nord( 1000 Parkplätze) und der mit der Eisenbahnlinie FNM( sie soll nach ihrer Verdopplung bis zum Flughafen Malpensa führen) in Verbindung stehenden Haltestelle Affori( 2000 Parkplätze). Für die notwendigen Wechsel von der Straße auf die Schine wird auch der vorgesehene Ausbau der M1 bis Bisceglie( 1900 Parkplätze) und der M2 bis Famagosta( 2000 Parkplätze) sorgen. Der bisher als einer der wenigen für den aus dem Nord-Westen anreisenden Berufsverkehr zur Verfügung stehende Parkplatz an der M1-Station Lampugnano ist anläßlich der Fußball-WM( und seiner Nähe zum Meazza-Stadion) bereits erheblich erweitert worden. Die neue, nach modernsten Sicherheitskriterien konzipierte M3 weist eine Reihe von bautechnischen und architektonischen Besonderheiten auf. Dazu gehört insbesondere die Marmoraustäfelung der Haltestationen mit dem seit der Römerzeit bekannten Granitello del Carso. Das Naturgestein stammt aus dem bekannten Aurisina-Vorkommen in der Nähe von Triest, dessen Ausschöpfungspotential auf mindestens 5 Millionen m3 geschätzt wird. Auf den Gehsteigen der Bahnstationen und den Wänden entlang der insgesamt 82 Rolltreppen, die Höhenunterschiede von 3,9 m bis 11,5 m überwinden, ist er als glänzend geschliffenes Plattenmaterial verschiedener Fom zu finden, das sich auch nach großer Verschmutzung oder Beschriftung leicht mit Hilfe eines Wasserstrahls reinigen läßt. Alle Haltestellen, Zugänge und Hygienevorrichtungen sind auch für die Benutzung durch Gehbehinderte augelegt. Ein Fahrstuhl besorgt die Verbindung zwischen Haltestelle und Zwischengeschoß. Die Benutzung der Toiletten erfolgt durch Münzautomaten, die von Wasser, Seife und Handtüchern durch Fotozellen. Ebenfalls durch Lichtschranken geregelt sind die im 20-Stunden-Betrieb laufenden Rolltreppen, deren Fahrgeschwindigkeit bei Höhenunterschieden über 7 m durch einen Inverter( allmähliche Steigerung von 0,25 m/ s bei Leerfahrt auf 0,5 m/ s( bei Vollast) geregelt wird. Zur Fernhaltung unerwünschter Dauergäste ist vor allem auf die Vermeidung von Schattenzonen( alle Eckräume in 135-Grad-Winkel) und größeren Sitzflächen geachtet worden. Digitale Leuchttafeln künden die kommenden Züge an und markieren zusätzlich die gelben Sicherheitsstreifen am Bahnsteig bei ihrer Ankunft. Für weitmöglichste Sicherheit sorgen auch die bewußt offen gehaltenen Fernsprechzellen, Video-Kameras, Brandschutzvorrichtungen und eine durchgehende, teilweise durch Zusatzscheinwerfer verstärkte Deckenbeleuchtung. Störungen des Fahrbetriebs und Zwischenfälle auf den Bahnstationen werden in Realzeit( dazu gehört die automatic train protection) von der Überwachungszentrale erfaßt und infolgedessen ohne größeren Zeitverlust behoben. Trotz der vorgenommenen Erweiterung des U-Bahn-Netzes denken die Stadtväter bereits an den Bau einer weiteren Schnellbahn( M4) in Richtung Assago( Kongreßzentrum) oder Linate( Flughafen), möglicherweise auch in Form einer Magnetbahn. Eine weitere Entlastung des Stadtverkehrs soll die vor einigen Jahren begonnene, in durchschnittlich 20 m Tiefe führende Eisenbahnlinie( Passante Ferroviario) bringen, die sämtliche Bahnhöfe der Stadt miteinander verbinden wird. Die 13 Kilometer lange Schienenstrecke, die bis 1994 fertiggestellt sein soll, wird gleichzeitig die wichtigsten Knotenpunkte mit der M1( Porta Venezia), M2( Porta Garibaldi) und M3( Piazza Repubblica) knüpfen und damit auch den Pendlerverkehr aus den entfernteren Provinzorten flüssiger machen. Wer als Hausbesitzer noch eine veraltete Heizungsanlage betreibt, wird demnächst zur Kasse gebeten, wenn der Kaminfeger bei der vorgeschriebenen jährlichen Routineuntersuchung feststellt, daß die Abgas-Grenzwerte überschritten werden und sich mit der vorhandenen Anlage auch nicht einhalten lassen. Die BHW-Bausparkasse weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß den Eigentümern dann eine Frist von fünf bis sieben Jahren für die Umstellung auf schadstoffarme Heiztechnologien bleibt. Nach P 82a der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung können die Investitionskosten für neue Heizungen mit jährlich 10 Prozent steuermindernd abgeschrieben werden. Der Einbau muß aber bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Auch allen Bürgern in der ehemaligen DDR bietet sich so eine Chance, ihre veralteten Heizungssysteme auf Vordermann zu bringen. Einen intensiven Gedankenaustausch zwischen Theoretikern und Praktikern auf dem Gebiet des Leitungsbaus versprechen sich die Veranstalter der No-DIG Konferenz und des Internationalen Leitungsbaukongresses vom 27. Bis 31. Oktober im Hamburger Congress-Centrum. Erstmals wird hierbei der Industrie die Möglichkeit gegeben, sich zusätzlich zur kongreßbegleitenden Ausstellung im Rahmen spezieller Industrieseminare zu präsentieren. Mögliche Inhalte dieser Seminare sind die Vorstellung neuer Techniken und Verfahren, Entwicklungsstand und zukünftige Trends bei Maschinen, Baustoffen und Geräten sowie Bedarfs- und Einsatzanalysen. Im Veranstaltungsgebäude seien hierfür insgesamt neun Säle reserviert worden, teilt die Kongreßgesellschaft in Hamburg mit. Zum problemlosen Errichten von Laternenmasten hat das französische Unternehmen Olesa, Senlis, ein neues Verankerungssystem entwickelt. Hiernach wird ein Verankerungspfahl an einem Joch aufgehängt und durch die Zündung eines pyrotechnischen Elementes mit Druck ohne Abweichung in den Boden gerammt. Eine Arretierungsplatte hält den Pfahl auf Bodenniveau. Danach kann der Mast auf der Platte befestigt werden. Die französische Erfindung vermindere, so der Hersteller, Arbeitszeiten und Personalaufwand und reduziere die Kosten der Ausführung um 10 Prozent bis 60 Prozent. Durch die ausgefeilte Drehstrom-Asynchrontechnik erzielt der Intercity Express( ICE) eine optimale Traktion. Mit GTO-Abschaltthyristoren, Bremsenergierückgewinnung sowie digitaler Steuer- und Regeltechnik über ein Glasfasernetz stellt der ICE die internationale Konkurrenz auf der Schiene in den Schatten. Als der erste Triebkopf für den ICE am 26. September 1989 die Werkhalle verließ, hatte für Günther Kaes die Zukunft schon begonnen: Das Spitzenprodukt des deutschen Lokomotivbaus, so der Krupp-Manager, läutete nun auch für die Bundesbahn das Hochgeschwindigkeitszeitalter ein. Mit dem neuen Triebkopf hatten die Kruppianer federführend zu einem weiten Technologiesprung angesetzt: Das Triebkopfzugkonzept stützt sich auf die leichte Integralbauweise, die Drehstrom-Asynchrontechnik mit Netzbremse, GTO-Abschaltthyristoren sowie die digitale Steuerungstechnik. Dabei werden beispielsweise die Steuerimpulse für Traktion und Bremse mit Glasfasertechnik auf ein Diagnosesystem übertragen. Die von ABB-Henschel serienreif entwickelte Drehstromantriebstechnik gilt als das Beste, was es heute auf den Weltmärkten gibt. Bei dieser Antriebsart kommen kleine, leichte und schnellaufende elektrische Kurzschlußläufermotore zum Einsatz, die weitgehend verschleißfrei arbeiten. Halbleitertechnik speist sie mit variabler Spannung und Frequenz. Die in den Triebköpfen des ICE installierte digitale Regeltechnik gestattet so das Fahren knapp unterhalb der Schleudergrenze, dem Durchdrehen der Radsätze. Dadurch steht stets optimale Zugkraft zur Verfügung. Für dieses Optimum an Leistungsausbeute sorgt auch ein spezieller Umrichter innerhalb des ICE-Antriebssystems. Er erlaubt Strom und Spannung so einzustellen, daß das System dem speisenden Fahrleitungsnetz nur Wirkleistung entnimmt. Während die ersten 40 von 120, vom Elektrokonsortium ABB, AEG und Siemens ausgerüsteten Triebköpfe konventionelle ölgekühlte Traktionsstromrichter erhielten, fahren die nachfolgenden bereits mit Stromrichtern in sogenannter GTO-Technik( Gate-Turn-Off) und Siedebadkühlung. Die im Rahmen des Rad/ Schiene-Forschungsprogramms der Bundesregierung als technisch wie wirtschaftlich beste Lösung ermittelte Drehstrom-Asynchrontechnik für Schienenfahrzeuge besticht ferner durch ihre einfache Art der Energierückgewinnung: Beim Bremsen fungieren die Fahrmotore als Generatoren und speisen die elektrische Energie über Stromabnehmer und Fahrleitung ins Bahnstromnetz zurück, dies wird als Netzbremse bezeichnet. Mikroprozessoren übernehmen in den Triebköpfen des ICE weitgehend die Kopfarbeit des Steuerns und Regelns der Traktions- und Bremssysteme. Dabei verfügt jedes Drehgestell über eine separate Steuereinheit. Auf der Grundlage eines aktuellen Soll-Ist-Wertvergleichs der Prozeßdaten ermittelt die redundant geschaltete Antriebssteuerung die Stellgrößen für die einzelnen Untersysteme. Spezielle Rechner überwachen auch alle weiteren wichtigen Funktionen sowie die Kommunikation mit den Einrichtungen der DB-Streckensicherung. Unabhängig voneinander erfolgt die Stromversorgung der Triebköpfe. Eine 110-V-Batterieschiene wurde für den Fall installiert, daß beide Antriebssteuergeräte des Zuges ausfallen. Dies Konzeption gewährleistet stets die 75 Prozentige Verfügbarkeit der Gesamttraktionsleistung. Auf ihrer Suche nach geeigneten Triebdrehgestellen für den deutschen Superzug griffen seine Konstrukteure auf die Erfahrungen mit der Um-An -Versuchsdiesellok V 202003 zurück. Das Triebdrehgestell ist technisch eines der besonders wichtigen Bauteile des ICE, erläutert Arnold Brandenstein, ABB-Henschels Verbindungsmann zur DB. In den niedrigen Triebdrehgestellen brachten die Ingenieure unter anderem die Radsatzführung sowie Primär- und Sekundärfederung mit Schraubenfedern und parallel angeordneten hydraulischen Dämpfern unter. Vertikalpendel übernehmen die Abstützung am Kopfträger, querliegende hydraulische Dämpfer vermitteln die Ankopplung am Fahrzeugkasten. Durch diese konstruktive Maßnahmen erzielten die Lokbauer eine Reduzierung der ungefederten Masse des Triebradsatzes von zirka 2,6 t auf zirka 2 t. Die gefederte Drehgestellmasse verringerte sich um 50 Prozent auf 5 t je Drehgestell. Durch den weitgehend querentkoppelten Lauf des Radsatzes entstanden zudem jene niedrigen Führungskräfte, aus denen die geringen dynamischen Radlasten mit Spitzenwerten von nur 130 kN bis 140 kN bei einem zulässigen Grenzwert von 170 kN resultieren. Dies ermöglichte zugleich ein höheres Reibungsgewicht sowie die vorteilhafte statische Radsatzlast von 20 t. Beim französischen TGV sind es hingegen nur 17 t, da seine dynamischen Radlasten wesentlich höher sind. Die Grenzwerte für die horizontalen Führungskräfte nutzen die ICE-Fahrwerke nur zu maximal 60 Prozent. Ihre Konstruktion birgt somit große Reserven für die Sicherheit und künftige Geschwindigkeitssteigerungen. Die Fahrgast- und Servicewagen des Serien-Intercity-Express laufen auf bewährten Hochgeschwindigkeitsdrehgestellen des Typs MD 530. Diese Fahrwerke besitzen Räder mit Verschleißprofil, die zwar einen höheren technischen Aufwand für den stabilen Geradeauslauf erfordern, dafür aber große Laufleistungen erbringen. Zugleich verfolgen Bundesbahn und Industrie zwei weitere Entwicklungslinien bei den Fahrwerken: das Einzelrad-Doppelfahrwerk( EDF) und das Drehgestell aus Faserverbundswerkstoffen( HLD 300). Komponenten dieser mit Luftfederung ausgestatteten Neuentwicklungen müssen sich derzeit umfänglichen Tests auf den Prüfständen des Bundesbahnzentralamts in Minden unterziehen. Von deren und den Ergebnissen der sich anschließenden lauftechnischen Versuche im harten Eisenbahnalltag hängt ab, ob die neuen Beine halten, was sie versprechen- noch leichter, noch laufstabiler, noch wirtschaftlicher zu rollen. Wer in Baden-Württemberg Sonderabfall produziert, wird seit April zur Kasse gebeten. Voraussichtlich ab 1992 gilt für alle anderen Bundesländer eine ähnliche Regelung. Das Musterländle will auch in Sachen Abfallpolitik mustergültig sein: Mit gutem Beispiel ist Baden-Württemberg vorangegangen und hat eine Abfallabgabe für Erzeuger von Sonderabfällen eingeführt. Bundesumweltminister Klaus Töpfer plant eine ähnliche Regelung. Nach einem Arbeitsentwuf, den er jetzt dem Umweltausschuß des Bundestags vorgestellt hat, soll die Abgabe in fünf Kategorien erhoben werden: Sondermüll wird mit 150 DM je angefangener Tonne belegt, gewerbliche Massenabfälle mit 40 DM/ t, Bauschutt und Erdaushub mit 35 DM/ t und Hausmüll mit 20 DM/ t. Je nach Art der Lagerung kann zusätzlich eine Pauschale von bis zu 150 DM/ t erhoben werden. Von 1994 an sollen sich die Gebühren verdoppeln. Von der Abgabe betroffen sein werden neben den Abfallimporteuren und -exporteuren sowie öffentliche Einrichtungen in erster Linie die Unternehmen. Die Industrie steht den neuen Abfallgesetzen mit großer Skepsis gegenüber, insbesondere die baden-württembergische, die jetzt für Sonderabfälle Abgaben bezahlen muß. Wolfgang Wolf, Geschäftsführer des Landesverbands der Deutschen Industrie( LDI) in Stuttgart: Nach der bundesweiten Einführung einer Abfallabgabe werden sich zwar Wettbewerbsnachteile zwischen den einzelnen Ländern wieder ausgleichen, doch die meisten Unternehmen haben ja nicht nur in Deutschland Wettbewerber. Wenn eine Abfallabgabe, dann sollte sie auch europaweit eingeführt werden. Hingegen fordern Umweltschutzorganisationen, Grüne und SPD sogar Abgaben in bis zu zehnfacher Höhe. Tatsächlich wird sich die Müllbeseitigung für die Industrie durch die geplanten Gebühren nur unwesentlich verteuern, da sie nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was eh schon für die Entsorgung von Sondermüll aufgewendet werden muß. Die Beseitigung einer Tonne FCKW-haltigem Reinigungsmittel beispielsweise kostet zwischen 1200 DM und 2000 DM. Eine zusätzliche Gebühr von 150 DM dürfte ein Unternehmen aber immer noch wesentlich billiger kommen als die kostenintensive Suche nach umweltschonenden Alternativen oder die Umstellung der Produktion. Nach Ansicht von Wolfgang Wolf steht der Druck zu mehr Abfallvermeidung jedoch weder bei der baden-württembergischen Initiative noch bei der geplanten bundesweiten Abfallabgabe im Vordergrund. Es wird zwar immer so argumentiert, als wenn diese Gesetze wegen des zu hohen Abfallaufkommens eingeführt werden, so Wolf, der Hintergrund ist aber, daß über dieses Instrument die Industrie an der Altlastensanierung beteiligt werden soll. Durch die geplante Müllabgabe erwartet das Bundesumweltministerium Einnahmen von 5 Milliarden DM im Jahr. Davon sollen 2 Milliarden DM für die Altlastensanierung in Ostdeutschland eingesetzt werden. Den Rest erhalten die Länder für die Sanierung der eigenen Altlasten und zur Entwicklung von Pilotvorhaben auf dem Gebiet der Abfallvermeidung und -verwertung. Kritik an den Abfallabgaben übt auch Helmut Krause, Sprecher der Firma Bosch in Stuttgart. Das Argument der Regierung, die Unternehmen hätten es selbst in der Hand, durch Umstellung auf abfallärmere Produktionsverfahren ihre Abgaben zu reduzieren, treffe insbesondere bei einigen Sonderabfällen nicht zu: Es ist technisch heute noch nicht möglich, alle Problemstoffe zu ersetzen. Das baden-württembergische Sonderabfallgesetz trägt diesem Umstand allerdings Rechnung. Sonderabfälle sind dort nicht mit einer pauschalen Abgabe belegt, wie es der Entwurf über eine bundesweite Abfallabgabe vorsieht, die Gebühren werden vielmehr in drei Kategorien erhoben. Die Höhe der Abgaben richtet sich nach dem Vermeidungspotential und dem Aufwand für eine umweltverträgliche Entsorgung, so die Stellungnahme aus dem Stuttgarter Umweltministerium. Für Sonderabfälle der Kategorie 3 müssen je angefangener Tonne 150 DM bezahlt werden, in der Kategorie 2100 DM und in der Kategorie 150 DM. Ab 1993 verdoppeln sich die Gebühren. Der baden-württembergische Umweltminister Doktor Erwin Vetter hält die Abgabenhöhe für angemessen: Sie sind hoch genug, um Impulse in Richtung Vermeidung und Verwertung auszulösen. Gleichzeitig sind sie aber nicht so hoch, daß dadurch die Industrie in Baden-Württemberg stranguliert wird. Die Regelung gilt für fast 400 umweltbelastende Stoffe, wie sie seit Oktober in der bundesweit geltenden TA-Sonderabfall aufgelistet sind. Ölgetränktes Sägemehl, verunreinigte Papierfilter oder Prozeßabwässer beispielsweise fallen in die Kategorie 1. Bleiaschen, Tenside, Düngemittel, Accusäuren oder aluminiumhaltiger Staub werden der Kategorie 2 zugeordnet. Zur Kategorie 3 gehören unter anderem Peroxide, Laborchemikalienreste und Polychlorierte Biphenyle( PCB). Dampf in Sachen Abfallvermeidung und Abfallverwertung machen inzwischen auch andere Landesregierungen. Nordrhein-Westfalen will ein Gesetz erlassen, wonach die Kommunen ihre Müllgebühren staffeln und die Bürger zur getrennten Müllsammlung verpflichten können. Zudem sollen Betriebe, in denen jährlich mehr als eine Tonne Sondermüll entsteht, Vermeidungs- und Verwertungskonzepte erarbeiten. Noch vor rund 20 Jahren gelangten vor allem durch Industrieabgase große Mengen an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen( PAK) in die Atmosphäre. Die Belastungen haben sich zwar in den vergangenen Jahren deutlich vermindert, dennoch bergen PAK-Altlasten in Böden und Luft oft Gesundheitsrisiken. Die toxischen PAK entstehen vor allem bei unvollständiger Verbrennung fossiler Brennstoffe und organischen Materials. Die wichtigsten Emissionsquellen sind jedoch Kokereien, Prozesse der Teer- und Erdölverarbeitung, industrielle und private Verbrennungsöfen sowie Autoabgase. PAK sind eine große Gruppe von Verbindungen mit zwei oder mehr Benzolringen, die zum Teil krebserregend sind oder die die kanzerogene Wirkung anderer Stoffe verstärken. Ihr bekanntester Vertreter, das aus Teer isolierte Benzo( a) pyren( BaP), war einer der ersten Stoffe, dessen krebserzeugende Wirkung offiziell anerkannt wurde. Eine Rußbildung ist immer das Signal, daß zu wenig Luftsauerstoff da ist, um den Brennstoff vollständig zu Kohlendioxid und Wasser zu verbrennen. Bei diesen Prozessen entstehen dann mehrere hundert verschiedene PAK, erläutert Doktor Uwe Heinrich vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie in Hannover. Die PAK lagern sich beim Abkühlen der Gase fest an die Rußkerne an, die mit ihrer porösen Struktur eine ideale Oberfläche bieten. Mit dem Regen erreichen die an den Partikeln klebenden PAK die Erdoberfläche und gelangen auch in Grund- und Oberflächenwasser und damit in die Nahrungskette. Der zulässige Trinkwassergrenzwert ist auf 0,25 mg pro l beschränkt. Vor etwa 20 Jahren lagen die Belastungen der Luft bei etwa 80 ng/ m3( Milliardstel Gramm). Inzwischen haben sich ihre Konzentrationen auf weniger als ein Zehntel verringert, so Doktor Manfred Buck von der Landesanstalt für Immissionsschutz in Essen. Noch 1981 kam mehr als die Hälfte der Emissionen aus den Schornsteinen der Haushalte. Das hat sich deutlich verbessert, seit Gas und Öl die Kohle als Brennstoff abgelöst haben. Besonders viele PAK haben die Kokereien in die Luft geblasen. Die meisten Anlagen wurden inzwischen stillgelegt, bei den verbliebenen und auch den übrigen Öfen im gewerblichen und industriellen Bereich sorgt eine bessere Technik heute für vollständigere Verbrennung. Mit einem weiteren Rückgang der Luftbelastung auf etwa 2 ng/ m3 rechnet Buck, sobald alle Otto-Motoren mit Katalysatoren ausgerüstet sind. Inzwischen stammen die meisten PAK noch aus dem Verkehr. Der Mensch ist immer einem Gemisch verschiedener PAK ausgesetzt, sagt Heinrich. Mit den winzigen Rußkernen werden sie in die Lunge transportiert und abgelagert. Nur langsam lösen sie sich von der Ruß-Oberfläche und können damit über einen längeren Zeitraum auf die Lunge einwirken. Hohe Kontaminationen mit PAK haben die stillgelegten Kokereien und Gaswerke im Boden ihrer alten Standorte zurückgelassen. Sammelgruben für Rohteer und Kondensate aus den verschiedensten Arbeitsstufen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Für die Sanierung von PAK-kontaminierten Böden werden verschiedene Verfahren getestet. Erste Erfolge gibt es mit der biologischen Reinigung, wobei die PAK-Konzentrationen nach einigen Monaten auf über 90 Prozent reduziert werden konnten. Die Vermeidung von Abfällen soll Vorrang vor Verwertung und Entsorgung haben. Der Bundesrat will unter diesem Programmsatz eine Novelle zum Abfallgesetz beim Deutschen Bundestag einbringen. Nach Ansicht des Bundesrats sollte die Bundesregierung eine Sonderabgabe auf Einwegverpackungen für Getränke einführen. Die Abgabe, die durch die Länder erhoben werden soll, richtet sich nach der Umweltschädlichkeit der Verpackung. Ferner wird die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf zum ausnahmslosen Verbot der Abfallbeseitigung auf hoher See durch Einleiten oder Verbrennen vorzulegen. Mit Popcorn gegen Verpackungsmüll: Zum Schutz empfindlicher Ware wie Elektronik oder Glas empfehlen Werner Wendl und Dieter Langenberg aus Hahnbach, Oberpfalz, Trocken-Popcorn. Durch ein besonderes Verfahren werden speziell gezüchtete Maiskörner biologisch vorbehandelt und anschließend durch ein patentiertes Heißluftverfahren ausgepufft. Die Bio-Chips landen nach dem Gebrauch nicht auf dem Müll, sondern können nach Angaben der Erfinder an Tiere verfüttert oder im Garten und in der Bio- Tonne kompostiert werden. Bis 1994 wollen die Leuna-Werke AG, Leuna, 159 Millionen DM zur Senkung der Abwasserlasten einsetzen. Geplant ist der Um- und Ausbau der zentralen biologischen Reinigungsanlage, in die 74 Millionen DM investiert werden sollen. Gleichzeitig soll eine Raffinerieabwasser-Behandlungsanlage zur Aufbereitung der Abwässer aus der Erdölverarbeitung mit einem Aufwand von 85 Millionen DM gebaut werden. Die Stadt Mannheim, der VDI Nord-Baden/ Pfalz und die Technische Akademie Mannheim veranstalten am 18./ 19. Juni im Mannheimer Kongreßzentrum einen Umweltkongreß zum Thema Flächensanierung als kommunale Zukunftssicherung. Am ersten Tag werden Fragen des Altlastenrechts, des kommunalen Altlastenmanagements behandelt und Informationen über den Forschungsbereich Altlasten gegeben. Für die Industrie als Anbieter von Leistungen oder als Nutzer von Flächen soll der Vortrag von Staatssekretär Dieter Angst vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung neue Erkenntnisse über den derzeitigen Stand der Altlastendiskussion in den neuen Bundesländern liefern. Der Bau von Windmühlen zur Stromerzeugung soll nicht mehr am kleinen Geldbeutel scheitern. Die gemeinnützige Nordwind-Gesellschaft, an der sich Kommanditisten beteiligen, finanziert und baut Windkraftanlagen, während der Bürger als Betreiber fungiert und Leasing-Gebühren bezahlt. Ein Landwirt möchte seinen Hof durch umweltfreundliche Energie versorgen und zu diesem Zweck eine Windkraftanlage errichten. Doch ihm fehlt das nötige Geld. Ein Ingenieur aus dem gleichen Dorf hätte die nötigen Mittel, aber er hat kein großes Grundstück. Beiden kann die kürzlich in Fredenbeck( Kreis Stade) gegründete Nordwind GmbH helfen. Diese gemeinnützige Gesellschaft, an der neben der GLS Gemeinschaftsbank in Bochum zehn Ökobauern aus Norddeutschland beteiligt sind, praktiziert ein neuartiges Finanzierungsmodell, mit dem sie die Kosten beim Ausbau der Windenergie auf möglichst viele Schultern verteilen will. Nordwind fördert, finanziert und baut neue Anlagen mit Hilfe sogenannter Windkraftfonds. An diesem bundesweit bisher einmaligen Projekt kann sich jeder beteiligen- als Kommanditist, wenn er einen Gesellschaftsanteil erwirbt, oder als Anteilseigner, wenn er einen Investmentfond zeichnet. Zur Zeit kann man sich mit einem Mindestanteil von 10000 DM beteiligen, wobei sich auch mehrere Interessenten zusammenschließen können, erklärt der Fredenbecker Landwirt Klaus Presting, einer der Kommanditisten von Nordwind, den VDI-Nachrichten. Alle Einlagen werden mit einem Zinssatz von mindestens 5 Prozent vergütet. Damit niemand sein Geld in den Wind schreiben muß, sondern tatsächlich nutzbringend investiert, wählt Nordwind die Standorte ihrer Projekte vorher sorgfältig aus. Da der Trend zu größeren Anlagen geht, werden derzeit bauwillige Landwirte, die meistens große Grundstücke besitzen, bevorzugt gefördert. Der einzelne Bauer hat mit der Finanzierung nichts zu tun, betont Presting. Gebaut und finanziert werde die Anlage von Nordwind, während der Landwirt als Betreiber fungiere und ein Nutzungsentgelt- je nach Größe und Leistung- zahle. Nordwind bleibe Eigentümerin der Anlage. Presting: Man kann diese Regelung mit dem Leasing beim Autokauf vergleichen. Auf seinem eigenen Hof in Fredenbeck-Dinghorn ist Presting inzwischen mit gutem Beispiel vorangegangen. Er errichtete dort eine 80-kW-Windenergieanlage, die pro Jahr 100000 kWh erzeugt- fünfmal soviel wie Presting selbst abnehmen kann. In windstillen Zeiten ist er allerdings weiterhin auf die auswärtige Energiezufuhr durch die Überlandwerke Nord-Hannover( ÜNH) angewiesen. In den ersten Monaten der Betriebsdauer waren die Windverhältnisse so, daß wir 50 Prozent des Strombedarfs durch unsere Mühle decken konnten, während die andere Hälfte aus dem öffentlichen Netz kam, berichtet Presting. Der Überschuß, den das Windrad an den besonders windreichen Tagen produziert, wurde in das Stromnetz eingespeist. Dafür vergütete das Energieversorgungsunternehmen bis Ende 1990 neun Pf/ kWh; seit 1. Januar werden sogar 16,6 Pf/ kWh gezahlt. Daneben gibt es öffentliche Gelder für die Investoren. Presting, dessen Anlage 250000 DM kostete, erhielt aus Bonn einen Zuschuß von 40 Prozent. Bei der Antragstellung konnte man wählen zwischen dem Investitionszuschuß, den ich genommen habe, und einer Vergütung pro erzeugter Kilowattstunde über zehn Jahre, erläuterte Presting. Nach seinen Informationen ist der Zuschuß auf 90000 DM begrenzt und die Stromvergütung aus Bonn von 8 auf 6 Pf. Reduziert worden. Angesichts verringerter Förderung aus öffentlichen Kassen findet die Fond-Finanzierung durch die Nordwind GmbH immer mehr Interessenten. Bisher sind schon 200 Anteilscheine mit einem Gesamtvolumen von 2,1 Millionen DM durch Windenergie-Anhänger erworben worden. Damit ist der erste Windkraft-Fonds komplett; der zweite wurde gerade eröffnet. Unser Ziel ist es, den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung immer weiter zu erhöhen und im gleichen Zuge die Kernenergie zurückzudrängen, so Presting. Als Fernziel schwebt den Initiatoren ein Stromverbund aus Windenergie vor, ähnlich wie es ihn bei der konventionellen Stromerzeugung und -verteilung für den gesamten europäischen Kontinent von Bergen/ Norwegen bis Gibraltar gibt. Presting: Je mehr Leute bei uns mitmachen, ob als Anteilseigner oder Betreiber, desto weniger wird die Umwelt belastet. Zu Nordwind gehören neben der anthroposophisch ausgerichteten Bochumer Bank, die für die Abwicklung der Windkraftfonds die Gemeinnützige Kredit-Garantiegenossenschaft( GKG) in Bochum eingeschaltet hat, zehn biologisch-dynamisch wirtschaftende Landwirte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Drei Windkraftwerke der Nordwind-GmbH sind schon in Betrieb, zwei in Planung, allesamt in Norddeutschland. Drei weitere Anlagen sind zwar von Nordwind erstellt, aber unabhängig von der Gesellschaft finanziert worden. Als Novum bei dem Modellprojekt Windkraftfonds wertet Presting die Tatsache, daß erstmals Bürger diese Art der Stromerzeugung unterstützen können, ohne selbst eine Mühle im Garten zu errichten, und eine nutzbringende Form der Geldanlage ist es obendrein, meint er. Die Photovoltaik ist unbestritten die umweltverträglichste Art der Elektrizitätserzeugung. Aber solange Solarstrom noch 1 bis 2,50 DM/ kWh kostet, kann dieser Vorzug kaum ausgenutzt werden. Dreh- und Angelpunkt aller Überlegungen zum Stellenwert der Photovoltaik ist demnach die Frage: Kann die Preisdifferenz zu konventionell erzeugtem Strom in absehbarer Zeit deutlich verringert werden? Darüber wurde kürzlich wieder intensiv auf zwei Konferenzen diskutiert, dem Sechsten Nationalen Symposium Photovoltaische Energie in Staffelstein( Oberfranken) und der VDI-Tagung Regenerative Energien in Kassel. Fritz Pfisterer vom Institut für Physikalische Elektronik der Universität Stuttgart warnte in Kassel vor übertriebenen Erwartungen: In der Vergangenheit hatten alle Prognosen zur Kostenreduktion eines gemeinsam, sie waren zu optimistisch. Die Ausgangslage sieht folgendermaßen aus: es gibt über 100 Materialien, die den photovoltaischen Effekt zeigen, aber praktische Bedeutung hat bis jetzt nur Silicium erlangt, das zu kristallinen und amorphen Zellen verarbeitet wird. Der wesentliche Unterschied in der Herstellung besteht darin, daß die kristallinen Zellen als 0,2 bis 0,4 mm dicke Scheiben aus Blöcken gesägt werden, während das amorphe Silicium als hauchdünne 1/ 1000 mm dicke Schicht aus einer gasförmigen Verbindung abgeschieden wird. Kristalline Zellen aus industrieller Fertigung kommen heute auf Wirkungsgrade zwischen 10 Prozent und 15 Prozent, die amorphen dagegen erreichen nur 5 Prozent bis 7 Prozent. Zudem nimmt ihre Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit weiter ab. Amorphe Zellen werden deshalb vorwiegend im Konsumbereich eingesetzt, zur Stromversorgung kleiner Geräte, wo sich wegen des minimalen Bedarfs das Absinken der Leistung nicht nachteilig auswirkt. Kostenreduktionen sind einmal über weitere Erhöhungen der Wirkungsgrade zu erreichen. In der Vergangenheit ging es dabei eher schleppend voran. Es dauerte zehn Jahre, ehe Forschungsergebnisse Eingang in die industrielle Praxis fanden. Doch das scheint sich nun zu ändern. Die Telefunken Systemtechnik( TST) und Nukem bauen gerade Pilotfertigungen für hocheffiziente Zellen aus Universitätslabors auf. Neben technologischen Fortschritten sind höhere Stückzahlen erforderlich, damit sich Rationalisierungseffekte einstellen. Die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik ermittelte 1988 für das Bundesforschungsministerium, wurde ermittelt, daß die Fertigungskosten für Module je nach Auslastung der Produktion zwischen 13,50 und 22 DM/ W Spitzenleistung liegen. Bei Ausnutzung aller Rationalisierungsmöglichkeiten könnten sie auf der Basis heute bekannter Technologien auf 4,60 DM/ W gesenkt werden. Dazu müßten allerdings Produktionslinien mit einer Kapazität von 30 MW pro Jahr aufgebaut werden. Würden in ähnlicher Größenordnung Solarkraftwerke errichtet, ließen sich Stromgestehungskosten von 70 bis 80 Pf/ kWh erreichen. Von solchen Dimensionen ist die Photovoltaikindustrie noch weit entfernt. Sie verzeichnete zwar in den letzten Jahren mit 20 Prozent pro Jahr ein starkes Wachstum, aber 1990 hatte die gesamte Weltproduktion von Modulen gerade 45 MW erreicht, aufgeteilt im Verhältnis 2: 1 zwischen kristallinem und amorphem Material. Die Ertragslage ist alles andere als rosig. Bei der Produktion von Solarmodulen wird im Mittel draufgezahlt, kennzeichnet Jürgen W. Duch von Siemens Solar die Situation. Trotzdem will Siemens, durch den Ankauf von Arco Solar( USA), nach eigenen Angaben, seit 1989 mit einem Anteil von 25 Prozent die Nummer eins am Weltmarkt, jetzt den Schritt in Größenordnungen wagen, wie sie in der Bölkow-Studie angesprochen werden. In den amerikanischen Produktionsstätten soll der Ausstoß von kristallinen Zellen in den nächsten Jahren verdreifacht werden. Wir hoffen, daß wir bei 18 MW zu vernünftigen Kosten produzieren können, erläutert Duch das Kalkül hinter den Ausbauplänen. In Deutschland plant Siemens zusammen mit den Bayernwerken, auf dem Gelände der ehemaligen atomaren Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf mit einer Kapazität von 20 MW die größte Fabrik der Welt für amorphe Dünnschichtzellen zu errichten. Doch die Unternehmen stehen dort vor der schwierigen Entscheidung, für welche Technologie sie sich entscheiden sollen. Denn das amorphe Silicium hat einen Konkurrenten bekommen: eine Verbindung von Kupfer, Indium und Selen( CIS) bringt gute Wirkungsgrade( bis zu 14 Prozent im Labor) und bleibt in der Leistung stabil. Es ist jedoch schwierig, ausreichend große Flächen in gleichbleibender Qualität herzustellen. Vermutlich wird die Industrie allein kaum den Durchbruch zu einer breiten Anwendung der Photovoltaik schaffen. Dazu sind politische Entscheidungen notwendig. Die Photovoltaik muß als eine der möglichen Energiequellen der Zukunft gewollt und demonstriert werden, betonte Rolf Buhs von TST. In der Schweiz soll nun durch ein Nationales Photovoltaik Umsetzungsprogramm vom Staat stimuliert, der Markt auf breiter Front erschlossen werden. Thomas Nordmann, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Fachverbandes Solarenergie SOFAS, faßt die Schweizer Überlegungen zusammen: Aus energiepolitischen Motiven müssen zusätzliche Hilfestellungen gegeben werden, um die Fessel von fehlender Wirtschaftlichkeit und geringem Marktvolumen aufbrechen zu können. Bis zum Jahr 2000 soll eine Photovoltaikkapazität im zwei- wenn nicht gar dreistelligen Megawattbereich aufgebaut werden. Die Schweiz würde damit einen beträchtlichen Teil der Weltproduktion aufnehmen. Das gerade angelaufene sogenannte 1000-Dächer-Programm in Deutschland nimmt sich demgegenüber bescheiden aus. Es wird insgesamt eine installierte Kapazität von 5 bis 10 MW ergeben. Folgten andere Länder dem Beispiel der Schweiz, dann wäre ein Weltmarkt im Gigawattbereich nicht mehr fern. Bei einer derartigen Massenproduktion werden Modulkosten von 1 bis 2 DM/ W für möglich gehalten; Solarstrom würde dann weniger als 30 Pf/ kWh kosten. Für Siemens sind die Schweizer Entwicklungen hochgradig interessant und bewirken ein entsprechend intensives Engagement. Hatten sie bei der bislang größten Anlage an einer Autobahn gegenüber der Konkurrenz aus Japan noch den Kürzeren gezogen, konnte Siemens Solar International aus den USA sich jetzt den Auftrag für die Module eines 500-kW-Kraftwerks sichern, das im Schweizer Jura errichtet wird- auf dem Mont Soleil. Der Primärenergieverbauch im 1. Quartal 1991 ist gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres im ehemaligen Bundesgebiet um 8,2 Mio t SKE( 8 Prozent) deutlich gestiegen, in den neuen Bundesländern hingegen um 8,4 Mio t SKE( 26 Prozent) drastisch gesunken. Nach einer Mitteilung des Gesamtverbandes des deutschen Steinkohlenbergbaus, Essen, hat sich in Westdeutschland der Mineralöl-, Erdgas-, Kernenergie- und Braunkohleverbrauch erhöht, während der Steinkohlenverbrauch sank. In den neuen Bundesländern war der Verbrauch bei allen Energieträgern rückläufig. Besonders betroffen war die Braunkohle, die jedoch immer noch 70 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs deckt. Der Grundstein zu einer Gleichstromnetzkupplung mit einer 380-kV-Leitung wurde letzte Woche in Etzenricht/ Oberpfalz gelegt, um die Höchstspannungsnetze der CSFR und Bayern zu verbinden. Damit wird die dritte Strombrücke zwischen den Netzen West- und Osteuropas geschlagen. Über diese Stromkupplung können bis zu 600 MW elektrische Leistung ausgetauscht werden. Die beteiligten Unternehmen, die Bayernwerke, München, und die Ceske Energeticke Zarody, Prag, bauen und finanzieren jeweils die auf ihrem Gebiet liegenden Anlagen. Die Gesamtkosten liegen bei 300 Millionen DM, wovon die Bayernwerke 200 Millionen DM tragen. Der Aufwand für Energieimporte nach Westdeutschland stieg 1990 auf 46,2 Milliarden DM. Nach Abzug der Energieausfuhrwerte ergeben sich netto 37,6 Milliarden DM, teilte der Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus, Essen, mit. Die wieder höheren Energieimportaufwendungen seien ein Warnsignal. Die Nutzung im Lande geförderter Energieträger wie etwa der Kohle bleibe deshalb ein Gebot der Vorsorge. Hauptfaktor sind die Aufwendungen für Mineralöl mit 35,4 Milliarden DM. Diese Beträge könnten nach Ansicht des Verbands unkalkulierbar steigen, sofern die Abhängigkeit vom nahen Osten zunehme. Auch die Aufwendungen für Erdgas( 7,2 Milliarden DM) und Importkohle würden steigen, da dadurch in Ostdeutschland ein Teil der Braunkohle ersetzt werden soll. Eine Pipeline für Mineralölprodukte von Hamburg nach Sachsen planen zur Zeit mehrere Mineralölgesellschaften unter Federführung der Deutschen Shell AG, Hamburg. Die Ölleitung soll den künftigen Mehrbedarf an Mineralölprodukten in den neuen Bundesländern, der sich nach Schätzungen von Experten von 12 Millionen t( 1989) bis zum Jahr 2000 verdoppeln werde, und Chemierohstoffen sicherstellen, heißt es in einer Mitteilung der Shell. Von den bestehenden Raffinerien allein, die mit Rohöl aus dem Osten über die sogenannte Freundschaftspipeline versorgt würden, könne der Mehrbedarf nicht gedeckt werden. Die Kosten der rund 450 Kilometer langen Pipeline werden auf 600 bis 700 Millionen DM geschätzt. 1994/ 95 könnte die Ölleitung in Betrieb gehen. Die Sonnenenergie ist als neuer unbegrenzt verfügbarer Energieträger nicht nur umweltschonend, sondern kann auch einen neuen Lebensstil und die Völkerverständigung fördern, wie acht namhafte Autoren um den Eurosolar-Vorsitzenden Hermann Scheer in ihren Beiträgen zeigen. Sie stellen dar, wie sich eine Nutzung der Solarenergie auf unsere Lebensformen, etwa in den Bereichen Wohnen und Verkehr, auswirken könnte. Eine bedeutende Rolle spiele die Photovoltaik auch für die Entwicklung der Länder der dritten Welt. Ausführlich wird die Funktionsweise von Solarzellen und deren zukünftige Entwicklung beschrieben. Die Autoren nennen Anwendungsbeispiele und geben Tips für die Planung einer eigenen Photovoltaikanlage. Eine Liste mit aktuellen Produktpreisen, Adressen von Händlern und Vertriebsfirmen runden die Broschüre ab. Durch diese Sammlung von Aufsätzen 17 namhafter Autoren kann sich der Leser einen Gesamteindruck über den aktuellen Stand und die Fortentwicklung der Zukunftstechnologie Photovoltaik verschaffen. Die Vorzüge der Solarenergie, wie Geräusch- und Emissionsfreiheit, Zuverlässigkeit und Wartungsarmut könnten, so die Autoren, in vielen Fällen von größerer Bedeutung sein als rein wirtschaftliche Überlegungen. Unter dem Titel Energie für heute und morgen hatte das Deutsche Kulturinstitut in Madrid zu einem Seminar über erneuerbare Energien eingeladen. Den Anstoß zu diesem spanisch- deutschen Seminar gab der VDI-Freundeskreis Spanien. Die deutschen Referenten wurden durch die Vermittlung der VDI-Gesellschaft Energietechnik eingeladen. Von 1989 bis 1995 will Spanien mit der Unterstützung der EG etwa 50 Milliarden Peseten in erneuerbare Energie investieren, erläuterte Maria Luise Huidobro y Arreba, Direktorin für Energietechnik des spanischen Energieministeriums, in ihrem Grußwort an die Teilnehmer, 1995 sollen die Solar- und Windenergienutzung, Geothermie, Kleinwasserkraftwerke, die Energienutzung von landwirtschaftlichen Rückständen und die Müllverbrennung zusammen etwa 3 Prozent zu der Gesamtprimärenergiebereitstellung in Spanien beitragen. Ein Plädoyer für eine sanfte Technik war das Referat von dem Zukunftsforscher Robert Jungk aus Salzburg. Er zeigte warnend in seinem Vortrag die heutigen Möglichkeiten auf, unseren Planeten zu zerstören und entwickelte Vorstellungen über mögliche Veränderungen. Ein Nein zu den heute etablierten Großtechniken genügt seiner Meinung nach nicht, sondern er forderte konstruktive Vorschläge für die Veränderungen. Seine Vorstellungen tendierten zu einer anderen, humaneren, menschenfreundlicheren und umweltfreundlicheren Zivilisation. Er plädierte für einen Menschen, der nicht mehr als Herr über die Natur, sondern als Teil der Natur dasteht. Lösungen sieht Jungk dafür in sanften Techniken, die seiner Meinung nach nicht mehr gegen die Natur arbeiten, sondern mit der Natur zusammenarbeiten. In den anschließenden Vorträgen wurden Nutzungsmöglichkeiten regenerativer Energien detailliert vorgestellt. Oskar Kappelmeyer von der Geothermik Consult GmbH, Passau, berichtete über den derzeitigen Stand der Erdwärmenutzung. Für einige Regionen Spaniens, zum Beispiel auf den Kanarischen Inseln, erachtet Kappelmeyer aufgrund des durch Vulkanismus ausgeprägten Untergrundes gute Chancen, daß man in relativ geringer Tiefe geothermische Vorkommen zur Erzeugung elektrischer Energie als auch zur Produktion von Trinkwasser nutzen kann. Beispiele für die bilaterale Kooperation zwischen der Bundesrepublik und Spanien auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien führte Juan Esteban Delas, Wirtschaftsreferent der Deutschen Botschaft in Madrid, an mit den Projekten Plataforma Solar in Almeria und das Projekt Asterix, bei dem mittels Sonnenenergie Gas angereichert werden soll. Zu dieser positiven Bilanz gehört auch die am 21. März 1990 in Cabo Villano( Galizien) eingeweihte Windkraftanlage AWEC 60. Die Umwandlung von Biomasse in Brennstoffe stellte Enrique Medina, Abteilungsdirektor der Elektrizitätsvereinigung Fenosa, vor. Er berichtete von einem Projekt in Galizien, bei dem auf einer Fläche von etwa 1,9 Mill. Ha insgesamt 4,1 Mill. T Biomasse pro Jahr zur Verfügung stehen, die evtl. In der Pyrolyse in Kohle und Gas für die Energiebereitstellung genutzt werden könnten. Es ist dazu eine Pilotanlage mit einem Finanzierungsvolumen von 360 Millionen Peseten vorgesehen, wobei als Partner Spanien, die Europäische Gemeinschaft und RWE/ Essen genannt wurden. Jose Polimon verdeutlichte die große Bedeutung der Wasserkraft in Spanien für die Wasser- und Elektrizitätsversorgung. Alleine 1990 sind in Spanien rund 15 GW an Wasserkraft installiert worden, wobei die kleinen Wasserkraftwerke mit 440 MW etwa 3 Prozent der Gesamtleistung stellen. Das gesamte Potential für Spanien schätzt man auf 34 GW, und man hofft, bis zum Jahre 2000 bei den Kleinwasserkraftwerken eine Leistung von 6000 MW realisiert zu haben. Mit Rechenprogramme werden die Potentiale und die Umweltbeeinflussungen abgeschätzt, und es erfolgt eine Koordination zwischen der Wasserverwaltung und der Energiebereitstellung in Spanien. Wilfried Grasse von der DLR in Köln referierte über Solarkraftwerke zur Erzeugung von Elektrizität und Wasserstoff. Er stellte solarthermische Techniken wie Solarfarmkraftwerke, Solarturmkraftwerke, Paraboloidanlagen und die Photovoltaik-Systeme zur Erzeugung von Wasserstoff vor. Jose Maria Fluxa, Direktor der ASINEL, berichtete über die Nutzung der Windenergie in Spanien. Im Jahre 1990 waren etwa 7 MW installierte Windkraftleistung realisiert, wobei besonders erwähnenswert die Großanlage in Cabo Villano im windreichen Nordwest-Spanien, Galizien, mit einer Nennleistung von 1,2 MW ist. In Südspanien, an der Straße von Gibraltar und auf den Kanarischen Inseln werden in den nächsten Jahren Windfarmen mit einer Gesamtleistung bis zu 50 MW in Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland und der EG entstehen. In seinem Schlußbeitrag wies Hermann Rosenau von der KWU, Offenbach, darauf hin, daß heute alleine die gesellschaftliche Akzeptanz bestimmt, ob eine Technik entwickelt, gebaut und betrieben werden kann oder nicht. In diesem Umfeld reiche heute das Fachwissen des Ingenieurs oder Naturwissenschaftlers nicht mehr alleine aus. Rosenau hält es in Anbetracht der begrenzten Situation im Raumschiff Erde für besonders wichtig, daß einzelne Techniken nicht verteufelt werden. Alle verfügbaren Optionen sollten so miteinander verbunden werden, daß die Summe der zu erwartenden negativen Folgen ein Minimum wird. Lösungen für die Zukunft können nur gemeinsam mit allen demokratischen Gruppen erarbeitet werden. Insgesamt zehn Ingenieurinnen und Ingenieuren finanziert der Weltverband der Automobilingenieure( Fisita) sowie die ihm angeschlossenen Organisationen im Juni nächsten Jahres einen vierzehntägigen Aufenthalt in Großbritannien. Vom 31. Mai bis 6. Juni 1992 steht zunächst die Besichtigung von britischen Kfz-Unternehmen, von Forschungseinrichtungen und Hochschulinstituten auf dem Programm, danach folgt die Teilnahme am Fisita-Krogreß in London( 7. Bis 11. Juni 1992). Die Auswahl der Travelling Fellows treffen die jeweils nationalen Gesellschaften der Fisita, in Deutschland ist dies die VDI-Gesellschaft Fahrzeugtechnik. Die endgültige Auswahl unter den deutschen Bewerbern erfolgt aufgrund eines persönlichen Gespräches, erläutert Doktor A. Simbürger, Geschäftsführer der VDI-GFT( Tel.: 0211/ 6214- 264), die Rahmenbedingungen. Der deutsche Teilnehmer dürfe zum Zeitpunkt der Reise nicht älter als 30 Jahre sein, eine hohe Qualifikation als Automobilingenieur besitzen und als Mitglied der VDI-GFT in der Lage sein, die Fachgesellschaft angemessen zu repräsentieren. Interessenten sollten ihre Bewerbung bis zum 31. Mai 1991 an die VDI-Gesellschaft Fahrzeugtechnik zu senden. Dipl.-Ingenieur Rudolf Liebergeld vollendete im April 1991 sein 70. Lebensjahr. Nach seinem Maschinenbau-Studium und Assistententätigkeit am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen an der TU München, übernahm er, das von seinem Vater Max Liebergeld 1944 gegründete Entwicklungsbüro. Dieses basierte zunächst auf den im Kriege gesammelten Erfahrungen und Patenten für das Kaltfließpressen von Stahl. Rudolf Liebergeld erweiterte erfolgreich die Entwicklungen, besonders auf dem Gebiet der Massivumformung. Befaßte Liebergeld sich anfangs nur mit Verfahrens- und Werkzeugentwicklungen sowie Automatisierungseinrichtungen, so wurde 1958 sein Vertriebsprogramm erweitert durch hydraulische Kaltfließpressen und 1970 durch mechanische Kaltfließpressen. Seit 1950 ist Liebergeld aktives Mitglied des VDI-Ausschusses Kaltmassivumformen. Gar nicht so recht nach Jubeln zumute ist's dem Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken( VDW) im 100. Jubeljahr seines Bestehens. Denn es ist abzusehen, daß der 1990er Produktionswert von 16,2 Milliarden DM in diesem Jahr nicht gehalten werden kann. Doch die Branche, die zum harten Kern des Maschinenbau gehört, ist konjunkturelle Wechselbäder gewohnt. Und technologisch geht es immer weiter voran, so die einmütige Meinung unter den 1200 Teilnehmern der Festveranstaltung am 3. Mai in der Alten Oper Frankfurt. Die dazu passenden Glückwünsche überbrachte Berthold Leibinger, selber erfolgreicher Ingenieur und Werkzeugmaschinenfabrikant, derzeit Präsident des Maschinenbauer-Dachverbandes VDMA, Frankfurt: Unter dessen 44 Branchen hätten die Werkzeugmaschinen als Königin der Maschinen einen besonderen Adel. Doch Königinnen haben ihre Launen, auch das hat Leibinger erfahren. Sie verlangten von ihren Untertanen- den Werkzeugmaschinen-Bauern- konstante Hingabe, absolute Loyalität und vielfältige Huldigungen in Form von Forschungsausgaben, weltweite Präsenz und Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen, die sich mit der Königin der Maschinen befassen. Leibingers hohes Lied der Werkzeugmaschinenbranche konnte auch den Bundesforschungsminister in der Alten Oper nicht ungerührt lassen. Heinz Riesenhuber machte eine Kompetenz aus, die unsere Wirtschaft voranbringt. Und das wiederum mußte VDW-Präsident Berhard Kapp ganz besonders gefallen, wittert er doch einen geistigen Hochmut bei solchen Verantwortlichen im Staat, die sich- wie er meint- mit sogenannten Geisteswissenschaften gebildet haben und alles, was mit Wirtschaft und Technik zusammenhängt, als Krämer- und Schlosserzeug betrachten und unter ihrer Würde finden. Ein Herzensbedürfnis ist es für Bernhard Kapp schon seit vielen Jahren die Bedeutung der Werkzeugmaschine als einem Grundpfeiler der Industriegesellschaft in das Bewußtsein eben dieser Gesellschaft zu tragen: Ein wesentlicher Bestandteil der Menschheitsgeschichte sei die Evolution der Fertigungstechnik vom Faustkeil bis zu einer Maschine, die Werkzeuge für die Bearbeitung von Metall präzise führt- also zur heutigen Werkzeugmaschine, so definiert es der Schleifmaschinenhersteller und VDW-Präsident. Kapp spricht für eine zwar kleine Branche, die aber strategische volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Sogar im hochentwickelten Westdeutschland trägt sie nur 0,5 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Doch ohne Werkzeugmaschinen gäbe es weder Autos, noch Flugzeuge, keinen Geschirrspüler und keine Waschmaschine, keinen Röntgenapparat und keinen Zahnarztbohrer. Auch für Gegenstände des täglichen Bedarfs sind Werkzeugmaschinen unersetzlich, denn sie werden benötigt, um zuerst einmal die Spezialmaschinen herzustellen, die Konsumgüter produzieren: Textilien und Schuhe, Zeitungen, Radios oder Fernseher. Kapp sieht eine der wesentlichen segensreichen Wirkungen der Werkzeugmaschinen im sozialen Fortschritt. Der drücke sich auch darin aus, daß aus Luxusgegenständen, die zunächst nur für wenige erschwinglich waren, nun Allgemeingut wird, das jedem zur Verfügung steht. Als die damalige Vereinigung deutscher Werkzeugmaschinenfabrikanten 1891 gegründet wurde, da erlebte Deutschland gerade erst den Umbruch zur Industrienation. Technik bestimmte seit daher immer mehr den gesellschaftlichen Wandel. Noch vor dem Ersten Weltkrieg schaffte der einheimische Werkzeugmaschinenbau den Aufstieg zum international beachteten Industriezweig. Er konnte sich auch im Export mit der britischen und amerikanischen Konkurrenz messen. Die Anfänge des modernen Werkzeugmaschinenbaus hatten im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts gelegen. Fabriken waren Grundlage des wirtschaftlichen Fortschritts geworden, so formulierte es Prof. Günter Spur, einer der Festredner auf der Jubiläumsveranstaltung in Frankfurt. Dieser Entwicklungsprozeß wirke bis in unsere heutige Zeit, denn mit der Entwicklung von Handwerkzeugen zu Maschinenwerkzeugen und zur Werkzeugmaschine veränderte sich die Arbeitswelt. Spur: Mit Erhöhung der Arbeitsproduktivität wandelte sich auch das Bild vom arbeitenden Menschen. Denn menschliche Inititative sei der Motor, der alle Entwicklungen antreibe und lenke- aber auch der Engpaß für die Fortschrittsgeschwindigkeit. In seinem rechtzeitig zum VDW-Jubiläum erschienenen 600seitigen Werk Vom Wandel der industriellen Welt durch Werkzeugmaschinen- Eine kulturgeschichtliche Betrachtung der Fertigungstechnik will Spur den bisher allzuoft empfundenen Gegensatz zwischen Technik und Kultur abbauen. Fabrikautomatisierung und rechnertechnische Integration der Unternehmensfunktionen kennzeichneten die industrielle Produktion von heute. Ihre Zukunft habe überall dort schon begonnen, wo Produkte humaner, wirtschaftlicher, ökologisch verträglich und qualitativ hochwertig hergestellt werden. Spur sieht die Werkzeugmaschine als ein Werkzeug für den Wohlstand. Er macht Perspektiven für eine sich weltweit angleichende Industriekultur aus, ein Trend, der auf Harmonisierung gesellschaftlicher Spannungen gerichtet ist. Damit habe der VDW nicht nur für seine eigene Branche in den letzen 100 Jahren erfolgreich gewirkt, sondern für die ganze Industriegesellschaft. Dabei ist manches deutsche Großunternehmen allein umsatzstärker als alle mittelständischen VDW-Mitglieder zusammen genommen. Seit 1898 steht das Kürzel für Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken. Damit war der Verein keine bloße Versammlung einander persönlich bekannter Unternehmer mehr, sondern hatte sich zu einem Verband von Unternehmen entwickelt. Statt 20 Firmen vor 100 Jahren hat der VDW heute 114 Mitglieder und stellt immerhin rund 60 Prozent der Produktion und Beschäftigten der westdeutschen Werkzeugmaschinenindustrie. Insgesamt gibt es hierzulande zirka 380 Werkzeugmaschinenfabriken oder Firmenabteilungen, die entsprechendes Gerät herstellen. Rund 300 davon sind organisiert in der Fachgemeinschaft Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau( VDMA), Frankfurt. Der kleine Verein VDW ganz fein? Jedenfalls fühlt sich schon die ganze Werkzeugmaschinenbranche von besonderem Adel; so empfindet es selbst VDMA-Chef Leibinger. Die Werkzeugmaschine sei die Königin der Maschinen. Königinnen sind komplex, weiß Leibinger: Die Maschine als Kristallisationspunkt aller technischen Möglichkeiten, das ist es, was er als Faszination der Werkzeugmaschinen ausmacht. Übrigens: Der VDMA feiert am 15. Und 16. Oktober 1992 sein hundertjähriges Jubiläum. Haben die Wissenschaften ihre Unschuld verloren? Spätestens seit dem Abwurf der Atombombe werden Naturwissenschaftler immer öfter gefragt, zu wessen Nutzen und damit auch, zu wessen Schaden sie arbeiten. Kann und darf die Suche nach neuen Erkenntnissen, der Wunsch nach neuem Wissen allein Motor ihrer Arbeit sein? Zunehmend reift die Erkenntnis, daß das Prinzip Verantwortung fester Bestandteil der Wissenschaft sein muß. Diese Forderung gilt auch für Ingenieure. Noch vor 30 Jahren konnten sie sich darauf berufen, daß sie Dinge schufen, die das Leben der Menschen erleichtern und von alltäglicher Mühsal befreien. Eine bessere, eine ausgefeiltere Technik war ein Zeichen des Fortschritts. Sie galt gleichzeitig immer auch als Verbesserung der Lebensqualität der Menschen in der industrialisierten Gesellschaft. Doch in dem Maße, wie die Technik das Leben der Menschen immer mehr bestimmte- und das reicht von der automatisierten Fertigung in der Fabrik bis zum Einsatz von Mikroelektronik in der Medizin- zeigte sich auch ihre Janusköpfigkeit. Die Technik- Garant für Wohlstand, für Freizeit und ein längeres Leben- ist auch Ursache für Umweltzerstörung, für Arbeitslosigkeit, für soziale Mißstände. Sie birgt Folgen, die keiner vorherzusehen vermochte. Und sie birgt Risiken, die schwer beherrschbar geworden sind. Diese Entwicklungen haben deutliche Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Skepsis, in vielen Fällen sogar eine grundsätzliche Ablehnung technischer Erneuerungen war und ist die Antwort der Öffentlichkeit auf die Risiken der Technik. Dies ist genau das Moment, an dem die Verantwortung der Ingenieure einsetzt. Unter der Voraussetzung, daß wir die Industriegesellschaft bejahen, haben sie es in den Händen, die technische Entwicklung so zu gestalten, daß sie nicht zum Schaden von Mensch und Natur wird. Voraussetzung dafür ist, daß die Ingenieure zu einem Umdenken bereit sind. Sie müssen sich in ihrer Arbeit ihrer Verantwortung als Gestalter der Industriegesellschaft bewußt sein. Doch was heißt in diesem Fall Verantwortung? Ist sie vergleichbar mit der der Eltern für ihre Kinder oder der des Vorgesetzten für seine Mitarbeiter? Sie ist es insoweit, als sie ein langfristiges Denken, ein Abwägen der Vor- und Nachteile, der möglichen positiven und negativen Folgen beinhaltet. Die Entwicklung der Technik kann nicht mehr nur unter dem Aspekt des technisch Machbaren und der wirtschaftlichen Effizienz erfolgen. Die Entwickler, die Technikgestalter müssen sich vom ersten Moment an, also bereits bei den ersten Entwürfen am Reißbrett, die Frage nach den möglichen Folgen stellen. Ist die jeweilige Technik ökologisch verträglich? Welche Abfälle entstehen? Welche Materialien können wiederverwendet werden? Welche Auswirkungen hat die Technik auf die Arbeitswelt, auf das Leben der Menschen überhaupt? Gibt es Alternativen zu dem Entwurf auf dem Reißbrett? Kann die Technik mißbraucht werden? Läßt sich das verhindern? Diese Fragen gehen über das Wissen und die Fähigkeiten der meisten Ingenieure hinaus, mögen Skeptiker einwenden. Und damit legen sie den Finger auf die Wunde. Technikgestalter sind heute, in unserer äußerst komplexen Gesellschaft, in der keine Wissenschaft mehr allein Lösungen entwickeln kann, mehr denn je auf das Wissen anderer Diszplinen angewiesen. Sie müssen ihren Blick öffnen für die Erkenntnisse der Sozialwissenschaften, der Psychologie, der Geistes- und Naturwissenschaften. Sie müssen auf deren Erkenntnisse in der Technikgestaltung zurückgreifen, wenn sie verantwortlich handeln wollen. Nur so können sie eine menschen- und umweltgerechte Technik entwickeln. Und damit langfristig deren Akzeptanz erhöhen. Stellen sich die Ingenieure ihrer Verantwortung, dann gilt es auch, ihre Rolle in der Gesellschaft neu zu bestimmen. Deshalb trifft die Forderung nach dem verantwortlichen Handeln das Selbstverständnis einer ganzen Disziplin. Das heißt: Ingenieure müssen auch über die möglichen Grenzen bestimmter Technologien nachdenken, sie unter Umständen schon in den ersten Entwicklungsstadien einkalkulieren. Gibt es einen Punkt, an dem weitere Entwicklungen eingeschränkt werden müssen oder sich gar verbieten? Läßt sich der technische Fortschritt steuern? Nach welchen Gesichtspunkten? Mit Antworten auf diese Gewissensfragen ist der einzelne Ingenieur als Individuum allein überfordert- und das nicht nur, weil in diesen Fällen oft Entscheidungen über das Leben der nächsten Generationen gefällt werden. Das Individuum ist überfordert, weil in diesen Fragen die ethischen Prinzipien einer ganzen Gesellschaft zur Debatte stehen. Deshalb ist der Einzelne an diesem Punkt auf übergeordnete Instanzen angewiesen. Sie müssen ihm Entscheidungshilfen an die Hand geben- in Form von verbindlichen, gültigen Maßstäben. Das Feld dieser Ethik abzustecken, die vielen Schritte auf dem Weg zur Verantwortung aufzuzeigen und die Grenzen der Entscheidungsspielräume auszuloten- all das ist das Ziel des Ingenieurtages in Berlin. Willkommen zu einer fruchtbaren Diskussion! Das Bewußtsein der Öffentlichkeit ist heute durch eine kritische Einstellung gegenüber der Technik und dem technischem Fortschritt geprägt. Das ist angesichts der von der Technik zumindest bei unsachgemäßer Handhabung ausgehenden Gefahren verständlich. Diese Haltung ist dann zu begrüßen, wenn dadurch ein umsichtigerer Umgang mit den Möglichkeiten der Technik bewirkt werden kann. Nur die intelligente Weiterentwicklung der Technik kann uns helfen, die Herausforderungen unserer Zeit zu bestehen. Die verheerende Umweltzerstörung unter anderem in Osteuropa und jetzt wieder als Folge des Golf-Krieges hat diesen Zusammenhang auch für die breitere Öffentlichkeit deutlich gemacht. Sicherheitskonzepte werden immer von der technischen Entwicklung, meist auch von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflußt. Sie sind Produkte ihrer Zeit. In unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen gibt es leider unterschiedliche Sicherheitskonzepte. Die Ursachen für Katastrophen wie Bophal und Tschernobyl liegen auch im unzureichenden Sicherheitskonzept. In vielen Ländern Osteuropas und der Dritten Welt betrachtet man Probleme der Sicherheitstechnik mit einer gewissen Unbekümmertheit, im Gegensatz zu den industriell und wirtschaftlich hochentwickelten westlichen Industriestaaten. Hier führen politische Prozesse zu einer laufenden Steigerung der Sicherheitsanforderungen. Deshalb muß sich in unserer Öffentlichkeit weltweit ein Bewußtsein für die Strategien und Instrumente der Technik entwickeln. Denn nur wenn die Technik eine ausreichend hohe Akzeptanz findet, kann sie sich dynamisch weiterentwickeln und damit weltweit zum Fortschritt beitragen. Chance und Risiko sind zwei Seiten einer Medaille. Industrielle Risiken, wie wir sie heute kennen, gibt es seit der Einführung moderner Techniken. Die Dampfkessel-Explosionen führten Mitte des letzten Jahrhunderts zur Gründung der Technischen Überwachungs-Vereine. Sicherheitstechnik ist heute ein integrierter Bestandteil der Anlagen und Produkte- von der Automobiltechnik bis zur Raumfahrt- auch darin spiegelt sich die erfolgreiche Arbeit der Technischen Überwachungs-Vereine wider. Das erforderliche sicherheitstechnische Know-how entwickelt sich an der Arbeit mit gefährlichen Techniken. Der Verzicht oder Ausstieg aus bestimmten Technologien, wie zum Beispiel der Kerntechnik, ist solange nicht zu verantworten wie risikoarme Gesamtsysteme zur Verfügung stehen. Unsere größte Herausforderung, die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung, kann nur mit der Technik gelöst werden. Es gibt daher nur einen Weg: Die Technik weiterentwickeln, bei einem möglichst hohen Sicherheitsstandard. Dies bedeutet die Realisierung von Sicherheitskonzepten, die einem ganzen Bündel von Anforderungen und Kriterien genügen. Gemeinsame Bestandteile aller modernen Sicherheitskonzepte, die in unseren Gesetzen und Verordnungen verankert wurden, sind: Das Prinzip des unabdingbaren Schutzes von Leben und Gesundheit der Menschen. Das Prinzip des eingeschränkten Schutzes von Sachen. Das Prinzip des bedingten Abwägens von Aufwand und Ertrag in technisch- ökonomischer Hinsicht. Ein Sicherheitskonzept umfaßt meist mehrere Stufen, die aufbauend zu einer immer feineren Erfassung der Gefahren führt. Prof. Doktor-Ingenieur Karl Eugen Becker, VDI, ist Vorsitzender der Geschäftsführung des TÜV Bayern. Von 1983 bis 1988 war er Präsident des VDI. In der 1. Stufe wird das Konzept der unmittelbaren physischen Sicherheit verfolgt. Vor allem Menschen sollen geschützt werden. In der 2. Stufe bildet sich Systemsicherheit. Damit soll die Verläßlichkeit und Ausfallsicherheit der technischen Systeme gekennzeichnet werden. Das darin zum Tragen kommende Prinzip der Verdoppelung oder Vervielfachung der Systemkomponenten ist aus vielen Anwendungen in der Technik bekannt. Die 3. Stufe enthält das Konzept der globalen Sicherheit. Auf dieser Stufe wird versucht, alle negativen Einwirkungen von einer gewissen Größenordnung zu verhindern. Die Ziele der physischen Sicherheit und der Systemsicherheit sind zumeist eindeutig definierbar beziehungsweise durch Regeln und Vorschriften heute bereits vorgegeben. Das Konzept der Sicherheit umfaßt besonders den Umweltschutz. Technik, die die Umwelt belastet, schadet. Eine sichere Technik sollte dies berücksichtigen. Wir können den Kreis der Interdependenzen aller Faktoren, die unsere Sicherheit ausmachen, nicht durchbrechen, wenn wir nicht globale Sicherheitskonzeptionen anstreben. Dabei setzt sich Zug um Zug die Erkenntnis durch, daß der verantwortliche Umgang mit Technik als fester Bestandteil gemeinsam getragener Wertvorstellungen etabliert werden muß, bis in die Unternehmenskultur hinein, die auch das verantwortliche Handeln des Ingenieurs honoriert. Die Sicherheit als Teil der Gesamtqualität ist ein wichtiges Wettbewerbsargument, damit ein Element der Wirtschaft, das weltweit und besonders europäisch und auf den gleichen Standard gebracht werden muß. Die Ausbildung der Ingenieure auf dem Gebiet Sicherheitstechnik dient ebenfalls der Verstärkung der Sicherheitskonzeptionen. Eine Verzahnung der Ingenieurausbildung mit anderen Disziplinen und ein Pflichtfach Sicherheitswissenschaft, in dem die Ehtik der Technik integriert ist, wären zu begrüßen. Technik ist ein Teil unserer Kultur. Der freie Dialog in der Gesellschaft erweist sich dabei als Voraussetzung für den gesellschaftlichen und damit auch sicherheitstechnischen Fortschritt. Die Vertrauenskrise der Technik läßt sich nur überwinden, wenn es gelingt, Sicherheitskonzepte so zu optimieren, daß sie die Sicherheitsbedürfnisse unserer Zeit widerspiegeln und plausibel machen, daß sie der Technikfolgenabschätzung umfassend genügen. Öffentlichkeit und Politik müssen die Eigenständigkeit der Technik als Element unserer Gesellschaft anerkennen. Wir können es uns nicht leisten, die Technik und ihre Institutionen, insbesondere die Sicherheitskonzepte, infrage zu stellen. Die Verbreitung des Grundgedankens der globalen Sicherheit wird eine entscheidende Rolle für unsere Zukunft spielen. Bereits heute wird in vielen Berufen versucht, einem hohen moralischen Anspruch gerecht zu werden. Auch von Ingenieuren wird dies mittlerweile verlangt. Nicht das Einzelergebnis darf dabei im Vordergrund stehen, sondern die ingenieurmäßige Gesamtlösung. Hinzu kommen zusätzliche Anforderungen wie Ressourcenschonung, Umwelt, Sicherheit, Innovationsdruck und Technikfolgenabschätzung. Noch vor weniger als 2 Jahrhunderten galt der Ingenieur im Vergleich zu einem Geisteswissenschaftler, Physiker oder Arzt als nicht gesellschaftsfähig. Unter dem Begriff Ingenieur wurde jemand verstanden, der mit der Ölkanne ein Zahnradpaar schmiert. Der Ingenieur hat aber die Aufgabe, durch Erfindungen oder auch systematische Bearbeitung technischer Zusammenhänge, mit dazu beizutragen, daß unsere Welt lebensfähig bleibt. Im Laufe der letzten 25 Jahre haben sich die Aufgaben auch für den Automobilingenieur entscheidend verändert. Äußere Einflüsse waren unter anderem die Forderungen nach zunehmender Fahrzeugsicherheit, stärkerer Produkthaftung, verbessertem Umweltschutz sowie geänderte Anforderungen an das Verkehrs- und Transportwesen. Auch die Frage der Produkthaftpflicht und damit der Produkthaftung gewinnt einen wesentlichen Einfluß auf die Arbeitsweise des Automobilentwicklers. Sie erstreckt sich nicht nur auf das Gebiet der Fahrzeuge, sondern greift in viele andere Gebiete mit ein. Spätestens seit Mitte der sechziger Jahre ist das Thema Umweltschutz für die Industrie von zentraler Bedeutung. Ähnlich wie bei den Umweltschutzmaßnahmen am Produkt müssen auch die auftretenden Umweltfragen bei der Herstellung und Entsorgung betrachtet werden. Die ständigen Verschärfungen der Anforderungen zur Bewahrung des Lebensraumes zwingen zu einem besonders intensiven Dialog zwischen den politisch Verantwortlichen und denen, die die Anforderungen umsetzen müssen. Häufig zeigt sich, daß Kontinuität, d. H. Der Weg der vielen kleinen Schritte, mehr Erfolg bringt als die Meßlatte zu hoch zu legen, zumal dann die Diskussion um die Frage des Sinngehaltes der Anforderungen geführt wird, anstatt die Energien zielgerichtet zur Lösung der bekannten Probleme einzusetzen. Eine weitere Aufgabe, die auf den Automobilhersteller zukommt, ist die zunehmende Integration seiner Produkte in ein Gesamtverkehrskonzept. Speziell der ruhende Verkehr in den Innenstädten muß marktwirtschaftlich gehandhabt werden. Neue Park und Ride-Strukturen und veränderte Berufsverkehrskonzepte müssen unter Einschluß des öffentlichen Nahverkehrs wesentlich attraktiver werden. In der Vergangenheit hat es häufig Probleme mit Ingenieuraussagen gegeben. Die Gründe dafür sind zahlreich. Dabei sind physikalische Grundgesetze nicht zu verändern. Sie müssen nur richtig kommuniziert werden. In diesem Zusammenhang ist die existierende Fragestellung möglicher negativer Auswirkungen der Technik auf den Menschen und die Natur von größter Bedeutung. Wir Ingenieure müssen lernen, komplizierte Vorgänge deutlich zu machen und den Mut zu einer unpopulären Aussage zu haben. Manchmal gehen Jahre und Jahrzehnte verloren, weil wir unsere Meinung nicht deutlich artikuliert und die öffentliche Auseinandersetzung gescheut haben. So kann es vorkommen, daß der Gesetzgeber Wege geht, die sich hinterher als nicht optimal herausstellen. Für die Überlebenschance eines Unternehmens ist es von wesentlicher Bedeutung, daß die richtigen Produkte, Produktionsverfahren und genügend Marketinginnovationen vorhanden sind. Es gilt mit Augenmaß und unter Berücksichtigung aller Einflüsse, von den Kundenwünschen bis hin zu den begrenzten Möglichkeiten eines Unternehmens, an einem Optimierungsprozeß mitzuarbeiten. Ziel der Ingenieurtätigkeit muß es sein, die Durchgängigkeit im Produktentwicklungsprozeß zu ermöglichen und damit die Wünsche des externen aber auch des internen Kunden mit in den Prozeß einzubeziehen. Gesamtheitliches Denken ist also mehr denn je gefragt. Technik darf kein Selbstzweck sein. Die Verantwortungsübernahme für den Ingenieur ist eine wichtige und ständige Herausforderung. Die technischen Lösungen müssen in ihren Auswirkungen besser analysiert und kommuniziert werden. Ohne den Einsatz der Technik sind die vielen existierenden und ständig wachsenden Probleme nicht lösbar. Technik kann ohne Berücksichtigung der möglichen Auswirkungen zu großen Katastrophen führen. Wir müssen daher zukünftig für das was wir tun noch mehr als heute auch die ethisch-moralische Verantwortung beachten. Neben den rein technischen Disziplinen sollte dieser Aspekt verstärkt in der Ausbildung der Ingenieure seinen Niederschlag finden und letztlich die Verhaltensweise aller in die richtigen Bahnen lenken. In unserer komplex gewordenen Welt setzt sich mehr denn je die Überzeugung durch, daß sich auch die Ökonomie nicht ziellos im ethischen Niemandsland und losgelöst von Normen und Werten des Handelns vollziehen darf. In eben diesen Werten liegt eine der wesentlichen Grundbedingungen für das Funktionieren einer freiheitlichen Marktordnung, die ja von einem gewissen Grundkonsens der an ihr beteiligten Kräfte ausgeht. In unserer sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland steht daher die soziale Komponente im Mittelpunkt, die dem Menschen in seinem Bedürfnis nach Freiheit, Entfaltung, Gerechtigkeit und Wohlfahrt dient. Diese Feststellung wird- so allgemein, abstrakt, gewissermaßen am grünen Tisch getroffen- sicherlich allgemeine Zustimmung finden. Doch stehen dahinter viele offene Fragen. Welche konkreten Schlußfolgerungen, welche Verhaltensmaßstäbe ergeben sich aus einem solchen Satz, für den in der Verantwortung stehenden Unternehmer oder die Unternehmerin, insbesondere in Entscheidungssituationen ihres praktisch alltäglichen Handelns? Weltweit, in Europa, aber auch gerade im vereinten Deutschland stehen wir gegenwärtig vor gewaltigen Aufgaben, denen wir ohne Orientierung im Grundsätzlichen nicht gewachsen sein werden. Die politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Golfkrieges sind zu bewältigen, und die allenthalben bedrückenden Erblasten des Sozialismus in der ehemaligen DDR erfordern zu ihrer Beseitigung auf allen Seiten große Anstrengungen. Schließlich soll der langgehegte Traum von einem vereinten Europa Wirklichkeit werden, von dem wesentliche Impulse für die Weltwirtschaft ausgehen soll. Alles dies sind Prüfsteine für unsere Fähigkeit, die Zukunft zu gestalten. Auch für die Unternehmungen und die sie leitenden Menschen ergeben sich daraus große Aufgaben und Anforderungen, die sowohl das einzelbetriebliche Fortkommen als auch die Wirtschaftsordnung insgesamt betreffen. Es stellt sich daher die Aufgabe, Umrisse einer spezifischen unternehmerischen Verantwortungsethik zu beschreiben und daraus Orientierungs- und Handlungsleitlinien zu entwickeln, die uns im täglichen Gestrüpp oft äußerst komplexer Entscheidungssituationen helfend die Richtung weisen können. Dipl.-Sozialwirtin Eugenie Burgholte-Kellermann ist Vorsitzende des Beirates der Kamax-Werke, Osterode, und Vorsitzende des Verbandes deutscher Unternehmerinnen e. V.. Auch einer praktizierenden Unternehmerin sei der Hinweis gestattet, daß vor allem seit dem 18. Jahrhundert und der Zeit der Aufklärung der Gedanke der individuellen Freiheit den Menschen tief ins Bewußtsein gedrungen ist. Damit verbunden ist aber die Vorstellung, daß jede Freiheit mit Verantwortung einhergehen muß. Denn nur Verantwortung garantiert wirklich Freiheit, und nur verantwortete Freiheit kann letztlich dauerhaft Bestand haben. Produktaufklärerisches Denken ist- mit ursprünglich antifeudaler Stoßrichtung- die Überzeugung, Freiheit müsse mit der Möglichkeit freien Eigentums einhergehen, dessen vernunftgeleitete Nutzung das Handeln der Menschen bestimmen solle. Die sittliche Begründung gesellschaftlicher Verantwortung des freien Individuums brachte Immanuel Kant 1788 auf die Formel: Handle so, daß die Maxime deines Willens zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne! Als Ergebnis eines nicht selten schmerzhaften und tragischen Erfahrungsprozesses in der neueren deutschen Geschichte ist diese Verantwortungsethik ins Bonner Grundgesetz eingegangen, das neben der Garantie des freien Eigentums auch dessen Sozialbindung verankert. Im Konzept der sozialen Marktwirtschaft ist dieses Denken bei uns bewährte ökonomische Praxis. Auch die unternehmerische Verantwortung hat sich stets darauf zu beziehen. Gegenwärtig wird viel von der Sinnstiftung der Arbeit gesprochen. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, daß der Arbeitsplatz im Unternehmen- auf welcher Stufe auch immer- nicht nur Arbeit um des Broterwerbs willen sein soll. Arbeit und Persönlichkeitsentfaltung dürfen sich heute nicht mehr gegenseitig ausschließen. Wir alle wollen in unserer Arbeit einen über den vielzitierten Verkauf der Ware Arbeitskraft( Karl Marx) hinausgehenden Sinn sehen und aktivieren daher ein hohes Maß an innerer Identifikation und Hingabe, die als kollektives Identitätsgefühl in die Unternehmenskultur eingeht. Aus meiner eigenen Erfahrung bin ich überzeugt davon, daß der persönliche Kontakt zwischen Menschen ganz allgemein und zwischen Leitung und Belegschaft insbesondere, wie er etwa im mittelständischen Familienunternehmen alltäglich gelebt und erfahren wird, hier positiv, ja vorbildlich wirkt. Kapital und Arbeit, Inhaber und Beschäftigte, treten einander nicht anonym als abstrakte Größen gegenüber, sondern als Menschen, nahbar und begreifbar in ihrem Handeln und Verhalten, die beide- in ihrer Unterschiedlichkeit- doch gemeinsam Teile eines Ganzen sind. Es gibt viele innerbetriebliche Problemfelder, in denen alle am Unternehmen beteiligten Kräfte aufeinander angewiesen sind, und nur durch einen verständnis- und verantwortungsvollen Umgang miteinander und ohne bürokratisch- verkrustete Konfrontationsstrategien marktwirtschaftliche Potentiale nutzen können. Die gegenwärtige Lage in den neuen Bundesländern zeigt dabei, daß auch die soziale Marktwirtschaft ein Prozeß ist, der nicht über Nacht administrativ gesteuert oder verordnet werden kann. Die an ihm beteiligten Kräfte müssen lernen, seine Dynamik zu nutzen, ihre Rolle zu finden und ihn damit in Gang zu halten. Verantwortungsbewußtes Handeln zwingt dabei dazu, im Interesse des Ganzen, des Aufbaues marktwirtschaftlicher Strukturen und des darauffolgenden Aufschwungs, gegebenenfalls Härten in Kauf zu nehmen und nicht durch vorschnelle Verteilungskämpfe das Gesamtwerk zu gefährden. Das Ausschwitzen des Sozialismus braucht seine Zeit, die schwere Krise der Umstellung muß mit Geduld durchgestanden werden und darf nicht durch eine künstliche Subventionsblüte zum chronischen Leiden verlängert werden. Unternehmer tragen hier eine besondere Verantwortung, die Verpflichtung und Chance zugleich ist, die Chance nämlich zu zeigen, zu welchen Aufbauleistungen Privatinitiative in einer freiheitlichen Marktordnung fähig ist. Angesichts der Lage, angesichts unübersehbarer Investitionshemmnisse gehört viel Mut zum Risiko und ein erheblicher guter Wille dazu, sich zu engagieren. Doch gebietet die gesellschaftspolitische Verantwortung der Unternehmer nun einmal, nicht etwas zu unterlassen, sondern etwas zu unternehmen. Gefordert ist Unternehmergeist, der die zugegeben desolate Gegenwart nicht übersieht, sondern ihre Bewältigung anpackt. Endzeitstimmung, Depression, Mutlosigkeit, Unselbständigkeit, das Schielen nach der obrigkeitlichen Instanz, die wie bisher die Richtung angibt- all dies sind Ausdrucksformen einer resignativen Mentalität, für die man zwar ein gewisses Verständnis haben muß, die aber für eine sich herausbildende Marktwirtschaft kontraproduktiv und schädlich wirkt. Wirkliche Einheit wird es in Deutschland erst geben, wenn nicht nur Marktformen, Lebensniveaus und Infrastruktur alter und neuer Bundesländer angeglichen sind, sondern auch das tiefenpsychologisch verwurzelte Inferioritätsgefühl in den Köpfen vieler Ost-Deutscher neuem Mut und Selbstbehauptungswillen gewichen ist. Hier zu helfen, aufzuklären, praktisch zu arbeiten und zu investieren, ist unsere Aufgabe und Gebot unserer Verantwortung als Unternehmer. Hilfe zur Selbsthilfe, eine aktive Mittelstandspolitik und die Erleichterung von Unternehmensneugründungen werden das Licht am Ende des Tunnels sichtbar werden lassen. Schon warten neue, noch größere Aufgaben auf uns, Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Dazu gehört das zukünftige europäische Haus, in das wir die Tugenden der Marktwirtschaft, unseren Erfahrungsschatz und unsere ordnungspolitischen Zielsetzungen mit einbringen wollen. Noch größere Dimensionen hat- weltweit und für die Zukunft- die Frage der ökologischen Ausgestaltung der Marktwirtschaft. Wichtig scheint mir dabei vor allem, den Faktor Umwelt nicht isoliert zu sehen, sondern ihn als integralen Bestandteil ökonomischer Zusammenhänge zu behandeln. Ökologische Unternehmerverantwortung kann sich nicht losgelöst vom ökonomischen Prozeß entfalten, im Gegenteil: Zur gesellschaftspolitischen Verantwortung der Unternehmer gehört es, im staatlicherseits gesetzten Rahmen zu wirken, Wachstum zu gewährleisten und die Marktkräfte unter Nutzung aller technischen Potentiale zu stärken, gerade um auch aktive Umweltpolitik finanzierbar und langfristig wirksam zu machen. Die Themen Risiko und Sicherheit beschäftigen gegenwärtig die zuständigen Wissenschaften mit rasch wachsender Intensität. Die Menge der Titel fachlicher wie außerfachlicher Literatur schwillt an und belegt die Aktualität der genannten Themen. Hochschulen widmen ihnen interdisziplinäre Vorlesungsreihen. Großforschungseinrichtungen und ihre Arbeitsgemeinschaften beschäftigen sich mit einschlägigen Fragen schon aus Betroffenheitsgründen. Für Industrien und ihre Verbände einschließlich zugeordneter Berufsgenossenschaften gilt das ohnehin. In dieser Aktualität spiegelt sich das wachsende Sicherheitsverlangen der Bevölkerung. So reagiert sie auf Erfahrungen objektiv zunehmender Risiken, denen sie in unserer Industriegesellschaft ausgesetzt ist. Schon das Stichwort Tschernobyl genügt, um die These von der objektiv wachsenden Risikobelastung unseres industriegesellschaftlichen Daseins zu erhärten. Dabei repräsentiert Tschernobyl nur den Prototyp jener technischen Katastrophen, von denen heute jeder aufgeschlossene Medienkonsument spontan mehrere aufzuzählen vermöchte- von Bhopal über Seveso bis nach Basel. Man weiß ja auch, daß die Trinkwasserversorgung von Hunderttausenden von Rheinanwohnern nicht zuletzt über Uferfiltrate sichergestellt wird. Wie sollte da ein Chemieunfall am Oberrhein nicht massenhaft verunsichernd wirken, insbesondere im fernsehvermittelten Anblick der Fischkadaver noch Dutzende von Kilometern flußabwärts? Im wachsenden Sicherheitsverlangen spiegeln sich die objektiv wachsenden Lebensrisiken der Bevölkerung in der modernen Industriegesellschaft. Andererseits: Ein guter Indikator tatsächlich gegebener Lebenssicherheit wäre doch unsere durchschnittliche Lebenserwartung. Legte man diesen Maßstab zugrunde, so lebte die Bevölkerung moderner Industriegesellschaften sicherer als jemals zuvor Menschen gelebt haben. Ärztliche Kunst, pharmazeutische Produkte der chemischen Industrie, vor allem aber Hygiene, die ihrerseits wohlfahrtsabhängig ist, haben zumindest in gesundheitlicher Hinsicht unser Leben insgesamt sicherer gemacht. In Abhängigkeit von Leistungen moderner Technik und Organisation sind wir heute auch vor Naturkatastrophen sicherer als in früheren Zeiten. In welcher Hinsicht existieren wir also heute riskanter? Ganz unabhängig von der Frage, ob wir heute objektiv sicherer oder riskanter als in früheren Zivilisationsepochen existieren, schwindet in hochentwickelten Industriegesellschaften die Risikoakzeptanz. Das hat Gründe, die in elementarer Weise mit den Gegebenheiten des modernen Lebens zusammenhängen. Ihre Wirkungen darf man als irreversibel einschätzen. Sie dürften durch Gutzureden nach dem Motto Mut zum Risiko überhaupt nicht beeinflußbar sein. Man wird sich auf sie einzustellen haben. Um welche Gründe handelt es sich? Ich möchte mich hier darauf beschränken, sechs dieser Gründe in ihren Wirkungen auf Sicherheitsverlangen und Risikoakzeptanz plausibel zu machen. Erstens: Mit der Zunahme des Anteils derjenigen Lebensvoraussetzungen, die zugleich unsere eigenen Hervorbringungen sind, sinkt die Bereitschaft zur klaglosen Hinnahme von Lebensrisiken.- Man kann sich das exemplarisch an den Befindlichkeitsfolgen der Fortschritte der Medizin vergegenwärtigen. Dazu gehören bekanntlich auch die Fortschritte in der pränatalen Diagnostik. Der Anteil der werdenden Mütter wächst kontinuierlich, die die Möglichkeiten dieses Fortschritts nutzen- zumeist in der bedingten Absicht, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen, wenn eine nichttherapiefähige Schädigung des im Mutterleibe heranwachsenden Kindes festgestellt wird. Aber auch hier bleibt selbstverständlich die ärztliche diagnostische Kunst grundsätzlich fehlbar, so daß es, wenn auch selten, vorkommt, daß schwer geschädigte Kinder zur Welt gebracht werden. Die in Abhängigkeit von den Fortschritten der Reproduktionsmedizin ständig wachsende Familienplanung ist ein besonders eindrückliches Exempel für die zivilisationsspezifische Verwandlung von Lebensvoraussetzungen und Lebenstatbeständen in Handlungsresultate, und es ist evident, wie in Abhängigkeit von diesem Vorgang sich die Bereitschaft zur Akzeptanz von Lebensriskien mindern muß. Zweitens: In modernen Gesellschaften machen wir Erfahrungen wachsender Abhängigkeit vom Handeln entfernter anderer. Auch das wirkt sich irreversibel auf unsere Befindlichkeiten aus. Nicht nur gilt, daß schlimme Folgen aus Handlungen uns ungleich stärker berühren als schlimme Folgen aus Prozessen bloßer Natur. Es gilt auch, daß Risiken, denen wir in der Konsequenz der Handlungen anderer ausgesetzt sind, uns ungleich stärker berühren als Risiken, deren Verursachung wir uns selbst zuzuschreiben hätten. Entsprechend expandiert in der modernen Gesellschaft mit der Reichweite unserer realen Abhängigkeit von Handlungen anderer unser Anspruch auf Sicherheit. Drittens: Unsicherheitserfahrungen nehmen zu mit der Größenordnung zivilisationsspezifischer Erfahrungsverluste. Wenn wir uns fragen, was wir denn heute noch, und zwar jeder einzelne von uns, von den realen Bedingungen unserer physischen und sozialen Existenz lebenserfahrungs-durchherrscht wissen, so wird evident, daß noch nie eine Zivilisationsgenossenschaft ihre Lebensbedingungen weniger verstanden hat als unsere eigene. Wir sind wie nie zuvor auf Vertrauen in die Solidarität der Leistungen des uns jeweils benachbarten Fachmanns angewiesen. Das wird deutlich indem man über die Dauer eines einzigen Tages hin sich einmal die Fülle der Vertrauensakte vergegenwärtigt, ohne die wir nicht lebensfähig wären- vom Vertrauen in die wissenschaftlich basierte Kunst des Zahnarztes, den wir morgens, vor Arbeitsbeginn, aufsuchen bis zum Vertrauen in die Funktionstüchtigkeit jenes Taschenrechners, auf dessen Rechenergebnisse sich der Brückenbauingenieur bei seinen statischen Konstruktionsmaßgaben verläßt. Kurz: In komplexen Gesellschaften kompensieren wir die schwindende Reichweite unserer gemeinen Urteilskraft durch Expertenwissen. Im politischen System ist es längst institutionalisiert, und die Sozialwissenschaftler haben es ihrerseits längst vermessen. Expertenwissen ist also das Kompensat schwindender Urteilsreichweite des common sense- wie die Brille die schwindende Sichtweite des Kurzsichtigen kompensiert. Viertens: Unsicherheitserfahrungen intensivieren sich in demselben Maße, in welchem der Informationsraum, der uns medial zugänglich ist, sich über den Handlungsraum, innerhalb dessen uns Dispositionsmöglichkeiten gegeben sind, hinaus erstreckt. Daß die Ausweitung des Bereichs, über den wir informiert werden, Unsicherheitserfahrungen verstärken könne, ist nur auf den ersten Blick paradox. Auf den zweiten Blick erkennt man die Potenz von Information als Medium von zivilisationsspezifischen Ohnmachtserfahrungen. Man kennt inzwischen den Terminus Weltgesellschaft. Es wäre eine Übertreibung zu sagen, daß wir uns bereits jetzt in einer Weltgesellschaft befinden. Aber zumindest in einer Hinsicht existiert, in Abhängigkeit von technischen Entwicklungen, das, was man Weltgesellschaft nennen mag, bereits real: als Informationsgesellschaft. Das bedeutet zunächst lediglich: Der Globus ist inzwischen zu einem nachrichtentechnisch nahezu integrierten System geworden. Über Ereignisse und Vorgänge von einiger Wichtigkeit wird heute die Weltöffentlichkeit in kürzester Frist informiert. Es ist wahr, daß der weitaus größere Anteil sogenannter Weltnachrichten für uns ohne jede praktische Relevanz ist, unsere Kompetenzen nicht steigert und keinerlei Reaktionen nötig macht. Für einen kleinen, sehr speziellen Anteil von Informationen gilt aber just das nicht. In seiner räumlichen Ausdehnung bedeutet der Industrialisierungsprozeß die Zunahme großräumiger realer Abhängigkeiten- von den Handelsströmen, über die unsere Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln und mit Energieträgern erfolgt, über die Nachrichtenverbindungen, an deren Funktionstüchtigkeit im Zeitalter absoluter Waffen der wechselseitig abschreckungsgesicherte Weltfrieden hängt, bis hin zur Kooperationsfähigkeit jener multinationalen Beratungs- und Entscheidungsgremien, ohne deren Arbeitsergebnisse weder die Sicherheiten des weltweiten Flugverkehrs gewährleistet werden konnten noch grenzüberschreitende Öko-Katastrophen abgewendet. Man erkennt: Die synchrone mediale Präsenz von Information über alle Weltereignisse von weltweiter Bedeutung ist in Kombination mit realer Abhängigkeit von diesen zugleich kaum beinflußbaren Ereignissen ohnmachtserfahrungsträchtig. Fünftens: Unsicherheitserfahrungen intensivieren sich mit nachlassender sozialer Kontrolle. Die Wirkungen nachlassender Kontrolle sind inzwischen ein Teil unserer Alltagspraxis. Bedrohtheitsgefühle stellen sich ein, wenn man, rund um die lt, in Erstklassehotels auf seinem Zimmer strenge Anweisungen zur Kenntnis zu nehmen hat, daß man ohne vorherigen Blick durch den Spion auf ein Klopfen hin Türen nicht öffnen solle. In vielen Großstadtquartieren versteht sich analoge Vorsit bei Hausbesitzern längst von selbst. Weltstädte gibt es, in denen man allein einen Abendspaziergang nicht unternehmen sollte. Die Polizei rät, in U-Bahnen weder viel Geld noch gar kein Geld, vielmehr ein bißchen Geld mit sich zu führen, dam bei Raubüberfällen einerseits der Schaden begrenzt bleibt, andererseits aber die Räuber nicht zu Frustrationsaggressivitäten provoziert werden. Man könnte in der Schilderung solcher Veränderungen in moderner Lebensverbringung lange fortfahren. Was ist der Grund dieser Veränderungen? In der Entwicklung moderner Gesellschaften nimmt die relative Bedeutung unserer direkten sozialen Abhängigkeiten voneinander ab, während komplementär dazu unsere indirekten sozialen Abhängigkeitsverhältnisse expandieren. Die Reichweite unserer sozialen Beziehungen nimmt zu. Unsere Subjektivität wird dabei zugleich aus diesen Beziehungen abgezogen. Sie zieht sich mit einem Zuwachs an Privatheit und Intimität in kleine und kleinste Gruppen zurück. Anders ausgedrückt: Mit der Expansion der Öffentlichkeiten, in denen wir uns sozial bewegen, wachsen uns Chancen zu, im Schutze der Anonymität zu handeln. Das Sicherheitsverlangen wächst mit der Höhe des erreichten technischen und sozialen Sicherheitsniveaus. Die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation, derzufolge Gesundheit ein Zustand uneingeschränkten physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens sein soll, hätte noch im tiefen 19. Jahrhundert als vermessen, ja als gottversucherisch gelten müssen. Es sind die historisch beispiellosen Leistungen der modernen Medizin, in Kombination mit der historisch beispiellosen wirtschaftlichen Leistungskraft der modernen Industriegesellschaft, die unseren Anspruch auf seinen heutigen Stand gehoben haben. In Annäherung ans denkbare Optimum gewinnen die verbleibenden Abstände rasch an Unerträglichkeit. Dieser Vorgang mag näherer psychologischer Aufklärung zugänglich sein. Alltagspraktisch kennen wir das aus dem Befindlichkeitsablauf jeder Heimfahrt: Mit der Nähe zum Ziel wächst die Ungeduld. Dabei wäre es ein zivilisationskritisches Mißverständnis anzunehmen, daß sich in wachsenden Sicherheitsansprüchen eine wachsende Dekadenz unserer Selbstbestimmungsfähigkeit spiegele. Insoweit verhält sich die Sache genau umgekehrt. Im sogenannten Wertewandel spiegelt sich das, und Selbstverwirklichung als Lebensorientierungsgröße repräsentiert nicht dekadente Selbstbezogenheit, vielmehr eine objektive Notwendigkeit angesichts beispiellos expandierender Dispositionsfreiräume, in denen nichts geschähe, wenn es nicht selbstbestimmt geschähe. Eben deswegen wachsen die Ansprüche ans System unserer sozialen Sicherheiten nicht trotz der Freiheitsansprüche moderner Bürger, vielmehr ihretwegen. Vom Materialprüfer wird erwartet, daß seine Tätigkeit den sicheren Einsatz der Werkstoffe und Materialien gewährleistet, Schäden vermeidet und Unfälle verhütet. Mit seiner Erfahrung soll er für die jeweilige Anwendung die optimale Werkstoffwahl mit der damit verbundenen Konstruktion und Herstellung treffen. Sollten doch einm